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Jüdisches Volksblatt · 1900-08-24 · 34 (24.8.1900) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
34 (24.8.1900)
Date
1900-08-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. August 1900 Nr. 34 Nr. Eingeleitet wurde derselbe mit Sulzers „Matowu". Nun sprach Se. Ehrwürden bei offener Bnndeslade das Kaisergebet. Mächtig ertönte dann die von Sr. Ehrwürden Herrn Landrabbiner Placzek verfasste und vom Obercantor Herrn Heller ans Brünn komponierte Jubelhymne, gesungen von einem gemischten Chore mit Orgelbegleitung. Das erste Solo sang Frau Otto F. mit äußerst feiner Pointierung und innigem Gefühl, das zweite Solo Herr Ingenieur S. Stern. Hiernach bestieg Herr Rabbiner Friedmann die Kanzel und schilderte in äußerst beredten Worten die Tugenden unseres allgeliebten Kaisers, und schloss seine Rede mit einem inbrünstigen Gebete für das fernere Wohlergehen des Jubelgreises. Nachdem noch Herr Obercantor Schwarz mit seiner klangvollen Barytonstimme den Psalm 21 in äußerst würdiger Weise recitierte, schloss mit Absingung der Bolkshymne dieser herrliche Fest- Gottesdienst. Am Tage vorher betheilte der Vorstand hiesige israelitische Arme mit milden Gaben. Ung.-Brod. Am 18. d. M. wurde aus Anlass des 70jähr. Geburtssestes Sr. Majestät auch in unserer Gemeinde ein Festgottesdienst abgehalten, zu dem die Gesanuntgemeinde und die hiesige Behörde unter Führung des k. k. Bezirkshauptmannes Mazlowsky erschienen ist. Die Festrede hielt Herr Doctor M. Sun g. Ausgehend vom Psalmverse: „Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen Deines Thrones, Liebe und Treue schweben vor Deinem Antlitze," führte der Redner beiläufig Folgendes aus: Das allgemeine, wahrhafte und gerechte Recht hat Se. Majestät Desterreich gegeben. Völker, vie vom Geiste des gerechten Rechtes erfüllt sind, achten stets auf die Rechte anderer. Das gerechte Recht bilde bloß die Grundlage des Thrones Seiner Majestät, denn ein Staat, der nur das starre Recht kennt und nicht auch die Forderungen der Billigkeit und Menschlichkeit, ist kein Eullurstaai. Das gerechte Recht sei bloß der Boden, aus dem die edle Pflanze der „Liebe und Treue" hervorblüht. Die verschiedenen Stämme Oesterreichs sollten in fruchtbringender Arbeit ihre Kräfte verwerten. Gegensätze sind überall vorhanden, müssen aber in einem höheren Ziele sich begegnen. Was an den Völkern Jbic gemeinsame Sprache und Nationalität ist, das muss für Oesterreich die Cultur sein, ein Centralfeuer, um welches sich alle, in brüderlicher Eintracht vereinigt, lagern. Oesterreich, eine Welt im kleinen, sollte die Idee des Weltfriedens im eigenen Innern verwirklichen. Dies war stets das Ideal. Steht nun das politisch-geistig-sittliche Leben der Völker unserer Monarchie im Einklänge mit den Bestrebungen unseres Kaisers? Wer wollte dies behaupten. Seine Ideale sind weit entfernt davon, Gemeingut seiner Völker zu werden. Die Versöhnung der Völker ist noch immer ein frommer Wunsch der Patrioten. Das Rechtsbewusstsein hat sich nicht vertieft und nach allen Seiten entwickelt. Das Licht, welches die Cultur angezündet, verscheuchte nicht die Finsternis des Vorurtheils, und noch immer wüthet wie im finsteren Mtttelalter der unbändige aller Gesittung hohnsprechende Rassen- und Religionshass. Se. Majestät habe wohl alles zur Veredelung seiner Völker gethan. Dies Bewusstsein kann jedoch angesichts der trüben Zeiterscheinungen nur beruhigen, trösten, nicht aber beglücken. Hierzu gehört das Bewusstsein, die Veredelung der Völrer in Wirklichkeit gefördert zu haben. Wir Juden sind aber Optimisten, glaubeil an die endliche sittliche Veredelung der Atenschheii, und darum hoffen wir, dass es auch in unserer Monarchie besser wird. In dieser Hoffnung bestärkt uns die Jdealgestalt Sr. Majestät. Wenn die ersten Frühlingsblüten sich zeigen, da wissen wir, dass bald die ganze Natur im Blütenschmucke prangen iverde, ebenso können wir imt Zuversicht hoffen, dass die Culturideale, welche in einzelnen Persönlichkeiten, wie in unserem erhabenen Monarchen, zur schönen Blüte sich entwickelt haben, einst Gemeingut aller sein werden. Die Geburtstagsfeier möge in den Völkern der Monarchie den Eifer ansachen, mit ganzer Kraft an der Verwirklichung der Ideale Sr. Majestät, des gerechten Rechtes und der gegenseitigen Treue und Liebe, zu arbeiten, dass Gerechtigkeit und Recht der Grundzng im Charakter der Völker sei, und „Liebe und Treue" nicht als Ideal Seiner Majestät vorschweben, dessen Verwirklichung erst in weiter Ferne ivinkt, sondern stehe in der vollzogenen Thatsache der Eintracht aller Völker unserer Monarchie als lebensvolle Gestalt vor dem Antlitze Sr. Majestät. Dann wird die heutige Feier dein Valerlande zum Segen und Heile werden und Sr. Majestät zur Freude und zmn Glücke. — Nach Verrichtung des Gebetes dankte der Herr Bezirkshauptmann dem Redner für seine geistreichen Ausführungen, die allgemeine Begeisterung erweckten. Prossnitz. (Feie r.) Die hiesige Israelitische Cultusgemeinde hat schon Freitag nachmittags anlässlich des 70jähr. Jubiläums Sr. Majestät ihr Festgewand angelegt, ihre Gassen festlich geschmückt und tnt Sinne des gutherzigen Landesvaters ansehnliche Summen unter den Armen vertheilt. In dem hellbeieuchteten Tempel fand in Gegenwart der ganzen Gemeinde, sän.mtlicher hier garnisonierenden Officiere, der Civil- und Gerichtsbehörden, sowie der Professoren und Lehrer aller deutschen Schulen der Festgottesdieust statt, welcher durch die glänzende Rede des Rabbiners Herrn Dr. Leopold G o l ds ch m i d verherrlicht wurde. Luhatschowitz. Aus Anlass des 70jährigen Geburtssestes Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. bildete sich aus der Milte der hiesigen Curgäste jüdischer Religion ein Comitö, welches rn einer unter dem Vorsitze des Herrn Rabbiners Dr. M. Jung statlgehabten Sitzung einstimmig beschlossen hat,, zum Zwecke der Errichtung eines Gotteshauses und der Unterstützung jüdischer Kranker im Curorte Luhatschowitz einen Verein ins Leben zu rufen. Der zu gründende Verein findet hier allgemeinen Anklang und haben bereits viele ihren Beitritt angemeldet. Die Statuten, welche Herr Dr. M. Jung und M. H. Bauer in Ung.-Brod ausgearbeitet haben, wurden am 17. d. M. bei der competenten k. k. Behörde behufs Genehmigung überreicht. Przivoz. (Fcstakadem i e.) Der jüdische Verein »Emunah" veranstaltete am 19. d. M. aus Anlass des siebzigsten Geburtssestes unseres Kaisers eine Akademie, die von eitlem distinglliertelr Publicum besucht war. Eingeleitet wurde der Abend durch einen patriotischen Prolog, der von Frl. Else Placzek schwungvoll zum Bortrage geb-.acht wurde. Die zweite Abtheiluug des Programmes waren Gesaugsvorträge. — Hierauf folgte die Aufführung des Einäcterö »Doctor Müller", wobei den Herren Alfred Eisenb e r g, Adolf P e r l h e f t e r und Moritz Hess wohlverdienter Beifall gezollt wurde. — Den Schluss der Vorstellungen bildete das komische Singspiel: „Ein fideles Gefängnis". Mit echt studentischem Humor sangen die beiden Herren Fritz F ö r st e r und Phillip B e r m a n n, so wie deren »Kerkermeister" Herr Alfred Grünberger. Auf der Rückseite des Programmes war eine Beitritts-Einladung seitens n-s Vereines angebracht. Doch hätten wir gewünscht, dass der Verein auch bei seinen Festen und Aufführungen sein Attribut recht kräftig documentiert und es nicht mir aufs Papier drucken lässt. — Ein animiertes Tanzkränzchen beschloss den Abend. M. Saaz, 12. August. (Leichenbegängnis.) Das Leichenbegängnis des gestern verstorbenen hiesigen Privaten Herrn Adolf Kellner hat heute nachmittags unter überaus zahlreicher Betheiligung stattgefunden. Der Verewigte, welcher vor mehr als drei Decennien den hiesigen israelitischen Veerdigungs-Bruderschaftsverein gründete, an dessen Spitze er seitdem viele Jahre stand, und welcher auch durch die Regelung des Begräbniswesens in der hiesigen Cultnsgemeinde, sowie durch die Einführung der heute noch herrschenden musterhaften Ordnung auf dem israelitischen Friedhofe sich unvergängliche Verdienste erwarb, erfreute sich infolge seines biederen Charakters und insbesondere wegen seines langjährigen Humanitären Wirkens allseits der größten Hochachtung und Wertschätzung, wovon auch die imposante Theilnahme aller Bevölkerungskreise an der heutigen Leichenfeier hinlänglich Zeugnis gab. Der Beerdigungs-Bruderschaftsverein ehrte die Verdienste des Verblichenen durch dessen Ernennung zum Ehrenpräsidenten. Herr Rabbiner Dr. Stern widmete dem Verewigten am offenen Grabe einen tiefempfundenen Nachruf, der auf die zahlrerche Trauergemeinde eine nachhaltige Wirkung übte. Aussig, 12.August. (Stiftung.) Aus Anlass des bevorstehenden 70. Geburtsfestes des Kaisers widmete die hiesige Israelitische Cultnsgemeinde den Betrag von 5000 Kronen und es sollen die Zinsen hiervon alljährlich am Geburtstage des Kaisers für einen wohlthätigen Zweck verwendet werden. Budapest. (Dierumä nischen Auswanderer.) Mautag nachts hat wieder eine Gruppe von 60 der hier intcruierten rumänischen Auswanderer ihre Reise nach Canada angetreten. Jeder derselben erhielt außer der freien Fahrt bis ans Endziel vom Unterstützungs-Comite einen Barbetrag von 200 Kronen, damit sie nicht gänzlich mittellos in ihrer neuen Heimat anlangen. Mehrere der Emigranten, namentlich Tischler und Schlosser, beabsichtigen, sich in Paris uiederzulassen, wo sie leicht Arbeit finden und sich eine neue Existenz gründen können. Die noch in Budapest weilenden Auswanderer werden im Laufe dieser Woche gruppenweise weiterbesördert werden. Ausland. Berlin. (Jüdische Geheimschriften.) In einer der letzten Nummern der hiesigen Wochenschrift „Die Gegenwart" hatte ein Herr Thomas dafür plaidiert, dass, „um den wachsenden Antisemitismus, den alten Streit für und gegen die Juden aus der Welt zu schaffen, womöglich von gelehrten und unparteiischen Männern unter staatlicher Aussicht die „Jüdischen Geheimschriften" übersetzt werden mögen". In der dieswöchentlichen Nummer desselben Blattes persifliert Professor W. Mentzel diesen „gutgemeinten Vorschlag", verweist auf die wiederholten gleichen Anregungen, auf die Kennzeichnungen, welche sie von berufener Seite, am nachdrücklichsten von dem wackeren Professor Strack, erfahren haben, und schließt mit den treffenden Worten: „Wenn es den Antisemiten Vergnügen macht, für die Uebersetzung eine Million auszugeben — so viel wird nach Kennern die Ausgabe betragen — so mögen sie das Geld aufbringen und sich alle „Geheimschriften" übersetzen lassen. Kein Jude wird etwas dagegen haben. Nur die Uebersetzer k 1a Rohling würden sich die Inden mit Recht verbitten. Und endlich: wie soll man dem beweisen, der nicht nachprüfen kann, auch nicht zu belehren ist? Die Gegner würden doch sagen: Der Jude wird verbrannt." Aachen. (Für die rumänischen Juden.) Als vor einiger Zeit ein dringender Aufruf der Alliance israelite universelle in Paris, d i e Nothlage oft europäischer Glaubensgenossen betreffend, an deutsche Synagogen- Gemeinden ergieng, reagierten Vorstand und Repräsentanten- Versammlung der hiesigen Synagogen-Gemeinde sofort hierauf, indem die Mitglieder beider Körperschaften sich unter Zuziehung des Herrn Rabbiners als Unterstütznngs-Comite constituierten. Der Erfolg war insofern ein recht günstiger, als die in Umlauf gesetzten Sammellisten schon nach wenigen Tagen ein Ergebnis von über 3000 Mark zeigten, welche sofort nach Paris gesandt wurden, und jetzt, gegen Schluss der Sammlungen, mehr als die gleiche Summe wieder eingieng. Leider ist, wie ans guter Quelle bekannt, nicht in allen Gemeinden so verfahren worden, vielmehr ist in den meisten in Rheinland und Westfalen noch nichts geschehen. In anderen Provinzen dürfte es sich ähnlich verhalten. Würden in Deutschland allgemein, wie hier geschehen, circa 3 Mark per Kopf (die Zahl der jüdischen Einwohner Aachens ist etwa 2000) auch nur annähernd ausgebracht, so wäre damit einer beträchtlichen Anzahl der schwer Heimgesnchten zu helfen. Erfahrungsmäßig aber muss das in Betracht kommende Publicum aufgerüttelt werden, ehe es sich zur Leistung von Beisteuern ermannt. Der hiesige, sehr warm und kurz gehaltene, von Rabbiner, Vorstand und Repräsentanten Unterzeichnete Aufruf wurde den Betreffenden, kurz bevor dieselben besucht werden sollten, zugesandt. Die Besuche, ungefähr 230, wurden durch die Comitömitglieder persönlich gemacht. Durch Boten ist nur wenig zu erwarten. In K ö l n regt man sich jetzt auch; von dort sind schon die ersten 10.000 Mark nach Paris gesandt worden. Ulm. (Wieder ein M o r d m ä r ch e n.) Ein Ritnalmord-Märche» dürfte in der nächsten Sitzung das hiesige Schwurgericht beschäftigen. In der Nacht vom 21. auf den 22. Mai 1894 wurde der Friseurlehrling Paul Müller von hier in der Fischergaffe ermordet und in Stücke geschnitten aufgefundeu. Obwohl in Stadt und Umgebung nur wenig von ausgeprägtem Antisemitismus bis dahin zu merken war, wurden doch bald Stimmen laut, die den damaligen Schächter der hiesigen israelitischen Gemeinde, einen in Ehren ergrauten Mann, der Mordthat bezichtigten und das Verbrechen zu einem Ritnalmorde stempelten. Der Schächter wurde verhaftet, jedoch, da sich die Haltlosigkeit der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen ergab, nach einiger Zeit wieder freigelassen. Der wahre Schuldige blieb unentdeckt. Am letzten Dienstag-Abend mm wurde ans dem Bahnhöfe der Stiefvater des Ermordeten, der Wagenwärter Eisenhardt, gerade, als er vom Dienste mit dem Zuge ankam, verhaftet. Seit geraumer Zeit wurden Anzeichen gefunden, die darauf hinveuten, dass Eisenhardt entweder selbst den Mord begangen habe oder zum mindesten Beihilfe geleistet habe. Die Berdachtsgründe wurden seit dem am 6. Juni erfolgten Tode der Ehefrau des Eisen- Hardt so belastend, dass die sofortige Verhaftung des Verdächtigen vorgenommen wurde. Eisenhardt wollte am 1. September wieder heirathen. Bukarest. (Ein jüdisches H ilfs c o mi t 6.) Unabhängig von der Actio» des Herrn Leon L ö b e l, der die hiesigen jüdischen Wohlthätigkeitsvereine zu einer wirksameren Unterstützung der armen jüdischen Bevölkerung vereinigen will, haben sich dieser Tage auf Anregung des Herrn Salo L v e w e n l h a l mehrere jüdische Kaufleute, darunter die Herren Ulrich Taubes, A l b i a n u, Henry Rotten und andere zusammengethan. um in Anbetracht des Spruches „Schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe" schleunigst eine provisorische Volksküche' zu errichten. In den ersten Tagen wurden bereits 1200—1500 arme jüdische Kinder und Erwachsene täglich aus laufenden Spenden gespeist, was umso bewundernswerter nt, als das Comitö über keinen Fonds verfügt. Freilich konnte den Armen bis jetzt nur Thee, Brot, Käse und Oliven verabreicht werden. Erfreulicherweise ist Aussicht vorhanden, dass dieses Comite ans die Dauer wird segenspendend wirken können. Außer den laufenden Spenden haben bereits an 250 wohlthätige Personen monatliche Beiträge bis zu 20 Lei zugesagt. Es wäre aber wünschenswert, dass die Cornilömitglieder, die mit Arbeit überlastet sind, nicht erst persönlich an die verschiedenen Personen appellieren brauchten und dass dem Comitö ans eigenem Antriebe Spenden zugesandt würden. Dass dieses bereits in mehreren Fällen geschehen ist, sei mit Geuugthuung gesagt, und ebenso, dass auch Persönlichkeiten nichtjüdischer Confessio» bedeutende Gaben gesandt haben. Die Fürsorge des Comites besteht, trotzdem es den Namen „Institution zur Speisung von Hungernden" führt, nicht nur allein darin, Arme zu speisen, es will auch den seine Hilfe anrufenden jüdischen Personen Arbeit verschaffen. Zn diesem Zivecke hat das Comitö an alle human gesinnten Menschen ohne Unterschied der ( Confessio» einen warmen Aufruf gerichtet, ihm freie Stellen für Arbeiter und Handwerker jeder Art bekannt zu geben, und es kann als sicher angenommen werden, dass der Aufruf seine Wirkung nicht verfehlen wird. Besonderes Lob verdient der Besitzer des Etablissements „Aurora" (Pomul Verde), Herr G o l d st e i n, der dem Comitö zur Speisung der Armen seinen Saal und das erforderliche Geschirr aus eigenem Antriebe unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. Bukarest. (Der Verein der eingeborenen I u d e n), Section Braila, hat an die Präsidenten der verschiedenen Gruppen folgendes Rundschreiben versandt: „Mit Bezug auf unser früheres Rundschreiben theilen wir Ihnen mit, dass die Fübrer dieser Section in einer am 15. Juli stattgehabten Versammlung beschloffen haben, an alle ihre Kameraden im Lande zu appellieren, um ihre Sectionen auf Grund der bestehenden Sectionen wieder zu constitnieren. Wir bitten Sie deshalb dringend, sofort nach Empfang dieses die Mitglieder Ihrer Section gütigst zu einer Sitzung einznberufen, um die frühere Activität wieder aufzunehmen. Wir zweifeln nicht daran, dass Sie unserem Appell unverzüglich entsprechen werden, umsomehr, als nach einer mit den Häupterll unserer Bereinigung gehabten Berathung nicht mehr der Augenblick ferne ist, da nach Bukarest ein Congress einberufen werden wird, um die Frage der im Jahre 1893 dem Parlamente eingereichten Denkschrift in friedlicher und gesetzlicher Weise zu erörtern. St. Petersburg. (Aufenthalrsverbot gegen jüdische Schüler.) Ter „Woschod" weist auf die Nothwendigkeit hin, das Gesetz betreffend das jüdische Ansiedelungsgebiet zu revidieren, weil es Lücken aufweist, in deren Fol^e Maßnahmen ergriffen werden, die den Motiven, aus welchen dieses Gesetz geschaffen worden, nicht entsprechen. Das hebräische Journal theilt mir, den hebräischen Jünglingen höherer technischer Schulen, welche sich behufs praktischer Beschäftigung in das Innere des Reiches begeben, würden dort von den Behörden wegen des Aufenthaltes Schwierigkeiten gemacht. Die Schüler wissen sich dem gegenüber nicht zu helfen. Praktische Beschäftigungen müssen sie absolvieren, weil sie bei den Entlassungs- Examina Kenntnisse darin aufzuweisen haben, und doch — wird ihnen andererseits unmöglich gemacht, sich diese Kenntnisse zu erwerben. Das Aufenthaltsverbot verfügen die Polizeien auf Grund des Art. 157 des Passgesetzes, welcher den Hebräern, die nicht das Recht der freien Bewegung für ganz Russland besitzen, nur Fahrten in das Innere des Reiches in Handels-, Gerichts- und Erbschaftsangelegenheiten gestattet. Dieser Artikel bedürfe einer Vervollständigung und Ergänzung, wie der Fall mit den jüdischen Zöglingen es darthue. Odessa. (Jüdische Soldaten in China.) Unter den Truppen, welche jetzt in Odessa nach dem „Fernen ' Osten" eingeschifft werden, befinden sich zahlreiche Juden. Allein in der „Eisernen Schützenörigade", welche sich im russi'chtürkischen Kriege rühmlichst hervorgethan hat, dienen über 1000 jüdische Soldaten, von denen sehr viele wegen Tapferkeit vor dem Feinde Ehrenzeichen erhalten haben. Von dieser „Eisernen Schützenbrigade" wurden die Regimenter Nr. 14, 15 und 16 vergangene Woche nach China eingeschifft. Am Abend vor der Abreise wurde in der Odeffaer Hauptsynagoge im Beth-Hamidrasch, sowie in den übrigen Synagogen von Odessa feierlicher Gottesdienst abgehalten. Am nächsten Tage wurden den jüdischen Schützen eines jeden Regimentes eine Thorarolle überreicht. Lodz. (Bon der jüdischen Arbeiterbewegung in Westrussland und Polen.) In Lodz hören in der letzten Zeit Strikes jüdischer Arbeiter nicht auf. Bald entstehen sie unter den Arbeitern der einen, bald unter denen einer anderen Berufsart. Ueberall verlangen die Strikenden Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Löhne. Einige Strikes sind bereits mit einem Siege der Arbeiter beendigt — so der Strike von 600 jüdischen Webern und der der jüdischen Bäcker. In einigen Fällen sind die Strikes zu Ungunsten der Arbeiter verlaufen. Gegenwärtig ist die Aufregung unter der jüdischen Arbeitermasse so groß, dass das Lodzer Comitö des Jüdischen Arbeiter- Verbandes sich veranlasst sah, am 1. August einen Aufruf an alle Arbeiter und Arbeiterinnen von Lodz zu verbreiten, in welchem diese anfgefordert werden, in einen Strike zu treten, um den zehnstündigen Arbeitstag, eine Erhöhung der Löhne, eine bessere Behandlung der Arbeiter und pünktliche Auszahlung des Wochenlohnes zu verlangen. Dieser Aufruf ist ebenso wie der Ende Juli seitens desselben Comites an die Weber gerichtete in einer geheimen Druckerei hergestellt worden, von beiden Aufrufen sind 4500 Exemplare verbreitet worden. In Warschau hat die Verbreitung eines Flugblattes unter den Bäckern stattgefundeu, und es hat in den letzten Tagen dort ein Bäckerstrike begonnen. Der Strike der 600 jüdischen Bürstenarbeiter in K r e s l a w k a und W i l ko w i s ch k i, die die Errungenschaften der letzten Jahre gegen die Angriffe des vereinigten Unternehmerthums vertheidigen, währt nach 14wöchiger Dauer unverändert fort. Hais Auf e fertig wo 70 Nicht» erhevli über 4 sollte. zur H, Jorda anlage sind iv die jül die bei Tiberi, kürznnl in der Wintei Karsen ihre G Bjadür hergcri bis M die Ka Weizen Dresch, des Fe vidleici Erbsen wird d erst na der C> einen i vor all Juni b Jnterej türnsch Coloin fernere Antisen desselbi dieser Croatel sierte i und ebr Ström > auch vi uatürli. 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