Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 43 (26.10.1900)
- Date
- 1900-10-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2432763-2432811-2432854--0740-2434422- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 43 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 26. October 1900 Seile 5 Von der Wahlstiminung. (Orig.-Corr. des „Jüdischen Volksblatt".) Krakau, 23. October. Die oppositionellen Parteien strengen alle Kräfte an, um ihre Candidaten dnrchznsetzen. Die Sprengung des Polenclnbs und die Beseitigung des Landeswahlcomites — das ist das Losungswort, unter dem diesmal der Wahlkampf eiugeleitet wurde. Das Häuflein couservativer Wähler wird iunuer kleiner; von dreißig größeren Städten haben bereits siebenundzwanzig ihre Gefolgschaft dem Centralwahlcomite gekündigt. Die elementare Bewegung, die jetzt alle Volksclassen und Schichten ergriffen hat, und die in dem Aufschrei „Nieder mit der Schlachta" ihren Ausdruck findet, beginnt sich auch den jüdischen Wählern mitzntheilen. Auch sie erwachen aus der jahrzehntelangen Letargie. Die letzten drei Jahre mit ihren Judenexcessen, mit ihren typischen Fällen von Entrechtung und wirtschaftlichem Boycott haben endlich den Inden die Vortheile der galizischen Schlachtawirtschaft ins rechte Licht gestellt. Das Facit der letzten dreißig Jahre mit der Gleichberechtigung, dem Polenclnb und den „Hausjnden", haben richtig das Gros des jüdischen Volkes auf den Bettelstab gebracht, moralisch depraviert und politisch corrumpiert. Und die Freunde des jüdischen Volkes müssen nun an seine politische Erziehung und cnltnrelle Hebung frisch schreiten und mit dem Anfang anfangen, um das'alles zuvor gut zu machen, was die streberischen Ehrgeizlinge „mosaischer Confession" unter der Geschäftsfirma der Assimilation verbrochen haben. Indem die Stanczyken-Gesellschaft in alle Richtungen der Windrose verjagt wird, hat auch das Treiben der Byk s, Nappoports und H o r o w i tz' re. sein Ende erreicht. Darum gehören unsere Sympathien dem vereinigten Wirken der oppositionellen Parteien. Wie dasselbe auf die jüdischen Wählerkreise rückwirkt, beweist am deutlichsten der städtische Wahlkreis Kolomea-Buczacz-Sniatyn. Hier candidierten einerseits der Socialdemokrat Dr. S ch o r r, der hauptsächlich unter dem jüdischen Kleinbürgerthum agitiert, und andererseits Dr. S e i n f e l d, der Vicedirector der Stanislauer Staatskisenbahn-Direction, ein reicher Mann und Regierungscandidat. Im Kolomeaer Bezirk kann es keinem Zweifel unterliegen, dass Jedermann, der sich als Pagode dem Polenclnb zur Verfügung stellt und große Geldmittel für Agitationszwecke bereit hält, die größten Chancen hat — diesmal also Dvctor S e i n f e l d. Und doch ist dieser Herr, der, obwohl sein ganzes Leben hindurch dem Jndenthnm entfremdet, eine Zeitlang die Kühnheit gehabt hat, das Mandat einer jüdischen Majorität anzustreben, vor einigen Tagen von seiner Candidatur zurückgetreten . . . Warum? Weil man heute die jüdistyen Wähler in Galizien nicht mehr so kaufen kann, wie vor Jahren, weil für die Candidatur nicht bloß das Geld entscheidend ist. Hat ja Herr Bürgermeister Stern von Buczacz endlich Buße gethan und öffentlich erklärt, fortan selbst für freie Wahlen zu sorgen . . . Bravo Stern! Aber Wort halten! Diese zwei Episoden sind ungemein lehrreich für die Haltung der Juden int bevorstehenden Wahlkampfe. Die jüdischen Wähler erwachen! Auch in B r v d y, wo Dr. Byk, der Protector des Landsmann-MinisterS Pientak, sich vor drei Jahren als Candida! des Central-Wahlcomites ein Mandat er—worben hat, wurde von den Stadthäuptern der Beschlilss gefasst, dem Central-Wahlcomite nicht bcizntreten. Wie tönnten denn die jüdischen Wähler von Brody-Zloczow vergessen, welche traurige Rolle ihr Abgeordneter in der Affaire Araten gespielt hat, und wie ihr „jüdischer" Abgeordneter lediglich durch Detectives gegen die handgreifliche Rache der Lemberger Inden geschützt werden musste! . . . Die Stimmung in der jüdischen Wählerschaft ist eine durchwegs oppositionelle, es fehlt nur noch an einigen Männern, die die jüdische Opposition organisieren und in den Dienst unabhängiger jüdischer Candidaten stellen würden. Das mnsS noch geschehen. Dann bleibt das Hausjndenthnm höchstens aus die Vertreter der Handelskammern beschränkt, und jüdischen Candidaten sind vier bis fünf Mandate sicher. Die Gelegenheit hierzu ist jetzt am günstigsten. Dass sie benützt werde, dafür muss mit all-w Energie agitiert werden. Zu den bevorstehenden Wahlen in der Bukowina. (O r i g. - B e r i ch t deS „Jüdischen V o l kS b l a t t\) Czeruowitz im October 1900. Auch bei uns ist die Wahlbewegnng im vollen Zuge. In allen Orten werden Versammlungen abgehalten und in unseren Localblättern ist die „Wahlbewegung" zur ständigen Rubrik geworden. Die Numänen, die herrschende Partei im Lande, sind jetzt in zwei Lager getheilt. Die einen, die sich „das rumänische Central-Wahlcomite" nennen, haben zwar ihre Candidaten offiziell noch nicht genannt, doch ist es bereits ein offenes Geheimnis, dass I s o p e s c u sich um ein Mandat im südlichen Wahlkreis und Dr. L n p n l um ein solches in den Czernowitzcr Landgemeindeu bewerben wird.Ihnen stellen jedoch als Gegencandidaten d;e „Jungrumänen", die Herren' Dr. Popovici und H v r m n z a k i gegenüber. Für nur Juden ist es ganz egal, welche von den beiden Parteien den Sieg davontragen wird, denn sowohl die eine wie die andere ist nicht offen gegen die Inden aufgetreten, hat sich aber auch nicht allzu philosemitisch gezeigt. Angenehm hat es jedoch berührt, dass in der ersten Curie deS Großgrundbesitze- (gr.-or. Consistorinm) die Wiederwahl des berüchtigten Judenhasiers Z u r k a n fallen gelasien wurde, an desien Stelle C i n n t u l e o c oder R e n n e y gewählt werden dürfte. Auch der bekannte Dr. R o s ch man n, drr seine Wahl ausschliesslich den Inden verdankt hatte, und dann, entgegen feinem Versprechen, wild zu bleiben, sich der Deutschen Volk-Partei anschloss, hat vorsichtshalber auf »ine Wiederwahl verzichtet. An seiner Stelle tritt jetzt Dr. S k e d l auf. Dr. Skedl, ein „Deutscher" ans dem Westen, der auch nicht zn den Jndenfreunden gezählt werden kann, dürfte sich der Deutschen Fortschrittspartei anschließen. In Czernowitz haben die unmittelbar bevorstehenden Gemeinderathswahlen das Interesse für die Reichsrathswahl in den Hintergrund gedrängt. In den Reichsrath candidiert vorläufig nur Herr Dr. Strauch er, der auch gewiss wiedergewählt wird. Was aber uns Jüdisch- Nationale äußerst sympathisch berührte, war eine interessante Versammlung, die am 14. d. M. im Rathhaussaale tcgte. In dieser setzte Dr. S t r a u ch e r unter lebhaftem Verfalle auseinander, dass er der einzige jüdische Abgeordnete sei, der stets uneigennützig für jüdische Interessen eiirgetreten und mit den großen Volksmassen in Contact geblieben sei. Am Schluffe kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Doctor Straucher und Dr. Billig, dern Einbernfer der Versammlung, welcher jenem vorwarf, dass er zwischen den Massen des Volkes und der Intelligenz eine Scheidewand errichtet habe. Man einigte sich schliesslich znr Einsetzung eines fünfzehngliedrigen Comites, welches die Frage der Orgarüsation der Czernowitzer Judenschast zu berathcn haben wird. F. B. Der Fall Araten. M. Landtagsabgeordneter Dr. Ofner sprach vor einigen Tagen im Festiaale des Kaufmännischen Vereines über den Fall Araten und hat die an ihm gewohnte Gründlichkeit, wenigstens was das Thatsächliche und Juridische des Falles betrifft, auch hier erwiesen. Mit Recht wäre sein Erfolg ein seltener geworden, wenn er sich auf diese beiden Gesichtspunkte beschränkt hätte. Einzelne Theile der nackten Thatsache, die erst durch das Referat Ofners, namentlich durch die Vorlesung von Aratens Majestätsgesuch, in die Oeffentlichkeit drangen, übten in ihrer ans Unglaubliche grenzenden Ungeheuerlichkeit die tiefgehendste Wirkung ans die Versammlung, die ihr in stürmischen Zwischenrufen Ausdruck lieh. Der unglückliche Vater des gerankten Mädchens, Israel Araten, welcher der Versammlung anwohnte, darf der Antheilnahme aller gerechten Menschen sicher sein, wenn die Diener der Religion der Liebe an ihrer reinsten Art, der Liebe der Eltern zu ihrem Kinde, sündigen, und wenn Rcgierung und Recht ohnmächtig vor den Thoren eines Frauenklosters innehalten. Wenn der Fall im dunklen Asien seinen Ort oder im dunklen Mittelalter feine Zeit hätte, er hätte kaum liebloser und rrichtswürdiger, roher und barbarischer ersonnen werden können, und muss als solcher nicht nur die Empörung der Juden, sondern die Empörung aller Menschen in der ethischen Bedeutung dieses Begriffes anfachen. Soweit ist der Fall Araten =— darin sind wir mit Dr. Ofner einig — kein jüdischer, sondern trifft das allgeniein Menschliche. Anders sieht es jedoch, wenn Dr. Ofner die Frage keine specifische Jndenfrage nennt und darüber jammert, dass es ein schlimmes Zeichen unserer Zeit sei, wenn sie als solche anfgefassl werde, wobei man mit mathematischer Genauigkeit ansrechnen konnte, dass er bald darauf die staatsgrundgeschlich gewährleisteten Rechte der Juden betonen werde, deren kläglicher Bankerott doch kaunt besser dargethan werden könnte, als durch den Fall Araten. Es seien auch Fälle vorgckvmmen, dass mohammedanische Mädchen geraubt und zwangsweise zum Christeuthnme bekehrt wurden. Was hat aber — so fragen wir — die Stanczykenwirtschaft und die Uncnltur unter den galizischen Inden — dies sind nach Dr. Ofner die Gründe dieser Fälle — mit dem Raube mohammedanischer Mädchen in Dalmatien zu thun, wenn wir schon darüber den Mantel allgemeiner Menschenliebe breiten, dass Herr Dr. Ofner über die Juden in Galizien in einer Weise sprach, die jedem Kenner der Verhältnisse ein leises Lächeln entlocken, in ihm aber auch ein großes Bedauern waryrusen musste, dass ein so gelehrter Herr mit so sichtlichein Eifer über ein Ding sprach, von dem er keine Ahnung hatte nnd das er offenbar nie in der Nähe besehen. Die Schlussfolgerung, die Herr Dr. Ofner nicht aussprach, die aber für jeden Denkenden klar zutage trat, ist diese: „Die Inden begehen einen Fehler, dass sie sich des Verbrechens, das an einem der ihren verübt wurde, als eines Verbrechens, das ihre Gcsammlheit augehe, erwehren, sie müssten vielmehr ruhig abwarten, bis die Menschen sich ihrer Menschenpflrcht entsinnen und das arme Mädchen, das nur zufallsweise dem Jndenthnm angehörr, aus den Händen ihrer Peiniger befreien. „Dieser Ruf nach Sclbstentmannung richtet sich von selbst, wenn man das Verhalten jener Parteien, welche Menschlichkeit, Freiheit, Fortschritt, Gleichheit, und wie all die schönen Worte lauten mögen, auf ihre Fahne geschrieben haben, in dieser Affaire betrachtet. Das Organ der österreichischen Filiale der internationalen Svcialdemokratie, die man doch, wenn man ihrem Programme traut, eine Liga der Menschenrechte nennen müsste, hat für das Recht eines Menschen, weil er Jude ist, keinen Raum. Die „Arbeiter-Zeitung", die über die Dummheit des Herrn B i e l o h l a w e k leitartikelt und die den Lumpereien der Liberalen Spalten widmet, referiert über Michalina Araten an jenem Orte, an welchem sie sonst constatiert, dass ein lebensmüdes CvmfortablerosS gewaltsam den Weg in ein besseres Jenseits gejucht habe, und dass em Ziegelstein, der heute in der Müllnergasse vom Dache eines Hauses fiel, unversehrt die Mutter Erde erreichte. Und wie verhielten sich denn jene Freisinnigen und Fortschrittlichen, von denen Herr Dr. Ofner da« Heil erwartet, in „diesem Falle, wie in vielen anderen?a Sie kämpften für die Entfernung der gemischtsprachigen Tafeln auf den ärarischen Spucknäpfen, betrogen ihre jüdischen Wähler durch Tvmprvmisse mit deren größten Feinden, hofften auf Gott und bauten darauf, dass es zur Neuwahl noch weit sei. Hier hätte auch Dr. Ofner einsetzen müssen, al» er von den Lehren der Falles Araten sprach. Er that e« nicht und begnügte sich mit Phrasen. Wir wollen e» daher au feinerstatt thun und zu unseren StammeSgenossen sagen: Juden, seid Juden'. Werft Euch nicht mehr weg! Seid stolz! Diejenigen, die Ihr zu Eurem Schutze bestellt und erwählt habt, haben Euch hintergegangen und pactieren mit Euren Feinden. Ungestraft darf man Eure Ehre besudeln und beschimpfen, Eure Erwerbsquellen unterbinden und vernichten, Eure Kinder rauben, Euch selbst aber des abscheulichsten Verbrechens, des Mordes zeihen. Eure „Freunde" schweigen, darum müsst Ihr so laut und vernehmlich sprechen, dass man Euch höre, und für Euch selbst jene Plätze stürmen, von denen man Euch hört. Organisiert Euch, schließt Euch fest zusammen und vertraut Eure Vertretung nur Männern aus Eurer Mitte an, die an Araten und an Polna nicht vergessen werden! Nur der ist verloren, der sich selbst aufgibt! * Nachdem wir dies vorausgeschickt haben, bringen wir das Thatsächliche des Falles, wie ihn das Referat Dr. Ofners darstellt, weil, wie bereits gesagt, erst durch dieses eine Reihe interessanter Einzelheiten bekannt werden. „Gewisse Fälle von hoher Bedeutung, wie es diejenigen sind, mit denen wir uns heute zu befassen haben, müssen immer wieder in Erinnerung gebracht werden. Ich erinnere mich bei dieser Gelegenheit an eine sehr interessante Bemerkung in der Hagada. Dort äußerten sich mehrere Gelehrte über den Auszug aus Aegypten, dass man nie aufhören sollte, darüber nachzudenken. Hier sollte man eigentlich auch nicht aufhören, darüber zu reden, bis das Recht zum Sieg gekommen ist. Ich entnehme den Fall Araten aus einem autoritativen Actenstück: Nachdem Araten die Hilfe verschiedener Behörden vergeblich in Anspruch genommen hatte, wandte er sich in einem Gesuche an die Gnade Sr. Majestät. Ich nehme dieses znr Grundlage meines Berichtes und werde nur von Zeit zu Zeit Ergänzungen anfügen. Nach einer kurzen Einleitung, in welcher des Schmerzes des tiefbewegten Vaters und der Klage des gebrochenen Mutterherzens erwähnt wird, beginnt Araten: „Meine unmündige Tochter Michalina Araten, welche erst am 27. Mai 1900 das vierzehnte Lebensjahr erreicht, wurde am 30. September des abgelaufenen Jahres aus dem Elternhause in das hiesige Felicianerinnenkloster gelockt". „Als ich, der Vater Israel Araten, ihren Aufenthaltsort erfuhr und mich am 31. Decen.bcr in das Kloster begab, versprach nur die Oberin, Schwester Marie Rosalie, meine Tochter vorzuführen. Als dieselbe zur Thüre gebracht wurde, vernahm ich ihr Schluchzen. Es war der letzte Laut, der aus dem Munde des geliebten Wesens an das väterliche Ohr drang. Ich hörte, dass sie in ein Nebenzimmer geführt wurde, und im Corridor erschien die Schwester mit der niederschmetternden Antwort: „Kommen Sie nach fünf Tagen". Michalina war offenbar noch nicht bekehrt. Ich gieng zur Polizeibehörde mit einer Eingabe, um meine Tochter sprechen zu dürfen. Inzwischen verfiel die Mutter des Kindes in eine Krankheit, und bei dem Consilium der Aerzte erklärte Professdr Parenski, dass es unbedingt nöthig sei, ihr ei» Wiedersehen mit d em Kin d e zu ermöglichen. sEr richtete selbst ein diesbezügliches Schreiben an den Polizeidirettor Herrn Koryikiewicz mit der Bitte, dass der Mutter gestattet werden möge, das Kind wenigstens auf eine stunde zu sehen. Drei Ha u s e i g e n th ü m e r leisteten Bürgschaft, dass dieTo chter nach einer S tund e des Wiedersehens mit der Mutter gur Polizei zurückgestellt werde. Die „Bitte wurde abges ch l a g eit." (DerHerr Polizeidireetor begründete seine abschlägige Antwort damit, er sei nicht dazu da, jüdische Mädchen aus dem Kloster herauszunehmen.) „Auf meine zweite Eingabe, dass mir gestattet werde, sie zu sprechen, wurde mir ein Pvlizeicommissär zur Begleitung ins Kloster mitgegeben. Ich blieb im Corridor, während mein Vater Marcus Araten sich mit dem Commissär in das Innere begab. Die Schwester Marie Rosalie erwiderte dem letzteren, Michalina sei krank und könne nicht vorgeführt werden. Als ihr der Commissär mittheilte, dass die Mutter sie vor ihrem Tode w i e d e r z u s e y e n w ü n s ch e, erwiderte sie: Sie wird sic im Himmel Wiedersehen! — (Der Arzt erklärt, es ist eine nothwendige Sache bei ihrem Zustande unv bei der Möglichkeit einer Gesundung, dass sie die Tochter wiedersieht; und die Verkünderin der heiligen Religion und der christlichen Liebe verweist sie auf den Himmel, das heißi ans den Tod!) (Lebhafte Bewegung.! Der ans meine Veranlassung znr Untersuchung gesandte Gerichtsarzt Dr. Filimowski erklärte, dass er meine Tochter völlig gesund befunden habe. Ich richtete eine dritte Eingabe an die Polizei um d>e Erlaubnis, meine Tochter zu sehen, welche mit der Begründung abgewiesen wurde, dass sie krank sei. Ich veranlasst-: eine Untersuchung durch Professor Zulawski, welcher wiederum die völlige Grundlosigkeit dieser Behauptung conftatierte. Ich richtete eine weitere Eingabe an die Polizei, mein Kind sehen zu dürfen, und wartete am 20. Jänner im Corridor des Klosters in Begleitung des Commissärs. Aus sein Verlangen der Vorführung antwortete ihm diesetve Nonne: In sieben Tagen wird er sie sehen können. Der Commissär machte sie ans das Gesetzwidrige ihres Vorgehens aufmerksam, da das Kind noch nicht vierzehn Jahre alt sei und durch die Behörde aus dem Kloster ins Elternhaus zurückgestellt werden müsse. Darauf antwortete Schwester Marie Rosalie, dass sie sich beim Gerichte um die Verzögerung der Angelegenh e i t bemühen werde, bis das Kind d n s A l t e r v o n vierzehn Jahren erreicht haben ivürde. Inzwischen werde dasselbe w c g g e f ü h r t werden. Diese Antwort ist von dem Commissär auch zu Protokoll gegeben worden. Als mir, der ich im Corridor wartete, dies mitgethe.lt wurde, fiel ich in Ohnmacht. Man rief mich ins Bewusstsein zurück und die Schwester sagte: Duö ist ein Fingerzeig Gones! Als ich am 29. Jänner mich bei der Polizei einfand, meldete die Schwester Marie Rosalie, dass das Kind vor zwei Tagen ans dem Kloster entkommen sei, man wisse nicht wohin. Die Unwahrheit dieser an sich unmöglichen Behauptung stellte sich spater heraus. Meine Tochter war von zwei Felicianerinnen, von denen die eine Isidora heißt, entführt uuö in die Filiale Lagiewnski gebracht worden. Ihre Anwesenheit ist durch die Gendarmerie constatiert worden, ohne dass sich dieselbe, bei Mangel eines Auftrages, zilin Einschreiten berechtigt tuiffeii wollte. Sobald il)t Aufenthalt ausgeforscht war, verschwand sie von dort, und es ist constatiert, dass sie aus einer Ortschaft bei Mielee erst vor einigen Tagen einen Brief an die Gräfin T a r n o w s k i gelangen ließ mit der flehentlichsten Bitte, sie ihrem Elternhause wiederzngeben. (AuS einem zweiten Berichte geht hervor, dass Michalina Araten in die verschiedenen Klöster: Bioczije, Morawiee, Wolgijrr Slowska, Kenlij, Wiloiva geführt ivnrde, dass sie dort überall gesucht wurde und, sobald man sie fand, in ein anderes Kloster gebracht wurde. Die Behörden, von denen man Hilfe verlangte, verweigerten sie. Nur ein Mann, der Bürgermeister von Kentij, ließ der Gerechtigkeit freien Laus und ordnete eine Hausdurchsuchung arr. Die Folge davon w ar, dass er w egen Hausfriedensbruch zu z e h u T ag en Arrest v erurt h e ilt w u v d e.) Einsehend, dass ich bei den Localbehörden keinen Rechtsschutz finden werde, nahm ich am 4. Februar Audienz bei Seiner Excollenz dem Herrn Justizminister Dr. Gras S p e n s - B o o d en, dessen Antwort lautete: „Fahren Sie nach Hause, das Kind soll