Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 43 (26.10.1900)
- Date
- 1900-10-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 26. October 1900 Nr. 43 Ismen zurückgegcben werden." Seine Excellenz der Herr Ministerpräsident Dr. v. 5t o e r b e r erwiderte ans meine Bitte um Schutz: ..Sie verdienen es, er gebürt Ihnen!" Der Herr I n st i z m i n i st e r beauftragte d i e k. k. O b e r - Staatsanwaltschaft Krakau t e l e g r a p h i s ch, mir weite stgchendenSch u tz zu ge w ä h r e n. Die R a t h s k a m >n er unter Borsitz des Präsidenten Moralewski verweigerte die Ausführung dieses PefehleS ebenso, wie die seitens des JuftizministerS verlangte Revision des Klosters der Feliciancrinnen. Meinem Rechtsanwalt wird die Einsichtnahme in die Protokolle verweigert. Se. Excellenz der Minister für Galizien Dr. Pientak erwiderte nrir am 14. Februar in Gegenwart des Reichsraths-Abgeordneten Hofrath Kareis: „An den Mauern des Klosters hat die w e l t l i ch e M a ch t e i n E n d e." — In einem ergreifenden Schlussworte fleht A r a t e n um Erhörung seiner Bitte. Diese Erhörung wurde Israel A r a t e n zutheil. Seine Majestät erwiderte: „Ich werde neue Weisungen an die Behörden ergehen lassen, damit diese ihre Pflicht und Schuldigkeit thun." Wenige Stunden nachher sind auch diese Weisungen erfolgt. Ein Kaiscrwort war nach Galizien ergangen! Und als A raten bei dem Bezirksgerichte um Beistand ansuchte, wurde ihm entgegnet: „Gehen Sie zum Staatsanwalt! Er soll einen Antrag stellen und unsere Sache wird cs sein, den Antrag ebenso zu verwerfen, wie dies in Krakau geschehen ist." Noch einmal hat sich der Ministerpräsident sodann der Sache angenommen, aber der Erfolg ist derselbe geblieben. Noch ist Michalina Arateu im Kloster oder zumindest unbekannten 'Aufenthaltes. Ihre unglückliche Mutter hat einen offenen Brief an ein polnisches Blatt, den „Slowo Polskjie", geschrieben, von dem ich zwei Sätze mittheile: „Möge meine Stimme die Herzen aller Bäter und Mütter rühren! Vielleicht könnte jemand erfahren, rvelchem Schicksal meine unglückliche Tochter anheimfiel, ob das Kind noch lebt und, wenn nicht, wo die Unglückliche bestattet ist." Das ist der Fall A r a t e u." Für die Tagelöhner in Palästina. Auf den R o t h s ch i l d'schen Colonien waren bis vor Kurzem circa 500 Arbeiter als Tagelöhner beschäftigt, die mit ihren Familien etwa 2000 Seelen zählen und daher einen sehr beträchtlichen Theil der jüdischen Ackerbau- Bevölkerung Palästinas darstelleu. Diese Arbeiter fanden bisher ihren Erwerb in der Art, dass sie zur Erntezeit bei der Ernte und in den Zwischenzeiten bei der Vergrößerung der Colonisation thätig waren. Die kürzlich erfolgte Aenderung in der Colonisations- Thätigkeit, die vor allem darauf hinauslänft, fürs erste jede Erweiterung der Colonisation einzustellen, hat die Entlassung einer großen Zahl dieser Tagelöhner zur Folge gehabt, so dass wir auf eine beträchtliche Auswanderung jüdischer Ackerbauer aus Palästina rechnen müssen — die sogar schon ihren Anfang genommen hat! Leute, die mit unendlicher Mühe und Entsagung und Geduld und mit einem Aufwands von vielen Millionen Geldes aus dem Osten Europas nach Palästina gebracht und zur Ackerarbeit erzogen worden sind — die sich an das Klima gewöhnt Haben, dem so viele erlagen, und welche die Arbeit liebgewonnen haben auf dem Boden ihrer alten Heimat -- Diese Leute stehen heute vor der Wahl: in Palästina Bettler zu werden oder nach Amerika auszuwandern. Aber in Palästina gibt es schon viel zu viel Bettler, und sehr schwer wird es diesen Ackerbauern werden, in Amerika als Hausierer oder Handwerker ihr Brot zu verdienen! Und weiter: Welcher Schlag wird eine solche Auswanderung der besten Arbeitseteinente für die Palästma- Bestrebungen jeder Schattierung sein; mögen sie nun Choveve Zion oder Zionisten, Wohlthäter odec Colonisatoren heißen. * Mit allen Mitteln muss daher die Auswanderung aus Palästina verhindert werden, und die einzige Möglichkeit liegt in der Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten im Lande selbst. Es ist die Einrichtung von Industrien in Jerusalem und anderen Orten vorgeschlagen worden, und sicher verdient der Vorschlag die ernsteste Aufmerksamkeit. Aber weitaus zweckentsprechender scheint mir folgender Ausweg, der es den Arbeitern ermöglichen soll, nicht nur in ihrem Lande, sondern auch bei ihrer Beschäftigung zu bleiben. Es ist eine erwiesene Thatsache, dass Baumpflauzungen in Palästina (speciell Orangegärten) ein rentables Geschäft sind, und es fehlt nicht an Leuten, die heute schon an Palästina ein nüchtern-geschäftliches Interesse haben — welche dort Gärten und Weinberge besitzen, die ihnen von dortigen Arbeitern bewirtschaftet werden, und die mit dem finanziellen Ergebnisse — besonders für den Anfang — recht zufrieden sind. Hier sollten die thatkcäftigen Palästina-Freunde eiusetzeu, dieses Beispiel sollte nachgeahmt werden, und es müsste doch sonderbar zugehen, wenn es nicht gelingen sollte, eine weitere Auswanderung landwirtschaftlicher Tagelöhner aus Palästina zu verhindern. Bevor ich zu meinem concreten Vorschläge komme, sei hier darauf hingewiesen, wieviel Raum iu der jüdischen Oeffentlichkeit von den Palästina-Bestrebungen der verschiedenen Couleuren beauspnicht wird, wieviel Lärm gemacht wird, und wie furchtbar lähmend auf jeden ernsten Freund der Sache das Schauspiel der Ohnmacht wirken muss, das diese „großen Organisationen^ in dem gegenwärtigen Falle wieder zeigen. Ta sind die Colvnisations-Vereine mit ihren tausenden von Mttgliederu, die mit einem Maximum von Propaganda ein Minimum von Geld aufbringen. Da ist die Jewish Kolonisation Association, die bei ihren großen Mitteln eine förmliche Angst vor großen Unternehmungen (und solchen, die es werden könnten) hat, und die mit einer geradezu raffinierten Langsamkeit arbeitet. Und schließlich ist da die zionistische Organisation, die vor ein paar Jahren die „allernächsten Anssichten" hatte, und neuerdings von ihren Leuten fast ebensovielÄeduld fordert, wie die Messias- G l ä u b i g e u e s von jeher t h a t e u. Ich glaube — mit vielen anderen Zionisten, die gleichfalls mit der gegenwärtigen Parteileitnug nicht in Frieden leben können — dass der Zionismus das Lebenselement des Judenthuins darstellt. Tie Erfolge der Bewegung nach innen sind grandios zu nennen. Wir brauchen jüdische Solidarität, und von allen dahin zielenden Bestrebnngen ist die zionistische wohl die schönste, und am besten geeignet — bei gesunder Entwicklung — alle lebensfähigen Elemente im Judenthum zu umfassen. Aber andererseits kann nicht übersehen werden, dass die zionistische „Partei-Disciplin" den dringendsten Bedürfnissen des Tages w e r t v o l l e Kräfte entzieht. Es sind nicht wenige, die gern helfend eiugreifen würden, die aber befürchten, damit gegen die Parteitaktik zu verstoßen. Wohlthätigkeit üben oder für eine Idee Geld riskieren sind Dinge, von denen mau sich ziemlich leicht abbringen lässt. Für viele wird es also ein ganz willkommener Vorwand sein, sagen zu können: „Der Zionismus hat mit Wohlthätigkeit nichts zu thun," oder: „Vor Erlangung des Charter oder sonstigen politischen Gegenwertes etwas iir Palästina zu unternehmen, verstößt gegen die zionistische Taktik." Wenn solch „zionistisches" Argumentieren — neben dem Vorzug der Billigkeit — schon im allgemeinen den Nachtheil hat, dass auf dieseWeise eben nichts geschieht, so ist es in den vorliegenden ähnlichen Fällen ganz und gar unhaltbar, da die heute nothweudige Thätigkeit in Palästina ja nicht eine „Infiltrativ n", sondern die V e r h ü t u n g einer „E x f i l t r a t i o n" darstellt! Wenn die officiellen Verlautbarungen der zionistischen Organisation früher einen plötzlichen Erfolg — eine „gute Katastrophe" — in Aussicht stellten, so müssen wir nach den letzten Aeußerungen von gleicher Stelle uns heute mit bem Gedanken an eine allmählige Erreichung des Zieles vertraut machen. In letzterem Sinne aber ist jedes jüdische Kind, das in Palästina geboren wird, und jeder Fußbreit Landes, der dort in jüdische Hände übergeht, ein Schritt weiter auf unserem Wege — ein nationaler Gewinn, während jene Verringerung der jüdischen Seelenzahl des Hl. Landes zum nationalen Verluste wird. Es ist nicht nur Sache der „Wohlthäter und Colonisatoren", sondern auch in eminentem Sinne eine zionistische Pflicht, die Aliswanderung so wertvoller Elemente zu verhüten. Ich habe für diese Aufgabe einen praktischen Vorschlag zu machen, dessen Aussührung gleichzeitig eine bedeutende Verbesserung des jüdischen Besitzstandes in Palästina mit sich bringt. (Schluss folgt.) Perms- und PechMlmgsimiihte. Wien. (Gottesdienst.) Der theologische Verein der Hörer an der israelitisch - theologischen Lehranstalt bringt hiemit zur Kenntnis, dass im Belhause der Hörer des Seminars (Beth- Hamidrasch, Tempelgasse 3) allwöchentlich ein Sabbath-Gottesdienst stattfindet. Die Reihe der Predigten eröffnet Herr cand. phil. V. Margulies am 3. November." Wien (Indischer Frauenverein.) Der erste jüdische Frauenverein hat sich am 14. d. M. unter der Patronanz des Vereines „Offeh Chesed" constituiert. Es ist das der erste Verein, den jüdische Frauen aus dein Mittelstände zur gegenseitigen Unterstützung und Förderung gegründet haben, und der den Zweck hat, auch unter den jüdischen Frauen den Geist der Zusammengehörigkeit und geselligen Lebens zu wecken und rege zu erhalten. Wir begrüßen eine jede derartige Gründung mit größtem Vergnügen, rufen den muthigen Gründerinnen ein herzliches Glück auf" zu und wünschen nur, dass recht viele unserer jüdischen Frauen diesen Verein durch ihren, Beitritt fördern mögen. Bei der am 14. stattgehabten constituierenden Generalversammlung des Frauen-Kranken-Unterstützungs-Bereines „Selbsthilfe" wurde Frau Fanny S i e d e r e r Präsidentin, Stellvertreterin Frau Rosa B a u m a n n, Schriftführerin Frau Agate Stein, Stellvertrelerin Frau I. Fallik, Cassierin Frau Toni Liebling und Frau S. Rubel, Krankenmütter Frau Negine Pilpe l und Frau Betti Sperling, Controllore Frau M. Rose nst o ck und Frau S. D i ck st e i n. Beitrittserklärungen werden entgegengenommen im Vereinslocale, II., Schiffamtsgasse 5, oder im Secretariate des „Jüdischen Volksvereines", II., Leopoldsgasse 49. Wien. (Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten.) Wenn jemals die Bewohnerschaft einer Großstadt auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit ihrem Rufe entsprochen und einen Namen sich erworben, der weit über die Grenze des Landes hinausreicht, so ist es die jüdische Bewohnerschaft der Metropole unseres Reiches. Und doch thut es von Zeit zu Zeit noth, manch' einem dieser im Aufstreben begriffenen Privatwohlthätigkeits-Jnstitute auf publicistischem Wege das wohlverdiente Wort zu sprechen und die allgemeine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Verein zur Unterstützung armer, kranker Israeliten (II., Untere Augartenstraße 17) verdient es in Würdigung seiner humanen, gemeinnützigen Tendenzen in erster Reihe, dass seitens unserer Glaubensgenossen in Wien, der Provinz und des Auslandes eine rege Theilnahme für ihn wachgerufen werde. Verein zur Unterstützung armer,, kranker Israeliten! Liegt nicht schon in seinem Namen die erhabene Mission ausgedrückt, die die Mitglieder dieser Verbindung übernommen und zu deren Bethätigung sie sich freiwillig verpflichteten! Und wenn noch hervorgehoben wird, dass die Thätigkeit des Vereines sich vorwiegend darin concentriert. den im hiesigen allgemeinen Krankenhause internierten armen israelitischen Kranken, ohne Unterschied ob Hiesige oder Fremde, Oesterreicher oder Ausländer auf Wunsch die von den Herren Professoren und der löblichen Spitalsverwaltung in toleranter Weise gestattete rituell zubereitcte Kost zu verabreichen, diesen Unglücklichen, vom Schicksal so schwer Heimgesuchten, die da Heilung oder doch wenigstens Linderung ihrer Leiden suchen, in der schweren Stunde der Prüfung, ja nicht selten in den letzten Stunden ihres Lebens Gelegenheit zu bieten, dem Glauben und den heiligen Vorschriften der Religion treu und ergeben zu bleiben, dann bedarf es sicherlich keines weiteren Commentars, dass dieser Verein, unter den vielen Privatwohlthätigkeits-Vereinen Wiens den ersten Platz, die allgemeine Anerkennung und Würdigung, die regste Theilnahme und Unterstützung und das freundlichste Entgegenkommen verdient. Allein das Ziel ist noch lange nicht erreicht und bem Bestreben des Vereines in der Zahl der mit Koscherkost zu betheilenden Spitalskranker keinerlei Einschränkung eintreteu zu lassen, und seinen Wirkungskreis auch auf die übrigen hiesigen öffentlichen Spitäler auszudchnen, stellen sich immer noch infolge unzureichenden Beitrags- und Spendenzuflusses unliebsame Hindernisse und Störungen entgegen. Bei dem bekannten Wohlthätigkeitssinn und der bewährten Hochherzigkeit unserer Glaubensgenossen in Fällen, wo es sich um bie Förderung edler, gemeinnütziger Zwecke handelt, wird hoffentlich dieser kurze aber eindringliche Appell genügen, | um sie auch für diesen Act der Hmnanitäl, für dieses Gebot der! Menschenliebe zu erwärmen und zu begeistern.! Krakau» (Akademische r Verband „H a s ch a ch a r". Samstag den 13. l. M. fand die IV. ordentliche Generalversainmlung des akademischen Verbandes „Haschacher" (Przedswit) statt. Aus dem Berichte des scheidenden Ausschusses für das Sommer-Semester 1900, entnehmen wir folgende Daten: Es wurden in diesem Zeitabschnitte zwei große Nationalfeste: die Smolenski- und die Bar-Kochba-Feier abgehalten. Alle 14 Tage gab es Vorlesungen und Discussions-Abende im Vereinslocale. Zur Hebung der Geselligkeit unter den Vereinsmitgliedern trugen nicht wenig die Ausflüge bei. Außerdem ist zu bemerken, dass der Präses Dr. Wahrhaftig als auch Vereinsmitglied Doctor S y r o p als Delegierte beim IV. Zionisten-Congress in London fungierten. Hieraus wurde die Neuwahl vorgenommen, welche folgendes Resultat ergab: Präses: Dr. Goldwasser Lazar, Vice- Präses: stuck, med. .Hilfstein Ehaim, Schriftführer: stuck, zur. Landau Leon, Cafsier: eanck. zur. Fruchthändler. Ausschussmitglieder: stuck, zur. Bulwa, stuck, zur. Feldblum Symche, stuck, med. Grünzweig Bernard, Haubenstock Maximilian, Dr. Lauer, stuck, zur. Molet Osias, stuck, phil. Margulies Marcus, stuck.zur. Schächter Abraham. dz. Schriftführer: dz. Präses: Landau. Dr. G o ld w ass er. Uliltheiiimgerr aus dem Pudlicum. Ich Gefertigter sehe mich aus Dankbarkeit veranlasst, meinem Wohlthäter, Herrn Carl Leiter, mex. Dentist, durch diese Zeilen meinen innigsten Dank auszusprechen für die glückliche Operation, infolge welcher ich, der ich an einem angeborenen Gaumendefeete litt und daher gänzlich einer reinen Aussprache entbehrte, meine Sprache wieder vollständig erhielt. Nachdem ich schon früher bei einigen Doctoren vergeblich Heilung gesucht hatte, wurde ich durch Zufall in das zahnärztliche Atelier, Josefstädterstraße Nr. 27 gewiesen, wo ich durch einen ausgezeichnet ausgeführten Opturator wieder in die Lage verseht wurde, mich ohne Anstand in jeder Gesellschaft zu bewegen. In Anbetracht des großen Dienstes, den der geehrte Herr Zahnarzt mir dadurch erwiesen hat, sehe ich mich noch einmal veranlasst, ihm meinen tiefgefühltesten Dank auszusprechen. Mit besonderer Hochachtung M. V., Techniker. O b e r c an to r B a u er, Herausgeber der Wochenschrift die „Wahrheit" und „Oest.-ung. Eantoren-Ztg.", welcher als ausgezeichneter Pädagoge und Fachmann weltberühmt ist, nimmt den regelmäßigen Unterricht zur Heranbildung von Eantoren nach seiner praktisch-langjährigen bewährten Methode ab I. November wieder auf. Seine Schüler, 83 an der Zahl, amtieren in den größten Gemeinden des In- und Auslandes, die sich bei Besetzung von Cantorstellen direct an die Redaction der „Oesterr.-Ungar. Cantoien-Zeilung" oder an Obercantor Bauer wenden. Zuschriften und Anmeldungen sind an Obercantor B a u e r, Wien, II/,, Novararasse 27, zu richten. (Für diese Rubrik übernimmt die Nedaction keine Verantwortung.) Werte Stammesgenossen 1 Der bestbekannte I) r. m e d. K. Lippe in Jassy, der seit einem halben Jahrhundert mit bewundernswerter Energie die Ehre und Lehre des Judcnthums vertheidigt, feiert am 4. November a. e. seinen - 70. Geburtstag. Dr. Lippe, der als Gelehrter die jüdische Wissenschaft bereichert, als Schriftsteller mit dem Blute seines Herzens gegen Jndenfeillde geschrieben, als Begründer von jüdischen Lesehallen und Ehrendirector israelitischer Schulen die Cultur des Judenthnms in Rumänien verbreitet und mir grenzenloser Liebe zu seinem Stanune die Zionsidee als Meister und Muster vertreten, verdient es, dass weite Kreise der jüdischen Bevölkerung feinen 70. Geburtstag festlich begehen. Dr. Nacht. Rabbiner Dr. I. Dr. H. Bur st in. M. Dr. E. S ch w a r z f e l d, Paris. Rabbiner Dr. Lauda u, Botoschani. Hillel N i e m i r o w e r. M. S ch e r z e r. A r m i n Dux, Director. M. S ch w a r z f e l d, Redactenr, Bukarest. K a h a n e. Director, Botvschani. Der Schlüssel. Erzählung vo» Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Die Tochter wohlhabender Eltern, wurde sie die Gattin eines reichen Mannes, mit dem sie glücklich und zufrieden lebte. Löb Frank war ein vortrefflicher Mensch und ein praktischer Geschäftsmann. Er war der reichste Mann in der Gemeinde und hatte das schönste Hans in der Gasse. Oft ist ihm die „Noschhekohlswürde^ (das Amt des Vorstehers) angeboten worden, denn er genoß seiner Wohlthätigkeit wegen, dann auch, weil er ein großer „Takif" (von großem Einfluss) war, allgemeine Achtung, und er hätte die Stelle auch angenommen, wenn ihn seine großen Handelsbeziehungen, die sich weit hinaus erstreckten und die ihn oft wochenlang vom Hause fern hielten, an der Annahme nicht gehindert haben würden. „Ich kann mich persönlich mit den Gemeinde-Angelegenheiten wenig befassen,^ sagte er, „die Gemeinde würde nur darunter leiden, wenn ich die Würde annehme. Wählt einen anderen, der mehr Zeit hat, und wenn Geld oder sonst etwas beim Amt zu richten nöthig ist, werdet Ihr mich immer bereit finden, und es ist ganz gleichgiltig, ob ich „Roschhekohl" (Vorsteher) bin oder nicht." Dieselben Angelegenheiten, welche ihn hinderten, die ihm angebotene Ehrenstelle anzunehmen, bestimmten ihn auch, in seinem eigenen Hanse die oberste Leitung seiner Fiau Jentel unumschränkt zu überlassen, und er that dies mit um so größerer Beruhigung, als er wusste, was Jentel für ein feiner Kops ist, und wie er sich in allen Stücken auf sie verlassen kann. Das Haus von Löb Frank war denn auch ein