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Jüdisches Volksblatt · 1900-09-28 · 39 (28.9.1900) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
39 (28.9.1900)
Date
1900-09-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 28. September 1900 Nr. 39 und wirtschaftliche Lage der Juden sich verschlimmern und der Rasse n-, sowie confessionelle und wirtschaftliche Antisemitismus sich eher steigern, als vermindern wird, liegt in der Natur der Sache. Wenn die letzte Spur politischer Parteigruppierung aus dem österreichischen Parlamente verschwindet, wenn die F r a c t i o n s b i l d u n g ausschließlich nach Rassen vor sich geht, so ist die logische Folge, dass bei Deutschen und bei Slaven der nationale Radicalismus an Boden gewinnt, der in den Juden einen Fremdkörper erblickt, so dass die Lage der Juden sowohl in dem Lager der Deutschen, als auch der slavischen Gemeinbürgschaft sich von Tag zu Tag unerträglicher gestalten muss. Jedoch nicht nur den Prügelknaben des nationalen Radicalismus und Clericalismus in allen nationalen Lagern werden bei dieser Entwicklung die „connationalen" Juden bilden, sondern auch bei dem gesteigerten nationalen Chauvinismus die Z i e lscheibe der nationalen Gegner. Andererseits es ist nicht ausgeschloffen, dass der bei den verschiedenen Volksstämmen infolge des nationalen Haders zur Macht gelangte internationale Clericalismus sammt seinen christlich-socialen Verbündeten die Parole ausgibt: „Christliche Gemeinbürgschaft" gegen die „die arischen Völker verhetzenden und ausbeutenden Juden ". Der Antisemitismus bildet die Brücke zwischen den Anhängern „£oä von Rom" und „Alles für Rom", zwischen Alldeutschen und Moskau-Pilgern, zwischen den Propagatoren der slavischen und der deutschen Gemeinbürgschaft. Doch, wie auch immer die Verhältnisse sich entwickeln mögen, ob der Clericalismus oder der extreme Nationalismus Oberwasser gewinnt, für die Juden ändert sich nichts an der Situation, wohl aber gewinnt der nationale, respective confesfionelle und wirtschaftliche Antisemitismus an Terrain. Innerhalb der deutschen Gemeinbürgschaft steht ja längst das nationale Moment im Vordergründe und das fortschrittliche im Hintergründe, und gehört erst die Katholische Volkspartei der deutschen Gemeinbürgschaft an, dann ist innerhalb derselben die antisemitische Richtung durch vier Parteien vertreten: Schönererianer, Deutsche Volkspartei, Christlich-Sociale und Altclericale. Der Einfluss der Deutschen Fortschrittspartei ist unter solchen Modalitäten in der deutschen Gemeinbürgschaft gleich Null. Wir sind nun sehr begierig, wie die Herolde des Deutschliberalismus und deren Anhänger in der Judenschaft sich zur deutschen Gemeinbürgschaft in dieser neuesten Häutung verhalten werden. Welche tiefe Entrüstung würde die Herren erfaßen, wenn man ihnen zumuthen würde, sich mit Baron D i p a u l i oder mit Lueger zu alliieren, wie würde man als Finsterling und Antisemit hingestellt werden, abergegeneine deutsche Gemeinbürgschaft, in der eben d er selb e Lueger das große Wort führt uud bald auch Dipauli. haben sie nichts einzuwenden oder dürfen sie nichts einwenden, soll ihnen nicht die Thüre gewiesen werden. Wahrlich, die „Neue Freie Presie" und Consorten werden diese Entwicklung nicht aufhalten, mögen sie immerhin versuchen, an dem Deutschthum der Katholischen Volkspartei zu mäkeln. Die Zeiten sind längst vorbei, wo die Pseudo-Liberalen und ihr jüdischer Anhang mit Phrasen vom Verrath am Deutschthum und von nationalem Renegatenthum ernst genommen werden. Noch vor 15 Jahren konnten die „judenliberalen Bonzen" mit derartigen Phrasen gegen Fischhof, Kronawetter und — Lueger ankämpfen, und heute sind, dank der bornierten Nationalitäten- und Judenpolitik dieser jüdischen Führer, die Verhältnisse so weit gediehen, dass die einst so bespöttelten „national geschlechtslosen Römlinge" und „Christlich-Socialen" Herren der Situation in Oesterreich sind und mit offenen Armen in der deutschen der zu allen Zeiten gelebt hat, einen Hiob, der gelebt hat von den Tagen Abrahams bis zur Zeit Hamans, und leben wird, so lange ein Haus Abrahams auf der Erde steht und leiden wird, so.' lange ein Sohn Hamans auf Erde lebt, einen Hiob, der mit der Hoheit des Geistes trägt tiefsten Schmerz, tiefstes Weh. Wer dieser Hiob sein mag? Es ist dies Israel. Israel ist der zu allen Zeiten lebende Hiob der Menschheit. Israel ergieng es jeder Zeit wie Hiob, er wurde gehasst, angefeindet, verfolgt, und dennoch war er „größer als alle Söhne des Morgenlandes". Israel erkennen wir im Hause Hiobs, an dem Familiensinn, der darin herrscht, an dem Neid, den sein Segen erweckt, im Herzen Satans, des ewigen Anklägers. Die Geschichte Israels erkennen wir in der Erzählung, dass Hiob in die Hände Satans fiel, der ihm die blühenden Saaten vernichtete, den Besitz raubte und die Jünglinge erschlug mit der Schärfe des Schwertes. Die Geschichte Israel erkennen wir in der Erzählung, dass Hiobs Söhne und Töchter ein Haus hatten, in dem sie, froh vereint, glückliche Stunden verlebten, dass aber auch mächtiger Sturm kam, der das Haus an allen Ecken erfasste und zertrümmerte und die Kinder tödtete. Die Größe des jüdischen Volkes erkennen wir in dem schönsten Worte der menschlichen Sprache, in dem Worte Hiobs: „Der Ewige hat es gegeben, der Ewige hat es genommen, des Ewigen Name sei gelobt." Und kennen wir nicht auch den Satan, der Israel mit seinen ewigen boshaften Verdächtigungen quält? Und wer erkennt nicht die Bedeutung des göttlichen Wortes: „Siehe, er ist in Deiner Hand, nur sein Leben schone"? Israel hat alle seine Satane überlebt, steht ungebrochen da, und wird, wenn nicht alle Zeichen trügen, noch so manche Satane überdauern. Die Satane wussten von der Erlaubnis Gottes, Israel zu bedrücken, den weitest gehenden Gebrauch zu machen, aber auch Israel wusste immer die Freiheit seiner Seele und seine heiligsten Güter heldenmüthig zu verteidigen. Ein Triumph für Israel ist das Wort, das seinen Feinden noch heute zugerufen wird: „Seinen Geist taste nicht an!" Unter der Wucht der feindlichen Verfolgungen seufzend, verstand es Israel, die Schwungkraft seines Geistes und den Adel seiner Seele sich zu bewahren. Und zufrieden wäre Israel mit seinem Geschicke, ohne Murren wäre es seinen Weg durch die Geschichte gegangen, glücklich mit den Gaben Gemeinbürgschaft ausgenommen werden, während die Juden jeden Moment aus derselben hinaussiiegen können, wenn sie nicht freiwillig gehen. Es ist daher die allerböchste Zeit, dass die österreichischen Juden, mit Rücksicht auf die stets wachsende Zerklüftung der verschiedenen österreichischen Parteien, die zunehmende allgemeine Verworrenheit, den wachsenden Chauvinismus und Antisemitismus, aus allen bestehenden Fractionen austreten und eine eigene Organisation auf national-autonomistischer, politisch und social fortschrittlicher Grundlage bilden. Ihr Platz ist ebensowenig in der heutigen deutschen oder slavischen Gemeinbürgschaft, sondern in der österreichischen Gemeinbürgschaft der Zukunft, deren Programm lauten wird : Die Gleichberechtigung aller Nationen, Confessionen und C l a s s e n G e s a m m t - O e st e r r e i ch s. Dr. K. Vom Tage. Karl Kraus lügt weiter. Die Katz kann das Mausen und Karl Kraus das Lügen nicht laffen. Aus der Zeit, da er nichts anderes sein wollte als ein Humorist und seinen Ruhm darin sah, die später so grimmig bekämpfte Druckfehlerpoesie des Herrn Julius Bauer zu überbauern, aus den Tagen, da er noch nichts anderes war als das scharfe Zünglein an der Wage hat er sich ein Privileg der Witzblätter in sein eigenes Unternehmen hinübergerettet: Unter dem Vorwände, witzig sein zu wollen, lügt er. Unter dem Anschein, bloß von dem Rechte des Satirikers auf Uebertreibung Gebrauch zu machen, setzt er Unwahrheiten in die Welt, die umso gefährlicher sind, als man nie weiß, ob er sie nicht am Ende als bloßen Scherz ausgeben wird. Im Spaße darf man sich ja so manches erlauben ... Und wenn dann jemand kommt und lediglich deshalb, weil er den Witz nicht entdecken kann, die Ausstreuungen ernst nimmt: da schreit Herr Karl Kraus. Mit dem Eifer des pflichtbewussten Publicisten verficht er sein Humoristenrecht auf Unwahrheit. Die Uebertreibung ist sein Beruf und jeder Beruf hat seine Pflichten. Leider auch seine Feinde. Die ärgste Feindin seines Berufes ist nun die Wahrheit. Er schreit Zeter und Mordio, wenn man ihm mit der Wahrheit kommt, und den Berichtigungsparagraphen, der für Journalisten geschaffen wurde, die es mit der Wahrheit nicht zu genau nehmen, betrachtet er lediglich vom Standpunkte einer unberechtigten Gewerbestörung. Karl Kr a u s hat behauptet: Der „Jüdische Volksverein" zählte nach einem halben Jahre des Bestandes dreißig Mitglieder. Der Verein berichtigt: Herr Kraus, Sie haben gelogen, denn der Verein hatte nach dieser Frist der Mitglieder über tausend. Karl Kraus hat behauptet: Der Verein wird wegen Mangels an Mitgliedern aufgelöst werden. Der Verein berichtigt: Herr Kraus, das ist aus der von der „Fackel" verpesteten Luft gegriffen. Denn der Verein zählt heute 2432 Mitglieder. Man sollte glauben, dass der § 19 nie mit größerem Rechte angewendet worden sei, als hier, wo einfach der lügenhaften Behauptung der wahrheitsgetreue Sachverhalt entgegengesetzt wird. Aber komme doch jemand Herrn Kraus mit der Wahrheit! Sie ist ihm ein Concurrent, gegen den er nicht aufkommen kann, und seine einzige Abwehr gegen eine solche ihm auf Grund des § 19 aufgezwungene Wahrheit ist, dass er eine solche Berichtigung einen Missbrauch des § 19 nennt. Den Missbrauch zu beweisen, zu zeigen, dass etwa die Berichtigung ein Wort mehr als die Richtigstellung seiner Lügen entdes Geistes, die ihm Gott verliehen, und sich hinwegsetzend über die Güter der Erde, die ihm Gott genommen, allein auch bei Israel erscheinen Freunde, die es verdächtigen. Israel leidet, um die Welt von der unbesiegbaren Macht des Jdalismus, dessen Träger er ist, zu überzeugen. Allein die Freunde rufen: „Bedenket doch, wer geht zugrunde und wo werden Redliche vertilgt. Euere Leiden sind göttliche Mahnungen an Euch, bekennt Euren Jrrthum, verleugnet Euren Judensinn und achtet die Mahnung Gottes nicht gering." Noch glaubt Hiob Freunde vor sich zu haben, und er antwortet im ruhigen Tone: „Belehret mich, dass ich irre, und ich will schweigen, worin mein Jrrthum besteht, das machet mir begreiflich." Und während Satan unsichtbar neues Leid über Hiob verhängt, arbeiten die Freunde daran, aus dem Schriftthum Israel den Beweis zu führen, dass er irre. Allein eröffnen sie auch mit Siegesgewissheit den Wortkampf, die heiligen Schriften legen gegen sie Zeugnis ab, und nur ein Beweismittel bleibt ihnen, die oft widerlegte und dennoch immer wiederholte Mahnung: Gott kann nicht verachtet sein lassen die Frommen und stützen die Bösen. Wir sind die Glücklichen, also sind wir auch die Frommen, Ihr seid die Leidenden, also seid Ihr auch die Irrenden. Gebet nur Euer jüdisches Denken und Leben auf, Ihr wohnet dann ruhig, keiner wird Euch schrecken, denn Fähigkeiten besitzt Ihr, das stellt keiner in Abrede. Jetzt reißt Hiob-Israel die Geduld, seine Ruhe verlässt ihn, edler Zorn flammt in ihm auf, seine Sprache wird heftig und er ruft seinen Freunden zu: „Wahrlich Ihr seid ein Volk, mit Euch . wird wohl die Weisheit aussterben. Lasset ab von mir, e i n Wort will ich Euch sagen, ich weiß, Ihr werdet dann meine offenen Feinde sein, aber es komme, was immer über mich. Wisset, wenn auch Gott mich untergehen lässt, dennoch bleibe ich ihm treu, unerschütterlich treu." Der Streit zwischen Israel und den Völkern dauert fort. Oft hören wir heftige Worte fallen, auch Schwerter klirren, viele brenllende Scheiterhaufen knistern unheimlich, und aus Feuersglut tönt es wie Geisterruf: Siehe, wenn Er mich auch untergehen lässt, ich hoffe dennoch auf Ihn, bleibe Ihm unerschütterlich treu. Die wilden Feindesgluten vermochten nicht die Glaubensglut Israels zu verlöschen, sein! Vertrauen auf Gott zu erschüttern. Verstoßen und verkannt' halten habe, das unterlässt er wohlweislich mit einer an ihm ganz ungewohnten Selbstbescheidung. Herr Kraus hat eine andere Methode: die Berichtigung sucht er dadurch als ungerechtfertigt hinzustellen, dass er n e u e Lügen vorbringt. Er unterschiebt den Berichtigern die Absicht, seine „Kritik" — Entstellungen gibt er für Kritik aus! — zur Reclame für sich ausnützen zu wollen. Nun, wenn die bloße Constatierung der Wahrheit für den Jüdischen Volksverein schon eine Reclame bedeutet, und die Kraft der Werbung besitzt, so kann das niemandem mehr recht sein, als dem „Jüdischen Bolksverein". Und wenn darauf die Eröffnung folgt, dass für Die Feststellung dieser Wahrheit die „Fackel" nicht der richtige Ort sei, dass in der „Fackel" nur die Unwahrheiten ihres Eigenthümers „Wirkung" machen, so ist das sehr bedauerlich, aber doch wohl nur für die „Fackel". Noch ein paar andere Wahrheiten, die man ihm sagte, hat Kraus für seinen Leserkreis — sagen wir: interpretiert. Er legt aus und legt unter. Wenn man feststellt, dass Herr Bergmann mit der Redaction des „Volksblattes" nichts zu thun und dass er im Volksvereine nichts zu sagen hat, so „umschreibt" das Kraus so, dass beide Herrn Bergmann „zu verleugnen suchen". Und das „Klampfl", von dem Herrn Bergmann schon acht Tage früher prophezeit hatte, dass Herr Kraus es ihm im Briefkasten anhängen werde, ist selbstverständlich auch nicht ausgeblieben. Kraus hat nämlich, geistreich, wie er nun ist, im „Briefkasten" constatiert, «dass ein Herr, namens Edmund Bergmann, mit Herrn Siegmund Bergmann nicht identisch sei. Das soll nämlich eine Bosheit sein, ist aber wohl nichts, als ein misslungener Kalauer. Wenn wir die Namen aller der constatieren würden, die mit Herrn Kraus nicht identisch sein wollen, müssten wir uns zu einer Extra-Ausgabe unseres Blattes entschließen, die bloß eine Rubrik „Briefkasten" enthielte. Denn es gibt eine Menge Leute, die nicht wünschen, mit einem Menschen verwechselt zu werden, der ohne zu reagieren, sich Lüge und Verleumdung vorwerfen lässt. Freilich — auch wir haben unsere Fehler. Kraus hat „recherchiert" — und das Aergste, was er uns nachsagen konnte, war, dass die Berichtigungen von „einem" Herrn Ellbogen und „einem" Herrn Munk gezeichnet seien. Und da er dazu noch decretiert, dass wir schlechte Politiker und schlechte Journalisten seien — ist's natürlich endgiltig um uns geschehen. Denn man weiß es ja, dass es in Wien keine Person und keine Sache von irgendeiner Bedeutung gibt, die nicht die Aberkennung des Herrn Karl Kraus hätte. Wir hätten, sagt Kraus, die Ankündigungen des „Bolksblattes" an allen Bedürfnis-Anstalten der Leopoldstadt angebracht. Nun, es hat uns eine große Freude bereitet, als wir sahen, dass Herr Kraus seine Nase nunmehr auch dorthin steckt — aber immerhin können wir den Ton des Vorwurfes nicht begreifen: Sind das nicht fast dieselben Orte, da vor 1l/t Jahren mit großen rothen Zetteln die „Fackel" angekündigt war? Oder glaubt Herr Kraus, dass die Bedürfnis-Anstalten der Innern Stadt und der antisemitischen Vororte im Range gar so sehr über denen des zweiten Bezirkes stünden? Erkläret mir — denn das wäre doch wahrhaftig ein „Räthlel der Natur" ... Also, nur lustig weitergelogen, Herr Kraus! Und — auf Wiedersehen! * * * Ritttalmord? Der emeritierte Bürgermeister von Mühldorf fordert von seinen Schreibern täglich zum Mindesten einen Ritualmord. Hat sich doch so mancher auf dem schweren Wege der „Untersuchungen" in Ritualmordangelegenheiten den Weg in den Wiener folgt er dem Schwünge seiner Seele, endet in erhabenen Worten von seinem Glanze und Siege in der Vorzeit und ruft mit bemegtem Herzen: „Wäre ich doch wie in den Monden der Vorzeit, da Gott über meinem Haupte strahlen ließ das Licht seiner Gnade, und nun verspotten mich, die geringer und jünger sind als ich!" In der unerschütterlichen Treue Israels zu Gott liegt die Lösung des Räthsels, welches Israels Geschichte bietet. Gott lässt Israel leiden, weil dadurch seine ideale Größe sich glänzend entfaltet, sein Feuer und seine Begeisterung für Gott in überwältigender Weise zur Geltung kommt. Israel wird zu den Sternen des Himmels verglichen, die in der Nacht strahlen, und auch Israels Gotteslicht strahlt glänzend in der Nacht des Missgeschickes. Israel wird aber auch dem Staub der Erde verglichen, 'der je mehr er getreten wird, desto mehr in die Höhe fliegt. Je mehr Israel vom Unglücke zu Boden gedrückt wird, desto mehr erhebt es sich gen Himmel. Dieses opfervolle und opferfreudige Ausharren Israels bei seinen Wahrheiten soll auch die Völker empfänglich machen für diese Wahrheiten. Gott lässt Israel leiden, damit, wenn seine Wayrheiteu einst siegen, der Sieg einzig und allein als Ergebnis der Göttlichkeit dieser Wahrheiten anerkannt werde. Wenn sie siegen! Ja, sie werden siegen! Mag auch das Böse mitunter überhand nehmen, dauernd wird es nicht triumphieren. Es bleibt eine durch die Geschichte bezeugte Thatsache, dass „Gott dem Morgenroth gebietet, den Kreis der Erde erleuchtet und die Frevler von ihr abschüttelt". Zur utöhigen Zeit lässt Gott in den finstersten Jahrhunderten den Morgen anbrechen, das Dunkel lichtet sich und das göttliche Licht, das nur dem Hiob geleuchtet, es wird zum Lichtmeere, aus dem viele schöpfen und das die ganze Erde umkreist, erwärmend, erleuchtend und beglückend. An dieser Wahrheit halten wir, der Hiob der Menschheit, selbst in unserer Zeit fest, in der wir scheinbar „mit vollen Segeln dem Mittelalter entgegensteuern". Die Zeiterscheinungen, welche jeden idealen Menschen betrüben, siud keine Zeichen dafür, dass der siegreiche Kampf der Wahrheu mit den Mächten der Finsternis noch nicht zu Ende geführt ist; kein Zeichen dafür, dass die Liebe zur Wahrheit und Gerechtigkeit aus den Gemüthern geschwunden ist, sondern bloß

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