Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 34 (24.8.1900)
- Date
- 1900-08-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 34 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. August 1900 Seite 5 34 iubes, an. um r Hilfe" Zn den Kinder t, was Fonds r, Brot, st 4lutzl segenhaben bis zu Lornilöllich an ss dem , Dass Genugnichti. Die tilntion darin, rfenden »al das ied der len für ind es s seine nt der . Herr seinen unenteiteti L’ ver- „Mit Ihnen . Jnli! ihre :n ans Wir s die wufen, leifeln rechen mserer enblick »erden mente se zn 'Jen Nothaings- Fsl^e elchen mische üscher r das iörden chüler häftiungs-!enntizeien den ganz es in attet. zung, i n a.) ernen Mein ssl'ch- 1000 vor ernen d 16 c der »amtlicher jüdi- :eicht. ung l der m sie )eren I der reits von tigert äsen, iteriterf an p in eten, ihne, lung wie gevon In den dort stendie veriger Jerusalem. Ueber den Ban der Eisenbahn von Haifa nach Damaskus kommen erfreuliche Nachrichten. Auf einer Strecke von 51 Kilometer sind die Arbeiten bereits fertig gestellt, darunter auch der große Einschnitt bei Tarbona, wo TO.uoo Eubikmeter Steine und Erde zu entfernen waren. Die Richtung der Bahn ist bekanntlich gegen den ursprünglichen Plan erheblich verändert, weil der Sultan gewünscht hat, dass dieselbe über BLsün, das der kaiserlichen Privatschatulle gehört, gehen sollte. Ueberhaupt geschieht seitens der Domänenverwaltung viel zur Hebung von Bös-ln; so wird eine Fahrstraße nach dem Jordan und diesen aufwärts bis Liberias gebaut, große Gartenanlagen, die in dem warmen, wasserreichen Klima gut gedeihen, sind angelegt worden rc. Bedauerlicherweise wird die Bahn also die jüdischen Eolonien im Haurün nicht berühren, doch werden die bei Safed gelegenen nur den etwas umständlichen Weg über Liberias benützen müssen, der immerhin eine bedeutende Abkürzung der bisherigen Straße zur Küste vorstellt. Die Arbeiten in der Colonie M a ch a n a j i m schreiten rüstig vorwärts. Mit Wintersaat wurden 800, mit Sommersaat (Erbsen, Durra und Karsenen) 1200 Dunam bestellt. Außerdem hatten die Colonisten ihre Gärten in Stand gesetzt und bebaut, ferner wurde eine Bjadüre (ein Platz für das vom Felde heimgebrachte Getreide) hergcrichtet. Die Ernte hat bereits begonnen, und zwar wurden bis Mitte Mai die Bohnen gerissen, von Mitte bis Ende Mai die Karsenen geschnitten, während des Monates Juni fand die Weizen- und Gerstenernte statt, worauf während des Juli das Dreschen folgen wird. Dann schließt sich die neue Bearbeitung des Feldes für die nächste Aussaat an, und im September, Vielleicht schon Ende August, wird die Ernte von Durra und Erbsen beginnen. So weit sich die Ernte bisher übersehen läßt, wird der Ertrag befriedigend ausfallen, doch kann das Resultat erst nach einigen Wochen sicher angegeben werden. Das Inventar der Colonie hat eine sehr wünschenswerte Bereicherung durch einen Stier, zehn Wagen und Geräthe für die Ernte erfahren, vor allem aber ist der Bau der neuen sieben Häuser feit anfangs Juni begonnen und wird hoffentlich im August beendigt werden. Interessant äst, dass die Colonie 500 Dunam Weideland von der türnschsn Regierung in Pacht genommen hat. Auch die Zahl der Colonlsten ist im ständigen Wachsen. Bor einigen Tagen sind fernere drei Familien (10 Personen) aus Galizien gekommen. Aus Croatien. Agram, den 15. August 1900. Wenn die höchste Errungenschaft des Jahrhunderts der Antisemitismus ist und für die Höhe der Culrur die Intensität desselben einen Maßstab bildet, denn participiert Croatien an dieser „größten Errungenschaft" sehr wenig, dann sind die Croaten ein culturell inferiores Volk. Der Antisemitismus im österreichischen Sinne als organisierte Partei existiert in Croatien nicht; er ist dort noch latent und ebenso in den Anfängen, wie irgendwelche specifisch-jüdische Strömung. Die croatischen Inden betrachten sich und werden auch vielfach als Croaten betrachtet. Viele unter ihnen wollen natürlich, ebenso wie in den anderen Theilen der österreichischen Monarchie, noch nationaler sein als ihre arischen Connationalen gegenüber den Serben, wie gegenüber andern Nationalitäten des Reiches, und werden auf diese Weise Taufpathen des schlummernden Antisemitismus. Dieser würde unter den heutigen Verhältnissen die Reihen der Croaten zersplittern und hemmend wirken auf den immer intensiver werdenden Kampf für die croatische Autonomie gegen den ungarischen Staat. Darum, aus Opportunitäts-Rücksichten, wird der Antisemitismus für längere Zeit in Croatien nicht jene Bedeutung erlangen, die ihm derzeit in West-Oesterreich und mit dein steten Anwachsen der clericalen Volkspartei auch in Ungarn znkvmmt. „Gegen Ungarn, los von der magyarischen Herrschaft!" ist die Devise des gesammten croatischen Volkes mit Ausnahme der magyaronischen Nationalpartei. Diese verdankt ihre Majorität im croatischen Landtage uur dem unerhörten Drucke, welchen der Bauer von Croatien, respective die Wahlmacher auf die Bevölkerung ousüben, sowie einer Wahlordnung, kraft welcher von .2^2 Millionen Croaten kaum 29.000 an die Wahlurne schreiten können. Ohne Aahlbeeinflnssung, ohne Intervention des Militärs und der Polizei würdrm wohl kaum die derzeitigen Machthaber im croatischen Landtage ihre Position behaupten. Diese verdankten außer den angeführten Umständen ihre Landtagsmandate auch den serbischen und einem großen Theile der jüdischen Stimmen. Es ist dies auf den Umstand zurückzusühren, dass die croatischen opposirinollen Gruppen den Serben bisher weniger entgegcnkamcn, als die uiagyareufreundliche croatische Landtags-Majorität, und dass andererseits die croatische coalierte Opposition, welche aus einer Vereinigung der „Obzvrasen"-Stroßmayer-Parlei und der Tomovinasen oder Secessionisten der reinen Rechtspartei (Starceviö-Partei) enstanden ist, vielfach mit Unrecht im Gerüche des Clericalismus und Antisemitismus stehen. Diese Coalition hat in ihrer derzeitigen Organisation eine gewisse Aehnlichkeit mit der seinerzeitigen antiliberalen Liga, die Lueger zur Vernichtung der deutschllberalen Partei in Cisleithanien ins Leben rief, urrd die in den ersten Stadien anch kein ausgesprochen anisemitisches Gepräge trug, dasselbe vielmehr erst später annahm, als die Mehrheit der Juden sich mit den sogenannten Liberalen identificierte. Mögen die Inden Ungarns und Croatiens nicht in den Fehler der west-österreichischen Inden verfallen. Die Gefahr liegt in Croatien ebenso tvie in Ungarn nahe. Sollte bei den bevorstehenden Reichstagswahlen in ben ungarischen Reichstag, wie selbst der „Pester Lloyd" befürchtet, die clericale Volkspartei, bedeutend verstärkt, als eine ansehnliche Fraction ihren Einzug halten und die Herrschaft des magyarischen Liberalismus einen Stoß erleiden, so »vird dies nicht ohne Rückwirkung auf Croatien bleiben. Das herrschende Regime in Agram kann nur so lange sich behaupten, als im ungarischen Reichstage die mit ihnen coalierte liberale Majorität existiert, welche allerdings umgekehrt wieder ans die croatischen Stimmen angewiesen ist. Hört diese Majorität auf, oder geräth sie auch nur ins Wanken durch das Anwachsen der Ungarischen Vvlkcpartei, sowie durch den Einzug einer neuen ans rumänischen, serbischen, slovakischen und siebenbiirgisch-sächsischen Abgeordneten bestehenden Nativnalitäten-Partei, dann wird in kürzester Zeit dies ein Anwachsen der croatischen Opposition sowohl der croatischen ObzvraZen und DomovinaZen, als auch der unter Führung des Dr. Frank stehenden „reinen Rechtspartei" zur Folge hoben. Die Differenzen zwischen diesen Gruppen sind nur theilweise sachlicher Natur, es spielen vielfach persönliche. Momente mit. In der Hauptsache will die gesammte croatische Opposition, inclusive der in Organisation begriffenen Socialdemokraten, ein von Budapest vollständig unabhängiges Croatien, umfaffend Croatien, Slavonien, Dalmatien, Bosnien, Herzegowina und Istrien, und in weiterer Linie eine föderalistische Unigestaltung der österreichischen Gesammtmonarchie. Nur das geringe Maß von Press-, Bersammlungs- und Vereinssreiheit ist der Grund, warum diese förderalistischen Bestrebungen und die erbitterte Gegnerschaft gegen den österreichisch-ungarischen Dualismus nicht zum Ausdrucke gelangen. Möge die Stroßmayer-Partei die „Coalition" im Rahmen der heutigen Verfassung, schrittweise die croatische Autonomie erkämpfen wollen und die Rechtspartei, die Erben Stareeviä, direct auf ihr Ziel lossteuern, mögen die einen concilianter gegen die Serben als die anderen sein, hüben mehr das conservative, drüben mehr das demokratische Princip überwiegen. schließlich sind die Differenzen zwischen diesen Gruppen derzeit vorwiegend taktischer Natur. Dagegen könnte die Erweiterung der Kluft zwischen den einzelnen croatischen Landtagsparteien leicht die Juden in Mitleidenschaft ziehen und unter Umständen Herr Tuschan und Consorten, eine noch derzeit unbedeutende antisemitische Coterie, eine Rolle dabei spielen. Seit der Trennung dieses Herrn und der Domovinasen von der Frank-Partei vulgo reinen Rechtspartei bezeichnet bereits Herr Tuschan und Consorten den Dr. Frank als einen Judenabstämmling, als Von den Juden gekauft und die ganze „Rechtspartei" (trotzdem gerade diese Fraction am entschiedensten die Unabhängigkeit von der Pester Regierung fordert), als — Magyarenknechte. Berücksichtigt man nun weiter, dass gerade diese Partei die Existenzberechtigung der Serben als selbständige Nation leugnet und alle Serben als Croaten betrachtet, andererseits wieder ein Theil der Serben antisemitisch ist, so kommt man zu dem Schluffe, dass wohl keine einzige Partei Croatiens in ihrer Gänze antisemitisch ist, dass aber andererseits bei der zunehmenden chauvinistischen Strömung unter Magyaren, Croaten und Serben bei einer Neugestaltung der Parteien die Juden leicht wieder die Zeche zahlen können und durch Förderung einseitig nationaler Bestrebungen in Croatien wie in Ungarn, sowie seinerzeit in West-Oesterreich, zur Entstehung einer ausgesprochen antisemitischen Fraction beitragen könnten. Die Einwanderung rumänischer Juden in Canada. Gestern abends brachte der englische Dampfer „Lake Chawplain" von Liverpool etwa 350 rumänische Einwanderer nach Montreal. Seit 1891 sind hier keine Einwanderer mehr gelandet worden, da alleEinw an derer stets schon in Quebec ans Land geschafft, abgefertigt und von da per Bahn nach den verschiedenen Gegenden Canadas und Amerikas gesandt werden. Es 'verlautete deun auch bald, dass diese 350 Rumänen auf Befehl der Regierung in Ottawa vorläufig noch festzuhalten seien und keine Erlaubnis erhalten dürften, den Dampfer zu verlassen, noch mit Freunden und Religionsgenoffen anders als vom Schiffe aus sich zu unterhalten. Von letzteren waren eine große Anzahl erschienen, ebenso Vertreter der Baron Hirsch-Gesellschaft sowie anderer jüdisches Unterstützungs-Vereine, aber niemand durfte an Bord, und der Verkehr geschah denn auch lediglich aus einiger Entfernung mündlich oder schriftlich. Genannte Vereine haben einen sehr energischen Protest nach Ottawa gesandt, und sie erklären darin die Behauptung, dass die Einwanderer „Paupers“ seien, für unbegründet; dieselben hätten Geld genug, um ihre Reise nach dem Innern des Landes eventuell selbst bezahlen zu können, und außerdem wären sie als Handwerker imstande, sich selbst durchzuschlagen, sie würden dem Lande nicht zur Last fallen. Ich glaube, dass man in diesem Falle die 350 Leute ins Land hineinlaffen wird, dass aber in Zukunft besonders strenge Maßregeln getroffen werden, um einen weiteren Zufluss von Leuten, die nicht in der Landwirtschaft beschäftigt werden können, zu verhindern. Alle Zweige des Handwerks sind überfüllt, das beweisen die zahlreichen Arbeitslosen in den Städten. Gerade letztere ziehen alles an sich und für das Land, das einsame Prairicleben, herrscht wenig Neigung. Ans der Bukowina. Mit Wasserleitung, elektrischer Beleuchtung und Tramway hat noch eine andere Errungenschaft neuer westlicher Cultur, der Antisemitismus, seinen Einzug in Czernowitz, der Hauptstadt der östlichsten Provinz des Reiches, gehalten. Eigentlich ist das historisch nicht ganz richtig, nachdem sich Spuren dieser modernen Krankheit bereits seit längerer Zeit auch dort bemerkbar machten. Doch waren dies eben nur Spuren, es war geivissermaßen der tief in der Volksseele schlummernde, unbewusste Hass gegen die Juden, der sich zu jener Zeit — ich erinnere mich recht deutlich daran — in der Aufstellung eines christlichen Gegencandidaten für den Reichsrath gegen den jüdischen kundgab. Dass der Gegencandidat schmählich dnrchfiel, thut nichts zur Sache. Und nun ist dieses schlummernde Unbewusste erweckt worden und dürfte bald in schönster Blüte dastehen. Vor kurzem entstand in Czernowitz ein Verein, der sich „christlich-deutsch" betitelte. Ohne auf die von dorther vorliegenden Nachrichten Rücksicht zu nehmen, will ich versuchen, mir selbst klar zn machen, was ungefähr darunter zu verstehen sei. Für jemanden, der sich in den politischen Schlagworten auskennt, dürfte die Uebersetzung lauten: deutschnativnal-aiitisemitisch. Warum aber denn nicht gleich christlich-social? Warum verstecken sich die Herren Gründer unter einem Deckmantel, der nicht undurchsichtig genug ist, ihre Blößen ganz zu bedecken? Denn man muss mir die Verhältnisse in der Bukowina kennen, um sich zu sagen, dass eine deutschnationile Fraction dort einfach undenkbar ist. Denn in dem Lande, das zur Hälfte aus Rumänen, zu einem Viertheil ans Ruthenen besieht, und in dessen letztes Biertheil sich Inden und Deutsche theilen, gab und gibt es keine deutschnationalen Aspirationen, mit Ausnahme der durch einige hinversetzte Beamte importierten. Man kann also bei dieser Vereinsgründung mit ruhigem Gewissen von einer rein antisemitischen sprechen. So weit der Gedankengang eines Unbefangenen ohne nähere Informationen. Nimmt man jedoch die in Czernowitz erscheinenden Blätter zur Hand, dann kann man nicht umhin, bedenklich das Haupt zu schütteln. Man verfolgt da eine Polemik, die sich unter verschiedenen Juden höherer Classe entsponnen, die verschiedene Wunderlichkeiten zeigt. Die Herren haben ein Gemeinsames, d. h. sie sind alle gute, echte Nationaljuden, unterscheiden sich aber sehr bedeutend durch ihre Politik. Der eine, der Herausgeber der „Bukowinaer Nachrichten", übrigens Zionist, predigt in einem längeren Artikel das Zusammengehen der Juden mit den Christlich-Deutschen. Das wirkt auf die Gedanken des Lesers einfach verwirrend. Der Zionist, der Nationaljude will in wirtschaftlichen und politischen Fragen mit Antisemiten Hand in .Hand gehen? Doch nun kommt die Erklärung. Der Herr argumentiert: „Uns ist die deutsche Sprache Cultnrbedürfnis, Euch ist sie mehr, sie ist Euer Lebensnerv, Euer Dasein. Wollt Ihr uns als politische Bundesgenossen, so müsst Ihr alles vermeiden, was Euch in den Verdacht des Antisemitismus bringen könnte"; dabei von der Voraussetzung ausgehend, der Verein sei einfach d e u t s ch n a t i o n a l, einfach zur Wahrung der nationalen Reinheit der Deutschen gegründet. In einem anderen Blatte findet sich eine Erwiderung auf diesen Vorschlag, die vor allem nachweist, dass die Deutschen gar nicht nöthig hätten, ihre nationale Reinheit zu wahren, da sie niemand antaste. Und es ist Thatsache, dass gerade in der Bukowina, wo es selten vorkam, dass sich ein Jude für einen Deutschen, Rumänen oder Ruthenen ausgab, die Juden stets in bestem Einvernehmen mit den anderen Nationalitäten lebten. Dass die Bukowinaer Juden ivirkliche Inden sind, steht man am besten an ihren Vertretern im Neichsrathe, deren einer, Dr. S t r a u ch e r, bei jeder Gelegenheit sein Judenthum zeigt. Ueberdies behauptet der Herr, dass in den Verein auch Rumänen und Ruthenen ausgenommen werden. Da sieht es mit der Wahrung der nationalen Reinheit denn dort etwas windig aus. Ein dritter Herr — bekannt durch seine von ihm gegen die sogenannten Utopieen des Zionismus herausgegebene Broschüre — wendet sich ebenfalls gegen die vorgeschlagene Waffenbrüderschaft mit den Christlich-Deutschen. Es bestehen — bemerkt dieser — wohl viele culturelle und wirtschaftliche Berührungspunkte zwischen Juden und Deutschen, doch reickien diese nicht hin, eine Waffenbrüderschaft zwischen denselben herzustellen. Wir wollen nun versuchen, aus diesem Widerstreit der Meinungen ein klares Resume zu erhalten. Die liberale Partei, wie sie sich einst repräsentierte, die Vertreterin aller fortschrittlichen und freiheitlichen Principien, besteht als solche längst nicht mehr. Man könnte sie als eine Partei definieren, in der ein Jude noch Jude — nicht Pale, Czeche rc. — sein darf. Es ist nun ganz ansgeschloffeu, dass man einen neuen Verein gründet, der auf den alten liberalen Principien basiert. Ja selbst der Wortführer des christlich-deutschen Vereines betonte in einem Artikel: „Die Ideen des Liberalismus haben im Laufe der Zeit geläuterten Ansichten Platz gemacht." Worin diese geläuterten Ansichten bestehen, wissen wir alle. Einerseits ist es das crass hervortretende Dentschthum, das Deutschthum über alles, andererseits der antisemitische Clericalismus. Beides Ansichten, die sich mit Toleranz nicht gerade vertragen. Es fragt sich nun, sind Cautelen vorhanden, die die Bukowinaer Juden vor einer Ausbeutung seitens der Christlich-Deutschen bei einer eventuellen Gefolgschaft schützen? Worin können diese bestehen? In demselben Artikel sichert der Schreiber desselben den Juden „Toleranz" zu. Ihnen volle Gleichberechtigung im Vereine zuzugestehen, davor hütet sich der Herr wohlweislich, denn er weiß sehr gut, dass der Antisemitismus in demselben starke Wurzeln gefasst hat. Mit der Toleranz dürfte es auch seinen Haken haben, sie lvird wohl soweit gehen, den Juden zu gestatten, bei einer Wahl in einen Vertretungskörper ihre Stimmen auf einen Christlich-Deutschen zu vereinigen. Dieser wird wahrscheinlich vorher in schönen, wohlgesetzten Worten versprochen haben, für die Interessen der Allgemeinheit einzutreten und wie all die liberalen Phrasen sonst noch lauten mögen. Der Effect wird derselbe sein, wie überall im gleichen Falle. Denn dass man den Inden etwa ein Mandat überlassen werde, ist bei den Principien und der Zusammensetzung des Vereines ganz ausgeschlossen. Eine auf nationaler Basis anfgebaute jüdische Volks- Politik hat zweifellos die Pflicht, im Lande selbst für eine genügende eigene und selbständige Interessenvertretung zu sorgen. Es ist aber eine entschieden zu verneinende Frage, ob sie sich soviel vergeben darf, soweit Opportnnitätspolitik zu treiben und Leuten, die als Antisemiten beleumundet sind, Gefolgschaft zu leisten. Deun darüber müssen wir uns doch klar sein, dass von einer Waffenbrüderschaft zwischen Deutschnationalen — auch schwächster Observanz — und Inden niemals die Rede sein kann, denn dazu sind wir den Herren doch nicht gleichwertig genug. Es ist also bestenfalls Gefolgschaft, Basallenthnm, bei der wir wenig oder gar nichts zu gewinnen, sehr viel aber zn verlieren haben. Eine Gemeinschaft in polifcicis ist nur unter Leuten möglich, die gar kein anderes Ziel haben, als ein rein wirtschaftliches oder cultnrelles, wobei man vom nationalen oder couftssiouellen Standpunkte ganz adsehen kann und muss.