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Jüdisches Volksblatt · 1900-10-26 · 43 (26.10.1900) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
43 (26.10.1900)
Date
1900-10-26
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 26, Ociober 1b00 Nr. 43 Muster von Ordnung, und drinnen blühte das schönste Glück der Eltern, Felix, der einzige Sohn, der auf dieser Welt ihre größte Freude ausmachte. Auffallend ist hierbei der Umstand, dass die Eltern, welche doch, wenn Löb Frank z. B. von einer größeren Geschäftsreise zurückgekommen war, vieles miteinander zu verabreden hatten, über dieses höchste Glück/ das ihnen in ihrem Sohne erblühte, niemals ein Wort gewechselt, sondern dass jedes von ihnen dieses Glück für sich still genoss. Auffallend ist dies jedoch nur scheinbar; nur eine oberflächliche Beurtheilung hätte in diesem Schweigen etwa Gleichgiltigkeit vermuthen können; in Wkhrheit aber war dieses Schweigen sehr beredt und hatte seine triftigen Gründe. . Löb Frank seinerseits dachte als praktischer Mann also: Jeder Mensch ist so, wie ihn Gott gemacht hat, und was Gott nicht schon im Mutterleib in die künftige Geburt hineingelegt hat, das liegt auch nicht drinnen und kommt in den Menschen sein ganzes Leben lang nicht hinein. Ich danke Gott, dass Felix ein aufgeweckter Geist ist, er wird sich in jeder Lage des Lebens zurechtfinden können; ich danke Gott aber noch mehr dafür, dass der Knabe ein gutes Herz hat, denn das gibt mir die Beruhigung, dass er seinen Kopf nicht dazu anwenden wird, Schwindeleien und Betrügereien zu ersinnen, sondern dass er ein redlicher Mensch werden wird, wie Gott und die Welt es haben will. Was der Junge werden soll, darüber brauche ich mir gar keine Sorgen zu machen. Im allgemeinen ist es ganz gleichgiltig, was ein Mensch wird, denn es kommt immer darauf an, was er ist, bevor er etwas wird. Wären wir Juden hier emancipiert und könnte der Jude wählen, so stünd' meinem Felix die ganze Welt offen; das ist nun aber nicht der Fall, darum ist meine Ueberzeugung, dass der Jude am gescheidtesten handelt, wenn er etwas Praktisches ergreift, wobei ihm seine Religion nicht ihm Wege steht. Wenn Felix dasselbe wird, was ich bin, wäre das Beste; er sollte eigentlich dasselbe werden, was sein Vater ist; ich lebe glücklich und vergnügt, und will's Gott, könnt' er das Geschäft einmal ebenso groß oder noch größer führen, als ich es führe. Seine Mutter meint aber, er soll studieren. Ich seh' zwar nicht ein, was ihm als Juden offen steht? Ein Advccat, ein Beamter, ein Professor und alles das — kann er nicht werden, bleibt also die Medicin. Und was bringt er mit der Medicin heraus? Was braucht er sich zu plagen für andere? Das ist aber nur meine Meinung. Jentel indessen ist gescheidter, als ich bin, und wenn sie will, dass Felix durchaus studieren soll, so werd' ich ihn studieren lassen. Dies war wirklich Jentels Lieblingswunsch. Nicht dass sie über Erziehung von Löb Franks Ansichten wesentlich verschiedene gehabt hätte, nein, sie wollte aber: Felix sollte etwas anderes werden, als die anderen. Sie hat sich damals, als es sich um den deutschen Namen handelte, über diesen Punkt etwas schroff ja für Löb Frank verletzend ausgedrückt; denn in ihrem Eifer hat sie alle Geschäftsleute unter der Kategorie „Dorfgeher" zusammengefaßt, während sie doch sehr gut wußte, daß Löb Frank zum Beispiel eben kein Dorfgeher ist. Dieser Härte und Unzartheit ist sie sich auch, wie wir wissen, später deutlich bewußt geworden, und deshalb vermied sie es, auf den Gegenstand zurückzukommen. Sie schwieg also, um eine unangenehme Erinnerung nicht wach zu rufen, da sie nicht wissen konnte, wie tief sich dieselbe in das Gedächtniß ihres Mannes eingegraben, und er schwieg, weil sie — schwieg; er dachte: wird sie auf ihrem Willen bestehen, gut, wenn aber nicht, desto besser; ich muß nicht derjenige sein, der sie daran erinnert. Hierin liegt die Erklärung dieser scheinbaren Merkwürdigkeit, welche man in dem Schweigen über Felix zu finden geneigt sein könnte. (Fortsetzung folgt.) Unkvtzrltlilhk StckklMMittluns des Handelsattgestellten-Vereincs „Ermmaiz" in Briirur. IDen P. T. Chefs steht diese Nubrik unentgeltlich nur Verfügung.) Unrcste Uaranzeu-Kists: (Sämmtliche Offerte sind an den Verein zu richten.) Commis, Colonial lind Eisen, Noth-Kosteletz. C o m m i s, Manusactnr, Gablon; a. N. C o m m i s, Modewaren, Manufaetur, Pisek. C o ni in i s, Eisen, Auspitz. Commis, Speee-.ei, Aossitz. Praktikant, Specerei, Brünn. Praktikant, Manufaetur, Brünn. C o m m i s, Specerei, Eger. 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Anträge: „Leon Jl." , p Commis der Specereibranche, deutsch, böhmisch, sucht Posten. Gest. Anträge unter „Hermann Kohn. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis in Wien sucht folgende Arbeitskräfte jüdischer Confessio»: Bügler und Zuschneider für Galanterie und Möbel, 1 Tischler, für Galanterie und Möbel Lehrlinge, ferner Cravattennäherinnen, 1 Cravatenschneiderin und Lehrmädchen mit sofortiger Bezahlung. Persönliche Vorstellung im Bureau des Vereines, II., Taborstraße 59, von 7,9—7,12 Uhr, an Sonn- und Feiertagen bis I I Übr. Mischer Mnerem in Wien. % Der „Jüdische Volksverein" hat den Zweck, überall dort, wo die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Juden geschädigt werden, helfend und schützend einzugreifen, den Geist der Zusammengehörigkeit unter den Juden zu fördern und zu heben und alle Theile zu einem festen Ganzen zu vereinigen. Wer nur einen Funken Gefühl für die politische Drangsalierung, wirtschaftlichen Boycvtts und gesellschaftlicher Missachtung, unter denen wir Juden zu leiden haben, hat, muss einsehen, dass unser Verein nur dann Ersprießliches zu leisten vermag, wenn in unseren Reihen das gesammte jüdische Volk steht. Es ist daher nothwendig, dass ein jeder Jude dem jüdischen Volksvereine als Mitglied beitrete. Die Höhe des Mitgliedsbeitrages wird dem eigenen Ermessen jedes Einzelnen anheinigestellt. Anmeldungen werden im Vereinslocal II., Leopoldsgasse 49 entgegengenommen. Schönste und billigste Grabsteine Marmorplatten in grosser Auswahl bei Josef Stojan, Steinmetz, Wien, V|n Sonnenhofg.8 bei der Margarelhenkirche. Stadtbalmstation: Pilgramgasge. Zahn Atelier Vitus Nuki Atelier des Lehrerhausvereines. WIEN, XIX., HAUPTSTRASSE (Postgebäude). Preise mässig. Ordination von 9—6. Sonn- und Feiertag 9—2. Occasion! Occasion! 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