Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 32 (10.8.1900)
- Date
- 1900-08-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 10. August 1900 Seite 5 Die Einwanderung rumänischer Juden in Canada. Nach Durchlesung der interessanten Artikel über die Auswanderungen der Juden aus Rumänien möchte ich darauf aufmerksam machen, dass, da sich möglicherweise die Auswanderung der bedauernswerten Leute auch nach Canada lenken wird, wie dies in einigen Fällen schon geschehen ist, dieses Land den Betreffenden häufig das nicht bieten wird, was sie vielleicht erwarten. Die Einwanderung in Canada kann auch ohne genügende Geldmittel stattfinden, sofern die Betreffenden nicht geradezu Criminelle, Irre oder solche sind, deren Existenz offenbar von den Behörden bestritten werden müsste; sonst denkt man in diesem Lande, welches eine starke Einwanderung sehr benöthigt, viel liberaler, als unsere Nachbarn, die ihrer Meinung nach in diesem Punkte schon an einem „ernbarras de richesse“ zu leiden beginnen und alle unerwünschten Elemente aus dem einen oder andern Grunde, V als mit dem sehr dehnbaren Einwanderungsgesetze kollidierend, einfach auf Kosten der betreffenden Dampferlinien nach den betreffenden Abfahrtshäfen zurückbefördern lassen. Also Schwierigkeiten in dieser Beziehung würden die rumänischen Juden hier nicht zu bekämpfen haben, das Landen gestattet man ihnen ohne weitere Formalitäten, es muss aber im Interesse derjenigen, die hierher kommen wollen, ausdrücklick) bemerkt werden, dass in der Hauptsache nur landwirtschaftliche Arbeiter und von weiblichen Einwanderern Dienstmädchen gebrauä)t werden, dass erstere theilweise nach Beendigung der Ernte stellenlos werden und sich über den langen Winter am Bahnbau rc., so gut wie es eben geht, durchschlagen müssen. Es gibt ja allerdings nöä) eine Menge freies Regierungsland im Nordwesten, 160 Acres per Person, aber um diese zu bewirtschaften, bedarf es nicht unerheblicher Geldmittel. Die Einwanderung nach Canada betrug laut soeben veröffentlichten Zahlen des Ministeriums des Innern insgesammt im Jahre 1898/99 (1. Juli bis 30. Juni) 44.543, gegen 31.900 Personen im Jahre 1897/98. Davon entfielen 11.945 auf Amerika (theilweise repatriierte Canadier) 10.660 Engländer, Schotten und Irländer 7350 Duchoborzen 6700 Galizier 780 Deutsche (?) 1520 Skandinavier 413 Franzosen und Belgier 5109 Diverse. Deutsche, d. h. Reichsdeutsche sind jedenfalls nicht in obiger Zahl hier angekommen, denn der alle Einwanderer inspirierende officielle Dolmetscher beklagt in seinem Berichte an das Ministerium das „fast gänzliche Fehlen von Angehörigen des Deutsä)en Reiches". Die Duchoborzen, Galizier und zweifellos ein Theil der „Diversen" sind mit vielen Kosten von der Regierung importiert worden, nicht gerade zugunsten des Landes, was sich jetzt häufig genug herausstellt, die englische Einwanderung enthält ein nicht unbedeutendes Contingent von Waisenkindern, sowie Zöglingen aus Armen- und Besserungs-Anstalten, kurzum alles bildet hier ein sehr heterogenes Element, und man kann es den Deutschen nicht verübeln, wenn sie dieses Land noch so viel wie möglich vermeiden. Die Grundbedingungen für ein erfolgreiches und auch in socialer Beziehung befriedigendes Leben fehlt in unserem Nord-Westen noch viel zu sehr, um denselben für unsere Landsleute besonders anziehend zu machen. _ D. Ueber die Juden in Persien. Der zur Suite des Schah von Persien gehörende Minister des Verkehrswesens Mirza Mamalek hat in Contrexeville. wo der Schah bekanntlich inkognito zur Cur geweilt hat, einen Vertreter des „Woschod" empfangen und sich von ihm über die Juden in Persien interviewen lassen. Unsere Regierung, sagte der persische Würdenträger, habe keine Ursache, mit den Juden unzufrieden zu sein, sie folge daher gern dem Gebote ihrer Religion, Fremde und Andersgläubige zu beschützen. Die Zahl der Juden in Persien beläuft sich auf circa 30.000, von denen die größte Mehrzahl Handel treibt. Sie dürfen überall in Persien wohnen und jedes beliebige Gewerbe betreiben. Ein Staatsamt dürfen sie jedoch nicht bekleiden, weniger deshalb weil sie Juden sind, als weil bei uns fast alle Staatsämter für den Adel reserviert sind. (Anderswo ist es ebenso.) Die in der jüngsten Zeit in Persien stattgehabten Judenverfolgungen stellte Mirza M a m a l e k als ziemlich unwesentlich hin. Sie währten nicht lange und hatten keinen bösartigen Charakter. Die Ursache war — wie ja anderswo auch — purer Brotneid von Seiten einiger Kaufleute. Die Juden begannen mit einer Anzahl von Artikeln zu handeln, welche bisher nur von persischen Händlern geführt wurden. Die Kaufleute hetzten den Pöbel auf, die Geistlichkeit secundierte ihnen, bis schließlich die Regierung eingegriffen und das Feuer im Entstehen gelöscht hat. Alif die Frage, weshalb die Juden in Persien besondere Abzeichen tragen müssen, erwiderte der Minister, dass die Verordnung religiösen Gründen ihren Ursprung verdanke. Nahrungsmittel und Geschirr dürfen von keinem Richtniohanunedaner berührt werden. Um das öftere Unbrauchbarwerden von Nahrungsmitteln zu verhüten, muss daher der Muselmann in der Lage sein, jeden Nichtmohammedaner auf den ersten Blick zu erkennen. Der europäische Fremde ist durch Gesicht und Kleidung als solcher kenntlich, nicht so der persische Jude, der sich durch nichts vom strenggläubigen Schiiten unterscheidet. Als daher einige Juden auf dem Bazare von Teheran Essgeschirr durch Berührung unbrauchbar gemacht hatten, entstand ein Aufruhr, der die Regierung zum Erlass einer Vorschrift nöthigte, wonach die Juden an sick)tbarer Stelle ihres Hasakin (eine Art Halbrock) einen hellleuchtenden Knopf mit den Jnitialien „B. I." (Bene Israel) tragen müssen. Dass aber keine antisemitische Absicht gewaltet hat, beweist der Umstand, dass auch die autvchthonen Parsen, welche als Feueranbeter ebenfalls das Geschirr des Mohammedaners durä) Berührung verunreinigen würden, ein gelbes Abzeichen tragen. Die Emigranten in London. London, nn Juli 1900. Den rumänischen Flüchtlingen geht es bei uns herzlich schlecht. Unser „Board of Guardians" weist principiell alle rumänischen Emigranten zurück, die sich in Gruppen bei ihm melden und fordert die Mitglieder der Gruppen auf, einzelne Eingaben bei ihm einzureichen, worauf dann die Sache von Fall zu Fall, und jede für sich allein, ihre Erledigung finde. Weigern sich die Emigranten, dieser Aufforderung nachzukommen, und bestehen sie auf einer gemeinsamen Abfertigung, so wird gegen sie die Polizei in Anspruch genommen. Ein solcher Fall ereignete sich, wie dem „Israelit" geschrieben wird, am 11. Juli, wo 100 Emigranten durch die Polizei aus den Bureau des „Boards" vertrieben werden mussten. Hunderte von rumänischen Juden irren obdachlos auf den Straßen Londons umher, wo sie auch die Nächte zubringeu. Das Elend ist so groß, dass die ch r i stlichen Arbeiter auf den Quais Mitleid empfanden und die darbenden fremden Juden mit Geld und Nahrungsmitteln unterstützten. Am Eingang zur Synagoge in der Scarborough- Street sitzen sie zu Hunderten beisammen und warten, bis die Synagogenbesncher, von denen manche selber kaum zu essen haben, ihnen Brot, Milch oder Kaffee bringen. Aus Mitleid gehen viele Londoner Juden von Thür zu Thür, um für die Verhungernden Brot zusammenzubetteln. Unsere reichen Juden aber haben ihr gauzes Geld zur Ausrüstung von Freiwilligen gegen die Boeren ausgegeben und haben für jüdische Zwecke nichts mehr übrig! Hat doch in diesem Jahre selbst die Anglo- Jewish-Association in ihren Londoner Einnahmen gegen das Vorjahr eine Einbuße von 80 Pfd. St. zu beklagen. Das Vorgehen des „Board of Guardians" verdient Tadel; noch tadelnswerter sind die rumänischen Comites, welche die Leute planlos fort schicken. Eingesendel. (Für diese Rubrik übernimmt die Redaction keine Verantwortung.) Verehrliche Redaction! Die Brünner „Jüdische Volksstimme" veröffentlicht in Nr. 13 als „Eingesendet" eine Zuschrift, welche neben Beschwerden gegen die „Israelitische Allianz" in Wien sich auch mit meiner Person beschäftigt. Ohne Angabe bestimmter, vonmir'gemachterAeußerungen oder angeblicher Handlungen werden durch die Art der Abfassung und eingestreuter Bemerkungen zwischen den Zeilen, wider mich in ganz unbegründeter Weise die erbärmlichsten Angriffe erhoben, so dass es begreiflich erscheint, dass der oder die Verfasser nur mit dem Buchstaben „G" zeichnen und diese Zuschrift an einer Stelle abgedruckt wird, bei welcher die Redaction erklärt, für Form und Inhalt keine Verantwortung zu übernehmen. Die erwähnten Angriffe gegen die „Israelitische Allianz" und die namentlich angeführten Personen zurückzuweisen, erscheint wohl nicht meine Aufgabe; für die Kenntnis der Verhältnisse seitens des anonymen Verleumders, zeugt der Umstand, dass der Name eines Functionärs in zwei Schreibarten angegeben ist und beide, falsch sind, und dass der Viceprüsident der .Allianz" als Beamter bezeichnet wird, ebenso wie es den thatsüchlichen Verhältnissen vollkommen widerspricht, von mir als ^„Macher" oder „Angestellten" der „Allianz" zu sprechen. Ich war und bin nicht im Vorstande der „Allianz," noch weniger ihr Angestellter; ich stehe, wenn ich in Wien bin, den in der rumänischen Angelegenheit thätigen Herren des Vorstandes, welche in wirklich hingebungsvoller und aufopfernder Weise bemüht sind, freiwillig und uneigennützig zur Verfügung, und glaube, damit der Sache besser zu dienen, als wenn ich, dem Beispiele eines hervorragenden Zionistenführers, den ich auf der Terrasse des Seehotels in Alt-Aussee gesehen habe, folgend, dort geblieben wäre oder mich, dem Beispiele eines anderen hervorragenden Zionisten folgend, auch damit bemühte, die Auswanderer in malerische Gruppen zu stellen und photographisch aufzunehmen. Ick) erachte es als Gebot der Besä)eidenheit, meine Thätigkeit hier nicht eingehend zu besprechen; was ich ebenso bei sengender Hitze wie bei strömenden Regen in gleicher Weise um 5 Uhr früh bei den Schleppern, wie um 11 Uhr nachts bei der Einquartierung der unglücklichen Auswanderer, ohne Rücksicht auf meine Familie, die sich ja auch im Salzkammergute befand, gethan, mögen die beurtheilen. die meine Thätigkeit wirklich kennen. Zwischen den Zeilen zu behaupten, dass die Functionäre der „Allianz" jüdische Antisemiten seien, die bestialisch vorgehen, denen Brutalitäten zur Last fallen und die als Hausknechte ihr Müthchen an den armen Auswanderen kühlen, wiewohl sie auf Kosten des jüdischen Volkes gefüttert werden, und dass ich zu diesen zähle, kann nicht anders als eine niedrig-feige, erbärmliche Lumperei eines niederträchtigen Ehrabschneiders bezeichnet werden, der nicht den Muth hat, sich zu nennen, wohl aber aus dem geschützten Hinterhalte der Anonymität auf Kosten des verantwortlichen Redacteurs Leute unverdient mit Koth bewirft. Eine Erklärung gleichen Inhaltes habe ich an die Redaction der „Jüdischen Volksstimme" abgehen lassen. Mit aller Hochachtung Dr. Arnold Ascher. Danksagung. Anlässlich der Renovierung des Vereins-Bethauses „Osseh Chesed", II., Schiffamtsgasse 5, hat der Hausherr, Herr Moriz Wagner, in ganz selbstloser Weise dem Vereine so viele Wohlthaten erwiesen und für das Zustandekommen dieses herrlichen Werkes so mannigfache Opfer gebracht, dass der Verein „Osseh Chesed" nur einem geringen Theile der tiefempfundenen Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen glaubt, wenn er im Wege der Oeffentlichkeit erklärt, dass nur durch die munificente Mithilfe des Herrn Wagner das begonnene schöne Weck auch zu einem gedeihlichen Ende geführt werden konnte. Möge Gott ihn dafür segnen. Wir Menschen können ihm nur danken. Der Ausschuss des Vereines „Osseh Chesed" Wien, II., Schiffamtsgasse 5. Vereins- und VechmmiuWbenlhtk. Wien. (Verein zionistischer jugendlicher Arbeiter.) Diesem in Bildung begriffenen Vereine sind bisher 45 jüdische Arbeiter beigetreten. Ordentliches Mitglied kann jeder jüdische Arbeiter im Alter von 14—24 Jahren werden, unterstützendes Mitglied jede Person vom 18. Lebensjahre an. Mitgliedsbeitrag mindestens 20 h per Monat und 20 li Einschreibgebür. Als Vereinsorgan wurde die „Jüdische Volksstimme" in Brünn bestimmt. Alle Anzeigen dieses Vereines erfolgen im „Jüdischen Volksblatt", in der „Welt" und in der Brünner „Jüdischen Volksstimme" (Centralorgan der jüdischen Arbeiter und Handelsangestellten). Die Statuten sind bereits ausgearbeitet und werden im Laufe dieser Woche überreicht. Die constituierende Versammlung findet anfangs September statt. Der Verein wird die wirtschaftlichen und nationalen Interessen des jüdischen Arbeiters aufs Nachdrücklichste vertreten durch Vortrags-, Rede- und Lese- Abende, durch Gewährung von Rechtsschutz, durch Pflege der nationalen Geschichte und Literatur, durch gesellige Zusammenkünfte, Errichtung einer entsprechenden Bibliothek, diverser Unterrichtscurse rc. Außerdem ist die Gründung eines Allgemeinen jüdischen Arbeiter-Vereines (gemischte Gewerkschaft) aus national-socialer Basis geplant, und werden sowohl für diesen, als auch für den Verein jugendlicher Arbeiter Beitrittsanmeldungen entgegengenommen von Maximilian Strauß, Goldschmied-Lehrling, Wien, II., Rembrandtst r a ß e 30, 3. Stiege, 1. Stock. Briefkasten. Herrn Adolf Klein, Restaurateur, I., Schottenring IS. Dass Sie ausschließlich von Juden leben, gibt Ihnen noch kein Recht, unser Blatt gratis zu beziehen und die Zahlung des Abonnements mit der Motivierung zu verweigern, „das Blatt nimmt niemand in die Hand". Wir selbst haben uns überzeugt, dass es doch „in die Hand" genommen wird. Es ist sehr traurrg, dass selbst solche Juden, die von der Strenggläubigkeil und dem jüdischen Nationalgefühle leben und vermögend werden, sich der einfachsten Pflichten gegen ihr Bolksthum^entschlagen. Wir schenken Ihnen den Abonnementsbetrag; legen Sie's zu dem Uebrigen. Die Ideale einer Königin. Von Balduin Groller. Carmen Sylva, die Dichterin auf dem Throne, hat wieder einmal ihr Herz sprechen lassen. Die Redaction der „Revue des Revues" hatte an hervorragende Persönlichkeiten, Damen wie Herren, die Rundfrage erlassen, ob es für die Frauen angemessen und nützlich sei, sich den rnodernen Sports zu widmen. Den Neigen eröffnete Carmen Sylva. Sie billigt für die Frau alle Sports unserer Zeit, allerdings mit einigen Vorbehalten. Die Frau soll nur so anmuthig und rührend bleiben wie Sakuntala, so mildthntig sein wie die heilige Genovesa, so Musik üben wie die heilige Cäcilie, massenhaft Kinder stillen, spinnen, weben, Andachtsbücher malen, sticken wie erlauchte Fürstinnen der Vorzeit; sie soll Verwundete pflegen wie eine berühmte Specialistin und Verse dichten wie Margarethe von Navarra oder die unglückliche Kaiserin-Königin Elisabeth. Wäre ich ein rumänischer Höfling, so würde ich es wahrscheinlich als meine ernste Pflicht betrachten, diese Aeußerungen der dichtenden Königin auswendig zu lernen und sie als die Kundgebung eines erleuchteten Geistes und eines hochgemuthen, tieffühlenden, begeisterten Herzens zu preisen. Ich weiß nicht, wie ich mit dieser Pflicht fertig würde; denn leicht ist sie nicht. So aber — ich habe nie Glück im Leben gehabt, bin also auch kein rumänischer Höfling worden — fühle ich mich nicht im mindesten beschwert, wenn ich gestehe, dass ich selten etwas Abgeschmackteres gelesen habe.- Der königliche Geist hat alles überdacht, und das kömgliche Herz hat Raum für ein Meer von Gefühlen! An demselben Tage, an welchem der königliche Geistesblitz die staunende Welt erleuchtete, beschäftigte eine andere Kundgebung die Oeffentlichkeit. Sie begann mit den Worten: „Ein Nothschrei von mehr als 200.000 in namenloses Unglück gerathenen Juden dringt aus Rumänien in die Welt hinaus/' Man hat die Bezeichnung „Fremdlinge" für sie erfunden, und unter diesem Rechtstitel hat man ihnen die bürgerlichen Rechte entzogen, den Zugang zu den Bildungs- und Unterrichtsanstalten verschlossen, den Erwerb unterbunden, die Fristung des armseligsten Lebens unmöglich gemacht. Tausende von Männern, die arbeitsfähig und willens zu arbeiten sind, müssen darben, hungern, und was noch schlimmer, noch grausamer ist, müssen Weib und Kind hungern, dahinsiechen sehen in Roth und Elend, und warum? Weil sie „Fremdlinge" sind, weil sie das Verbrechen begangen haben, von jüdischen und nicht von rumänischen Eltern abzustammen. Gewiss ein unverzeihliches Verbrechen und würdig der strengsten Strafe! Aber, königliche Dichterin, die Sie auch königliche Philosophin sind, ist Ihnen niemals der Gedanke aufgetaucht, Schlüsse nach Analogien zu ziehen? Wenn die ehernen Tafeln der Weltgeschichte recht berichten — und es ist das Vorrecht der Königinnen, dass diese Tafeln von ihnen berichten — dann stand ja auch Ihr Ahnenschloss und Ihre Wiege nicht auf dem geheiligten rumänischen Boden. Sie sind eine deutsche Fürstin, und auch Sie sind von Haus aus eine Fremde in Ihrem Königreich, und ein Fremder in diesem Sinne ist auch der König, Ihr erlauchter Gemahl. Und nun werden 200.000 Menschen dem furchtbaren Elende preisgegeben,bloß weil sie Fremde sind, und Ihre königliche Poesie und Ihre königliche