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Jüdisches Volksblatt · 1900-07-27 · 30 (27.7.1900) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
30 (27.7.1900)
Date
1900-07-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 27. Juli 1000 Seite 3 weder die Thatsachen im kindlichen Geiste rechte Gestalt, noch die abzuleitendcn Lehren die nöthige Klarheit zu gewinnen vermögen. Was die rechte Art des Erzählens betrifft, so ist jedenfalls die Bibel nach dieser Richtung ein unerreichtes Muster. Es verdient volle Beachtung für den Erzähler ihrer Geschichten, dass sie selbst auch nicht an einer Stelle eine Morallehre weder in den Zusammenhang einflicht, noch der Erzählung anhäugt. Nichtsdestoweniger weiß sie ihren doch unbestreitbaren Lehrzweck mit einer nie verfehlenden Sicherheit zu erreichen. Das gelingt ihr eben durch die Anwendung der einfachsten und jedesmal durchgreifenden Kunstmittel. Wesentlich kommt hierbei der Umstand in Betracht, dass sie es versteht, dem jedesmaligen Ereignisse gegenüber den richtigen Standpunkt zur Ausschau zur gewinnen. Von demselben lässt sich der ganze Schauplatz wie mit einem Schlage übersehen, und ans demselben erheben sich, indem nur die wesentlichen Züge mit scharfer Prägung hervorgekehrt werden, die Gestalten und Dinge in lebensvoller Greifbarkeit. Man betrachte von diesen Gesichtspunkten die biblischen Erzählungen von Josef, von Moses' Jugend und Berufung vom Kampfe mit Amalek, und es wird sich sofort zeigen, wie die biblische Darstellung durch die zweckmäßigste Anwendung der gedachten Kunstmittel die packendsten Wirkungen erzielt. Nun soll damit nicht behauptet werden, dass ein diesbezügliches Lernbuch einfach die Erzählungen in ihrer Urgestalt ans der Bibel herübernehmen solle. Das wäre durchaus zweckwidrig. Die Bibel ist in ihrer Uranlage kein Buch, bei dessen Abfassung ausschließlich päoagogische Zwecke maßgebend waren, noch viel weniger trägt sie der Fassungskraft der einzelnen Unterrichtsstufen Rechnung. Ihr steht vielmehr überall der religiöse Lehrzweck im Vordergründe des Interesses — alle übrigen Seiten ihrer vorbildlichen Vollkommenheit sind, man möchte fast sagen, nur unbewusste Ausstrahlungen ihres überreich sprudelnden Genius. Die biblische Geschichte kann aber nur von dem wirksam nacherzählt werden, der die künstlerische Eingebung, welche das Original befiehlt, lebhaft nacheinpfindeu kann. (Schluss folgt.) Chronik des Judeuthums. Inland. Wien. (Cultusgemeinde.) Der Präsident der Israelitischen Cultusgemeinde Herr kais. Rath Heinrich K l i n g e r hat einen nrehrwöchentlichen Erholungsurlaub angetreten. Die Leitung der Amtsgeschäfte hat für die Zeit der Abwesenheit des Präsidenten Herr Vicepräsident Dr. Gustav K o h n übernominen. Wien. (Z u r .Erinnerung a u S o.s e s .O v. p.e nheim.) Es sei mir gestattet, dem vor kurzem aus dem Leben Abberufenen auch in Ihrem geehrten Blatte diese pietätvollen Zeilen zu widmen. Als ich vor einer Reihe von Jahren meinen 70. Geburtstag begierig, da sagte mir mein Neffe, Herr Moriz Neuda (Mitglied der „N. Fr. Presse"), Herr Josef Oppenheim habe ihn ersucht, mir mitzutheileu, dass er noch iu seinem Eltcruhause ein eifriger Leser meiner damals erschienen „Sansinnim" war, aus denen er sogar manches Capitel auswendig wusste. Ein Beweis somit, dass dieser freisinnige Stilist in seiner Jugend auch jüdische Studien betrieben hatte. An Josef Oppenheim hatte sich überhaupt der bekannte jüdische Lehrspruch vollauf bestätigt: „Gebet acht aus die Kinder der Armen, von ihnen geht was Tüchtiges aus." Der Sohn eines armen jüdischen Lehrers in einer kleinen jüdischen Gemcinde Hessens — das eine Wort „ein jüdischer Lehrer" aus jener Zeit reicht hin, uni uns das traurige Bild einer Lebensstellung voll gedrückter Abhängigkeit und schwerster Nahrungssorgen vor die und da entstand ein solcher Scandal, dass er nicht nur sein Amt niederlegen, sondern die Stadt verlassen musste . . . Niemand wollte mit ihm weiter verkehren . . ." Und wieder standen alle rathlos und wussten nicht, was zu machen. „Meine Herren!" begann nun ein altes, angesehenes Mitglied der Gemeinde. „Ich will gegenwärtig nicht über diesen specielleu Fall sprechen, denn wenn dieser auch gütlich beigelegt würde, wer garantiert uns dafür, dass morgen oder übermorgen nicht schon wieder ein Streit zwischen zwei Baale batim entstehen, der gleichfalls eine Störung des Gottesdienstes zur Folge haben wird! . . . Wir müssen daher die Ursachen solcher Scenen suchen und diese beseitigen. Ich nehme keinen Anstand zu erklären, dass die Hauptschuld an diesen unangenehmen Vorkommnissen an unserem Rabbiner und an unseren Vorstehern liegt. Denn diese hätten dafür Sorge tragen sollen, dass ein jedes Mitglied unserer Gemeinde sich als ein Theil der ganzen Gemeinde fühle, dass er wisse, von seinem eigenen Interesse etwas zum Wähle der ganzen Gemeinde z» opfern und die Ehre der ganzen Gemeinde höher zu stellen, als manche Laune seines Egoismus; dass er wisse, dass der „Chilul Haschem" — die Entweihung unseres Namens, unseres traditionellen Stolzes und unserer geschichtlichen Ehre eine große Sünde ist, die ungemein schwer in die Wagschale fällt. Wir müssen trachten, vorher diesen Fehler gut zu machen, und dann werden solche Scenen und Hindernisse von selbst entfallen! Der Rabbiner hat die Aufgabe, diesen Gedanken Tag für Tag dem Volke zu predigen; unsere Vorsteher müssen diese Idee mit allen Mitteln, welche ihnen zngcbvte stehen, in die Gemeinde tragen, und wenn dieses verbreitet und zur Ueberzeugung aller Gemeindemitglieder geworden sein wird, dann werden wir auch keine Kalmens und keine Feibisch' haben . . „Was machen wir aber gegenwärtigV" „Gegenwärtig ist's freilich übel . . .!" * * Die Geschichte hat auch eine Moral. Sollte sie jemand nicht rrrathen, so wird ihn das österr. Parlament ans die Spur bringen. Seele zu führen — kam er in frühen Jünglingsjahren nach Wien, wo er anfänglich den harten Kampf ums Dasein in seiner vollen Herbheit anszukosten hatte, bis er durch seine hervorragende Begabung als seltener Meister der Feder sich nicht nur Namen und Stellung zu erringen wusste, sondern auch noch weit mehr. Denn sein unerwarteter Tod hatte in allen Gesellschaftskreisen dieser Millionenstadt, ja bis zu den höchsten und vornehmsten Kreisen hinauf, eine wie selten ehrende, hochachtende Theilnahme wachgernfen. Und gerade hierin liegt für uns alle ein hochwichtiges Moment: Wenn der Jude neben und mit seinem gewiss unleugbaren Talente, und auch mit und neben seiner großen Pflichttreue, auch noch das bescheidene, liebenswürdige, freisinnige Wesen verbindet, dann wird er, trotz aller Voreingenommenheit, sich die Sympathien und Herzen aller gewinnen! Dr. Adolf Schmicdl. Wie». (Excess gegen rumänische Auswanderer.) Eine Anzahl von in Wien eiikgetroffenell rumänischen Inden hat im Hanse II., Malzgasse Nr. 10, Unterkunft gesunden. Vorgestern mittags versammelten sich nun im Hofe des genannten Gebäudes die Auswanderer, um die ihnen von Wohlthätcrn gespendeten Portionen an Wurst und Brot entgegenznnehmen, als plötzlich aus den auf den Hof gehenden Fenstern des rückwärts befindlichen Hauses ein förmliches Steinbombardement ans die Leute eröffnet wurde. Große Aufregung bemächtigte sich aller, da sich unter den Attaqnierten auch Frauen und Kinder befanden. Manchen gelang es, unter dem Thore des Gebäudes Zuflucht zu finden, die übrigen liefen auf die Gasse. Hier wurden sie von Neugierigen und Theilnehmenden umringt, und es entstand eine große Menschenansammlung. Inzwischen begaben sich einige in der Nachbarschaft wohnende Männer in das Hans, von wo die Steinwürfe herkamen, mit der Absicht, .die Thäter zu eruieren und eventuell festzunehmen. Sie fanden jedoch die Gangsenster bereits unbesetzt. Auf ihre Anfragen nach den Urhebern des muthwilligen Streiches wollte ihnen niemand eine Auskunft erlhcilen. Als sie herunter kamen, fanden sie bereits die Wache damit beschäftigt, die Straße freizuhalten und die Menschenmenge zum Anseinandergehen zu bewegen. Die Auswanderer kehrten hierauf in den Hof zurück. Wien. (M i n i st e r p r ä si d e n t Carp.) Der neue rumänisch^^ Ministerpräsident Carp war in den Achzigerjahren eine Zeftlayg Gesandter.R»»mä»»»'er»s »u Wien; m seiner Heimat stand et füuher an der Spitze der auswärtigen Angelegenheiten in Rumänien/und sprach stets vor den Kammern in einem, namentlich Deutschland freundlicher Geiste. Interessant ist gerade jetzt seine Stellung zur I u d e n f r a g e. Er war Domänenminister unter C a t a r g i u, als in der rumänischen Depntiertenkammer im Februar 18!)3 ein neues Schulgesetz von der Regierung eingebracht ward. Als sich Stimmen zu nngunsten der Inden erhoben, deren Ausweisung aus den öffentlichen Schulen befürwortet ward, so berichtet die „N. F. Pr.", sprach Peter Carp von der Nelsierungsbank einen flammenden Protest gegen eine so unmenschliche Absicht. „Meine Herren," sagte er, „ich bin stolz darauf, dass £fh^n,.-z.7§7...lt,,^, ceiitntm sein, das nach außen Strahlen werfe; ich besitze den Stolz, zu glauben, dass wir auf dem Balkan das erste Volk seien, dass keines von den Nachbarsvölkern uns übertreffen darf, dass die Civilasation von uns zu ihnen, nicht aber von ihnen zu uns sich ausbreiten soll." Wie mm könne, meinte der Redner, Rumänien Anspruch erhaben, sich ein civilisiertes Land zu nennen, wenn es, statt sich durch Bildung für die Coneurrenz mit den Juden zu stärken, diesen die Pforten der Schule schließen wolle, um sie so auf gervaltthäligem -Wege zu Ignoranten zu machen? Und würden sich denn die Juden zu Unwissenden degradieren lassen? „Sie werden Schulen gründen, die besser sein werden, als die unseren. Denn der Verfolgte arbeitet mehr als jeder andere." Carp hatte damals nicht znm erstenmale der judenfeindlichen Stimmung entgegengearbeit. Er hatte es wiederholt früher gethan, einmal in einem Augenblicke sogar, als so leidenschaftliche Erregung im Lande herrschte, dass man dem edlen Anwalt der Menschlichkeit das Haus anzündeu und ihn selbst ermorden wollte. Die Vergangenheit des Ministerpräsidenten bürgt also wohl dafür, dass er auch jetzt Mittel und Wege finden wird, um das traurige Los der rumänischen Juden, die ja durch schwere Bedrückungen zur Massenauswanderung getrieben worden sind, zu erleichtern und erträglich zu gestalten. Prag. Am 21. d. M. constituierte sich hier der Verein zweier Generalredner, und es wurden die Herren Karpcles (Svcialdemokrat) und Kraus (czeckischnational) gewählt. Nach der formvolleudeteu Replik des Herrn Tr. Kadisch schilderte Herr Karpcles das Ziel des socialdemokratischeu Fachvereiucs. Herr Kraus that sehr gut daran, von den Zielen der czechischnakionalen Judenschaft nichts zu sprechen, sondern sich mit persönlichen Anwürfeu zu begnügen, Nach einigen „tbatsächlichen Berichtigungen" schloss der Vorsitzende die constituicrendü Versammlung. —• Eines ist uns klar: Das Geschrei unserer Gegner darf uns nie davon abschrecken, frei und offen unsere Ziele zu verfolgen. M.-Weißskirche». (S a m m l u it g. — W a h l e ir.) Unser hochgeschätzter Herr Cultnsvorsteher-Stellvertreter Herr S. Fischl veranstaltete eine Sammlung zngnnstcn unserer rumänischen Glaubensgenossen und erzielte den namhafkeu Betrag von 200 fl. Am 18. d. M. fanden die Gemeinde- Wahlen statt, und erzielten folgende Herren die Majorität: 3. Wahlkörper: Dr. I. Rein, S. Schlesinger, A. Adler; 2. W a h l k ö r p e r : G. Stroß, S. Fischl, S. Kober; 1. W a l) U körper: F. Rindl, M. Vogel, A. Riesenfeld. Am 20. Juli fand die Bürgermeister- und die Gemeinderathswahl statt. Pisek. (Z um P r o c e s s e H i l s u e r.) Am 7. d. M. fand in Polna ein Localangenschein des Piseker Gerichtes unter Zuziehung zweier Gerichtsärzte statt, welche der Ueberprüsnng der Aussage des Zeugen Peschak galt. Mit dieser Besichtigung des Thatortes ist nunmehr auch die neue Untersuchung gegen Leopold Hilsner formell zu Ende, und das gesummte Material wurde an die Prager Ober-Staatsanwaltschaft gesendet, wo iu erster Linie entschieden werden wird, ob gegen Leopold Hilsuer auch die Anklage wegen Ermordung der Marie K l i m a, deren Leiche bekanntlich im Juli 1808 in der Nähe von Polna aufgefunden wurde, erhoben werden wird. Die Eltern der Klima wurden veranlasst, für diese Eventualität in der Person des Dr. Vewny aus Prag einen zweiten Privatvertreter neben Dr. Baxa zu bestellen. Hilsner wird in dem zweiten Prvcesse, der anfangs November für vierzehn Tage in Aussicht ger'vmmen ist, von Dr. Auredniczek und dem Piseker Advocaten Dr. Bodicka vertreten sein. Budapest. (Z u r I u d e n a u s w a n d e r u n g.) Wie der „Corr. Hung." aus Jassy und aus Galatz berichtet wird, sind die Präfeeten der von der Auswanderung besonders stark heimgesnchten Districte bemüht, unter den Emigranten Unterschriften für eine „Erklärung" zn sammeln, dass sie nur aus Noch und nicht wegen Verfolgungen das Land verlassen. Die meisten derselben verweigern diese Unterschrift, aber selbst wenn cs durch Pression gelingen sollte, einige Hunderte solcher Unterschriften zusammenzubringen, wird Europa wissen, was es davon zu halten hat. Einer dieser antisemitischen Präfeeten hatte sogar die in ihrer Art gar nicht üble, ironische Idee, dem Auswanderungs-Comrts seines Bezirkes nahezuleaen, dass die Anden.ja aar nickt auszuwcuweu» brauchen,' 'sie Unterstützungsgelder ein großes rumänisches Staatsgut ankaufen und dasselbe colonisieren. Das wäre freilich die beste Art, noch ein schönes Siück Geld aus den Juden herauszuschlagen, sie selbst könnte man ja dann nach bekanntem Muster loswerden, indem man, wie das notorisch von einigen Präfeeten gethan wurde, das fauatisierte Bauernvolk gegen sie aufheht und sie der Plünderung und Misshandlung durch dasselbe preisgibt. Budapest. (R u m än isch e 9t uswanderer.) Es wird lustig darauf ausgetrieben. Die Inden ans Rumänien nämlich. Heure sind neuerdings zwei Gruppen israelitischer Vertriebener ans Ruinänien in Budapest angekornmen. 216 Personen kamen am Ostbahrrhofe an, und 186 'Auswanderer langten mit_ dein Orsovaer Schiffe hier an; unter den letzteren befanden sich 40 jüdischer Handels-Angestellter in Prag. Nach kurzer Auseinander- Getränke; wohlchätige Me> setzung des Programmes von Seiten des College» Fischl versähe»! die Auswanderer wurde die Wahl vorgeuommen. Gleich darauf ertheilte der Wahrend a er auf unt -o Vorsitzende dem Herrn Dr. H. Kadisch, der sich in arifopfernder Weise dem Vereine zur Verfügung gestellt hatte, das Wort zn seinem Referate. In gewohnt treffender Weise schilderte Redner die Stellung der Juden imcerhalb der nationalen Parteien, das Anbiedern an feindliche Fractionen und besprach die Stellung der Inden innerhalb der Socialdemokratie, respective die Stellung drr Socialdemokratie zn den Inden und zur Jndenfrage. Er bewies aus den bestehenden unhaltbaren Verhältnissen die Nothwendigkeit einer modern national-soeialen Organisation der Juden, insbesondere der jüdischen Arbeiter und Handelsangestellten und besprach die Ziele der Einzelorganisationen und des Verbandes. Seine Ausführungen fanden bei den Zuhörern verdienten Beifall. Dass diejenige»», die hinkame», um nicht zu hören, sich selbst Hörer» wollten und auch hören ließen, ist eine so häufig wiederkehrende Erscheinung, dass man mit ruhigem Gewissen sagen kam», die Socialdemokraten üben mehr die Lärmfreiheit, als die Redefreiheit. Die Taktik der Prager internationalen Berufsgenossen ist von der unangreifbaren These beseelt: „Eine Kritik des Marxismus ist und bleibt etwas Unerhörtes", und so wird der sachliche Kritiker nicht rede»» »md der ruhige Zuhörer nicht hören gelassen. Aber es »st doch nicht gelungen. Gegen einen so geübten Redner, wie es Dr. Kadis ch ist, kam selbst eine Majorität von Kehlen nicht ans, und so ist die Kritik der Socialdemokratie zwar nicht unerhört geblieben — aber unbeantwortet. Als Wortführer der Socialdemokraten befliss sich Herr Fried mann, den socialdemokratischeu Fachverein als ein Uiliversalmittel für die Leiden der Gehilfenschaft anzupreisen; auf des Referenten scharf präeisierte Fragen bezüglich der Socialdemokraten „unterließ" er es, zn antivorten. fälle ihnen fortsetz.... .... ..... . . ... beschriebenen Banen. Die Ermittierten der Pester »fraelllischeu Cultusgemeinde verabreichte»» bei» Auswanderern Speise uut> Menschen eilten scharenweise herbei und mit Wegzehrung für die Weiterreise. ..ährend aber auf dein Bahnhöfe Seckionschef Lachnik u»»d die StationSbeainten in wahrhaft lobensunb anerkennenswerter Weise bemüht »vareu, den AuSrvanderern und ihren Gastsreunden jede »nögtiche Erleichterung zu verschaffen, und selbst bei der Speisrcng der halbverhungerten Ausrvanderer behilflich »varen, befleißigte»» sich die untergeordneter» Organe der Schisfsbemannnng und die Poltzeiorgane des Haftncapikanars eü»er ganz außerge»vöh>»lichen Schroffheit. Anstand. Berlin. (Das jüdische Proletariat in Galizien). Der „Vorwärts" schreibt: Das jüdische Proletariat in Galizien leidet unter einer Ausbe»»t»»ng so»»dergleichen. So wird zuletzt ans Kolo m y j a, einer galizischen Stadt mit überwiegend jüdischer Arbeiterbevölkerung, gemeldet, dass die S ch w e f e l h ö l z e »fabrik „Gebrüder Lipschütz" ohne Rücksicht ans die gesetzlichen Bestimmungen selbst 10jährige Kinder beschäftigt. Die Arbeitszeit beträgt 14 bis 10 Stmrden täglich. Der Höchstlohn für männliche Arbeiter ist M. 0.80, für weibliche M. 3.40 wöchentlich. Die Fabrik hat weder Speise-, noch Waschnoch Ankleideränme! Die Aermsten müssen selbst ihre Mahlzeiten in den Arbeitsränme»», die von giftigen Dünsten erfüllt sirrd, einnehrnen. Dazu sind diese Räuiue Pesthöhlen ärgster Art. — Die Folgen dieser verbrecherischen Ausbeulung sind nur zu deutlich zu sehen. Die Arbeiter sehen wie Leichen aus. Die Kinder laufen mit ganz verzerrten Gesichtszügen herum. Es vergehen keine paar Tage, ohne dass eine ärztliche Operation nothwendig wäre. Einzelnen fließt der Eirer aus Mund, Nase und Ohren. Fabriksinspecloren, »velche derartige, jeden» »nenschlichen Gedanken spottende Zustände dulden, sind wert, neben dem Ausbeuter ins Znchrhans zu »vandern. Berlin. (R n m ü n i s ch e A «wandere r.) Etwa 105 jüdische junge Leute tarnen kürzlich auf der Reise nach Da in vorgerückter Stunde, nachdem noch die Herren Le ben-!Hamburg und von .dort nach Canada auf dem ßBaynhofe in hart und W e r t h e i in e r gesprochen hatten, eine lange 3t»» h l e b e n an und wurden dort aufs Beste verpflegt. Unter Reihe von Redner» vorgemerkt war, schritt man z»»r Wahl' den Leuten waren 152 Soldaten, zumeist aus Jassy, die den

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