Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 29 (20.7.1900)
- Date
- 1900-07-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 20. Juli 1900 Nr. 29 verlassen; ohne Aufenthalt musste sie fort nach Wien, von wo wohlthätige Leute für ihre Weiterreise nach Canada sorgen werden. Mit ein wenig Mitgefühl hätte inan dem armen Kinde das Leben retten und der Mutter die Herzeuspein ersparen können, ihr Kind an ihrer Brust Hungers st e r b e n zu sehen. Krakau. (D er „Czas" und die jüdische Realpolitik.) In der Nummer vom 11. d. M. bringt der „Czas" eine lange Erörterung über Dr. Rosen m a n n s Broschüre „Jüdische Realpolitik". Das Stanczyken-Organ, dessen verschmitzte Judenpolitik wir in diesem Blatte bereits einmal charakterisiert haben, führt folgende Gründe an, welche ihm die Wiedergabe des Inhaltes der Broschüre als gerechtfertigt erscheinen ließen: „Erstens enthält die Broschüre interessante und im allgemeinen wenig bekannte Thatsachen. Zweitens öffnet sie die Augen auf vielfache Mängel und Nöthen, welche der indischen Frage anhaften; endlich ist das eine nüchterne und gewiss leidenschaftslose Stimme, und solcher Stimmen sind nicht viele zu verzeichnen in Zeiten des stetig wachsenden Antisemitismus" .... Nicht wahr, man möchte sich laben und erquicken an dem verständnisvoll aufrichtigen Tone dieses Proemiums. Das ist eben eine jener „objectiven Betrachtungen", welche der „Czas" von Zeit zu Zeit über die Judenfrage anstellt, um die inzwischen losgelassenen, gehässigsten Judenartikel zu bemänteln und unsere wackeren Assimilanten, welche den „Czas" stark abonnieren, in der Ueberzeugung zu bekräftigen, dass der „Czas" noch immer das „anständigste" Blatt von Galizien ist. Mit classischer Objectivität reproduciert also der „Czas" Dr. Rosen manns Broschüre und ebenso würdevoll gelangt er zu nachstehenden Schlussfolgerungen: „Man sieht, der Verfasser sucht unparteiisch und gerecht zu sein. Das von ihm befürwortete Auskunftsmittel, die Schaffung einer politischen Partei, könnte nur eventuell begründet erscheinen, sofern sich nämlich diese Partei einzig und ausschließlich auf die Durchsetzung gewisser strenge bestimmter Postulate einschränken sollte. Sie müsste hingegen jede Daseinsberechtigung verlieren, falls sie eine allgemein-jüdische, umfassende Organisation werden wollte, was auch der Verfasser, sowill es scheinen, nicht bezweckt hat.... Eine besondere, jüdische N a ti o n a l p a r t e i wäre durchaus gefährlich. Die Juden befinden sich in einer exceptionellen Lage und keine Schablone vermag diese Lage zu ändern" . . . Der Artikelschreiber findet in der besagten Broschüre den Gedanken der socialen Erziehung der Juden als am meisten beherzigenswert, aber auch nur in einem gewissen, speciellen Sinne. Die fanatischen Bekenner Moses' sollen nicht mehr am lichten Tage, um ihre Rache zu kühlen, über die Neubekehrten herfallen oder ähnliche Greuel sich zuschulden kommen lassen... (z. B. Eindringen in die Klöster und dergleichen). Man darf sich keiner Täuschung darüber hingeben, was der famose Jesuiten-„Czas" von den Juden erwartet. Die Juden können eine Partei gründen, nur darf sie keine allgemeine und keine nationale sein, höchstens für gewisse, einzelne Postulate, auf deren Durchführbarkeit nicht weiter eingegangen wird. Der vornehmlichste Zweck dieser Partei aber bestünde dem „Czas" zufolge darin, dass den Juden eine „gute Erziehung" beigebracht werde, damit sie lernen, schön ruhig zu sitzen und sich nicht um Dinge zu kümmern, welche sie — angehen . . . Vom Standpunkte Dr. R o s e n m a n n s, sofern er ein ganzer Nationaljude ist, darf es vielleicht aufrichtig bedauert werden, dass seine Broschüre mit ihrer nüchternen Objectivität nicht auch den nöthigen, unzweideutigen Radicalismus in der jüdischen Sache verbindet, um sich nicht den gewiss ganz falschen Auslegungen und dem zweifelhaften Lobe eines „Czas" ausznsetzen. I)r. A. L. Ausland. Berlin. (Theate r.) Von der orientalischen Operetten- Gesellschaft wird im Thalia-Theater am Sonnabend die Operette „S u l a m r t fj* von Goldfaden zum erstenmale aufgeführt. Berlin. (Das Grab Heines.) Der Verein zur Förderung der Kunst hat durch seinen in Paris weilenden Vorsitzenden ein Palmen-Arrangement am Grabe Heines niederlegen lassen. Berlin. Gegen die katholische „Germania" ist wegen zweier Artikel über den Konitzer Mord der Strafantrag gestellt worden. — In der Redaction der „Staatsbürger-Zeitung" fand eine Hausdurchsuchung statt. Es handelte sich um die Beschlagnahme sämmtlicher Manuscripte und Briefe in der Konitzer- Affaire. Berlin. („I ch muss durchaus einer: In den verhauen.") Für einen Mann in seinen Jahren und in seiner Stellung hätte der Kaufmann B. sich auch anders benehmen müssen. Die Nacht zum 4. März d. I. war für ihn eine lustige gewesen. Am folgenden Vormittage halte er sich dann mit einem befreundeten Ehepaare nach dem Caf6 Friedrichshof begeben und dort in der Weinabtheilung weitergezecht. Als die Gesellschaft in der Mittagsstunde die Friedrichstraße betrat, wurde B. Plötzlich von einer Art Berserkerwuth ergriffen. Er äußerte zu seinen Begleitern: „Ich muss durchaus einen Juden verhauen!" Es giengen gleich darauf zwei Herren vorüber, die B. für Juden hielt, ein großer, kräftig und ein kleiner, schwächlich aussehender Herr. B. eilte ihnen nach und rempelte den einen heftig an. Den schwächlich aussehenden. Dieser, der Kaufmann H. wollte sich die Anrenipelnug nicht ruhig gefallen lassen, er stellte den Angreifer zur Siebe, der ihn wiederholt mit den Fäusten gegen die Brust stieß und anstatt der geforderten Entschuloignng die Aenßerung that: „Ich habe mir schon längst vorgeuommen, einem Inden in die Fr... . zu Hanen!" Es kani ein Schutzmann hinzu. Jeder der Streitenden verlangte die Feststellung des anderen. Um unliebsames Aufsehen auf der Straße zu vermeiden, begab der Schutznlann sich mit den Parteien und einigen Zeugen nach dem Flur des zunächstliegenden Hauses. Während der Beamte seine Aufzeichnungen machte, stand H. vor, B. hinter ihm. Plötzlich und ohne jede Veranlassung versetzte B. dem H. über die Schulter des Schutzmannes hinweg einen wuchtigen Schlag ins linke Auge. Dann ergriff er tapfer die Flucht, indem er die Haustreppe hinaufeilte. Der Schntzmann holte ihn aber ein und brachte ihn zur Wache. H. begnügte sich damit, den Angreifer im Wege der Privatklage zu belangen. Das Schöffengericht kennzeichnete die Handlungsweise des Beklagten gebärend, indem es ihn wegen der Körperverletzung zu zwei Monaten Gefängnis, wegen der Beleidigung zu 100 Mark G e l d st r a f e verurtheilte. Gestern fand vor der achten Strafkammer des Landgerichtes I Termin in der Berufungsinstanz an. Dem Beklagten stand Rechtsanwalt Dr. Werthauer als Vertheidiger zur Seite. Die Vergleichsvorschläge des Vorsitzenden, Landgerichtsrathes Reinecke, fielen auf einen fruchtbaren Boden. Der Kläger war bereit, die Klage zurückzuziehen, wenn der Beklagte sein Bedauern über das Geschehene aussprechen, sämmtliche Kosten übernehmen und einer jüdischen Wohlfahrtsei nrichtung 3 0 0 Mark zuw enden wolle. Der Beklagte gieng darauf ein, und somit war die Sache ans der Welt geschafft. Berlin. (Aus dem Jahre 1803). In Sachen des sogenannten „R i t u a l m o r d e s" bringen wir folgendes R e s c r i p t zur allgemeinen Kenntniss: „Es ist der Unterzeichneten Landespolizeistelle zur Kenntnis gelommen, dass zwischen den christlichen Unterthanen und jüdischen Eingesessenen in Uhlstadt und Suggenheim im Neustädter Kreise (jetzr Bezirksamt Scheinfeld) dadurch Misshelligkeiten entstanden sind, dass man die Gedanken gefasst, es sei der im letzt abgewichenen Monat März vermisst und nach einigen Tagen auf einem Acker todt aufgefundene zweijährige Sohn des von Frankensteinischen Pächters Mathäus Makel auf dem Buchhof ohneweit Uhlstadt von Juden behufs der Feier ihres Osterfestes ermordet worden. Je thörichter dieses läng st widerlegteVorurtheil einer intoleranten Vorzeit schon an sich ist, und so wenig dessen Fortpflanzung dem gegenwärtigen helleren Zeitalter zur Ehre gereicht, desto weniger hätte man in dem vorliegenden Falle, wo durch eine gerichtliche Untersuchung des Kindes die Ueberzeugung gegeben wurde, dass dasselbe auf dem Felde erfroren ist, erwarten sollen, dass jemand auf solche unvernünftige Bermuthung verfallen und sich in solcher so weit verlieren und zu solchen Ausschweifungen verleiten lassen könne, wodurch sogar die öffentliche persönliche Sicherheit der jüdischen Bewohner jener Gegend in Gefahr zu kommen scheint. Es kann diese veranlasste Ruhestörung wohl nur das Werk einzelner boshafter Menschen sein, die, vom Hass gegen einzelne jüdische Glaubensgenossen angetrieben, Rache üben und dazu andere leichtgläubige Menschen missbrauchen und irreführen wollen, ohne zu überlegen, welches Ungemach sie sich selbst und anderen dadurch bereiten. Die Ausmittelung dieser Ruhestörer wird indessen der Polizei vereinigt mit den Justizbehörden nach den bereits gegen sie vorliegenden Anzeigen nicht schwer, und es wird eines jeden Theilnahme an der Sache nach dem Grade seines Verschuldens mit aller Strenge der Gesetze geahndet werden, welche Strafen umso empfindlicher werden muffen, als dabei Vergehungen auf Vergehungen gehäuft worden sind. Indem dieses hierdurch zu jedermanns Wissenschaft öffentlich bekannt gemacht und zugleich jeder dortige christliche Einwohner ernstlich gewarnt wird, sich nichtdiemrnde st e^n weiteren Kränkungen gegen die jüdischen Eingesessenen zu erlauben; so verhofft die königliche Kriegs- und Domänenkammer, dass di-ser Warnung Gehör gegeben und durch ein entgegengesetztes Benehmen, welches überdies eine Widersetzlichkeit gegen obrigkeitliche Verfügungen bezeichnen nndsden Grad der Strafbarkeit erhöhen würde, nicht die Nothwendigkeit werde veranlasst ^werden, dass die den Unterbehörden des.Kreises wegen ihres weiteren Verfahrens gegebenen ersten Instructionen zum Vollzug gebracht werden müssen. Dieses von dem „Schweinfurter Tageblatt" mitgetheilte Rescripl stammt nicht etwa aus dem Jahre 1900, sondern hat folgendUnterschrift: „Gegeben Bayreuth, den 25. April 1803. Königlich preußische Kriegs- und D o m ä n e n k a m m e r." Ein längst widerlegtes Vorurtheil einer intoleranten Vorzeit" nennt die preußische Behörde vor 100 Jahren das Märchen v o m j ü d i s ch e n R i t u a l m o r d. Man sieht, es ist alles schon dagewesen. Frankfurt. (Heinrich Heine und der Wiener Stadtrath.) Wie man im Auslände über Heine denkt, geht aus einem Schreiben hervor, das der Dichter Björnstjerne Björn so n an die „Frankfurter Zeitung" richtet. Es heißt in demselben: „Wieder sehe ich einen neuen Beweis für deu Undank der Deutschen gegen ihren großen Lyriker, den eigenthümlichsten von allen. Außerhalb Deutschlands gibt es kaum einen literarisch gebildeten Mann, der nicht über die Blindheit empört ist, mit der mau den großen Mann ans seinen wenig glücklichen Berhältnisseu, aus seiner Zeit und ihrer Denkart hinausrückt, um ihn dann zu verurtheilen und zu verdammen. Coblenz. Infolge telegraphischer Aufforderung des Mainzer Rabbiners sind bis gestern in drei Abtheiluugen die armen heimatlosen Rumänen mit Speise und Geld reichlich versorgt worden. In lauten Worten drückten sie bei ihrer Abfahrt ihren Dank aus. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Raphael L ö b, der eben erst von schwerer Krankheit erstanden ist, ließ es sich nicht nehmen, an die Spitze mehrerer Wohlthäter sich zu stellen und diese Menschenpflicht zu üben. Hamburg. (Ein antisemitischer Curort.) Dreiundfüiifzig hiesige Aerzte haben an die Cnrverwaltung des Seebades Borkum nachstehendes Schreiben gerichtet: „Vor kurzem sandten Sie an hiesige Aerzte und so auch an fast alle Unterzeichneten eine Mittheilung über die in Ihrem Curorte gemachten Neueinrichtungen, offenbar in der Absicht, dass wir Ihr Bad empfehlen sollen. Wir sehen nns dem gegenüber zu der Erklärung veranlasst, dass wir Borkum als Curort nicht bloß nicht empfehlen, sondern vielmehr unseren Clienten, sowie allen unserem Einflüsse zugänglichen Personen dringend abrathen werden, einen Curort wie Borkum zu besuchen, wo antisemitische Roheiten, die auch jeden anständigen Christen anwiderrl müssen, nach Inhalt vielfacher, bisher unwidersprochen gebliebener Zeitungsberichte bis in die jüngste Zeit vorgekommen sind. Da die Badeverwältung sich nicht veranlasst gesehen hat, in irgendeiner Weise dagegen einzuschreiten, so darf aus dieser Thatsache geschlossen werden, dass die oben bezeichneten Ausschreitungen mit Billigung der Badeverwaltung geschehen." Würzburg. (Die E m i g r a n t e n.) Gestern abends zog wieder eine Gruppe von 170 rumänischen Emigranten hier durch. Dieselben wurden wieder reichlich mit Speise und Trank von dem hiesigen Hilfscomitä versehen. Eine große Menge älterer und jüngerer Damen und Herren aus hiesiger Gemeinde, darunter Herr Rabbiner B a m b e r g e r, und Mitglieder der Cnltusverwaltung hatten sich an den Bahnhof begeben, um die Ankommenden zu begrüßen und bei der Vertheilung von Lebensmitteln an dieselben behilflich zu fein. Wiederum zeigte sich die warme Theilnahme an dem Unglücke dieser Leute und bewährte sich das jüdische Mitgefühl in schönstem Lichte. Nach fast einstündigem Aufenthalte setzte sich der Zug unter dem Danke und Hochrufen auf den Landesfürsten und die hiesige Gemeinde von den Scheidenden und den Glückwünschen der Zurückgebliebenen in Bewegung. Das Reiseziel war Mainz, Rotterdam, Canada. Rustschuk. (I u d e n a u s w a n d e r n n g e n.) In der vorigen Woche ist in Rustschuk der Dampfer „Ferdinand Max" eingetroffen, welcher die dritte Gruppe der jüdischen Auswanderer aus Rumänien führte. Diese aus 115 Familien bestehende Gruppe beabsichtigt, sich in Mexiko niederzulassen.Am Rustschuker Landungsplatz« hielt einer der Auswanderer eine Rede in rumänischer Sprache, die auf die Anwesenden einen gewaltigen Eindruck »nachte. Unter Hurrahrufen setzten die Emigranten dann ihre Reise fort. London. Der Vorstand der „Anglo Jewish Association" hielt am 21. Juni unter dem Vorsitze El. Montefiore eine außerordentliche Sitzung ab, um die Lage der Juden in Bessarabien, Galizien und Rumänien zu besprechen. Es wurde eine von der am 31. Mai eingesetzten Subeommifsion vorgeschlagene Resolution angenommen, in welcher erklärt wird, die Gesellschaft schließe sich dem seinerzeit von der Alliance zugunsten unserer östlichen Glaubensgenossen veröffentlichten Aufrufe an. Die rumänische Ministerkrise. Bukarest, 18. Juli 1900. Der mit der Bildung des neuen Cabinets betraute Ca rp wurde heute vom König C a r o l empfangen. Der „Ageuce Roumain" zufolge soll die Constituierung des neuen Cabinets bis Freitag perfect und folgendermaßen zusammengesetzt sein : C a r p, Präsidium und Finanzen; O l an e s c o, Inneres; Marghiloma n, Aeußeres; Major e s c o, Justiz; N. F i l i p e s c o, Handel und Domänen; C. A r i o n, Cultus. Kriegsmimster General Lahovary und Arbeitenminister Gradisteano behalten ihre Portefeuilles. Auswanderer-Lied. (Aus d e m I a r g o n.) Du hast uns verstoßen, Romania, Verachtet, wir waren verlassen, Kein Recht, keine Arbeit fanden wir da, Im Elend lagen die Massen. Und Hunger thut weh, Mutter, weine nicht, Wenn das Wort auch dem Greise versieget; Wenn der Säugling weint, wenn das Herz auch bricht. Wir haben Rumänien geliebet. Hinaus, hinaus, uns hält es nicht mehr, Hinaus in die ferneren Lande; Hinaus, denn das Elend drückt nns zu sehr, Mit Gott sei verknüpft unsere Bande. Und unsere Brüder in Aschkenas (Deutschland), Sie lassen uns nicht verderben, Sie stillen den Hunger, sie geben Geld Und werden den Himmel erwerben. D'rum zieh'n vergnügt wir in die Welt Und danken den Stammesbrüdern, Hoch über uns im Himmelszelt Gott gibt uns die Kraft und die Lieder. Das grüne Gras, es gibt uns Gelag, Ani Himmel leuchten die Sterne. Nach dunkler Nacht, cs wird wieder Tag, Die Lieben, sie winken von Ferne. Und was unsere Brüder für uns gethan, Wir wollen es niemals vergessen, Gedenken, wenn glücklich unsere Bahn, Dass wir einst im Golns (Exil) gesessen. Gustav Wolfs. Dem Juden keine Satissättion! (Aus der» G e r i ch t s s a a l e.) In der vergangenen Woche fand vor dem Bezirksgerichte Währing eine Verhandlung statt, über deren Verlauf die sogenannten liberalen Blätter eigentlich hätten berichten m ü s s e n. Merkwürdigerweise hat man aber nichts davon gelesen, bis nach zwei Tagen das „Deutsche Volksblatt" im Mvrgenblatte eine kurze und ziemlich unklare Notiz brachte, in welcher gesagt wurde, dass ein christlicher Arzt einem jüdischen Beamten Satisfaction verweigerte und dann wegen Ehrenbeleidigung zu 20 Kronen Geldstrafe vernrtheilt wurde. Nu» erst sah sich die „Neue Freie Presse", welche den Bericht schon vorräthig haben musste, veranlasst, davon Kenntnis zu nehmen, und im Abendblatte erschien ein ausführlicher Bericht, so dass man sich förmlich wundern musste, dass die anderen zwölf Wiener Tagesblätter von dieser „wichtigen" Verhandlung nichts erwähnten oder erwähnen wollten. Hatte denn die Correspondenz Wilhelm, Pappenheim oder Bondi davon keine Kenntnis, oder wurde die Sache mit Rücksicht ans das Jnseratenconto „Fango-Heila n st a l t" todtgeschwiegen ...? Die Ehrenbeleidigungsklage hatte folgendes Vorspiel: Der Versichernngsbeamte Otto Hilfreich lernte in der PötzleinRwrfer Allee die Familie des Bezirksrathes Strobl kennen; die jungen Leute befreundeten sich miteinander, mit dein Bücherleihen begann's, und es wurde ein unschuldiger