Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 19 (11.5.1900)
- Date
- 1900-05-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. Mai 1900 Seite 3 1 Rokitzan. (Zum Processe Hüls ner.) Die Aufhebung des Urtheiles im Polnaer Processe und die neuerliche Verweisung desselben vor einen anderen Gerichtshof dürfte die bereits theilweise gedämpften Leidenschaften eines großen Theiles der böhmischen Bevölkerung von neuem anfachen, und es entsteht daher für uns Juden Böhmens die Frage, welche Präventiv- Maßregeln die Regierung treffen wird, um es nicht abermals zu den tollsten Ausbrüchen des Haffes seitens der fanatisch erregten Menge kommen zu lassen. Dass die Regierung den Hetzereien der antisemitischen Meute mit einem Schlage ein Ende bereiten und den Religions-Paragraphen (302) auch einmal zu unseren Gunsten in strenge Anwendung bringen Werde, lässt sich mit Rücksicht auf die politische Constellation und die hieraus zutage tretenden Erscheinungen zum mindesten bezweifeln. Allein eines müssen wir Juden mit aller Entschiedenheit zu verhindern trachten, dass nämlich d er G eri ch t s h o f a b erm a ls unter die Controle von Leuten ä la Schneider, Vergani e tutti quanti gestellt werde und dass die Unbefangenheit der Richter seitens der competenten Factoren geschützt bleibe. Unseren Schutzvereinen bietet sich vielleicht jetzt die Gelegenheit, zu zeigen, dass sie das Interesse des hart bedrängten Judenthums zu schützen gewillt und keinerlei Angriffe auf unser heiliges Recht stillschweigend zu dulden gesonnen sind. „Veritas.“ Anspitz (Mähren). (Todesfall.) Ein stilles, reines Gelehrtenleben hat mit dem Tode des Mannes geendet, welcher, nachdem er das hohe Alter von 91 Jahren erreicht hätte, hier in unserem stillen Orte zur ewigen Ruhe gebettet wurde. Herr Markus H e r z k a, sein Andenken sei gesegnet, ehemals Religionslehrer in Olmütz, wurde, nachdem er ein Jahr bei einer Enkelin hier geweilt, am 2. Mai auf unserem „guten Orte" bestattet. Nicht prunkvoll war sein Leichenbegängnis; es wäre dies auch gegen die Absichten des stillen Gelehrten gewesen, der gleich unseren alten Lehrern nicht nach Ehren geizte. Nur sein Schüler und Nachfolger im Amte, Professor Dr. Max Grünfeld aus Brünn, hielt ihm einen ehrenden Nachruf, indem er dieses ideale Gelehrtenleben schilderte, das nur im Studium unserer heiligen Wiffenschaft sein Genügen fand. Markus Herzka war eine wahrhaft jüdische Gelehrtennatur. Einen seiner kernigen Aussprüche möchten wir hier festhalten. „Wenn es", sagte er, „im Buche Josua heißt, heute wälze ich ab die Schmach Aegyptens von Dir, heute, nachdem ich Dir die Heimat Kanaan gegeben, so ist dies ein Fingerzeig, wodurch Israel zu einem Volke wurde." — Schlafe wohl, fromme Seele! Iwri. Friedek-Miftek. (Zur Rabbinerwahl.) Der verehrliche Vorstand der jüdischen Gemeinde in Schüttenhofen hat Schule gemacht. Wie aus diesen Blättern noch erinnerlich, hat dieser zur Prüfung der Würdigkeit der Competenten um den daselbst ausgeschriebenen Rabbinerposten die vorherige Einsendung der Photographie verlangt, um ä 1a weiland Lavater aus den Gesichtszügen der Candidaten auf die Geistesbeschaffenheit derselben schließen zu können. Der verehrliche Vorstand zu Friedet, dem eine solche, vom Fortschritte unserer Zeit gegenüber veralteten Anschauungen einer vergangenen, über die Würdigkeit eines Rabbiners zeugende Neueinrichtung imponierte, hat darum auch seinerseits nicht ermangelt, sich etwas Originelles zu leisten. Die Tochter des Schulklopfers gieng nun täglich in die Privatwohnung des Lehrers mit ihrer Notenmappe unter dem Arme, w:e ein städtisches Dämchen, eine Erscheinung, die nicht wenig Aufsehen in der Gemeinde machte. Ihre Fortschritte waren so bedeutend, dass nach einem Jahre der Lehrer ein Coneert für die Honoratioren des Ortes veranstaltete, wobei Ella der Löwenantheil des Programmes zufiel. Der Saal des Wirtshauses „zun: grünen Baum" war gefüllt. Mandel stand draußen unter dem noch zahlreicheren Gratis-Publicum. Die Fenster des Saales waren geöffnet, man hörte druußen so gut wie drinnen. Das Judenmädchen sang und spielte mehrere Pioeen, und nach jeder erfolgte eine Beifallssalve, die draußen einen Wiederhall fand. Mandel weinte vor Uebermaß der Freuden. Er sah die Verwirklichung seiner Träume, er gedachte mit Wehmuth seiner verstorbenen Frau. Wenn die das erlebt hätte! Von diesem Abende an sprach er von seiner Tochter nur: „Meine Künstlerin". „Seine Künstlerin" war jetzt dreizehn Jahre alt, aber entwickelt, dass sie mindestens um zwei Jahre älter schien. Mit aller Anstrengung und unsäglichen Entbehrungen für seine Person schaffte er sich ein Clavier an, ein altes Stück Möbel, das er auf einer Auction bei einer Herrschaft erstand und fast den ganzen Raum seines armseligen Wohnzimmers einnahm. Der christliche Lehrer sollte nun zu ihm ins Halls kommen, um den Leuten das Maul zu stopfen. Da wurde nun jeden Abend dem Lehrer ein Tisch bereitet, wie ihn der Pfarrer an Sonntagen nicht hatte. Kein Huhn war Mandel zu theuer. „Das gehört für den Meister meiner Künstlerin", sagte er fröhlich lächelnd, wenn ihm ein Weib grollend vorhielt, dass er den Preis verderbe. Ella spielte und sang den ganzen Tag, während ihr Vater die Wirtschaft besorgte, kochte, scheuerte und dabei mitbrummte in Reminiscenz all sein früheres Metier. Es waren dies glückliche Tage für Mandel Baß, obwohl er selbst nicht selten hungerte. Er sah im Geiste schon „seine Künstlerin" auf einer Bühne, umrauscht von dem Jubel der Zuhörer, noch gröber und gewaltiger, als den er einst in seiner Glorie als M a n d e l Baß bei einem Hochzeitsmahle eines reichen Mannes einsog, wenn er die Arie des Leporello in „Don Juan" oder des Marcell in den „Hugenotten", oder des Caspar im „Freischütz" loslegte und damit einen Applaus entfesselte, als hätte sich S t a u d i g l selbst in die Gaffe verirrt. Mandel zollte dem christlichen Lehrer eine Art göttlicher Verehrung, er sah in ihm ein hehres Wesen, das bestimmt ist, seine Ehre wieder herzustellen. Und Ella konnte niemals den Augenblick seines Erscheinens erwarten, er kam ihr immer zu Während jedoch der löbliche Vorstand zu Schüttenhofen tn dem hübschen, wohlgetroffenen Conterfei den einzigen vollgiltigen Beweis für die Eignung zu solch verantwortungsvoller Stellung erblickte, sollte der anzustellende Rabbiner dem Vorstande in Friedek gewissermaßen sein geistiges Conterfei, besser gesagt, seine geistige Momentphotographie abliefern. Darunter sind beileibe nicht die im Schweiße seines Angesichtes an einer öffentlichen, sogar staatlich subventionierten, rabbinischen Lehranstalt erlangten Rabbinats-Zeugnisse zu verstehen, die können ja — und diese Erwägung macht dem kaufmännisch geschulten Geiste der Friedeker alle Ehre - erschlichen und erschwindelt seien. Auch nicht die oratorische Befähigung und Sicherheit auf der Kanzel dürfte maßgebend sein. Dem Candidaten sollte es vielmehr zum Bewusstsein gebracht werden, dass ein verehrlicher Vorstand kein bloßes mechanisches Abftimmungswerkzeug sei, dazu geschaffen, ruhig Predigten nach Belieben des Bewerbers über sich ergehen zu lassen, um darauf höchstens ein Amen zu sprechen, nein, er sollte es mit in die Welt hinaustragen, dass der löbliche Vorstand zu Friedek viel zu gescheit fei, um nicht zu wissen, dass Predigten vorher abzufassen und dann einzulernen heutzutage gar keine Kunst sei. Und darum sollte der berufene Candidat nach einem wohlweisen Beschlüsse der jüdischen Gemeindeväter zu Friedek nebst seiner Predigt auch ein ihm tagszuvor von diesen dictiertes Thema von der Kanzel herab in kunstgerechter Form behandeln. Ilic Rhod s, hic salta: „Da sieh' mal, dass auch wir etwas von Deinen Praktiken verstehen. Wir in höchsteigener Person wollen jetzt die Jury über das „Wie" der Predigt sein, zu welcher wir das „Was" selbst zuvor festgesetzt." Wir hätten indessen dieses dem löblichen Vorstande zu Friedek sicherlich zustehende Recht nicht anzutasten gewagt, wenn wir uns nicht von der Erwägung hätten leiten lassen, dass von diesem Schritte, dem neuaufzunehmenden Rabbiner das Thema für seine Probepredigt zu dictieren, es nicht mehr weit sei zu dem Schritte, ihm das Thema zu seinen Predigten überhaupt, wie für sein ganzes Thun zu dictieren. Oder sollte es doch dahin kommen wollen?- m. st. Ausland. Berlin. (Baron von Cohn), der bekannte Vermögensverwalter des Kaisers Wilhelm I., ist in Dessau in dem hohen Alter von 88 Jahren gestorben. Vom Jahre 1848 an bis zu dem im Jahre 1888 erfolgten Tode des Kaisers, also volle 40 Jahre war der Baron von Cohn der Vertrauensmann Wilhelms I. in allen Finanzangelegenheiten. Ein pecuniäres Entgelt für seine Thätigkeit hat er niemals empfangen. Noch vor wenigen Wochen wurde er von Kaiser Wilhelm II. durch die Verleihung des Kronen- Ordens erster Classe ausgezeichnet. Berlin. (Ein hoher Besuch.) Am 30. April besuchte die Kaiserin in Begleitung ihrer Hofdame, der Gräfin Stolberg, des Obersthofmeisters Freiherrn von Mirbach und des Kammerherrn Grafen Keller die Rudolf Mosse'sche Erziehungsanstalt in Willmersdorf, und wurde dort von dem Stifter und dessen Gattin empfangen. Die Besichtigung währte dreiviertel Stunden und erstreckte sich aus alle Theile der Anstalt. Vom Festsaale aus, in dem sich sämmtliche 100 Zöglinge mit ihren Lehrern und Lehrerinnen versammelt hatten, begann der Rundgang, bei dem sich die Kaiserin alle Einzelheiten des Betriebes aus das Eingehendste erläutern ließ. Durch vielfache huldvolle Ansprachen bezeugte die hohe Frau ihr lebhaftes Interesse an den frischen blühenden Kindern, erkundigte sich mit herzgewinnender Freundlichkeit nach ihren Familienverhältnissen und ihrem Ergehen in der Anstalt. Als die Kaiserin von einem der jungen Mädchen erfuhr, dass es im vergangenen Sommer eine dem Ertrinken nahe Dame aus Lebensgefahr gerettet hatte, äußerte die hohe Frau, dass das Kind wohl eine Rettungsmedaille verdiene, und fügte scherzhaft hinzu, es müsste demnach beim nächsten Ordensfeste im Schlosse erscheinen. Mit freundlichen Worten der Anerkennung über das spät, obwohl er in der Regel noch vor der bestimmten Stunde eintraf. So gieng es wieder länger als ein Jahr fort. Eines Morgens erwachte Mandel, er fand das Bett „seiner Künstlerin" leer. „Sie mag vielleicht diesmal ausnahmsweise einer häuslichen Beschäftigung nachgegangen sein, das gute Kind, das soll sie nicht mehr thun, sie ist zu Höherem geboren." In bester Laune machte er seine Tour durch die Gasse. Nach dem Morgengottesdienste kam er nachhause. „Seine Künstlerin" war noch nicht sichtbar. Jetzt stiegen trübe Ahnungen in ihm auf. Er frug besorgt nach allen Seiten, ob man „seine Künstlerin" nicht gesehen. Zu derselben Stunde wurde aber auch noch eine andere Person im Orte gesucht. Er war Acht, es wurde Neun, der Lehrer erschien nicht in der katholischen Schule. Die Buben und Mädel machten im Schulhofe einen heillosen Spectakel und rannten dann lärmend und johlend nachhause. Man forschte nach dem Lehrer in seiner Wohnung, im Wirtshause, er war nirgends zu finden. Die Klugen in der Gasse wie im Markte eombinierten endlich aus dem Verschwinden dieser beiden zugleich einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen, und bei dein verdächtigen Verhältnisse zwischen Lehrer und Schülerin, über welches schon manches gemunkelt wurde, war nicht schwer, den Schluss zu ziehen, dass beide miteinander in der Nacht aus und davon sein mussten. Der ganze Ort lachte schadenfroh über diese Entsührungsgeschichte; aber Mandel brach davon das Herz. Automatisch gieng er noch einige Wochen seinem Berufe nach, sein Klopfen war ohne jeden Ausdruck. An einem Morgen unterblieb in der Gasse das Schulklopfen. Die Leute verspäteten sich zum Gottesdienste, die Frommen schrien Zeter. Als man Mandel aufsuchte, wurde er in seiner Wohnung todt aufgefunden, auf dem Boden liegend, den Hammer krampfhaft in der Hand haltend — ein Herzschlag hatte seinen: Leben ein Ende gemacht, als er sich gerade anschickte, Schulklopfen zu gehen. Damit war M an d e l B a ß' „Künstlers Erdenwallen" vollendet. Nach an demselben Tage wurde eine Ausschusssitzung der Gemeinde abgehalten und auf Antrag einiger Reformer beschlossen, das Schulklopfen für immer aufzulassen. Der Hammer aber wurde Mandel mit ins Grab gegeben, von wo die Frommen noch seine Auferstehung hoffen. L, Neumann. Gesehene verabschiedete sich hierauf die Kaiserin unter den Hochrufen der Kinderschar. Berlin. (Ein Berliner Theologe über den Koni tz e r M o r d.) In den Berliner „Neuesten Nachrichten" veröffentlicht der Professor der Theologie Dr. Hermann L. Strack einen Aufsatz unter dem Titel „Jüdische Geheimschriften und der Konitzer Mord". Professor Strack sagt, er sei in Preußen wohl der einzige christliche Gelehrte, der, von nur christlichen Vorfahren abstammend, eingehend mit der jüdischen Religion und Literatur sich beschäftigt hat. An die Spitze seiner Ausführungen setzt Professor Strack dann die nachdrückliche Erklärung: „Es gibt keine jüdischen Geheimschriften. Innerhalb des gesammten Judenthums giebt es weder eine Schrift noch eine mündliche Tradition, welche kundigen Christen unzugänglich wäre; weder suchen die Juden vor den Christen etwas zu verbergen, noch können sie vor ihnen etwas verbergen. Für die Richtigkeit dieser Erklärung setze ich auch hier meine Ehre als Mann und als Gelehrter ein." Könitz. (Zum Kn ab e n m ord.) Wie bereits gemeldet wurde, ist ein Preis von 20.000 Mk. auf die Ermittelung des Mörders des jungen Winter ausgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft erklärt in ihrer Bekanntmachung, daß diejenige Person, durch deren Thätigkeit vorzugweise die Ermittelung des oder der Mörder gelingt, diese 20.000 Mk. ungetheilt erhält. Die übrigen der Staatsanwaltschaft noch zur Verfügung stehenden 6700 Mk. sind für die Personen bestimmt, durch deren Angaben zur Aufklärung des Verbrechens und zur Ergreifung der Mörder beigetragen wird, insbesondere auch für diejenigen, die Kleidungsstücke oder noch fehlende Leichentheile auffinden. Der Kantor Heimann hält sich gegenwärtig in Schwersenz bei seinen Eltern auf, nachdem ihm von der zuständigen Behörde in Könitz die Versicherung gegeben worden, dass bezüglich des Mordes des Gymnasiiasten Winter nicht das Mindeste gegen ihn vorliege und er daher getrost abreisen könne. Heimann hat aus freien Stücken Könitz verlassen, um den Insulten, die er dort zu erdulden hatte, aus dem Wege zu gehen. Wurde Heimann schon dort mit anonymen Zuschriften ganz Unflätigen Inhalts seitens der Antisemiten überschüttet, so werden ihm auch nach hier solche zugesandt, und zwar meist aus Berlin. Sowohl Stil wie Inhalt geben Zeugnis von dem niedrigen Bildungsgrade und der Charakterlosigkeit der Schreiber. London. (Die Juden in Südafrika.) „Jewish Chronicle" veröffentlicht ein interessantes Interview mit Rev. Doctor Hertz, dem ehemaligen Rabbiner in Johannesburg, der zur Zeit hier in London weilt. Dr. Hertz wendet sich mit aller Entschiedenheit gegen die Angriffe, welche englische Friedensfreunde aus dem Grunde gegen die Juden erheben, dass sie die eigentlichen Besitzer der Minen, ferner die Leiter der Uitländerbewegung und die Führer in der Presse sind. Namen für Namen weist er nach, dass die großen Capitalisten fast sämmtlich nichtjüdischer Abstammung sind, mit Ausnahme der wenigen, die, wie Albu und Marks, zu den Boeren halten. Auf der Börse zu Johannesburg bilden die Juden eine Minderheit, und selbst von dieser ist noch der größte Bruchtheil das deutschjüdifche Element, das nichts vom Judenthum wissen will und größtentheils zum Chistenthum Übertritt. In der Presse ist der Einfluss der Juden sehr gering; die Uitländer-Organe waren seit dem Jameson-Einfall im Gegentheil antisemitisch, nur das Organ der Regierung, die „Standard and Diggers News" sind in jüdischem Besitze. Die russischen Juden, welchen die Uebertretung der Schankgesetze zur Last gelegt wird, sind nur ein ganz kleiner Bruchtheil der eingewanderten russischen Juden, und die gleichen Contraventionen begehen auch die Griechen, Italiener rc., die das Schankgewerbe betreiben. Die Gesetze von Transvaal bieten gerade in diesem Falle einen besonderen Anreiz zu Contraventionen. Die Zahl der Juden, welche auf der Boerenseite fechten, gibt Hertz auf 300 an, während er die Zahl der jüdischen Soldaten im englischen Heere auf 1200 schätzt. Im ganzen leben nach seiner Angabe, oder vielmehr lebten vor den: Kriege in Südafrika an Juden 10.000 Seelen in Johannesburg, 2000 in seiner nächsten Umgebung, 2000 in Pretoria und ebensoviel in den anderen kleineren Plätzen von Transvaal. Im Oranje-Freistaate wohnen 500 Juden, in Natal 350, in der Capcolonie 7500, in Rhodesia 1000 und in Portugiesisch-Ostafrika 200. Gegenwärtig ist der größte Theil der jüdischen Bevölkerung von Johannesburg unter den Flüchtlingen in Natal und Capstadt. Dr. Hertz beklagte die politischen Beschwerden, unter denen die Juden in Transvaal zu leiden haben, erkannte aber an, dass im socialen Leben die Boeren vollständige Toleranz üben. Sofia. (Grand-Rabbiner und Für st.) Der Fürst Ferdinand von Bulgarien hat den Rabbiner der Djakovarer israelitischen Cultusgemeinde Dr. M. E h r e n p r e i s zum Landesrabbiner von Bulgarien ernannt. Bei der Dankaudienz, welche Dr. Ehrenpreis beim Fürsten nahm, erklärte dieser, sein sehnlichster Wunsch sei die Gleichberechtigung der in seinem Lande wohnenden Juden mit den anderen Confessionen, und beauftragte den Landesrabbiner mit der Unterbreitung von Vorschlägen zur Hebung der Cultur der bulgarischen Juden und Organisation ihrer Gemeinden. Bukarest. (Neue Schulverordnunge n.) Die r rr nr ä rr i f ch e Regierung fährt fort, die jüdischen Schulen zu chicanieren. Ihre neueste Errungenschaft ist das Verbot, mehr als drei Stunden Hebräisch in der Woche zu unterrichten, und die Vorschrift, bei diesem Unterrichte mit entblößtem Kopfe zu sitzen. Die orthodoxen Juden sollen in ihrem Gewissen behindert werden, die Kinder in die Schulen zu schicken, denn diese Kinder sollet: am liebsten keinerlei Unterricht erhalten, damit ihre Unbildung der Regierung immer neuen Vorwand zu Beschränkungen gegen die Juden gebe. Auch gegen den Unterricht in der deutschen Sprache hat sich die Regierung ausgesprochen und das förmliche Verbot desselben steht bevor.