Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 22 (1.6.1900)
- Date
- 1900-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Nr. 22 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 1. Juni 1900 Seite 5 rwerkn tiichtes trielle »ffentrector ^ntin die rancs ourde e der kein aatsnund amen ctheil und r die cklärt Veri den igen, ieren , alle ii sie nicht reren t gevon ichtsder »l er nur schen hren rden indelische irath aris, iiege sten, Lieg von elbst war, i die rrchgibt rnst- Be- 'rley oßer unvon betäne rley vrse )ferrgen ^ten ener verand Im rreg »ens die nste den die sich lien age ner all- 'enz des den es rchrer- 'egt iten;ler eps ses die!ereroch isse oer ere nit ses er, :en llit ete tsmt chl ssnt er rm 1er ire nt er er irin er 51 m Ml also nicht 16.825, sondern 17.976 jüdische Recruten einzuberufen. Die verhältnismäßig zahlreichere Recrutenaushebung in der jüdischen Bevölkerung erklärt der „Wosschod" durch Auswanderung der Juden aus Rußland. Die factische Zahl der jüdischen Bevölkerung ist keine so hohe, wie sie in der amtlichen Statistik steht. Die Konitzer Mordaffaire. Könitz, 27. Mai. Unter ungeheurem Zulaufe der Bevölkerung fand am heutigen Sonntag hier die B e st a t t u n g der bisher aufgefundenen irdischen Reste des auf so grauenhafte ums Leben gekommenen Gymnasiasten Ernst Winter statt. Aus allen Theilen der Provinz waren Menschen zusammengeströmt, um Zeugen des für kleinstädtische Verhältnisse sehr eindrucksvollen Leichenbegängnisses zu sein. Die sorgfältig aufbewahrten Leichentheile waren bereits am Sonnabend in einen silberbronzierten Sarg gelegt und dieser nach der Hospitalkirche in der Schlochauerstraße überführt worden. Dort fanden die Aufbahrung und die ceremoniellen kirchlichen Feierlichkeiten statt. Schon in der heutigen Mittagsstunde füllten sich die Straßen, welche der Zug passieren musste. An der Hospitalkirche hatten die Polizei und Gendarmerie große Mühe, die Menge in Ordnung zu halten. Gegen 3 Uhr fand sich die Trauerversammlung in der Kirche ein, die schon eine Stunde vorher gesperrt worden war. Der Sarg stand vor dem Altar auf einem erhöhten Podium, umgeben von einer kostbaren Blumenzusammenstellung und bedeckt mit zahllosen, schleifengeschmückten Kränzen. Zu beiden Seiten brannten je drei große Kerzen. Hinter dem Sarge saßen in zwei Reihen die Angehörigen des Ermordeten, Bauunternehmer Winter und Frau, und die vier Schwestern mit zahlreichen Verwandten. Ferner fanden sich ein der Landrath Freiherr von Zedlitz - Neukirch, Regierungs - Assessor Schütz, Bürgermeister D e d i t i u s und vier Stadträthe, sowie u. a. Oberstlieutenant v. B o r ck e und Gymnasial-Director Professor Doctor T om masch efski. Die Feierlichkeit begann mit einem Sologesang einer Konitzer Bürgerstochter, des Fräuleins H a r t st o ck („Sei still" von Raff), der von der Orgel begleitet wurde. Alsdann hielt Pfarrer Hammer die Andacht, seiner Predigt das Bibelwort „Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit" zugrunde legend. Der Choral „Wenn ich einmal soll scheiden", vorgetragen vom evangelischen Gesangvereine, beschloss die Kirchenfeier, worauf die Ueberführung erfolgte. Inzwischen hatte vor der Kirche der Trauerzug Aufstellung genommen. Unter Vorantritt einer Kapelle folgten, mit der Fahne des Konitzer Gymnasiums voran, je drei Schüler aus jeder Classe; jede Classe hatte einen prächtigen Kranz gestiftet, von denen viele lateinische Inschriften trugen. Dann folgten Abordnungen von Turn- und Gesangvereinen, und hinter diesen kam der von vier schwarzbehangenen Pferden gezogene offene Leichenwagen. Dahinter schloss sich die Trauerversammlung aus der Kirche an, gefolgt non einer ungeheuren Menschenmenge. Der' Polizeicommissarius Bloch hatte Mühe, dem Zuge den Weg zu bahnen, der durch das Schlochauer-Thor seinen Weg durch die Danziger-Straße nahm. Im allgemeinen verhielt sich das Publicum sehr ruhig, nur als der Zug an dem Hause bes schwer verdächtigen Schlächters L e v y vorbeizog, schlug jemand mit seinem Stocke an eine heruntergelassene Jalousie, und dies war das Signal zu einem Pfeifen und Johlen, das einige Zeit die ernste Trauerstimmung zu stören vermochte. Bald war aber die Ruhe wiederhergestellt, da ein starkes Gendarmerie-Aufgebot den Zug begleitete. Während des Durchzuges wurden die Glocken der Kirchen geläutet. Auf dem Kirchhofe hatte sich ebenfalls eine große Volksmenge eingefunden, und nur mühsam konnte sich der Zug seinen Weg zu der am äußersten Ende des Kirchhofes gelegenen Gruft Lahnen. Pfarrer Hammer hielt hier eine tiefergreifende Leichenrede. Er schilderte die grausige That, deren Ausführung sicher von langer Hand geplant gewesen sei, und gab dem Wunsche Ausdruck, dass die bis zur Stunde in ein so undurchdringliches Dunkel gehüllte That bald ihre weltliche Sühne finden möge; der unbekannte Mörder habe schon hier seine furchtbare Strafe erhalten, denn unstet und flüchtig, gepeitscht von einem unruhigen Gewissen, irre er umher; er werde seinem Schicksale nicht entrinnen. Lautlos und tief ergriffen vernahmen die Umstehenden die Worte des Geistlichen, der auch für den unbekannten Mörder um die Gnade Gottes bat. Dieser Theil der Rede mit seinem Widerspruche zu der herrschenden Stimmung in der Bevölkerung ries einigen Unwillen hervor. Vor und nach der Rede des Geistlichen sang der vorzüglich geschulte gemischte Chor des evangelischen Kirchengesangvereines unter Leitung feines Dirigenten, Lehrers M e i f s a r t, die tiefempfundenen Lieder: „Ueber den Sternen" von Franz Abt und „Frieden". Den Beschluss der Feierlichkeit bildete ein Choral der Musikkapelle. Unter Segensworten des Geistlichen wurde der Sarg beigesetzt, worauf die Gruft zugeschaufelt und auf den freigemachten Hügel die zahllosen Kränze niedergelegt wurden. * Berlin. Im Polizeipräsidium fand, wie hiesige Blätter berichten, in der Angelegenheit des K o n i tz e r M o r d e s eine Conferenz statt, in welcher der aus Könitz hierhergekommene Criminal-Commissär Wehn erklärte, dass es sich seiner Ueberzeugung nach um Pne Weibergeschichte handle, von der einige Mitschüler des Ermordeten wüssten. Diese hielten aber mit ihren Aussagen zurück, weil sie fürchteten, sich zu compromittieren. Von einem Ritual morde könne selb st ver stündlich gar keine Rede sein. Criminal-Commissär Wehn lehnte es auch ab, die alleinige Verantwortung für Ermittelungen zu übernehmen, die nach dieser Richtung hin weiter angestellt würden, infolge dessen Criminal-Jnspector Braun ebenfalls nach Könitz entsandt wurde. Der Händler Israels!i, welcher verdächtigt war, den Kops des Ermordeten nach der Fundstelle gebracht zu haben, ist aus der Haft entlassen. Die Belohnung auf Ergreifung des Mörders wurde auf 32.000 Mk. erhöht. * — Aus Könitz selbst schreibt man: „Der Aufenthalt in dieser Gegend ist derade unheimlich und oft nicht ohne Lebensgefahr. Ich sitze fast den ganzen Tag in der Stube, und wenn ich einen nothwendigen Gang machen muss, höre ich hinter mir oft, besonders abends, ein wahres Jndianergeheul Zu dem traditionellen „Hepp! Hepp!" hat sich hier ein neuer antisemitischer Schlachtruf gebildet, der selbst von Kindern geübt wird: Puh! Was das heißt, weiß ich nicht, aber es macht uns alle nervös. Die jüdischen Geschäfte stagnieren und viele sind auf die Dauer ruiniert. Die Bessersituierten rüsten sich zum Exodus." — „Die Untersuchung in Sachen der Mordaffaire kommt aller Wahrscheinlichkeit nach dem Abschlüsse nahe. Allem Anscheine nach wird sich ein Criminalfall als Lösung ergeben, der lediglich durch die Art des Zuwerkegehens des Mörders und der vor seiner Entdeckung an seine Person geknüpften Bermuthungen Interesse beansprucht." * Berlin, 29. Mai. Aus Könitz wird telegraphiert: Ungeheure Aufregung herrscht hier infolge der Verhaftung des Fleischermeisters Hoff mann und seiner Tochter unter dem Verdachte der Ermordung des Gymnasiasten Winter. In die Angelegenheit ist auch der Schlächtergeselle Wehlke verwickelt, Hoffmanns früherer Lehrling, der bald nach dem Morde Könitz verlassen hat. Der ermordete Winter hatte mit der Tochter Hoffmanns intimen Verkehr. Beide Verhaftete leugnen. Ihre Festnahme erfolgte durch den Berliner Criminal- Jnspector Braun. Könitz, 29. Mai, 1 Uhr 26. Min. Es herrscht hier eine ungeheure Aufregung unter der christlichen Bevölkerung, da der christliche Schlächtermeister Hoffmann festgenommen, und zur Vernehmung sistiert worden ist, während bei ihm von neuem eine Haussuchung vorgenommen wurde. Seine definitive Verhaftung steht noch aus. Ein Arbeiter M e s l o f f hat heute den Schlächter Lewy und seine Söhne schwer belastende Aussagen gemacht. Er erklärte, gesehen zu haben, dass drei Männer des Nachts ein Paket vom Lewy'schen Hose nach dem See getragen haben. * Könitz, 31. Mai. In der letzten Nacht fanden in Könitz große Volksversammlungen statt, wobei jüdischen Einwohnern die Fenster eingeschlagen wurden. Eine Compagnie Infanterie ist abends aus Graudenz in Könitz eingetroffen. * Könitz, 31. Mai. Da Excesse seitens der christlichen Bevölkerung zu befürchten sind, wurde Hoffmann und seine Tochter auS der Haft entlassen. Die Erhebungen gegen ihn dauern fort. Eingesendet. (Für diese Rubrik übernimmt die Redaction keine Verantwortung als jene gegenüber dem Gesetze.) Sehr geehrte Redaction! Wir richten an Sie das höfliche Ersuchen, folgende Mittheilung in Ihrem geschätzten Blatte aufnehmen zu wollen. Nach Veröffentlichung der ersten Bilanz des „Jewish Colonial Trust" (Jüdische Colonial-Bank) haben sich verschiedene Blätter veranlasst gesehen, an diese Schlussfolgerungen zu knüpfen, die vollständig unrichtig sind und sich nur durch die Unkenntnis der Sachlage erklären lassen. Es ist gänzlich unrichtig, dass für das eingezahlte Capital lediglich ein Zinsfuß von l‘/4 Percent erzielt worden sei. Vielmehr war die Verzinsung thotsächlich den Verhältnissen auf dem Geldmärkte angemessen. Nur gelangte nicht das ganze Capital durch das abgelaufene Geschäftsjahr zur Verzinsung, da die Einzahlung zum größten Theil erst gegen Ende des Jahres erfolgt ist. Es entspricht ferner nicht den Thatsache«, dass die bisher aufgelaufenen Kosten der Bank eine Höhe erreicht hätten, die nicht in dem richtigen Verhältnisse zu den Cassabeständen wären. Diese Kosten, die in den verschiedenen Beurtheilungen irrthümlicherweise als Gründungsspesen bezeichnet wurden, setzen sich zusammen aus den Spesen für die Anwälte und dem Stempel auf Eintragung in das Register und Allotementstempel, aus den Verwaltungskosten für das ganze Jahr und aus den Gründungskosten. Schon die erste Post macht einen wesentlichen Theil der ganzen Spesen aus, da der Stempel nicht allein für die schon bisher gezeichneten Shares, sondern für das ganze Aetiencapital, das ist zwei Millionen Shares, geleistet werden musste. Fügt man diesen Spesen die Ausgaben für das abgelaufene Verwaltungsjahr hinzu, die nach eingehender Prüfung der einzelnen Posten sich als nothwendig und zweckmäßig erwiesen haben, so resultieren Gründungskosten im Betrage von 6000 Pfund. Das bedeutet zwei Percent von den bereits subscribierten 300.000 Shares, ein Resultat, das wohl nicht viele Banken aufzuweisen haben. Dieses günstige Ergebnis verdanken wir den vielen Hunderten Arbeitern, die ohne Entgelt für die Subscription und die weitere Einziehung der Raten gewirkt haben und wirken. Es darf nicht übersehen werden, dass die Jüdische Colonial- Bank 120.000 Aktionäre in über 2000 Orten aller Welttheile hat und das englische Gesetz die Verständigung jedes einzelnen Zeichners erfordert. Die Spesen standen im Verhältnisse zur geleisteten Arbeit, die ein ungeheures Plus an technischer Routine erforderte, nach den Grundsätzen strengster Sparsamkeit und waren im Sinne der großen Verantwortung, die mit der Leitung und Aufsicht der Arbeiten des „Jewish Colonial Trust" verbunden sind, geregelt. Ferner wurden auch alle Vorbereitungen getroffen, die eine sorgfältige und vorsichtige Fortführung der Geschäfte verbürgen, das Personal wurde den wachsenden Aufgaben entsprechend vermehrt und die Loealitäten des Trust vergrößert. Das Directorium Der Aufsichtsrath des „Jewish Colonial Trust" (Jüdische Colonial-Bank) Limited. * * * Wien, den 24. Mai 1900. Geehrter Herr Re dacteur! Ich werde soeben aufmerksam gemacht, dass in Ihrem geschätzten Blatte vom 4. Mai anlässlich des Berichtes über eine jüdische Vereinsversammlung meiner gedacht wurde. In derselben wurde erzählt, dass, als ich jüngsthin zu dem Herrn Minister-Präsidenten berufen wurde, ich mich bei Sr. Excellenz mit der Verwahrung eingeführt hätte, dass „ich nicht als Jude komme, sondern als ein Mitglied der liberalen Partei". Dem gebenüber berichtige ich, dass diese mir imputierte Äußerung Wort für Wort unrichtig und erfunden ist. Weder eine solche, noch eine ihr auch uur entferntest ähnliche Aeußerung habe ich gemacht und es war zu derselben auch kein Anlass geboten. Sie stünde auch allzu sehr im Widerspruche mit meiner Vergangenheit, mit meiner Stellung, mit dem, was ich geleistet habe und noch leiste. Es ist mir völlig unerfindlich, wie und von wem mir eine solche Dummheit imputiert werden konnte. Indem ich Sie höflichst bitte, dieser Berichtigung in Ihrem geschätzten Blatte Raum geben zu wollen, zeichne ich mit dem Ausdrucke meiner verzüglichsten Hochachtung Dr. Alfred Stern. * * * Wien, den 24. Mai 1900 Ich erkare hiermit, dass Julius Radetzky, der Mörder von der Neustiftgasse, weder bei mir in Arbeit, noch in sonstigem Verhältnisse stand und finde es ganz unerklärlich, wie derselbe in den Besitz einer Geschäftskarte kam. Für die freundliche Aufnahme bestens dankend, zeichnet ergebenst Sigmund Weiß, Schilder- und Schriftenmaler, XV., Mariahilferstraße 175. Iudenstatistik. Eine Legende von Rubin Fahn. ' Dort oben, in eineni Zimmer im Paradiese, wo die Frommen und Gerechten aller Generationen am Genüsse der geistigen Fortlebung zehren, saßen zusammen die zwölf Söhne Israels, die Stammesväter in Israel. Eine heilige Stille herrschte unter ihnen, und nur das Umdrehen des einen oder des zweiten zur Thüre hin störte dieselbe. Endlich gieng die Thüre auf, und Michael, der rechtschaffene und aufopfernde Vertheidiger Israels, erschien. Die Söhne Jakobs erhoben sich ehrfurchtsvoll und feierlich und bewillkommten ihn herzlich. „Lasst Euch nicht stören, Brüder! Aber einen Platz möchte ich unter Euch an- und einnehmen," war die Engelsantwort. „Herzensgerne!" rief es wie aus einem Munde, und der schönste Platz ward ihm eingeräumt. Nach eingetretener Ordnung er hob sich Michael und sagte: „Ich will jetzt mein gegebenes Versprechen, Euch zeitweise Informationen über den Stand Eurer Kinder in der weiten und breiten Diaspora zu ertheilen, einlösen. Die Vorsehung führte mir zur Hand die neueste Statistik, zusammengestellt von einem Erdensohne, ein Prof. Mirby, woraus ich entnahm, dass die Zahl der Juden auf neun Millionen Seelen sich vermehrt hat. Ihr müsst auch wissen: darunter sind die verstossenen Israels in Indien, Persien und anderen der Cultur unzugänglichen Ländern nicht gezählt." „Gott sei dank! Mit 70 Seelen sind wir nach Aegypten gewandert und nun hat uns Gott — nach seinem Versprechen — wie Sand am Meere gemehrt!" riefen alle freudig. „Wollen wir hinabsteigen," rief der durch seine Geschicktheit berühmte Naftali, „unv uns ansehen unsere Kinder, diese Juden." „Nur nicht übereilig," mahnte Michael lächelnd, „der eine soll hingeh'n nnd dann allen Bericht erstatten." Da stellte Juda den Antrag: man möge ihn mit dieser Mission betrauen, mit der Motivierung, er wolle sich seine Namensträger anschauen. Auch Josef — den die Brüder achteten und an dem sie das verübte Unrecht gutzumachen suchten — stimmte beifällig zu. Es war also abgemacht. Juda kleidete sich in eine irdische Hülle und bald ist er heruntergestiegen in eine der größten Städte Deutschlands. Pflichtgemäß machte er den ersten Besuch bei dem geistigen Haupte der israelitischen Gemeinde. „Herein!" rief eine Tenorstinime von innen dem An-M klopfenden. Auf einem eleganten Lehnstuhl saß Herr Dr. 3£., eine Cigarre in der Hand und ein Zeitungsblatt vor sich, den Eintretenden erwartend. „Juda den Jacob ist mein Name und komme aus höheren Sphären, um die jüdische Lage zu recognoseieren." Mit großem Pomp und ausgesuchtester Höflichkeit empfieng ihn der Rabbiner, als er dessen Namen hörte, und es entspann sich eine eifrige Debatte. „Ja," schloss der Herr Dr. 3c. seine lange Rede, „wir arbeiten tüchtig für die allgemeine menschliche Cultur, und wenn man uns es hierzulande noch nicht gebürend belohnt, so hoffen wir doch, mit der Zeit als freie deutsche Bürger mosaischer Confession betrachtet zu werden." Weitere Besuche wollte Juda nicht mehr machen. Er machte sich Borwürfe, hier abgestiegen zu sein; sichtlich ist der das Oberhaupt von Deutschen mosaischer Confession; es existiert nicht einmal eine Judengemeinde hier! Flugs darauf begab er sich nach Paris, London, überall dasselbe, nur französische und englische Bürger mosaischer Confession! Biele Länder durchstrich Juda, und seine Hoffnung, zu finden die gesuchten Juden, täuschte ihn immer. Endlich dachte er: nun, ich habe fehlgezielt, die Juden sollen doch größtentheils