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Jüdisches Volksblatt · 1900-07-20 · 29 (20.7.1900) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
29 (20.7.1900)
Date
1900-07-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 20. Juli 1900 Seite 3 Studenten Bonns zu dieser Erklärung ermächtigt sei, und bedaure die Bildung eines Vereines jüdischer Studenten in München, da dieser das friedliche Zusammenleben mit den deutschen Staatsbürgern christlicher Confession zu gefährden drohe. Wie es mit diesem bestellt ist, kann der Herr ans obigem Berichte ersehen. Dass aber Stintmen, wie diese, verstummen, dafür wird auch in Deutschland das erwachende Nationaljndenthnm sorgen. Chronik des Judenthums. Inland. Wien. (Aus der P le n arsi tz un g des Cultnsv o r st a n d e s vom I 2. I u fi 1000 unter b c tu Vorsitze des Präsidenten Herrn k a i s. Rath H. K l i n g e r. B e g i n n d e r S i 13 it n g u m 5 U h r n a ch m i l t a g s.) Vor Uebergcmg zur Tagesordnung widmet der Präsident dem jüngst verstorbenen einstigen Vorstnttdsmitgliede und ehemaligen Vicepräsidenten der Cultusgemeinde Herrn Jacob B r a n d e i s einen wartiren Nachruf. Der Präsident gedenkt der mustergiltigen Thätigkeit des Veretvigten im Vorstande, dettr er durch mehr als drei Jahrzehnte angehörte, wie auch im Bethausvorstande, in welchem er länger als ein halbes Jahrhundert schaffensfreudig wirkte, hebt die seltene Pflichttreue des Verblichenen in diesen Stellungen, sowie in seiner Eigenschaft als Leiter mehrerer Humanitätsvereine, rnsbesondere der „Chewra Kadischa", hervor, betont seine ausgezeichneten Herzenseigettschaftett, sein coneiliantes Wesen und schließt mit den Worten, dass sich Jacob B r a n d e i s durch sein öffentliches Wirken ein dauerndes Andenken in der Gemeinde gesichert habe. Die Versammlung, welche den Nachruf stehend anhörte, stintmt zu, dass diese Trauerkundgebung dem Protokolle einverleibt tverde. Kais. Rath Hirsch referiert namens der IV. Section über die Vertvenduttg des der Cultnsgemeinde zur freien Verfügung vermachten Legates der veretvigten Baronin H ir sch, welches nach Abzug der sowohl für Oesterreich, als auch für Frankreich zu bezahlenden namhaften Erbschaftssteuer nunmehr an der Caffa erlegt wurde. Angesichts des Umstaitdes, dass die für den Batt des Siechetthauses eingeleiteten Santmlungen bisher die erforderliche Bausumme lange nicht erreichen, beantragt die Finanzseetion, dieses Legat diesem dringlichen Zwecke zuznwenden, tvobei jedoch allerdings darauf hingewieseu werden muss, dass auch damit die Bausnmme nicht gedeckt erscheine, und die Erwartung ausgesprochen tvird, dass jene Gemeittdemitglieder, tvelche sich bisher an den Sammlungen nicht betheiligt haben, zur Errichtung und Erhaltung dieser unabweislich nothwendig gewordenen Institution freiwillige Beiträge leisten tverdett. Svhitt wird die von der Finanzseetion beantragte Verwendung des Legates genehtnigt. Vertreter Baurath S t i a ß n y berichtet über die nothwendige Vornahnte von Adaptierungen im Spitale der israelitischen Eultusgemeinde. Hierzu gehören in erster Linie die Herstellung einer Eentralheiznng für sämmtliche Krankenzimmer, Corridore, Stiegenhäuser, Elosets mtb Badezimmer, und im Zusammenhänge damit Ergänzungen an den Lüftungsvorrichtungen; ferner die Umgestaltung der Warmwasferanlage, der Nutztvnfferleitung, endlich Ersatz der bisherigen Datnpfküche durch eitte nenanzulegende Gaskiiche. An diese Arbeiten schließen sich attdere bauliche Herstellungen an, welche vorgenommen werden müssen, utn die Einrichtnngen des alten Spitales mit jenett des neuen Spitalpavillons, welcher einer hochherzigetl Widmung der Baronin Rothschild sein Entstehen verdankt, gleichtvertig zu machen. Hierzu zählen: Die Herstellung von Personen- und Lastenauszügen und der Ersatz der Gasbeleuchtung durch eine solche mit elektrischetn Lichte in aüeu Räumen. Im Anschlüsse hieran stehen Bauausschreibungen, tvelche über bereits ertheilten oder demnächst zu ertheilenden Auftrag der Behörde nothwendig tverdett, ferner Arbeiten, deren Herstellung aus Rücksichten der Salubrität und Hygiene dringend gebotet! erscheint. Der als Experte anivesende Pritnarius des Spitales, 9ieg.- Rath Pros. Dr. O s e r, setzt in überzeugender Wetse die Nothwsndigkeit der im Vorstehenden angeregten Adaptierungen auseinander. Nach einer diesbetresfend durchgesührten eingehenden Debatte, an tvelcher sich der Vorsitzende, sowie Vicepräsidettt Doctor K 0 h n und die Herren Vorstandsmitglieder Reg.-Rath Doctor Sieger, Baurath von G 0 l d s ch tu i d t, Dr. Adolf Stein, Dr. Spitzer und Dr. G r ü n f el d betheiligen, wird das vorgelegre Bauprogramm einhellig genehmigt und beschlossen, dass die Detailprvjecte einzelweise unter Vorlage der Pläne und der Detail-Koftenvoranschläge der 111. Section und dem Plettutn, in dringenden Fällen dem Vertreter-Collegium vorzulegen sind und die Durchführung der Arbeiten im Wege von Offertverhandlungen zu erfolgen habe. Die nachfolgend verzeichneten Stiftungen gelangen im Sinne der Sectionsantrüge zur Verleihung: Die Marie Dafftnger'sche Armenstiftnng im Zinsenbetrage voll zusammen 168 Kr. an vier Arme. Die Sigmund Edler von Wertheimstein'sche Verwandtenstiftung im Zinsenbetrage von 520 Kronen an sechs Personen. Die Elise Herz'sche Ansstatttulgsstiftung int Betrage von 840 Kr. an eine arme Brant. Die Rosa Adler-Alschech-Stiftnng per 30 Kr. an eine arme Witwe. Die Jacob, Josef und Fanny Schnabel'sche Wohlthätigkeitsstiftnng im Betrage von 420 Kr. an 25 Personen. Die Nathan und Jda Figdor'sche Widmung per 16 Kr. an eine Wöchnerin. Die Dr. Entannel Bunzl'sche Stiftung im Betrage von je 30 Kr. an fünf blinde Personen. Die Benedict Karplus'sche Stiftung per 100 Kr. an zwei würdige Gewerbeschüler. Die Albert Gansl'sche Wohlthätigkeitsstiftung im Betrage von zusammen 256 Kr. an 15 Petenten. Die Clara Kahane'sche Ausstattungsstiftung an drei arme Bräute, und zwar an zwei im Betrage von je 420 Kr. und an eine im Betrage von 410 Kr. Die Hermann Todesco'sche Stiftung an drei Waisen mit dem Betrage von je 500 Kr. und an fünf Waisen mit dem Betrage von je 400 Kr. Die L. G. Gvldstein'scheAusstattungsstiftmlg im Betrage von 280 Kr. an eine arme Braut. Nach Erledigung mehrerer Personalien wird die Sitztkng um 8 Uhr abends geschlossen. Wien. (KÜ n st l e r st i f t Un g.) Das Curatorium der Freiherr v. R 0 t h s ch i l d'schen Künstlerstiftung verlautbart, dass ans den Erträgnissen derselben mehrere Stipendien im Mindestbetrage von je 600 Kr. für das Jahr 1900 zur Verleihung gelangen. Competenzberechtigt erscheinen mittellose jüdische, in Oesterreich wohnhafte Künstler oder Künstlerinnen österreichischer oder ungarischer Staatsbürgerschaft, die ihren Beruf auf dem Gebiete der Architektur, der Malerei, der Bildhauerei, der graphischen Künste oder der musikalischen Composition selbständig ausznüben befähigt sind. Wien. (Die Auswanderer aus R u m ä n i e n.) Ter große Zug der jüdischen Emigranten aus Rumänien hat noch immer nicht sein Ende gefunden. Nachdem vorige Woche einige kleine Trupps auf ihrer Wandernng nach Amerika Wien berührt Hattert, kam heute nachtnittags eine ungewöhnlich große Zahl von Auswanderern — 326 Personen — wohl die größte Gruppe, die bis jetzt ihren Durchzug genommen hat, mit dem Schisse „Vesta" der Donau-Dampsschiffnhrt-Gesellschaft auf dem Handels-Quai au. Sie stammen aus beu Städten Bukare st, G a l a tz und V a s l u i und haben sich an der Grenze zusammengesunden. Unter den Auswanderern befindet sich ein Professor aus Bukarest, Michael Stern; dem alten Manne wurde schon zum zweitenmale von der Regierung unter einem nichtigen Vorwände die Schule, die er leitete, gesperrt. Er niusste seine Kinder und Frau vorläufig in bitterer Noth zurücklassen, um in weiter Ferne sein Glück zu versuchen. — Die Selchfabrik N e u f e l 0 & F r e 11 n d hat den Aukömurlingen 3000 Paar Würstel zur Verfügung gestellt, während die Mitglieder der Israelitischen Allianz die Leute bei ihrer Ankilnft erwartet und für ihre Beqnartiernng Sorge getragen haben. Prag. (Professor M a s a r y k über die P 0 l n a e r A s f a i r e.) Prof. Masmyk wurde anlässlich eines Vortrages in Svojcmow betreffs seines Verhaltens in der Polnaer Affaire interpelliert und sagte u. a.: „Jeder ist ein Lügner, der da behauptet, dass ich znm Schutze der Juden atlfgetreten bin. In meinen Broschüren vertheidigte ich die Christen gegen den Aberglauben vom Ritualmord, und jetzt sind die Elementen und radicalen Antisemiten zu Ende und ärgern sich, dass der Cassationshof und die böhmisch-medicinische Facultät meine Ansicht bestätigt haben. Ich schrieb nie gegen juristischen und mcdicinischen Aberglauben. Uebrigens sehen wir nur zu: Nur der Jude beutet das Volk ans? Atlch andere, aber sie zeigen nur aus die Inden, damit das Volk tticht sehe, was viele von ihnen treiben. Die Frage, wer das Verbrechen von Polna begangen, und der Nitnalmord-Aberglanben sind zweierlei. Und dass in Polna kein Ritualrnord begangen wurde, das ist durch das Gutachten unserer Facultät bereits sesigestellt." Lemberg. (Die „K v l k a R 0 l » i c e") Am 3. d. M. haben sich die Delegierten der Vereinigung „Kolka Rolnicze" die geringste Aussicht ans Bezahlung hat, borgt sie weiter, dass die arme Famile nicht ohne Milch sei. Gelle ist daher bei ihrem rentablen Geschäfte, das sie wie ein Privilegium hat, doch nur eine arme Person, während die Welt bei ihr Geld vermuthet. Nur itt eine 11t ist sie assecuriert, sie hat schvtt seit Jahren die Sterbelletder in der Truhe liegen, einen schönen Platz sich gekauft aus dem Friedhöfe und der „Chewra Kadischa" einige hundert Gulden vermacht, um für sie „über hundert Jahre" Kadisch sagen zu lassen, denn sie steht ganz allein in der Welt. Nach dem Tode ist sie also bestens versorgt. Wie in den Blättern die „letzte Post" oder der „Nachtrag" nur in einem Thcile der Auflage erscheint, so kann Gelle selbstverständlich diejenigen Nenigkeiten, die sie auf ihrem Geschäftsgänge erst auffängt, in den vorher besuchten Hausern noch nicht angebracht haben, unb diese mü ssen sich bis zur Abendausgabe gedulden, die zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags erscheint, wen» die Milch zur Jause ausgetragen wird. Fürs Feuilleton könnte Gelle von dem größten Residenzblatte engagiert werden. Sie ist unerschöpflich in Croquis, in kleinen Erzählungen luftigen und tragischen Inhalts aus der Vergangenheit und Gegenwart Galanthas, sie kennt die Geschichte jedes Hauses, die Leiden und Freuden jeder Familie, die Genesis jedes Besitzes, die Ursachen jedes Nieder- und Unterganges, sie ruft die Schatten des Friedhofes ins Leben zurück und lässt sie ihre mit ihnen begrabenen Sünden an den Enkeln sühiien, sie webt um ganz Galantha den ZauKrschleier der Romantik, dass die reale Welt darin kaum sichtbar ist. An Wochentagen hat sie natürlich keine Zeit zu diesen fenillitonistischen Arbeiten. Aber am Sabbath ruht auch Gelle, und da versamiuelt sich in ihrer großen Stube oder im Hofe des Hauses eine Schar Mädchen und Frauen, die gespannt ihren Vorträgen lauscht. Gelle ersetzt auch den Jnseratentheil eines Blattes. Sie ist Dienstvermittlerin, Wohnnngsanzeiger und Schadchente, ohne jedes persönliche Interesse, das letztere rein ans Frömmigkeit, arme Mädchen unter die Haube 311 bringen, und wenn sie eine Partie glücklich zustande gebracht, legt sie bei der Hochzeit ihren schönsten Staat an und freut sich, als ob sie ihr eigenes Kind verheiratet hätte. Gelle Glvck hat bedeutende Verdienste um das gesellsebaftliche Leben -Galanthas. Sie bildet die Brücke zwischen Juden und Christen. Sie sitzt „bei der Melk" auch nicht stumm, und so erfahren die letzteren die Verhältnisse und Zustände der ersteren. Auf gegenseitigen! Kennen beruht aber der confessionelle Friede, und wenn einmal doch ein Wölkchen diesen Frieden zu stören geeignet ist, so zerstreut es Gelle durch ihre Vermittlung. Sie gilt etwas beim Pfarrer unb Stuhlrichter. Etwas? Nein, mehr als der ganze Cultusvorstand zusammen, denn in ihrer Anrede: „Geistlicher Herrleben!" oder „Gnädiger Herrleben!" liegt so viel Rührendes, dass es den Hass entwaffnet. Sie genießt auch die Achtung von Hoch und Niedrig und es schämt sich niemand, mit ihr sich ans der Gasse in ein Gespräch einzulassen, wenn sie gerade mit den Milchkübeln itt beiden Händen ans ihrem Geschäftsgänge ist, und nicht selten wird sie in dieser Erscheinung einem Fremden vorgestellt: „Unsere liebe Frau Gelle Glock!" L. Nemmuin. zu einer Sitzung in Lancnt znsammengefnnden. Wie der Berichterstattung an den „Slowo polskie" zu entuehnten ist, war die erste Sitzung am 3. d. ausschließlich den Angelegenheiten der Thätigkeit des Handelsvereines „Kolka Rolnice" gewidmet und wurden viele Anträge von Seiten der Delegierten gestellt, die meist die Hebung der Interessen des Vereines bezweckten. Ein Antrag, von Seiner Ehrwürden Pater S t 0 j a l 0 w s k i gestellt, verdient besondere Erwähnung. Schon dein oberflächlichen Kentter der Lebensverhältnisse der galizischen Kleinstadt und des Dorfes dürfte bekannt sein, dass ein großer Percentsatz der Juden daselbst Schnittwarenkrämer sind, als solche sind sie auf die Bauern der Umgebung angewiesen, den größten Umsatz finden da Banmwollzenge, Perkale, .Kopftücher. Dass diese jüdischen Krämer nicht zu den Reichen gehören, brattche ich nicht zti erzählen. Und nun hat es der Ehrwürdige Pater auch auf diesen Lebenszweig respective Nahrnngszweig der Juden abgesehen ttttb den Antrag gestellt, man soll von nun an in den Geschäften der „K. R." besondere Abtheilungen einrichten zum Verkauf von Schnittwaren. Dieser Antrag wurde selbstverständlich auch angenommen unb wird nun an die Ausführung dieses Antrages geschrittert. So wird denn den Juden neuerdings ein Erwerbszweig genommen. Doch die polnischen Großjuden wollen noch immer nicht einsehen, dass hier ein solidarisches Vorgehen vonnöthen ist, und dass sie nicht warten, bis ein paar hunderttausend Juden dem Bettelstäbe zngeführt werden. M. J. Mariettbad. (Ein interessanter Vortrag.) Samstag abends fand in dem Saale des „Hotel Walhalla" ein Vortrag des persischen Arztes Abdullah K h e s s r in hebräischer Sprache statt. Die Uebertragung desselben, beziehungsweise die Erläuterung führte Herr Prediger Grün aus Wien in gediegener Weise durch. Die beiden Herren propagieren den trniversellen Friedensbnnd. — Der universelle Friedensbund fordert von seinen Mitgliedern drei Grnndprincipien: Monotheismus, Moral unb Menschenliebe, und dass auf dieser Basis ein gutes Einverrtehmen zwischen den Bekennern der einzelnen Confessionen möglich ist, zeigt namentlich die Harmonie zwischen den Marienbader Citrgästen, welche berufen sind, diese friedfertige Gesinnung mitznnehmen in ihre Heimat und den Friedensgedanken in ihrem Kreise, jeder nach seiner Weise, zu propagieren, darauf beruht in erster Linie die Realisierung des Gottesreiches oder des chiliastischen Zeitalters, welches nach der Berechnung des persischen Arztes Abdullah Khessr auf Grund der prophetischen Weissagungen, im 7. Jahrtausend seit Erschaffung der Welt beginnen soll. Es bildet gleichsam in idealer Form die höhere Einheit zwischen Jndenthum und der Tochter-Religion, wie Prediger G r ü n aus Wien in der Conferenz, welche am 7. d. M. im „Walhalla-Saale" bei zahlreicher Betheiligung eines interconfessionellen Auditoriums stattfand, vom philosophischen Standpunkte des Näheren ausführte, und erhielten die beiden Herren bereits zahlreiche Zustimmungskundgebtlugen, so vom Herrn Hofrath Kar eis ans Wien, der sein Fernbleiben atn Abend entschuldigte, ebenso Herr Geheimrath Dr. Freund ans Breslau, die meisten hiesigen Aerzte und sonstige Honoratioren. — Es erschienen außerdem Herr Bürgermeister Dr. Nadler, die Stadträthe Dr. M e tz n e r, Dr. D i e t l und H a nt merschmie d, sowie Stadtverordneter Baruch, und ernteten beide Redner für ihre relgiösen und socialethischen Auseinandersetzungen von Seiten des intelligenten Pttblicnms, welches trotz der nur wenigen verständlichen hebräischen Sprechweise des ersten Vortragenden bis zmn Schlüsse ausharrte, verdiente Anerkennung. Auch Herrn L ö w e n t h a l wurde der Dank votiert für die freundliche Ueberlassung des Saales zum edlen Friedenszwecke. Die gute Saat lvird hoffentlich auch edle Früchte zeitigen. Etanislau. (W 0 h l t h ä r i g k e i t s - V 0 r st e l l u tt g.) Dienstag den 10. Jnli veranstalteten die jüdischen Handelsangestellten eine Theatervorstellung, „Esra", der ewige Jude, aufgeführt von der Theaterdireclion I. Gimpel aus Lemberg, zugunsten der nothleidenden rutnänischen Juden. Der Reinertrag machte 280 Kronen aus. Das Gelingen der Vorstellung lieferte den Beweis, dass die Juden von Stanislau nicht wie einzelne ihrer Cultusvorsteher über ihre rumänischen Brüder denken. Wir danken dem Herrn Gimpel für die gute Aufführung, insbesondere der Schauspielerin Fräulein Anna B r ü h und dem Schauspieler Herrn Gras für seine nationalen Lieder. Grohwardei». (E i d e s a b l e g u n g.) Rabbiner F u ch s wurde vom hiesigen Bezirksgerichte zu einer Geldstrafe vernrtheilt, weil er sich weigerte, einen Eid unbedeckten Hauptes abznlegen. Budapest. (R tt tu ä n i s ch e A tt s w anderer i n B u d ap e st.) Mit dem Datnpfer „H i l d e g a r d" traf heute neuerdings eine Gruppe israelitischer Auswanderer aus Rumänien in Budapest ein. Die arnten Leute, die aus der israelitischen Volksküche verköstigt und von der Pester israelitischen Gemeinde mit Wegzehrung für die Weiterreise versehen wurden, traten, ohne das Schiff v e r l a s s e tt z tt dürf e n, die Weiterreise nach Wien an. Ein elf Wochen alter Säugling, das Kind eines Atrswanderers, musste in Budapest zurückgehalten werden, da sein verhungerter Zustand die Weiterreise nach Wien mcht gestattete. lieber diesen Vorfall wird uns von Augenzeugen Folgendes berichtet: Unter dreißig israelitischen Answanderern, die heute nachmittags um 3 Uhr mit detn Dampfer „Hildegard" (Capitän T s t ö n y i) in Budapest eintrafen, befand sich auch eine Frau M a r k 0 v i c s mit ihrem Gatten und ihrem elf Wochen altert Säugling, einem Mädchen namens Debora h. Die Frau hatte sich schon am Sonntag eiugeschifft und war infolge der sehr tnangelhaften Verpflegung der letzten Tage außerstande, ihren Säugling zu ernähren. An der trockenen Mutterbrnst siechte das Kind sichtlich dahin; Die Bemühungen der Eltern und der wohlhabenderen Mitreisenden, Milch für das arme Wesen zu bekommen, mären vergeblich. Der Schiffsrestaurateur tvollte oder konnte selbst auf Befehl des Schiffscaptäns keine Milch zur Verfügung stellen. Im Interesse der Feuersicherheit wurde der armen Mutter auch das Theekochen mittelst Schnellsieders verboten und so sah denn die arme Frau mit unversiegbaren Thränen ihr armes Kind zugrunde gehen. In Budapest untersuchten die hauptstädtischen Aerzte Dr. F a r a g 6 und Dr. Brad ü c s das Kind ans dem Dampfer und ordneten die Neberführung desselben ins „Weiße Krenz"-Spital an, wo der behandelnde Arzt d i e H 0 s f n u n g a n s g e g e b e tt hat, das Kind am Leben zu erhalten, da es s ch 0 n z tt s ch w a ch w a r, um Nahrung aufzunebmen. Das Kind blieb in Budapest zurück und die Mutter durfte nicht einmal das Schiff

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