Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 42 (19.10.1900)
- Date
- 1900-10-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Wion, Froitag Jüdisches Yolksblatl H). Oetober Ibiio Seile und mit Bruderkriegen, wenn der tragische Ausdruck nicht lächerlich ist, endet. Wir setzen den Anfang des jüdischen Verbindungslebens nicht in die Zeit seines Entstehens, denn es würde zu weit führen, wollten wir die Sonderbestrebungen darlegen, welche die Gründer der „Kadimah", der „Jvria" und selbst noch die der jüngeren „Unitas" verfolgten. Es wird gut sein, da einzusetzen, wo die Köpfe lichterloh brannten, weil der Blitz des Zionsgedankens mächtig eingeschlagen hatte. Damals war es dreierlei, wofür die Verbindungen lebten. Sie galten erstens als organisierte Wehr der Juden auf der Aula; zweitens als Gründer und Mittelpunkt einer modernen jüdischen Gesellschaft; drittens als organisierte Propaganda der neuen Idee. Es mag wahr sein, dass man unter Wölfen heulen muss, aber man darf dabei nicht vergessen, dass man selber kein Wolf ist. Die jüdischen Verbindungen legten Bänder an, paukten, bummelten, rempelten, ganz so oder noch besser als ihre deutschuationalen Collegen. Die Besonnenen thaten es, um Gleiches mit Gleichen zu vergelten, die Unbesonnenen, aus Hellem Vergnügen am Blödsinn. Man hat aus der Duellfrage Trauerspiele gemacht. Ans der Studentenmensurfrage entstünde höchstens eine Posse, denn solange die Dummheit, die behauptet, dass der Ehrbegriff mit Gesichtzerkratzen in Verbindung steht, nicht lebensgefährlich wird, wirkt sie komisch. Dessen waren sich die klügeren Studenten bewusst, und sie schlugen sich, wie sie selber behaupteten, nur deshalb, weil die Gegner mit dem Vorwurf der Feigheit gerade bei Juden geschwind bei der Hand wären. Durch dieses waffenklierrende Gehaben wurden Elemente angezogen, die nicht einmal theoretisch Gegner des Duells waren, so dass aus den Mimicrys der Burschenschaften wirkliche Burschenschaften wurden. Das trat besonders deutlich hervor, als die Deutschuationalen ihre bekannte Erklärung von der Nicht-Satisfactionsfähigkeit der Juden abgaben. Die jüdischen Verbindungen hätten in jener kritischen Zeit Zusammenkommen und den Beschluss fassen müssen, dass sie jetzt, wo bona flde an ihrem Muthe nicht mehr gezweifelt werde, ihre im allgemeinen immer gehegte Duellgegnerschaft in die That umsetzen wollen. In Wahrheit hatten sic es aber nicht gethan, weil die Wildlinge, die das Duell hoch hielten, schon zu mächtig waren. Keineswegs aber hätte ein solcher Beschluss es ausgeschlossen, sich in einzelnen Fällen grober Beleidigung dennoch zu schlagen. Was die Begründung einer jüdischen Gesellschaft anbelangt, so ist es klar, dass zu diesem Zwecke der Verbindungsstudent mehr mitbringen musste als zu dem ersten Zweck der Gegenwehr. Genügte es im ersten Falle, wenn der Mann ein sicheres Auge und ein festes Handgelenk hatte, so musste er zu diesem zweiten Zweck nicht nur Gehrock und Frack besitzen, sondern er musste privatim mehr oder weniger Gesellschaftsmensch sein. Da es bei Wiener Verbindungen hauptsächlich darauf ankam, ihre Gesellschaft in Wien zu bilden, so war es geboten, geborene Wiener heranzuziehen. Ueberdies war es klar, dass diese Gesellschaft nicht ausschliesslich zionistisch sein sollte, denn die Bildung derselben lag hauptsächlich im Interesse der Propaganda, so dass gerade die sogenannten Assimilauten die Wünschenswerteren waren. Von diesem Standpunkte fassten es wenigstens die Verbindungen auf, und gründeten die jüdischakademische Lesehalle als unpolitischen Verein, hielten Bälle ab. deren Comitemitglieder stadtbekannte Assimilauten waren, kurz, arbeiteten aus allen Kräften an der Herstellung und Erweilernng eines Bodens für ihre Propaganda. Wer aber kein dickhäutiger Philister war, musste merken, dass er in dieser Gesellschaft, falls er nicht Zionist war, ungefähr geradeso angesehen wurde, wie ein räudiges, eventuell heilbares Schaf. So hielten sich gerade die Besseren, der nicht auf die zionistische Fahne Schwörenden, ferne. Und doch war und ist es nothwendig, eine unpolitische, jüdische Gemeinschaft aus Studenten, wie aus Bürgern zu formen und zu erhalten, ohne Rücksicht auf irgendwelche Propaganda, denn es muss für die Jugend, wie für die Väter ein Ort existieren, wo die Nichtigkeit dessen zu sehen ist, was die schlimmste Frucht des Antisemitismus ist: die Selbstverekelung der Juden, der semitische Antisemitismus. Außerdem gibt es Gründe über Gründe, die für die Nothwendigkeit der Errichtung eines rein jüdischen Bodens sprechen, und die alle in dem brennenden Wunsche, sich auszuleben, gipfeln. Es ist offenbar, dass eine solche ideale Gesellschaft nicht von zionistischen Verbindungen geschaffen werden kann, es sei denn mit Hintansetzung ihrer zionistischen Idee. Denn die Nothwendigkeit der Propagierung dieser Idee — und damit kommen wir zum dritten Punkte der Verbindungszwecke — steht der Bildung dieser Gesellschaft feindlich gegenüber. Durch Propaganda wird zunächst erreicht, dass die Leute Farbe bekennen. Das ist allerdings ein Ziel, auf's innigste zu wünschen, aber es vertieft die Kluft, die zwischen den Parteien, den Zionisten und den Nichtzivnisten gähnt. Je mehr Leuten und je mehr den Leuten der Zionismus eiugepaukt wird, desto grimmiger blicken die Philister, welche Paulusse geworden sind, auf die bcs dato noch Saulusse, mit» j die heutige Studentenschaft ist wahrlich nicht geeignet, zur! Achtung vor dem Gesinnungsgegner und zu freundlichem Verkehr mit ihm anzueifern. Es ist eui trauriges Zeichen der Zeit, dass es Meinungsfeinden unmöglich ist, den Menschen von seiner Ueberzeugnng zu trennen. Außer dieser Verschärfung der Gegensätze, die ja doch jedwede Propaganda mit sich bringen muss, wurden gerade durch das Agitieren Gegensätze unter den Zwnisten selbst geltend, die mehr waren, als die jeder unentwickelten Idee anhaftende Unklarheit. Am besten werden wir sie bezeichnen, wenn wir sagen: die einen waren jüdischuational und deshalb Zionisten, die anderen waren Zionisten und deshalb jüdischuational. Das heißt, dass diejenigen Juden, welche national erzogen worden sind, die zuhause von Kindesbeinen auf den jüdischen Geist eingesogen haben, wie er im Osten weht, dass diese jüdischnational sind, ob sie es nun so nennen wollen oder nicht. Ihnen ist jede nichtjüdische Art unangenehm und sie empfinden das lebhafte Bedürfnis eines jeder! durchdrungen nationalen Menschen, das Bedürfnis nach einem Vaterland. Deshalb sind sie Zionisten. Die anderen Inden, die Westjuden, sind nicht national erzogen. Sie kennen die Nibelungen weit besser als die Bibel, sie kennen Goethe auswendig, Jehuda.ben Halevi vielleicht dem Namen nach, aber sie finden, dass man sie unterdrückt und nicht leiden mag; also fort ans diesem Kreise, und zum Zwecke der Uebersiedlung ein höchst leichtsinniger, schleuderhafter Nationalismus. Da also die einen, gedrängt vom Wesen ihres Judenthums, Zionisten sind, die anderen aber nur zufälligerweise, so ist zwischen Ostzionisten und Westzionisten ein gewaltiger Unterschied, der durch vorläufig gemeinsame Interessen übertüncht wird. Diese Tünche braucht im Verkehr der Zionisten untereinander bis jetzt nicht aufgerissen werden, aber klaffend kommt der Riss bei einer Ausstellung der Ideen zum Vorschein. Diesen Zwiespalt macht die Propaganda ungleichmäßig, also weniger wirksam. Es ist durchaus nöthig, dass die eine Anschauung im Osten bleibe, die andere im Westen, weil sie sich sonst stören. Die hier dargelegten Gedanken haben sich aus dem Wüste der Thatsachen und unter dem fliegenden Mantel der Begeisterung hervor im Laufe der Jahre mehr oder weniger unbewusst herauskrystallisiert und haben eine Arbeitstheilung unter den Verbindungen bewirkt. Je nachdem eine Verbindung für den einen oder den anderen Programmpnnkt besser taugte, hat sie sich auf diesen einzelnen geworfen und die anderen vernachlässigt. Diese Therlung wurde durch eine Art von Zuchtwahl noch präciser gemacht, indem vorzüglich solche eintraten, die für die specialisierte Thätigkeit am tauglichsten waren. Die Verbindung „Kadimah", deren Mitglieder aus aller Welt stammten, so dass sie am internationalsten war, verlegte sich hauptsächlich auf das Waffenhandwerk, und ihr ist es vorzüglich zu danken, dass wir ein Heldenzeitalter des Neujudenthums erlebt haben, das freilich einer kleinen Komik nicht entbehrte. Die Verbindung „Jvria" sucht ihren Hauptzweck in der Propaganda. Ihre Mitglieder stammen größtentheils aus Mähren und Schlesien, - und da sie solchermaßen eine Art von Landsmannschaft bilden, agitieren sie eben in ihrem Geburtsland e. Der Platz ihrer Thätigkeit ist nicht in Wien, und gerade ihr Wirkungsgebiet ist sehr schwer für etwas anderes zu interessieren als für die brennende Czechen- und Deutschenfrage. Die Verbindung „Unitas" ist die Ballverbindung. Ihr Lebenszweck ist die Gesellschaft. Sie hat die meisten Wiener und ist aus schon besprochenen Gründen am ehesten zur Bildung der zu formenden Gesellschaft zu brauchen. Es bleiben noch drei Verbindungen. „Libanonia", das ist die Kappenverbindung. „Maccabäa" arbeitet recht still und verborgen. „Bar-Kochba" ist keine Wiener Verbindung, sondern ein exterritoriales Consulat der galizischen Studenten. So stehen die Verbindungen heute da: kein fröhliches Bild. Wo wir Hinblicken, sehen wir mangelhafte Erfüllung des Zweckes. Es ist Arbeitstheilung eingetreten bei einer Sache, die das nicht zuließ, denn die Arbeitstheilung bringt gegenseitige Geringschätzung, weil jeder seine Arbeit für die höhere hält, anderseits bringt sie Missgunst, indem der eine auf die Erfolge des anderen eifersüchtig ist. Nicht einmal ein ehrlicher Wettstreit ist vorhanden, denn jede Verbindung sucht ihre Lorbeeren auf einem anderen Wege. Ueber diesen Zuständen ist die Idee eingeschlafen. Vielleicht wacht sie vom Aneinanderklirren der Bruderwaffen auf. Sollte das jedoch nicht der Fall sein — und der Schreiber dieser Zeilen glaubt dieses — dann müsste eines aus dem Schutte gerettet werden, das ist die Idee zur Kittung einer modern-jüdischen Gesellschaft mit Selbstbewusstsein und Stolz, mit Selbstkritik, aber ohne Selbstschmähung. Tausend und ein Grund spricht für die Schaffung dieses Werkes. Dieses — mail kann wohl sagen — Vermächtnis der einstigen Herrlichkeit sollte ein großer, jüdischer Studentenverein übernehmen. Wäre von Anfang an statt der vielen Verbilldungen ein einziger großer Bund im Feuer der Begeisterung geschweißt worden, dann wäre die Aufgabe heute vollbracht. Aber particularistische Engherzigkeit ist nicht vereinbar mit dem Zwecke, die Ketten einer großen Gemeinschaft zu zerhauen. Wir stellen uns einen Bund von Carbouaris vor, die einen Centralverein bilden. Vielleicht ist die Lesehalle der jüdischen Hochschüler dazu befähigt; wie uns dünkt, ist sie im Aufblühen begriffen. Wenn dem so ist, daun vivat, crescat, floreat! Fr, Ans Rumänien. Bukarest im October 1900. Die große Auswanderungsbewegung unter den rumänischen Juden batte für einen Augenblick einen solchen Sturm unter ihren westeuropäischen Glaubensgenossen hervorgerufen, dass man glauben musste, endlich werde die rumänische Judenfrage nicht luehr von der Tagesordnung schwinden, bis sie nicht wenigstens thcilweise zugunsten der Unglücklichen gelöst sein wird. So vpkunistisch dachten auch rumänische Juden, welche, wie Schreiber dieser Zeile», Erfahrung genug hatten, um zu wissen, dass trotz des so schwungvoll gepriesenen Solidaritätsgefühles, der ganze Entlmsiasmns für die rumänische Judensache stets nur ein Strohfener war. welches mit dem letzten entschiedenen Neimr'vrt der rumänisch-antisemitischen Staatsmänner zu erlöschen pflegte. Leider war der Optimismus derjenigen, die sich ernst mit der rumänischen Judenfrage beschäftigen, durchaus unberechtigt. Man unterstützt zwar noch jetzt einzelne Auswanderer, die trotz der bösen Erfahrungen ihrer Leidensgenossen dennoch den Math finden, das Vaterland zu verlassen; man sendet weiters Emissäre nach Rumänien, damit sie sich über die Verhältnisse im Lande orientieren; man schickt da und dort einiges Geld zur nothdürfrigen Unterstützung der Hungernden und Leidenden — aber dies alles, trotzdem es von der traditionellen Mildthatigkeit der Inden zeigt, ist beiweitem nicht geeignet. dem Elende ein Ende zu machen, sondern es sind dies Palliativmittel, geeignet, einen noch gesunden, arbeitslustigen Theil des jüdischen Volkes so an das Elend zu gewöhnen, dass es sich resigniert in Schweigen verhüllt, und von Stufe zu Stufe tiefer sinkt, bis auf jenes Niveau, auf welchem sich unsere unglücklichen galizischen Glaubensgenossen befinden. Unter allen Mitteln, welche man neuerdings angewandt hat, um die Noth der rumänischen Juden zu mildern, scheint uns noch das richtigste dasjenige gewesen zu sein, welches bezweckte, vorerst die Verhältnisse im Lande zu studieren, um nach den Ergebnissen dieses Studiums dann Hilfe zu leisten. Man hat nach Rumänien Männer entsendet, die zwar von den besten Absichten beseelt, mit den Verhältnissen des Landes aber gar nicht vertraut waren, also wieder auf Informationen der Beck und Genossen angewiesen waren, und die im besten Falle berichten konnten: „Das Elend ist so groß, dass man Millionen haben müsste, um nur halbwegs zu helfen." Aus solchen Berichten ergibt sich aber, dass nicht nur in der Wahl der Personen gefehlt wurde, sondern, dass dieselben auch den Zweck ihrer Mission missverstanden haben. Oder sind sie wirklich dazu entsendet worden, um festznstellen, ob das Elend denn wirklich so groß ist, und wieviel Geld man brauchen würde, um genügende Almosen vertheilen zu können. Dies ist aber schwer glaublich, denn über die Größe des Elends konnte man sich nach den Scharen der Auswanderer und deren Haltung informieren — und was die Almosenvertheilung anbelangt, so sollte man glauben, dass es nach sv vielen, bösen Erfahrungen ein jeder begriffen haben muss, dass, falls nicht eine radicale Lösung der Judenfrage in Rumänien herbeigeführt wird, alle Hilfe vergeblich und unnütz ist und sein muss. Ueber die allgemeine Lage des Landes, über die politischen, ökonomischen und finanziellen Verhältnisse desselben, über die Bedeutung der jüdischen Bevölkerung in Rumänien, über die Ausnahme-Gesetzgebung gegen dieselben, über die Mittel, welche geeignet wären, der Lösung der nicht nur für die Juden, sondern für Rumänien selbst äußerst wichtigen Frage, sollte man Aufklärung verlangen, und wenn nebenbei auch die jetzige Hilfsaction betrieben würde, könnte man sagen, dass die westeuropäischen Juden für ihre rumänischen Glaubensgenossen, ich wage es zu sagen, für das Judenthum im allgemeinen, eine ersprießliche Thätigkeit entfalten. Damit aber jedermann in der Lage ist zu beurtheilen, was in Rumänien geschehen kann und geschehen muss, was vereint jüdische Banquiers, Israelitische Allianz, I. C. A. und sonstige Hilfscomitos leisten könnten, werden wir in mehreren Artikeln versuchen, alles Wichtige in Betracht kommende zusammenzutragen, in der Hoffnung, dass unsere nicht gerade leichte Arbeit den Anstoß geben wird zu der einzig richtigen, vernünftigen Action. —yz. Eingesendet. (Für diese Rubrik übernimmt die Redaction keine Berantwo rtung. Abendeurse für jüdische Arbeiter! Für jüdische Handwerker und Arbeiter zwei Abendeurse zu eröffnen, das ist das Project, welches wir nunmehr nach reiflicher Durchberathung der Oeffentlichkeit übergeben. Der eine Curs, für die Analphabeten bestimmt, enthält in seinem Lehrplane Lesen, Schreiben, Rechnen und jüdische Geschichte (4 Stunden wöchentlich, auf dem Lehrplane des anderen, für die Fortgeschrittenen eingerichteten, stehenz jüdische und allgemeine Geschichte, Naturwissenschaften und Correspondenzstil (ebenfalls 4 Stunden wöchentlich). Ein Blick auf den Inhalt des Lehrprogrammes dürfte uns das Zeugnis geben, bei der Auswahl der Lehrgegenstände weder die praktischen Anforderungen, noch die Bildungsbedürfnisse der Arbeiterschaft, soweit das überhaupt möglich ist, vernachlässigt zu haben. Bei Normierung der Stundenzahl haben wir namentlich in Rechnung gezogen, dass der Arbeiter den ganzen Tag mit schwerer ermüdender körperlicher Arbeit beschäftigt, nur wenige Abendstunden für den Unterricht erübrigen kann. Beide Curse sollen alljährlich am 1. November beginnen und bis 1. April dauern. Die Lehrkräfte werden aus der Mitte unserer Verbindung gestellt werden. Das ist selbstverständlich nur die Skizze unseres Planes. Wohl bestehen Abendeurse für Handwerker und Arbeiter hierorts an der Gewerbeschule, allein dem Unterrichteten ist es kein Geheimnis, dass diese Curse — aus Gründen, die wir hier nicht erörtern wollen — den Juden so gut wie verschlossen sind. Zur Realisierung unseres Planes mangelt es uns nicht an Lehrkräften aus unserer Mitte, die mit dem größten Eifer sich dieser Aufgabe widmen werden, wohl aber an materiellen Mitteln. Wir wenden uns daher an die löbliche Cultusgemeinde in der festen Ueberzeugnng, dass sie uns in einer so edlen Sache hilfreich zurseite stehen wird uns unentgeltlich für acht Abendstunden in der Woche Lehrsaal sammt Lehrmitteln, Beleuchtung und Beheizung zur Verfügung zu stellen. Dem jeweiligen Präsidenten unserer Verbindung wird es obliegen, für die stricte Einhaltung des Lehrplanes Sorge zu tragen und die Leitung der Curse zu übernehmen. Aufrufe m den Zeitungen, öffentliche Versammlungen, die wir abhalten werden, sollen die Mittel sein, die jüdischen Handwerker und Arbeiter für unseren Plan zu inteiessieren. Denn das Verhalten der jüdischen Arbeiterschaft ist für das Schicksal.unserer Idee entscheidend. Sollte die arbeitende Classe, der wir znnächst zuhilse eilen, sich für unseren Plan nicht erwärmen oder gar in stumpfer Gleichgiltigkeit gegen ihr eigenes Interesse die entgegengestreckte, hilfsbereite Hand zurückstoßen, dann freilich wird es bei unserem guten Willen bleiben müssen. Werden aber unsere Handwerker und Arbeiter den Bildungseifer an den Tag legen, welchen wir bei ihnen voraussehen, dann müssen die zwei Curse prosperieren und sich zu einer bleibenden Institution entwickeln, die nicht verfehlen kann, für die Besserung der materiellen und geistigen Lage der Arbeiter, für die Abschwächung der socialen Unterschiede, für die Stärkung unserer Nationalkraft sichtbar und erfolgreich mitzuwirken. Für d i e a k a d. Verbindung „Zephirah"! M. K i n s b r u n n e r, eunck. zur. dzt. Präses. An alle jüdischen Schriftsteller und Förderer jüdischnationaler Bestrebungen! Mit 1. October l. I. hat das erste Semester des jüdischakademischen Lesevereines „Humanikas" in Czernowitz geschlossen. Der Verein, der einzige hier bestehende jüdisch-akademische Verein, welcher die große Idee nicht mit dem Säbel, sondern in