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Jüdisches Volksblatt · 1900-08-17 · 33 (17.8.1900) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
33 (17.8.1900)
Date
1900-08-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 17. August 1900 Nr. 33 und seinem vernachlässigten Äußeren auf mich keinen guten Eindruck, und mein Vater sagte mir auch immer, dass er geistig nicht normal sei. Auch fet* Benehmen und seine Handlungsweise ließ viel zu wünschen übrig, und gar oft sah ich es ihm übel an, dass er einen gewissen Klugmann aus Russland, der ebenfalls Privatstudien betrieb und oft in unser Haus kam, fortwährend in den Hintergrund zu stellen suchte und immer über diesen Uebles nachzureden hatte. So kam er eines Tages — es war dies nach Jom kippur — und erzählte meinem Valer, dass Klugmann am Jom kippur gegessen habe, was höchstwahrscheinlich auch erdichtet war. Nach drei Jahren bestand der Mann, der sich schon im vorgeschrittenen Alter befand, die Maturitätsprüfung. Wie ich aber vernommen habe und auch aus dem „Eingesendet" in den „Bukowiner Nachrichten" ersehe, soll die Prüfungs-Commission constatiert haben, dass in dem Kopfe Tillingers ein stupendes Wissen aufgehäuft sei, doch nur mechanisch und nicht gehörig verarbeitet, ein regelloses und w ü st e s Durcheinander, sie müsse bezweifeln, ob Tillinger auch die Behörden gar nicht verargen würden, wir bleiben dabei loyale Staatskinder, keine Haarbreite weniger als es die Polen, Ruthenen, Rumänen rc. sind. — Es wäre in erster Reihe Aufgabe der eingesetzten „ständigen Commission" des galizischen G e m e i n d e t a g e s, die Regierung und die Volkszählungs- Commissionen zu bestimmen, oen erwähnten Erklärungen der jüdischen Bürgerschaft gleich anderen gehörige Beachtung zu widmen und in den Sammelbögen zu berücksichtigen und entsprechend auszuweisen. — Wenn diese Wünsche jüdischerseits gehörig vertreten und factisch auch durchgeführt würden, könnte sich die Regierung für die Dauer nicht verschließen, vielmehr müsste dieselbe auf Grund der Staatsartikel die jüdische Nationalität wieder recipieren und den im Reiche bestehenden neun Nationalitäten ebenbürtig anreihen, wie es eben der Fall bis zum Jahre 1818 war, seitdem die jüdische Nationalität über Lässigkeit einiger von der Freiheit des Jahres 1848 begeisterter jüdischer Männer (Assimilanten) aus dem Verbände der Nationalitäten ausgeschaltet worden ist. - Der zu erzielende geistig normal sei. Nach bestandener Mnturitätsprüfung begab j v r a k t i s ch e Erfolg müsste daraus entspringen, dass bei Bestich Tillinger nach Berlin, um Theologie zu studieren. Wie ich setzung öffentlicher Stellen die Juden Oesterreichs nicht leichterdings spater vernommen habe, soll sein Benehmen im Seminare auch nicht sehr anständig gewesen sein. — Dies die Geschichte des neuen Paulus Mayer. Fr. Br. Lemberg. Unserer jüdischen Gemeinde gelang es, innerhalb - übergangen werden könnten, während man gegenwärtig den jüdischen Petenten, behüte der Himmel, nicht als solche n, sondern in der Eigenschaft als Deutsche, Polen oder Ruthenen, niemals aber als Juden zurückgewiesen hat, wogegen die jüdischen verhältnismäßig kurzer Frist ein mit allem Comfort eingerichtetes! Vertreter und Wortführer bisher gar keine Stellung nehmen .. f . o iTi_.c . r. -7, ... t «_- . r. f - _ -? . v .f. . a j. ... * rrttllt t(>11 .1 _ r . nagelneues Gemeindehaus zu bekommen, ebenso ein solches Siechenhaus zu eröffnen, ferner hielt sie bereits einen Landes-Gemeindetag den Juden im Verhältnis zu ihrer Zahl mehr geleistet worden ist als von irgend einem anderen Volke." BreSlau. Der Streit zwischen dem Breslauer Oberbürgermeister Dr. Bender und den dortigen Innungs- Ausschüssen hat viel Staub aufgewirbelt. Von besonderem Interesse ist für uns der Passus in einer Rede des wahrhaft freisinnigen Mannes, der sich gegen den Antisemitismus wendet: „Man hat es ganz ungeheuerlich gefunden, dass ich die Konitzer Brutalitäten in Verbindung brachte mit der Mittelstandsbewegung. Wenn ich nach der Flut von Gemeinheit urtheilen soll, die nur in diesen Wochen in anonymen Schreiben ins Haus geschickt worden ist — vermuthlich, um mich von der Moralität der Absender zu überzeugen —, so muss gerade jenes Wort getroffen haben. Der Herr Referent erkannte denn auch eine gewisse Solidarität mit den Konitzer Landfriedensbrecher« an. Er nimmt sie „in gewissem Maße" in Schuh und hat für die angegriffenen und mißhandelten Juden nur die Mahnung, sie sollten ruerst Frieden halten. Ich weiß sehr wohl, dass die geistigen Urheber der" Konitzer Geistesverwirrung nicht im Mittelstände zu suchen sind; allein möglich wurden jene Greuel doch nur dadurch, dass der Geist des „zielbewussten" Antisemitismus durch die Mittelstands-Agitation in breite Schichten des Gewerbestandes getragen wurde. Den Vorwurf der Judenfreundschaft, von antisenntischer Seite erhoben, nehme ich hin. Ich theile ihn mit vielen guten Männern. Wer sich bemüht, gerecht zu sein, kann nicht auf den Beifall derer rechnen, die aus Grundsatz ungerecht sind. Das Christenthum aber hätte der Referent aus dem Spiele lassen sollen; das hat mit der Mittelstands- .. Wer gebot Christi, und wer seinen Nachbar, den Warenhausbesitzer, hoch vesteuern will, um selbst demnächst einen Theil des Steuerertrages gutgeschrieben zu erhalten, der begehrt seines Nächsten Gut. Er mag das vor seinem Gewissen bemänteln wie er will; er mag von ausgleichender Gerechtigkeit sprechen, den Nachbar reich, gewiffenlos und Schwindler, sich selbst aber tugendhaft, gedrückt und arm nennen; aber auf das Christentum sollte er sich nicht berufen." In allen ehrlich denkenden Kreisen werden diese ernst gemeinten Worte des Breslauer Oberbürgemeisters eine nachhaltige Wirkung auszuüben nicht verfehlen. Köln. Die antisem tische „Deutsche Tageszeitung * hat es jüngst für selbstverständlich erklärt, dass unter den Soldaten, die sich als Freiwillige für die China-Expedition gemeldet habe», kein Jude sich befinde. Dadurch sollte wieder einmal bie Feigheit der Juden bewiesen werden. Muth haben ia nur die Antisemiten. Jetzt sind wir in der Lage, aach diese Behauptung unserer Gegner als eine Lüge hinzustellen. Ohne weitere Ermittelungen sind uns aus unserer Provinz vorab zwei junge Leute bekannt, die schon unter den ersten Freiwilligen sich befanden und wohl bereits in China angekommen sind. Der eine ist aus Mühlheim a. Rh., der andere aus Altenkirchen, beide Söhne wohlhabender Eltern, die keine Nebenabsicht, sondern nur der jugendliche Patriotismus dazu geführt hat. Wie die „Boss. Ztg." mitthellt, gibt es in der dritten Escadron des ostasiatischen Reiter-Regiments auch einen Freiwilligen mosaischer Religion namens Cohn aus Stolp in Pommern. Aus München sind zwei Soldaten israelitischer Coufession nach China abgegangen. Der Kaufmann Heymann in Altona hat einen Sohn, welcher als Soldat seine Dienstzeit in Rawitsch (Posen) vollendet. Bor kurzem ließ der Hauptmann der Cvmpangie, zu welcher H. gehört, dieselbe vollzählig antreten mit der Aufforderung: Es mögen sich Leute freiwillig zum Dienste nach China melden. Außer Hey mann trat niemand vor. Da hielt der Hauptmanu eine scharfe, bittere Anrede, wie beschämend es für die Compagnie sei, dass, wenn Se. Majestät auffordere, die Ehre des Vaterlandes zu wahren, nur ein Mann sich melde. Schließlich kamen dann nach langem Zögern noch 18 Mannn hinzu. Das wären also schon 6 jüdische Soldaten. Wollte man erst eine Umfrage veranstalten, dann würde noch eine ganze Anzahl ermittelt werden. Könitz. Hier gieng es am 2. d. M. wieder einmal ziemlich lebhaft her, da es sich um eine gerichtliche Untersuchung des Brunnens der Synagoge handelte. Es liefen schon seit längerer Zeit wieder Gerüchte um, dass die noch fehlenden Theile der Leiche des Winter in der Synagoge oder in deren Nähe verborgen seien. Eine ganze Anzahl Personen, von denen sich einige natürlich nur schlechte Witze erlaubten, wollten diese oder jene Thatsache in der Mordangelegenheit erfahren haben. Die meisten dieser Erzählungen keunzeichneten sich allerdings für jeden Denkenden als Erfindungen, es gab aber doch Leute, die darauf hineinfielen. So erfuhr vor einiger Zeit die Schneiderin M. Hierselbst von einem, wie cs heißt „irrsinnigen" Manne, dass die fehlenden Leichentheile und Kleidungsstücke des Winter sich im Brunnen der Synagoge befänden. Tie M. machte nun sofort der Behörde von dem Gehörten Mittheilung. Es begab sich deshalb, wie einem Berliner Blatte gemeldet wird, vorgestern eine Gerichts-Comuiisivn, bestehend ans dem Amtsrichter Pankau und dem Gerichts-Assistenten, nach dem hiesigen Synagvgeu- Gruudftücke; auch Polizei-Commissär Block und mehrere Polizeibeamte warcn amvesend. Bald darauf traf auch eine Feuerspritze ein, und unter Leitung des Brandmeisters Rhode wurde durch die städtischen Arbeiter eine vollständige Auspumpung des Brunnens (eines sog. Kesselbrunnens) vorgenommen. Ein Arbeiter musste dann in die Tiefe steigen und sich mit eitler eingehenden Durchsuchung beschäftigen, die aber ergebnislos verlief, da nur einige Steine gefunden wurden. Rom. Der ermordete König H u m b e r t war streng gerecht auch gegen seine jüdischen U n t e r t h a n e n. Er hat auch unseren Glaubensgenossen zu allen Aemtern Zutritt gewährt. Bis in die höchsten Chargen hinauf wurden jüdische O f s i c i e r e zugelassen, und es war der Division s«G e n e r a l O t t o l e n g h i, dem er die militärische Ausbildung des einzigen Sohnes, des Thronerben, übertrug. Wiederholt wurden Juden zu den verantwortungsreichsten Staatsämtern, zur Ministerwürde, so Luigi Lnzatti, zu Sectionschefs, so Malvano, Romanin-Jacur u. A., emporgehoben, und der Jude Vitlorio Rava ist Leiter des römischen Schulwesens. Dass in untergeordneten Beamtenstellungen, und zwar in ausnahmslos allen, unsere Glaubensgenossen vertreten sind, ist ebenso bekannt, wie die noch kennzeichnendere Thatsache, dass König Humbert zehn Juden rn den Senat berufen hat. Sofia. (AnkunftdesneuenOberrabbiners.) Mit dem gestrigen Conventionszuge ist der zum Oberrabbiner des Fürsteuthums Bulgarien ernannte bisherige BezirkSrabbiner in Djakovar, Se. Ehrwürden Dr. M. Ehrenpreis, mit feinet Familie hier eingetrvffen. Im Bahnhofe wurde Herr Dr. Ehrenpreis von den Präsidien der beider hiesigen jüdischen Gemeinden, den konnten. J. P. . .. . o Budapest. (Was alles den rumänischen ... .... , .TO und zuvor einen officiellen Ball ab. Nur mit der Eröffnung der c*.. k*« erlaubt i st Der Schriftsteller und Humorist Viktor' Agitation so wenig gemein wie mit Antisemitismus. Wei jüdischen G«m-md-.Bldli°ch°k geht el leibet seit Ähren fo g“ „ " Li Z sf. 3^7? f.rl..,,e. ü-iM.]!.f..de» Juden hasst, dlntz weil er Jude i^nerwßt gegen d°s Haupt schleppend, dass man sich unwillkürlich fragen muss, ob denn Räkossy persifliert die rn die Welt hmausposaunte fnschgebackene unserer Gemeinde wirklich jedes Bedürfnis für geistige und Humanität der rumänischen Regierung, den in Angelegenheit ästhetische Nahrung abgehe. Die Bibliotheks-Eröffnung wurde der bedrückten Juden eingeschlagenen neuen Cours, die au daS nach langjährigen Verhandlungen im Schoße der, Repräsentanz Carp'sche Regime geknüpften Hoffnungen in einigen gelungenen Spässen: 1. Der rumänische Minister für innere Angelegenheiten hat angeordnet, dass in sämmtlichen Blättern des Auslandes Annoncen veröffentlicht werden mit dem Inhalte: Juden! Juden! kommtheim! Alles ist Euch verziehen! vor mehr als 1'/, Jahren beschlossene Sache, das Referat modert aber seit langem im Pulte des Referenten, der Erlösung harrend. Es sollen sogar die Localitäten frei und Bücherschenkungen zugesagt worden sein, die Uebergabe an die Oeffentlichkett wird aber regelmäßig vom Sommer auf den Winter und umgekehrt verlegt. — Im Vereine „Dorsche Sch l o m Zion" in Lemberg, in den alten Localitäten der Cultusgemeinde, trifft man jüdische Handwerker, Gymnasialschüler und Commis in hebräische Lectüre vertieft, während die älteren Leute den Vorträgen über die Zukunft des Judenthums offenes Ohr verleihen. Hier verkehrt miteinander und begegnet sich das Volk, hier sieht man es, wie es undvlant^ unterhält, und wie.es um sein Dasein^ sorgt Dass die Regierung das bisherige bittere Schicksal ihrer ^,.2 § Juden lindere, bat sie folgende menschenfreundliche Verordnung Magistratur d?s Landes, der galizisch?Landes-AusscAss, sch?ieb! erlassen: a) Jedem Juden, der seine gewerbliche Ausbildung zu Zahl 24352 vom 19. Juni l. I. den Concurs zweier' documentarisch Nachweisen kann, ist es erlaubt, jede Sonnen- Praktikantenstellen beim Salzverschleiße aus, woran die Befinsternis durchs berauchte Glas zu beobachten, b) Es wird 3:otf/^^nev'! geknüpft war, behnss Nachweis^geährt, für ihre Arbeit — wenn nämlich der christdes Alters von unter 40 Jahren. Einem indischen Bewerber-,/, 2, .7 m ... 7 gegenüber, der sich erbötig machte, den geforderten Beweis durch! "che Rumäne ihnen solches gibt, — Geld anzuuehmen. Geburtsschein zu erhärten, äußerte sich der Referenteni c) Der Jude darf von der rumänischen Luft den aliquoten Stellvertreter, dass eine andersartige Beweisbringung als durch, Theil des Oxygens einathmen; er muss aber als Aequivalent d-B L-L; Äff* WJSÄ 5?!°vl-l WasserdiinstauShanchen. der Landes-Ausschuss sich seit mehreren Jahren als Pächter dem! diesen Wasserdunsten darf er zugleich ferne Seele aus- Aerar aufgedrungen hat, trotz allgemeiner Entrüstung der Kaufhauchen, ohne aber das Mitleidsgefühl seiner nichtjüdischen Mannschaft des Landes, nebstdem kamen in dieser Abtheilung bereits mehrfache Defraudationen mit Verhaftungen von Beamten vor, die es klar machen, dass das Salzgeschäft dem Landesausschuffe durchaus keinen Nutzen abwirft. — Der Bürgermeister der Stadt Linz Franz Poche macht es übrigens nicht besser. In seiner Concursausschreibung vom 3. April l. I., Z. 18106, für einen Conceptsbeamten bedingt derselbe ebenfalls die Vorlage des Taufscheines. — Dagegen geht die ZolkiewerStadtgemeinde praktischer zu Werke. Bei Ausschreibung der Stelle eines Caffebeamten bedingt sie den Nachweis einjähriger Praxis bei irgendeinem Stadlmagistrate oder ärarischen Finanzinstitute. Da jedoch bekanntermaßen kein galizischer Magistrat, viel weniger noch die österreichisch-ungarischen Bankfilialen irgendeinen Juden in deren Bureaux zulassen, sind die Zolkiewer Caffepforlen für einen Juden von vornherein geschlossen. — Das „Jüdische Volksblatt" hat in anerkennenswerter Weise bereits vor mehreren Monaten die Schritte vorgezeichnet, die jüdischerseits bei der nächsten stattsindenden Volkszählung in Angriff zu nehmen wären. Wir meinen die collective Massenerklärung der jüdischen Bevölkerung unter den Rubriken „Nationalität" und „Umgangssprache" mit jüdisch und abermals jüdisch. — Unsere Rabbiner und Führer des jüdischen Volkes beispielsweise können sich, wenn sie wahrheitsliebende Charaktere sind — woran doch niemand zweifeln kann — unmöglich als Deutsche oder Polen declarieren, da sie solchen Charakter niemals eigen hatten, stets als Juden auftraten, sich stets des jüdischen Idioms als ihrer Sprache bedienend. Geradeso ist es beim größten Theile des hierländischen jüdischen Publicums. Warum sollten wir uns also ehrlicherweise anders als der jüdischen Nationalität angehörend erklären? Wir sind überzeugt, dass uns dies niemand, ihnen ein Heiligthum, das sie keinem Fremden zeigen wollen, und nur wenige unter ihnen besitzen Abschriften desselben. Ferner stieß er auf Stämme, deren Urkunden, Sitten und Lebensgewohnheiten ihre israelitische Abstammung außer Zweifel stellen. Sie feiern nur zwei Feste im Jahre, bringen aber allmonatlich ein Mouatsopfer dar, fürchten den heiligen Gottesnamen auszusprechen, beobachten viele altjüdische Gebräuche, wie die Jnnehaltung des Erlass- und Jubeljahres. An einem Orte fand Fink einen Stamm, der gar von Abel und Lemach abstammen will, behauptet, in der nächsten Nähe der „Bäume des Lebens und der Erkenntnis" zu wohnen, und vorgibt, in seinem Lande eine Höhle zu besitzen, durch welche man. einer Tradition zufolge, zu diesen Wunderbäumen gelangen kann. Ob die angeführten Berichte auf Wahrheit oder Combination beruhen, vermögen wir nicht zu beurtheilen, denn weit weniger als die katholischen Missionäre, welche zuerst die Kunde von der Existenz der Juden in China nach Europa brachten, scheinen die sogenannten Touristen, welche spätere Nachrichten brachten. aufabsoluteZuverlässigkeit Anspruch zu haben. Nicht etwa, weil wir ihnen falsche Mittheilungen wider besseres Wissen zutrauen, sondern weil es für einen vorübergehenden Besucher, der nur kurze Zeit in den halbeuropäisierten chinesischen Hafenplätzen sich aufhält, unmöglich ist, zumal wenn er die Landessprache nicht versieht, die verschiedenen religiösen Secten des Riesenreiches auch nur einigermaßen kennen zu lernen. Dazu bedarf es einer wiederholten Bereisung der verschiedenen Provinzen, eines genaueren Studiums von Land und Leuten und vorzüglicher Vertrautheit mit Sitten und Gewohnheiten. Mitbürger zu sehr in Anspruch zu nehmen, e) Erlaubt ist es jedem gutgesitteten rumänischen Juden i n dem sanftiveichen, fruchtbaren heimatlichen Boden zu ruhen, k) Von den Gefühlen der Menschenliebe und Barmherzigkeit geleitet, erlaubt die Regierung jevem der Juden. in der Mitte seines Gesichtes eine Nase und von dieser rechts und links zwei Augen zu placieren. Ferner wird einem jeden, der über gewerbliche Ausbildung verfügt, noch bewilligt, — aber nur in den Wintermonaten — auch den Mund und das Ohr zu benützen. Nach allen diesen Gewährleistungen ist es also selbstverständlich, dass die rumänischen Juden in Niesenscharen in ihre geliebte Heimat znrückströmen. Ausland. Berlin. (Zur Konitzer A f f a i r e.) Aus Anlass der antisemitischen Hetzereien, die sich an den Konitzer Mord knüpften, ist jetzt gegen die „Staatsbürger-Zeitung" wegen Beamtenbeleidigung und Beleidigung von Privatpersonen in 25 Fällen Anklage erhoben worden. Die „Staatsbürger- Zeitung" bemerkt dazu, dass sie den Beweis für die Wahrheit ihrer Angaben antreten und außerdem insbesondere Nachweisen werde, „dass von ihr namentlich genannte Konitzer Juden Mithelfer oder Mitwisser des Mordes seien". Da wird wohl die Staatsanwaltschaft auch diese Beleidigung mit in den Bereich der Strafverfolgung ziehen. Auch die „Germania", die sonst die Judenhetze nicht gewerbsmäßig treibt, hat bei Artikeln über den Konitzer Mord Gerichte und Beamte in Westpreußrn beleidigt und sieht dieserhalb gerichtlicher Anklage entgegen. Aus Könitz selbst hört man seit einiger Zeit nicht mehr viel Neues. Seit die dort einquartierten Truppen den Konitzer Biirgern schwere Kosten verursachen, haben die dortigen Judenfeinde daS Einwerfen von Fensterscheiben eingestellt und begnügen sich damit, auf alle Beamten gewaltig zu schimpfen, die sich ihre Unabhängigkeit von den Antisemiten bewahrt haben. Berlin. Nach der „Deutschen Wacht" (28 Juli) ist Anzeige erstattet 1. gegen den Grafen Pückler, weil er in der dritten Konitz-Versammlung des Wahlvereines Berlin geäußert haben soll, die einzige mögliche Lösung der Judensrage, sei„surchlbar durchhauen und 'rausschmeißen." Der Staatsanwalt sieht in dieser Aeußerung eine Aufforderung zu Gemaltthätigkeike». 2. Wegen desselben Vergehens soll gegen den Schriftstiller Böckler vorgegangen werden, da er in derselben Versammlung sein Bedauern darüber ausgesprochen hat, dass sich in Bütow christliche Einwohner gegenüber den rohen Beschimpfungen des Christenthums und der Christen durch Juden an die Fensterscheiben der Juden gehalten hätten, cuistatt, wie es solcher Frechheit gegenüber angebracht gewesen sei, die Juden selbst „nach dem Reeepte des Grafen Pückler" zu behandeln. Berlin. (Liebknecht über die Juden.) „Die Geschichte der Juden nach der Zerstörung des jüdischen Staates und der Zerstreuung des Judenvolkes über die Erde war für mich schon in frühester Jugend ein Räthsel gewesen und m Wunder; mit wahrhaftem Grausen hörte ich als Kind von den gräßlichen Judenverfolgungen des Mittelalters, von der entsetzlichen Roheit und Barbarei, die die Christen wegen unmöglicher, nur dem blödesten Stumpfsinn und blindesten Vorurtheil glaubhafter Verbrechen an Juden bethätigt haben. Wenn ich nun sah, wie Männer, in deneil mein junges Herz die edelsten und tapfersten Vorkämpfer der Freiheit verehrte — ein Börne, ein Johann Jacoby Juden waren, fo übertrug sich unwillkürlich die Verehrung für diese Männer auf ihre Rasse. War hierin etwas von Schwärmerei, so musste doch auch die reifere Kritik späterer Jahre sich , vor der Thatsache verneigen, dass für das Wohl und die Freiheit der Menschen, für Kunst, Literatur, Wissenschaft von

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