Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 44 (2.11.1900)
- Date
- 1900-11-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 2. November 1900 Nr. 44 nehmen. Das Publicum scheint claquemäßig organisiert zu sein und stebt angenscheinlich unter der Führung des berüchtigten Journalisten Huschet, der sich sogar verschiedentliche Zwischenrufe während der Verhandlung gestattete. Dies führte auch zu einem charakteristischen Zwischenfalle. Während einer kurzen Pause sprach der Vertheidiger Dr. Aurednicek einige Worte mit dem Angeklagten H ü l s n e r. Dies veranlasste Herrn H u s ch e k. die Menge gegen den Vertheidiger zu haranguieren mit den Worten: „Ich war wegen eines politischen Delictes angeklagt und durfte kein Wort mit dem Vertheidiger sprechen, und hier gestattet man das? Er flüstert ihm ja zu, was er aussagen soll! Dr. Aurednicek stellte als Antwort auf diese unerhörte Frechheit den Antrag, Journalist Huschet sei von der Verhandlung auszuschließen. Der Präsident erklärte beim nächsten Vergehen H u s ch e k s dem Anträge Folge geben zu wollen. Von besonderem Interesse und in ganz besonderem Maße charakteristisch waren die Aussagen des Zeugen P e s ch a k. Derselbe behauptete, dass er am 29. März v. I. am Rande des Brzezinawaldes, auf eine Entfernung von 890 Meter, den Angeklagten H ü l s n e r und zwei weitere „ftrembe" Juden erkannt haben will, ja sogar deren Kleiderfarbe und -zustand, sowie die Qualität ihrer Hüte erkannt haben will. Mit einer vielleicht uugewollten Seitenbemerkung hat der Vertreter der Familie H r u z a, Dr. B a x a, den einzig richtigen Standpunkt in dieser Frage eingenommen. Entscheidend für den Wert der Aussagen P e s ch a k s k ö n n e n i ch t d i e S t i m m e der Aerzte, sondern die Vertrauenswürdigkeit des Zeugen allein sein. Die Reinheit der Lnft, die Intensität des Tagelichtes, die Windstärke, die am 29. März 1899 bestanden, seien nicht mehr reeonstrnierbar, und das, was P e s ch a k gesehen haben wolle, sei derart von diesen Factoren bedingt, dass die Beurtheilung des Sehvermögens dieses Mannes jede Relevanz verliere. Allerdings hatte Dr. B a x a diesen Ausspruch vor der Einvernahme der Sachverständigen gems.y/., nuch derselbe.? barte er ihn füglich unterlassen. denn dieselben sagten rugunftru P e s ch a k s aus. Während die Gcrichtsärzte das Sehvermögen P e s cb a k s —- der an üluyehunu.. ,v -"det - normal bezeichneten, ^'klärten Professor D e y l und Docent Chaloupecky seine Augenkraft für abnormal stark. Das Gutachten dieser Specialisten erkläre, dass P e s ch a k die Bewegungen des von ihm gesehenen Mannes habe verfolgen und wenn dieselben für ein bestimmtes Individuum charakteristisch waren, daraus auch das Individuum selbst erkennen können. Dass P e s ch a k auf diese Distanz, wie er angibt, die Kopfbedeckung der beiden fremden Männer so genau gesehen habe, dass er behaupten könne, der eine habe einen steifen schwarzen Hut getragen und sei besser gekleidet gewesen, als der andere, wurde von Dr. Aurednicek als sehr wenig ."-aubwürdig bezeichnet. Sehr scharf gestaltete sich die Fragestellung _be§ Dr. Aurednicek an den Sachverständigen Bezirksamt Dr. M a l k o w s k y, der erklärt hatte, P e s ch a k könne die Contouren der beiden Fremden sehr gut gesehen und aus denselben bei sehr guter Beleuchtung weitere Schlüsse uuf das Aussehen dieser Personen und endlich darauf gezogen haben, dass dieselben ortsfremd seien. Als Dr. M a l k o w s k y nach Einvernahme der vier Sachverständigen nochmals das Wort ergriff, um zu erklären, er habe gesagt, dass Pesch ak den einen Mann genau erkennen und aus den für H ü l s n e r so charakteristischen Bewegungen den Mann als Leopold H ü l s n c r agnoscieren konnte, rief ihm Dr. Aurednicek zu: Herr Doctor, Sie hatten als Sachverständiger a u s z u s a g e n, das aber i st ein P l a idoyer, und zwar das des Staatsanwaltes. Ein wesentlicher Differenzpnnkt in den Gutachten liegt auch darin, dass die Gerichtsärzte sagten, P e s ch a k hätte sehr z?r wissen, wer er ist, was er thut und treibt. Für die Gebildeten, für die Städter überhaupt, ist individuelle Freiheit der vorherrschende Charakter. Der Mann aus dem Volke verliert leicht durch das Aufgebeu seiner gewohnten Anschauung auch die Sache an sich, aus einem unbewussten Zug sträubt er sich gegen das Nene. Hier ist noch Lachen und Weinen, Jauchzen und Klagen, herzhaft ohne Zurückhaltung, die Leidenschaft hat noch ihren vollen Muth, inan weicht ihr nicht ans u. s. w. Deshalb ist hier auch das Feld für die echten tragischen Conflicte, die erst mit dem Tode gelöst werden und nicht auf dem Wege eines faulen Compromisses, die Sphäre für elementare Leidenschaften und Kräfte, die mit unfehlbarer Nothwendigkeit ihren Lauf gehen. Aber freilich würde mau doch irren, wenn man meinte, diese realistische Zeichnug sein ausschlaggebend; dem ist ober^ nicht so, sondern trotz aller Anlehnung an die Außenwelt herrscht doch unverkennbar ein idealisierendes Strebe??,??nd das kann schon um deswillen nicht anders sein, weil er mit dialektisch geschultem Geiste das Leben und Treiben dieser Naturkmder betrachtet und so manchnlal mehr Symbolik in ihre Aeußerungen hineinlegt, als die naive Anschauung der Dinge es eigentlich zulässt. Am einheitlichsten ist das Bild gehalten, wenn jede Einmischung fremdartiger Motive fehlt, und so zun? Beispiel im Diethelm alles aus einem G??sse sich gestaltet; co.nplicierter wird die Situation, wenn der Gegensatz von Land und Stadt (so in dem großen Romane: „Auf der Höhe") sich zuspitzt und doch wieder — vielleicht unbewusst — beide Sphären durch diese Berührung au ursprünglicher Frische verlieren. Wichtig ist vor allem aber noch für die Bearbeitung der Stoffe das ethisch-patriotische Motiv; die Wucht der dämonischen Verstrickung von Leidenschaft, Begehrlichkeit n??d Sünde redet eine ernste, zu Herzen gehende Sprache. Aber daneben tritt die Freude an der wiedergewonnenen Einheit des deutschen Vaterlandes, der tobende Zorn gegen die elende Polizeiwirtschaft früherer Decennien und der Ingrimm über d?e Kliechtnng freier Manneswürde. Im Ganzen und Großen köilnen wir in das Unheil des bekannten Literaturhistorikers Jtilian S ch?n i d t einstimmen, der vor Jahren sich so übe» unseren Dichter äußerte: A u e r b a ch hat in der Poesie ein wohl die l i ch t g r a u e Kleidung, die der von ihm gesehene Mann trug, erkennen können, während die Special i st e n das für ausgeschlossen erklärte». Er hätte wohl sehen könne», dass der Mann einen lichten oder einen dunklen Anzug trage, Farben-Nnancen seien jedoch zu erkennen nicht möglich gewesen. Interessant ist auch, dass derselbe P e s ch a k auf Befragen des Dr. B a x a angab, einen Brief aus Wien erhalten zu haben, in welcher» er ungefähr aufgefordert wird, zugunsten H ü l s n e r s ausznsagen. Der Zeuge besitzt aber nur eine Copie dieses Briefes, der Porzellangaffe Nr. 13 gezeichnet ist, das Original, meinte er, befände sich in den Händen des Herrn Schwer. Anfgefalleu ist es auch, dass der Zeuge kaum den Inhalt dieses Schreibens wiedergeben konnte. Dieser Brief sollte noch zu einem Z?vischenfalle führen, iu rvelchem der Vertheidiger dem Herrn Dr. B a x a es rund heraussagte, dass er die Politik in die Verhandlung hineintragen wolle. Verschiedene Zeugen, darunter a?lch der Pfarrer Ferdinand V l c e k behaupteten, an dem Tage, an welchem vermuthlich der Mord begangen wurde, einen verdächtigen Menschen gesehen zu haben, der sich im Brzczinawalde Herumtrieb. Dieser Mensch war bestimmt nicht H ü l s n e r. In großen Widersprüchen verwickelten sich auch die Zeuginnen Brosch, die im ersten Stocke gehört haben wollen, was im Parterre einige Juden untereinander über den Mord sprachen. Der eine soll sogar gesagt haben, die Hruza sei „tref" gewesen. Bemerkt muss werden, dass die Zuschauer die jüdischen Zeugen, trotz der Verwarnungen des Präsidenten, verhöhnten. Für die nöthige Stimmung wird von den antisemitischen Hetzern durch Verbreitung von Broschüren und Flugschriften gesorgt. Vom Tage. Zu den Wahlen in der Leopoldftadt. Interessante Coulissen-Geschichten kommen uns bezüglich der Wahlbewegung im II. Bezirke zu. Da tagt mit Ausschluss jeder Bekanntschaft und Oeffentlichkeit eine Clique, die sich Bezirks-Wahlcomito der Leopoldstadt nennt und deren Mitglieder neben ihrer besonderen „Strebsamkeit" eine seltene Charakterfestigkeit anszeichnet. Eines Tages wurden die Funktionäre des II. Bezirkes einberufen, welche dem bisherigen Abgeordneten desselben, Herrn Hofraih Kareis, das Vertrauen einstimmig votierten und ihn aufforderten, von neuem zu candidieren. Hierauf constituierte sich das Bezirks-Wahlcomite, welches ebenso einstimmig dieselben Beschlüsse fasste und von der Designierung eines Nvminierungscomites Umgang nahm. Somit war an der Wiederaufstellung des Hofrathes K a r e *" i Vn ivefjr zu rülteln. Nun wurde aber ein Executivcci - " sich eigentlich nur mit de; Details des Wnrftlu.tips? s jcUfw' j »v ze n 'tH t.? dem Beschlüsse d c s Wahlen mttös -: n uns fünf Männern bestehendes N o m i n i e? u n g s c o m i t 6 ein setzte, damit es sich nach Candidatenu ms e h e. Da haben aber die Herren die Rechnung ohne der? Wirt, ohne die Wählerschaft, gemacht. Es kann ihnen passieren, dass sie von einer Seite mit einer Candidatur überrascht werden, von der sie es am wenigstens erwarten. Das wird sie vielleicht zur Vernunft bringen. Die Geduld der Judenschaft in der Leopoldftadt ist zu Ende. Die Juden und die Schlacht«. Nirgends vergehen sich die sogenannten „Oberen" der Juden gegen ihr Volk mehr als in Galizien. Für Würden, Geld, schale Ambitionen verschachern sie die Stimmen unserer neues Genre zwar nicht entdeckt, aber durch sein großes Talent und seine Stellung in der Mitte zweier Culturschichten den Gebildeten zugänglich gemacht; wir haben von ihm geferut, mit Menschen umzugehe«, die noch eine andere Beschäftigung haben, als das Studium der Mvdcnwelt und die Fabrik von Sonetten. Aus einer nicht eingebildeten, sondern in concreto?? geschichtlichen Formen erscheinenden Natur hat die Kunst neuen Lebenssaft für das allzu matt pulsierende Blut gesogen. Das Genre selbst war rnehr Mittel als Zweck; es ist fraglich, ob es dem Dichter heilsam sein würde, es weiter z?? caltivieren. Er steht auf dem Standpunkt unserer modernen Bildung, in deren gewähltesten Kreisen er fortlebt, während er seine Bauern nur in der Sommerfrische anfsricht. Ihren Natnrwuckis sieht er bereits durch baö1 Medium seiner eigenen Dichtmtßen, und sie haben ihm gegenüber auch kaum mehr die alte Unbefangenheit; der einfachste Me??sch, wenn er weiß, dass er einem Maler sitzt, macht Tableau. Seine eigentliche Bedeutung liegt nicht in dem Einzelne??, was er geschaffen, sondern in dem großen Zug seines ganzen dichterischen Lebens. Seine Werke sind zugleich geistreiche und gcmüthvolle Raildglvssen zu der Geschichte seines Zeitalters und wie groß dieses ist, fühlt man aus ihnen lebhaft heraus. In allem, was er geträumt und geivirkt, ist er der warme Apostel der Humanitär, u??d die Humanität ist in der Poesie mehr als je am Platze, seitdem sie in den öffentlichen Interessen nicht rnehr das große Wort führt. Gut, dass es so ist; die politische Thätigkeit beruht auf der Theilung der Arbeit, auf Hingebung an die zerstreuten Interessen des Tages, ans Unterordnung der freien Persönlichkeit untcr die Dieciplin der Partei, sie beeinträchtigt die Sammlungdie Einkehr irr sich selbst u?tf> die heiligste?: Angelegenheiten der Menschheit. Früher überhvben sich die Poeten, heute kann nrlw ohne Gefahr das Wort wiederholen: Der Dichter steht auf eitler höheren Warte als auf der Zinne der Partei. Hauptsächlich der Dichter, den? die Heiligthümer der Menschheit heiligste Herzenssache sind. (Bilder a??s dem geistig. Leben unserer Zeit IV, 147). Man verstaue noch ein kurzes Nachlvvrt. An zwei kraftvollen, eigenartigen Dramatikern des neunzehnten Jahrhunderts in Uinvissenheit und Elend erhaltenen Brüder. Geehrt durch den Händedruck eines verkommenen Stanczyken, in ihrer Eitelkeit durch das Lob eines Schlachta-Mitgliedes geschmeichelt, begehen die „Führer" der galizischen Juden das größte Verbrechen an ihrem Volke, den wahren und richtigen Volksverrath. Und die großen Scharen der jüdischen Wähler? Werden die jetzt noch immer nicht begreifen, dass sie für die paar Gulden, die sie ans den Händen des Wahlagitators empfange?:, ihre ganze Existenz, ihre politischen und menschlichen Rechte verkaufen? Man sollte glauben, dass die Dinge, die sich in letzter Zeit abspielten, so die Judenexcesse, die Aushungerung von tausenden jüdischer Arbeiter durch Sperrung der Wachsschächte in Boryslaw, die selbst der Verwaltungs-Gerichtshof als ungesetzlich erklärte, mtb die systematisch betriebenen gewaltsamen Taufen jüdischer Mädchen, dazu angethan waren, selbst die stumpfe Masse ans ihrer Lethargie aufznrütteln und deren Selbsterhaltungstrieb zu reizen. Und selbst jetzt, wo alles krampfhaft zum letzten, entscheidenden Streiche gegen die Schlacht« rüstet, die das Land seit Jahrzehnten politisch ansbeutet und wirtschaftlich auspreist, die jeden Fortschritt hemmt und jeden Freiheitsgedanken im Keime erstickt, sollten die Jllden abseits flehen bleiben, sollte die mächtige Be»vegung, die in Galizien alle Bevölkernngsclassen uttb -Schichten durchzuckt, nicht schon allein nach den Gesetzen der Massenpsychologie auch auf die Juden ansteckend wirken? Und unter solchen Umständen finden sich noch Inden, die wir als gute Nationaljuden zu betrachten gervöhnt sind und die ihren Glaubensgenossen ein superkluges Pactieren u??d Compromittieren da mit den Schwarzen, dort mit den doppelt gefährlichen Rothen Vorschlägen? Sollte wirklich ein hehres und allen wahren Juden theures Ideal den Stint für das augenblicklich Praktische so sehr in seiner Entwicklung gehemmt haben, dass man vor lauter diplomatischen Phantasien es ruhig duldet, dass unser Volk von einigen jüdischen Strebern der Schlacht.? als Stimmvieh in die Arme getrieben und dabei in der unerhörtesten Weise demoralisiert und corrnrnpiert wird? Es »vird der größte Schaden für den jüdischen Naüonalgedanke??, der jetzt so herrliche Blüten zu treiben beginnt, sein, wenn inan fortfährt, in politischen Dingen, von denen das Wohl und Wehe des jüdischen Volkes. ja doch abhängt, Enthaltsamkeit oder freie Wahl der Partei, der man sich anschließend will, was auf dasselbe hinanskommt, zu predigen. Jetzt wird ein Kampf gekämpft, jetzt müssen wir auch mitkämpfen. Die Idealisten werden uns zurufen: „Das sind keine Kämpfe, das sind nur Scharmützel; wenn die Stunde der Erlösung geschlagen haben lvird, werden?vir schon die Juden rufen!" Wir antworten: Tüchtige Feldherren sehen sich immer vor mit guten Leliten, die immer bereit und fähig sind, et?oas zu leisten. Wer aber soll die große Mission erfüllen, wenn unser Volk durch Knechtung und Verfolgungen physisch n??d geistig zugrunde gerichtet wird? . . . Wer einen Kopf hat zum De??ken, muss sich sagen: Wir Juden müssen die Gelegenheit benützen, die uns der Wahlkampf bietet, um zu unseren Kleinsten und Aermsten hinabzusteigen, sie aufzuklären, zu belehren, zu wecken, sie geistig und politisch zu befreien, sie zu einer festen Phalanx zu vereinigen, damit sie ihre Rechte wirklich in ihrem Interesse und zu ihrem Nutzen a??süben! * * * Houston Chamberlain an die Rumänen. Die rumänische Zeitschrift „Nona Revista Roinana" hat verschiedene europäische Politiker darüber befragt, ob es von Vortheil für Rumänien wäre, wenn es seinen Inden die Bürgerrechte gewähren würde. Unter den eingelaufenen Antworten, von denen rvir seinerzeit diejenige Zolas und Lombrosos veröffentlicht haben, befindet sich auch eine jüngst veröffentlichte des rührnlichst bekannten Privatgelehrten uttb Rassentheoretikers hat das Judenthum dadurch seinen zwingenden Einfluss dargethan, dass sie als Grundlage für ihre Schöpfungen concrete Stoffe der alttesta?nentlichen Geschichte wählten uttb mit packender Gegenständlichkeit zur DarsteN??ng brachten, nämlich Otto Ludwig in den Makkabäern und Friedr. Hebbel in der J?ldith. Dort tritt uns die?vnnderbare Macht des Glaubens, des eigensinnigen Festhaltens an der ein?nal überlieferten Satzung und dazu noch der hcldenmüthige Kamps eines kleinen, mannhaften Volkes gegen seinen übermächtigen, brutalen Gegner vor Augen, und es lvird uns nichts von beit furchtbaren Gründen eines solchen Religionskrieges erspart. Freilich ist der Ansgang des Stückes bei aller Heldengröße einzelner Charaktere (außer Inda gilt das vor allem noch von der Mutter Lea) doch nicht erhebeild und befreieub, vielmehr beklemmend und beängstigend, da die thierische Grausamkeit des syrischen Tyrannen gar zu grell und crass wirkt. U??d ebenso wühlte der grübelttbe Friedrich Hebbel für sein Drama J??dith das bekannte biblische Sujet, nur dass er das ursprünglich religiöse Motiv der Befreiung ihres Volkes aus der drohenden Selaverei des Feindes umgestaltete und mit einer gewissen dämonisch-erotischen Angst vor dem Uebermenschen Holofernes verknüpfte. (Vgl. dazu S. Lublinski, Indische Charaktere bei Grillparzer, Hebbel und Ludrvig, Berlin S. Cronbach.) Die Heldin der Tragödie ragt weit an Energie und unbezwinglichem Muth über die Männerlvelt von Bethnlien empor, aber ihr Empfinden hat sich nicht rein u?ld klar erhalten, und so bleibt auch hier für uns ein Gefühl quälender Unbehaglichkeit und Verstinunnng zurück. Denn die eigenartige Situation, der schneidende Conflict, an dern sie zugrunde geht, besteht darin, dass sie ihr Volk, das sie eigerttlich verachtet, durch den Mord desjenigen Mannes, zn dem sie sich trotz alles inneren Grauens doch hingezvgen fühlt, retten will. Es ist aber ein bedeutsames Symptom, dass so energische Persönlichkeiten, tvie die beiden genannten, die im übrigen sich so entschieden von ihren Zeitgenossen abwandte?!, doch sich zur Wahl eines biblischen Sujets verstanden, um darin die ganze eigenartige Kraft des jüdischen Volkes, sei es auch in einer lange z??rückliegenden Vergangenheit, zu verherrlichen.