Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1900-07-13 · 28 (13.7.1900) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
28 (13.7.1900)
Date
1900-07-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2432763-2432811-2432839--0602-2434269
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

%eite 2 VYirn, Freitag Jüdisches Volksblatt 13. Juli 1900 Nr. 28 moralischen Rückgrats und macht es den Egoisten schlinnnstcr Sorte möglich, mit einer gewissen vornehmen Ueberlegenheit eine verlorene Sache rechtzeitig aufzugeben. Das ist das besondere Malheur des westösterveichischen und speeiell des Wiener Judenthnms. In Deutschland gibt es fast in jeder größeren Stadt zwei Religionsgemeinden, eine orthodoxe und eine fortschrittlicheoderreformierte;ebensoinUngarn. Besonders ausgebildet ist das Theilungssystem in Amerika. Gewiss, auch in den genannten Ländern liegen die Verhältnisse arg genug. Dies hat feine Ursachen. In Ungarn bestehen noch immer eine Menge von Zwittergemeinden. Dazu komme noch, dass in den kleinen Städten die Theilung ans Verwaltungsgrnnden nicht durchgeführt werden kann, was selbstverständlich auch für die anderen Länder gilt. In Deutschland ist Berlin richtunggebend. Da gibt es wohl eine orthodoxe (Adath-Jisroel-) Gemeinde, aber es gibt keine reformierte jüdische Gemeinde. Denn die Berliner Reformgemeinde ist durch die Verlegung des Sabbaths auf Sonntag und durch das Entblößen des Hauptes im Gotteshause jedem jüdisch empfindenden Gemüthe widerlich. Daher die Zerissenheit der C e n t r a l g e m e i n d e. So ist die Berliner jüdische Gemeinde ein Tummelplatz für Schinken- Conservative und für Liberale, für deren Ehrgeiz die Reformgemeinde doch nur zu klein ist. Hätte die Berliner Reformgemeinde das Verständnis für ihre Aufgaben, würde sie jene zwei widerlichen Institutionen beseitigen, es dauerte nicht lange und Berlin zerfiele in zwei große Gemeinden, in eine orthodoxe und eine jüdische Reformgemeinde. Am schlimmsten aber von allen Gemeinden der Welt steht es in Wien. Hier gibt es nur eine Gemeinde, hier aber herrscht auch die ungeheuer st e Verwirrung und Verwilderung aller religiösen Begriffe. Daher aber auch das immerhin bedauerliche Plus an Uebertritten nicht nur gegen das Vorjahr, sondern auch gegen alle alle anderen Cultusgmeinden der Welt. Wenn die Mitglieder, ja die Vor st eher einer jüdischen Gemeinde vieles öffentlich thun dürfen, wofür die Gemeinde-Functionäre nach den Bestimmungen des Gemeindestatuts suspendiert und entlassen werden sollen, dann hat diese Gemeinde kein Recht, über Abfall zu klagen. Denn hier ist die Heuchelei zur Jnstitution erhoben und das Judenthum zu einer Verwaltungs-Komödie degradiert. Dies zu der (mehr als) »wahrscheinlichen Ursache" der Uebertritte. Aber die Herren von der Rechtssection schlagen auch Präventivmittel vor. So zum Beispiel: -Es sei vom Vorstande ein Preis auszuschreiben für "die Abfassung eines Werkes, welches über die Geschichte des Judenthums, über die Ethik, dessen Religion Belehrung und Aufklärung gibt." Es sind wohl noch wenig Bücher über jüdische Geschichte und Ethik geschrieben. Weiß vielleicht, die Rechtssection von ^einem Werke über Ethik, das im vorigen Jahre vom Vorstande ber Israelitischen Cultusgemeinde zu Wien in öffentlicher Sitzung gefeiert, und dessen Autor der Dank des Judenthums Don demselben Vorstande votiert worden ist? Und doch dieses immerhin bedauerliche Plus in diesem Jahre! Oder müssen rs eigene Bücher für M e s ch u m o d i m sein? Doch es kommt noch schöner: j^Bei diesem Anlässe wird auch über Antrag der I. Section beschlossen, sämmtliche Prediger und Vereins-Rabbiner zu ersuchen, bei allen sich darbietenden Anlassen, insbesondere beim Verkehre mit der israelitischen Jugend, in der bisherigen Ge- Hand nehmen, alles darin fein säuberlich beieinander finden und uns des Inhaltes freuen, ohne auch nur im entferntesten zu ahnen, wie viel sauren Schweiß und bittere Mühe es den Verfasser gekostet haben mag, bis er imstande war, uns seine Gabe zu reichen. In einem noch erhöhten Maße ist dies bei dem vorliegenden Werke der Fall. Betrachtet man die schönen Zeichnungen, Abbildungen und Pläne, liest man die mit-' Letheilten Documentr und Nachrichten, so kann man kaum ahnen — zumal Herr Versöhn mit keiner Silbe davon Erwähnung thut — wie viele Anstrengungen und Plagen es gekostet haben mag, das nöthige Material beisammen zu haben. Ein jeder Halbswegs Kundige begreift leicht, welch eine Masse verschiedenartigster fachmännischer Kenntnisse dazu gehört, um aus dem Material ein brauchbares Ganzes herzustellen. Da Muss man die entlegensten Partien der Geschichte der Architektur beherrschen, um jedesmal den nicht immer klar zutage liegenden, häufig nur rudimentär angedeuteten Stil des Bauwerkes herauszuerkenneu und zu werten; man muss selber Hervoragende bautechnische Kenntnisse besitzen, um Plan- und Raumverhältniffe zu erfaffen und darzustellen. Man -muss in der. Geschichte verschiedener Kunstgewerbe, wie der Gold- und Silbcrschmiedekunst, der Kunststickerei, der Schnitzerei, der Decorationsmalerei, bewandert sein, um die dahin gehörigen Arbeiten auf Kunstwert und Herkommen schätzen zu können. Schließlich muss man Historiker und Paläograph sein, um die geschichtlichen Urkunden aus Archiven und die Inschriften entziffern, kritisch prüfen und sichten zu können. Erst vermöge dieser, gewiss nicht allzu häufigen Bereinigung von Wissensgebieten kann das herbeigeschaffte Material in einer wissenschaftlich brauchbaren Weise verarbeitet werde». Wie aber wird das verstreute Material herbeigeschafft? Gewöhnlich werden derlei Arbeiten von Akademien, gelehrten Körperschaften oder gar Regierungen in Angriff genommen, die, mit großen materiellen Mitteln ausgerüstet, ein Heer von Mitarbeitern organisieren und bei allen in Betracht kommenden Faktoren Beistand und Entgegenkommen finden. Hier dagegen ruht alles auf den Schultern einer Einzelnen. Keine Akademie, keine Körperschaft, keine Behörde, kein Verein leistet Beihilfe, vnd die jüdischen Gemeinden selber bieten am allerwenigsten Entgegenkommen. Ewird niemanden wundernehmen, dass pfiogenheit, womöglich aber mit verstärktem Nachdrucke ans das Festhalten an denk angestammten Glauben hiuzuwirken." Was soll denn der arme Religiouslehrer thu»? Man denke sich: Er trägt das vierte G c b ot vor: „Sechs Tage sollst Du arbeiten und all Dein Werk verrichten. Der siebente Tag ist ein Ruhetag dem Ewigen, Deinem Gotte." Zur Erklärung müsste der Lehrer alles heranziehen, was sich ans den Sabbath bezieht, wie: „Ihr sollt kein Feuer machen in allen Euren Wohnorten am Tage des Sabbaths!" u. a. m. Aber der Lehrer denkt schon an das nächstfolgende, fünfte Gebot: „Ehre Deinen Vater und Deine Mutter ...!" Da muss der Lehrer den Kindern erklären, was wir alles unseren Eltern verdanken, wie sie uns mit weisem Rathe, mit L e h r e n n d Beispiel voranleuchten. Kann da der Lehrer das Sabbath- Gebot erklären, wenn er weiß, dass zuhause von alledem nichts mehr gehalten wird? Der Junge würde bald an Eltern und Lehrern zugleich irre werden. Der Lehrer geht denn auch der Schwierigkeit aus dem Wege — er schweigt. Lange aber geht das Verstecksviel nicht. Der dümmste Junge merkt cs bald, dass nur Versteck gespielt wird, und darnach behandelt auch der Schüler den Religionslehrer und im Leben — die Religion. Hinweg also mit dieser Quacksalberei! Es gibt nur E i n radicales Mittel: Die Wiener israelitische Cultusgemeinde milss gesprengt w erden. An ihrer Stelle sollen sich zwei Gemeinden constituieren, eine orthodoxe uod eine freisinnige, richtiger reformierte, und jeden in Wien wohnenden Juden steht es dann frei, sich der einen oder der anderen anzuschließen. Eine orthodoxe Gemeinde mit orthodoxen Rabbinern und Religionslehrern, mit orthodoxen Institutionen uod orthodoxem Religionsunterrichte. Eine reformierte Gemeinde mit reformierten Rabbinern und Retigionslehrern, mit reformierten Institutionen und reformiertem Religionsunterrichte. Leute, die am Sabbath arbeiten und die Speise- und die sonstigen Ritualgesetze nicht beachten, dürfen keinen Rabbiner oder Religionslehrer haben, die in diesen Fragen, den alten traditionellen Standpunkt einnehmen. Diese Trennung wird beiden Theilen zum Heile gereichen. Für die Orthodoxen liegt die Sache klar. Aber auch für die Freisinnigen. Was zuhause grundsätzlich abgeschafft ist, das darf in der Schule nicht als geboten und heilig gelehrt werden. Der freisinnige Religionslehrer wird es den Kindern ruhig sagen dürfen, dass das Judenthum sich in vielen Dingen der Zeit anpassen musste. Das gehört zur Religionsgeschichte, von der man den reiferen Kindern das Wichtigste beibringen soll. Das Kind wird auch erfahren dürfen, dass das alte Judenthnm auch heute noch in vielen großen Gemeinden und in verschiedenen Ländern fortlebt; es wird auch alle Satzungen des Judenthums erfahren dürfen, auch diejenigen, die in seinem Elternhausc nicht beobachtet werden. Kurz, Verwirrung. Hemhelei und Verlogenheit werden der Klarheit, Offenheit und Wahrheit platzmachen. Das Gemüth der Kinder wird nicht' vergiftet und nicht zu Berrath und Abfall erzogen werden. ' — Also Trennung, nicht neue Vereine gründen, die stets nach der Subvenlionsknppe des Vorstandes schielen, sondern wirkliche, vollständige Trennung der Großgemeinde in zwei zwar kleinere, dafür aber auf Wahrheit gegründete Theilgemeinderr. Der Charakter der Großgemeinde braucht deshalb nicht verloren zu gehen. Für gemeinsame Verwaltungsfragen wird eivr Centralbehörde, nach Londoner Muster eingesetzt. Doch im Hintergründe lauert der Vorwurf: Entzweiung die bildungslvsen, in der Dunkelheit und Abgeschlossenheit dahinlebenden Juden in den verfallenen Kleinstädtchen Russlands ihre alten Gotteshäuser nicht zu würdigen wissen. Eine Synagoge ist dazu da, dass man darin bete — wer sich um andere Dinge dabei bekümmert, der kommt ihnen unverständlich vor, sein Beginnen ist ihnen unfassbar, vielleicht vermntheu sie in ihm gar einen Emissär der Regierung, der ihnen ihre geheiligten Schätze rauben oder ihnen eine neue drückende Steuer auferlegen will. Leider haben die hebräischen Zeitungen nichts gethan, um in dieser Richtung aufklärend zu wirken. Ihre große Armut lässt die »Neugierde" des Forschers als eine willkommene Gelegenheit betrachten, die Einnahmen der Gemeinden zu vergrößern. Es ist nach all dem leicht zn ermessen, welch ein hoher Grad von Idealismus, Energie und Ausdauer, Pietät und Liebe zu den Alterthümern des Judenthunis Herrn B e r s o h n bei seinem Unternehmen leitet. Zu dem Gefühle der Dankbarkeit für die schöne Gabe gesellt sich der Wunsch, dem greisen Verfasser möge es gegönnt sein, sein Werk rüstig zu Ende zu führe». Abraham Goldfaden. Der Begründer des jüdischen Theaters. (Zu seinem 60. Geburtstage.) Lange und schwer kämpfte der Jargon, bis es ihm gelang, in der jüdischen Literatur einen Platz zu erringen. In früherer Zeit, da sie ausschließlich eine rabbinische war. konnte vom Jargon gar keine Rede sein, da die Rabbiner sich ausnahmslos in ihren Werken der hebräische» Sprache bedienten. Erst mit dem Auftreten . der neuhebräischeu Literatur tauchte» hie und da auch Werke im Jargon auf» und talentvolle Schriftsteller, wie Dick, A b r a h a m o w i tz (Mendele Mocher Sforim), später Perez. Spetter und noch viele andere, Volksdichter wie Z u n s e r. E h r e « k r a n z und noch mehrere ließen ihre vorzüglichen Werte im Jargon erscheinen und erwarben sich Ehrenplätze in der modernen Literatur der Juden. Zur Gruppe dieser Schriftsteller und Dichter gehörte auch Goldfaden. Auch seine Lieder wurden vom Volte gesungen, auch seine Gedichte wurden viel gelesen, sein Werkcheu und Zwiespalt in die Reihen des Judenthums tragen, während wir geeint und stark nach außen sein müssen! Für ein national organisiertes Judenthnm besteht diese Sorge nicht, und das verkrachte Assimilations-Jndenthum wird diese Trennung nicht durchführen. * * Vom Tage. Die Frage des Nass e n - A n t i s e m i s m u s ist wieder der Gegenstand einer Polemik, mitunter einer sehr heftigen Polemik, zwischen Clericalen und der raffenantisemitischen, vulgo christlich-socialen Presse. „Die Tiroler Volksstimmen", em altes Kampforgan der Tiroler Clericalen, erblickt den Hauptfeind nicht im Judenthnm, sondern im materialistischen L'beralismus, und nimmt gleichzeitig Stillung gegen die Verwässerung der katholisch-christlichen Religion im Sinne jenes Theiles der Chrrstlich-Socialen. deren Christentbum im Raffen- Hasse gipfelt. Das „Deutsche Bolksblatt", welches seine deutjchnationalen E erschalen trotz seines christlich-socialen Gegenwartsprogranimes liecht vollständig abgeschüllelt hat, verficht dagegen den Rassen-Antiseniltksmus als einen wesentlichen Bestandtheil seines christlich-socialen und deutschnationalen Standpunktes. Beide Thnle haben recht, und doch haben beide Thecle unrecht. Vom Standpunkte jenes katbol'scheu Christenlhams und jenes lirternationalen Clericalismus, dessen Träger die Katholische Volk-Partei in Oesterreich ist, „sind ja alle Menschen Brüder in Christo", und die Versöhnung aller Völker im Zeichen des Kreuzes ist das oberste Hanp-progiamm. In diesem Sinne betrachtet sich auch die Kathoüiche Volkspartei als die Trägerin des österreichischen Staatsgedankeus, und in diesem Siune als katholische und österreichische, muss der Clericalismus in letzter Linie den Raffen-Antisi-mitismus bekämpfen, insbesondere dann, wenn er nach der Auffassung der Ultramontanen seine Pflicht erfüllt hat, die Liberalen zu zerschmettern. * Aber mindestens ebenso gefährlich, ja unter den momentanen Verhältnissen in Oesterreich noch gefährlicher, erscheint dem echtsäcbrgen Clericalismus jene christlich-social schillernde Richtung der Derltschnativnalen. bei der das Christeuthum nicht das positive Christenthum der katholischen Kirche bedeutet, sondern ein reines Agitationsmtttel gegen das Judenthnm bildet, Katholicismus und Protestantismus m gleicher Weise umfassen soll, ein national-schillerndes Chriilenthum, das von den Radical-Nationalen der Losung geopfert wird: „Los von Rom". * * * Jetzt ist die christlich-sociale Partei eben an dem Wendepunkt angekangt, wo sie sich wird entscheiden müssen. Von rechts schallt es ihr entgegen, hie positives Christentyum, weg mit dem Rassen-AntiskMltlsmns, und von links, hie deutschnational, hie rasienantisemitsch, weg mit dem Clericalismus. Bisher gelang es dem Dr. Lueger, mit der Parole zu siegen : „Durch — mitten zwischen beiden Extremen", weil es sich um Wien drehte, wo weder die Alt-Clericalen noch die radicalen Deutschnationalen einen größeren Anhang besitzen. Sobald aber die Christlich-Socialen ihren Siegeszug auf die Alpenländer Böhmen und Mähren, wo diese beiden Factvren dominieren, ausdehnen wollen, da werden die Christlich-Socialen mit ihrer bisherigen Taktik nicht dnrchdringen können. Der Aliclericalismus, welcher in letzter Linie die Bereinigung der C o n s e r v a t i v e n aller Nationen erstrebt, und dem der Antisemitismus nur Mittel znm Zwecke ist, der im Protestantismus nicht weniger als im Judenthnm den Gegner erblickt, und eine „Das Jidele" erlebte sogar mehrere Auflagen — aber seinen großen Ruhm erwarb er fich erst durch die Schöpfung des jüdischen Theaters. Wir sagen „S ch ö p f u n g", denn Goldfaden hat das jüdische Theater aus Nichts erschaffen. Weder eine jüdische Bühne noch Schauspieler existierten vor ihm. selbst Theaterstücke, die aufführungsfähig gewesen tvären, gab es vor ihm nicht. Er musste alles selbst schaffen. Mit zwei jüdischen Bvlkssängern hat er in I a s s y (1877) den ersten Versuch gemacht. Er schrieb ursprünglich keine Stücke, sondern Rollen. Nach der Größe und der Fähigkeit seiner Truppe verfasste er die Scenen. Er arbeitete anfangs mit drei männlichen Personen, die auf der Bühne auch als Damen maskiert anftreten mussten, und schrieb Posten, deren handelnde Personen der jeweiligen Anzahl seiner Truppe entsprechend waren. Interessant ist die Entstehungsgeschichte seines Stückes „Die stumme Braut". Die Sänger zu Schauspielern zu machen, gieng noch leidlich, diese waren wenigstens bereits vorher gewöhnt, öffentlich vor einem Publicum Lieder vorzutragen, und mit wenigem Studium gelang es daher Goldfäden, sie zu besseren oder minderen Schauspielern zn machen, aber fast unmöglich schien cs, eine weibliche Darstellerin auf die „Bretter"" zu bringen. Selbst mindermvralische Mädchen lehnten die Engagementsanträge fürs Theater ab. Endlich nach langer Mühe gelang es Goldfaden, ein jüdisches Mädchen für seine Bühne zu gewinnen, aber, o Pech! Diese hatte solches Lampenfieber, dass sie nicht imstande war, auf der Bühne auch nur ein Wort zn sprechen. Und da schrieb Goldfaden für sie seine Puffe „Die stumme Braut", in der die Heldin kein Wort zn sprechen hat. Da kam das Jahr 187?—78, in welchem der russischtürkische Krieg entbrannte. Eine große Anzahl jüdischer Kaufleute «nd Lieferanten aus Russland kamen da nach Bukarest, wo Goldfaden mit seiner kleinen Truppe eben gastierte. Diese fanden an der Novität außerordentlichen Gefallen, boten Goldfaden die Mittel, seine Truppe zu vergrößern und auszubilden, so dass er bereits im Jahre 1879 mit einer gntgeschulten größeren Truppe nach Odessa reisen konnte, woselbst er im MarianSti-Theater feine Stücke aufführte. Die' Idee wurde realisiert, dar jüdische Theater war geschaffen und fand lebhaften Anklang.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.