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Jüdisches Volksblatt · 1900-04-27 · 17 (27.4.1900) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
17 (27.4.1900)
Date
1900-04-27
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Voiksblait 27. April 1000 Nr. 17 letzteren zumeist Funktionäre. spiel! sich mich folgender Schablone ab °. Der Candida! beginnt, nachdem er sich ansgeräuspert bat, die Misswirtschaft der Christlich-Socialen in grellen Farben zu schildern. Unter der Aegide seiner Partei war die Verwaltung eine blühende. Für so viel Millionen habe seine Partei Schulen gebaut, für so viel Millionen Hat man gepflastert, ja die Gasfrage Hätte seine Partei so gelöst, dass man das Gaslicht umsonst bekommen hätte. Anders sei dies unter den Cbristlich- Socialen. Das Budget iverde verschleiert. Die Stadt Wien sei am Rande des Bankerotts. Pfui! rust die enthusiasmierte Menge. Nieder mit Lueger! Weiter! Diese Wirtschaft hat zur Folge, dass die Zinskrcnzer erhöbt werden müssen. Pfui! rufen die Anwesenden — und ein Nichtkenner der Verhältnisse müsste glauben, die anwesenden Inden seien lauter Hausbesitzer. — Und unn kommt der Pferdefuß! Alle Gegner dieser Lotterwirtschaft, alle freisinnigen Elemente, kurz alle, die gegen die Christlich-Socialen sind, m ü s s e lt s i ch v e r e i n i g e n, um dieser Wirtschaft ein Ende zu machen. Bravo! Und so begeistern sich Juden für ein Bündnis mit Schönererianern! Fürwahr ein rührendes Bild. Es fehlt Mir noch jemand, der zu dieser perversen Verbindung den Segen ertheilt. Wollen ivenigstens wir nun von deDJuden sprechen. Das, was mau den Juden in liberalen Wählerversammlungen nicht sagt, wollen wir hier verbringen. Fürwahr, es verlangt dies das Prestige des jüdischen Volkscharakters.! In den letzten Jabreu hat sich auf denn Gebiete der Wiener Gemeindeverwaltung ein eigenes ungeschriebenes ..Judenrecht" oder vielmehr „Jubenunrecht" herausgebildet, das in alle Formen „jüdischer" Wirtschaslsexistenz schwer eingreift. Positive Beispiele können dafür erbracht werden. So manche Existenz wurde erdrosselt, so manche Familie an das Hungertuch gebracht. Dieses Judeurecht wurde und wird auf allen Gebieten gehanobabt — tu Vausacheu, in Gewerbesachen, in Standessachen, kurz in allen Belangen jüdischer Existenz. Bei Aufführung von Bauten z. B. hat ein jüdischer, mit geringen Mitteln arbeitender Bauunternehmer das größte Interesse daran, dass ihm der Venützungsconsens so bald als möglich ertheilt wird, denn er hat von dem Creditcapitale Zinsen zu leisten, er muss die kleinen Bau- Handwerker auszahlen ec. Dies kann er nur thnn, wenn er die Häuser rasch vermietet und die so vermieteten Objecte an beit Alaun bringt. Ohne jeden Grund wurden wiederholt einem solchen jüdischen Bauunternehmer Trocknutlgsfristen ertheilt, die ins Unabsehbare lausen, und hierdurch wird derselbe um seinen geringen Verdienst, ja oft in Zahlungsstockung gebracht. Jeder Bauunternehmer, welcher einen Baugrund kauft, rechnet oft damit, dass er ein Stück Grund zu Straßenzwecken abtreten muss und dass er dafür einen Entschädigungsbetrag von der Commune erhalt — vorausgesetzt, dass dieser abzutretenüe Grund ein gewisses Ausmaß überschreitet. Was wird jedoch oft gethan? Gegen alle Regulierungsprincipien wird einfach der Straßengrund perhorresciert, der Mann muss nun anders bauen, muss ein Stück Grund, aus das er nie gerechnet hat, behalten. Man bezeichnet diese Handhabung der Bauvorschriften mit dem Jargon „antisemitische" Baulinien. Es ist in Wien allgemein üblich, dass concessionierte Geschäfte verkauft werden. Eine Concefsion z. B. für ein Gastwirtgewerbe oder für einen Kaffeeschank lvird in Wien schon seit vielen Jahren nicht mehr ertheilt. Es wird einfach ein Geschäft samml Fundus instructus verkauft, der Verkäufer legt seine Concession zurück, der Käufer erhält . die neue Concession. Nun kamen wiederholt Fälle vor, dass man die Rücklegnng mner Concession zur Kenntnis nahm, dem jüdischen Käufer aber, der viele Tausende für das Geschäft bezahlte, grundlos die Concession nicht ertbeilte. Der jüdische Käufer, der den letzten Kreuzer für das Geschäft hergegeben hat, ist ruiniert. Er kann die leeren Bänke und Tische einem Tandler verkaufen. Und an derselben Betriebsstätte führt ein paar Wochen später behaglich eilt arischer Wirt das seinem Vorgänger untersagte Gerne rbe. Großartig ist oft die Handhabung der Vorschriften gegen jiiDtlcpe Kleinhandwerker. Ein jüdischer Schuhmacher führt mit sich acht Paar Schube, die er an seine Kunden abliefern soll. Am Wege begegnet ihm ein Wachmann, stellt ihn als „unbefugten Hausierer" zum Bezirksamt °. der Jurist des magistratischen Bezirksamtes bestraft ihn für „unbefugtes" Hausieren und confisciert die acht Paar Schuhe. Der Schuster vecnrrierte, dem Rekurse wurde nach so und so viel Monaten Folge gegeben, aber der jüdische Schuhmacher hat inzwischen acht Kunden wegen nicht pünktlicher Lieferung verloren. Wenn ein jüdischer Schlosser sich eine bessere Schlosserei einrichterr will, so wird ihm die Genehmigung der Betriebsanlage verweigert. Es macht Lärm, es macht Geräusch, die Nachbarn werden belästigt, so lautet die Abweisung. Vier Wochen später wird die Errichtung einer Schlosserschmiede an derselben Stelle eitlem Arier bewilligt. Es ist noch viel zu sagen und viel zu schreiben. Soll rnan von den vräterierten jüdischen Beamten, präterierten jüdischen Lehrern, soll man van der Entziehung der städtischen Lieferungen sprechen, soll noch gezeigt werden, wie jüdische Mietpaneien aits kommunalen Häusern, in welchen sie seit Jahrzehnten Geschäfte betrieben, ganz ohne Grund delogiert werden. Wir werden noch während der Wahlcampagne genug darüber schreiben, mehr, als es so manchem lieb ist. Groß sind die Leiden der Juden in Wien. Was lehren uns diese Leiden? Worin liegt die Abhilfe? Etwa darin, ' dass geschwiegen wird? Sollen die Allianzgenossen der Deutschnationalen Eure Helfer in der Noch sein? Wie, diejertigen, die nicht einmal von Judenleid reden lassen, die sollen für Inden handeln? Gewiss nicht. Selbst ist! der Mann! Rur eine organisierte Jndenschaft ist in ber | Lage, ihre eigenen Interessen zu verfechten, nicht frem.de, mit unseren Feinden verbundene, längst in Misscredit gebrachte Parteien. Die Juden haben daher -m jetzigen Wahlkampfe eine Ausgabe: Beiseite lassen die Gaswerke, die Pflastersteine, die Approvisionierung ec. Die Inden haben nur von Juden zu reden, von Judenleid und Judennnrecht. Sie haben auch nur solche Vertreter zu wählen, die dies Leid mit fühlen und b e s>e. i t i g e ::t Helsen, und w e n i g st e n s den guten Wilkeu hierzu haben. (Schluss.) Eine jüdische Bvlkspolitik würde somit mit Ausschluss aller national - chauvinistischen, coilstssionell - zelotischcn und clasß'ncgoistischcu Vestrebungen für das gleiche Recht der I u b e ii m i t alle n ü b rige it Rationalität e n, für die politische und wirtschaftliche Organisation der großen jüdischen Volksmassen zum Zwecke der Beseitigung der politischen Rechtlosigkeit und wirtschaftlichen Roth eintreten müssen- Die Furcht, dass eine jüdisch-volkliche Organisation isoliert dastehen würde, ist insbesondere dann vollständig unbegründet, tvenn dieselbe ans dem Boden der nationalen Antonomie und der genossenschaftlichen Socialrefvrm anfgebant ist. Alle jene Gruppen, die nationale Gleichberechtigung und die Beendigung des Nativnalitätenstreites nicht nur im Munde führen, sondern durch eine national-aittonomistische Verfassnngsresorm auch zur Wahrheit machen wollen, um endlich die Bahn frei zu machen für eine großangelegte Wirtschaftspolitik zu Ruh und Frommen aller producierenden Volksschichten, würden die Bnndesgenossenschaft einer jüdisch-socialen Vvlksorganisation nicht nur suchen, sondern auch finden. Ans ökonomischem Gebiete, wo es sich um die Interessen uns crcr K le i ugew er betrei veud e n. Hausierer, A g e n t e n, H a n d c l s a n g e st e l l t e u und Arbeiter handelt, werden wir eine genossens ch a f t l i ch - s o c i a l r e f o r n, a t o r i s ch e, k e i n e s tv e. g s den realen Boden unseres österreichischen Vaterlandes verlassende Wirtschaftsvvlitik betreiben. Wir wollen nicht die Bekämpfung der Assimilation immer im Munde führen, aber in der A s s i m i l a t i o n an die nationalen Borniertheiten fremder nationaler Parteien so weit Ivie gewisse Exaltadvs gehen, dass sie für die specifische Art des jüdischen Nativnalismns und die wirtschaftlichen Bedürfnisse der jüdischen Bolksmassen kein Verständnis besitzen, denen vergilbte Parteiprogramme und einseitiger Fractions - Doctrinarisiuns höher steht als die unendliche wirlhschaftliche Roth unseres Volkes. Eilte jede jüdisch-nationale Organisation ohne gesundes Wirtschaftsprvgramm gleicht einer Pyramide, welche aus der Spitze steht. Diese Wirtschaftspolitik darf n i ch t von dein Jrrthum ansgehen, alles vom Staate, alles von beit parlamentarischen Körperschaften zu fordern; sie muss der Parole „Staatsbilse" die Devise „S e l b st h i l f e" gegenüberstellen. Der „moderne" Parlamentarismus, besonders wie er sich in der österreichischen Monarchie uns präsentiert, ist keineswegs so beschaffen, dass man eine moderne Svcialreform von ihm zugunsten der producierenden Stände im allgemeine!: und der jüdischen im besonderen erwarten könnte, eher eine reaktionäre Socialreform mit antisemitischem Anstrich, wie ja die beabsichtigte Aenderiing der Gewerbe-Ordnung beweist. Der jüdische Gewerbestand leidet ebenso wie seine Standesgenossen der übrigen Rationalitäten und lvird überdies noch für die wirtschaftliche Roth verantwortlich gemacht. Im jetzigen Stadium kann von unserer Seite nichts anderes für unseren Gewerbestand gethan werden, als eine Förderung der Association und die Zugänglichmachung billigen Credites. Unserer Meinung nach muss die Verbesserung der Lage der ein;elnen producierenden Bolksschichten Hand in Hand gehen. Haben unsere Gewerbetreibenden u n d K a u fleute einen größeren Absatz ihrer Prooncte durch Erhöhung der Eonsumsähigkett der Massen, dann können sie den berechtigte:: Forderungen der H a n d e l s a n g e st e l l t e n, insbesondere nach Sonntagsruhe und Verkürzung der Arbeitszeit umso eher entsprechen. Wir behalten uns vor, ans die Forderungen der einzelnen producierenden Stände noch zurückznkvmmen und jene Forderungen zu formulieren, welche im Interesse der Beseitigung der crassesten wirtschaftlichen Uebelstände, unter welchen unsere arbeitenden Volksgenossen leiden, schon jetzt gefordert werden müssen. Wir beschränken uns heute darauf, auf die Rothwendigkeit hinzuweisen, dass die derzeit bereits bestehenden bernslichen und wirtschaftlichen Organisationen ansgebaut, resp. reformiert werden müssen, und soweit solche Organisationen nicht bestehen, sind dieselben im gesammten Reiche ins Leben zu rufen. Sie sollen gleichzeitig zur Verbreitung und Berer sich auch in diesem Jahre eine seiner famosen Reden gegen die Juden leisten sollte. Oesterreichs Erniedrigung im Jahre 18ÜU fände in einer Schneider'schen Rede im Jahre 1900 jedenfalls eine würdige Säcularfeier. Die amtliche Statistik vom Jahre 1801 zeigt, dass in der Zeit vom 1. Jänner 1797 bis April 1801 an österreichischem und französischem Militär nicht weniger als 68.850 Mann bei den Juden in Hohenems einquartiert und verpflegt worden waren, u. zw., wie es da wörtlich heißt, „ohne mindeste Entgeltung von irgendjemandem". Im Jahre 1800 beschlossen die Vorarlberger Stände, im Lande selbst ein Darlehen zur Fortsetzung' der Defensive aufzunehmen. Zwei mit einem sehr schmeichelhaft gehaltenen Begleitschreiben versehene Deputierte suchten das Darlehen auch bei den Hohenemser Juden zu engagieren, und schon nach zwei Tagen ward von den einzelnen Gemeindemitgliedern die Summe von 2387 Gulden aufgebracht, und den Ständen mit der Bitte übergeben, mehr die vaterländische Gesinnung als den Wert zu achten. Auch die Franzosen unterließen es nicht, vor ihrem Abzüge den Juden eine Contribution von mehreren tausend Gulden aufzuerlegen. Auf ihren Antheil von der vom Kaiser- Franz II. dem Orte Hohenems zugesprochenen Kriegsentschädigung leisteten die Juden Verzicht. Wie wenig aber all diese patriotischen Leistungen und schweren Opfer der Juden geeigneten Ortes gewürdigt wurden, erhellt schon daraus, dass die österreichische Regierung im Jahre 1804 kurz vor dem Pressburger Frieden damit umgieng, für die Israelitische Gemeinde in Hohenems eine Normalzahl festzusetzen und damit jede Neuansiedlung von Juden unmöglich zu machen. Die Ausführung verhinderte jedoch der Pressburger Friede und die bald darauf am 13. März 1806 erfolgte Uebergabe Tirols und Vorarlbergs an Bayern." Ich lasse hier mit Weglassung der ersten bayrischen Regierungsperiode direct das Kriegsjahr 1809 folgen. „Dieses für die Geschichte Oesterreichs im allgemeinen und insbesondere für jeden Tiroler und Vorarlberger denkwürdige ruhmesreiche Kriegsjahr gab auch den Juden Gelegenheit, sich neue Verdienste um das Haus Oesterreich zu erwerben. Freilich fand auch nicht ein einziger der zahlreichen Historiographen dieser Kriegsepoche, zu deren jüngsten für Tirol und Vorarlberg der Landeshauptmann von Oberösterreich, Dr. Ebenhoch, gehört, ein Wort der Anerkennung für die Juden. Vorerst sei erwähnt, dass eine Wiener Jüdin, die durch Geist und Herz ausgezeichnete, unvergessliche Baronin Fanny Arnstein es war, die Hormayr, der bekannte Intendant Erherzog Johanns im Tiroler Aufstande, selbst als die unermüdliche Wohlthäterin der Tiroler bezeichnet und in deren berühmten Salons auch Speckbacher, der Genosse Hofers, vielfach und gerne verkehrte. Der Tiroler Aufstand ebenso wie seinerzeit die Kreuzzüge begannen mit einer regelrechten Judenplünderung, freilich hatten beide Kriegsnnternehmungen keinen bleibenden Erfolg zu verzeichnen. Ferdinand der Katholische war vorsichtiger, er vertrieb die Inden erst dann aus Spanien, nachdem er bereits die Mauren besiegt hatte. In Innsbruck wurden die wenigen damals dort wohnenden Juden am 15. April 1809 von dem dort versammelten Landvolke gründlichst ausgeplündert, und zwar fielen demselben fünf Wohnungen und drei Geschäfte zum Opfer. Die Beschönigungen und Entschuldigungen, die sich der als der hervorragendste Historiker jener Kriegsepoche geltende Gubernialrath Dr. Josef Rapp leistete, und die in den allerdümmsten Anschuldigungen der Juden bestehen, sind gemeiner Volksklatsch und verdienen weder eine Erwähnung. noch gar eine Widerlegung. Dagegen sei betont, dass den Aufständischen in ihrer steten Geldnoth das Wiener Bankhaus Arnstein und Eskeles mehrfach in uneigennützigster Weise helfend beisprang, wie ebenso, dass ein Jude Nathan der Kriegscasse der Aufständischen 10.000 fl. vorgestreckt hat. — Ende April 1809 organisierte sich auch in Vorarlberg der Aufstand unter Leitung des Bregenzer Advocaten Dr. Schneider — auch Vorarlberg hat seinen Sckineider, aber einen, auf den es stolz sein kann. Aus jedem Orte wurden Schützencompagnien gebildet, und für die Hohenemser Compagnie, die kaum drei Monate unter Waffen blieb, leisteten die Juden allein einen Beitrag von nahezu 1000 fl. — Requisitionen an Pferden, Waffen, Kleidern u. s. w. waren an der Tagesordnung, ebenso auch einmal an barem Gelde in der Höhe von 1200 fl., und in den drei Monaten der Jnsurrection waren 1837 Mann bei den Juden allein einquartiert. Bereits im Mai verlangten die in Feldkirch tagenden Stände Vorarlbergs von den Juden ein Darlehen von 20.000 fl.; doch zerschlugen sich die Verhandlungen infolge der bald darauf durch eine falsche Nachricht aus Tirol erfolgten Capitulation. Als der Krieg wieder ausgenommen wurde, erneuten die Stünde ihr Verlangen unter Androhung, dass „sonst gegen die Judenschaft die unangenehmsten Vorkehrungen unvermeidlich wären", was zur Folge hatte, dass die Juden im Auslande gegen hohe Zinsen Geld aufnahmen und den Ständen 4000 fl. als unverzinsliches Darlehen, rückzahlbar in einem halben Jahre — vorstreckten. Später versuchten die Stände mit gleichen Mitteln ein zweites „freiwilliges" Darlehen bei den Juden zu erzielen, doch schon war der Aufstand gebrochen. Auch Hormayr wusste durch seinen Vorarlberger Gesandten, den Gerichtsschreiber Fischer, die Juden unter nachdrücklichem Hinweis auf die Innsbrucker Plünderung zu zwingen, einen von ihm — Hormayr — unterschriebenen Wechsel von 1000 fl., zahlbar in 14 Tagen, einzulösen. Als der Wechsel nach einem Jahre Herrn v. Hormayr zur Bezahlung präsentiert wurde, konnte er sich desselben nicht mehr entsinnen und — er blieb unbezahlt. Hormayr hatte, wie noch viele andere Beispiele beweisen, in dieser Hinsicht überhaupt ein sehr schwaches Gedächtnis. Am 6. August war der Vorarlberger Aufstand beendigt, die bayrische Regierung zog wieder ein, für die Juden aber begann eine Zeit langwieriger, nahezu 11 Jahre andauernder Processe und Verhandlungen zur Eintreibung des Darlehens von 4000 fl. von den Ständen, die überhaupt jetzt rundweg leugneten, dass diese jemals existiert hätten. Ein Theil dieser Schuld ist noch ausständig und dürfte nebst der Hormayr'schen Schuld erst dann bezahlt werden, wenn die Menschheit insgesammt einmal den

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