Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 21 (25.5.1900)
- Date
- 1900-05-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblat.t 25. Mai 1900 Nr. 21 Weigerung eines Armutszeugnisses versagt, armen jüdischen Studenten wird das zur Schulgeld-, Collegiengeldbefreiung oder zur Erlangung von Stipendien erforderliche Mittellosigkeitszeugnis verweigert. Und so werden junge, hoffnungsvolle Existenzen, welche der Stolz und die Zierde unseres Volkes, ja der Gemeinde werden könnten, ihren Studien entzogen und vernichtet. Und gerade aus solchen armen talentierten Leuten hat sich ja der größte Theil unserer jüdischen Intelligenz herausgebildet. Auf diese Weise suchte man uns dasjenige, worin die Kraft unseres Volkes lag, d. i. die Intelligenz, zu entziehen. Man versucht unser Volk geistig zu degenerieren. Es wird daher die vornehmste Aufgabe der neugewählten Bezirksvertretung sein, den Armenrath von diesen herzlosen und inhumanen Elementen zu säubern. Daher darf um keinen Preis die Bezirksvertretung in antisemitische Hände gerathen. «> Aeußerst wichtig sind auch die Wahlen in den Gemeinderath. Nach dem neuen Statute ist die Minorität berechtigt und verpflichtet, in die sogenannten „Seclionen" einzutreten. Diese Sectionen entscheiden gleichfalls über die vitalsten Interessen der jüdischen Mitbürger — man braucht nur beispeilsweise an die Verleihung der Heimatszuständigkeit zu denken ec rc. Darum, jüdische Mitbürger, richten wir an Euch das dringende Ersuchen, Mann für Mann an der Urne zu erscheinen und sohin einig und geschlossen für die unten verzeichneten Candidaten zu stimmen. Lassen wir die uns derzeit innewohnende und gewiss begründete Unzufriedenheit verstummen, wollen wir für den Augenblick alle Differenzen aus dem Spiele lassen. Im Interesse unserer armen und kleinen verfolgten jüdischen Existenzen wollen wir dies Opfer bringen. Wie oft ist ein Appell, aus fremdem Lager kommend, von den jüdischen Wählern befolgt worden. Ihr werdet gewiss einen von überzeugunqstreuen, ihr Volk mit allen Fasern ihres Herzens liebenden, um dessen Wohl stets bedachten Juden gerichteten Appell nicht ungehört vorübergehen lassen. Im Namen der verfolgten und bedrückten jüdischen Existenzen, denen das Wahlrecht geraubt wurde, bitten wir Euch, lasset die Antisemiten nicht zur Macht kommen, beweist Eure politische Bedachtsamkeit, zeigt Euch auf der Höhe politischer Reife und wählet die nachfolgenden Candidaten: In den Gememdernth: Carl Helbig, Obmann - Stellvertreter des Ortsschulrathes, II., Ferdinandsstraße 29. Carl M. Mayer, Hausbesitzer, II., Negerlegasse 10. ferner diesem Zwecke erhalten. Und noch eines verkaufte er nicht, weil er gar nicht daran dachte, den Sitz seines Vaters in der Synagoge, und cs war der höchste Sitz, auf den sich sicher viele Käufer gefunden hätten. In einem grotegfeit Aufzuge verließ Jßig mit der Kunstrertergesellschaft Galantha, und das war sein letztes Stücket. Viele, viele Jahre waren seitdem verflossen, in Galanthea sind währenddessen große Reformen vor sich gegangen: es wurde das Schulklopfeil abgeschasst, eine Kinderschule errichtet und deutsche Predigten eingeführt. Von Jtzig wurde nichts mehr gehört. Da kam eines Tages ein Pandur mit einem Schübling an, und das war Jtzig. Kaum dass er mehr zu erkennen war — ein alter, gebrechlicher Mann, mit schmutzigen, zerrissenen Kleidern, wie ein Straßenbettler. Und das war er in der That in der letzten Zeit. — Nachdem er mit der Knnstreitergesellschaft sein Geld verthan hatte, ließ er sich bei ihr als Mitglied engagieren, zog mit derselben durch aller Herren Länder von Markt zu Markt. In einem rumänischen Städtchen hatte er das Unglück, vom Pferde zu stürzen und zum Krüppel zu werden. Mit der Kunstreiterschaft war's aus. und er wurde ein gewöhnlicher Bettler, um das Leben zu fristen. In dieser Eigenschaft gerieth er in die Hände der Polizei und wurde nach dem Vagabnndeugesetze per Schub in seine Heimat transportiert. Die Gemeinde übernahm ihn. Die Wohnung, über die er sich beim Verkaufe seines Hauses das Verfügungsrecht vorbehielt, stand leer, er konnte sie beziehen, die Mittagskost erhielt er von Familie zu Familie angewiesen und dazu noch einige Gulden bar monatlich aus der Gemeindecasse, wofür er sich schriftlich verpflichtete, seinen Synagogeusitz der Gemeinde zu überlassen. Der ihm gebliebene Rest von Schamgefühl sträubte sich anfangs gegen diese Pension in seiner Heimat, wo er einst eine solch große Rolle gespielt, aber nachdem er von der Behörde kein Document augefolgt erhalten konnte, und bei dem ersten Versuche, sich wieder auf die Sohlen zu machen, gleich wieder per Schub heimgeschickt worden wäre, fügte er sich in sein Schicksal. Und was die Leute nicht zur Erleichterung desselben durch ihr Zartgefühl thaten, bewirkte der Trunk, dem er bereits stark ergeben war, so dass er sich endlich an dieses Pfründnerleben gewöhnte. Was er aber in seiner Glorie verdarb, das corrigierte er jetzt in seinem Elende. Er ist das Schreckbild für alle diejenigen, die Neigung haben, „Cavaliere" zu spielen, und so lange er lebt oder auch nur sein Andenken leben wird, wird es sicher in der Galanthaer Gasse keinen Lumpen mehr geben. L. Neumann. Sah: „Sie haben ja so recht, wenn sie mit Juden im allgemeinen nicht verkehren wollen; die Juden haben ekelhaste. Eigenschaften." Es gibt keine oder nur verschwindend wenige wirkliche A s s i m i l a n t e n, das heißt Leute, die bestrebt sind, gewisse Eigenthümlichkeiten abznlegen, andere anzunehmen; was man gemeiniglich als Assimilanten bezeichnet, das sind vermeintliche Assimilierte. Diesen Pseudo-Assimilierten wird häufig die Ehre angethan, dass man sie für eine Partei hält. Das wären sie auch, wenn der Name, den man ihnen gibt, auf sie passen würde; denn alle Menschen, die irgendein gemeinsames Ziel ans dieselbe Weise erstreben, bilden eine Partei. Es liegt in der Natur einer jeden Partei, dass sie sich zu vergrößern sucht; aber die Psendo-Assimilierten dürfen nicht zu viele werden, wer unter ihnen folgerichtig denkt, muss jegliche Vermehrung fürchten; denn die Lüge wird im großen bankbrüchig, sie muss hehlen und schleichen. Und deshalb haben wir es nicht mit einer Partei zu thnn. Jetzt ist wohl klar, warum diese Juden sich an der Einrichtung des Jndendrittels nicht stoßen. Sie glauben, dass diese Einrichtung nicht für sie da ist, die sich doch für Vollblntarier Hallen, sondern für die anderen Juden, die „unzweifelbar gewisse ekelhafte Eigenschaften besitzen". Diese Auguren mögen sich doch nur ja nicht ansehen! Jetzt werden wir auch nicht sehr erstaiinen, wenn wir hören, dass es gerade die Juden i»r Vereine sind, welche die Einhaltung des Jndendrittels mit Argusaugen bewachen. Sie fürchten den Bankbrnch. Höchst merkwürdig ist die Erscheinung, dass die Anzahl der Inden, die in die deutsche Lesehalle gravitiert, weit größer ist, als das Drittel beträgt. Die arischen Deutschen an den Wiener Hochschulen sind doch wehr als . fünfmal die Anzahl der nicht gerade von Lob triefen werden, so ist das deshalb, weil j deutsch sprechenden Juden. Wenn trotzdem in eine oentsche Lesewir scharf unterscheiden zwischen dem Vereine an sich und den I halle ebenso viel Juden strömen als Arier, so heißt das, wenn jüdischen Mitglieder» wir die widersinnige Auslegung, als ob die Inden ein Zunächst aaiu ' hm der Verein den ui bekritteln uns völkischeres Hcrz hätten als die Arier, zurück,veifen, so heißt 3 Ä®ic6wfrf,«nf«h; mSfA, m f J,\ ***> dass sich die Juden mehr von der Lesehalle erhoffen als Carl Johann Müller, Ortsschulrath, II., Circusgasse 35. Mortz Eltbogen, Bezirksrath und Armenrath, II., Praterstraße 1-9. In die Hezirksverlrelrrngl: Leopold Wagner, Oberlehrer, Vorgartenstraße HM. Carl Canfal, Architekt, II., Ferdinandstraße 3!. Dr. Alex. Loschitzer, Hof- und Gerichtsadvocat, II., Liltenbrunngasse 21. Alexander Winge, Hausbesitzer, Strohhuterzeuger und Armenrath, II., Karmelitergasse 5. Ernst Ne«stadtl, Kaufmann, II., Conradgasse 1. Leopold Qniex, Bürgerschnl-Director und Bezirksrath, II., Novaragasse 1-1. Der Ausschuss des Indischen Uolksverrlnes. Die deutsch-akademische Lesehalle und die Juden. (Aus S t u d e n t e n k r e r s e n.) Die deutsch-akademische Lesehalle ist uns sehr sympathisch. Wir Inden sind weder so einsichtslos, noch so undankbar, um zu verkennen, dass wir der deutschen Cnltur den größten Theil unserer Bildung verdanken. Wenn trotzdem diese Zeilen kein Recht zusteht. der Verein, den zu deutsch.°i.Kmische Lesehalle ist frei., m s. ifl a auch, «kr kommt In-M Inden nicht stnmz. pre.l.ch <m Ihrem Benehme» de» Inden gegenüber d-rs Dentschchmn zu diene,,, als für deutsch mau diesen Frech,„i nicht n s,en B.ele s>.d „ stnd b« » > 'We st»--e.Mttgti«er fftt We Se e. Freisinns Tod. Wenn wir al o bemerken, da s der Verein,? " , „ . v r- . . .J . c i ■! balle leben, so leben die molschen Mitglieder von der elben. prmcwcell nur em Dnttherl Inden anfnrmmt, io halten wir > ' ~ . .. ,„ 3 ,{■ . : „ . ... a er t .1 v L ' . . „Das sind die Gascogner Cadetten." Das sind die Innen das nicht tut dem Freisinn wider prechend. Ja, wir werden . . ". ' c, .... ..... ' c. ff A orri ...«, ' ' c r ui der deutichen Le ehalle. Wir und ubeizeuat, das von nicht zu verhehletider Achtung erfüllt, wenn wir erfahren,!. J sru-ehte les dass in dieses Judendrittel auch die getauften Juden ein- * 1 c gerechnet werden. In der That: ein wahrhaft deutscher Verein kann rrnr eine beschrankte Anzahl von Juden verdauen, und es ist ein starkes Zeichen von Freisinn, wenn Juden überhaupt gelitten werden. Hub nun die Inden; die Inden ohne Unterschied der Confeffion, welche der Lesehalle angehören; denn man stanne: es gibt Juden, sogar viele Inden, die so beschämende Bedingungen eiugehen unb um Aufnahme betteln. Gesetzt den Fall, ich pochte zu einer Zeit an die Thüre der Lesehalle, da das Judendrittel voll ist. Man bedeutet mir durchs Guckloch, dass ich meiner Wege gehen möge. Aber ich harre aus, ich harre und nähre mich mit meiner Liebe zum Deutschthum. manche That im Vereine (es liegen dortselbst Listen mit den Namen der deutschen Kanfleute auf, bei denen inan ausschließlich kaufen soll) von Inden, die recht päpstlich sein wollten, angezettelt wurde. Wenn der Verein das Judendrittel aufhebt, so verjltvet er; behält er es bei, so sind die Juden, die ihr Hospitinm anmelden, gewiss nicht die charaktervollsten, vollwertigsten ihres Stammes. Also »eh m e er über- Haupt keine Juden auf. Das kann ihm nur nützen, wenn er die Geldmittel, die voit den Vätern dieser Juden kommen, entbehren will. Man wird in diesem Falle an dem Freisinne der dentsch-akademischen Lesehalle nicht mehr zweifeln können als jetzt; denn die Inden sind Semiten und der Vereiil steht ans dem Rassenstandpunkte; vide Aufruf: „Das 4 V”- 0"'t > deutsche Volk ist das erste unter den Völkern, es ist der Lehr- Endlich kommen zwei Arier die Treppe heraus > „ miöeccu Siat'Oiteit " unb treten ein. Unter ihren Fittichen gelingt es nuch mir jme,|tet auet all0™‘ Jc _ hineinzuschlüpfen; denn das zersetzende Gift meines SemitismuZ j ist jetzt paralysiert durch das Gegengewicht der zwei Arier. i Das ist ein Fall, der alle Tage vorkommt, und was Späte Erkenntnis. Zur Erklärung der „Ostdeutschen Rundschau" gelegentlich der Gemeindewahlen, dass die Deutschnationalen, welche bei den letzten Wahlen die Christlich- Socialen unterstützten, mit diesen Bundesgenossen die schwerste bedeutet er? Meine Person schadet dem Vereine. Wenn ich auch schließlich als Weltkind in zwei Propheten gewickelt eingelassen werde, so bleibe ich doch ein Schädling, nur dass mein gefährliches Wirken jetzt zunichte gemacht wird. Wie kann ich es verantworten, dass zwei Arier gezwungen sind, einen Theil ihrer urwüchsigen statt ihn zum Heile des Deutschthums Hänge ich wuchtiger Semite nicht an dem lichten Höhen,.. .. ~ f , .. znschwebenden Vereine, wie Ballast am B°ll°n'? Ich bleibe i der yerren Schwerer und Cnn,arten d>e also ein Sckädlina! Chrlstlich-Socialen überhaupt gemacht hat. Die Aber noch mehr. Da die Te„denzei> des Vereines fori-! Christtich-Soetalen sind ja nichts anderes als Schönerer ins jchritttich nnd fteifiuni, sind, 1° erhellt, das» mau mich in! Schmarzgetb-Ctencate überseht Hatte Herr Schönerer nur Bezug ans diese Tendenzeu sür dem Arier inferior lM.i m> weiug Mt.sche Grütze „u Kop,e, müsste er w.ffeu, da,a (Nebenbei: welche Kühnheit! „Die Juden, die ans allen.d-r ->"--'emm,che Gebaute me remdie,den an»: etwa» Schtachtsetdern des Gedankens geblutet haben!-) Er ist der i"usdabet >em, wenn er eme Menge antacken soll. Da hat Vollme» ch, ich bin der Paria. Ich darf nicht Schulter an >»“ ®1' f b'u dqu Schulter mit ihm, Ariu in Arm mit ihm wirken, sondern ich das ..p-aktyche Ehr.st-nihun." betont und ,em Geichast bin minderioertiq, und solange eS ihm nicht getnngen ist, mich Deatichnat.onaten gescheit ioaren z» erziehen, bin ich höchstens gnt, die vegetativen Bedürknisse 3-- «epp hepp s-m und zogen gegem d.e Corr.ivtiv,, los, des Ver ineS zn besorgen di- Zeitungen in den Rahmen u ',e a,,t| t« i ',e “uf,0,"t7 «"d-nö 1 ö ° oerbai5c!^um äur ^lI^c' 2ü)er bag üir0 me Öc^citer werden, weil war ließen spannen und die Ankündigungen zu afsichieren. es nur seiner Leutseligkeit, seiner Herablassung, dass ich nicht j auf der Ofenbank, sondern bei Tische sitzen darf. Er begegnet mir mit der bekannten „christlichen Liebe", die bei den Missionen nnd Inquisition allen denen zntheil wurde, die sich geneigt zeigten, ihren inferioren Glauben aufzugeben, um in den Schoß der Kirche zu steigen. Meine Herren Inden von der deutsch-akademischen Lesehalle! Sind Sie sich alles dessen bewusst'? Ich kann es nicht schreit' er : ich' schrei7" Der Entgegnnngsschr'eiber beschuldigt' uns glauben, denn ich müsste Euch sonst in Grund und Boden hinein der Grobheit; dabei kam in unserer Ltotiz nichts Gröberes vor, verachten Wie aber überbrücktibr dieienAbarnnd? Folaendermasien' ^ls dais der Politiker der ,,Extrapost von der Politik offenbar veracylen.'Lvieaoer uoerorilciriyr oleienerogrnnor ^oigenoermasten. versteht, als der Nachtwächter von der Astronomie; er Man pflegt diese Junglmge, wie ihre alteren Gestnnuttgs- . .:..~ genossen, Assimilanten zn nennen. Das ist ein ganz unpassender es sich eben auch Herrn Schönerer und Herrn Wolf nicht um die Sache, sondern um ihre werte Persönlichkeit handelt. Bor aUeni müssen sie Antisemiten sein, auch wenn sie selbst darüber zum Teufel gehen; bei dieser Achillesferse haben die Clericalen Herrn Schönerer gepackt und haben ihn herausgeschmissen. Eine Entgegnung widmet uns die „Extrapost" auf unsere kurze Notiz in der vorletzten Nummer. Sie ist für uns eine sehr ergötzliche Illustration der altjndischen Logik: „er schreit, Name. Es gibt keine Assimilanten, wenn anders dieses Wort ein Werden, eine Aupassungsbetvegung bezeichnet. Jeder Assimilant hält sich für assimiliert. Heißt er Kohu, so denkt er : „Was ist ein Name?" und hält sich im Wesen für deutsch, zumal wenn seine 9iafe nicht so groß ist, wie die des £. Der 3k'. mit der Nase fährt mit der Hand übers Gesicht und denkt: „Sollte ich kein Deutscher sein, weil meine Nase gewölbt ist? Lächerlich. Ja, der Kohu! Bei diesem Herrn kann mau das Weseu ganz deutlich aus dem Namen lesen." Und so weiter. Jeder dieser sogenannten Assimilanten hält sich für eine» ganzen Arier, jeden anderen Juden aber für schauderhaft semitisch. Zu ihrer Einführmrg in arischen Kreisen verwenden sie vor allem den aber verarbeitet in seiner Entgegnung die ebenso für Stilflüssigkeit wie für zartbesaitete Bildung zeugenden Ausdrücke: „Büttel, Anflegelungen, schlechte Erziehung, geringes Wissen, erprobte Ausbeuter re." Zu solche m Bildungsniveau können wir uns allerdings nicht ausschwingen, ebensowenig, wie zu dem hochstehenden Deutsch, das gegen sachliche Artikel „in gleichfalls sachlicher Weise" kämpft und betont, „wir sind uns nicht der Schuld bewusst": „mir fennen" wäre „natürlicher". — Dagegen begreifen wir die Wnth nicht, die aus der Entgegnung spricht. Der humoristische Operettenoberst würde singen: „Ach ich Hab sie ja nur auf die Schulter geküsst." Man kann ein ganz guter Menich sein und braucht von der Politik dock nichts zu verstehen. Mit der Politik ist's wie mit der Kunst; da kann man auch einen ersten Charakterdarsteller wie Max Reinhardt für — einen Komiker halten und weiß es nicht. Also wozu der Lärm? Was der in Frage stehende Artikelschreiber von der Politik versteht, hat er mit dem Herrn Brunner zuerkannten socialdemokratischen Oel zur