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Jüdisches Volksblatt · 1900-10-19 · 42 (19.10.1900) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
42 (19.10.1900)
Date
1900-10-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 42 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 19. October 1900 Seite 3 Immerhin gibt es Leute, die »ganz ernst" und in ganz ernsten Zeitnngen den Abfall des einzelnen — meinetwegen den individnellen Abfall aller — als das große Heilmittel hinzustellen versuchen. In den „Preußischen Jahrbüchern", die von Hans Delbrück heransgegeben werden und T r e i t s ch k e s Geist athmen, steht (im Octoberhefte) ein Aufsatz „Die Erlösung des I u d e n t h n m s" von einem „B e n e d i c t u s Levita", der mit einer interessanten Fußnote von Delbrück selbst versehen ist. Der Artikel ist hübsch systematisch in vier Capiteln gehalten, deren von Unsinn und „Jrrthümern" strotzender Inhalt jedesmal in einen prägnanten Schlusssatz ausläuft: I. »E s i st n u r noch die Religion, die uns vom deutschen Volke trennt." II. »Juden sind wir nicht mehr." III. »So lange das neue Christenthum die alten Formeln beibehält, können wir wohl sein sittliches Ideal bewundern: aber Christen können wir nicht werden", und dann nach einigen Purzelbäumen der Schluss der Schlüsse: IV. »Unsere Kinder werden Christen." Wahrlich — wäre nicht Delbrücks Name so angesehen und geachtet, man möchte annehmen, dass unter dem Deckmantel dieses Judenbekehrungs-Artikels ein frcidenkender Nichtjnde sich über die christliche Dogmatik habe lustig machen wollen. Es heißt da: „Ein Wesen Gott gleichzusetzen, es sei nun, wie es sei, ist uns ein Greuel. Schon deshalb, weil er ein Jude war, kann Jesus sich nicht als Gottessohn bezeichnet haben; und hätte er es gethan, kein einziger Jude wäre ihm gefolgt. Den Glauben an einen einzigen körperlosen, bildlosen Gott lassen wir uns nicht rauben und auch nicht trüben; für diesen Glauben haben unsere Väter ihr Blut in Strömen vergossen, und zwänge man uns heute, vor dem Kreuze niederzuknieen, man würde Gleiches erleben." Also „Benedictus Levita" möchte eher sterben, als das thun, wozu er seineKinder erziehen will! Er, der vorher sagt: »Um die volle Gleichberechtigung zu erlangen, muss sich der Jude erst als charakterloser Lump erwiesen haben." „Sei nicht, wie Deine Väter waren," sagte ironisch einer unserer Stammesbrüder zur Zeit der spanischen Inquisition. Die dummen Mönche hielten's für ernstgemeint. Sie sahen die Ironie nicht, aber sicher glaubten sie doch, dass der Verfasser nicht selbst für verächtlich hielt, was er da den Kindern — wie man glaubte — empfahl. Der Artikelschreiber leistet sich u. a. folgenden Satz: „Freilich muss der dem Deutschen ein Fremdling scheinen, der. anstatt nach den Schätzen deutscher Kirchenmusik zu greifen, noch immer das Geplapper und Geplärr in seinen Synagogen duldet, der die fröhliche Taufe durch die widerwärtige Beschneiduug ersetzt, dem der Weihnachtsbaum nicht leuchtet, dem die Osterglocken nicht klingen." Und warum will „Levita" seine Kinder „Christen werden" lassen? Er sieht sie „sich ahnungslos gesellen zu ihren Kameraden, mit ihnen die Spiele der Jugend zu spielen. Und ich sehe sie hart zurückgestoßen: Du gehörst nicht zu uns, Du bist uns fremd!" Tiber, Herr „Levita"! Werden denn die Mitbuben Ihren Kindern die deutsche Kirchenmusik und die fröhliche Taufe und den Weihuachtsbaum und die Osterglocken ansehen? Schwerlich! Werfen Sie sich doch lieber mit Ihrer Nachkommenschaft in die viel seliger machenden Arme der „Ethischen Cultur", Kopf stehen die da wartend, um vorgelasien werden, dem Gemeiudeschreiber ein Zehnkreuzerstück in die Hand zu drücken und „zu Protokoll zu sagen". Uscher ist unter den Juden der erste. Dank seinen breiten Schultern und kräftigen Ellenbogen, steht er hart au der Thür. Er wird auch bald vorgelassen, zahlt die Gebür, wie ihn Neb Selig belehrt, und beantwortet jede Frage. „Wie sprechen Sie zuhause?" „Wie soll ich sprechen? jüdisch!" „Nein, es ist nicht möglich das einzuschreiben, denn hier ist „jüdisch" nicht gedruckt. Sie können polnisch oder ruthenisch sprechen, nicht anders!" Uscher lacht. „Puryz,") nur jüdisch!" „Dummer' Jude! polnisch, sage ich. Sie sind ein Pole!" schreit ihn der Gemeindeschreiber an. „Sie werden mir entschuldigen, bin doch ein Jud' und rede nur jüdisch, nicht goisch.^) „Marsch! Habe schon eingeschrieben „polnisch". Sie verstehen nichts!" Tief gekränkt verließ Uscher das Zimmer. „A Geschäft!" sagte er den Versammelten. „Ich muss zu Rcb Selig, er hat mich als Polack verschrieben. Ich schrei, dass ich ein Jude bin und er wieder und wieder dasselbe: Nein, a Polack!" Alle lachten über Uscher. Doch bald verließ einer nach dem anderen betrübt die Gemeindekanzlei, um bei Selig Rath zu suchen. Selig allein wusste keinen Bescheid zu geben. „Der frühere Gemeiudeschreiber war kein solcher Kejlew.") Er hat selbst für jeden geschrieben und nicht solche Spectakel getrieben." Samstag abends wurde beschlossen zu einem Advocaten Reb Selig auf Kahals Kosten zu schicken, um was gegen die Böswilligkeit des Schreibers zu thun. Er kam zurück und beruhigte die Gemeinde. Ein großer Advocat iu Lemberg hat ihm gesagt, dass es nichts sei. Es sei nicht nöthig zu recurrieren. Andreas Lehrer. ') Armuth. ") Unsinn. *) Gott behüte! *) Sorgen. *) Bethaus. ') Unheil. ') In Wahrheit. ') Beschäftigung. ') Und dergleichen. '°) Gott behüte! ") Mit einem Worte. ") Herr. ") Ruthenisch. u) Hund. ändern Sie Ihren NamrN in irgendwas Ganz-Germanisches und trachten Sie, recht arisch anssehende Sprösslinge zu erzielen. Ich weiß wohl, das letztere Mittel hat seine Schwierigkeiten, aber wenn der Bedarf sich zeigt, wird an Nasenplastikern bald kein Mangel sein. Die Physiognomie ist im Kindesalter bei entsprechender Behandlung leicht zu beeinflussen. .. Und schließlich, zum Donnerwetter, müssen Sie denn Nachkommen haben — bei Ihren Ansichten — die Sie ja nicht einmal vererben wollen?! Uebrigens spricht der Verfasser gar nicht im Namen der Juden, wie man nach der Ueberschrift zu seinem Geschreibsel annehmen sollte — auch nicht im Namen der deutschen Juden, sondern nur im Namen derjenigen „Schichten, die, religiös und national vom Judenthum losgelöst, in ihm nur eine schwere, unnütze Last sehen und nichts wünschen, als unterzu sinken im Strome deutschen Volksthum s". „U n t e r z u s i n k e n" ist gut. Aber „Erlösung des I u d e n t h u m s" ist auch gut, wenn der Verfasser eine Erlösung des Judenthums vvn Herrn Benedictus Levita und von den „Schichten", in deren Namen er spricht, .gemeint hat. Je mehr von diesen untersinken, desto höher steigt das von ihnen erlöste Jndenthum. In unserer Zeit, die in eminentem Sinne eine Zeit der Uebergäuge ist, werden solche Stimmen immerhin auf gewisse haltlose Naturen von Einfluss sein können, und das wäre schade! Denn die Haltlosigkeit ist Schuld der Gemeinschaft, die keinen Halt bietet. Mehr jüdische Solidarität t h u t n o t h, und ich muss wieder sagen, dass die Idee eines deutschen Judentages wert ist, ausgeführt zu werden. Wie Professor P h i l i p p s o h n, so geht auch Benedictus Levita von der Zurücksetzung der Juden im öffentlichen Leben aus, die, statt abzunehmen, in den letzten Jahren nur umso fühlbarer geworden ist. Ein deutscherJudentag wird ein besseres Mittel sein zur Einsetzung der deutschen Juden in ihre vexfassungsgeniäß garantierten Rechte, als die „Taufe von Kindern Einzelner" zur „Erlösung des Judenthums". Ein deutscher I u d e n t a g hat aber auch viel mehr Aussichten auf Erfolg, als sich die meisten träumen lassen. Das deutsche Volk lässt sich leichter regieren als viele andere. Wer weiß, ob der Antisemitismus so viel Boden gewonnen hätte, wäre nicht ein „Hof"-Prediger einer seiner ersten Apostel gewesen. Und wäre der Hvfprediger Stöcker damals vom „Hofe" recht gründlich desavouiert worden, so wäre er sicherlich nicht weit mit seiner eigenthümlichen Bethätigung der christlichen Nächstenliebe gekommen. Der jetzige deutsche Kaiser Wilhelm II. hat in Bethlehem (nach „Grenzboten" Nr. 35, Eine Dienstreise nach dem Orient, von Staatsminister Dr. Bosse) zu den Geistlichen, die um ihn warer^ gesagt: „An uns liegt es nun, zu zeigen, was die christliche Religion eigentlich ist, dass die Ausübung der christl i ch e n Liebe anch gegen die Muhammedaner einfach unsere Pflicht ist, nicht durch Dogmen und Bekeh rungsversuche, lediglich durch das Beispiel!" Bei dem Charakter des deutschen Volkes, bei der Verfaffung, wie das Reich sie hat, und bei solchen Ansichten auf dem Throne kann es nicht so gar unmöglich sein, den Widerstand der Kreise zu brechen, aus denen sich die unredlichen E x e c u t i v - B e a m t e n der Krone, des Reiches und der Nation recrutieren, die es wagen, einen wesentlichen Bestandtheil der Reichs-Verfassung als tobten Buchstaben zu behandeln. Wir Juden müssen das uns zugefügte Unrecht zeigen — nicht es schweigend hinnehmen. Dazu ist der I u d e n t a g ein wohlgeeignetes Mittel. Dr. Tr. Chronik des Judeuthums. Inland. Wien. (Von der israelitischen theologischen L e h r a n st a l t.) Man kann es häufig als einen rühmenswerten Vorzug hervorheben hören, wenn von den der Wissenschaft gewidmeten Anstalten in der Oeffentlichkeit sowenig als möglich bekannt wird. Von diesem Standpunkte aus betrachtet, musste der israelitischen theologischen Lehranstalt in Wien das beste Zeugnis ansgestellt werden. Fast möchte man behaupten, dass sie zu sehr die Oeffentlichkeit scheut. Denn nur so ist es erklärlich, wenn viele, sonst für die Interessen des Judeuthnms warmfühlende Männer auch nicht eine Ahnung von der Existenz einer solchen Anstalt besitzen. Inwieweit dies für das Fortkommen der aus derselben entlassenen Hörer förderlich sein mag, bleibe dahingestellt. — Einmal im Jahre nun tritt diese Lehranstalt aus der sich aufgelegten Reserve heraus, durch Herausgabe eines stattlichen Jahresberichtes. Dieser soll dann für den an der Austalt herrschenden wissenschaftlichen Geist beredte Sprache führen. Man mag darüber streiten, ob streng wissenschaftliche Fragen mit dein ganzen Rüstzeuge tiefsinniger Gelehrsamkeit einen geeigneten Platz in einem Jahresberichte finden, dessen möglichst weiteste Verbreitung auch in Laieukreisen im Interesse der Anstalt gelegen ist, sicher ist das eine, dass es nicht thunlich ist, lvenn hiebei das übliche Ausmaß der Programmarbeiteu überschritten wird. In dem diesjährigen Jahresberichte findet sich eine von dem bekannten Midraschforscher Lcetvr Friedmann veranstaltete, nach einem vaticanischen Manuscript kritisch bearbeitete Ausgabe des Seder Eliahu rabba und Seoer Eliahu znta vor, der eine kurze Einleitung vorangeht, und die zahlreiche Fußnoten begleiten. — Aus dem kurzen darauffolgenden Bericht des Rectors entnehmen wir, dass der Grund der Abnahme der Hörerzahl — sie betrug bei Eröffnung der Anstalt 37, gegenwärtig 24 — in den Anforderungen zu suchen ist, die an die Hörer beim Eintritt, noch mehr jedoch bei deren Entlassung gestellt werden. — Im Ganzen legten heuer sieben Candidaten die Rabbinerprüfung ab, von denen gegenwärtig die größere Hälfte bereits ein rabbinisches Amt bekleiden. —x. Wien (B a r-M i z w a h-U n t e r r i ch t.) Sonntag, am 21. October d. I. 10 Uhr vormittags, finden die Einschreibungen für den Bar-Mizwah-Unterricht, welcher in der Religionsschule der isr. Cultusgemeinde (I., Seitenstettengasse 2) unentgeltlich ertheilt werden wird, statt. Der Cultusvorstand hat an alle Religionslehrer au Volks-, Bürger- und Mittelschulen das Ersuchen gerichtet, ihre Schüler hievon zu verständigen. Pisek. (P r o c e ß H ü l s n e r.) Dem Angeklagten Leopold H ü l s n e r sind bereits die Anklagen zugestellt worden. Die erste lautet auf das Verbrechen des gemeinen Mordes, begangen an Marie Klima, die zweite auf das Verbrechen des gemeinen Mordes an Agnes H r u z a und die dritte auf das Verbrechen der Verleumdung, begangen au Josua E r bm a n n und David Wassermann durch fälschliche Beschuldigung der Milthäterschaft an der Ermordung der Agnes Hruza. HülSncr wird im Falle Klima von Dr. V o d i c k a aus Pisek, in den zwei anderen Fällen von Dr. A u r e d n i c e k vertheidigt werden. Als Vertreter der Privatbetheiligten fungiert für die Klima Dr. P e v n i k aus Prag und für die Hruza Dr. B a x a. Kojetein. (Interessante Tempelbesucher.) Der Tempel in Kojetein hatte Jom Kippur interessante Gäste. Mathias M a c e k, Landwirt ans Nezamislitz und sein Bruder aus Tiscin. Dieselben wollen zum Judenthum übertreten, gehören resp. einer Secte an, die nach jüdischem Ritus lebt. Die beiden waren den ganzen Tag im Tempel, fasteten und beteten aus jüdisch-böhmischen Gebetbüchern. Die wichtigsten Gebete' hatten sie auf Pergamentstreifen ausgeschrieben. 8t. Ostrau. (Die Candidaten des Deutschen Volks Vereines.) Die Mährisch-Ostrauer Juden haben den Muth gefunden, den deutschvölklichen Antisemiten, trotz gegentheiliger Versuche der sogenannten Liberalen, ihre Stimmen gelegentlich der Gemeindewahlen vorzuenthalten. Sie haben erkannt, was man heute überall, wo Juden wohnen, zu erkennen beginnt, dass von all' den Antisemiten, welche die zerfahrenen politischen Verhältnisse Oesterreichs erzeugt haben, diejenigen, welche unter dem Vorwände der „deutschen Solidarität" um die Stimmen der Juden ansuchen, die weitaus gefährlichsten sind. Und daraus habne die Mährisch- Ostrauer Juden die Consequenz gezogen: sie haben es klipp und klar erklärt, dass sie ihre Stimmen niemals den vier Candidaten des Deutschen Volksvereines zukommen lassen werden, und somit erreicht, dass diese verkappten Antisemiten abziehen mussten. Aber so ein völkischer Verein thut es nicht, ohne vorher Beschlüsse zu fassen, deren ungeheuerliche innere Widersprüche kaum zu begreifen wären, wusste man nicht, dass dieser antisemitische Verein es ganz selbstverständlich findet, dass die Juden seinen Vertretern ihre Stimmen zukommen lassen müssen, und somit an sich aus den Widersprüchen gar nicht ^mehr herauskommt. Die Liberalen sollen ihre Volksgenossen verrathen haben, behauptet die Erklärung der Versammlung des Deutschen Bolksvereines, und dies muss ihnen umsomehr verübelt werden, als Mährisch-Ostrau von den Czechen stark bedroht wird und somit ein Zusammenhalten aller deutschen Kräfte unbedingt nothwendig erscheint. Da werden also plötzlich die Juden zu „deutschen Kräften . Ja, so geht es waschechten deutschen Volksmännern, wenn sie Antisemiten sein wollen, sogar praktische Antisemiten, und sich das Feld für ihre praktische Thätigkeit mit Hilfe der Juden verschaffen wollen! Die Abfuhr, welche die Juden von Mährisch-Ostrau den Deutschvölklichen zukommen ließen, wird hoffentlich als gutes Beispiel wirken und überall die Juden veranlassen, verkappten Antisemiten den gebürenden Fußtritt zu versetzen. B. Lemberg. (T arnopole r Politik.) Wenn bis nun im hämischen Sinne von „Tarnopoler Moral" gesprochen worden ist, so spricht jetzt die gesammte polnische Presse in vollem Ernste von „Tarnopoler Politik". Das Stadt-Wahlcornitö von Tarnopol hat soeben eine politische Action von bedeutender Tragweite durchgeführt. Es versendete nämlich eine Rundfrage an dreißig Gemeinden, ob sie ihre Delegierten ins polnische Central-Wahlcomitö entsenden, um sich mit dessen Tendenzen solidarisch zu erklären. Siebenundzwanzig Gemeinden haben mit „Nein" geantwortet. Infolgedessen schloss sich die Stadt Tarnopol dieser Majorität an. — Wäre es nicht zweckmäßig, dass die Juden in Galizien die „Tarnopoler Politik" nachahmen und vermittels Rundschreiben und Rundfragen sich zu einer Aetion einigen, um Stellung zum Central-Wahlcomito nehmen zu können? In gewissen Fragen und Richtungen wäre dies wahrlich recht zu wünschen, da es zweifelsohne günstige Resultate zur Folge hätte. R. Budapest. (Das Ghetto zu B ud ap est.) DieTagesblättcr brachten die für die Budapester Juden sensationelle Nachricht, dass eine Deputation des Bürgerclub im VII. Bezirke unter Führung des gewesenen Abgeordneten, Dr. Carl M o r z s a n y i, beim Bürgermeister Halmos vorsprach, ihn bittend, er möge das Ansuchen des Bürgerthums dieses Bezirkes, die alte T r o m m e l g a s s e in eine der Andrassystraße ähnliche Radialstraße umzuwandeln, den eompetenten Faetoren warm zu empfehlen und wohlwollend zu unterstützen. Der conciliante Bürgermeister versprach, über die Angelegenheit, für die er auch ganz begeistert ist, nachzudenken und den Mandataren nach Möglichkeit entgegenzukommen. Wer die obenbezeichnete Gasse kennt, wird es leicht einsehen, dass ein solches Project im Leben des von Tag zu Tag mehr und mehr emporblühenden Budapest ganz natürlich ist, aber erst nach sehr langer Zeit ausführbar wäre. Diese Gasse ist eine der engsten, der ärmsten und — fügen wir hinzu — der defectesten der Hauptstadt. Die Häuser sind zumeist niedrig und klein, die Höfe eng und schmutzig, wie in der alten — allen Zeit, und dass dieses Project das Ende des B u d apester Ghettos bedeutet. Diese Gasse, die 20000 Einwohner zählt, ist ausschließlich von Juden bewohnt. Man findet hier jüdische. Familien, diej seit 50 Jahren dieselbe Wohnung innehaben in der die Ahnen, vielleicht auch die Urahnen gewohnt haben, Und diese trauten Stätten sollen jetzt der zerstörenden Hand der alles cultivierenden — Slovaken anheimfallen. Budapest würde hierdurch ein altes ehrwürdiges Stück verlieren. Budapest. (Einem Juden — keine Genug- 1 h u u n g.) Der Budapester Thierarzt, Julius Schwarz, gerieth

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