Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 25 (22.6.1900)
- Date
- 1900-06-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 22. Juni 1900 Seite 3 so unglücklich aus, dass sie das Misstrauen der jüdischen Bevölkerung nur noch stärkten. So behauptete z. B. Herr Dr. Beck bezüglich eines Interviews, welches er einem antisemitischen Redacteur gewährte, er habe nicht gewusst, dass die „Apararea Nationalst ein antisemitisches Organ sei. Wollten wir dieser Behauptung Glauben schenken, so müssten wir annehmen, dass Herr Dr. Beck sich gar nicht um Fragen, die das rumänische Judenthum angehen, kümmert. Denn es gibt wohl kaum noch einen Juden in Rumänien, der nicht wüsste, dass das genannte Blatt das officielle Organ des geheimen Antisemitenbundes ist. Ist es aber richtig, dass Herr Dr. Beck es nicht wusste, so fragen wir mit Recht, wie erlaubt sich Herr Dr. Beck, die rumänischen Juden zu vertreten, wenn er die bekanntesten Thatsachen ignoriert, welche sich auf dieselben beziehen? * Herr Dr. Beck war seit jeher bei der jüdischen Bevölkerung unbeliebt, die letzten Ereignisse haben ihm derselben geradezu verhasst gemacht. Seinen Betheuerungen der Unschuld möchte man ja gerne Glauben schenken, aber die Haltung der Regierung und der Polizei gegenüber der Agitation gegen Herrn Dr. Beck bestärkt die jüdische Bevölkerung in ihrem Glauben, Dr. Beck habe an ihr Verrath geübt. Personen, welche Herrn Dr. Beck angegriffen haben, sind des Landes verwiesen, andere sind verhaftet und misshandelt worden. In den letzten Tagen verfährt aber die Polizei, speciell in Bukarest, mit einer Willkür und Brutalität, welche alles überschreitet, was man aus diesem „Judenparadies", Rumänien geheißen, seit Jahrzehnten vernommen hat. An einem Tage wurden z. B. 200 Juden verhaftet, darunter drei Rabbiner, weil dieselben an der Agitation für die Auswanderung theilgenommen haben. Die Polizei entwickelt auf Befehl der Regierung einen wahren Terrorismus in den Judenvierteln, indem sie maßlos und brutal alles verhaftet, was ihr in die Arme läuft. * Und der Zweck dieser Verhaftungen? Es heißt, die Regierung wolle damit die Auswanderung der Juden eindämmen, ganz unmöglich machen. Mit anderen Worten, die Regierung scheint eingesehen zu haben, dass die Auswanderung ein weit größerer Verlust für den Staat als für die Juden, welche nichts zu verlieren haben, bedeutet. Diesbezüglich ist ja charakteristisch das Telegramm, welches der Prüftet des Bezirkes Dorohoi an den Minister des Innern gerichtet hat. Die Hauptstadt dieses Bezirkes, die Stadt Dorohoi, ist fast ausschließlich von Juden bewohnt. Unter diesen herrscht aber eine so große Auswanderungslust, dass, falls alle Gruppen, die sich gebildet haben, auch wirklich auswandern sollten, die Stadt ohne Bevölkerung bliebe. Der Prüftet soll denn auch depeschiert haben: „Erlasset Auswanderungsverbote, sonst bleibt meine Hauptstadt ohne Einwohner." * In sehr raschem Tempo ist die Negierung von der Freude über die Auswanderungen dazu gekommen, dieselben als eine Calamität zu betrachten und folglich auch zu verhindern. Diese Thatsache ist von weittragender Bedeutung. Rumänien war ein antisemitischer Staat in des Wortes vollster Bedeutung. Er muss es jetzt erfahren, welch nützliches Element die Juden sind, er muss es erfahren, dass sie für ihn geradezu eine Lebensbedingung sind. Andererseits ist die jetzige Haltung der Regierung auch für die Juden sehr belehrend. Jahrzehntelange Verfolgungen haben den rumänischen Juden das Selbstvertrauen geraubt. Sie hatten langsam angefangen zu glauben, was die Antisemiten wiederholten, dass sie für Rumänien nur eine Bürde sind und dass, wenn sie alle fortzögen, kein Hahn danach krähen, das Land aber erleichtert aufathmen würde. letztere ohne Kenntnis unserer Literatur anzueignen. Können wir bei der stürmischen Forderung der Zeit nach Bildung und in Anbetracht der Vortheile, die sie gewährt, erwarten, dass die Entscheidung zugunsten der jüdischen Literatur ausfallen werde? Auf die moderne Bildung können und wollen wir nicht und auf Kenntnis unserer Literatur dürfen wir nicht verzichten. Mit dem Tage, da die Pflege unserer Literatur aufgehört hat, die heiligste Aufgabe unserer Gemeinden zu sein, hat der Niedergang des Judenthums seinen Anfang genommen, und nun an beni Tage, an welchem die Kenntnis unserer Literatur in den Gemeinden sich wieder zu verbreiten anfängt, können wir auf dauernde Gesundung unserer Verhältnisse hoffen? Unsere heiligste Aufgabe ist, gediegene Kenntnis unserer Religiousurkunden unter alle Schichten unseres Volkes zu verbreiten, damit unsere Jugend, mag sie sich welchem Berufe immer widmen, befähigt wird, selbst ans dem Lebensqnell unseres Schriftthums zu schöpfen. Nicht Schulen für Rabbiner, sondern Schulen zur Heranbilduug glaubensstarker und überzeugungstrener G e m e i n d e m i t g l i e d e r thun uns noth. Nicht Seels orger fehlen uns, die in begeisternden Worten die Ideale des Judenthums im Gottes Hause verkünden, unsere Gemeinschaft braucht jüdisch denkende und fühlende Männer in allen Schichten des Volkes, in deren mannigfachen Berufsarten auf dem bewegten Marktplatze des Lebens der Geist des Judenthums in opferfreudigen Th a te n zur Geltung gelangen soll. Bei der steten Zunahme und Nothwendigkeit der Bildung lässt sich dies jedoch nur dann erreichen, wenn Kenntnis unserer Literatur Hand in Hand mit der allgemeinen Bildung geht, wenn Schulen errichtet werden, in welchen beides mit gleichem Ernste und gleicher Sorgfalt gelehrt und gepflegt wird. Die harmonische Bereinigung beider ist der kräftigste Damm, beit wir der mit verheerender Macht einhergehenden Zeitströmnng entgegensetzen können. Die attseitige Ausbildung der Geistesanlagen unserer Jugend, verbunden mit Jetzt aber haben die Juden ihre Kraft erkannt, und es ist zu hoffen, dass sie auf dem eingeschlagenen Wege auch beharren. Polizei und Brutalität werden nichts nützen, sie sind ja auch immer die ultima ratio der Herrscher gewesen. Man wird mit Gewalt die Auswanderung nicht aufhalten können, und man wird sich folglich dazu bequemen müssen, den gehetzten Juden das Leben erträglich zu machen, damit man durch Milde und Gerechtigkeit erreicht, was die Gewalt nicht durchsetzen konnte. * Wie lange noch die Hetze anhalten wird, kann man nicht Voraussagen. Soviel aber ist sicher, nach Ausbruch derselben sind im Geheimen doch noch Hunderte von Juden von Bukarest weggereist und haben es verstanden, die rumänischen Behörden zu täuschen und über die Grenze zu kommen. Es bleibt abzuwarten, was die Regierung für weitere Schritte zu thun gedenkt. In wohlinformicrten Kreisen behauptet man, dieselbe erstrebe eine Beruhigung der Gemüther, was allerdings in crassem Widerspruche steht mit den vorgenommeuen Verhaftungen, Ausweisungen und Abschiebungen nach den Geburtsorten. Andererseits veröffentlicht endlich die Regierung in ihrem hochofficiösen Organ „Timpul" folgendes Communique: „Gegenüber einzelnen Polemiken bezüglich der Unterredung des Herrn Dr. Beck mit dem Cultusminister, die leicht zu begreifen ist, da Herr Dr. Beck dem Personale eines Landes-Cultus angehört und auch persönlich an mehreren coufessionellen Schulen interessiert ist, Polemiken, die ihren Höhepunkt im Erscheinen eines Flugblattes mit dem Titel „Nieder mit dem Verräther" erreichen, machen wir bekannt und bestätigen in der positivsten Weise, dass während dieses Gespräches kein Wort bezüglich der Judenauswanderungen gesprochen wurde; folglich kann auch von einer diesbezüglichen vom Dr. Beck unterfertigten Erklärung nicht die Rede sein. Ohne im übrigen diesem Streite innerhalb dieses wegen seines Solidaritäts- und Einigkeitsgefühls allgemein berühmten Volkes eine größere Bedeutung bei zu messen, als ihm z u k o m m t, bedauern wir denselben, weil uns nichts gefallen kann, was die Seelenruhe der Einwohner dieses Landes stören könnt e." Würde die rumänische Bevölkerung den officiösen Communiques nicht das größte Misstrauen entgegenbringen, und wäre die hier dementierte Unterredung nicht in dem Blatte des erwähnten Cultusministers veröffentlicht worden, Herr Dr. Beck könnte sich als glänzend gerechtfertigt betrachten, und jeder, welcher ihn unrecht gethan, müsste ihm Abbitte leisten. Immerhin soll im Interesse des jüdischen Volkes in Rumänien das Communique als absolut glaubwürdig betrachtet und der Zwischenfall geschlossen werden, damit man sich den wichtigen actuellen Fragen ganz zuwenden kann. —yz. * * * Bukarest. (Anna h m e verweigert!) Bekanntlich ist dieser Tage einer oer Chefs der jüdischen Auswanderergruppen, namens Giurescu, ausgewiesen worden. Wie jetzt bekannt wird, hat nun die ungarische Negierung die Annahme Giurescus verweigert, so dass dieser sich gegenwärtig noch in Predeal in Haft befindet. In dem gestern abgehaltenen Ministerrathe wurde auch diese Angelegenheit erörtert, doch ist darüber, was diesbezüglich beschlossen wurde, noch nichts bekannt. Bukarest. (DieJuden aus Wanderungen.) Gestern haben 20 jüdische Maler Bukarest verlassen, um nach London auszuwandern. — Am Dienstag haben 56 jüdische Handwerker von Piatra zu Fuß die Reise nach Hamburg zwecks Einschiffung für Amerika angetreten. | Bukarest. (Abschiebungen von existenzlosen Jude n.) Gestern wurde eine größere Zahl in Bukarest weilender | existenzloser Juden aus der Provinz zur Polizei gebracht und nach den Städten, wo sie zuständig sind, abgeschoben. Chronik des Judenthums. Inland. Wien. (Aus der Plenarsitzung des Cultusv o r st a n d e s vom 10. Juni 1000 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath H. Klinger.) Herr Präsident kais. Nath Klinger referiert über die anlässlich des 70. Geburtstages des Kaisers am 18. August zu veranstaltenden Festlichkeiten und stellt namens des Vertreter-Collegiums nachfolgende Anträge: I. Sämmtliche Gemeindehäuser sind zu beflaggen. 2. Im Tempel der Inneren Stadt ist ein solenner besonderer Feftgottesdienst zu veranstalten. Ueberdies ist 3. in allen Synagogen anschließend an den Morgen-Gottesdienst ein feierlicher Gottesdienst abzuhalten. Die Anträge werden einstimmig angenommen. Herr Baurath S t i a ß n y referiert über die nothwendige Renovierung des Ceremoniensaales im Tempel 1. Be;., Seitenstettengasse 4, und beantragt namens der I. Section an der Hand von Vorlagen die Ausmalung des Ceremoniensaales in einer dem Stile des Tempels angepassten Weise. Der Referenten- Antrag wird angenommen. Herr Baurath Stiaßny referiert weiters über die Wiederherstellung der theilweise schadhaft gewordenen Einfriedungsmauer des Währinger Friedhofes. Her erforderliche Kostenbetrag von ca. 330 fl. wird bewilligt. Die Anträge der Friedhof-Section über die Vergebung der Steinmetz- und Baumeister-Arbeiten für die Herstellung von Grüften am Centralfriedhofe an die auf Grund des Ergebnisses der Offertverhandlung billigsten Offerenten werden genehmigt. Ueber Antrag der I. Section wird Herr Rabbiner Meyersohn in seiner Eigenschaft als Rabbinats-Assessor definitiv bestellt. Herr Doctor G r ü n s e l d referiert über die Verleihung der Otto C o h n'schen Stiftung für Realschüler entsprechend den Anträgen des Präsentanten und im Sinne des Beschlusses der II. Section an drei würdige Realschüler. Zur Kenntnis. Weiters wird zur Kenntnis gebracht, dass vier Petenten, bte bei der Verleihung trotz ihrer Würdigkeit nicht berücksichtigt werden konnten, von dem Stifter Hrn. Salo Cohn je ein Gratiale von 50 K. und einem Petenten aus Gemeindemitteln eine Unterstützung von 50 K. gewährt wurde. Herr Dr. Steiner referiert über die Verleihung des Ignaz B l u m e n f e l d'schen Bildhauer-Stipendiums im Betrage von 1960 K. Ueber Antrag der II. Section wird die Verleihung des Stipendiums an den vom Juroren-Collegium, bestehend aus den Herren Professoren Hellmer, von Zumbusch und Kundmann primo loco vorgeschlagenen Richard H a d l, und weiters beschlossen, die von der Jury besonders belobten Petenten Eugen Klein, Fritz H e r l i n g e r und Geza S a l z m a n n dem Curatorium der R o t h s ch i l d'schen Künstler-Stiftung zu empfehlen. Die durch das Ableben zweier Stipendisten der Dr. Adolf Sacks'schen Stiftung für Herz- und Aorta-Kranke freigewordenen Zinsenerträgnisse pro 1900 werden über Antrag der III. Section (Referent Herr Dr. Steiner) an vier würdige Petenten verliehen. Wetters wird über Antrag der III. Section beschlossen, eine Abänderung des Stiftbriefes der Dr. Sacks'schen Stiftung für Herz- und Aortakranke dahin zu erwirken, dass die auf Lebensdauer verliehenen Plätze, insolange die Stipendisten competent erscheinen, was alljährlich nachzuweisen wäre, nicht zur Ausschreibung gelangen, Nach Erledigung von Steuerangelegenheiten wird die Sitzung geschlossen. Wien. (Kundmachung.) In der Kanzlei des Synagogenvereines „Beth Israel", II., Leopoldsgasse 29, werden zur Bequemlichkeit des Publicums die noch verfügbaren Betsitze vom 10. Juni a. c. angefangen an Wochentagen von 6—8 Uhr abends ausgegeben. Wien. (Verein „Marpe Laue fesch".) Unter den zahlreichen Humanitären Vereinen Wiens nimmt der humanitäre Verein „Marpe Lanefesch" schon vermöge seines uneigennützigen menschenfreundlichen Wirken unstreitig eine hervorragende Stellung ein. Die Mitglieder und insbesondere der Vorstand dieses Vereines bringen alle erdenklichen Opfer an Geld, Zeit und Mühe, um den täglich so zahlreich an sie herantretenden Kranken und Reconvalescenten, sowie verschämten Armen nach bestem Können eine Hilfe zu gewähren. Leider reichen die vorhandenen Mittel bei weitem nicht hin, um den stetig wachsenden Anforderungen Genüge zu leisten. Obwohl von Seite der Behörde dem Vereine „Marpe Lanefesch" in Berücksichtigung seiner Verdienste auf humanitärem Gebiete die Bewilligung zur Vornahme von Sammlungen mit Büchsen ertheilt wurde, womit das edle Bestreben dieses Vereines gefördert erscheint, ist der eine Umstand schwerwiegend und beeinträchtigt dessen humanes Wirken, indem auch solche Vereine, ohne behördliche Bewilligung Sammlungen mit der Einführung derselben in den tiefsten Ideengehalt unserer Literatur, würde eine Judenheit erzeugen, welche imponieren möchte durch ihre Intelligenz und höhere Sittlichkeit. In solchen Schulen könnte eine Jugend herangebildet werden, die Cultur und Judenthum, Bürgertugend und Glaubenstreue, Religiösität und Gesittung als leuchtendes Muster hinaustragen würde in die Mitte unserer Gemeinden und der Jugend, die ihre Ausbildung an interconfessionellen Schulen empfängt. Die in einer solchen Schule herangebildeten, mit der Kenntnis der hohen Idealität und der welthistorischen Mission des Judenthums ausgerüsteten und von glühender Begeisterung für dasselbe erfüllten Jiinglinge könnten später, wenn sie zu Männern herangereift sind, im öffentlichen Leben überall da als feurige Anwälte für das Judenthum auftreten, wo es c us Böswilligkeit entstellt oder aus Unkenntnis verkannt wird. Zu Beginn der großen Wanderung, welche Israel durch die Zeit und die Völker antreten sollte, erstanden zwei Männer von großem Einflüsse, Rabbi Jochanan ben Zakai und Josephus Flavius. Beide zusammen, ersteper mit seiner tiefen Kenntnis unserer Literatur und heiligen Begeisterung für dieselbe, und letzterer mit seiner Kenntnis der Weltliteratur, waren gleich einem Leuchtthurme, der seine Strahlen auf die wogenden Meereswellen hinstreut, beide zusammen beleuchten den Weg, den Israel in der Zerstreuung zu gehen habe, beide enthalten das Programm, in welchem die Leitmotive Israels zu finden sind, beide zusammen das Ideal, welches Israel zu verwirklichen hat. Während aber viele Gemeinden Deutschlands nicht zögerten, durch Umgestaltung ihrer Schulen dem Bedürfnisse, das Judenthum zu erhalten, Rechnung zu tragen, und bereits die schönen Früchte genießen, suchen wir in Oesterreich vergebens eine Gemeinde, auf welcher unser Auge mit Befriedigung weilen könnte, vergebens Schulen, in denen die Jugend gleichmäßig ausgerüstet wird mit Bildung und Kenntnis unserer Literatur. Wie im politischen Leben Oesterreichs die Parteien und Nationalitäten, so stehen auch innerhalb der Judenheit Oesterreichs Parteien mit den entgegengesetzten Wahlsprüchen einander gegenüber, und während auf der einen Seite alle humane Bildung vernachlässigt wird, verkündet man im anderen Lager, dass gründliche Kenntnis unserer Literatur nicht mehr zeitgemäß sei, und die Folge dieser schroffen Gegensätze ist der Niedergang des Judenthums! Unsere Zeit ist besonders geeignet, für das Judenthum Großes zu schaffen, möge sie auch die rechten Männer finden, die, erfüllt von Thatkraft und idealer Begeisterung, das Versäumte nachholen und mit uns den jüdischen Schulvereiu „Hoemunoh Vehamada" aufrichten helfen, unter dessen Aegide die verheißungsvolle Aufgabe der Gründung einer jüdischen Mittelschule ihrer befriedigenden Lösung entgegengeführt wird. Auf eineul alten Friedhofe befindet sich ein Grab, das von großen Steinen bedeckt ist. Ein gemeißelter Mantel legt sich im mächtigen Faltenwürfe an das Gestein, und auf den Schwellen ringsumher ist zu lesen: Dieses Grab darf in alle Ewigkeit nicht geöffnet werden. Und, o Ironie des Geschickes, das Grab ist weit geöffnet und die Steine, welche die Inschrift tragen, mitten auseinander geborsten. Wer wagte es, gegen den letzten Willen des Verstorbenen, die Steine zu sprengen? Ein Samenkorn war in die Furche gefallen, aus dem ein Baum hervorgewachsen ist, und dieser war es, der das harte Gestein gesprengt hat. Möge unsere Anregung, im Centrum der Monarchie eine jüdische Realschule zu errichten, als Saatkorn in das Grab fallen, von welchem der Prophet Ezechiel sagt: „Siehe, ich öffne Eure Gräber und führe Euch empor aus Euren Gräbern als mein Volk", und möge dies Saatkorn das harte Gestein des Jndifferentismus und des Materialismus sprengen und aus ihm emporwachseu als Baum des Lebens: die jüdische Schule!