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Jüdisches Volksblatt · 1900-09-01 · 35 (1.9.1900) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
35 (1.9.1900)
Date
1900-09-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Zlr. äS Wien, Samstag Jüdisches Volksblatt 1. September 1900 Seite 5 Gcmeindeu vegetiere,'. Zu ihneu wurde vor ca. 900 Jahren ein Rabbi namens David .Nabbabia ans Cvchien verschlagen, und da er fand, dass sie die mosaischen Gesetze halten und zweifellos Juden sind, blieb er bei ihnen, gründete eine Jeschiwo und unterrichtete die Jugend. Bor seinem Tode ordnete er an, dass zwei seiner besten Zöglinge unter dein Titel „Kajis" ihm in seinem Amte folgen sollten, der eine als Dajan, der andere als Chasan. Die Bern Israel betrachteten sich selbst keineswegs als Nachkommen der zehn Stämme, sie halten sich vielmehr für arabische Juden aus dein Stamme Inda, die sich erst später aus Zweckmüßigkeltsgründen Beni Israel itaiinten. Die Mohammedaner, ivelche aris Centralasien in Indien eindrangen, um hier das nivngolische Reich des Großmogul zu gründen, brachten nämlich uns Mittelasien eirren so ivüthendeil Judenhass mit, dass die Juden in Bombay es rathsam fanden, sich als Beui Israel zu bezeichnei,. Sre sind dadurch der sicheren Vernichtung entgangen. Die Beni Israel beobachten streng alle jüdischen Gesetze, ihre Gebete verrichten sie nach dem fephardischen Ritus und Ehen zwischen ihnen und anderen Jnbeu fiub keine ganz ungewöhnliche Erscheinung. Nur mit den schwarzen Beni Israel, welche sie Kala Israel nenneli, werden keine Ehen eingegangen. Sic halten diese für Bastarde, erzeugt von den weißell Beni Israel im Verkehre mit heidnischen Frauen. Von der Belästigung durch zudringliche Missionäre haben auch die Beui Israel zu leiden gehabt. Die ungebetenen Alleinseligmachec haben aber mit ihren Bekehrnngsversuchen bei den Beui Israel nie viel Glück gehabt, jetzt aber, da die Kenntnisse des Judenthums unter ihnen im Wachsen begriffen sind, kommen Taufen gar nicht mehr vor. Von Wilhelm Liebknecht. -Gießen, meine Geburtsstadt, liegt in der Nähe und in der Einflusssphäre von Frankfurt am Main, einer Stadt, in welcher die Juden seit einem vollen Jahrhundert eine geachtete, ja beinahe gebietende Stellung einnehmen. Diesem Umstande und der Aufgeklärtheit meiner Erzieher mag es zuzuschreiben sein, dass ich auch in meiner Kindheit kein Vorurtheil gegen die Juden einsog. Bloß di« |Äal(joIü:eu erschienen mir damals als Menschen zweiter Classe, zum mindesten als etwas verdächtig, was sich daraus erklärt, dass es in unserer Gegend so gut wie keine iKatholiken gab, und dass meine Familie trotz liberaler Anschauungen auf die von ihr festgeglaubte und von hessischen Genealogen behauptete Abkunft von Dr. Martin jLuther nicht wenig stolz war. Zum Andenken an den berühmten Urahn wurde mir auch der Vorname Martin >zu meinen anderen vier Namen noch zugelegt. Eine Judenfamilie, die uns gegenüber wohnte und meinen frühverstorbenen Eltern befreundet gewesen war, lud mich öfters j zu sich ein — einmal zum L a ub h ü tt en f e st, welches einen tiefen E i n b r u c! a u f mich machte. Bald wurde ich noch mit anderen Juden bekannt und befreundet, und auch ans der Universität hatte ich Juden unter meinen Ibesten Freunden. Ich rede hier nur von der Zeit, ehe ich! durch die Verhältnisse zum Aeteur auf der politischen IBühne gemacht wurde, in dem Juden Johann Jacoby ein verehrtes Vorbild und in dem Juden Carl Marx | meinen unsterblichen Lehrer kennen lernte. Als Fürst Bisj marck vor 1878, um den Volkszorn ob des Großkornwuchers und der ganzen junkerlichen Raubpolitik von den wahren! Schuldigen abzulenken, denAntisemitismus aus der moderigen Rüstkammer des Mittelalters hervorholte und Stöcker, den biederen Scheiterhaufenmann, auf die Juden losließ, da tauchten die frühesten Jugenderinnerungen in mir auf, und neben den politischen Erwägungen kamen auch meine persönlichen Sympathien für die Juden zur Geltung. In England hatten sich diese Sympathien erweitert, vertieft und gewissermaßen eine wissenschaftliche Basis gewonnen. Disraeli, von allen englischen Staatsmännern mir der interessanteste, hat in seinen, literarisch wie politisch gleich- I bedeutenden, lauge nicht nach Verdienst geschützten Romanen die Theorie ausgestellt und genial verfochten, dass die. Angelsachsen und Juden die zwei begabtesten und zur «Weltherrschaft oder Weltregierung berufensten Rassen der Welt seien. Sagen wir statt angelsächsisch: germanisch, so gelangen wir zu einem Judo-Germanismus, in dem jedenfalls mehr Kern und mehr Wahrheit steckt, als in der verlogenen Hofschranzenlehre des Christo-Germanismus oder der sogenannten .christlich-germanischen Weltanschauung". Und nicht bloß mehr Kern und Wahrheit: Vor allem auch mehr Freiheit. Der I u d e n g o t t und die I u d e iihelden, voran die Makkabäer, sind es gewesen, die einen C r o m w e l l zum Befreiungskämpfe anstachelten — wohingegen im Namen des Christenthums nie ein Freiheitskampf der Völker geführt worden, wohl aber unzählige Kämpfe zur Unterdrückung der Völker. Das einzige Land, in welchem der Freihcitskampf des Volkes einen religiösen Charakter trug, ist England — und in England war es nicht das Neue Testament, das den Kämpfern das geistige Rüstzeug lieferte, sondern das Alte Testament. Die englische große Revolution in der Mitte des 17. Jahrhunderts — nicht mit der Spießbürger-,.Revolution" zu Ende desselben zu verwechseln — war das Thal gewordene und auf die politische Bühne gebrachte Buch der Makkabäer... In dem Umstande, dass die Juden durch ihre politische und sociale Aechtung und durch das Verbot der Ausübung „ehrlicher" Berufe zum Gelderwerb gezwungen und zu P i o n n i e r e n der nwderneu Bourgeoisie künstlich gezüchtet worden sind, erblickte ich immer eines der lehrreichsten und amüsantesten Beispiele von „Ironie der Weltgeschichte^. Man könnte auch sagen: von Nemesis. ''Nemesis ist auch, dass die Urenkel der Raubritter, ivelche die Juden ausplünderten und quälten, fast allesanunt im Schuldbuche der Urenkel jener Ausgeplünderten sind. Und Nemesis ist's ferner, dass unsere „Edelsten der Nation", welche den Juden mit sittlicher Entrüstung vorwerfen, dass sie Wucherer seien, jedoch selber GroßkorwWucherer geworden sind und den Kornwucher, wie überhaupt den Lebeusmittelwucher, in solchem Umfange gewerbsmäßig betreiben, dass alles, was die Juden insgesammt jemals an Wucher geleistet haben, daneben ein wahres Kinderspiel ist. Appropos Wucher! Wenn den Juden der „Wucher' vorgeworfen wird, dann fällt mir immer auch ein, dass, während mir in meinem Leben oft von Juden Gutes und Freundliches gethan worden ist, der einzige Wucherer, dem ich je in die Hände gefallen bin und der mir manche angstvoll« Stunde bereitet hat, ein guter C h r i st war, ein protestantischer Mustermensch, der jeden Sonntag zweimal zur Kirche gieng. Wien. (U n t e r h a l t u ng s a b e n d.) Wir machen nochmals auf den am 1. September 1900 im Prachtsaale Weilandhof, XX., Klosterneuburgerstraße 33, stattfindenden Unterhaltungsabend zugunsten der rumänischen Auswanderer aufmerksam. Dem Festcomitö der jüdischen Arbeiter ist es gelungen, eine Anzahl hervorragender Kunftkräfte zur Mitwirkung zu bewegen. Beginn präcise 8'/^ Uhr abends. Berlin. Der Bericht über das 11. Semester der Vereinigung Jüdischer Studierender zu Berlin wirft einen Rückblick auf die fünfjährige erfolgreiche Thätigkeit des Vereines. Das Semester begann, dieses Jubiläums würdig, unter glücklichen Auspicien; im Innern blühte der Verein und erfreute sich nach außen hin eines stets wachsenden Ansehens. Eine große Anzahl Commilitonen war für die Sache gewonnen; das neu gewählte Präsidium — bestehend aus Zwirn, Perlitz, Hecker i. V., Presch, Cassenwart, und Jakobsohn, Turnwurt — gieng mit Eifer an die Arbeit. Das Präsidium hatte zu Beginn des Semesters an alle Commilitonen einen Mahnruf erlassen, der von fast allen jüdischen Zeitungen Deutschlands ausgenommen wurde. Die Antrittskneipe, welche am 10. Mai a. c. stattfand, verlief den Erwartungen entsprechend in glänzender Weise. Vorträge, an die sich meist lang ausgedehnte Discussionen schlossen, hielten 1. E. Kohn: Die Reuchlin-Pfefferkorn'sche Fehde; 2. Hecker: Die Bergjuden im Kaukasus; 3. Dr. H. Loewe: Das Blutmärchen; 4. Grünberg: Moses Mendelssohn; 5. A. Blum: Nationalismus; 6. Dr. Th. Zlocisti: Alfred Nossig; 7. Perlitz: Das Buch Ruth; 8. ferner verlas E. Kohn eine Abhandlung über Judenverfolgungen in Worms. Das Turnen wurde in diesem Semester eifriger als bisher gepflegt. Gegen Ende des Semesters hatte der Verein Gelegenheit, seine Kräfte in den Dienst der allgemeinen Sache zu stellen. Durch den Cartellverein in Breslau benachrichtigt, dass 165 jüdische Auswanderer aus Rumänien, von Studenten geführt, Berlin berühren würden, hielten die Mitglieder es für ihre Pflicht, diesen ihren unglücklichen Brüdern ihre Hilfe angedeihen zu lassen. Die Aufforderung der Bonner Studentenschaft, eine Proteftversammlung gegen die Konitzer Ereignisse zu veranstalten, wie sie in Bonn abgehalten wurde, lehnte der Verein in Uebereinstimmung mit den anderen V. I. St. für diesen Zeitpunkt ab. Mit dem „Verein Jüdischer Studenten zu Breslau" schloss er am Ende des Semesters ein Cartell ab, so dass damit ein Bund der V. I. St. Berlin, Leipzig, Breslau geschaffen wurde, der den Namen „Jüdischer Delegierten-Tag" (I. D. T.) tragen wird. Der Verein zählte zu Beginn dieses Semesters 28 Active /^hierzu traten im Lause desselben 11 neue Mitglieder. Außerdem-gehören dem Verein 18 alte Herren und 16 Jnactive an. Währeno des Semesters schieden 2 Mitglieder aus, so dass die Gesammtzahl 71 beträgt. Die Schlusskneipe, die am 24. Juli stattfand, verlief in würdiger Weise. Auf dem Schlussconvent am &5. Juli wurden zu provisorischen Chargierten für das nächste Semester gewählt: cand. med. Zwirn, slu«i. jur. Manheim, stuck, phil. Zlocisti. stuck, jur. Presch zum Cassenwart und stuck, phil. E. Kohn zum Turn- und Fechtwart. Eingesendet. (Für diese Rubrik übernimmt die Redaetion keine Verantwortung.) Jüdischer Turnverein! Die k. k. niederösterreichische Statthalterei hat die Umänderung des Turnvereines jüdischer Hvchschüler in Wien in einen allgemeinen jüdischen Turnverein gestattet. Getreu seinen Principien steht nunmehr der Verein allen jenen jüdischen Mitbürgern offen, die durch physische Bethätigung ihre Kräfte mehren, ihren Körper stählen wollen. Die feste Ueberzeugung von der eminenten Nothwendigkeit eines jüdischen Turnvereines ließ uns bisher standhaft gegen alle llnbitbeu ankämpfen, die einen jüdischen Turnverein ans seinem Leidenswege verfolgen. In einer jüdischen Gemeinde von 180.000 Seelen war es nicht möglich, ein seinen Bedürfnissen entsprechendes Loeal zn erlangen — eilte Thatsache, gleich charakteristisch für die politischen Verhältnisse, wie für die Indolenz der Juden. Die Benützung eines öffentlichen Locales wird uns verweigert, und der Jude findet nicht die Kraft, sich selbst zn helfen. Daher ergeht an alle jüdischen Mitbürger die dringende Aufforderung: Unterstützet unseren Verein, ein jeder nach seinen Kräften, in mv r a li sch er u ub materieller Beziehung, damit wir nicht in die Lage kommen, vor der Ocffentlichkeit das Geständnis zu machen, dass die Judenschaft nicht imstande sei, das geringfügigste Unternehmen ans eigener Kraft zu vollbringen. Für den Ansschnss jur. Bela Felsen bürg J.-U.-C. Karl Löw dz. Bieepräses. dz. Präses. Der Tnrnvereiit wird sc ine Thätigkeit im Laufe des September beginnen, die Zeit des Beginnes und der Turnplatz wird bekanntgegeben. Beitrittsanmeldnngcn sind an Herrn Bela F e l s e n b u r g jur., Wien, Universität ztt richten. X- * Ierusale m, im Ab 5600 (August 1900). Verehrte Stam m esgenvsse tt! Die jüdische Central-Bibliothek in Jerusalem bittet um Obdach. Fünfzehntausend Bände, unter diesen viele recht wertvolle und seltene Druckausgaben uub Mannscripte — ein Grundstock für ein Central-Jnstitnk, welches die Sammlung sämmtlicher geistigen Schätze unseres Volkes repräsentieren soll — verlangen Unterkunft. Ermuthigt durch die bewunderungswürdige Hingebung eines Mannes wie Dr. C h a z a n o w i tz, des Schöpfers der Bibliothek, durch die Opferfreudigkeit von Männern wie Dr. T s ch l e n o w in Moskau und Jsak F e i n b e r g in Irkutsk, wagten wir es, an den Bau eines Hauses zu schreiten, welches ein bleibendes Denkmal werden soll für die Geschichte und Literatur der jüdischen Nation, eine Culturstätte im Centrum der Religion und Geschichte unseres Stammes. Wir gaben uns der Hoffnung hin, dass das edle Beispiel Nachahmung und das unternommene Werk Begeisterung und kräftige Unterstützung finden werde. Allein die geringen Baufonds waren bald erschöpft, und selbst der erste Flügel des geplanten Hauses konnte kaum zur Häfte gebaut werden. Wir appellieren daher an die Opferwilligkeit unserer Stammesbrüder, die niemals vergebens angernfen wird, wenn es einer erhabenen, nationalen Sache gilt. Möge doch ein jeder sein Scherflein dazu beitragen, den begonnenen Bau der Vollendung entgegenzuführen, und so ein Werk schaffen helfen, welchem nach so vielen Richtungen hin ein bedeutungsvolles, segensreiches Wirken beschieden, und welches dazu berufen ist, der Mittelpunkt der ideellen Bestrebungen unseres Volkes zu werden. Das Co mit 6 der jüdischen Central-Bibliothek in Jerusalem. Ephraim Ko h n. I. M. P i n e s, D. Y e l lim, M. Adelm a n n, ist. M. L u n c z, E. Honig, I. M e j o h a s. Beiträge nehmen entgegen: Dr. Josef C h a z a n o w i tz, Bialystok (Russland) und Director Ephraim K o h n, Jerusalem (Palästina). (Nachtrag.) Gesetz ästs-Antisemitismrrs und Geschäfts-Liberalismus. Dem „Deutschen Volksblatt" und dem „Wiener Tagblatt" haben wir für die morgige Nummer folgende Notiz zu empfehlen, die gewiss für jedes der beiden Blätter ein gefundenes Fressen bedeutet. Im „Wiener Tagblatt" soll es heißen: (Geschäfts-Antisemitismus.) Wie ein antisemitischer Gemeinderath seine Principien in die Tasche steckt, wenn es sich ums Geschäft handelt, zeigt sich heute wieder an einem Falle, wie er crasser nicht gedacht werden kann. Der antisemitische Gemeinderath Kreisel entblödet sich nicht, ein so berüchtigtes Judenblatt, wie es das „Schöpserne" ist, in seiner Buchdruckerei herzu» stellen. Sicherem Vernehmen nach wird von heute, den 1. September, an in seiner Officin das Blatt mit all seinen blutig vehementen Angriffen gegen Lueger und seine Sippe hergestellt. Wir haben neulich erzählt, dass Herr Purscht sein Haus an Juden vermiete. Die Gesinnungslosigkeit des Herrn Kreisel geht aber über alle Grenze», die doch in Luegers Umgebung ziemlich weit gesteckt sind.- Dem „Deutschen Volksblatt" empfehlen wir die Notiz in folgender Fassung: (Die Gesinnungslumperei eines Judenblattes.) Wozu sich die Profitwuth eines jüdischen Journalisten versteigen kann, und wie er seine „freisinnigen" Principien in die Tasche steckt, wenn er nur einen kleinen Rebbach machen kann, zeigt ein Fall, der selbst unter dieser unsauberen jüdischen Sippe vereinzelt dastehen dürfte. Das Blatt des berüchtigten Juden Frischauer (!), das bekannte Spittelberg-Organ, wird sicherem Vernehmen naH vom 1. September an in der Buchdruckerei des antisemitischen Gemeinderathes Kreisel hergestellt. Der Christ macht es um ein paar Kreuzer billiger, als der bisherige ausbeuterische jüdische Drucker, und Herr Frischauer ist sogleich dabei, seine Rabbiner- und Tempel-Zeitung von Antisemiten drucken zu lassen. Was sich Hülsner dabei denken wird, wenn er erfährt, dass die aus dem Talmud geschöpften Beweise seiner Unschuld durch antisemitische Hände gehen, ehe sie zur Kenntnis seiner Ritualmord-Jntereffenten gelangen? Hier zeigt es sich wieder, wie diese jüdischen Tintenkleckser für ein paar Kreuzer bereit sind, alle ihre sogenannten Grundsätze zu verleugnen. „Fürs Geld thut eben der Jude alles." Jakob Tirado. Geschichtlicher Roman von Ludwig Philippsohn. (Schluss.) Ein feines Lächeln umzog den Mund Wilhelms. „Halt, mein Freund, da urtheilt Jhr doch etwas zu rasch. Es mag dies immerhin meine Absicht sein. Aber der Auftrag ist schwieriger, als Ihr es Euch im Augenblicke denkt. Der Plan ist so berechnet, dass der Erfolg unfehlbar sein m u s s. Würde es misslingen, so hätten wir große Interessen compromittiert. Die Waffen Hollands hätten eine Schlappe erhalten, und in Amsterdam wäre ein Brand entzündet, der traurige Verwüstung anrichten könnte. Darum entsende ich Euch; Euer geübter Blick wird die Lage genau ermessen, die Schwierigkeiten erkennen und die Mittel finden, sie im voraus zu beseitigen. Davon mache ich den weiteren Gang meiner Maßnahmen abhängig. Ich werde Euch ersuchen, heute abends noch einmal bei mir zu erscheinen. und die Ordres und Instructionen in Empfang zu nehmen?' Tirado verbeugte sich und verließ das Gemach. Wenige Tage später war Tirado in Amsterdam und bei Bardes eingeführt. Er fand in diesem einen jener eigenthümlichen Charaktere, in welchem sich die Begeisterung für eine Sache mit dem ungestümen Ehrgeize für die eigene Geltung vollständig vereinigt und darum eine feurige

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