Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 37 (14.9.1900)
- Date
- 1900-09-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksbiat.t 14. September 1900 Nr. 37 Auch wir Juden haben ein positives politiscM4K^knhard Lazare für eine jüdische Realpolrtik. Programm, und auch wir sollten uns unserer Ziele bewusst > werden. Doppelt ist die Aufgabe der jüdischen Abgeord neten: Sie müssen sowohl die nationalen, als auch ökonomischen Interessen unseres Volkes vertreten. Sieben jüdische Abgeordnete aus Galizien saßen im vorigen Parlamente, und unsere nationalen und ökonomischen Missstände sind in der letzten Periode nicht nur nicht gebessert worden, sie haben sich vielmehr verschlimmert. Es genügt der Hinweis auf die in verschiedenen Ortschaften staltgefundenen Juden-Excesse, auf die Mädchenraube und die dazu abgegebene Erklärung des Ministers P i e n t a k, auf die Vorfälle in B o r y s l a w und auf ähnliche Vorkommnisse. Und wo ist da die „jüdische Politik" geblieben, deren Interessen Dr. R a p p a p o r t in seinem Namen und im Namen seiner Collegen zu vertreten so feierlich betheuert hat? Ja, sieben Juden saßen im österreichischen Parla-' mente — waren sie aber wirklich jüdische Abgeordnete, haben sie wirklich jüdische Interessen vertreten? Haben sie denn nicht die polnische Sache, wenn auch zum Schaden der Juden, vertreten? — Nein, das sind, nicht unsere Vertreter! Wir stehen an der Schwelle der Wahlbewegun^. Auch unsere intelligente Jugend ist in den letzten Jahrein erwacht. Wir wollen hoffen, dass diese bei den Wahlen ein Wort mit dreinsprechen wird, wir wollen hoffen, dass auch unser Volk den Wahlen mehr Verständnis esttgegenbringen wird, wir wollen hoffen, dass jetzt von den Juden Jude n gewählt werden! 6. \ Vom Tage. Der Polenclub und die Neuwahlen. Im Polenclub soll man mir der Auflösung des Reichsrathes sehr unzufrieden sein. Man fürchtet, dass man den alten Besitzstand nicht behaupten wird. Die polnische Schlachta versteht sich zwar ganz besonders gnt auf die Wahlmache weiß, dass man den Bauer mit der Peitsche und den Juden mit Versprechungen bestimmen kann, den Stimmzettel in einer rhr genehmen Weise zn verwenden — aber ihr böses Gewissen lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Mit dem Erwachen des politischen Bewusstseins beim polnischen Bauer hat es zwar vielleicht noch seine Wege, dafür aber ist das jüdische Element vernünftig genug, um die ihm zugefügten Wunden noch in guter Erinnerung zu behalten. Dass der Jude in Galizien einfach geliefert ist, wenn es sein elementarstes Recht gilt, haben der Fall A r a t e n und ähnliche bewiesen, ebenso haben sie gezeigt, was — mit wenigen Ausnahmen — die Juden von den von ihnen gewählten Vertretern erwarten können. Es fragt sich nur, ob wirklich die politische Einsicht der jüdischen Bevölkerung so weit gereift ist, dass sie sich nicht wieder von denjenigen ihrer Führer leiten lassen will, welche nicht glauben, dass uneigennützige Arbeit für das Volk adelt, sondern den Adel gerade von der gewissenlosen Verschacherung der Stiuunen ihrer ihnen vertrauenden Glaubensgenossen erwarten. Im übrigen wollen wir nur wünschen, dass die Schlachta sich rn ihren Befürchtungen nicht enttäuscht sehe, sondern thatsächlich erfahre, dass man nicht die Interessen seiner jüdischen Wähler preisgeben kann, ohne bei der ersten besten Gelegenheit empftnlicher Weise daran gemahnt zu werden. Man hat es wiederholt als einen Fehler bezeichnet, dass jene erfreuliche Bewegung, welche das Wiedererwachen des jüdisch-nationalen Bewusstseins so sehr gefördert hat, ganz und gar unpraktisch und utopistisch in ihren Mitteln und Zwecken ist. Man hat sogar verschiedentlich darauf bingewiesen, dass dadurch im jüdischen Volkskörper zwei der gefährlichsten politischen Krankheiten gezüchtet werden, nämlich die Passivität und Indolenz. Die dies ansznsprechen wagteu, wurden aber gewöhnlich als Ketzer betrachtet und demgemäß auch gerichtet. Es kann also nur erfreulich sein für diejenigen, welche mit uns das jüdische Volk auf nationaler Grundlage organisieren wollen, damit es eine active und reale Politik betreibe, wenn ein Mann wie Bernhard Lazare sich zn ihnen schlägt und mit seiner Autorität ihre Forderungen als die einzig richtigen und vernünftigen hinstellt. In einem leider zn wenig beachteten Briefe an den zioMischen Congress stellte Bernhard Lazare folgende Anträge: 1. Für eine nationale Erziehung der Jugend zu wirken. 2. Ueberall, wo jüoische Arbeiter in größerer Anzahl wohnen, Productions-Genossenschaften und Eonsumvereine, sowie landwirtschaftliche Genossenschaften zu gründen. Solche Institutionen würden auch erzieherisch in politischem Sinne wirken. 3. Die z i o n i st i s ch e Partei nebst dem A c t io n s- Comit6 muffen „aus den Wolken herabsteigen". Sie dürfen nicht mehr ausschließlich in Zukunftsträumen sich b e w e g en, so n d ern müssen auch reale jüdische V o l k s p o l i t i k treiben. Das Actions-Comitö muss auch die Initiative in betreff der großen Sache der rumänischen Juden ergreifen. Thut es dieses nicht, so wird es ebenso! tadelnswert sein, wie jetzt die „Allianz". Jeder politisch gesund denkende Mensch kann und muss diese Anträge voll und ganz unterschreiben. So hoch und hehr das Ideal auch ist, der Weg zu diesem muss mit praktischen Errungenschaften gepflastert werden. Diese faim man aber nur auf dem Boden der Wirklichkeit erreichen. Und dariW muss es bis ^anf weiteres heißen: Flic Rhodas, hic salta! * Znm Processe Hülsuer. Das „Deutsche V o l k s b l a t t" befindet sich in einem , besorgniserregenden Zustande. Trotz seiner ausgebildeten Fertig- ■te keit im Erfinden von gruseligen Geschichten auf Rechnung der Juden fehlt es ihm seit einiger Zeit ganz und gar an günstigen Gelegenheiten, gegen die Juden loszuziehen. In Ermangelung „wichtigerer" Thatsachen, wird das Blatt sogar prüde und nimmt daran Anstoß, dass die Einwohner der Castellezgasse so frei sind, sich in ihren Wohnungen auch im Neglige, zu bewegen. Die Unverschämtheit des antisemitischen Monitors, welcher so manches, was unter anständigen Leuten nicht einmal innerhalb der heimischen vier Wände gestattet ist, öffentlich betreibt, wird aber ganz bedenklich, wenn sie sich znm Größenwahn auswächst. So meldete das „Deutsche Bolksblatt in seiner Nummer vom 13. d. M. aus Prag: „Der für October in Aussicht genommene Process mit Hülsner soll neuerlich vertagt werden. Man befürchtet von der Durchführung des Processes einen für den Antisemitismus günstigen Einfluss auf die W a h l-E a m p a g n e und lässt deshalb kein Mittel unversucht, um die Vertagung bis nach den Neuwahlen durchzusetzen. Die Untersuchungsacten befinden sich gegenwärtig bei der Oberstaatsanwaltschaft in Prag, welche sich, wie bekannt, das gesammte Material erbeten hat, um festzustellen, ob die Erhebung der Anklage auch auf die Ermordung der Marie Klima auszudehnen sei." Jetzt glaubt also das Organ des Herrn Vergani allen Ernstes, dass die Prager Gerichtsbehörde aus Nespect vor den Antisemiten und aus Angst vor deren niederschmetternden Erfolgen einen Process unnvthigerweise vertagt habe! Wenn inan nicht dem Spießer eine gute Portion Geschimpfe gegen Inden tu vorlegcn kann, so muss man doch wenigstens den Mund voll nehmen, wenn mau ihnen über die ungeheure Macht des Antisemitismus etwas vorerzählt ... Ja, ja, sogar die Justizbehörde fürchtet die Macht des Antisemitismus, und judenfreundlich, wie sie in Böhmen nun einmal ist, vertagt sie den Process und entzieht dem „Deutschen Volksblatt" eine unversiegbare Schöpfquelle von Lügen und Entstellungen. Das wird ihr Herr Vergani nicht verzeihen. . . * * * Antisemitismus in Deutschland. Der Parteitag der antisemitischeu Dentschsocialen in Magdeburg hat zu folgenschweren Auseinandersetzungen geführt: Die Reformpartei hat sich in eine Fraction Zimmermauu und eine Fraction Liebermann gespalten und dürfte damit ihr eigenes Todesurtheil geschrieben haben. Zimmermann hat nicht die Kraft, die in allen Fragen — den Jndenpnnkt ausgenommen — auseinauderstrebenden Elemente, die auf ein festes Parteiprogramm nicht eingeschworen werden konnten, zusammenzuhalten, und Liebermann bezog bereits das Plätzchen, das die freiconservative „Post" bei ihrer Partei für ihn warm hielt. Ans diesen Thatsachen Schlüsse auf einen Niedergang des Antisemitismus in Deutschland zu ziehen, wäre mehr als verfehlt. Minder kurzsichtige Politiker, wie sie bei den liberalen Blättern kaum zu finden sind, werden sich vielmehr der Erkenntnis nicht verschließen können, dass der Antisemitismus bloß sein Gehäuse gewechselt hat. Hatte er früher bei dem kleinen Manne des Mittelstandes sein politisches Heim, so wird er nun sein Hauptquartier in den junkerlichen Schlössern aufschlagen, die ihm vorher nur durchs Hinterthürchen den Einlass gestatteten. Der gesellschaftliche Antisemitismus der Freiconservativen wird zum politischen, der geheime des Cerrtrums znm offenen. Dem geeinten und gestärkten Antisemitismus dieser beiden Parteien eutgegenzujubeln, haben die deutschen Juden wahrlich keinen Anlass. Der neue Lehrplan^ für den israelitischen Keligisnsnnterrichl an Volks- und Snrgerjchnlerl. Von Dr. Daniel Fink. II. Den Grundsätzen des neuen Lehrplanes muss das zn schaffende Schulbuch für bei* Unterricht in biblischer und jüdischer Geschichte schon in seiner äußeren Anlage Rechnung tragen. Es wird demnach den Hauptgesichtspunkt, nach welchem es den Stoff anorduer — die Unterscheidung nämlich zwischen geschichtlichem Rahmen und dessen Füllung — schon durch den Druck scharf hervorkehren. Was den ersteren betrifft, so wird er in knapper, aber darum nicht weniger auch der kindlichen Auffassung verständlicher Form das bieten, was zum Verständnisse des Bildes nothwendig oder förderlich erscheint. Ausgeschlossen bleibt jedoch unbedingt alles, was nur für den Forscher von Wert ist und nur in dem weiten Zusammenhänge der biblischen Alterthumswissenschast verständlich wird. Eine besondere Sorgfalt wird dagegen auf die Ausgestaltung der eigentlichen Erzählung zu verwenden sein. Damit wir das Ergebnis unserer Ausführungen gleich vorweg nehmen, sei schon jetzt erklärt: das Schülerbuch für biblische Geschichte wird iusolange seinen Zwecken nicht gewachsen sein, als nicht jede Erzählung, die es darbreter, die sachlichen und pädagogischen^ *) Siehe Nr. 30 des „Jüdischen Volksblatt". seinen Wünschen auch seinen früheren irdischen Ueberfluss, aber nur, um nnt fast überströmendem Gefühle die edle und gemeinnützige Verwendung desselben zu betonen, denn Wohlthätigkeit ist des Lebens schönster Schmuck. So hat er gelebt, so wünscht er auch in Zukunft zu leben, und dennoch die traurige Gegenwart! Gott allein vermag dies Räthsel zu lösen, und ihn ruft er auch nach erlangter Ruhe sehnsuchtsvoll herbei. Und Gott, der das Räthsel im Himmel gewoben, um zu zeigen, dass die wahre Unschuld wohl wanken, aber nimmer stürzen kann, erscheint jetzt, da dieser Zweck erreicht ist, dem Hiob und ruft: „Wer verdunkelt meinen Rarhschluss durch Reden ohne Einsicht?" Wie die Sonne nichts von ihrem Strahlenglanze verliert, wenn sie auch heute hinter dichtem Wolkenschleier dem menschlichen Auge sich verhülll, so strahlt auch dre Gerechtigkeit Gottes glänzend, wenn auch seine beglückende Absicht hinter räthselhaften Fügungen sich verbirgt. Die Gerechtigkeit Gottes würde jedem Menschen im hellsten Lichtglanze erstrahlen, möchte er nicht selbst durch vvrerlrges Urtheilen das klare Schauen unmöglich machen. Du klagst, Hiob, weil Du nicht begreifst, weshalb Du leidest^! Du, dessen Blick nur die äußere Oberfläche streift, nicht aber in das Innere der Erscheinungen dringt, an der Gegenwart haftet, die dicht verhüllte Zukunft aber nicht kennt, das Trübe sieht, nichr aber den möglichen herrlichen Ausgang desselben, Lu klagst, wert Du nicht begreifst! Was begreifst Du denn überhaupt ja? Blrüe in die Fülle der Naturerscheinungen! Begreifst Du sie? Begreifst Lu Dreh? Lu glaubst, Gott finde au den Leiden der Menschen Freuve! Umfasst er nicht im Reiche der Natur alle Wesen mit der zärtlichsten Liebe, und den Menschen, die Krone der Schöpfung, sollte er ohne Grund und Zweck quälen? Aber Du leidest und bist unschuldig! Du leidest, weil die Merrscherr nur durch lebendige Beispiele veredelt werden können, uub weil es Sataue gibt, die behaupten: Tugend und Glaubeustreue feien blos schm klingende Namen, bedeutungslose Wesen, die in der Nacht des Unglückes bem Nebelduuste gleich dahin schwinden. Darum soll zur Belehrung der Menschheit durch lebendiges Beispiel gezeigt werden, dass wahre Unschuld stärker sei als die Macht des wüthendsten Sturmes, und wenn auch alle Elemente gegen die Unschuld sich verschwöret«, sie können sie nimmer zerstören. Und darum müssen die Edelsten am schwersten leiden. Nicht die Schwachen, die bald erliegen, die Starken, die Treuen führt Gott ins lodernde Feuer des Unglückes, nicht als Strafe, sondern ans Liebe. Er weiß, dass sie die zusammenschlagenden Flammen theilen und eben dadurch zum leuchtenden Muster werden. Und gereicht nicht das Unglück auch dem Starken zum Heile? Wird ihr Glanbensnuith rricht dadurch gestählt, ihr Eifer erhöht? Je heftiger die Leiden sind, die sie Niederdrücken, desto höher steigen sie innerlich und ranken sich zn Gott empor, an dem sie mit aller Macht festhalten. Durch steten Kampf mit dem Geschicke werden edle Seelen immer kräftiger, senken ihre Wurzeln immer tiefer in den Boden der Tugend und gelangen die in ihnen schlummerndeir Kräfte des Guten immer mehr zur Entfaltung. Dass Leiden bei Herzensreinheit nicht Strafen, sondern ethische Mittel zur Veredelung der Menschen seien, das wissen wir aus der kurzen himmlischen Scene, mit der das Buch Hiob eingeleitet wird, und dies sagt auch Gott, irrdem er den Freunden Hiobs den Vorwurf macht, sie hätten mit Unrecht Hiob als Sünder verdammt, der jedoch in edler Selbstverleugnung ihnen verzeihen und für sie um Gnade beten werde. Noch sind die Leiden von Hiob nicht gewichen, allein er empfindet keinen Schnrerz mehr, nachdem er der Liebe seines Gottes sicher ist. Gott lässt ihrr aber dennoch sein früheres Glück wieder erlangen, damit er auch im Glücke mustergebend voranlenchte. Und so bleibt Hiob ein ewig leuchtendes Beispiel eines Menschen, der aus dem dunklen Gewölle des Unglückes der strahlenden Sonne gleich hervorgeht, alles anfrichtend, erhebend, erleuchterid und erwärmend. Wollen wir uns aber nicht fragen, hat Hiob, der uns so Schönes lehrt, auch wirklich gelebt? Ein Talmudlehrer behauptet: Hiob ist nie gewesen, ist nie erschaffen worden, er lebte bloß in der Ppantasie des Dichters. Wohl wahr, einen Hiob nach der Schilderung des Buches Hiob, der inmitten der rasenden Schmerzen Reden gehalten, die sich durch hvchpvetische Form und tiefphilosophischen Gehalt anszeichnen, einen solchen Hiob hat es nie gegeben. Dieser Hiob ist eine vom Dichter geschaffene Jdealgestalt. Sollte es aber nicht einen Hiob gegeben haben, dessen vonMissgeschick erfülltes Leben dem Dichter znm Vorwürfe gedient habe? Sollte es denn wirklich keinen Hiob gegeben haben? Einen Hivb der mehr leidet, als er leiden sollte, den Unglück auf Unglück trifft, Sturm ans Sturm nmtobt, dass er schmerzerfüllt rufen kann: „Nie ruhe ich, nie raste ich, nie feiere ich und es kommt fort quälender Schmerz." Einen Hiob soll es nicht gegeben haben? So lange es Satane gibt, muss es auch Hiobs geben. Und gab es eine Zeit, in der keine Satane gelebt hätten? Satane in Menschengestalt, die, bar einer jeden Gesittung, einer jeden Intelligenz, durch eine launige Rvlle des Geschickes an die Oberfläche gebracht, sich groß und erhaben dünken? Menschen, die nach Ruhm streben, und diesen, im Bewusstsein ihrer Nichtigkeit, nur in der Herabwürdigung edler Hiobs-Charaktere zu erreichen hoffen. In der That setzt der Talmud au einer anderen Stelle die Existenz Hiobs voraus und bringt nur verschiedene Ansichten über die Zeit, in der er gelebt habe. Die einen machen ihn znnr Zeitgenossen des Abraham, des Jacob, die anderen lassen ihn bald mit Moses in Aegypten und in der Wüste leben, bald mit den Richtern und den Königen im Heiligen Lande und bald mit Hanran in Persien. Wer hat recht? Sie alle haben recht. Der Behauptung, es habe keinen Hivb gegeben, lässt sich mit mehr Recht die Behauptung entgcgenstetten: Es gab keine Zeit, die nicht ihren Hiob gehabt hätte. Jede Zeit, jeöes Land, jede Gemeinde hat ihren unschttldigen Hiob. Oder hat Hiob nicht zur Zeit Abrahams gelebt, der sein ganzes Leben hindurch mit dem Heidenthum gekämpft, mannigfache Versuchungen bestanden und dem das Thenerste seines Herzens als Opfer abverlangt wurde? Lebte Hiob nicht zur Zeit Jacobs, dem der Name Israel beigelegt wurde, weil er siegreich gestritterr mit Geschick, Menschen, Nvth und Elend, und weil es seine Aufgabe sei, stets für Gott zn kämpfen? Hat Josef, dieses erhabenste Musterbild der Herzensreinheit. Seelengröße, kindlicher Liebe und brüderlicher Anhänglichkeit, den Kelch der Leiden nicht bis zur Neige geleert? War nicht Moses in zartester Kindheit der drohenden Todesgefahr ansgesetzt, als Jüngling vom Schrverte bedroht und als Mann genöthigt, gegen die wilden Ausbrüche des Volkes zn kämpfen? Und brauchen wir noch das Leben des vielgeprüften Dichter- Königs David zu erwähnen, dessen weiches Gemüth und weiches Herz in den Psalmen schön und rein sich abspiegeln? Seine herrlichen Psalmen, diese reinen Herzensergüsse, sind sie ihm licht durch das Unglück abgerungen worden? (Schluss folgt.)