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Jüdisches Volksblatt · 1900-06-01 · 22 (1.6.1900) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
22 (1.6.1900)
Date
1900-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 22 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 1. Juni 1900 Seite 3 Zweierlei Maß. Unsere Provinz Schriftleiter" — das sind die Redacteure der dentschnationalen Blätter — sind doch manchmal gar zu dumm. Da fanden wir in einer Nummer der in Tetschen erscheinenden „Nordböhmischen Volkszeitung" einen Artikel, der sich gegen den geplanten Tempelbau der Tetschcn-Bodenbacher Cultnsgemeinde richtet. Da heißt es, nach dem üblichen Jargongemanschel, dessen die dentschnationalen „Schriftleiter" mächtig sind, wie nur ein polnischer Jude, wörtlich: Wir glauben, dass die Hoffnungen, welche die Judenschaft unseres Bezirkes auf ihren Tempelbaufonds setzt, vorderhand noch sehr illusorischer Natur sein müssen. Denn bei der Errichtung öffentlicher Gebäude hat ja, gottlob, auch die Gemeinde ein Wort mitzusprechen. Die czechische Schule in Kröglitz, ein „Narodni dum", ein jüdischen Tempel! Videant consules! Ist das nicht dumm? Ist eine czechische Schule, ein politisches Vereiushaus dasselbe wie ein jüdisches Gotteshaus, ein Haus, das ausschließlich religiösem Cultus gewidmet ist? Einige Zeilen weiter unten kündigt dasselbe Blatt den evangelische n Gottesdienst an; ist der jüdische Gottesdienst deutschfeindlich oder volksschädlich für die Deutschen? Wenn wir auch der Ansicht sind, dass die unsinnigen Glossen des Tetschener Schriftleiters der Erbauung eines jüdischen Gotteshauses nicht hinderlich sind, glauben wir doch dem Herrn ans Herz legen zu sollen: bei Besprechung jüdischer Angelegenheiten nicht nur immer den blinden Hass, sondern ein wenig auch den Verstand sprechen zn lassen; notabene, wenn welcher da ist. Dann kann es nie dazu kommen, dass ein Arier den Bau eines jüdischen Gotteshauses benörgelt. Denn das ist eine rein religiöse, keine nationale Sache, und in diese mischen sich ja bekanntlich stammesbewnsste Arier nicht. Oesterreichische Delegationen. Man spricht nicht gern darüber. Denn die Delegationen sind eine specifisch österreichische Einrichtung. Selbst die regierungsfreundlichsten Blätter drucken die Berichte über die Verhandlungen der Körperschaft mit den allerkleinsten Lettern. Man verdirbt sich dennoch die Augen nicht an dem kleinen Druck, weil's doch ohnedies kein Mensch liest. Es werden dort zumeist „groß angelegte" Reden gehalten, und das ist bekanntlich langweilig. Das kürzeste Schimpfwort ist interessanter, als das complicierteste System. Auch deutlicher. Viele Worte lassen immer den Verdacht aufkommen, dass man nichts zu sagen habe. Man überwinde sich doch und lese z. B. die Ministerreden! Die, wie man behauptet, im Auslande viel gelesene „Wiener Zeitung" druckt sie pflichtgemäss vollinhaltlich ab. Die hohen Herren wollen doch wenigstens hinterher wissen, was sie eigentlich geredet haben. Und doch thut man den Delegationen bitter unrecht, wenn man sie so sehr vernachlässigt. Es soll nicht geleugnet werden, dass die im Abgeordnetenhause entwickelten Blutritualtheorien des Abg. Schneider fast so interessant sind, wie ein Raubmord um Mitternacht, und dass ihnen daher auch mit vollem Recht in den Tagesblättern beinahe der gleiche Raum gewidmet wird. Aber für feiner angelegte Gemüther wird es doch immerhin eines prickelnd pikanten Beigeschmackes nicht entbehren, wenn die mit dem Nimbus diplomatischer Feinheit wie mit einem zarten Heiligenscheine umfloffenen Gestalt des Kanzlers plötzlich so menschlich, allzu menschlich zu sprechen beginnt und der Meister des feingeschliffenen Wortes von dem einen Delegierten behauptet, er „habe sich anschmieren lassen", von dem andern, er habe „Blech geredet", wie er mit leisem Tadel des einen Rede als „unanständig" bezeichnet, und mit feiner Andeutung den zweiten einen „böhmischen Musikanten" heitzt. Es sollte in den Delegationen von den auswärtigen Angelegenheiten des Reiches gesprochen werden. Aber in der richtigen Erkenntnis, dass wir mit uns selber genug zu thnn haben, sprach jeder nur von sich selbst. Es sind alle österreichischen Stämme vertreten, und die Herren mit den Namen voll unüberwindlicher Aussprachhindernisse und mit unglaublicher Orthographie, die aber dem geübten Delegationspatrioten alle als Heiniatsklänge erscheinen, ließen die Streiche ihrer Wüuschelruthen auf den armen Außenminister niedersausen und brachten die schärfsten Beschwerden ihrer Nation, die Herzensqualen ihres Volkes zur Sprache, nm auf diese merkwürdige Weise dem Minister ihr vollstes Vertrauen zu votieren. Denn alle diese Jeremiaden klangen in den Klageruf aus: Wir bewilligen das Budget. Von den Juden wurde natürlich nicht gesprochen. Wer hätte es auch thnn sollen? Denn wenn der Dr. Stransky oder der Delegierte Mauthner, von momentaner Eingebung getrieben, sich in Budapest erhoben, ein jeder vor des andern Thür zu kehren, und wenn in demselben Momente in Wien die kaiserlichen Räthe Josef P e n i c e k und Mendl Singer die gedruckten Reden den Redactionen einhändigen — so geschieht das im Namen des unterdrückten czechischen und des hartbedrängten deutschen Volkes! Der Weg zu den Delegationen ist niit Taufsteinen gepflastert. Von den Juden sprach man also nicht! Obwohl z. B. von den Schwierigkeiten, die man in Russland jüdischen Geschäftsreisenden aus Oesterreich macht, oder von den Chicanen, denen jüdische Auswanderer in der Türkei und in Amerika ausgesetzt sind, sich beinahe so gut hätte sprechen lassen, wie von dem Mangel an doppelsprachigen Firmentafeln in den Militärcantinen. Und sogar bei der Besprechnng der Soldatenselbstmorde, von denen der Herr Kriegsminister eine so schöne und erschöpfende Statistik gegeben hat, hätte sich ganz leicht ein Wort von den Juden sagen lassen. Auch bei dem Capitel Mannschaftsmisshandlungen, die nach der officiellen Erklärung freilich nur in der mit civilistischen Vorurtheilen gesättigten Phantasie störriger Soldaten existieren, die ein liebkosendes Streicheln missverständlich für eine Ohrfeige hielten — auch bei diesem Capitel hätte sich manches Wort über die Juden sprechen lassen. Und sogar, als man das Ueberwiegen des Adels in der Beamtenschaft und im Officiersstande besprach, war der Gedanke an die Juden nicht gar so fernliegend! Freilich, die Judenfrage ist, wie man's nimmt, eine innere oder äußere Angelegenheit. Und der Minister des Aeußern will sich nicht in die inneren Angelegenheiten mischen, und der Minister des Innern wiederum verhandelt darüber höchstens mit dem Dr. L n e g e r. Das aber ist das Merkwürdige an der Sache: Man hat nicht von den Juden gesprochen, und trotzdem wurde die Judenfrage abgehandelt. Unbewusst haben es die Herren gethan, und wer zu lesen versteht, konnte eS wohl merken. Die ganze Judenfrage ist ein Complex von wirtschaftlichen, nationalen, religiösen, geschichtlichen und ethnographischen Verhältnissen, die e i n z e l n ihre Analogien haben und bald in dieser, bald in jener Combination bei verschiedenen Völkern und in verschiedenen Staaten wiederkehren. Es wäre ein Wunder, wenn sich nicht gerade in dem Bölkerbündel Oesterreich diese Analogien in der größten Deutlichkeit, diese Combinationen in der größten Zahl fänden. Solange es sich nicht um die Jndenfrage handelt, ziehen dann die Herren, vom Bauer angefangen bis zum Minister, und der Demokrat nicht minder als der Schlachziz, aus den gleichen Voraussetzungen auch die gleichen Schlüsse. Die Logik der Thatsachen macht die Rechnung, und sie sprechen bloß die Resultate aus. Und da kann man sehr schön sehen, wie sie dieselben Sätze anssprechen, wie wir sie immer im Munde führen. Nur dass die Sätze andere Subjecte haben. Wo wir „die Juden" sagen, heißt es bei ihnen Rnmänen oder Ruthenen oder Serben oder Croaten. Manchmal, aber selten, auch Polen oder Czechen oder Deutsche. Denn es sind lauter Sätze, die für Minoritäten gelten. Da sagen sie dann aus eigenem Antriebe, was mir wieder und immer wieder gesagt haben, und was sie nur immer und immer wieder bestreiten. Und das muthet ganz eigenthümlich an, zu hören, wie sie, ohne es zu merken, uns mit jedem Worte recht geben. Wie sie mit unseren Gedanken denken, wie sie mit unseren Argumenten kämpfen. Wie sie sogar manchmal unsere Worte finden. Und wie sie von ihren Gegnern mit den gleichen Mitteln bekämpft werden. Denn es gibt eine Jch-Logik und eine Du-Logik, eine Majoritäts-Logik und eine Minoritäts-Logik; und folgerichtig, da wir überall in der Minorität sind, eine Logik in Judensachen. Und wer sich das vorhält und die Gesetzmäßigkeit durchblickt, gewinnt daraus dieselbe sichere Beruhigung, die immer aus dem Bewusstsein eines wohlerkannten Zusammenhanges quillt. Und er gewinnt daraus die starke Zuversicht und die unerschütterliche Hoffnung auf ein gutes Ende. Hören wir also, was die Herren Delegierten und was die Minister sagen: Da erklärt z. B. der Reichs-Finanzmiuister v. K a l l a y als Verwalter des Occupationsgebietes: „Bosnien und die Herzegowina haben sich nie amalgamieren können. Denn sogar in ethnographischer Beziehung gibt ^es unter der Bevölkerung beider Provinzen, mögen sie welcher, Provinz immer angehören, Unterschiede, die zu einem lebhaften particularistischen Gefühle, in der Herzegowina geführt haben." — Der Minister sagt da ganz rubig: Was Gott geschieden hat, das soll der Mensch nicht verbinden. Hat das auch den Juden schon jemand zugestanden? Uns ruft man beständig zu: Assimiliert euch! Aber wie denn, wenn das selbst stammesverwandte Völker nicht zustande bringen? Den Mohammedanern dort drunten hat freilich der Minister ein kaiserliches Handschreiben erwirkt, das besagt, der Kaiser werde „den besonderen Bedürfnissen der Mohammedaner seinen besonderen Schutz angedeihen lassen!" Unser Schutz ist leider bloß — das Staatsgrundgesetz. Slavische Arbeiter wurden aus Deutschland ausgewiesen. Die Slavenvertreter machten dem Minister den Kopf heiß. Das kommt, weil die Slaven eine organisierte Macht sind und als solche ihre Sprecher haben. Die Gesammtheit nimmt sich ihrer versprengten Theile an. Und die Juden? Wir sind lauter Theile und bilden zusammen kein Ganzes. DerRumäneP o p o w s k i behauptete, „dass der ruthenische Volksstamm keine nationale Selbständigkeit besitze". Das ist der alte Witz! Das hat man uns so oft gesagt — und mir1 dachten, dass man es uns allein sage! Weil doch fremde Leute immer viel besser als wir selber wissen, was in uns vorgeht! Weil man doch — nicht wahr? — immer den Nachbar fragt, ob uns hungert oder durstet, ob uns friert oder ob es glüht in uns! Aber es ist doch ein Unterschied! Wie hat doch der Ruthene — Wachnianyn — den Rumänen abgefertigt! Fehlte nur noch, dass jetzt der Ruthene dem Rumänen mit gleicher Münze vergolten hätte. Des Weiteren aber forderte der Ruthene, dass man bei der Auswanderung ruthenischer Bauern nach Amerika darnach streben müsse, die Auswanderer bei ihrem väterlichen Glauben zu erhalten. Den Auswanderern in Südamerika aber müsse man einen besseren Schutz angedeiheu lassen. Und wer kümmert sich um die Galizianer, die in Südamerika zu dutzenden verhungern und in Nordamerika schockweise zugrunde gehen? Hat schon jemand den Grafen Goluchowski aufgefordert, er solle doch dafür sorgen, dass sie nicht gezwungen sind, „ihren väterlichen Glauben" der Bibelgesellschaft für ein paar Dollar zu verkaufen oder gar mit ihm, wenn sie die Moral des Elends schon ganz erlernt haben, auf der Wanderung von Ort zu Ort einen schwunghaften Großhandel zu treiben? Tie galizische Ausivauderungsfrage wurde noch zweinral gestreift. Gestreift — denn sich ernsthaft mit ihr zu beschäftigen, hält keiner für der Mühe wert. Ritter v. Kozlowski, neben dem Herrn Grafen D z i e d u s z. .. u. s. w. einer der mächtigsten Herren im Polenclub und Alleswisser von Profession, hat so nebenbei auch von dem Elend einiger Millionen Menschen gesprochen. Er meinte, mehr bilderreich als verständlich, es sollten gegen die Auswanderung „Sicherheitsventile" geschaffen werden. Nun hat man zwar bisher immer geglaubt, dass ein Ventil alles eher bewirkt, als dass es ein Entweichen verhindert, aber der edle Pole hat durch den Zusatz „damit dem Lande die kostbaren Arbeitskräfte nicht verloren gehen", doch mit ziemlicher Sicherheit errathen lassen, dass er gerade das Gegentheil von dem gemeint hat. was er sagte. Es soll offenbar, physikalisch gesprochen, ein sich bloß nach innen öffnendes Ventil geschaffen werden. Und man wird doch zugestehen, es ist eine sehr sichere Art, die Auswanderung hintanzuhalten, wenn man die Lente einfach nicht hinauslässt. Natürlich! Die Auswanderung ist für Galizien, wie der Minister constatierte, schon eine Calamität geworden. Für Galizien? Was heißt das? Doch wohl für die Zurückbleibenden? Und warum wandern die Leute aus? Doch wohl, weil wiederum Galizien ihnen zu einer Calamität geworden ist! Sie haben also die Wahl. Herr v. Kozlowski richtet einen „warmen Appell" au die Auswanderer, sie mögen doch dem Heimatlaude keine Calamitäten bereiten! Denn wie könnten die Schlachzizen das Budget bewilligen, wenn „dem Laude" so kostbare Arbeitskräfte verloren gehen? Am Ende gar aus eigener Tasche? Auch Kozlowski hat die Juden nicht erwähnt. Und hat doch von ihnen gesprochen. Und der Delegierte Kaftan hat den Minister darauf aufmerksam gemacht, dass Deutschland sich durch seine Bahnbauten in Vorderasien ein Colonisationsgebiet für 30 Millionen Menschen geschaffen habe. Delegierter Kaftan ist Ingenieur und er scheint von den Ventilkünsten des Herrn v. K o z l o w s k i wenig zn halten. Und ein Land, das polnische Juden sein eigen nennt, hat allen Grund, Ausschau zu halten, wohin sich der Strom seiner Auswanderer wälzt. Aber ein Volk braucht gar nicht zur Monarchie zn gehören, um in der österreichischen Delegation einen Anwalt zn finden. Der Herr Dr. Stransky aus Brünn z. B. hat neben den Schmerzen seines böhmischen Volkes, mit welchem ihn weniger sein Blut, als das nach einem autoritativen Ausspruch aus der jüngsten Zeit viel dünnere Wasser verbindet, noch ganz besondere Sorgen: Dem Grafen Goluchowski wirft er vor, dass er nicht den Muth gefunden habe, „für das aufstrebende Volksthum der Griechen einzutreten". Wenn mm der Brünner Vertheidiger in Strafsachen auch die ex offo- Vertretung dieses Volkes übernimmt, das ja schon seit den Zeiten seiner spartanischen Vorfahren lediglich aufs Nichterwischtwerden dressiert ist, so wird man wohl fragen dürfen: Warum darf hier nicht auch der Anwalt eines Stammes plaidieren, dem leider in der jüngsten Zeit bei Brandschatzungen, boshafter Beschädigung fremden Eigenthums, schweren Verletzungen und Raub die beneidenswerte Rolle des Privatbetheiligten zugefallen ist? Nun ja, man citiert eben umgekehrt: der Jude wird verbrannt — thut nichts! Und was lehrt diese Fabel? Erstens, dass gewisse Gedankeucomplexe, die mancher, und sogar der eine oder der andere unter uns selbst, geneigt war, für specifisch jüdisches Product zu halten und darnach zu bewerten, stets wiederkehren, wo immer eine Bvlksminderheit in eine Lage kommt, die auch nur annähernd eine Aehnlichkeit mit der unseres ganzen Volkes hat. Dass ferner diese Gedankeucomplexe, die wir mit einer gewissen Genugthuung nicht mehr als die unseren bezeichnen werden, überall Geltung und Anerkennung erlangen, so lange es niemand einfällt, sie analog auf die Juden anzuwenden. Und zweitens, dass man sogar in den Verhandlungen der österreichischen Delegation, so unglaublich das dem Eingeweihten klingen mag, Interessanteres zu finden imstande ist, als die Masse des votierten Vertrauens und die Summen der bewilligten Budgets. Vorausgesetzt, man betrachtet, was dort nicht gesprochen wurde. Denn, wie es heute steht, scheinen alle nationalen Klagen der vertretenen Körper zu verstummen angesichts der freudigen Aussicht ihrer Vertreter, dass ihren nationalen Eigenthümlich-- keiten zumindest beim Delegationsdiner volle Rechnung getragen wird. _ Chronik des Judenthums. Inland. Wien. (Z i o n i st e n c o n g r e s s.) Der diesjährige Zionisteneongress findet, wie wir vernehmen, im Monate August in L o n d o n statt. Wien. (Spende.) Ein ungenannt sein wollender Wohlthäter hat am Todestage seiner Mutter und aus Anlass der bevorstehenden Verheiratung seiner Tochter zuhanden des Präsidenten der Wiener israelitischen Cultnsgemeinde 400 Kronen erlegt, mit dem Ersuchen, diesen Betrag ungetheilt einer armen würdigen Braut zuzuwenden. Dieser wohlthätige Act, für den hiermit der beste Dank ausgesprochen wird, konnte umso eher sofort zur Ausübung gelangen, als anlässlich der durch den Vorstand der Cultnsgemeinde für Brautausstattungen ausgeschriebenen Stipendien, bei denen in der Regel nur eine Bewerberin bedacht werden kann, gewöhnlich eine große Anzahl würdiger Petenten bedauerlicherweise wegen Mangels an Fonds nicht berücksichtigt werden kann. Wien. (Die Einweihung des Vereinsbethauses „Mikdosch m'at".) Gestern abends, während draußen Antisemiten ihren Wahlsieg feierten, haben jüdische Dienstmänner das Fest der Einweihung eines Tempels begangen, den sie sich selbst erbauten. Herr Cantor S ch o r r leitete mit seinem Männerchor die Feier ein. Der Bereinsschriftführer Herr Queller begrüßte hierauf die Gäste in einer Ansprache, aus der man sah, mit welcher Genugthuung diese Männer der Arbeit — der härtesten Arbeit — das Werk erfüllte, das sie hier in treuem, jüdischen Gemeinsinne geschaffen. Nach dem Abendgebet hielt Rabbiner Dr. Bach die Festrede. Man kennt die treffliche Art dieses Redners. Und es wurde ihm bei dem merkwürdigen Zusammentreffen mit den Vorgängen des Tages nicht schwer, durch seine warmempfundenen Worte die tiefste Wirkung hervorzurufen. Er tröstete und er erhob die die Männer der Arbeit, sie glaubten ihm, als er ihnen sagte: „Siehe es schläft nicht und es schlummert nicht der Wächter Israels."

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