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Jüdisches Volksblatt · 1900-11-02 · 44 (2.11.1900) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
44 (2.11.1900)
Date
1900-11-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 2. November 1900 Seite 3 w. U Houston C h a in b e r l a i u, welcher zwar viel eher anders als juderifreuridlich gesinnt, dessen Antwort aber gerade deswegen von Bedeutung ist. Chamberlain beginnt seine Ausführungen wie folgt: „Phrasen machen ist sehr leicht. Mit Phrasen könnte ich, ohne mir viel Mühe zu verursachen, nach meinem Wunsche mir entweder den Beifall des großen sogenannten liberalen Pöbels, der sich für eine abstracte Menschheit begeistert, oder die Zustimmung einer Menge barbarischer und ignoranter Judenfresser erringen. Ich verzichte gerne auf beides." Nach dieser Einleitung beginnt Chamberlain seine Ausführungen, indem er die Idee, die Juden könnten sich assimilieren, als eine Utopie znrückweist, und indem er an der Hand der englischen Geschichte nachzuweisen sucht, man könne den Juden vollkommen gleiche Rechte einräumen, nachdem die eigene Nationalität consolidiert wäre. Auch aus diesem Jdeengange kann jeder schließen, dass Chamberlain zwar die Eigenschaften der Juden in gewisser Beziehung sehr hoch anschlägt, dass er sie aber als eine Gefahr für die Existenz der arischen Völker, in deren Mitte sie leben, betrachtet. Nach Besprechung der specifischen Verhältnisse, die in Rumänien herrschen, schließt Chamberlain mit folgendem Appell an die Rumänen: „Nieder mit den Verfolgungen gegen die Juden! Nieder mit den absurden und mittelalterlichen Vorurtheilen! Nieder mit der socialen Geringschätzung und mit der persönlichen Animosität! Gewährt den Juden den vollen Schutz der Gesetze, den Ihr anderen Fremden bietet! Gebt ihnen als alten Einwohnern des Landes größere Privilegien, gebt ihnen aber kein Recht auf Landbesitz! . .." So spricht ein Gelehrter, dessen Antisemitismus seiner Ueberzeugung und nicht Geschäftsinteressen entspringt. Bei solch einen. Manne ist auch zu hoffen, dass, wenn er die landwirtschaftliche Entwicklung Rumäniens genauer kennen würde, er auch die Einschränkung bezüglich dos Landerwerbes zurückziehen würde. Es trifft sich, dass wir gerade in dieser Nummer einen Artikel aus Rumänien veröffentlichen, in dem nachgewiesen wird, wie gerade die Gesetze, welche den Juden den Besitz von ländlicheil Boden verbieten, das Land ökonomisch zugrunde gerichtet haben. Es soll uns freuen, wenn diese Ausführungen Herrn Chamberlain zu Gesicht kämen, und er durch sie angeregt, dieses Thema verfolgen sollte! Vielleicht kann er dann bei den Rumänen das erreichen, was die Ausführungen anderer nicht zu erwirken vermochten. Zur Wahlbewegung in Galizien und der Bukowina. (Original-Bericht des „Jüdischen Volksblatt".) Der Mangel einer volklichenOrganifation der österreichischen Juden zeigt sich gerade in jenen Theilen der österreichischen Monarchie am deutlichsten, wo die Juden in compacten Massen wohnen, vielfach die Volksmajvrität bilden und daher in der Lage wären, einen einflussreichen politischen Factor bei den Wahlen in die einzelnen Körperschaften zu bilden. Zu dieser Betrachtung wird man gedrängt, wenn man z. B. Galizien und B ukowina durchwandert, und den Mangel all jedweder zielbewussten Organisation, jedweden klaren Programmes und jedweder einheitlichen Führung unter der Judenschaft sieht. Die Folge davon ist, dass die Juden weder in Galizien noch in der Bukowina tu der Lage sind, ihren eigenen Interessen, der Gleichberechtigung aller Nationalitäten und den Lebensinteressen des Reiches gleich entsprechende Bolkspolitik zu treiben. Sie sind vielmehr in diesen Krvnländern eine Beute jüdischer oder arischer maudatslüsterner Streber, die Knechte der jeweiligen Machthaber, ohne Einfluss nach oben, verhasst nach unten. In Galizien macht sich sowohl unter den Polen als Ruthe ne» immer intensiver eine gegen das herrschende “Dr. K. Lippe. Zu seinem 70. Geburtstage. „Womit glauben Sie, habe ich mir meine Augen zugrunde gerichtet? Meine Ueberzeugung, dass die Juden zu den größten Völkern der Welt gehören, dass sie in jeder Beziehung die Lehrmeister der europäischen Nationen waren, ist das Ergebnis des jahrelangen Studiums der hebräischen Geschichte und Literatur, ein Studiurn, welches ich nur nachts betrüben konnte, da ich während des Tages vollauf von meiner ärztlichen Thätigkeit in Anspruch genommen war; und diese Ueberzeugung kostet mich fast mein Augenlicht!" — so erzählte Dr. K. Lippe dem Schreiber dieser Zeilen, als er ihm die erste freudige Nachricht vom dem wiedererwachteu nationalen Geist innerhalb der jüdischen Jugend Rumäniens überbrachte. Man hat viel über Dr. Lippe geredet, aber die Wenigsten konnten seine Thätigkeit in ihrem ganzen Umfange, ihrer ganzen Bedeutung nach beurtheilen, weil dieselbe sich auf eine Reihe von Jahren ausdehut, und weil ihr wichtigster Theil in einen Zeitabschnitt fällt, in welchem jüdische Nationalisten und noch mehr Prediger des jüdischen Nationalismus, zu den größten Seltenheiten, ja geradezu zu den geistigen Abnormitäten gezählt wurden. In den Achtziger-Jahren entstand in Rumänien unter der Aegide des Socialismus eine Assimilantenpartei, welche unumwunden unter den Mitteln zur Beseitigung des Antisemitismus auch die Taufe aufnahm. Dieser gefährlichen Bewegung widersetzte sich Dr. Lippe mit seiner ganzen Person, mit dem ganzen Fanatismus, der ihn auszeichnet, und der wohl zu seinen schönsten Eigenschaften gehört. Welchen Augriffen er damals ausgesetzt war, wie er in ösfeutlichen Versammlungen alle Gefahren missachtend, mit dem ganzen Feuer seiner Ueberzeugung und mit seinem ganzen wissenschaftlichen Rüstzeug auftrat, dies alles erzählen am bestell und mit größter Rührung seine einstigen Gegner. 1 I System gerichtete Volksbewegung! bemerkbar, die sich in die Worte zusammenfaffen lässt: Weg mit der volksfeindlichen S ch l a ch t a, weg mit der A u s b e u t e r w i r t s ch a f t der Stanczyken! Nun bildeten gerade die Inden bisnun und zum großen Theile noch jetzt ein Bollwerk der herrschenden Macht, jedoch weniger aus Sympathie (für die ihren Antisemitismus oder sogenannten Asemitismus verbergenden Stanczyken), sondern ans Furcht vor dem wirtschaftlichen Bo ycotte d e.rse lb en und vor der politischen Chicane der diversen Bezirkshanptl e u t e. — Als aber bei den letzten Wahlen in den Reichsrath trotz alledenk ein großer Theil der galizischen Juden gegen die Stanczyken für die s o c i a l d e m o k r a t i s ch e u C a n d i d a t e » stimmte, und diesen dadurch zum Siege verhalf, wendete sich mm einerseits der Unwille der Stanczyken gegen die Juden, während andererseits von Seiten der Socialdemokraten der Succurs der Juden keineswegs gewürdigt wurde. Unter solchen Umständen ist es nun allzu begreiflich, dass ein ziemlich großer Bruchtheil der Inden in dem Kampfe der polnischen Parteien gegeneinander für Abstinenz eintritt. Eine eigenartige Situation liegt in L e m b e r g V. Curie vor. Dem Stanczyken-Candidaten steht nicht nur der Svcialdemokrat H n d e c, sondern auch der Redacteur des radicalen „Moniteur", Ernst Breiter, gegenüber, der auch von einem Theile der Socialdemokraten candidiert wird. Der Wahlkampf dürfte, wie bereits jetzt aus Berichten ersichtlich, ungemein heftig werden, da Ernst Breiter nicht etwa nur zu den r ü ck sichtslose st en Gegnern der S t a n c z y k e n - W i r t s ch a f t gehört, und als -Bekämpfer der Corruption und Protection besonders bei den unteren Volksschichten sich sehr beliebt gemacht hat, sondern andererseits auch mit den derzeitigen Führern der galizischen Socialdemokratie auf K r i e g s f u ß l e b t. Könnten die Juden nur nach ihrer Ueberzeugung, unbeeinflusst vom Terrorismus von oben und unten, stimmen, dann wäre es für viele ein Herzensbedürfnis, für E r n st Breiter e i n z u t r e t e n, als den einzigen polnischen Reichsraths-Caudidaten in Galizien, der die Juden ebenso wie die Polen und Ruthenen als nationale Individualität, als gleichberechtigte Nationalität im Lande anerkennt, und sich in der Demaskierung so mancher antisemitischen Größe Verdien st e um die galizische I u d e n s ch a flt erworben hat. Aber, wie gesagt, der Judenschaft gebricht jene Organisation, die sie trotzen lässt all den Einschüchternngsversuchen von hüben und drüben, und die sie daran hindern, mit Ecfolg ans der einen Seite jene polnischen und rnthenischen Candidaten und auf der anderen Seite -jene jüdischen Candidaten zu unterstützen, respective aufzustellen, welche die nationalen und ökonomischen Interessen derjüdischen BolG Massen verirere-n, und bei einer thatkräftigen ' Agitation auch in den einzelnen Bezirken durchznsetzen wären. Besäßen die Inden Galiziens eine national-autottvmistiiche Organisation auf politischer und socialfreiheitlicher Grundlage, dann wären sie imstande, in Westgalizien durch das Bündnis mit den allerdings unter sich uneinigen polnischen Volksparteien und in Ostgalizien durch das Bündnis mit den Ruthenen sich genehme Volksvertreter oder doch mindestens zuverlässige Freunde zu erwerben. Das Verhältnis zwischen I tt d e u u u d R uthene. n ist durch die unverantwortliche Politik der Hansjuden des Polen- Clubs in einer Weise vergifte .' v\t ch/ nsowenig den wirklichen Interessen des jüdischen, als denen-des rnthenischen Volkes entspricht, hier thrit eine Remedur dringend noch. Die jüngere jüdische Generation Galiziens hat es satt, von den R u t h e n e n a l s S ü n d e ritz o ck für die Unterdrückung v o ll Seiten der polnischen Schlacht« betrachtet zu werden, sie Ja, seine einstigen Gegner. . . Denn soweit diese es ehrlich meinten, soweit sie der Versuchung, sich zu laufen, um gute Staatsstellungen zu ergattern, lviderstandeu, sind sie heute eifrige Jüdisch-Nationale, und niemand bedauert mehr als sie selbst die heftigen Angriffe, die sie einstens gegen denjenigen gerichtet haben, dessen siebzigsten Geburtstag sie am 4. November, zusammen mit ihren Leidensbrüdern, feiern werden. Sie haben einmal gesagt und geschrieben: „Der verrückte Doctor Lippe!" — ein Schicksal, das alle ideale Figuren gemein haben — und heute müssen sie sich auf die Brust schlagen und zugestehen, wie sehr sie sich vergangen haben gegen denjenigen, der in einer Zeit allgemeiner Verirrung seine warnende Stimme — die Stimme der Wahrheit — erhoben hatte. Dass diejenigen, die ihlk seiner Ideen wegen für verrückt erklärten, ihm jetzt als ihren Netter, als ihren Führer huldigen, dass ist wohl das schönste Geschenk, das sich der Jubilar zu seinem Feste wünschet» konnte, denn schließlich waren ja die Verirrten auch Kinder unseres Volkes, deren Besserung er »vünschte, und nicht deren Untergang. Das Wiedererwachen des nationalen Gedankens im jüdischen Volke hat Dr. Lippe miterleben können, er, der keinen Augenblick au die Lebens- und Erneuerungskraft des Judenthums gezweifelt hat. Mit seinem Herzblute hat er die Bücher geschrieben, in tvelchen er bewiesen, dass der ethische Gehalt der jüdischen Lehren dieselben zu den ersten ihrer Art erhebt, in welchen er das Märchen bekämpft hat, das jetzt tvieder von unseren Feinden verbreitet wird, in der Hoffnung, dass sie uns dadurch verderben könnten; seine ganze Kraft hat er darauf verwendet Werke zu fördern und zu gründen, die unser Volk moralisch und materiell stärken und für den jüdischen Gedanken wiedergewinnen sollen: Schulen, Leseclubs, Musikvereine, Hilfsvereine rc. Ueberall half er mit Rath und That, und es gibt — speciell in seinem Aufenthaltsorte Jassy — wohl kaum ein wirklich jüdisches Unternehmen, an dem er nicht iu irgendeiner Weise betheiligt sein soll. ist bereit, für die n a t i o n a l e Autonomie der Ruthen e n einzutreteu, fordert aber andererseits klar und unverhüllt dasselbe wechselseits für sich von den Ruthenen. * * * Nicht ganz so, aber in manchen Punkten analog liegen die Verhältnisse in der Bukowina. Hier wie dort ist der maßgebendste Factor bei den Wahlen der L a u d e s g e w a l t i g e, und nur jene Caudidateu haben Aussicht dnrchzudringen, die sich der Gunst dieser Herren erfreuen. Bei den» bunten Nationalitätengemische von Deutschen, Rumänen, Ruthenen und Armenopoleu könnten die Inden bei entsprechender Organisation in der Bukowina wie in Galizien ein umworbener Factor sein. Bei den derzeitigen Verhältnisseu aber sind die Bukowinaer Juden, jeder einheitlichen Organisation entbehrend, ein willenloses Werkzeug der sich bekämpfenden gegnerischen nationalen Parteien. Hoffentlich wird dies in Zukunft besser, wenn die geplante politisch-jüdische Organisation ins Leben tritt. Die ältere Generation neigt zu den sogenannten christlichen Deutschen, die jüngere zu den Rumänen, in deren Mitte sich gerade jetzt „Alte" und „Junge" heftig befehden. Die Bukowina bildet ein österreichisches Bild in Miniatur. In ihr, dem jüngsten Kronlande des Reiches, herrschte verhältnismäßig idillisch-politische Ruhe, aber auch dort schon werfen die kommenden Ereignisse ihre Schatten voraus. Was wir in den anderen Krvnländern der Monarchie schaudernd erlebt haben, davon blieb bisher die Bukowina verschont, aber langsam und sicher dringt jener wüste Nationalitäten Hader und der antisemitische Rassenhass aus den anderen Krvnländern auch in die Bukowina ein. Der Gegensatz, speciell zwischen den Rumänen, die sich b e n a ch t h e i l i g t glauben und Erweiterung der Landesautononkie fordern u;id der deutschfreundlichen Landesregierung ist im Steigen begriffen; der nationale Hass zwischen der deutschen, slavischeu und rumänischen Bevölkerung des Landes wächst durch die berufsmäßige Hetze der nationalen Chauvinisten in den einzelnen Bezirken, und Hand in Hand damit macht sich ein gesteigerter wirtschaftlicher Nvthstand bemerkbar. Das alles sind Keime für den schlummernden Rassen- und wirtschaftlichen Antisemitismus. Die Juden der Bukowina müssen also beizeiten, unbeeinflusst davon, dass ihre politische und sociale Lage relativ günstiger als in anderen österreichischen Krvnländern ist, sich für die kommenden Ereignisse wappnen, damit sie der drohenden antisemitischen Flut nicht wehrlos gegenüberstehen. J. G. Chronik des Judenthums. Inland. Wie». (Aus der vertraulichen Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom 28. October 1900 unter den: Vorsitze des Präsidenten Herrn kaiserlichen R a t h e s H- K l i n g e r.) Im Einlaufe befindet sich ein Schreiben der Frau Honora Krall mit der Mittheilung, dass sie zum Andenken an ihren verewigten Gatten Herrn Heinrich Krall ein Capital von Sti\ 10.000 widmet, damit alljährlich am Todestage des Verstorbenen die Zinsen an zehn arme, insbesondere gelähmte Männer vertheilt werden, ferner zur Errichtung einer Bettstiftung im israelitischen Spitale einen Betrag von Kr. 12.000. Die Widmungen werden angenommen und zur formellen Erledigung an das Vertreter-Collegium geleitet. Der Spenderin wird der Dank votiert. An Spenden sind weiters eingelausen: Von Herrn Wilhelm Kassner. kür verschiedene Wohltb/'.nigkeitsanstalten. ....... x Kr. 1000.— und zwar für den Erhaltungsfond des Sieü-e.l-. . Hauses Kr. 800.—, für Ausspeisung armer Schulkinder der Bezirke XVI und XVII Kr.!00.—, für Ausspeisung armer Schulkinder der Brigittenau Kr. 50.— , für die Talmud-Thora im 2. Bezirke Kr. 50.—. Dies, sowie die Thatsache, dass er seinen ärztlichen Beruf mit derselben Aufopferung und mit demselben Eifer ausübte, und seine Patienten hauptsächlich iu den weiten, in Armut und Elend lebenden Kreisen der jüdischen Bevölkerung halte — machte ihn zum populärsten Manne Jassys. Er ist ein Typus geworden, und es circulieren über ihn allerhand Anekdoten, die seine Persönlichkeit im sympathischesten Lichte erscheinen lassen. Eines Tages soll er in Begleitung des verstorbenen Professors der Jassyer medicinischen Facnltät Filipescn, eine von Inden stark bewohnte Straße durchschritten haben. Eine Jüdin lief hinter ihm her und schrie: „Neb Lippe! Neb Lippe!" Die Weglassung des Titels Doctor gefiel dem Arzte umso weniger, als der rumänische Professor das mitanhören musste. Er that also, als ob er nicht hören würde, dass er gerufen wird. Als aber die Jüdin nicht nachließ, entschuldigte er sich für einen Augenblick bei seinem Begleiter, wartete, bis die Jüdin sich ihm näherte und rief ihr dann mit empörter Stimme zu: „Ich heiße nicht Reb Lippe! Ich bin ein Jude, der ein Blatt Äemore lesen kann, ich heiße Doctor Lippe!" Dass er ein Blatt Gemore lesen kann, das erfüllte ihn mit Stolz, und dünkte ihm mehr des Titels Doctor würdig, als die Medicin, in deren praktischen Ausübung er sich übrigens einen ganz besonders guten Ruf erworben hat. Dr. K. Lippe gehört zu den schönsten Gestalten, die unter den rumänischen Juden leben und wirken. Er hat sich aber durch seine Werke und Thaten bei der g e s a rn m t e n I u d e n s ch a f t Anerkennung und Dank erworben. Wir schließen uns also aus vollem Herzen den Wünschen an, die ihm zu seinem 70. Geburtstage — den er am 4. November feiert — von allen guten und überzeugten Juden zugehen werden. Möge cr uns noch lange Zeit erhalten bleiben: Ein wackerer Mitkämpfer, ein beredtes Zeugnis für die Wirkungen der Ueberzeugungstrene und der Standhaftigkeit. Br.

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