Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 27 (6.7.1900)
- Date
- 1900-07-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wim. Freitag Jüdisches Volksblatt (>. Juli 1000 Nr. n wie den Herrn Schuldireclor in ihrer Amlsführnng als k. k. Beamter und als Schulmann angegriffen hätten, so wäre das persönlich, denn diese Angelegenheiten kommen nicht zur Gemeinde-Wahlreform. Wenn wir aber Handlungen kritisieren, welche die Gemeinde betreffen, so ist es wohl kein persönlicher Ausfall, wenn wir Namen dabei betheiligter Personen anführen. Im Gegentheil, sachlicher kann man keinen Kampf führen, als indem man die Personen herausgreift, die eine führende Rolle in dem Kampfe innehatten und Mann gegen Mann seine Angriffe richtet. Herr Ober-Finanzrath Dr. Rappaport hat es seit seiner Wahl bewiesen, dass er mit beiden Füßen im Lager des jetzigen Regimes steht. Er hat es aber nicht gesagt, weil er seine Wahl sicher haben wollte, und dieses Verschweigen der Gesinnung vor einer Wahl, dies nannten und nennen wir servil. Es ist uns dabei natürlich nicht im Traume eingefallen, der persönlichen Ehre des Herrn Dr. Rappaport nahezutreten; wir können den Herren Ober-Finanzrath persönlich für einen tadellosen Ehrenmann erklären, ohne ihm den Vorwurf des Servilismus ersparen zu können. In dem Kampfe, der sich jetzt oben vorbereitet, wird man sich an schärfere Waffen gewöhnen müssen. Es war all die Jahre her Gepflogenheit, den Kampf um sachliche Gegensätze bis zur Person zu führen, dann aber den ganzen Kampf mit der Motivierung des „Persönlichen' und der „Uneinigkeit im eigenen Lager" einfach fallen zu lassen. Wozu dann der Lärm? Wer sich ins öffentliche Leben begibt, muss eine rückhaltslose Kritik seiner Leistungen und seines Verhaltens ertragen. Die Person, das Haus, die Familie eines öffentlichen Functionärs sind, ohne zwingenden Anlass, jedem anständigen Blatte heilig; wenn aber das Blatt einen öffentlichen Functionär a l s solchen bekämpft, so kann da nicht von „persönlichen" Angriffen die Rede sein, denn dann hörte eben jeder Kampf überhaupt auf. Reasumiert also: sind wir allerdings der Ansicht, dass wir der periönlichen Ehre des Herrn Ober-Finanzrath Dr. Rappaport nicht im geringsten nahegetreten sind. And wir können aus freiem Antriebe hinzufügen, dass wir ihn für einen Ehrenmann im vollen Sinne des Wortes halten. Seine Haltung in der Wahlreform-Frage aber hat bewiesen, dass er ein erzreactionäres Element ist und keineswegs bei seinem Wahlprogramme geblieben ist, sich aus kein Programm einschwören zu lassen. Er ist ein unbedingter übereifriger Anhänger des rechtesten Flügels der Rechten des Gemeindevorstandes geworden und muss deshalb vom Fortschritte bekämpft werden. Das haben wir Zelhan, nie mehr, und wir glauben, nur im Sinne des freisinnigen Judenthums zu handeln. Allerdings nur des freisinnigen, auf den Beifall der anderen Elemente können wir dabei nicht rechnen. Chronik des Judenlyums. Inland. Wien. (Aus der Sitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde am 2. Juli 19uO. Beginn 5 Uhr nachmittags unter de in Vorsitze des Präsidenten kaiserlichen Rathes Klinger.) Im Anschlüsse an seine in der letzten Plenarsitzung gegebenen Mittheilungen eröffnet der Vorsitzende, dass er inforge des ihm übertragenen Mandates die Verhandlungen mit dem von der Jury in überaus beifälliger Weise beurtheilten Herrn Don Fuchs zum Abschlüsse gebracht hat, sohin derselbe ab 1. Juli dieses Jahres provisorisch als erster Cantor der Wiener Cullusgemeinde bestellt wurde. Im Einlaufe befindet sich weiters eine Zuschrift eines Gemeindemitgliedes, welches seine Cultussteuer freiwillig erhöhte. Ein paar Minuten trinken sie schweigend weiter. Dann stellt der Wirt (des Gasthauses) mit mürrischer Miene das Glas hin und sagt in düsterem Tone: „Was Hab' ich früher nicht an den Juden für schönes Geld verdient, mit Aufkäufen, Empacken, Abschicken u. s. w. Jetzt hat das alles aufgehört. Da liegt nun die ganze Bude voll Gäste, dass man keinen Platz mehr findet, aber was ist dabei zu verdienen? Ein Pfifferling .. . Und was ist los? Die Regierung nämlich will doch dem armen Volke Erleichterung schaffen, und nun kommt's so, dass es noch schlimmer daran ist, als früher . .." Die fiebernden Augen des Gastwirtes funkeln in verhaltener Bosheit. Sein Partner, dem Anscheine nach ein zugereister, kleiner Aufkäufer, trinkt mit gleichgiltiger Miene leinen Thee aus. „Sie bedrücken das Volk," sagt er ruhig. „Uebrigens, was geht's niich an. Wir können's aushalten. Geben Sie mir doch 'mal das Tischchen da 'rüber! 's ist Zeit!" Er zieht sich an und entfernt sich, das Tischchen in der einen und die Laterne in der anderen Hand, während der Wirt mit derselben düsteren Miene Tasse ans Tasse einzufchenken fortfährt und dabei von Zeit zu Zeit etwas in den Bart brummt. Sein Aerger aber wird noch größer, als auch ich nun näher ans Licht trete und er sieht, dass ich kein Jude bin. . . Ich fühlte, dass mich jemand vorsichtig mit dem Ellenbogen anstieß. Eine Gruppe von Dvrfkrämern umstand mich und hwlt mir das Muster eines Thürschlosses hin. „Wo werden Sie das Gelo in Empfang nehmen?" fragte einer von ihnen leise — offenbar hielten auch sie mich für einen Juden, der mit Schmuggelwaren hergekommen war. „Da habt Ihr Euch 'mal versehen, Kinder!" sagte eine spöttische Stimme, an der ich nreinen Awerjau erkannte. (Ans Scholz' „Die Juden in Russland".) Im Präsidialberichte lenkt der Vorsitzende die Aufmerksamkeit der Versammlung auf das tief ergreifende Unglück der armen Juden in Rumänien, und glaubt versichert sein zu können, dass die Nolhlage, in welcher sich diese Glaubensgenossen befinden, welche ja durch das Elend der durchziehenden Auswanderer in rührender Weise zum Ausdrucke gelangt, den Wohlthätigkeitssiutt a»lch der Wiener Juden wachrnfen werde. Es thue gewiss jeder einzelne nach seinen Kräften dies betreffend das irgend Mögliche zur Linderung des Elends, wenngleich leider von einer gänzlichen Behebung desselben nicht gesprochen werden könne. Der Vorstand als solcher muss es als unmöglich bezeichnen, selbst activ in die Action einzugreifen. Es haben aber die Vertreter in einer zu Ende der vorigen Woche aus diesem Anlasse vom Vorsitzenden einberufenen Versammlung beschlossen, die von dem so sehr bewährten Vereine „Israelitische Allianz" und eventuell auch die gleichartigen Bemühungen des Vereines „Osten" nach Möglichkeit zu fördern und auch materiell zu unterstützen. Die Anträge des Vertreter-Collegiums wegen Zuwendung eines namhaften Betrages aus den Mitteln der Cnltusgemeinde für den genannten Zweck an den Vorstand der „Israelitischen Allianz", eventuell unter Umständen auch einer materiellen Unterstützung des Vereines „Osten" werden einstimmig zum Beschlüsse erhoben. In Angelegenheit der M. L. B i e d e r m a n n'schen Waisen» stiftung wird auf Grund eines Referates des Herrn ersten Seeretärs Dr. Lieben eine Modificierung der jüngst gefassten Beschlüsse, betreffend die angestrebte Aenderung des Stiftbrief- Entwurfes, angenommen. In Fortsetzung der zum Schlüsse der letzten Plenarsitzung begonnenen Berathung über Anträge der zweiten Section, betreffend mehrere Aenderungen des Lehrplanes für den Religionsunterricht an Volks- und Bürgerschulen, erstattet der Referent Herr Vürgerschul-Director Simon das nachstehende Referat: Die Schulsection hat sich der Thatsache nicht verschließen können, dass die sümmtlichen Lehrpläne für den Religionsunterricht einer Revision zu unterziehen seien und hat den Anfang mit dem Lehrplane für Volks- und Bürgerschulen gemacht. Bekanntlich würde der im Jahre 1878 eingeführte Lehrplan, welcher eine .Deutsche Bibelleetüre" als Mittelpunkt des gesammten Religionsunterrichtes hinstellte und die Pflege der heiligen Sprache gänzlich den Bibelschulen zuwies, im Jahre 1892 durch einen anderen Lehrplan ersetzt; in diesem wurde die Kenntnis der wichtigsten Stellen des Pentateuch neben der biblischen Geschichte und „Religionslehre" als Lehrstoff festgestellt. Obwohl nur etwas mehr als 8 "/» aller Verse des Pentateuch für sämmtliche Classen der Volks- und Bürgerschulen vorgeschrieben waren, zeigte sich diese Anfgabe als nicht ausführbar; das Lehrziel wurde nach dem Zeugnis der Lehrer gar niemals erreicht. Gegenüber dieser gewiss unangenehmen Thatsache stand die laute Unzufriedenheit der Eltern, welche einerseits über zu große Anforderungen, andererseits über die Unfähigkeit der Kinder, dem Gottesdienste zu folgen, klagten. Der Fachmann aber musste sich sagen, dass jener Plan nicht in allen Theilen aus dem neuesten Standpunkte der Pädagogik stand, nicht überall die Errungenschaften der neuen Methodik für seine Zwecke verwendet. Durch die Bestimmung, dass in der V. Volksschulclasse die Geschichte bis zum Tode Davids oder späten bis zum zweiten Tempel genommen und dann in der Bürgerschule wieder vom Anfang begonnen wurde, trat eine Art Zweistufigkeit ein, welche die gründliche Verarbeitung des Stoffes ganz unmöglich machte. Durch die geschichtliche Behandlung fast jeder in der heiligen Schrift genannten Person wurde das Gedächtnis in ganz überflüssiger Weise belastet. Durch die Behandlung einer sogenannten „Pflichtenlehre" und Glaubens- und Sittenlehre in der V. Classe der Volks- und in der III. Classe der Bürgerschule trat eine Anspannung der jugendlichen Kräfte ein, die man umsomehr bedauern musste, als die jüdische Lehre in ihrer Klarheit und schönen Einfachheit geradezu mustergiltig in pädagogischer Beziehung genannt werden kann, daher keine systematische Darstellung braucht, sondern dadurch nur unnütz erschwert und verdunkelt wird. Unter diesen Gesichtspunkten trat die Schulsection an die Umarbeitung des Lehrplanes. Man setzte sich ins Einvernehmen nrit der Lehrerschaft, deren Ausschuss eine außerordentlich große und nützliche Thätigkeit entfaltete. Die von der Lehrerconferenz unter der Leitung der Herren Jnspectoren für Volks- und Bürgerschulen gemachten Vorschläge müssen sehr verdienstlich genannt werden und haben bereits in der vorigen Plenarversammlung die Anerkennung gefunden. Die Vorschläge der Lehrerconferenz wurden einer eingehenden Berathung innerhalb der Section in vielen Sitzungen unterzogen und in einzelnen Punkten ergänzt. Die dem Plenum des Vorstandes nunmehr unterbreiteten Abänderungen beziehen sich auf folgende Punkte: 1. Der früher vorgeschriebene Lehrstoff aus dem Pentateuch wird nach der Richtung hin gesichtet, dass alle schwer za übersehenden Stellen Wegfällen, dass die im Gebetbuche vorkommenden Stellen aus dem Gebetbuche genommen werden, dass letzteres etwas mehr in den Vordergrund gerückt werde, um eine nach Möglichkeit verständnisvolle Theilnahme am Gottesdienste zu ermöglichen. 2. Die Zweistufigkeit der biblischen Geschichte entfällt; in der Volksschule wird diese nur mehr bis zum Tode Moses genommen, damit der Stoff so gründlich behandelt werden könne, dass in der Bürgerschule eine kurze Wiederholung genügt. Der Lehrstoff aus der Zeit der Richter und der Könige wird genau begrenzt und alles nicht Nothwendige ausgeschieden; dadurch wird es möglich gemacht, dass die Geschichte der Juden im Mittelalter und in der Neuzeit, insbesondere soweit sich dieselbe auf Wien und Oesterreich bezieht, einer ebenfalls genau umgrenzten Behandlung zugeführt werden könne. 3. Die systematische Neligionslehre, welche mit Zuhilfenahme fremder Erzeugnisse Erklärungen für religiöse Lehren gibt, welche keiner Erklärung bedürfen oder für welche keine dem kindlichen Geiste verständliche Erklärung vorhanden ist, entfällt; dagegen werden auf jeder Stufe die Lehren unserer Religion im Anschlüsse an den Urtext oder in möglichst wörtlicher Uebersetzung in entsprechender Vertheilung gelehrt und dem Gedächtnisse eingeprägt. Bei allen Bestandtheilen und auf allen Stufen sind die neuesten Leistungen der Methodik sorgsam und mit genauer Abwägung der Fassungskraft, der Leistungsfähigkeit der Kinder verwertet worden, damit der Religionsunterricht niemals eine Quelle des Missmuthes und Unbehagens in Schule und Haus werde, sondern durch starke Betonung der ethischen Lehren unserer Religion das Gemüth veredle und bte Treue zum angestammten Glauben befestige. Der von dem Vorsitzenden zur Theilnahme an dieser Berathung eingeladene Oberrabbiner Herr Dr. G ü d e m a n n spricht in längerer Auseinandersetzung dem eben vernommenen Referate feine ungetheilte Zustimmung aus und erklärt sich mit vorliegenden Anträgen vollkommen einverstanden. An der hieraus folgenden Debatte betheiligen sich die Herren : Dr. Steiner. Baurath S t i a ß n y, Dr. Grünfeld, Vice- Präsident Dr. K o h n und Dr. Berger, und werden die Ariträge der Section einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Nachdem der Vorsitzende hervorhebt, dass diese Angelegen heit zu seiner Befriedigung im Sinne des Statuts im Eiuvernehmer mit dem Rabbinate erfolgt sei, spricht er unter allgemeiner Zu stimmung dem Referenten, Vorstandsmitgliede Director Simon für das erschöpfende Referat die wärmste Anerkennung und der Dank des Vorstandes aus. I Wien. (Israelitische Cultusgemeinde Wien! — Schul«ngelegenheiten.) Der Vorstand der Cultus! gemeinde hat in einer Reihe von Sitzungen neue Bestimmungen! betreffend die Prüfungen für das Lehramt der israelitischer Religion an Volks-, Bürger- und Mittelschulen, ausgearbeitet welche in der Kanzlei der Cultusgemeinde auf Wunsch ausgesolgl »oerden. Floridsdorf. Samstag den 23. Juni d. I. nahm unser err Bezirksrabbiner Dr. Rosen mann Veranlassung in seiner redigt, der drückenden Roth unserer rumänischen Brüder Er wähnung zu thun und verlas von der Kanzel herab die beider, zur Geldsammlung auffordernden Aufrufe der„Jsraelitischen Allianz" und des Vereines „Osten" in Wien. Schon am Mittwoch, der, 27. Juni constituierte sich hier ein Hilfscomitö vornehmer Persönlichkeiten, das eine beträchtliche Summe zu sammeln vermochte, Dieselbe wird den beiden obgenannten Vereinen zugeführt werden, Donnerstag, den 12. d. M. abends um 5 Uhr findet im hiesiger, Tempel anlässlich des 70jährigen Geburtsfestes unseres allgeliebten Kaisers ein Fest-Jugendgottesdienst statt, an welchem sämmtliche Schulkinder des Bezirkes Floridsdorf und Korrreuburg mit ihren Religionslehrern, sowie der gesammie Cultusoorstand und die Obmänner der Bethausvereine der Bezirksgemeinde theilnehmen werden. Prag. Im Neustädter Volkstheater wird ein Tendenzstück anfgeführt, welches eine politische Richtung und ihre Agitatoren lächerlich zu machen bestrebt ist, und welches einen Scandal erregt, der zur Schlägerei ausartet; so wert hätte die ganze Geschichte mit uns Juden nichts zu schaffen, wenn aber, wie bekannt, dieses Theater von 95 Percenl Juden besucht wird, so haben keine Socialisten, keine Czechen randaliert, auch keine Deutschen gegendemonstrierl, sondern es haben Juden, und nur als Juden, für fremde Interessen ihre Haut zu Markt getragen, und heute kann man es schon schwarz auf weiß lesen: die Juden haben untereinander gerauft. Die Familie Wawroch", die Tendenz dieses Stückes, die Veranlassung zum Scandal, alles, alles ist vergessen, der Jude ist aber geblieben. Ist es nicht bedauernswert, dass Menschen, denen man doch Verstand nicht absprechen kann, noch immer nicht begreifen lömien, dass sie überall dort, wo sie nicht für ihre uretgentliüinlichen, das heißt jüdischen Interessen eintreten, sich einfach lächerlich machen und der antisemitischen Presse eine willkommene Gelegenheit bieten, den Juden eines zu versetzen. Wann wird denn doch endlich der verblendete Jude Verstand bekonnnen? Prag-Smichow. Dass wir Juden ganz eigenthümliche Exemplare'in unserer Mitte haben, ist eine bekannte Thatsache, dass wir aber auch eines haben, welches eine rein interne Angelegenheit einer Cultusgemeinde vor das Forum eines allenthalben gelesenen antisemitischen Blattes bringt, dürfte doch wohl bloß eine böhmische Specialität sein und nach Gebür gewürdigt werden. Die Sache verhält sich folgendermaßen: Snuchow hatte eine Rabbinerstelle zu besetzen, von den Bewerbern wurden sechs um Probevorträge gebeten, von welchen jedoch bloß einer auch in czechischer Sprache vorzutragen fähig war, dieser wurde durch eine Jntrigue zur Zurücknahme seiner Bewerbung veranlasst, von den übrigen passten zwei, zwischen welchen am 26. die Wahl zu treffen war; am selben Tage nun brachte die antisemitische „C. Politika" einen fulminanten, von jüdischer Hand geschriebenen Hetzartikel, welcher die Anstellung eines czechischen Rabbiners fordert. — Wir müssten bei dieser Gelegenheit wiederholen, was wir oft genug gesagt haben, begnügen uns also, dieses traurige Beispiel jüdischer Entartung zu notificieren. Saaz. (O b stru ciion in einer G ein ei n deVertretung.) Die „Obstruction" feierte jüngst, nachdem sie bereits in den Parlanienten aller Dreibundstaaten Verwendung gefunden hat, ihren Einzug in eine Gemeindevertretung. In Saaz wollte man einen jüdischen Bürgermeister wählen. Da die Liberalen bei weitem die Mehrheit besitzen, so sah sich die Minderheit der deutschnationalen Gemeinderäthe veranlasst, in die Obstruction zu treten, um durch iur Fernbleiben die Beschlussunfäciigleit des Gemeinderathes herbeizuführen. Auf diese ©cije haben die Deutschnationalen bereits „zum drittenmale die Wahl eines Juden zum Bürgermeister von Saaz verhindert. — Den Wiener jüdischen Genossen des Herrn Wolf zur Lehre! Budapest. (Jüdische E m i g r a n t e n.) Unter den Passagieren des gestern nachmittags 3 Uhr eingetroffenen Orsovaer Schiffes befand sich eine 48 Mann hohe Gruppe in blauleinenen ttniformen: junge, krafistiotzende Rumänen jüdischer Confession, die dem Vaterlande den Rücken gekehrt haben und unter den ungünstigsten Anspicien eine Weltreise antreten. Die jungen Leute — es gibt unter ihnen baumhohe Männer mit classischen Gesichtszügen — sind bis vor Jahresfrist in Rumänien allerhand gewerblicher Beschäftigung abgelegen; sie haben als Schneider und Schuster, Buchbinder, Uhrmacher, Tischler re., als Kaufleute und commercielle Angestellte ihr Brot ehrlich erworben Nach und nach sind sie subsistenzlos geworden, trotz monatelangem Suchen und Nachsragei» ist es ihnen nicht gelungen, zu einer regulären Beschäftigung zu gelangen, und da sie einsahen, dass es in ihrer Heimat mehr keines Bleibens ist, haben sie sich, schweren Herzens zwar, doch der Roth gehorchend, entschlossen, ein fremdes, vornrtheilsfreies Land jenseits des Oceans ansiusuchen, ivo der jüdische Arbeiter anstandslos Beschäftigung findet. Das Reiseziel der rumänischen Jünglinge bildet Canada. Sie wollen sich dort ansiedetn und bet industriellen Unternehmungen, eventuell Bauten, in Bergwerken Arbeit suchen, und sobald sie sich genügende Kenntnisse in der englischen Sprache erworben, ihrem früheren Berufe obliegen. Die Emigranten niachen, trotzdem ihre Reisezehrung eine sehr magere ist, keinen pltoyablen Eindruck. Ein alter Herr mit ergrautem Vollbarte ist ihr Reisemarschall oder — wie sie ihn nennen — ihr „Ehrenpräsident". Herr Samuel R tt h i g, der ui C r a j o v a eine chemische Putzanstalt besitzt, hat sich an die Spitze der Beschäftigungslosei» seiner Stadl gestellt und die Ausgabe übernommen, seine jungen Glaubensgenossen nach Hamburg zu spedieren. Wie er es anstellt? Ganz einfach. Er fährt der Gruppe voran, sammelt in den an der Reiseroute liegenden größeren Städten bei den israelitischen Ciiltusgemeiiidei» Geldbeträge für die Auswanderer, und so hat ec sie nach Budapest gebracht, von wo sie abends 7 Uhr ihre Fahrt nach Wien fortsetzten. Während ihres vierstündigen Aufenthaltes wurden die Rumänen hier durch die Cultusgemeinde verköstigt. Bon Wien aus werden die jungen Leute durch die Alliance israölito universelle mit Fahrkarten nach Hamburg, respective Canada versehen. Heute Montag treffen noch 60 Auswanderer per Bahn und 120 per Schiff iu Budapest eti», um ihren Weg in überseeische Länder zu liehmen. Preföburg Wie berichtet wurde, hatder Director der hiesigen Handelsakademie den Rabbiner der Neologengeineinde Dr. H. Funk seiner Stelle als Religionslehrer an der erwähnten Anstalt präsidialiter enthoben, weil derselbe seine Schüler — die zum Theile beim getauften Director der Anstalt iu Pension waren — atu Einhaltung der Speisegesetze und des Schreibverbotes am Samstag aufforderte. Nachdem die Handelskammer als Erhalterin der Schule sich vergeblich bemühte, eine Verständigung