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Jüdisches Volksblatt · 1900-09-28 · 39 (28.9.1900) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
39 (28.9.1900)
Date
1900-09-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3S Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 28. September 1900 Seite 3 Gemeinderath geebnet. Da somit die Rentabilität der Ritualmorde unzweifelhaft festgestellt ist, versucht der famose Herr V e r g a n i sich den Weg zum Reichsrath mit Ritualmorden zu pflastern. In seiner Nummer vom 25. September bringt das „Deutsche Volksblatt" unter dem Titel„Ritualmord? Ein mysteriöser Mord" eine Notiz des Inhaltes, dass am 16. Juli d. I. das zweijährige Söhnchen des Bauern Friedrich P f i-st e r von Uebermetz- Hofen, einer Ortschaft unweit von Pappenheim, im baierischen Regierungsbezirke Mittelfranken, während des Nachmittags spurlos verschwand. Alle Nachforschungen waren vergebens, obwohl die unglücklichen Eltern einen Preis von 300 Mark für denjenigen, der eine Auskunft über den Verbleib des Kleinen, sei es nun lebend oder todt, geben würde, aussetzten. Endlich fand am 10. September, auf dem Gange zur Pappenheimer Kirchweih, ein Steinbrucharbeiter in der Wal dabtheilung Herren heim, eine Viertelstunde von Uebermetzhofen entfernt, nahe am Wege, einen Kinderkopf, der an einem Baumaste circa drei Meter in der Höhe aufgesteckt war. Zwei Monate nach dem Verschwinden des Kindes, wollen sich „Gewährsleute" des Herrn Vergant 'entsinnen, dass zur Zeit, wo das Verbrechen muthmaßlich geschehen ist, sich mehrere Juden im Dorfe aufgehalten und am Waldsaume Herumgetrieben haben. Diese Thatsachen genügen dem Lueg—uerschen Officiosus, um von einen Ritualmord zu sprechen. Das ist denn doch zu frech! Selbst das „fehlende Blut" fehlt in diesem Falle, und dennoch wird lustig d'rauf losgelogen und gehetzt. . . Mit diesem System werden wir so weit kommen, dass nicht nur sämmtliche Morde den Juden aufgehalst, sondern auch dass gewisse unsaubere Manipulationen mit dem Eigenthum der Gemeinde Mühldorf, als „Ritualunterschlagungen" bezeichnet werden. So was würde namentlich dem Vergant passen, der jetzt auf ein Reichsrathsmandat speculieren soll, und mit Ritualmorden die dunklen Flecke seiner lauteren Vergangenheit zu verdecken sucht. Jedoch die gruselige Geschichte von Uebermetzhofen passt für diese Zwecke schon deswegen nicht, weil Uebermetzhofen viel, viel weiter als Mühldorf liegt... Zu den bevorstehenden Wahlen in Galizien. (Original-Bericht des „Jüdischen Bolksblatt".) Lemberg, Ende September 1900. In Kreisen der hiesigen Abgeordneten circuliert das Gerücht, dass Dr. Byk für den Reichsrath nicht mehr candidieren werde. Er habe die Absicht, sich überhaupt gänzlich vom politischen Leben zurückzuziehen. Und wahrlich, er hat seine politische Rolle — wenn er eine solche jemals gehabt hat — ausgespielt. Dr. B yck c gn didierte stets als jüdischer Abgeordneter in Bezirken, woselbst die jüdischen Wähler die Majorität bilden. Oe facto war er es aber nie. Im Parlament hatte er sich dem Polenelub mit Haut und Knochen verkauft, so dass das officielle polnische Wahlcomite ihn stets als polnischen Abgeordneten 'betrachtete. Nun gehörte Dr. Byk zu den sogenannten „Linken" des Clubs. Er wollte gerne als polnischer Demokrat gelten. Die gegenwärtige Wahlbewegung spielte ihm jedoch einen bösen Streich. Die polnischdemokratische Partei in Galizien veröffentlicht einen Wahlaufruf, in welchem sie eine gegen das officielle Wahlcomite gerichtete separate Action ankündigt, indem sie erklärt, dass die Solidarität mit dem Polenclub kein Dogma für die Nation bilde. Dr. Byk fand sich veranlasst, eine von einigen Abgeordneten verfasste Gegenerklärung mitzuunterfertigen, in welcher es heißt, dass sie zwar auch ferner den Demokraten treu bleiben, ohne jedoch die obenerwähnte Ansicht derselben theilen zu können. So kam nun Dr. B y k zwischen zwei Stühlen zu sitzen, — auf dem richtigen, dem jüdischen, ist er ja nie gesessen! Einer meiner Freunde lenkt meine Aufmerksamkeit auf den Umstand, dass die jüdischen Abgeordneten Galiziens, nicht wie üblich, Wählerversammlungen einberufen, um Rechenschaft abzulegen. „Ja", sagte ich, „haben sie denn im allgemeinen dafür, dass sie noch nicht zum vollen Durchbruche gelangt ist; kein Zeichen dafür, dass wieder der eisige Hauch des Winters weht, sondern bloß dafür, dass es noch immer Frühling ist, die Blüten, aber keine Früchte bringt, dass die Völker noch immer im Blühen begriffen, aber noch lange nicht im Besitze der vollen Cultnrreife sind. Die Wahrheit wird siegen 1 Mögen auch winterliche Stürme in die Lenzeszeit der Menschheit einbrechen, düsteres Gewölke das Licht der Wahrheit verhüllen und so manche kaum zum Leben erwachte Blüte erstarrt zu Boden sinken, es ist dennoch Frühling! Die Frühlingssonne lässt sich nicht mehr bannen, siegreich steht sie oben und streut ihre Strahlen nach allen Richtungen aus, überall Leben erweckend, Leben fördernd. Wenn die ersten Frühlingsblüten sich zeigen, dann' wissen wir, dass gar bald die ganze Natur im Blütenschmuck prangen werde. Eben so können wir mit Bestimmtheit hoffen, dass diejenigen Wahrheiten, die heute in einzelnen Hiobcharakter zur vollen Entfaltung gelangt sind, einst Gemeingut aller Menschen sein werden. Einst 1 Weshalb lässt uns aber Gott auf jenes schöne Morgenroth in der Geschichte so lange warten? Weshalb verscheucht er nicht das nächtliche Dunkel, das die Menschen deckt, durch seinen Ruf: Es werde Licht 1 Licht in den Herzen, Licht in den Geistern! Darauf antwortet uns der Dichter des Buches Hiob. Er lehrt uns den erhabenen Gedanken seines Buches nicht als trockene Moral, er legt ihn nicht als fertige Vorschrift vor uns hin; jener Gedanke wird uns nicht gegeben, er soll sich vielmehr aus der Darstellung des schicksalsreichen Leben seines Helden ergeben und sich jedem Leser als Nothwendigkeit und Wahrheit aufnöthigen. Der Dichter führt uns in die innere Werkstätte der Gefühle der Helden, wir lernen überhaupt was zu berichten?" Unsere Abgeordneten sind groß im Versprechen vor der Wahl, aber ungemein klein in Thaten während der Parlaments-Wirksamkeit. Beim Ueberschreiten der Schwelle des hohen Hauses verschwindet die Erinnerung an die unzähligen Versprechen, die während der Candidatenzeit gemacht worden sind. Sie werden alles mögliche, nur nicht jüdische Abgeordnete. Und die Wähler? Warum fordern sie ihre Vertreter nicht auf, ihnen über ihre Thätigkeit im Parlamente Bericht zu erstatten? Haben die Juden in B r o d y. P r z e m y s l, K o l o m e a rc. von ihren Abgesandten im Reichsrathe denn gar nichts zu fragen oder zu verlangen? Dann brauchen wir überhaupt nicht Juden ins Parlament zu schicken! Aber wer die Verhältnisse der Juden in Galizien, ihr Elend und ihre Noth kennt, wer da weiß, wie von Seite des officiellen Polenthums die Juden auf allen Gebieten zurückgewiesen und unterdrückt werden: der muss uns beipflichten, dass wir sehr viel zu fragen und sehr viel zu verlangen haben. Die Ruthenen sind in dieser Beziehung viel ehrlicher. Klar und offen stellen sie ihre Forderungen auf, ihre ökonomischen wie ihre nationalen. Der gewesene Reichsraths-Abgeordnete Nikolai v. W a s s i l k o hat in den letzten Tagen anlässlich einer Wählerversammlung in der Bukowina über den Kampf der Czechen gesprochen und hierbei die Aeußerung gethan, die ausgedehnte Autonomie würde in Galizien und in der Bukowina zur Vernichtung des ruthenischen Volkes führen. Und das „Jungruthenische Wahlcomite" hier hat einen Wahlaufruf erlassen, in welchem es unter anderem heißt, das ruthenische Volk müsse nackensteife Männer in den Reichsrath wählen, welche „für die Autonomie der Völker und nicht für die Autonomie der L ä n d e r" eintreten. — So ist es! Die unterdrückten Nationen müssen in erster Linie ihre nationalen Interessen im Auge haben und von allen anderen, an und für sich vielleicht gerechten Idealen absehen, welche geeignet sind, den ersteren irgendwie Abbruch zu thun. - Und so müssen auch wir Juden handeln. Unsere nationalen Ideen sind bei uns zulande noch viel weniger gewahrt, als die ruthenischen. Es ist die höchste Zeit, dass die jüdischen Wähler zur Ueberzeugung gelangen, dass ihre Vertreter wirklich ihre sein müssen, dass sie auch ein Recht besitzen, von ihnen einen Bericht über ihre sogenannte Thätigkeit zu verlangen und ein Programm im nationalen Sinne für die Zukunft aufzustellen. Brody, Przemysl und Kolomea mögen ihre gewesenen Abgeordneten auffordern, ihnen über ihre Thätigkeit im jüdischen Sinne Rechenschaft abzulegen. B. Chronik des Judenthums. Inland. Wien. (Aus der Plenarsitzung des Cultus- Vorstandes vom 19. September 1900 unter dem Vorsitze des Präsidenten, kais. Rath Klinger. — Beginn der Sitzung 5 Uhr nachmittags. — Die Mitglieder des Vorstandes begrüßen den vom Urlaube zurückgekehrten Präsidenten. Der Präsident dankt und gibt seiner Befriedigung Ausdruck, zu Beginn der neuen Verhandlungsperiode die Herren in zahlreich besuchter Sitzung versammelt zu sehen. An Spenden sind seit der letzten vor den Sommerferien abgehaltenen Plenarsitzung eingelaufen von: Richard Königsberger für verschiedene Zwecke X 85.—, Katharina Jellinek als Collecte für die rumänischen Juden X 2.70, N. Zwergbaum für israelitische Wöchnerinnen X 10.—, Bernhard Siebenschein für den israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsverein X 10.—, Philipp von Gomperz für eine Arme X20.—, Anonymus X. I. für eine Arme X 2.— Theoeor Ritter von Goldschmidt für einen Armen X 50.—, Sammelbüchse Stadt für die Chewra Kadischa X 73.42, Sammelbüchse Stadt für die Armenanstalt X 77.81, Dr. B. F. für einen Armen X 10.—, Verwaltungsbeamten der israelitischen Cultusgemeinde für die Witwe „ach: einem Leichenwächter X 88.75, Dr. Emil Adler als Collerte für die rumänischen Juden X 4 0.—, Charlotte Baronin von Königswarter für den Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen X 1000.—, Philipp Götzl für den Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten X 50.—, Emma Kallir, geb. Nirenstein für das Blinden- Jnstitut X 50.— und für das Siechenhaus (Frauen) X 50.—, Dr. Alfred Berger für den allgem. österr. ifr. Bund X IM.—, Carl Fritsch und Katalin Rechner für israelitische Waisenkinder seine Jrrthümer kennen und theilen sie, wir denken so wie er, fühlen so wie er, und als die Wahrheit in ihm zu keimen beginnt, so keimt sie auch in uns, wir verfolgen sie sodann vom ersten Keimen bis zur höchsten Blüte, von der dunklen Ahnung bis zur lichtvollen Gewissheit, wir machen die Kämpfe der Helden mit, und in dem Augenblicke, da er zur Wahrheit gelangt, ist sie auch in unseren Besitz übergangen. So ists bei Hiob und so soll die Menschheit zur Wahrheit gelangen. Wie im Reiche der Natur alles im Wege der langsamen Entwicklung sich entfaltet, ebenso im Gebiete der Wahrheit. Die Offenbarung der Wahrheit gieng von Gott aus, da sie der Mensch auf dem Wege des eigenen Denkens nie gefunden hätte. Die Anerkenn n n g der Wahrheit aber soll das Ergebnis der langsamen Entwicklung des Menschengeistes bilden. Der Mensch soll gegen die Wahrheit kämpfen, soll zahllosen Jrrthümern huldigen, soll die Hiobcharaktere verdächtigen, damit sie aus ihren erfolglosen Kämpfen gegen die Wahrheit, und aus den selbst erkannten Jrrthümern, denen sie lange gehuldigt, die Göttlichkeit der Wahrheit erkenne. Die schauervollen Kämpfe gegen die Wahrheit bilden ebensoviele Etappen, die zur Höhe der Wahrheit führen. Die Wahrheit schreitet kämpfend fort, bleibt mitunter stehen, aber nur um Athem zu holen, um neue Kraft zum weiteren Fortschreiten zu sammeln. Und die mächtigste Bürgschaft für den endlichen glorreichen Sieg der Wahrheit bietet das physisch machtlose und schwache, geistig und sittlich aber starke unbesiegbare Israel, der zu allen Zeiten lebende Hiob der Menschheit. K 6.—, N. Pollak für Arme X 7.—, Dr. Emil Wiener für Arme X 150.—, Lisette Kafka für Arme X 20.—, Gabriel Frankl als Collecte für die rumänischen Juden X 37.20, M. A> Pollak und Emmy Pollak für die rumänischen Juden X 300.—, Bernhard Kohn für einen Armen X 60.—, Louise Hechter für Blinden- Jnstitut, Handlungs-Krankenverein, israelitische Kinderbewahranstalt, israelitische Volksküche, israelitischer Waisenverein, israel. Altersversoraungshaus je X 10.—, zusammen K 60.—, Dr. Felix Edler von Mises für verschiedene Vereine X 5M.—, Hofrath Samuel Ritter von Hahn, anlässlich der Vermählung seiner Tochter zu Wohlthätigkeitszwecken X 2000.—, Wilhelm Ullmann für verwaiste Bräute X 50.— Eduard Langfelder zur Förderung des Bibel- und Talmudstudiums X 600.—. Max Gelbart zur Vertheilung an Arme X 20.—. In, Einlaufe gelangen zur Verlesung : ein Dankschreiben der Familie des sel. Herrn Jakob B r a n d e i s, Ehrenpräsidenten des Bethaus-Vorstandes, für die demselben seitens des Eultusvorstandes erwiesene letzte Ehrung; eine Einladung des Tempelvereines Mariahilf-Neubau zu der Sonntag, den 23. d. M. stattfindenden festlichen Wiedereröffnung des vollständig renovierten Vereinstempels. Die Versammlung betraut Herrn Vice-Präsidenten Landesschulrat!) Dr. Kohn mit der Vertretung des Vorstandes bei dieser Feier. Im Präsidialbericht gibt der Präsident Kenntnis von der am 10. September im Stadttempel für weiland Ihre Majestät, die Kaiserin Elisabeth abgehaltenen Trauerfeier. Der Präsident theilt rnit, dass in der vergangenen Woche unter Führung des Obmannes der Wohlthätigkeits-Section Herrn k. k. Bauraty Ritter von G 0 l d s ch m id t ein Localaugenschein in dem erweiterten Versorgungshause und in dem, anlässlich des Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. erbauten Siechenhause vorgenommen wurde; wobei der Abschluss der Arbeiten constatiert wurde. Nunmehr steht die innere Einrichtung in Ausführung. Sache der Wohlthätigkeits-Section sei es. die Schlussarbeiten zu beschleunigen, damit die neuen Humanitätsanstalten, für welche viele Ansuchen um Aufnahme bereits vorliegen, noch in diesem Jahre ihrer Bestimmung übergeben werden können. Die Beschlussfassung hterüber wird Vorbehalten. Der Präsident gibt seiner Freude darüber Ausdruck, dafs in jüngster Zeit einem Mitglieds des Vorstandscollegiums, Herrn Gottlieb Taussig, eine Allerhöchste Auszeichnung durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josef-Ordens zutheil geworden ist und erklärt unter Zustimmung der Versammlung dem von der Sitzung abwesenden College,, aus schriftlichen Wege die Gratulation des Vorstandes auszudrücken. Ueber das von Herrn Baurath von Goldschmidt namens des Vertreter-Collegiumh erstattete Referat wird für den pro 1900 mit X 12.000.— dotierten Armenfond des Vertreter Collegiums mit Rücksicht auf die infolge der herrschenden Weltlage unverhältnismäßig gesteigerte Zahl von Ansuchen Hilfsbedürftiger ein Nachtragscredit von X 6M0.— votiert. Herr Vice-Präsident Dr. Kohn referiert über mehrfach eingelausene Ansuchen um periodische Bekanntgabe der Geburten und Sterbefälle. Referent beantragt namens des Vertreter-Collegiums, allwöchentlich den jüdischen Blättern die ehelichen Geburten, Trauungen und Sterbesälle mitzutheilen. Nach längerer Debatte spricht sich die Versammlung mit Majoritätsbeschluss dahin aus, dass diesem Anträge aus principiellen Gründen nicht beizustimmen sei. Herr Dr. Berger referiert^namens der I. Section über Ansuchen von Vethausvereinen um Subventionserhöhungen. Im Sinne der Sectionsanträge werden pro 1900 außerordentliche Subventwnen gewährt: dem Tempelverein im XVIII. Bez. X 5M.—, dem Bethausvereine „Chewra Bethatfilah" im IX. Bez. X 12M.—, dem Bethhausvereiue „Mikosch m'at" im II, Bez. X 2M. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um 8 Uhr abends geschlossen. Liesing-Atzgersdorf. (T e m p e l w e i h e.) Am 19. d. fand in Atzgersdorf die feierliche Einweihung des vom Architekten Richard Esriel erbauten schmucken Gotteshauses statt. Derselben wohnten bei: Der Herr Bezirks-Commissär als Vertreter der k. k. politischen Behörde, der Herr Bürgermeister, die Vertreter der Cultusgemeinden Mödling und Baden, die Lehrerschaft und ein großer Theil der Bevölkerung des Ortes. Die Feier leitete Herr k. k. Postofficial Berthold K u l k a durch einige kurze und gediegene Begrüßungsworte ein, indem er besonders betonte, dass dieser zierliche Bau, an dem beide Confessionen mitgearbeitet und pecuniär zusammengeholfen haben, stets dem Frieden und der inneren Erbauung dienen möge. Hierauf begann das rituelle Ceremoniel. Herr Rabbiner Doctor B a r d 0 w i t s hielt in ausgezeichneter Weise die Festrede. Herr Obercantor Kläger hatte die Freundlichkeit, in wahrhaft selbstloser Weise mit seinem gediegenen Chor aus dem 9. Bezirke Wiens sich zur Verfügung zu stellen und sang meisterhaft und ergreifend, wodurch sich die Feier besonders weihevoll und würdig gestaltete. Um den Bau hatten sich besonders verdient gemacht: Herr Lederfabrikant Gustav Pollak als Obmann des Baucomites, der die Güte hatte, einen prachtvollen Luster nebst einer großen Geldspende zu widmen, wofür ihm der Verein den herzlichsten Dank ausspricht, ferner Herr Fabrikant P e t s ch a n, Herr Jacob P a p a n e k, Obmann des Vereines, Herr Berthold K u l k a, k. k. Postofficial, Herr Adolf Fuchs, Herr Josef Grün und Herr Allenberg. Zum Schluffe wurde die Volkshymne gesungen. Prag. (Zum Pr 0 ces s H ülsn er.) Wie die „Radikalni Listy" melden, erhielt Dr. B a x a als Vertreter der Privatbetheiligten aus Wien die Mittheilung, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach Heuer nicht mehr zurBer- Handlung im Pr 0cess H ü lsner kommen, sondern dass dieser Process erst nach Durchführung der Reichsraths wählen zur Erledigung gelangen werde. Krakau. Das in unserer Stadt unter der Leitung B. G i m p l s gastierende jüdisch-deutsche Theater gab am verflossenen Donnerstag auf Veranlassung der jüdisch-nationalen Vereinigungen „Przediwit"-Krakau und „Bar Kochba"-Wien Goldfadens fünfactige Oper „Bar Kochba" zugunsten der durch Krakau reisenden rumänischen Auswanderer. Da die akademische Jugend mit dem Kartenverkaufs sich beschäftigte, so war das Theater bis auf das letzte Plätzchen von einem sehr distinguierten Publicum besetzt. Es muss sowohl der Regie, als auch der Leitung der Vorstellung die Anerkennung für ihre ausgezeichnete Leistung gezollt werden. Frl. A. Brüh saug mit herrlicher Stimme die Dinah und musste so manche Arie auf Verlangen des Publicums wiederholen. Der „Bar Kochba" des Herrn M e l z e r ließ nichts zu wünschen übrig. S ch 0 r gab tadellos den rumänischen Cäsar, und Silber spielte den Capus mit echtem Talente. Der Abend war von wahrem Erfolge gekrönt. —m.

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