Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 42 (19.10.1900)
- Date
- 1900-10-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien. Freitag •iiaiiveiies Volksb.'a'T 19. Del ober 1900? r. 42 mit seinem College», Ladislaus E r ö Z, in einen Wortstreit. Erös beleidigte Schwarz, deren Folge eine ritterliche Genugthuung gewesen wäre. S ch w a r z schickte seine Secundanten zu Eros, doch dieser erklärte — wie es sich für einen noblen Eavalier geziemt (!): „Einem Juden gebührt keine Satisfaction." Der muthige § ch war z bekam aber doch eine solche, indem er Eros auf offener Straße mit einer Hundspeitsche ganz tüchtig durch bläute. Ausland. Berlin. (Original-Correspondenz.) sN a t i o n al j u d ent h u m inDeutfchlan d.j Die deutschen liberalen Zeitungen werden ängstlich und denen um Engen Richter sträuben sich die Haare. Was ist geschehen? Droht ein neues Flvttengesetz? oder droht gar wieder eine Spaltung? Nun ja, dem letzteren ähnelt es allerdings. Die deutsche Judenheit beginnt sich auf sich selbst zn besinnen: der Gedanke, des „jüdischen Centrums" tritt in das Stadium der Verwirklichung. Die Konitzer Affaire war es wohl ganz speciell, die sich den deutschen Juden ettvas stark ans die Nerven legte. Man sah wieder einmal in greifbarster Deutlichkeit, dass alle Anpassung nichts geholfen habe. Jude bleibt Jude, mag er noch so sehr sein Deutschthum betonen. Der Arier sieht ihn ihm doch nur den Juden und lässt es ihn fühlen. Man fragte sich, was wäre wohl geschehen, hätte der Kaiser nicht das Militär nach Könitz gesandt, und wie wird auch dies vom Volke — sagen wir beurtheilt. Und da erinnerte man sich an all das andere, was noch immer der Jude entbehrt, trotz der papiernen Gleichberechtigung. Und dabei: Abwehrcomite, Abwehrverein, Staatsbürgerverein, freisinnige Parteien, vor allem die große Assimilation. Ja es hatte alles nichts geholfen, obwohl man sich wirklich theilweise —■ ohne Ironie gesagt — die redlichste und anerkennenswerteste Mühe gegeben hatte. Es war höchste Zeit, dass wieder etwas geschehe. Was aber? . . . . „Ein Vorschlag" überschreibt Professor Dr. Martin Philippsohn zu Zulin nur seine Worte, die aber viel mehr sind. Sie sind eine Wiedergabe dessen, was alle echten und wahrhaften Juden Deutschlands schon längst empfunden haben, was manch einer von ihnen schon oft gesagt. Aber es ist verhallt in dem großen Stimmengewirr. Bei den Worten Philippsohns hat man aber die wohlbegründete Empfindung, dass sie nicht verhallen, sondern zur That werden. „Es werde alles versucht werden", ruft Philippsohu aus, „um diesem sich immer bedrohlicher gestaltenden Niedergange der deutschen Judenheit entgegenzutreten. Dazu gehört vor allem, dass wir Selbstgefühl und Festigkeit wieder gewinnen, dass wir, anstatt bettelnd uud klagend hinter andern herzulaufen, uns wieder auf unsere eigenen Füße stellen . ..„Hier kann nur eines helfen: ein Allgemeiner deutscher Judentag, und zwar nicht als einmaliges Ereignis, sorrdern als bleibende Institution. Freilich, er kann nur helfen unter der Voraussetzung, dass er thatsächlich seinem Namen entspricht, dass er aus ganz Deutschland besucht wird und zwar von den berufensten Vertretern des deutschen Judenthums." Die Thätigkeit dieses Judentages denkt sich Philippsohn ungefähr so: Demnächst soll ein Aufruf an die deutschen Regierungen um Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte der Juden erlassen werden. Eine Organisation zur Vertheidigung der staatsrechtlichen Stellung der Juden, sowie zur Einwirkung auf die öffentliche Meinung und die leitenden Kreise der Staaten und des Reiches, soll dies auch mit den einzelnen politischen Parteien Verhandlungen anknüpfen zur Erzielung der Wahl solcher jüdischer Abgeordneter, die thatsächlich das Interesse und die nöthigen Kenntnisse besitzen, der Sache jüdischer Gleichberechtigung und Freiheit nach Kräften Dienste zu leisten. — Wenn auch die „Mittheilungen" des Abwehrvereins diesen Vorschlag „abenteuerlich" nennen, uns ist er es nicht. Uns ist er ein sehr wichtiger realpolitischer Schritt, der nur Gutes im Gefolge haben kann, zum allermindesten eine Verständigung der einzelnen jüdischen Gruppen Deutschlands, wahrscheinlich aber viel mehr zum Heile der deutschen Judenheit, zum Segen der Gesammtjudenheit. Heinrich Hugo. Schneidemühl. (Gerechte Richter.) Der hiesige christliche Barbier P. hatte vor einigen Monaten mit dem indischen Glasermeister L. Streit gehabt, weshalb ihn Letzterer wegen Beleidig ung verklagte. Der Herr Barbier glaubte sich hiefür am besten dadurch zu rächen, dass er die ihm zugestellte Terminvorlage mit einigen antisemitischen Bilderbogen vom sogenannten Blutmärchen ins Schaufenster hängte. Aber nur kurz war seine Augenweide, denn bald daraus ersuchte ihn im Namen des Gesetzes der hiesige Polizeicomissär, der auf Veranlassung der Herren Berliner und Edel hingeschickt wurde, sein Schaufenster von solchem Unfug zu säubern. Da der Barbier durch das Aushängen obengenannter Bilderbogen eine große Menschenmenge herbeigelockt hatte, verurtheilte ihn der Bürgermeister zu 20 Mark Ordnungsstrafe.^ Hiergegen legte er beim Schöffengericht Berufung ein. Das Schöffengericht erkannte ihn der Aufreizung zum Classenhass für schuldig und verurtheilte ihn zu einer Geldstrafe von 30 Mark. Auch mit diesem Urtheil begnügte er sich nicht und appellierte an die Strafkammer. Diese hob das Urtheil der Vorinstanz auf und erkannte auf eine Geldstrafe von 60 Mark. Hoffentlich wird sich der Herr Friseur mit diesem Urtheil zufrieden geben und keine Lust mehr verspüren, seine antisemitische Gesinnung durch Aushängen derartiger Bilderbogen zum Ausdruck zu bringen. London. (Der englische Kriegsmini st er und der Antisemitismus.) Herr Rafaelder Herausgeber des „Jewish World", brachte in Erfahrung, dass der Commandierende Oberstlieutenant v. P o t s ch e f st r o m (Südafrika) einen Erlass veröffentlicht hat, durch welchem er anzeigt, dass die Lieferungsscheine für das Militär nur von denjenigen Personen eingelöst werden können, auf deren Namen sie ursprünglich ausgestellt worden sind. Der Oberstlieutenant begründete diesen Beschluss dahin, dass durch denselben die Burghers gegen den Betrug der Juden geschützt werden sollen. Herr Rafael protestierte gegen diese Verallgemeinerung, und wies auf die großen Dienste hin, welche von den Juden im Kriege geleistet worden sind. Darauf schrieb General Evelin Wood an Herrn Rafael einen Brief, in welchem er hervorhob, dass der Kriegsminister von dem Inhalt des erwähnten -Erlasses schmerzlich berührt war, dass er Gelegenheit nahm, dem Verfasser eine strenge Rüge zu ertheilen, und dass man telegraphisch dem Obercvmmandierenden Lord Roberts den Fall zur Kenntnis gebracht habe, mit dem gemessenen Befehl, dahin zu wirken, dass solche Missgriffe nicht mehr Vorkommen. Diese den Inden gewährte Satisfaction wird in England mit derjenigen Selbstverständlichkeit bekannt gegeben, mit welcher an Recht gewöhnte Menschen, eine rechtliche Entscheidung entgegenzunehmen pflegten. —x y. Wilna. (E i n u n s ch u l d i g V e r u r t h e i l t e r.) In Wilna erregt gegenwärtig, wie die „Nußkoje Slowo" meldet, eine Thatsache Sensation, welche vor zwei Jahren den Gegenstand einer ebenfalls sensationellen Gerichtsverhandlung bildete. Der Wilnaer Hausbesitzer Berl Barg wurde 1898 unter der Beschuldigung, sein Hans in Brand gesteckt zu haben, um die Versicherungssumme zu erhalten, zur Deportation in die Bergwerke von Sachalin vernrtheilt. Die Berurtheilung erfolgte auf die Anzeige eines christlichon Nachbars des Juden Barg hin. Beweise aber wurden keine erbracht. „Der Jude hat es gewiss gethaw, — damit begründeten die Geschwornen ihren Schuldspruch, und Berl Barg musste unter fortwährenden Betheuerungen seiner Unschuld nach Sachalin wandern. Der älteste Sohn des Verurtheilte», von der Unschuld seines Vaters überzeugt, ließ die Sache nicht auf sich beruhen und sammelte Judicien für die Unschuld Borgs. Zwei volle Jahre währten seine Bemiihungen, endlich gelang es ihm, untrügliche Beweise dafür zu erhalten, dass der christliche Anzeiger seines Vaters selbst der Brandstifter war . . . Der junge Barg sendete diese Beweise an den russischen Jnstizminister Murawiew, der nach Einsichtnahme in die Acten die Unschuld Bargs erkannte und dessen sofortige Rückbeförderung nach Wilna anordnete. Dieser Tage ist Barg, an Leib und Seele gebrauchen, aus Sachalin heimgekehrt, der christliche Denunciant aber hat inzwischen die Flucht ergriffen und wird gegenwärtig von den russischen Behörden gesucht. Paris. (Die Liga der Menschenrechte und die rumänischen Jude».) Der Senator Trari eux sendet in seiner Eigenschaft als Präsident der französischen „Liga - zur Vertheidigung der Menschen- und Bürgerrechte" .folgende Adresse an die Präsidenten der verschiedenen Sectionen dieses Vereines: „Lieber College! Sie haben gewiss von den verabscheuungswürdigen Verfolgungen, denen sich der antisemitische Geist seit einiger Zeit in Rumänien ergibt, sprechen gehört. Zahlreiche Briefe sind mir zugekommen, welche die Aufmerksamkeit der Liga auf diese Bewegung des Fanatismus lenken und uns bitten, gegen dieselbe einen Protest zu erheben im Namen des Rechtes, der Gerechtigkeit und der Freiheit. Wir haben im eigenen Lande sehen können, zu welchen abstoßenden Gesühlen des Hasses und der Barbarei das Erwachen der religiösen und sectiererischen Vorurtheile führen kann, und wir haben uns zur, Ehrenpflicht gemacht, denselben die großmüthigen Principienff unserer modernen Gesellschaft entgegenzustellen. Wir werden nur unseren Lehren treu bleiben, wenn wir der Aufforderung Nachkommen, welche Unglückliche aus dem Auslande an uns richten, in der Hoffnung, dass wir durch unser Eingreifen die gegen sie entfesselten Leidenschaften beruhigen oder wenigstens bei denjenigen, welche ihnen Schutz schulden, einen Geist der Menschlichkeit erwecken könnten, den man leicht vergisst. Infolge dessen bitte ich Sie, die Güte zu haben und mir zu wissen zu thun, ob Sie der Adresse beipflichten, deren Entwurf ich folgen lasse: „Die französische Liga für die Vertheidigung der Menschen- und Bürgerrechte, alle ihre Sectionen, welche vom Central- Comite befragt wurden, richten an die lateinischen Brüder in Rumänien eine höchste Auffordeirung, die antisemitische Strömung zu bekämpfen, welche ihr Vaterland zerfleischt und entehrt. Die Menschheit besteht nur aus Menschen, die gleich sind vor den Landesgesetzen überall dort, wo, wie in Rumänien, die Principien der französischen Revolution eingedrungen sind." Der Aufrus ehrt zwar, Herrn Trarieux und seine Genossen, helfen wird er aber sicherlich nicht. Die Rnmänen haben eine dicke Haut, und das Erröthen haben sie schon längst verlernt. Gegen ihren Antisemitismus gibt es nur ein Mittel: Keinen Heller, bis nicht die Ausnahmegesetze gegen die Juden aufgehoben oder abgeschafft werden. —yz. Constantinopel. (Große Feuersbru nst.) Der vorwiegend von unseren Glaubensgenossen bewohnte Stadttheil Haskiöi ist vorigen Freilag abend von einer verheerenden F e u e r s b r u n st heimgesucht worden. Durch Unvorsichtigkeit warf eine Frau eine Petroleumlampe um, sofort stand das Zimmer, wenige Sekunden später das Hans in Brand, und nach zehn Minuten bildete das ganze Viertel ein einziges Flammenmeer. Der Polizeiminister von Constantinopel, der Commandant von Pera und die ganze Feuerwehr waren sofort zur Stelle, allein das entfesselte Element hatte bereits eine solche Ausdehnung gewonnen, dass seine Bezwingung nicht mehr möglich war. In weniger als fünf Stunden waren 250 Häuser, darunter die Misrachi-Synagoge und 30 Läden ein Raub der Flammen geworden. Mehr als 2000 Juden, die meist den ärmsten Ständen angehören, haben alle ihre Habseligkeiten eingebüßt und sind obdachlos. Ein Theil von ihnen wohnt in der zerstörten Synagoge, in einer benachbarten Moschee, sowie in 5—6 anderen öffentlichen Gebäuden, der Rest liegt buchstäblich auf der Straße. Der Sultan ließ sich sofort von seinem Adjutanten Bericht erstatten und ordnete an, dass unter den Nothleidenden Brot vertheilt werde. In der Redaction des jüdischen Blattes „Li Tiempo“ trat ein Hilfscomito zusammen, das bereits an die Alliance israölite in Paris, an die Anglo Jewish Association in London, an die Vorstände aller großen jüdischen Gemeinden, sowie an Herrn Oberrabiner Dr. Adler und Lord Rothschild in London Depeschen abschickte. Letzterer hat telegraphisch 100 Lstr. angewiesen. Schon einmal, vor 18 Jahren, wurde das Ghetto von Constantinopel von einer gleichen Katastrophe heimgesucht. Damals st e l l t e sich ber Sultan in eigener Person an die Spitze eines H i l f s c o m i t e u n d e r ö f f n e t e die Sammlung mit einer Zeichnung von 25.000 Francs. Brief aus London. (Original-Bericht des „Jüdischen Volksblatt".) Dr. S. Wenn Wahlen im Allgemeinen eine Art politisches Examen bedeuten sollen, so haben die Juden Englands ihre Prüfung schlecht bestanden. Die Regierung hatte sich beeilt, die Wahlen für das Parlament unter dem Eindrücke der Triumphdepeschen des Lord Roberts aus Südafrika vornehmen zu lassen. Die Wahlparole der Regierungspartei war aber nicht Afrika, sondern die Fremvenbill. Die Conservativen hatten anlässlich der Wahlen im Jahre 1895 ihren Wählern die Einbringung der Fremdenbill zugesagt, und dies hatte ihnen auch seinerzeit zum Siege verholfen. Drei Jahre vergiengen, und erst im Jahre 1898 brachte die Regierung die Bill im Hause der Lords ein, woselbst sie auch mit überwältigender Majorität angenommen worden ist. Der mittlerweile entstandene südafrikanische Krieg hinderte die Regierung, die Fremdenbill auch im Hause der Gemeinen einzubringen. Aus der Debatte im Oberhause gieng es klar hervor, dass auch hier unter „Fremden" die Juden gemeint worden sind, da in der ganzen Debatte nur von Juden gesprochen wurde. Es unterliegt gar keinem Zweifel, dass die Fremdenbill im neuen Parlamente eingebracht und angenommen werden wird — und trotzdem stimmten die Juden mit den Conservativen. In Ostend setzen sich Lord Rothschild und Sir Francis M o n t e f i o r e für die Wahl des conservativen Candidaten K i d ein, der die Erklärung abgegeben hatte, für die Fremdenbill zu stimmen, um — wie er sich äußerte — den „Mist von Europa" von London fernzuhalten. Ein anderer christlicher Candidat sagte in einer Wählerversammlung, dass „die allerhöchsten Autoritäten der jüdischen Gemeinde Londons" ihm gegenüber die Bemerkung gemacht hätten, er möge nur ganz ruhig f ü r die Fremdenbill stimmen. So handeln unsere „Großen"! Die Interessen ihrer jeweiligen Partei stehen ihnen immer höher, als die ihres Volkes. Und das Volk? Ist es da ein Wunder, dass die jüdischen Wähler in England unter solchen Umständen sich völlig der Wahl enthalten haben? Und die nothwendige Consequenz davon war, dass die jüdischen Candidaten M a n t a g u, Eisigs, Hart und Samuel bei den Wahlen unterlagen. Zwar haben die 10 jüdischen Abgeordneten, welche im vorigen Parlamente ihren Sitz hatten, auch nichts für die Juden geleistet, aber sie hatten damals, wenigstens was England anbelangt, keinen Anlass dazu: Ein officieller Antisemitismus existierte im Lande nicht, und das Judenthema wurde im Parlamente nicht berührt. Ganz anders ist es aber gegenwärtig. Der Judenhass feiert auch in England seine Auferstehung, im East End macht er sich bereits deutlich bemerkbar, und die Regierung ist im Begriffe, die gegen die Juden gerichtete Fremdenbill mit Hilfe der Conservativen im Parlamente durchzuführen. Und wie noth thäte es darum gerade jetzt, dass wir im Parlamente einige muthige Glaubensgenossen als Vertreter hätten, die für unsere Interessen tapfer eintreten möchten. Wir wollen uns nicht täuschen, wir wissen es allzu gut, dass auch die paar jüdischen Abgeordneten nicht imstande gewesen wären, die Fremdenbill zn Falle zu bringen, aber wenigstens wären sie in der Lage gewesen, das Unrecht in der Debatte zu brandmarken. Die Führer der liberalen Partei können uns zum Muster dienen. Im Wahlkampfe gestanden sie unumwunden ein, dass sie sich vollkommen bewusst seien, dass die Zeit noch nicht gekommen sei, in welcher sie in der Lage wären, die Conservativen aus dem Sattel zu heben. Sie wüssten, dass sie bei beit Wahlen Niederlagen erleiden werden, aber nichtsdestoweniger traten alle Liberalen ohne Rücksicht auf manche sonstige Meinungsverschiedenheiten unter sich wie e i n Mann zur Urne, um durch ihre Stimmzettel für ihre politische Ueberzeugung zu demonstrieren. Und ebenso müsste jene Minorität handeln. Nicht bloß der endgiltige Sieg, sondern auch der Kampf an und für sich bringt Nutzen. Die Wünsche der Minorität müssen dem Volke laut und wiederholt ins Ohr gerufen werden, die Ideen müssen klar und deutlich auseinandergesetzt werden, bis sie endlich durchdringen, Eigenthum des Volkes werden und zum Siege gelangen. Das sollten unsere Juden auch beherzigen! Ueber die jüdischen Studenten- Verbindungen?) Die Verbindungen sollen einmal geradezu culturellen Wert für die Judenheit gehabt haben. Heute haben sie diesen Wert nicht mehr, und stündlich war die That zu erwarten, durch welche die Welt erfahren sollte, dass der Geist der jüdischen Verbindungen mit dem der deutschen Burschenschaften auf gleicher Höhe stehe. Diese That ist geschehen. Es haben sich zwei jüdische Verbindungsstudenten untereinander geschlagen. Die Idee, durch welche die jüdischen Verbindungen ins Leben gerufen wurden, für welche sie angeblich existieren, ist also zu schwach, um derartiges hintauzuhalten. Die Bekundung dieser Schwäche aber, kann immerhin als ein Einschnitt in der Geschichte der jüdischen Verbindungen betrachtet werden, einer Geschichte, die mit Begeisterung und Bundesliedern beginnt *) Wenn auch nicht in allen Punkten mit dem Autor einverstanden, bringen wir doch diesen in mancher Hinsicht interessanten Artikel aus jüdischen Studentenkreisen.