Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1900-10-19 · 42 (19.10.1900) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
42 (19.10.1900)
Date
1900-10-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2432763-2432811-2432853--0732-2434413
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 19. October 1900 Nr. 42 Wort und Schrift zu verbreiten und dem Bildungsbedürfnisse der jüdischen Studenten entgegenzukommen sich zur Aufgabe gestellt, hat bei seiner am 16. März 1900 erfolgten Konstituierung ausdrücklich erklärt, dass es in seiner Absicht liegt, die jüd. Hochschüler, welche die Hälfte der Studentenschaft an der hiesigen „Franz Josephs-Universität" ausmachen und sich in allen möglichen Lagern, aber nur zum geringsten Theile im jüdisch-nationalen Herumtreiben, unter unsere Flagge zu sammeln. So weit unsere Mittel reichten, haben wir alles gethan, eine Bibliothek wurde gegründet, welche derzeit MO Bände zählt, auch liegen 15 verschiedene Zeitungen im Vereinslocale aufdie Anforderungen aber, die man an unsere kleine Bibliothek stellt, sind zu groß, als dass wir ihnen mit den geringen Mitteln unseres zungen Vereines entsprechen könnten. Wir wenden uns daher an alle jüdischen Schriftsteller und Förderer jüdisch-nationaler Bestrebungen mit der dringenden Bitte, dem Vereine dt'.rch Ueberlassung ihrer Werke, resp. durch Bücherspenden zuhilfe zu kommen. Möge der Verein, der keine Mühe und Kosten im vergangenen Semester gescheut, im kommenden noch mehr Früchte zeitigen zum Wohle der heiligen Idee. Wir hoffen, dass unsere Bitte in Anerkennung ihrer Berechtigung auch Berücksichtigung finden wird und zetchnen hochachtungsvoll I. A. d. a. C. stuck. jur. Abr. Som in e r, stuck. jur. Abr. Fischer, dz. Vicepräses. dz. Präses, stud. jur. PH. Fleischer, dz. Schriftführer. Das Vereinslocal des jüdisch-akademischen Lesevereines „Humanitas" befindet sich in Czernowitz, Gymnasialgasse 4. Der Schlüssel. Erzählung Vereins- und Dersammlungsberichte. Wien. Im Clublocale des Cafck „Adria" wurde am Mittwoch abends vom Humanitäts- und Bethaus-Berein „Marpe lanefesch" eine recht gut besuchte außerordentliche Generalversainmlung abgehalten und zwar handelte es sich um Erweiterung der Vereins- Agenden, bezw. Aenderung der Statuten. Obmann, H. S teiner, begrüßte die Erschienenen, unter denen auch Vorstands-Mitglied, Hr. Dr. Alfred Berger anwesend war. Hr. M o r g e n st e r n verlas jene Paragraphen der Statuten, die einer Aenderung zu unterziehen wären, indem fortan der Verein auch als Bethaus- Vereiu zu gelten hätte. Namentlich entspann sich eine lebhafte Debatte bezüglich der Bethaus-Vorsteher, die laut Antrag des fr. R o s n e r, vom Plenum des Ausschusses zu cooptieren wären. «gegen machte Hr. Dr. Berger namens des Cultus-Vorstandes einige Bedenken geltend, die auch berücksichtigt wurden und die Ansicht drang durch, dass bloß 15 Vorstands-Mitglieder für 3 Jahre zu wählen wären, die aus ihrer Mitte die Gabbaire wählen. Ebenso widerrieth Hr.'Dr. Berger dem Anträge, die Wahl der Ausschuss-Mitglieder von der Bestätigung des Vereins- Rabbiners abhängig zu machen und somit wurde beschlossen, dass die gewählten Herren streng nach den Satzungen des Schulchan Aroch zu leben hätten, ebenso müßte der jeweilige Rabbiner von 3 orthodoxischen Autoritäten bestätigt sein —n. Wien. (Jüdisch-akademische Verbindung „Unitas".) Die jüdisch-akademische Verbindung „Unitas" zeigt allen ihren Freunden und Kommilitonen an, dass sie ihre neue Bude, VIII., Josefstädterstraße 14, bezogen, hat und ladet zum Besuche derselben sreundlichst ein. Gleichzeitig theilt sie das Ergebnis der Neuwahlen für das Wintersemester 1900—1 mit: tscckin. Julius Fürst X, jur. Karl Auerb ach XX, jur. Arthur Winter XXX- Wien. (Humanitärer Geselligkeit s-B erein „S ch l a u m e i e r") Der vom genannten Verein, Dienstag, den 16. October 1900, im Prachtsaale „Hotel Bayrischer Hof" abgehaltene gemüthliche Unterhaltungsabend, verlief in der animiertesten Weise und gebührt hierfür dem Comite, sowie allen Mitwirkenden die vollste Anerkennung. Die an diesem Abende zu Gehör gebrachten Musikstücke, die humoristischen Couplets und Duos, die Theatervorstellung: „Die Ablösung" wurden mit größtem Beifall und Anerkennung ausgezeichnet. Um das Gelingen des Festes haben sich die Damen Frl. Fifi L i n d n e r, mit ihrem reizenden Gesang, Fr. Norde n-W e s e l k a und die Herren Mnniker Schröter, Andreas Crovetto besondere Verdienste erworben. Auch sei des russischen National-Gesangs- und Tanztrio Mr. Willjanoff gedacht, das durch seine aufgeführten russischen Tänze und Gesänge einen Sturm von Beifall erntete. Den Vorträgen schloss sich ein gemüthliches Tanzkränzchen, geleitet vom Tanz-Arrangeur R e ch n i tz e r an, dass die lustigen „Schlaumeier" bis zum frühen Morgen zusammenhielt. Nachdem solche Veranstaltungen die Geselligkeit im Vereine selbst fördern helfen, auch der Cassa dieses Vereines, dank der Opferwilligkeit der Besucher und anderer Wohlthäter, namhafte Beträge zusühren, wäre nur zu wünschen, wenn der Verein des Oefteren mit ähnlichen Unterhaltungsabenden hervortreten würde; es ist sicher ein guter Besuch zu erwarten und wird damit der beabsichtigte Zweck erreicht werden. G. Czernowitz. In der am 1. October stattgefundenen Plenarversammlung des akademischen Lesevereines , Czernowitz wurden in den Ausschuss folgende Herren gewählt: stuck. jur. Abraham Fischer zum Präses; stuck, jur. Abraham Sommer zum Vicepräses; stud. jur. Ph. Fleischer zum Schriftführer; ferner stuck, jur. F. S o b e l, stuck, pvil. I. K o h a n und stuck, phil. M. Singer. Mittheitrmgerr aus dem Publicum. Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, dass das elegant eingerichtete und vornehm ausgestattete Cafö Schlemmer XX., Wallensteinstraße 34, in welchem alle Zeitungen des Jn- und Auslandes aufliegen, in den Besitz des Herrn D. Wurmfeld übergegangen ist. Der neue Besitzer wird alles aufbieten, um seine Gäste durch Darreichung vorzüglicher Getränke und prompte Bedienung zufriedenzuftellen. (Ein altes, bewährtes Uleiderrecept.) Alte Recepte werden mit Vorliebe befolgt, sowohl in der Küche, im Hause, wie in der Wirtschaft. Und ein solches altes Recept, sich auf bequemem und billigem Wege gute, moderne Kleider zu verschaffen, ist die bewährte, aus der uralten, einfachen Grundlage des Tausches beruhende Methode, die seit Jahren beim Hoflieferanten Rothberger auf dem Stefansplatze eingeführt ist. Man gibt die getragenen Kleider daselbst ab, sie werden gewissenhaft geschäht, und gegen eine zumeist kleine Aufzahlung erhält man dann moderne und gute Kleider, wie sie eben die Saison erfordert. In der Kleiderschwemme, dieser volksthümlichen Abtheilung des Hauses, findet sodann der Anspruchslosere Kleider zu den denkbar billigsten Eduard Kulke. (Fortsetzung.) „Wenn ich Ihnen zudringlich scheine," sagte Felix plötzlich stolz aufgerichtet und den Lehrer bedeutsam anblickend, „so will ich gehen; ich habe gemeint, nur im Beisein der andern Kinder Hab' ich die Pflicht zu schweigen wenigstens Hab' ich Sie einmal so verstanden. Ich habe gemeint, wenn wir zwei allein sind, kann ich fragen, was ich will; aber zudringlich will ich nicht sein. Ich werde mir auf einem andern Platz die Antwort holen. Adieu, Herr Lehrer." Hiermit wollte Felix fort. Ueber seine letzte Aeußerung aber erschrack der Lehrer so, dass er ihn schnell bei der Hand fasste und ihn zurückhielt. „Was willst Du thun", fragte er in größter Bestürzung, „wo willst Du Dir die Antwort holen?" „Beim Dechant!" sagte Felix und trocken. „Beim Dechant?" rief der Lehrer, indem er die Hände zusammenschlug. „Ich will sehen", sagte Felix, „ob der mir auch das Fragen verbieten oder ob er mir Antwort geben wird. Antwort muss ich haben." „Lemaneschem!" (Um Gotteswillen) rief der Lehrer, „was muss mir alles zukommen. Felix, ich bitte Dich, mach' keine meschugene Streich', Du könntest sie einmal bitter bereuen; wenn er Dich tauft, so bist Du verloren für das Iudenthum; verloren für Deine Familie, und Du kannst dann nicht mehr zurücktreten. Nur das nicht, Felix; ich will Dir antworten, soviel ich weiß." „Wenn Sie mir antworten wollen", sagte Felix, „so fällt es mir nicht ein fortzugehen; ich wollt' nur nicht zudringlich sein. Mir ist blos darum zu thun, Aufklärung zu haben. Bor allem will ich wissen: Warum Jesus eine neue Religion gestiftet hat?" „Du hast es ja vorhin selbst gesagt", antwortete der Lehrer. „Und Hab' ich damit das Richtige getroffen?" fragte Felix. „Das weiß ich nicht", sagte der Lehrer. „Sie wissen es nicht! Glauben Sie, dass der Dechant es weiß?" fragte Felix weiter! „Das weiß ich auch nicht", erwiderte der Lehrer. „Und was wollen Sie mir beantworten, wenn Sie selber nichts wissen." „Ich muss mich darüber selbst erst unterrichten." „Wie werden Sie das anstellen?" „Ich werde das Neue Testament lesen", sagte der Lehrer, »Du siehst, was ich Dir zu Gefallen thue." „Was ist das für ein Testament?" fragte Felix. „Das ist ein Buch", lautete die Belehrung, „das bei »Ihnen" soviel gilt wie bei uns die heilige „Thoire. Da drinnen wird vielleicht geschrieben stehen, was Du wissen willst." Und wo werden Sie das Buch hernehmen?" fragte Felix neugierig. Schloime Klatschkopf", sagte der Lehrer, „ist ein mal auf einer Licitation gewesen, und da hat er nebst mehreren andern alten Sachen auch eine Kiste Bücher für ein Spottgeld gekauft. Die Bücher hat er mir angetragen und ich, obzwar ich sie nicht gebraucht habe, bin doch hingegangen und Hab' sie ihm abgekauft; er war froh ein paar Groschen „Rewech" (Gewinn) darauf zu haben Wie ich mir die Titelblätter von die Bücher angesehen Hab', von denen ich die meisten gar nicht verstanden Hab', denn es sind viel in fremden Sprachen, bin ich endlich auch auf ein Buch gekommen mit dem Titel : „Das Neue Testament." Ich war neugierig und Hab' einen Blick in das Buch hineingeworfen, und da Hab' ich gesehen, wovon das Buch handelt. Gelesen Hab' ich's aber nicht, sondern ich Hab es schnell wieder zugemacht, Hab' alle Bücher in die Kiste hineingegeben und Hab' die Kiste zugenagelt. umanitas" in c^btzt aber werd' ich sie wieder aufmachen und werd' das Buch herausnehmen." So schloss der Lehrer feine Mittheilung. „Das ist gut" sagte Felix, „da kann ich gleich mitlesen, und Sie ersparen sich die Mühe, mir hernach erst erzählen zu müssen, was Sie gelesen haben. „Bist Du jetzt beruhigt?" fragte der Lehrer, der noch immer von der ausgestandenen Angst nicht frei war. „Wenn Sie mir das Versprechen geben, dass wir heute noch anfangen. »Ich versprech' es Dir; Du musst mir aber auch einiges versprechen. »Lassen Sie hören", sagte Felix. »Erstens', Hub der Lehrer an, darf keine Seel' erfahren, was wir heut' miteinander gesprochen haben, und was wir miteinander lesen werden. Versprichst Du mir das? „Sie können sich darauf verlassen" „Zweitens Hab' ich noch eine Kleinigkeit. Deine Mutter will haben, du sollst auch Sprachleh/e und Rechtschreibung lernen, sie meint, das passt für die Welt, und es wird Dir ein Leichtes sein. Versprichst Du mir das?" fragte der Lehrer. »Was Sie wollen', sagte Felix, „nur schnell, nur heute noch!" Hiermit war die wichtige Unterredung zu Ende. In dem äußern Verhalten des Knaben konnte man jetzt eine merkwürdige Wandlung beobachten. Diejenigen, Preisen. Jetzt, zu Beginn des H e r b st e s, sei das alte, bewährte! die hierzu Gelegenheit halten, meinten, sein Charakter Kleiderrecept unseren Lesern ins Gedächtnis gerufen. 1 habe sich ganz verändert und sagten: „Wunder, was so ein bissel Fieber alles im Stand ist!" aber sie täuschten sich; denn der Charakter eines Menschen, der ist nicht so wie ein Rock, den sich dieser nach Belieben aus- und anziehen kann; der Charakter, das ist der innere Mensch selbst, und den kann man, wie es bei den Menschen oft geschieht, wohl verbergen, aber er verändert sich nicht, sondern er bricht in unbewachten Momenten immer wieder durch. Was den nur auf die Oberfläche und nicht in das Herz hinein Blickenden eine wirkliche Veränderung scheint, das ist oft nichts anderes als ein äußerer durch Umstände mannigfacher Natur bewirkter Zwang. Bei bedeutendern Naturen ist dieser Zwang in der Regel ein selbst auferlegter, ung so haben wir auch die vermeintliche Wandlung in Felix' Charakter anzusehen. Der Knabe schien freilich ein ganz anderer geworden zu sein. Er hatte keine Laune mehr und erlaubte sich nicht die geringste Freiheit, wie er dies früher täglich gethan hatte. Seine früher uubezähmte Wildheit schien gebändigt, und in seinem ganzen Wesen, in seinem Thun und Lassen drückte sich eine bisher niemals an ihm bemerkte Sanftmuth aus. Die tollen Streiche, in deren Erfindung und Ausführung er früher unerschöpflich war. hatten aufgehört, und was man nie an ihm bemerkt hatte, das konnte man jetzt wahrnehmen: er ist fleißig geworden. Früher war er es nicht, er verließ sich auf einen guten Kopf; ein Buch in die Hand zu nehmen, um etwas zu lesen, das ist ihm niemals in den Sinn gekommen; jetzt hingegen gieng ihm sein Buch über alles, und er las mit einer Emsigkeit darin und benutzte jeden reien Augenblick so sehr, sich mit demselben zu bechäftigen, als ob jede Verzögerung sündhafte Vernachlässigung wäre, ja, als ob er fürchten müsste, den Tag; an dem er es beendigen würde, nicht zu erleben. Was das für ein Buch war, davon hatte freilich außer seinem Lehrer niemand eine Ahnung. Nur der Lehrer wusste darum, was in der Seele dieses Knaben vorgieng, und er selbst war es ja, der ihm versprechen musste, seinem Geiste diese neue ersehnte Nahrung zu geben. Der Lehrer )atte mit ihm das „Neue Testament" zu lesen begonnen; diese Art der Befriedigung seiner Wissbegiede wurde aber dem Knaben bald zu langsam und zu schleichend; er wollte mit vollen Löffeln schöpfen und sollte sich begnügen, tropfenweise zu genießen. Rasch wusste er daher auch einen Lehrer zu bewegen, dass er ihm unter der Bedingung größter Geheimhaltung das Buch zur selbständigen Lesung überließ, und Felix fand darin einen neuen Quell ungeahnter Wonnen. Neben diesem Buch war es noch ein zweites, mit welchem sich der Knabe täglich beschäftigte. Sobald er dieses zweite Buch in die Hand nahm, war auch seine Gemüthsstimmung eine ganz andere. Nicht ruhig und in sich gekehrt, von aller Welt abgezogen wie bei dem andern Buch, aus welchem er die Geschichte und die Lehren des Heilands erfuhr, saß er auch bei diesem; nein, er stand bald auf, bald setzte er sich wieder, bald blickte er in das Buch, bald schlug er es zu und lief in raschen Schritten durch sein Zimmer auf und ab; er schien es seinem Gedächtnis Wort für Wort einzuprägen denn so hatte es der Lehrer verlangt und so hatte er es versprochen; es war dies die Schulsprachlehre. Mit Gumpel den intimen Verkehr in gewohnter Weise sortzusetzen, davon konnte jetzt natürlicherweise nicht die Rede sein; Felix hatte ja gar keine Zeit. Aber nichtsdestoweniger vermisste dieser, sowie er seinen Wissensdurst zu stillen Gelegenheit hatte, doch den Umgang seines früher« Genossen. Gumpel kam nicht mehr ins Cheder. Die Aeltern wollten ihn, wie wir uns erinnern, so rasch als möglich in eine andere und zwar in die von Bär Lederer empfohlene Richtung hineintreiben. Man hatte bei Gumpel nicht ans Widerstand gerechnet; da man aber doch auf solchen stieß, so war vorerst die nächste Folge, dass die früheren Beziehungen aushörten, ehe noch neue angeknüpft wurden, die an Stelle derselben hätten treten sollen, eine Auskunft, womit vorläufig beiden Theilen gedient zu sein schien. Wenigstens wird er im Cheder nicht noch mehr verdorben, trösteten sich seine Aeltern; wenigstens brauch' ich nichts mehr zu lernen und Hab 'am Donnerstalg meinen Rücken Nachmittag ‘frei, tröstete sich Gumpe, Mit Felix freilich wäre er gern zusammengekommen; denn .'wenn er ihm auch böse war, weil dieser ihn zu dem unerlaubten Gruß verleitet hatte, so war in ihm doch die Macht der Gewohnheit überwiegend, und die schöne Vergangenheit dünkle ihm doch wieder herrlicher als die langweilige Gegenwart. Mit den schönen Tagen auf den Feldern und im Wald war es nun ein für allemal vorbei, das sagten sich im stillen die beiden und sie mussten es einem günstigen Ungefähr überlassen, ob es sie wieder zusammenfllhren würde. Ein solcher Zufall trat denn auch wirklich ein. Eines Tags war der Schames unpässlich geworden und konnte seinen Dienst nicht verrichten. Der Schames war selbstverständlich auch der Schulklopfer oder: der »Tempelfetzer", wie ihn ein Spassvogel nannte. Gumpel musste statt seiner — in Schul' klopfen. Mit einem gewissen Stolz, zu welch' wichtiger Bedeutung er sich plötzlich emporgehoben sah, schritt Gumpel durch die Gasse und applicierte mit einem hölzernen Hammer jeder Hausthür die üblichen drei Schläge. Als er sich dem Haufe nahte, wo sein Genosse Felix wohnte, wurde Gumpel plötzlich feuerroth und verzögerte seinen Schritt. Felix stand vor der Thür. Eine unerklürbare Scham stieg in dem Knaben auf, als er Felix erblickte. Er wusste nicht, warum, aber er wusste, dass er sich vor Felix lieber verbergen möchte, und es ist sehr ungewiss, ob der junge Synagogendiener-Novize sich nicht entschlossen hätte. Kehrt zu machen und davonzulaufen, wenn ihm Felix nicht liebreich entgegengekommen wäre. Einen Augenblick standen sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.