Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 29 (20.7.1900)
- Date
- 1900-07-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 20. Juli 1900 Nr. 29 regeln und Gesetze aushecken wird. Jedesmal glaubte man, dass es diesbezüglich gar nichts mehr zu thun gäbe, und jedesmal erwiesen sich die verschiedenen Regierungen ais außerordentlich erfindungsreich. Wieder hat ein Regierungswechsel in Rumänien stattgefunden. Und es muss schon als ein erfreuliches Symptom betrachtet werden, dass man das neue Ministerium in jüdischen Kreisen mit freudiger Hoffnung begrüßt. Und dies nicht nur deshalb, weil an seiner Spitze ein Mann wie P. C a r p steht, der es nie versäumte, die Juden dort, wo sie verfolgt wurden, zu schützen, — sondern vielmehr weil ein jeder das begründete Gefühl hat, die jetzige Regierung verdanke ihren Sturz zum Theil auch der Judenfrage. Wohl sind nach dem Berliner Congreß verschiedene rumänische Regierungen der Jude »frage lvegen gefallen, aber gerade weil sie eine günstige Lösung derselben befürworteten, — z u m erstenmale geschieht es jetzt, dass eine r u m ä n i s ch e R e g i e r u n g g e h e n musste, w e i l sie unter anderem die Juden nicht genügend zu schützen wusste und weil sie antisemitische Organisationen geduldet, ja gefördert hat. Wenn es ein Fehler wäre, dieses Symptom zu überschätzen und überschwengliche Hoffnungen an die Thätigkeit der neuen Regierung zu knüpfen, so wäre es ein ebenso großer Fehler, diese Erscheinung zu missachten. Auf jeden Fall können die rumänischen Juden, und vielleicht auch die Juden anderer Länder, zum zweitenmale ersehen, was man, selbst bei Politischer Rechtlosigkeit, durch eine gut geführte Agitation zu erreichen vermag. Musste schon einmal eine liberale rumänische Regierung dem Ansturm der organisierten rechtlosen Juden nachgeben, und ein schon den Kammern unterbreitetes judenfeindliches Militärgesetz zurückziehen, so zeigt es sich gerade jetzt, welche thatsächliche Bedeutung den Juden im rumänischen Staatsleben zukommt und wie dieses durch Auswanderung auch nur eines allergeringsten Theiles der jüdischen Bevölkerung ernstlich bedroht wird, woraus zu ersehen ist, dass die Juden, wenn sie gut organisiert wären, so manches fordern und auch erreichen könnten. Leider besteht eine solche Organisation augenblicklich nicht. Dies ist umso bedauerlicher, als Herr Carp wirklich die Absicht haben soll, einige judenfreundliche Maßregeln durchzuführen und für sein Vorhaben, welches gewiss von der antisemitischen Liga auf das entschiedenste bekämpt werden wird, der Unterstützung einer großen organisierten jüdischen Partei sehr bedurft hätte. Hoffentlich begreifen dies wenigstens die wohlhabenderen unter den Juden und bilden in letzter Stunde eine Organisation, die wenigstens das Decorum wahren könnte. Ueber die Absichten des Herrn Carp bezüglich der Judenfrage ist manches in der Presse durchgesickert. In erster Reihe wurde übereinstimmend gemeldet, dass er sofort nach dem Regierungsantritte ein Circular an sämmtliche Behör den richten werde, in welchem er in energischester Weise befehlen wird, die gesetzliche und behördliche Protection allen Einwohnern des Landes, ohne Unterschied der Religion oder Nationalität, angedeihen zu lassen. Obzwar ein solcher Erlass ein Novum in der Thätigkeit rumänischer Regierungen wäre, so kann man sich ja, speciell in Bezug auf die Judenfrage, wenig von papierenen Befehlen versprechen, und seine praktische Wirksamkeit würde in Anbetracht der Gewissenlosigkeit rumänischer Beamten so gut wie Null. Aber zugleich mit diesem Erlasse soll Herr P. Carp beabsichtigen, mehrere Reformen durchzuführen, deren eminent praktische Bedentung die glücklichsten Folgen haben könnte. Auf die Frage, was Herr Carp im gegenwärtigen Momente für die Juden thun zu können glaube, gab ein hervorragendes Mitglied der Junimisten-Partei einem angesehenen Bnkarester Blatte folgende Antwort: „Herr Carp glaubt, dass das große Elend, welches jetzt unter den Juden herrscht, dadurch eutstauden ist, dass man die Juden aus den Dörfern austrieb, und sie zwang, sich in den Städten anzuhänfen. Diese Austreibung hat aber weder die Vernichtung des Schankgewerbes, noch weniger die des Alkoholismus zur Folge — warum sollte man also nicht d.en Juden erlauben, in den Dörfern zu wohnen nnd zu arbeiten? Viele Inden wandern nach Argentinien und Canada ans, wo sie entschlossen sind, die Landwirtschaft zu pflegen. Bei uns macht sich eilt großer Mangel an Arbeitskräften fühlbar, und unsere Gutsbesitzer müssen fremde Arbeiter mieten, die zu Hunderten über die Grenze kommen. Warum sollte man den inländischen Juden nicht gestatten, den Boden zu bearbeiten? Es gibt sehr viele Gutsbesitzer, welche gerne die Juden an Stelle der fremden Arbeiter mieten würden." Herr Carp hätte also die Absicht: 1. das Gesetz, welches den Juden verbietet, auf dem Lande zu wohnen, aufznheben, und 2. das Schankgewerbe auf dem Lande für die Juden wieder freizugeben. Von diesen zwei Reformen ist die erste die weit wichtigste, und sie bildet auch daher einen der Hauptpunkte des Programmes der ersten ernst zu nehmenden Organisation der Juden Rumäniens. Sollte Herr Carp diese Reform wirklich durchführen, so wäre damit sogar die Aussicht eröffnet, in absehbarer Zeit den berichtigten Artikel 7 der rumänischen Verfassungen abzuändern, indem seine schädliche Wirkung für jeden vernünftigen Rumänen ebenso klar zutage treten würde, wie dies heute bereits mit der Frage der Nützlichkeit der jüdischen Bevölkerung der Fall ist. Herr Carp soll auch die Absicht haben, die Naturalisation der in Rumänien geborenen Juden zu erleichtern und zu Ordern, und soll noch eine ganze Anzähl ökonomischer Reformen auf dem Verwaltungswege durchführen, um die jüdische Bevölkerung vom jetzigen Elend zu befreien. Dies alles lässt die Hoffnung berechtigt erscheinen, mit welcher alle Juden den Regierungsantritt des Herrn Carp begrüßen. Die Thatsache, dass die antisemitische Liga Zusammentritt, um zu berathen, was man gegen die judenfreuüblichen Allüren des Herrn Carp thun könne, beweisen noch mehr, dass der neue Ministerpräsident von den besten Absichten beseelt ist. Dass er auch der Mann ist, diese Absichten durchzuführen, daran wird niemand zweifeln, der seiue Persönlichkeit kennt, und dafürbürgt auch die Vergangenheit dieses Politikers, von dem König Carol — gewiss ein berufener Beurtheiler — in 'einen Memoiren, sagt er sei der einzige rumänische Staatsmann, im europäischen Sinne dieses Wortes. —yz. Vom Tage. Die antisemitischen Blätter sind in schwerer Verlegenheit, ie leiden an Judennoth. Die Oeffentlichkeit nennt keine Namen, denen man hinterrücks ein Rufzeichen vorsetzen könnte. Der Judenschrei ist müde, verstummt, an seinerstatt erhebt sich im Gegenlager ein Schrei nach Juden, der nicht ungehört verhallt. Aus dem Osten kommen Scharen tapferer Juden, die nach Freiheit suchen, Muth und Trotz im Blicke. Sie lagern 'tille vor den Thoren der Stadt. Drinnen aber erhebt sich das Gekläff der Hunde. Die Judennoth ist zu Ende, denn der Judenschrei erschallt. Ist der Krieg bestialisch, so ist das Völkerrecht human. Wer im Kampfe verwundet, hat aufgehört ein Feind zu sein. Vor ihm senkt sich Wehr nnd Waffen. Denen, die capituliert, ist freier Abzug gewährt. Wehe dem, der sie schimpft oder schädigt. So war es schon im Mittelalter. Jene Juden aus Rumänien sind Verwundete im Völkerkampfe, sie weichen der Ueberkraft und ziehen ab. Aber hinter nnd neben ihnen erhebt sich Hass und Hohn. D i e I u d e n sind a u ch völkerrechtlos. * * * Gotteshäuser zu schonen und zu schützen, ist gleichfalls internationaler Brauch, aber nicht dentschnationaler. Die „Ostdeutsche" stößt sich an dem Grundsteine eines Tempels, der am Jubiläumstage des Kaisers geweiht werden soll. Wir rufen nicht nach den Grundsteinen des Staates, den Staatsgrundgesetzen. Bliebe doch der Buchstabe des Gesetzes heil und unverletzt! Und an die Stelle seines Geistes ist der Geist der Zeit getreten, der Antwort weiß auf die Frage: Für oder gegen die Juden? * * * Sie ist nun auch im deutschen Nachbarlande eine brennende geworden. Der latente Antisemitismus lodert auf, der Spalt, der Plebs und Adel scheidet, ist gefüllt, und dem Antisemiten im Frack gesellt sich die Masse der Gasse. Ueber eine Versammlung in Berlin schreibt der „Vorwärts" i Unsere teutonischen Boxer hatten sich am Freitag- Abend in der Tonhalle ein Stelldichein gegeben, zu dem sich infolge der Julihitze 2000 Personen eingefunden hatten. Der berühmte Dreschgraf Pückler von Klein-Tschirne sprach über das Thema: „Die praktische Lösung der Judenfrage". Diese Lösung erblickt der Dreschgraf bekanntlich in einer genügenden Anzahl mit Eichenknüppe'ln bewehrter Boxer-, will sagen Antisemitensäuste. Dieser praktischenLösung arbeiteteGraf Pückler einstweilen durch ausgiebige Austheilung saftigster Verbalinjurien, wie „jüdische Hallunken", „Spitzbuben", „Lumpen, „orientalische Würger" u. s. w. kräftigst vor. Das Auditorium schlürfte diese Ergüsse teutscher Manneskraft gierig von den Lippen des Redners und sekundierten ihm eifrigst durch Zwischenrufe von gleicher Saftigkeit. Es war eine erhebende Demonstration. Nach dem Grafen Pückler nahm Herr Wilhekm Bruhn das Wort, nm sich über „die Zeugenvernehmungen und den Stand der Untersuchung in der Konitzer Angelegenheit" zu verbreiten. Leider konnte Juda nur in effigie gesteinigt worden, da die schriftlich geladenen Dr. Leipziger vom „Kl. I." und andere Juden und Judengenossen sich offenbar nicht imstande gefühlt hatten, den von ihnen geforderten Nachweis, dass der Konitzer Mord von Christen verübt worden sei, zu liefern. Zum Schluffe sprach Dr. B ö ck l e r, um an einer Reihe persönlicher Erlebnisse die Verjudung der Justiz zu demonstrieren. Außerdem wurde folgendes Telegramm an den Kaiser abgesandt: „2000 in der Tonhalle zu Berlin versamlnelte deutsche Frauen und Männer senden Ew. Majestät ehrfurchtsvollen Gruß und H e i l r u f und die Versicherung unwandelbarer Treue zu Kaiser und Reich. Deutsche Männer stehen auf der Wacht, um Ew. Majestät und das Reich zu schützen gegen die inneren und äußeren Feinde in dieser überaus ernsten und für die Geschicke des Vaterlandes entscheidenden Zeit." Mit der famosen Acquisition des pathologisch-interessanten Dreschgrafen scheint für den Antisemitismus eine neue, verheißungsvolle Aera begonnen zu haben. * * Merkwürdig jedoch erscheint es, dass die Frage, ob für oder gegen die Juden, oft auch in jüdischen Kreisen zu ihren Unguusten entschieden wird. Die Bonner jüdische Burschenschaft „Rheno-Silesia" hat in flammenden Worten gegen die Blntbeschuldigung protestiert. .Dass nun die „liberale" „Münchener Allgemeine Zeitung" dagegen manches einzuwenden hat, wird niemanden wundern, der Priucipieutreue an unseren österreichischen Liberalen zu erproben Gelegenheit fand. Schlimmer ist es, dass ein Jude vom „Abwehrverein" diese ziemlich zahme Abwehr — abwehrt. Er bezweifle es, schreibt er an das genannte Blatt, dass die Verbindung von den jüdischen kräftiger und mit einem erstauten „Warum nicht?" in der Betonung. Ein junges Gesicht, weiß und schmal mit stark ausgeprägtem Typus und dem Blicke, den die Maler dieser Raffe zur Zeit der Verfolgung zu geben pflegten, — ein unmerkliches Lächeln, in gleicher Weise abwehrend, geduldig und rührend! Er ist ein tapferer Mann und zuckt nicht, während man ihn im Zelte seiner Kleider entledigt. Auch er hat — ebenso wie der Katholik, der heute früh begraben wurde, für die greise Königin gekämpft. Aus dem Englischen des „Jewish World", von Hedwig Grundmann. Typen aus meiner Gasse. n. Gelle Glock. ^ein Galantha ist fast schon eine Stadt. Es besitzt ein Casino, eine Sparcaffe, über ein Dutzend Straßenlaternen: nur fehlt ihm eines noch, was das kleinste ungarische Städtchen hat — ein Localblatt. Aber wozu braucht es ein solches? Es hat eine lebende Zeitung, die anstatt einmal in der Woche, wie die Localblättchen anderswo, täglich zweimal erscheint und bei außerordentlichen Fällen sogar in Extra-Ausgaben. Diese lebende Zeitung Galantha's heißt: Gelle Glock. Warum ihre Eltern ihr als Kind den Namen Gelle gegeben, weiß ich nicht. Wahrscheinlich hat ihre Groß- oder Urgroßmutter oder irgend eine Tante einmal so geheißen. Ich kenne ihren Stammbaum nicht. Dass ihr aber die Leute später den Namen Glock gegeben, ist ihr eigenes Verdienst. Der Volksmund bewahrt mit seinen Spitznamen noch das Andenken aus der Urzeit der Menschheit, wo mau mit dem Namen Wesen und Charakter der Personen bezeichnete. Kann es für eine professionelle Neuigkeitsausträgerin eine passendere Benennung als Glock geben?.. Sagt man doch für: eine Sache publik machen, sie an die „große Glocke" hängen. Gewiss hat Gelle im Civilregister einen anderen Zunamen. Aber es kennt ihn niemand, und der ihr höflich thun will, sagt zu ihr: Frau oder Madame Glock, ohne dabei an einen Spott zu denken. Die Zusammensetzung Gelle Glock klingt übrigens auch so harmonisch, dass zu glauben ist. sie könne nicht anders heißen. Das musikalische Gefühl des Volkes mag zum großen Theil dazu beigetragen haben, just für Gelle den Namen Glock zu schaffen. Im Grunde genommen ist Gelle bloß der Typus der der ganzen Geschäftsbräuche, der sie angehört. Sie ist „M i l ch - I ü d i n n e". Die Gaffe hat nämlich ihren eigenen Gewerbs-Schematismus. Die Milch-Jüdinne kauft die Milch von den Oekonomiebesitzern des Ortes und trägt sie zu ihren Kunden von Haus zu Haus. Dazu gehört nicht nur der Gewerbschein allein, sondern auch die religiöse Vertrauenswürdigkeit, daß sie „bei der Melk" ist. Bei diesem Geschäfte muss man unbedingt zur lebenden Zeitung werden, denn in jedem Hause oder vielmehr in jeder Küche, in welche sie mit ihrem Milchkübel des Morgens eintritt, ist die erste Frage an sie: Was gibt's Neues? Sie muß doch etwas mchv-als andere Menschenkinder wissen, weil sie am frühesten aufgestanden und schon in vielen Häusern herumgekommen ist. Hat man noch ein wenig Natnranlage zum Wiedergebeu, so muss man mit Zeit Großartiges in diesem Fache leisten. Gelle besitzt diesen Funken von Genie und sie ist in der That das Muster, der Typus ihres Standes geworden. Sie macht in allen Rubriken eines großen Blattes. Bor allen in der Polit'k, in Zeiten, wo man sich für Politik besonders interessiert, wie z. B. während der Wahlen. Sie weiß genau, mit wieviel Liter Wein der eine Candidat das Programni des anderen bekämpft; sie kennt die Größe der Parteien, beit Zuwachs und den Abfall, was immer tvährend der Nacht im Wirtshanse vor sich geht; für ihre Person ist sie ein bisschen clerical, denn sie hält es mit bei« Pfarrer, weil sie inimer die Milch der frommen Denkungsart der Pfarrküche bezieht und sich getreu an das Sprichwort hält: Wess Brot Du issest, dess Lied musst Du singen. Allein sie gibt die öffentliche Meinung unverfälscht wie die Milch, und bei allen an sie herantretenden Versuchen, sie zum Kortesch zu gebrauchen, bleibt sie unparteiisch. In Gemeinde-Angelegenheiten ist sie besser als der älteste Teinpeldiener versiert. Sie weiß, wie man über die letzte Predigt des Rabbiners, über die jüngste Kraftleistung des Cantors denkt, mit welchem Lehrer man zufrieden und mit welchem man nnzufriedell ist, und wer von den Nepräsentanten nicht wieder gewählt werden wird und wer Chancen hat, anstatt desselben einzutreten. Gelle kennt die Stimmung so gut, dass die Betreffenbeu nicht selten wie zufällig in der Küche anwesend sind, >venn sie kommt mtb sie interviewen. Aber bei^Gelle Glock geht es nicht bim-bam-bnm, wenn sie einmal zu läuten beginnt: sie ist diplomatisch und kann sich im Reden zurückhalten. Sie compronlittiert niemanden. Drängt man in sie, so antwortet sie: „Guter, edler Herrleben! wie soll ich wissen, wer das oder das gesagt hat? Ich habe mir mein Personengedächtnis genug auzustrengen, wenn ich mir merken muss, für wen ich einen Liter und für wen ich zwei Liter Milch brauche, dass es mir g'rad ansgehen soll. Leider kann ich nicht schreiben." Und bei dieser Gelegenheit pflegt sie die Neuzeit glänzend yerauszustreichen und den Rabbiner, den Doctor, den Lehrer oder Vorsteher mit einigen Cvmplimenten abznfertigen, wieviel sie für den Fortschritt geleistet haben. Die Force ihrer journalistischen Thätigkeit liegt jedoch in der Besorgung des localen Theiles ihrer Aufgabe. Sie weiß, wer in der Nacht angekommen und wer abgereist ist, wem ein Kind geboren worden, wer gestorben und wer erkrankt ist. Sie kennt jeden Cchezwist, jede Gardinenpredigt utib alle Familien-Angelegenheiten, worüber die Nacht ihren Schleier deckt, aber ihr Stil ist decent, wenn just junge Mädchen in der Küche auwesend sind. Sic pflegt auch das „Volkswirtschaftliche", kennt die Vermögellsverhältnisse eines jeden, weiß, welche Frau von ihrem Manu Geld geschickt befomuieu hat, wer eine gute, wer eine schlechte Woche gehabt, aber sie entgeht immer der Verlockung, indiscret zu werden und etwa auch zu sagen, wo flott und wv knauserig gelebt wird, wer auf „Puff" nimmt und wem der Credit beschränkt wurde, obwohl sie das alles genau lveiß. In Gelle Glock schlägt ein warmes Herz für die Armut und das Unglück. Sie selbst hat Hunderte in der Gasse ausstehen und brängt ihre Schuldner nicht, und selbst, wo sie nicht