Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 33 (17.8.1900)
- Date
- 1900-08-17
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 17. August 1900 Seite 5 Mitgliedern des Rabbinats-Consistoriums, sowie von einigen angesehenen Mitgliedern der beiden Gemeinden empfangen, während sich zum Empfange der Gemahlin des Oberrabbiners die Borstandsdamen des jüdischen Frauen-Unterstütznngs-Vereines „Zion", sowie die Damen einiger Gemeindefunctionäre eingefunden hatten. Herr Dr. Ehrenpreis nahm provisorisch im Grand Hotel „Panachow" Wohnung, wo ihm die oben angeführten Personen gleich nach seiner Ankunft ihre Aufwartung machten. Samstag um 8'/, Uhr früh wird der neue Oberrabbiner in der spaniolifchen Synagoge seine erste Predigt halten, und zwar in deutscher und hebräischer Sprache. Petersburg. (Zurückkehrende Juden.) Das Ministerium des Aeußern hat entschieden, dass aus dem Auslande nach Russland zurückkehrende Juden, welche dort nicht zum Unterthan angenommen sind, in die russische Umterthanschaft ausgenommen werden müssen. Sie sind dann im jüdischen Ansidlungsrayon anzusiedeln. Die Ausgaben für den Rücktransport und die Ansiedelung derjenigen Juden, welche mit Hilfe der jüdischen Colonisations-Gesellschaft ausgewandert sind, werden von der Cautivn, die diese Gesellschaft gestellt hat, in Abzug gebracht. Odessa. (Judenhetze.) Wie sich jetzt herausstellt, sind die zahlreichen Verhaftungen in Odessa, über welche bereits berichtet wurde, durch eine Judenhetze veranlasst worden. Dem „Express" zufolge sollen am 29. Juli Unruhen durch ein paar Soldaten hervorgerufen worden sein, welche sich auf den alten Judenmarkt begaben, um vor ihrer Abreise nach Ostasien ihre alten Kleider zu verkaufen. Ein Beistehender stahl einem Soldaten das erlöste Geld, worauf dieser dem ihm zu nahe stehenden Menschen einen Schlag versetzte. Die Juden, welche in der Mehrheit waren, misshandelten darauf die beiden Soldaten. Einige Strolche, die sich in der Nähe befanden, mischten sich ein, und bald artete die Schlägerei in eine förmliche Plünderung des Judenmarktcs aus. Es wurden Kosaken herangezogen, und diesen gelang es unter reichlicher Anwendung der Knute, die Menge zu zerstreuen. Am Morgen des 20. Juli begannen jedoch die Unruhen aufs neue; die Menge schlug in der Hauptstraße der Stadt die Fenster ein und warf die Kiosks um, bis die Kosaken die Menge auseinanderjagten. Die Läden waren geschlossen, und viele Inhaber derselben hiengen Heiligenbilder heraus, um ihre Zugehörigkeit zur griechischen Kirche darzuthun. Die Straßen wurden durch Kosaken abpatrouilliert, und zwei Compagnien blieben an Ort und Stelle. Am 31. Juli brachen die Unruhen aufs neue aus, wurden jedoch schnell unterdrückt. lieber 1000 Personen wurden, wie bereits gemeldet, verhaftet und ein Theil derselben ist zu dreimonatlichem Polizeiarrest verurtheilt, ein anderer abgeschobeu worden. Warschau. (M ä d ch e n r a u b.) Eine arme, in der Provinz wohnende Witwe namens Miller, hatte, da ihre Vermögensverhältnisse sehr trauriger Art waren, eine ihrer Töchter, Dwojra, (Deborah) zu ihrem Bruder aufs Land gegeben, wo dieselbe mehrere Jahre verweilte. Das jetzt 14jährige Mädchen, das sich durch bedeutende Körperkraft auszeichnet, theilte mit Vorliebe die Arbeit der Knechte und Mägde, indes es zum Lernen weniger Neigung zeigte. Vor drei Monaten verschwand Dwojra plötzlich, und zehn Wochen wusste man nicht, wo sie hingekommen. Man denke sich die Verzweiflung der armen Mutter! Nach Verlauf dieser Zeit gelang es letzterer, endlich ihr Kind im Stifte der heiligen Sophie, Pieknastraße 19, Warschau, ausfindig zu machen. Es ist dies kein Kloster, sondern eine Wohlthätigkeits-Anstalt, wo junge, vom Lande gekommene Mädchen ausgebildet werden. Die unglückliche Mutter verlangte ihre Tochter zu sehen. Es wurde ihr gestattet, Dwojra erschien, aber umringt von Aufseherinnen und Hausgenossinnen, die in einemfort auf sie einsprachen und ihr dre Antworten, die sie der Mutter ertheilen sollte, dictierten. „Sage, es ist zu spät." „Sage, jetzt ist schon alles vorüber," u. s. w. Dwojra, verschüchtert, wiederholte selbstverständlich alles, was ihr vorgesagt wurde. Als ihre kleine Schwester sie küssen wollte, wurde dies nicht zugelassen, auch wurde Dwojra ihrer Mutter nicht zurückgegeben. Die arme Frau that ihr Möglichstes, um ihr Kind wieder zu erlangen. Sie wandte sich an die Polizei, nahm die Hilfe von mitleidigen Privatpersonen in Anspruch, alles vergeblich. Die Vorsteherin des Stiftes behauptet, das Mädchen wäre getauft, und da es 14 Jahre alt, müsse die Thatsache als unumstößlich hingenommen werden. So stehen die Sachen bisnun; man beabsichligt, den directen Weg zum Fürsten Jmeritinsky, General-Gouverneur von Warschau, einzuschlagen, da man hofft, dass derselbe eine so offene Vergewaltigung jeglichen Rechtes nicht dulden wird. Der geniale VietorHugo legt Torquemada die Worte in den Mund, dass er die Juden foltern lasse und sie dem Feuertode weihe, um ihre Seelen zu retten. In unserem aufgeklärten Jahrhundert würde, aus Furcht vor Lächerlichkeit, wohl nicht einmal ein Großinquisitor einen solchen Gedanken zum Ausdruck bringen. Und doch wird der Raub jüdischer Kinder systematisch betrieben und verbreitet sich, einer ansteckenden Krankheit gleich, von einem Lande zum anderen. Welches also ist der Zweck eines solchen Vorgehens? Die Frage bleibt unbeantwortet. Thalsache jedoch ist, dass das jüdische Volk in Warschau in einer großen Aufregung sich befindet, da man befürchtet, die arme Witwe Miller werde ebensowenig zu ihrem Kinde kommen, wie die Eltern der Michalina Araten zu dem ihrigen. Rrw-Hork. Die Regierung ordnete eine Untersuchung wegen der Masseneinwanderung rumänischer Juden an, indessen werden die Vorbeugungsmaßregeln nur getroffen, insofern die Einwanderung den gegenwärtigen Charakter verliert und Arbeitsunfähige kommen., Lose Blatter aus Deutschland. Von FabiuS Schach in Karlsruhe i. B. II. Der Antisemitismus trat auf als Wecker und Mahner. Die deutschen Juden fiengen an, sich die Augen zu reiben. Was hat denn die ganze hochgepriesene Arbeit der selbstvernichtenden Assimilation genützt? Man erkannte unter Cornelius den Kohn, unter Rvdenburg den Lewy und man liebte sie nicht mehr als vorher. Man hatte eine Christin geheiratet und war das ganze Leben nicht zuhause die Enkel noch erkannten den jüdischen Großvater. Da fieng die Sehnsucht nach seinem Urwrsen, nach Individualität, zu dämmern an. Man sehnte sich nachhause zurück. Freilich, man wagte es nicht auszusprechen. Man stellte sich überrascht an, man wisse eigentlich gar nicht, was dieser komische Antisemitismus wolle. Er sei ja auch nicht der Ansdruck des Volkes, denn die Dienstmädchen und Hausknechte in der Pcivatwohnung, und die Buchhalter und die Commis im Geschäfte sind ja philosometisch gesinnt. Sie haben es noch heute dem Herrn Commereienrathe und der gnädigen Frau versichert. Es sei nur eine vorübergehende Erscheinung, der Judenhass wird bald dahin sein. Aber, .man fühlte sich bald nicht mehr behaglich in den großen Clubs und Vereinen und fremo in der vornehmen Gesellschaft. Man wollte eine sichere Zuflucht haben. Die lange Maskerade ermüdete, man wollte sich endlich wieder demaskieren. Eine Abwehrströmung trat in die Erscheinung. Natürlich, man konnte ja nicht dulden, dass diese verrohende antisemitische Bewegung um sich greift. Die Sache kam vom Juden, aber — selbstredend durfte man es nicht merken. Die freisinnigen Christen sind ja die berufenen Bertheidiger der in der Verfassung verbrieften Bürgerrechte. Etwas schieben, drängen und drillen muss man sie schon, aber es nimmt sich doch so schön aus, wenn sie, die Nichtjuden, die titulierten, decocierten, vornehmen Herren im Vordergründe stehen. Ein Aufruf gegen den Antisemitismus erschien in den liberalen Zeitungen, und er war mit vielen bedeutenden Unterschriften bedeckt. In den jüdischen Organen lobte man diese befreiende That, diese Kundgebung des liberalen Geistes, aber man rieth den Jaden, dem Vereine als Mitglieder nicht beizutreten, um das Renommee des Philosemitismus nicht zu stören. Anfangs war es eine öde, leere Schablone. Es war nur ein Anti-Antisemitismus, d. h. ein Antisemitismus in verkehrter Gestalt. Die Antisemiten behaupteten, alle Juden wären Lumpen. Man antwortete nun: Alle Antisemiten sind verkommene Existenzen. Aber der Nebel schwand allmählich. Man sah bald ein, dass der Abwehrverein fast nur von jüdischen Mitgliedern existierte, dass die Abwehrzeitung nur von Juden gelesen wurde, und — das war kein Geheimnis mehr. Der Vorstand freilich blieb christlich und die Statuten neutral. Und man wirkte aufklärend auf das Volk. Man bewies scharfsinnig, dass es auch anständige Juden gibt, und man ließ sich diese gewaltige Thatsache von Geheimräthen und Professoren bestätigen. Ja, man bewies dem Löwen geistreich, dass er kein Recht hat zu rauben und zu morden, dass dieses blutige Handwerk unethisch und unästhetisch ist, und dass er einmal, als er satt war, feierlich versprochen hätte, niemanden zu tödten. Das waren die ersten Stadien der Abwehr. Aber auch hier bewährte sich der alte, pilosophische Grundsatz: Alles fließt. Die Abwehr hörte bald auf, bloß zu demonstrieren und Resolutionen zu erlassen — sie musste kämpfen. Der Verein musste sich decentralisieren, und die Filialen in Frankfurt, Köln, Hannover, Karlsruhe und Magdeburg, waren fast rein jüdisch. Sie mussten frisch und offen arbeiten, weil jede andere Kampfesweise einfach lächerlich wäre. So wurde das Werk der Abwehr immer klarer, zielbewusster und energischer. Und so kam man, ohne dass man es wollte, zur Judenheit zurück. Es ist charakteristisch, dass fast überall die Führer der Abwehr ursprünglich treue Anhänger der Assimilation waren. Sie redeten sich anfangs ernstlich ein, die Juden nur als Liberale vom Standpunkte der allgemeinen Gerechtigkeit zu vertheidigen. Sie würden ja ebenso; energisch für jede bedrängte Minorität eintreten. Allein diese Männer wurden bald unbewusst zu — man erschrecke nicht — Nationaljuden. Das ist nur zu begreiflich. Denn diese Männer, die nur ein kleines Häuflein bildeten, waren die einzigen, welche moderne Bildung mit jüdischem Geiste verbanden und die daher die Juden nicht trotz des Judenthums, sondern wegen desselben vertheidigen konnten. Bei den anderen Inden Deutschlands war die reinliche Scheidung bereits vor sich gegangen. Entweder sie wandten sich dem Leben zu und betrachteten das Judenthnm als Schmach, oder nannten sie sich Orthodoxe, negierten das Princip der geistigen Entwicklung und thaten, als wenn die Sonne seit zweitausend Jahren stillgestauden hätte. Doch nein — so reinlich war diese Scheidung nicht. Es gab noch eine dritte Kategorie, der die Kraft zur Tugend und der Math zur Sünde fehlte. Diese Mussjuden machten der jüdischen Religion, in der man doch leider einmal geboren ist, Concessionen und pactierten auch mit dem Zeitgeist. Sie waren Juden in der Synagoge und Arier im Leben, soweit es ihre Nasen gestatteten. Und an diesem unseligen Dualismus erlosch ihre Kraft und siechre ihre Seele hin. Das Comite zur Abwehr des Antisemitismus in Berlin, das im Jahre 1891 entstand, war die erste reinjüdische Organisation. Dieses Institut wurde aus einem Dutzend Millionäre i nter der Leitung des bekannten Journalisten Dr. Paul Nathan gegründet. Es blühte wie ein Veilchen im Verborgenen, aber es arbeitete auch, und ich glaube, dieses Wirken wird vom Culturhistoriker der Zukunft nicht zu gering angeschlagen werden. Diese Organisation trieb keine Antisermtentödterei, sondern bekümmerte sich um die Bildung des Volkes, versuchte Culturwerke großen Stiles zu fördern und gab, theils unmittelbar, theils mittelbar, statistische und wissenschaftliche Werke heraus, die einen dauernden Wert haben. Abwehr wirksam betreiben, heißt schließlich, die Bildung und die humane Erziehung des Volkes fördern. Freilich ist das eine Bahn, die kostspielig ist und nur langsam zum Ziele führt. Ja, man ist auch hier nichteinmal vor Rückfällengeschützt. Aber einCulturwerk ist inlmer von Segen, und wenn auch erst spätere Generationen die Früchte davon genießen. Kurz darauf ist in Berlin der »Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" ins Leben gerufen worden. Die Entstehungsgeschichte und der Entwicklungsgang dieses Vereines sind sehr interessant, weil sie uns die irrende jüdische Volksseele in allen Phasen zeigen. Sie macht wilde Sprünge, sie rennt bald vorwärts, bald rückwärts, sie schreit nach Entfaltung und lechzt nach' neuem Leben und versteckt sich dann wieder. Sie erscheint bald als der tollgewordene teutonische Geist mit jüdischen Schleiflocken, bald als ei» grübelndes träumende-, ringendes Etwas. Der Psychologe erkennt sie überall: es ist die arme, gequälte jüdische Volksseele. Der erste Anlass zur Gründung dieses Vereines war eine Broschüre »Schutzjuden oder Staatsbürger?" Sie erschien anonym, aber es war bald kein Geheimnis, dass der Verfasser Herr Dr. Raphael L ö w e n f e l d war, ein Mann, der sich eher in die chinesische als in die jüdische Weltanschauung hineindenken konnte. Unser Wunderdoctor wusste daher auch nur zwei U nversalmittel gegen den Antise-nitismuS zu verschreiben: die Lossagung von Talmud und Schulchan-Acuch und die Verachtung der jüdischen Frechlinge. Mir schwebte Die Durchführung dieses großen Planes ungefähr so vor: Es wird ein Festbankett im Berliner Rathhaussaale veranstaltet. Geladen sind alle Räthe, M.llionäre und sonstigen Größen. Das Menu besteht aus Caviar, Aal, Krebsen, Hummern, Austern, Schwein und verschiedenen Wildsorten, also lauter antitalmudischen Delicateffen. Nach dem fünften Gange erhebt sich der Präsident und beginnt: „Meine Herren! Es ist ein feierlicher Moment, in dem wir hier versammelt sind. Die Deutschen jüdischen Glaubens sagen sich hiermit, wie Figura zeigt, von Talmud und Sch ul chan- Aruch los. Wir haben — niemand darf daran zweifeln — diese finsteren Bücher nie studiert, und sie gehen uns gar nicht an. Dieses beurkunden wir hier feierlich, und so erkläre ich den Antisemitismus für tobt I- Wie kindisch, ja wie unwürdig eine solche Abwehr- Politik auch ist, sie fand in Berlin Anklang. Die Beclluer Juden repräsentieren die Halbheit auf allen Gebieten oeS Lebens und des W-ssens. Diese Politik des PcunkenS mit Gefühlen, des Paradierens mit schönen Worten war für sie ein »Fressen*. Man konnte die Herrschaft des Scheines weiterführen, einige wohlklingende Phrasen aufsagen und sich einreden, etwas für sein jüdisches Deutschthum gethan zu haben. Es sammelten sich daher viele Leute um diesen neuen Kämpfer, und so entstand der Verein mit dem etwas komischen langen Namen.*) Herr Dc. L ö w e n f e l d that dem Vereine den Gefallen, sich bald zu empfehlen; und die neue Schöpfung hatte das Glück, vernünftigere und würdigere Elemente als Leiter zu bekommen. Der Verein bot daher mehr als er versprach und ec steuert, ohne dass er es sich eingestehen will, immer mehr einer jüdischen Weltanschauung zu. (Fortsetzung folgt.) Eingesendet. (Für diese Rubrik übernimmt die Redaetion keine Verantwortung.) Vereheliche Redaetion! Die unerschöpfliche jüdische Wohlthätigkeit wählt die verschiedensten Formen, sich zu bethätigen. Die schönste, weil wirkungsvollste Form derselben ist: Arbeitsgelegenheit verschaffen. Im Stammlande unserer Nation und unserer Religion leben tausende von Glaubensgenoffen unter den härtesten Entbehrungen, weil ihnen jede Gelegenheit zum Erwerbe fehlt. Die europäischen und amerikanischen Colonisations-Bereine sorgen nur für unsere in Russland, Rumänien und Galizien bedrückten und nothleidenden Brüder und übersehen, dass eine vernünftige Colonisation vorerst die in Palästina bereits vorhandenen Elemente benützen sollte, deren Colonisation mit erheblich geringeren Kosten zu bewerkstelligen ist. Die kostspieligen Erfahrungen der freiherrlich Rothschild'schen Colonien find für weitere Anlagen von unendlichem Werte, da nur ein so munifieenter Kostenaufwand ermöglichte, wirklich entscheidende Prineipien für die Urbarmachung aufzustellen; Einzeluntersuchungen hätten an dem kolossalen Lehrgelde, das Versuche in einem neuen Lande erfordern, zugrunde gehen müssen. Um der steigenden Noth zu steuern und den zahlreichen arbeitswilligen und arbeitsfähigen jüdischen Bewohnern Palästinas Arbeit zu schaffen, hat sich in Jerusalem ein großes Central-ComitS gebildet, welches einen Verein „Bne Zion" gründete, dessen Statut von der hohen türkischen Regierung genehmigt ist. Der Verein will durch fünf Jahre jedes Jahr 50.090 Antheile a Kr. 20 (Fccs. 20) emittieren, wofür 100 Familien colonisiert werden, was in fünf Jahren 500 Familien ergibt Im sechsten Jahre nach der Ansiedlung beginnt die Rückzahlung seitens der Colonisten; aus diesen Rückzahlungen werden weitere 500 F a m i l i e n suceessive colonisiert. Die Rückzahlungen der zweiten Serie dienen dazu, die Antheilscheine einzulösen. Es handelt sich also eigentlich nur um ein Darlehen ohne Zinsen, mit dem 1000 Familien auf eigene Füße g e st e l l t werden. Die Verwaltung steht unter Controls des hochangesehenen alten BankhausesJacob Valero und Comp, in Jerusalem, für dessen Rechnung das Bankhaus S. M. v. Rothschild in Wien Beträge von Kr. 200 aufwärts übernimmt. Die Redaetion dieses Blattes ist über Ersuchen des beglaubigten Vertreters Herrn M. Fridman bereit, Beträge bis Kr. 200 anzunehmen und die Antheilscheine, lautend auf Kr. 20, auszufolgen. Einzahlungen auf diese können auch in Beträgen von Kr. 2 geleistet werden. Das Conritö. Derkinguuii Nkchumlllngsberichte. Wien. (Tempel-Verein „Almus"), VIII., Florianigaffe 41. Am 17. August a. c., abends 7 Uhr, findet zur Feier des 70. Geburtstages. Sr. Majestät des Kaisers ein Festgottesdienst statt. . Mähr.-Ostrau. (Ausflu g.) Jüdisch-nationale Abiturienten veranstalteten Mittwoch einen Ausflug nach Klein-Kuntschitz, der rein nationalen Charakter trug. Das Reinerträgnis fiel dem Fonds zur Unterstützung unserer rumänischen Brüder zu. M. Kiicherrirrtauf. GpartaeuS, Romanica« res I. Carp und die Judenfrage. Wien 1900. Buchdruckerei „Industrie". Der Reinertrag wird für die rumänischen Juden verwendet. *) Deutsche Staatsbürger gibt es nämlich gar nicht. Man kann nur deutscher Reichsbürger und preußischer, sächsischer oder badischer Staatsbürger sein. Es wird auch keiner evangelischen oder katholischen Gesellschaft einfallen, sich „Verein deutscher Bürger evangelischen (oder katholischen) Glaubens" zu nennen. Das Selbstverständliche braucht nicht betont zu werden.