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Jüdisches Volksblatt · 1900-06-08 · 23 (8.6.1900) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
23 (8.6.1900)
Date
1900-06-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 8. Juni 1900 Nr. 23 t Aus Braila wird telegraphiert: Heute abends sind hier via Galah 115 Juden, die zu Fuß auswandern, eingetroffen und haben dieselben auf dem israelitischen Friedhofe Rast gemacht. Die Behörden wurden von dem Eintreffen der Auswanderer verständigt. Eine Menge Leute begab sich zum Rastplätze der Emigranten, und wurden dieselben von ihren Glaubensgenossen nach Möglichkeit unterstützt. Am Donnerstag erfolgt die Weiterreise der Auswanderer. Aus Wien meldet man: Hundert jüdische Auswanderer aus Rumänien überschritten am Sereth die Grenze. Dieselben begeben sich zu Fuß nach Hamburg, von wo sie sich nach Amerika einschiffen. Vor dem Bezirkshauptmanne brachen die Auswanderer in den Ruf aus: „Es lebe Kaiser Franz Joseph!" Die Judenaus wand Gr ungen aus Rumänien nehmen immer größeren Umfang an. In der vorigen Woche sind 114 Juden aus Jassy ausgewandert. Auch aus Galatz sind neuerdings mehrere jüdische Familien über Predeal und Antwerpen nach Philadelphia ausgewandert. Zum Morde in Könitz. Könitz, 1. Juni. Heute Abend herrschte ziemliche Ruhe. Die Polizeiverwaltung erließ heute eine Bekanntmachung, dahingehend, dass, falls die Menge sich gegen das Militär renitent benehme, letzteres von der Schussivaffe Gebrauch machen würde. Die Polizeiverwaltung brachte ferner die Aufruhrun dLandfriedensbruch -Paragraphen zur öffentlichen Kenntnis. Der Landrath bewegte sich zu Pferde unter der Bevölkerung und sprach beruhigende Worte. Die Gastwirtschaften und Schanklocale müssen bis aus weiteres abends um 9 Uhr geschloffen werden. Ueber den Zustand am vorgestrigen Tage wird gemeldet, dass bis 9 Uhr abends Ruhe herrschte; dann begannen die Ansammlungen wieder; das Militär zog, wie am ersten Abend, auf. Der Landralh Freiherr v. Zedlitz ritt durch die Straßen und hielt eine Ansprache an die Menge, die sich daraufhin beruhigte und ihm ein Hoch ausbrachte. Während der Nacht wurden wieder Militärposten ausgestellt. Es gilt als sicher, dass das Militär verstärkt werden wird. Jetzt hat die Besatzungseompagnie in der alten Kaserne Quartier bezogen, nachdem sie einige Tage hindurch in Büraerquartieren gelegen und dabei viele Unannehmlichkeiten auszustehen hatte. Den Aufwand für Quartier und Logis der Soldaten trägt die Stadt Könitz. Die Unkosten belaufen sich auf 673 Mark täglich. Eine weitere Meldung, die ein gewisses Aufsehen erregen dürfte, gelangte gestern nachts auf telegraphischem Wege nach Berlin: In dem Könitz benachbarten Pollwitzer Walde wurden gestern Weichtheile und Magen, anscheinend von einem kleineren Säugethier herstammend, gefunden. Daneben stund ein Körbchen. Der Fund wurde nach Könitz gebracht und wird ärzUich geprüft werden. Das sofort aufgetretene Gerücht, es handle sich um Winters Magen rc., verursachte abermals große Aufregung. In der Stadt wird steif und fest geglaubt, jener Gärtnerlehrling, der das vielbesprochene Bouquet im Aufträge Winters an Levy gebracht haben soll, was übrigens längst als Fabel dargethan ist, habe thatsächlich am Mordrage einen Blumenstrauß abgeliefert, freilich nicht an Levy, sondern an Caspary. Die Mutter des Lehrlings habe in ihrem Heimatsdorfe wernend geklagt, ihr Sohn habe einen Meineid geleistet, er sei bestochen worden und habe sich für das Sündengeld einen Anzug und eine neue Uhr gekauft. Die Zeugin, welche diese Aeußerung von der betreffenden Mutter gehört haben wollte, wurde den Criminalbeamten vorgeführt. Bei ihrer Vernehmung sowie bei der des Lehrlings wurde constatiert, dass dessen Mutter vor vielen Jahren gestorben ist, dass er auch keine Pflegemutter, vor allem aber auch weder Uhr noch neuen Anzug besitzt". In der Konitzer Mordaffaire ist der Schlächtermeister und Stadtverordnete Hoffmann wieder aus freien Fuß gesetzt worden; einige Zeitungen wollen wissen, dass dies in Rücksicht aus die bedrohliche Stimmung der Bürgerschaft des Ortes geschehen sei. Jetzt ist der frühere Geselle des Fleischermeisters Hoffmann, W ö h l k e, in Marienburg verhaftet und nach Könitz geschafft worden. Trotzdem Wählte nur ein Jahr gelernt hat und Hoffmann als Jnnungsmeister auf eine vierjährige Lehrzeit hätte halten müssen, wurde er gleich nach dem Morde an Winter von Hoffmann zum Gesellen gemacht, verließ bald darauf Könitz und nahm eine Stellung in einem Gasthause in Tuche! an. Aber auch da war seines Bleibens nicht lange. Zu der Haftentlassung des Fleischermeisters Hoffmann wird noch berichtet: Nur in der wohlbegründeten Besorgnis, dass, falls Hoffmann in Haft behalten würde, Ruhestörungen unausbleiblich seien, wurde die vorläufige Haftentlassung verfügt, obwohl die Unschuld Hoffmanns nicht klar erwiesen ist. Nach dessen Freilassung trat auch eine sichtliche Beruhigung der Bevölkerung ein; trotzdem wurde fast die gesammte Gendarmerie der Umgegend in Könitz concentriert. Hoffmann wird so scharf beobachtet, dass eine Flucht ausgeschlossen erscheint. (!) Er ist ein Mann von etwa 50 Jahren, ist Stadtverordneter und erfreut sich des b e st e n Rufe s. Hoffmanns Haus liegt nahe dem L e w y s in der Danzigerstraße. Der Hinterausgang führt zu einer der engen Gassen, die zum M ö n ch s e e hinabführen. Auch besitzt Hoffmann an diesem eine vom Hause aus leicht erreichbare Eismiete. Bei Hoffmann wurde gleich nach Entdeckung des Mordes die erste Haussuchung vorgenommen, doch verzichtete man damals aus die Besichtigung der Wohnräume. Inwiefern sich seither das Belastungsmaterial wesentlich vermehrt hat, ist nicht bekannt. Hoffmann und Tochter wurden nach der Sistierung auf dem Polizeibureau einem mehrstündigen Verhöre unterzogen, während gleichzeitig im Hause eifrige Nachforschungen veranstaltet wurden. Im Lewy'schen Hause wurde ein Darm beschlagnahmt, der eiu M e n s ch e n d a r m sein soll, als solcher jedoch bisher nicht mit Sicherheit erkannt wurde. — Auch soll im Hoffmann'schen Hause ein Dar m beschlagnahmt worden fein; — wie erinnerlich, fehlte an der Leiche des Ermordeten der Inhalt des Unterleibes. Entlastend für Hoffmann war, dass dieser am Tage des Todes Winters bis zum Abend Besuch m seiner Wohnung gehabt hat, unter anderen den eines Geistlichen. Als schwer belastet erscheint nach der „Berl. Ztg." der Untersuchungsbehörde neuerdrngs auch der Schneidermeister P l a t h und der Lehrer Weiche!. Sie befinden sich zwar auf freiem Fuße, doch haben sie täglich lange Verhöre zu bestehen gehabt. Bezüglich Hoffmanns scheint eine Katastrophe bevorzustehen. Das Belastungsmaterial soll sich wesentlich vermehrt haben. Wie übrigens verlautet, soll der erste Staatsanwalt Settegast in Könitz für einen anderen Posten in Aussicht genommen sein und demnächst die Stadt verlassen. Der „Berl. Ztg." wird noch gemeldet, dass Schlächtermeister Hoffmann thatsächlich wieder verhaftet werden soll. Die Polizeibehörde sträubt sich nur, weil die Ansammlungen vor dem Polizeigebäude, als Hoffmanns Sistierung in der Stadt bekannt wurde, einen bedrohlichen Charakter annahmen. Nach einer anderen Meldung soll Wöhlke nicht verhaftet sein, sondern sich auf Veranlassung Hoffmanns freiwillig wieder nach Könitz begeben haben. In Könitz ist der befürchteten Unruhen wegen eine Campagne Infanterie eingerückt. 4-- Könitz, 31. Mai. Der Rest der heutigen Nacht verlief ruhig. Die Aussagen des Arbeiters Masloch werden doch nicht, wie zeitweilig geglaubt wurde, die Verhaftung des Schlächters Levy und seiner Söhne zur Folge haben. Masloch wollte bekanntlich bei einem nächtlichen Fleischdiebstahle, den er im Levy'schen Hause vorgenommen zu haben angibt, beobachtet haben, wie orei Männer ein schweres Paket unter Begleitung Levys zum See hinabschafften. Seine Aussage hat sich jedoch bei weiteren Verhören als so widerspruchsvoll und unglaubwürdig herausgestellt, dass ein Verfahren wegen Meineids gegen ihn bevorsteht. Gegen die heute Nacht verhafteten Personen dürfte die Anklage wegen Landfriedensbruchs erhoben werden. * Könitz, 1. Juni. Die Gendarmerie wie das Militär wurden gestern Abend längere Zeit hindurch von den Straßen ferngehalten, um den Versuch zu machen, ob das Publicum ruhig bleiben würde, jedoch das Auftauchen der von der Zeit der ersten Excesse her missliebigen Localpolizei gab Veranlassung, dass die in den Straßen anwesende Menge mit Hohnrufen und mit Steinwürfen gegen die Fenster der von Juden bewohnten Häuser wiederum vorzugehen begann. Das Militär vertrieb gegen 10 Uhr die Excedenten. Seitdem halten Gendarmerieposten und Patrouillen mit aufgepflanztem Seitengewehr die Ordnung aufrecht. Bei dem Fleischermeister Levy in Könitz sollte, nach Angabe antisemitischer Blätter, ein mit 20.000 Mark declarierter Geldbrief eingegangen sein. Dazu wird jetzt bekannt: Da Levy einen derartigen Betrag nicht zu erwarten hatte, der Geldbries überdies mit 4 Mark Porto belastet war, ließ er vorsichtigerweise den Geldbries in Gegenwart mehrerer Beamten öffnen, der Inhalt waren — Papierschnitzel. Wie aus Könitz vom 5. d. M., nachts 1 Uhr gemeldet wird, herrscht daselbst Ruhe. Die Verfügung, nach welcher die Restaurants um 9 Uhr abends schließen müssen, ist aufgehoben worden. Andererseits hat der Regierungs-Präsident angeordnet, dass der Jahrmarkt nicht abgehalten werden darf. Polizei- Jnspector Braun und Criminal-Commissar Wehn sind nach Berlin abgereist, das Militär ist vorgestern früh abmarschiert. Der Bürgermeister D ed i t i us hat eine Urlaubsreise angetreten. Schlächtermeister Hoffmann ist, wie ihm von der Polizei mitgetheilt wurde, außer Verdacht. Gestern mittag 12 Uhr brannte der Holzzau der Synagoge. Das Feuer wurde jedoch von einem Polizei-Sergeanten gelöscht. Berlin. (Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und Ackerbaues.) Die General- Versammlung der im Jahre 1812 gegründeten Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate, welche in der Aula der Gemeinde-Knabenschule stattfand, nahm zunächst den Bericht über die Wirksamkeit der Gesellschaft entgegen, ferner den Cassenbericht, welcher ein glänzendes Bild von der Finanzlage der Gesellschaft liefert, und ertheilte dem Vorstande die von den Revisoren beantragte Decharge. Bei den statutenmäßig erforderlichen Neuwahlen in den Vorstand wurden die Herren Leopold L e s s c r zum Vorsitzenden, Siegmund P i n c u s zum Schatzmeister, Julius Bodenstein zum Inspektor gewählt. 'Eine längere, stellenweise sehr stürmische Erörterung riefen einige Anträge hervor, welche die Niedersetzung von Commissionen verlangten mit der Aufgabe, die Statuten der Gesellschaft auf eine Abänderung zu prüfen und zu erwägen, ob eine Verschmelzung der Gesellschaft mit dem ähnliche oder dieselben Zwecke verfolgenden Lehrlingsheim in Pankow rathsam erscheine. Die Gegensätze platzten bei dieser Gelegenheit sehr heftig aufeinander, da die einen in der Verschmelzung beider Vereine eine Auflösung der Gesellschaft erblicken, während die anderen nur eine Förderung der Vereinszwecke erreichen zu -wollen behaupten. Die Discussion, welche lediglich einen formellen Charakter trug, dauerte fast drei Stunden und schloss damit ab, dass die gestellten Anträge von der Tagesordnung der General-Versammlung abgesetzt wurden. Sie werden aber voraussichtlich in der nächsten im Oetober dieses Jahres stattfindenden General-Versammlung wiederkehren. Berlin.(Einweihun g eines jüdisch en G en esun g sh e im s.) Ein jüdisches Genesungsheim ist in Lehnitz bei Oranienburg, dicht am Lehnitzsee, errichtet und vor wenigen Tagen in feierlicher Weise eingeweiht worden. Das sieben Morgen große Terrain, sowie der Bau des Heims ist eine Schenkung, die Stadtverordneter Louis Sachs und dessen Frau anlässlich ihrer silbernen Hochzeit gestiftet haben. Das geschmackvolle Bauwerk ist im Landhausstile aufgeführt und von meilenweitem fiscalischen Wald umschlossen. Es bietet bequemen Raum für 60 Erholungsbedürftige. Die Zimmer, meist für eine oder zwei, nur wenige für drei Personen bestimmt, zeichnen sich durch Geräumigkeit und Helligkeit aus und sind fast durchgehends mit Balkons versehen. Außerdem befinden sich an allen Seiten des Hauses offene Veranden, die auch bei ungünstiger Witterung den Aufenthalt in freier Luft gestatten. In einem Gemüsegarten wird den Pfleglingen Gelegenheit zu körperlicher Arbeit geboten. Das Heim entspricht allen modernen Forderungen der Hygiene, es enthält einen großen Badesaal, wo Wannen-, Brause und auf Anordnung auch medieinische Bäder verabreicht werden, und ist mit Wasserleitung, elektrischem Licht und Telephon versehen. Das Heim, das sich im Besitze des Vereines „Jüdisches Genesungsheim Berlin" befindet, hat es sich zur besonderen Aufgabe gestellt, die Wohlthaten seiner Einrichtung den körperlich noch unentwickelten jungen Mädchen angedeihen zu lassen, welche kaum der Schule entwachsen an die schweren Mühen eines anstrengenden Berufes.herantreten müssen. Bad Cms. (Für das Lehrerin neu- Heim in Ems) ist heute das Haus „BurgStein" angekauft worden. Dieses große, massive, Ecke der Alexander- und Badhausstraße, neben der königlichen Badeanstalt und gegenüber der neuen evangelischen Kirche gelegeile Haus hat achtzehn große, hohe Zimmer, einen schönen Speisesaal, mehrere Balkons, fünf geräumige Mansardenzimmer und ist sofort zu beziehen. Die Anstalt ist gegründet für curbedürftigte Lehrerinnen, Erzieherinnen, Gesangsschülerinnen rc. jeder Confession und jeder Nation. Die Lehrerinnen rc. erhalten vollkommen freie ärztliche Behandlung und freie Wohnung, Bäder und Inhalationen und zahlen nur — soweit sie auf Stipendien oder Freibetten keinen Anspruch haben — drei Mark täglich für Verpflegung, wenn sie in der Anstalt essen wollen. Herr Rücker, der Besitzer des Römerbades, hat sich erboten, den Lehrerinnen freie Bäder und Inhalationen so lange zu gewähren, bis die königliche Regierung ihrerseits diese Vergünstigung, die sie bereits in Aussicht gestellt hat, bewilligt. Die ärztliche Behandlung wird Herr Dr. A r o n s o n ohne jede Entschädigung leiten. Als Oberin des Hauses ist angestellt die 31jährige Frau Wittwe Hesse, frühere Rothe Kreuz-Schwester Anna Margarethe Lohe, die als solche den Aufstand in Kamerun mitgemacht und sich daselbst in der Pflege der Kranken und Verwundeten so ausgezeichnet hat, dass sie neben anderen Orden auch den Luisenorden 2. Classe erhielt und von Ihrer Majestät der Kaiserin in Audienz empfangen wurde. Damit vom heutigen Tage ab die Lehrerinnen all der genannten Vergünstigungen theilhaftig werden können, hat die bisherige Besitzerin des Hauses „Burg Stein", Frau Beck, fünf möblierte Zimmer gratis zur Verfügung gestellt und gibt vollkommene und dabei gediegene Verpflegung für drei Mark täglich. Die Mittel zum Kaufe des Hauses und zur Unterhaltung der Anstalt sind zum Theile gezeichnet, zum Theile sollen sie durch weitere Sammlungen beschafft werden. Der Verein zählt dabei auf das wärmste Interesse weitester Kreise. Geldgeschenke sind zu richten an Herrn Banquier I. K i r ch b e r g e r in Ems, Anfragen und Aufnahmegesuche, denen nur ein ärztliches Zeugnis über den nothwendigen Gebrauch der Emser Quellen beizufügen ist, an Herrn Dr. med. Ahronson in Ems. Der Vorstand des Lehrerinnen-Heims in Ems constituierte sich in folgender Weise: Vorsitzender: Herr Dr. med. E. Aronsohn; 1. stellvertretender Vorsitzender: Herr Curcommissar Oberst a. D. v. W i l l i ch; 2. stellvertretender Vorsitzender : Herr Stadtverordneten - Vorsteher Schmitt (Englischer Hof); Cassierer: Herr Stadtverordneter I. K i r ch b e r g e r, Banquier; stellvertretender Cassierer Herr Stadtverordneter Rücker (Prince of Wales); Schriftführer: Herr Oberlehrer Wolfs. Dem Gründungscomite gehören noch an die Herren: Geheimer Medicinalrath Prof. Dr. B. F r ä n k e l, Geheimer Medicinalrath Prof. Dr. E. v. Leyden, Geheimer Medicinalrath Prof. E. v. Bergmann und Commerzienrath B. Löser in Berlin. 9* jül bei zu D. Cr üb Ar lie G> in Nc köi be, m> G wc zu be E, all do P H' na an Bl B. hi, V. Ti ge T. Paris. Die „Jewish Colonisation Association" hat einen großen Process gegen die englische Regierung verloren. Es handelte sich um die Erbschaftssteuer aus der Verlassenschaft des Baron Hirsch. Obwohl die Gesellschaft geltend machte, dass der Stempel bereits in Frankreich und zum Theile in Oesterreich bezahlt worden ist, wurde sie doch von der ersten Instanz zur Zahlung von 25 Millionen Mark verurtheilt, die in die Casse der englischen Regierung fließen. Freilich bleiben die höheren Instanzen noch offen, und vielleicht entscheiden sie günstiger für die Gesellschaft, sonst werden die Millionen des Barons, die nach seinem Wunsche wohlthätigen Zwecken bestimmt sind, dazu dienen müssen, die Kosten des südafrikanischen Krieges bestreiten zu helfen. Da benimmt sich die argentinische Regierung viel hochherziger, denn sie hat den Bitten der „Jewish Colonisation Association" nachgegeben und mit Rücksicht auf den wohlthätigen Zweck der Gesellschaft sie von der Bezahlung der Gewerbesteuer befreit. London. (Die Zahl der Juden.) Die Bekenner der jüdischen Religion zählen nach dem letzten jüdischen Jahrbuche, das zu London .wie alljährlich erschienen ist, insgesammt 11 Millionen. Davon kommen ungefähr 8 Millionen auf Europa und zwar auf Russland 4.500.000, auf O e st e r r e i ch 1,860.000, auf das Deutsche Reich 567.000, auf Rumänien 300.000, auf die Türkei 120.000, auf England 101.000, einschließlich der Colonien 148.000. Nach der geringsten Schätzung sind in dem heutigen Deutschen Reiche während des 19. Jahrhunderts 17.520 Juden getauft worden. Für Oesterreich-Ungarn nimmt man im Laufe des Jahrhunderts 8356, für Russland 3136 Judentaufen an. Die meisten Uebertritte, etwa 30.000, sind in Grossbritannien erfolgt. Petersburg. (BeschränkungderJudenrechte in Russland.) Die allgemeine Senqjsversammlung in Petersburg hat eine wichtige, die Judenfrage betreffende Entscheidung gefällt. Nach dem Gesetze ist es denjenigen Juden, die als Kaufleute zur ersten Gilde steuern, gestattet, allenthalben in den Reichsgrenzen sich niederzulassen. Sie sind in keiner Weise den gewöhnlichen Einschränkungen unterworfen. Nun hatte es sich allmählich herausgebildet, dass Juden, die während der Dauer von zehn Jahren zur ersten Gilde gezahlt und darnach das kaufmännische Gewerbe aufgegeben hatten, die während dieser Zeit besessenen Vergünstigungen für Lebenszeit behielten. Es war mithin eine Geldfrage geworden, ob ein Jude sich frei in Russland bewegen durfte oder aber an bestimmte Provinzen gebunden sein sollte. Der zehnjährige Betrag der Steuer erster Gilde macht etwa 6000 bis 10.000 Rubel aus. Die Behörden haben sich wiederholt mit dieser Angelegenheit beschäftigt, konnten aber nicht zur Einigung gelangen. Man wendete sich vom Senate aus ausschließlich ans Justizministerium, welches ein Gutachten über die Frage ausgearbeitet und dem Senate zur Entscheidung zugestellt hat. Auf Grund dieses Gutachtens hat nun die allgemeine Versammlung folgenden Beschluss gefasst: „Juden, welche zehn Jahre lang die Gebüren zur ersten Gilde gezahlt, erhalten nur insoferne eine größere Bewegungsfreiheit, als sie bisher in der Stadt, in der sie bisher als Kaufleute lebten, sich niederlassen dürfen. Die übrigen für Juden gesperrten Reichstheile bleiben ihnen nach wie vor geschlossen. nc vr m fe B wi ur nc pr jü fa B S w so ni vr B dc lä fa N m A m Pc S er pr er dc zi R A ec W di w S m er Z cr I al P S

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