Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 33 (17.8.1900)
- Date
- 1900-08-17
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 17. August 1900 Nr. 33 Jalwb Tirado. Geschichtlicher Roman von Ludwig Philippsoh«. (Fortsetzung.) Nahe der feindlichen Grenze, dem fanatischen Mecheln, hatte Lier dennoch wiederholten Angriffen zu widerstehen vermocht, und sei es, dass seine Lage seinen Besitz nicht zum Gegenstände besonderer Pläne machte, sei es, dass das Städtchen der Aufmertsamkeit der Gegner entgieng, ein energischer Sturm war auf dasselbe nicht unternommen worden. Gerade darum war es. für Kundschafter und Plänkler eine willkommene Stätte, und konnten sie sich daselbst bei dem verhältnismäßig großen Verkehr der Stadt umso leichter verbergen. Denn Lier beherbergte eine Menge Spinnereien, deren Arbeiter die Straßen der Stadt belebten. Als Tirado den Boden der Niederlande wieder betreten, war es seine erste Sorge, alle seine früheren Verbindungen wieder anzuknüpfen und so wo möglich einige Fäden der Ereignisse wieder in seine Hand zu bekommen. Der Meister in dem Häuschen, an der Mauer von Lier gehörte zu den ersten, welchen er seine Ankunft anzeigte, und von ihm erhielt er bald darauf das Gesuch, so schnell wie möglich nach Lier zu kommen, da ihn hier eine Person zu treffen wünsche, die ihm eine wichtige Mittheilung zu machen hätte. Er folgte diesem Rufe, und es war spät an einem October-Abende, als er in das Haus des Spinners eintrat und sich diesem zu erkennen gab. Nach einer herzlichen Begrüßung und einigen Besprechungen über die Lage der Dinge im Lande, fügte der Meister hinzu: /Nun, Herr, Ihr seid zur rechten Zeit gekommen, denn der Mann, der Eurer harrt, ist in voriger Nacht angelangt und zählt ängstlich die Stunden, bis er Euch sprechen kann/ „Und wer ist es?" fragte Tirado gespannt. »Das kann ich Euch nicht sagen, da er es mir nicht mittheilen wollte. Er mar mir von guter Hand aus Brüssel und Mecheln empfohlen. Das genügte mir, um ihn aufzunehmen. Das Weitere werdet Ihr ja selbst erfahren." Er führte Tirado hierauf nach einem Hintergebäude, wo er ihn in ein geräumiges Zimmer eintreten ließ. In der Ecke eines Canapees lag, in einem Mantel dicht verhüllt, den Kopf mit einer Kapuze bedeckt, eine Gestaltzüsammengekauert, wie in tiefes Brüten versunken. Kaum aber war Tirado eingetreten, und der Meister hatte sich wieder entfernt, als der Mann aufsprang, seine Verhüllung abwarf und zu Tirado eilte. »Bist Du endlich da Jacob, endlich, auf den ich harrte, wie ein dürstender Säugling auf die Brust der Mutter!" Tirado warf einen scharfen Blick auf den, der ihn so. anredete,- und dessen Stimme von einer wilden Leidenschaftlichkeit vibrirte. Er erkannte ihn. „Alonso!" rief er aus, aber Blick und Ton sprachen von einem tiefen Erschrecken, das ihn überkommen. „Alonso, bist Du es? und wie..." Er redete nicht weiter. Da stand sein Jugendfreund vor ihm, aber welch ein Anblick! Wie zu einem Skelet -abgemagert, mit hohlen Wangen, auf denen roth umschriebene Flecken sich zeigten, mit eingesunkenen Augen voll unheimlichen Feuers, die Brust eingefallen, den Rücken gekrümmt, das Haar schon fast ergraut. „Rede nur weiter," rief der Unglückliche aus, „sprich es aus, ich bin Alonso de Herrera, aber wie findest Du mich wieder? Jä, ich bin nur ein Gespenst meiner selbst, ein Schatten des Alonso. Dafür bin ich aber auch dem Wahnsinn nahe, und mit dunklen Mächten habe ich zu ringen, um ihnen nicht unterthan zu werden. Wie? wirst auch Du mich von Dir stoßen, auf den ich harrete, wie auf einen Erlöser? Ich könnt' es Dir nicht verargen, wer will in Gemeinschaft treten mit einem..." „Halt ein, Alonso! Klage Dich nicht an!" fiel Tirado mit strengem Tone ein; dann aber setzte er mild und liebevoll hinzu: ,,Komm, Alonso, komm an mein Herz, das niemals für Dich zu schlagen aufhört!" Und er umarmte den Freund, zog ihn an seine Brust, legte sein Haupt an seine Schulter und streichelte ihn, wie ein Vater seinen unglücklichen Sohn. Da lösten sich die einschnürenden Bande von der Seele des Verzweifelnden, ein Strom von Thronen ergoss sich aus seinen Augen, er schluchzte und bebte in den Armen seines Freundes. Dieser suchte ihn in aller Weise zu beruhigen, ergriff seine Hände und führte ihn zum Canapee, wo er ihn neben sich setzte. „Ach, Jacob", rief er aus, „lass mich, ich bin müde' der Tod sitzt mir im Herzen, wie im Gebeine! Vergebens suche ich mich aufzuraffen, ich habe nur Dich, nur Dich noch einmal sehen wollen, sehen, dass Du mich beklagst und mir in Deinem großen Herzen ein dauerndes Denk-- mal erhältst — das ist ja nun geschehen. . - Zue iner anderen Zeit hätte wohl Tirado seinen Freund mit harten Worten angelassen, um ihn aus dieser verzweiflungsvollen Stimmung herauszuschrecken. Aber er war selbst von dem, was er so plötzlich sah und hörte, so tief ergriffen, so ganz eingenommen, dass er nur ausrief: „Aber, Alonso, wie ist das gekommen? Was hast Du erlitten, armer, armer Freund? Erzähle mir, berichte mir. aber alles..." Alonso richtete sich auf, fasste die Hand seines Freundes und sagte: „Ja, Tirado, ich möchte Dir alles berichten, Dich in alle Tiefen meines durchwühlten Herzens schauen lassen — aber wo sind denn Worte, welche meine Unseligkeit, meine Qualen schildern könnten! ... Von dem Augenblicke, wo ich Dich in Brüssel gesprochen/war eine große. Umwandlung in mix vorgegangen, die letzte .Rühe aus meinem Geiste geschwunden. Vor dem Einblicke in Dein Denken, Dein Ringen, Dein Thun deckte sich mir der ganze Abgrund auf, in den ich immer tiefer hinabsank, und die letzte Nebelwolke verlor sich, welche mir dessen bodenlose Tiefe verhüllt hatte. Auch ich fasste großartige Entschlüsse; auch ich wollte der Sache der Freiheit und des Rechtes dienen, wenn es Noththat, mich opfern. Ich wollte von jetzt ab meine Stellung benützen, nicht bloß, um Greuel zu verhindern, sondern um von ihr aus jeden möglichen Vortheil den Gegnern meines blutdürstigen Herrn zu schaffen, jedes Mittel zu verwerten, das den Triumph der heiligen Sache der Menschheit herbeiführen, beschleunigen könnte... ja, ich dachte dies, ich schwärmte dafür, ich sah bereits mein Haupt mit dem Lorbeer des Helden bekränzt, von der Glorie des Märtyrers umstrahlt. Ich Thor, ich Schwächling. Ich vermochte nichts. Was ich that, schlug ins Gegentheil aus; was ich anfasste, misslang; die ich retten wollte, stürzte ich durch mein Verfahren erst recht ins Verderben; und was ich ersann meinen Hassern zum Schaden, das brachte ihnen unvorhergesehenen Gewinn ... Ich verzweifelte. Jche rkannte meine Unfähigkeit, meine Schwäche. Ich sah ein, dass ich nur geschaffen sei, Mördern und Henkern zu dienen, nicht aber den höchsten Gütern, für die meine Seele glühte und sich verzehrte. Ich verachtete, ich hasste mich selbst. Dabei lag die bluttriefende Hand Vergas immer schwerer und drückender auf mir: er zog mich immer tiefer in sein Netz; er vergiftete mich mit seinem ganzen Vertrauen — o, es war wie ein schwerer Alp auf mir, aber wie ein Alp nicht bloß im Traume, sondern auch im Wachen. Ich war wie in eine Höhle geschlossen, vor der ein furchtbarer Löwe Wache hielt, bis zu dem Augenblicke, wo er mich verschlingen würde. Ich wollte entfliehen; ich entwarf mehrmals Pläne hierzu. Aber es war, wie wenn Verga es mir von der Stirn und aus den Augen lese: im Augenblicke der Ausführung ward es vereitelt. Vor so vielem Unglück schmolz der Rest meiner Kraft; ich gab mich verloren; selbst im innersten Winkel meiner Seele leistete ich keinen Widerstand mehr. Tirado, ich fühlte den Tod nahen, ob er von außen kommen, von der Faust, die so lange mich geschlagen, oder von innen, aus meinem absterbenden Selbst . . . Da weckte mich die Künde noch einmal, dass Du wieder gekommen. Bei einem Besuche im „heiteren Spanier" flüsterte es mir der flamländische Wirt ins Ohr. Es war ein Blitzstrahl, aber der mich nicht tödtete, sondern aus dem schweren Schlafe weckte. Ja, ich erwachte; ich fühlte, ich müsse zu Dir, und müsste ich mir den Weg mit dem Dolche bahnen, müßte ich das Herz Vergas selbst durchbohren. Aber eine bessere Sonne schien mir zu leuchten: Verga, der bis jetzt unbewegliche Verga, der seit Jahren Brüssel nicht verlassen, begab sich in diesen Tagen nach Mecheln. Bei aller Vorsicht konnte er sich doch so schnell nicht aller Zugänge und Ausgänge für seine Mördergrube versichern, ich eütflöh, -entkam, uno langte hier an . .." „Gott sei Dank"jrief Tirado aus, sprang von seinem Sitze und schritt in tiefer Erregung im Zimmer auf und nieder. Endlich blieb r er vor Alonso stehen und redete seinen Freund mit ruhigem, festem Tone an: »Fürwahr, Alonso, ich bin kein Freund davon, diejenigen loszusprechen, welche übel gethan, um ihnen den Schmerz der Reue zu ersparen; ich liebe es nicht, selbst nicht um derentwillen, die ich liebe. Allein ich sage Dir, dass Deine Schuld doch nur ein kleiner Theil ist. Der Schöpfer hat Dich zum weichen Thone bestimmt, in der Hand des Meisters Geschick, zum Thone, der mit zarter Empfindsamkeit dem Gedanken des Künstlers sich schtnkegt, der aber darum nicht verantwortlich ist für die Form, die man ihm gegeben. Du bist ein edles Gmüth, und Dein Geist erhebt sich leicht auf den Schwingen der beflügelten Einbildungskraft. Was kannst Du dafür, dass es just ein Blutmensch wie Verga war, der auf Dich lostrat, um mit seiner Herrschergewalt Dich fortzureißen? Alonso, lass die Gedanken an den Tod fahren. Ermanne Dich und richte Dich auf. Ich weiß, was Dir gut thut, und bin glücklich, es für Dich bereit zu haben. Du musst Genossen haben, die Dir angemessen sind und an denen Du Dich wieder in die Höhe hebst. Du musst vorerst aus diesem Lande heraus, wenigstens aus den Kreisen der blutig ringenden Parteien; Du musst eine friedliche Luft athmen, die Deine Brust von ihrer drcküenden Last befreit .. . wohlan; ein Gefährte von mir soll mit dem Anbruch des Tages Dich von hinnen bringen; Du gehst nach dem Lande der Friesen, nach der Stadt Emden an der Küste des Nordmeeres. Dort findest Du die Freunde, die Dich mit offenen Armen empfangen, vor allem den Sänger Belmonte, der. Dich in sein Herz schließen wird. Noch eines. Du hast allzu viel in der rauhen Wirklichkeit Seele mit Deiner zarten gelebt. Es muss sich^Dir ein neues Reich erschließen mit ungeahnten Tiefen, mit phantastischen Gebilden, mit verborgenem Sinne, der sich erst spät dem forschenden Auge erschließt. Du triffst dort den Meister Uri; er ist heimisch in einer überlieferten Lehre, die sich seit einigen Jahrhunderten eingeweihten Jüngern erschlossen hat, sie nennen sie: die Kabbalah. Er wollte auch mich einführen. Aber mein Geist verlangt anderes. Ich fordere Klarheit der Lehre; was. mein Verstand nicht begreift und mein Herz nicht fühlt,-das weise ich von mir. In solch reinem Lichte erschien.mir die Lehre Moses' vom Erwachen meines Bewusstseins an. Alles Geheimnisvolle ist mir zuwider, aber.anderes passt für. andere. Bring ihm meinen Gruß und sage ihm. dass ich wünsche, er solle Dir die Pforten des verborgenen Tempels öffnen. Da wirst Du Nahrung finden, Aufrichtung, Genesung, neues Leben, und dahinter wird die Vergangenheit wie ein böser.Traum Dir entschwinden, dessen Gestalten mit jedem Tage sich mehr und mehr, verflüchtigen. Hoffen wir, .Alonso, dass wir uns bald Wiedersehen, und siegreich. Ich muss nach Vliffingen, um den Prinzen von Dramen aufzusüchen." s Alonso war mit seiner beweglichen Seele den Worten des Freundes aufmerksam gefolgt. Jedes derselben schien wie der Thau auf eine durstende Pflanze, auf ihn zu wirken Von seiner Stirne begann die düstere Wolke zu weichen, in seinen Zügen die Furchen der Schmerzen und der Trauer sich zu glätten. Sein Auge sprach Zustimmung aus, seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln der Befriedigung. Aber auch das Schlusswort Tirados fiel in sein Ohr. »Nach Vliffingen?" rief er aus und sprang von seinem Sitze empor. »Zum Prinzen von Oranien? . .. o! ich Egoist, der über sein eigenes Leid das Wichtigste, Drängendste fast vergisst. Das ist es ja, was mich um so ängstlicher Dich aufsuchen. Deiner harren ließ. Tirado, der Prinz ist in Gefahr, in großer Gefahr!" „Der Prinz in Gefahr? Und das sagst Du mir erst jetzt? Sprich, berichte mir, genau und alles, was Du weißt!" rief Tirado mit Heftigkeit aus. „Du weißt, unser aller Heil hängt an dem Leben dieses Mannes, die ganze Zukunft ist an seinen Lebensfaden geknüpft!" Es bedurfte dieser Aufforderung nicht, und Alonso erzählte mit geflügelter Eile. „Du kennst die Achterklärung, die Philipp gegen Wilhelm von Orunien erlassen hat. Er hat ihn als Verräther in die Acht, alle seine Güter für verfallen erklärt; niemand soll bei Verlust von Adel und Ehre, Gut und Leben mit ihm verkehren, ihm beistehen in der höchsten Noth; wer ihn lebendig oder todt überliefert, wer ihn tödtet, soll sogleich nach gelungener That für sich oder seine Leibeserben eine Summe von 25.000 Goldkronen erhalten, und, falls er nicht von adeliger Abkunft ist, in den Adelstand erhoben werden. Nun. das ist verlockend. Wie viele mögen jetzt schon aus sein, diesem Hort der Freiheit an das Leben zu gehen! Bor acht Tagen arbeitete ich in dem Zimmer neben dem Cabinet Vergas. Die Thüre war nicht ganz geschlossen, und eine geringe Spalte gestattete mir, zu hören und zu sehen, was in dem Cabinet vorging. Ein Seeländer, Hanns Hannszoon, ein Kaufmann aus Vliffingen, hatte sich dem Blutrichter Philipps vorgestellt. Ob Fanatismus, ob Goldgier die eigentliche Triebfeder seines teuflischen Beginnens war, ich weiß es nicht. Es wurde verabredet, dass der Verräther an seinem Vaterlande Pulver unter den Sitz des Kirchenstuhles, den der Prinz von Oranien einnehmen werde, schaffen und eine solche Vorrichtung anbringen solle, dass, so wie der Prinz sich auf den Sitz niedergelassen, das Pulver sich entzünde und ihn und alles rings umher in die Luft sprenge. Du kennst die furchtbaren Künste, welche die Italiener vom entarteten Griechenland gelernt, und eine derselben muss diese sein. Kaum hatte ich mit furchtbar klopfendem Herzen diese Verabredung vernommen, als ich mich schleunigst von meinem Lauscherposten entfernen musste, da Schritte sich näherten. Bald darauf erschien Verga und befahl mir, dem Manne, dessen Namen er mir freilich verschwieg, tausend. Goldgulden auszuzahlen — sie waren der Vorpreis der teuflischen Frevelthat." . Tirado war bleich vor Entsetzen geworden. „Schrecklich! schrecklich!" rief er aus, „Und glaubst Du, dass der Herzog von Parma darum weiß?" „Ich glaube es, aber weiß es nicht. Von diesem Augenblicke an stand der Gedanke an Flucht in mir fest; nur sah ich erst aus, ob und wo ich Dich fände. Dies führte mich zum Wirte des „heiteren Spaniers", wo ich's erfuhr. Aber was thut die Mitwissenschaft Farneses hierbei?" „Viel, sehr viel. Dann folgt die That dem Rathe schnell. Es muss Parma alles daran gelegen sein, gerade jetzt die Ausführung des Meuchelmordes bewerkstelligt zu sehen; morgen ist ein Sonntag, und da kann, da wird der verderbenschwangere Frevel geschehen. Ich muss fort, auf der Stelle fort. Sei mir Gott gnädig, dass ich noch rechtzeitig in Vliffingen anlange. O Alonso, ich werde meinen letzten Hauch daran setzen; vielleicht ist es eine gnädige Schickung Gottes, gerade uns zu Werkzeugen seiner'Rettung zu machen. Doch ich darf keinen Augenblick verlieren. Ich muss den Meister Hartog sprechen. Was Dich betrifft, Alonso, ich habe Dir gesagt, was Du zu thun habest. Gott geleite Dich und uns zu einem fröhlichen Wiedersehen!" Tirado stürmte zur Thüre hinaus, nach dem Vorderhause zum Spinnermeister. Er stand nicht an, diesem erprobten Manne alles mitzutheilen. Hartog fuhr gewaltig auf. »Ist es möglich, das ich bis morgen vormittags nach Vliessingen komme?" fragte ängstlich Tirado, und seine Blicke hiengen gespannt an den Lippen des Niederländers. „Gemach, Herr, gemach, lasst mich Nachdenken/ lautete die Antwort. Nach einigem Besinnen fügte er hinzu: Ich Hab' es; es wird gehen. Morgen Sonntags beginnt der Gottesdienst in Vliessingen erst um elf Uhr vormittags. Wir müssen Leib und Leben daran setzen. Ich sage wir, Herr, denn ich muss mit. Ich kenne Weg und Steg bei Tag und bei Nacht. Wir müssen zu Pferde quer durch das Land nach Ter Neuse reiten. Dort habe ich einen Schwager, der Schiffer ist. Er ist glücklicherweise zuhause, und seine beiden Söhne auch, starke Jum gens. Hei, wie werden die Ruder fliegen! Denn von dort aus geht es im Boote die Schelde hinunter nach Vliessingen. Wo solche Arme rudern, von solch» n Herzen regiert, da kommen wir in etlichen Stunden in Vliessingen an. Anders gienge es nicht. Jetzt muss.ich Pferde suchen, die schnellsten und ausdauernsten, im Orte. Es ist gut, ich habe sie schon. Es geht nichts über eine große Sippschaft. Fallen sie, so weiß ich Orte, wo wir neue bekommen. Seid Ihr mit Geld versehen, Herr?" „Genug." »Nun, dann habt Ihr. was wir brauchen und was mir gerade fehlt. Untenvegs besprechen wir uns weiter. Begegnet einem von uns ein Unglück, sö lässt. der andere ihn liegen und: setzt seinen Weg fort. Gebe Gott, dass