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Jüdisches Volksblatt · 1900-04-19 · 16 (19.4.1900) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
16 (19.4.1900)
Date
1900-04-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 1». April 1900 Seite 3 nr er Hleiet t‘9 »ie litt »eict ctr eeit ctt o-! II on 1" eit >te ch ich er n- 1" leer 8" er;rhr )t'!N. -n, rlt : x or er tlrft ckss uge tu tler; r ses rr" nen tit rn ts :n :n ilte s- :tt n. td te ie th. :r itt je :r lt ch int it a d e. Itt -g .3 It. tgewiesen, dafür Sorge zu tragen, dass Versäumnisse des Unterchtes israelitischer Kinder wegen der Einhaltung der ebentägigen Trauer (Schiwah) als entschuldigt anzuhen sind. Eine gleichartige Eingabe an den Bezirksschulrath »rrt noch der Erledigung. Im Präsidialbericht macht der Präsident Mittheiluny von iv im Sinne des Beschlusses der außerordentlichen Plenarsitzung om 4. April 1000 erfolgten Ueberreichung der Eingabe an den ltinisterpräsidenten und den Justimiinister in Angelegenheit der iorgänge im niederösterreichischen Landtage und lässt die Ein« aben verlesen, deren Inhalt allgemeine Zustimmung findet. (Zur Kenntnis.) Der Präsident, kaiserl. Rath Kling er, ertheilt dem on einer Reise nach Palästina rückgekehrten Mitgliede des Vorandes Herrn Salo Cohn nach einer Begrüßung desselben das 6ort zu einem Berichte über seine Wahrnehmungen, betreffend ie unter der Oberaussicht des Wiener Cultusvorstandes stehende Simon Edler von Lämmel'sche Schule. Herr Salo Cohn berichtet, dass er die Unterrichtsanstalt ingehend besichtigt und von den Erfolgen den allerbesten Einruck gewonnen habe. Ueber seinen Antrag wird beschlossen, dem öirector der Schule, Herrn Ephraim Cohn, die Anerkennung mszusprechen und hiervon auch den Verein zur Erziehung irdischer Waisen in Palästina, der die Mitaufsicht über diese schule führt, in Kenntnis zu setzen. Der Präsident theilt weiters mit, dass das seitens des int der Vorberathung der Statutenänderungen betrauten Comites ertiggestellte Elaborat nunmehr den Vorstand zu beschäftigen »aben werde, vorerst jedoch halte er es für opportun, mit jenen Zerren in Fühlung zu treten, welche anlässlich der im Spätherbste rfolgten Berathungen mit den Steuerträgern die Aenderungen n Vorschlag gebracht; demgemäß habe er für die nächsten Tage >as Stattfinden von gemeinsamen Besprechungen dieser Herren nit den Mitgliedern des Statutencomites eingeleitet. (Züstimnung.) Herr Vicepräsident Dr. Stern berichtet in Angelegenheit )es Legates der verwigten Baronin Hirsch an die israelitische 5ultusgemeinde, welches infolge von Abzügen für die französische Lrbsteuer und österreichische Staatsgebüren eine wesentliche Schmälerung des Betrages erfährt. Ueber die Verwendung des Legates für die Zwecke der Lultusgemeinde werden die Fachseetionen Anträge zu stellen haben. Hinsichtlich des Antrages auf Publieation der Geburten, Aufgebote, Trauungen und Sterbefälle in den jüdischen Blättern entwickelt sich eine längere Debatte. Die Beschlussfassung wird dis zu dem Zeitpunkte vertagt, in welchem über eine eventuelle Veröffentlichung der Austritte referiert werden soll. Desgleichen führt das Referat der l. Section in Aegelegenheit der Mohelim-Frage zu einer sehr lebhaften Debatte. Das Referat wird zur Ergänzung und Ausarbeitung der Durchführungsbestimmungen an die Fachsection zurückgeleitet. Die Widmung für jüdische Hochschüler, gesammelt durch Dr. Hermann F i a l l a in der Höhe von fl. 2000-— wird mit nner von der Rechtssection vorgeschlagenen Modification des Widmungsbriefes angenommen. Die für die Beaufsichtigung der Mazzoth-Bäckerei durch Bezahlung der Maschgichim erwachsenen Mehrkosten werden entsprechend dem Anträge der 1. Section genehmigt. Nach Erledigung mehrerer Personalien wird die Sitzung geschlossen. Wien. (Die Bürsten- und Pinse rfa b ri cat i ü n t it Gulizie it.) Zu dem itt den vorigen Nummern des „Jüdischen Volksblatt" besprochenen Thema schreibt neuerdings ein galizisches Blatt „Sprawiedliwozc" Folgendes: „Diese Idee ist eine richtige und unserer Anschauung nach würden sich solche zwei Fabriken, die je 300 Arbeiter beschäftigen könnten, in Galizien sehr rentieren. Es müsste sich auswärts ein Capitalist finden, der ein Geschäft zugleich mit Humanität verbinden wollte, zwei rentable Fabriken in Betrieb zu setzen und hierbei ausschließlich Juden als Arbeiter verwenden. Die geeigneten Städte zur Anlegung besagter zwei Fabriken wären T u r k a und L e z a j s k, denn beide beherbergen eine größere arme jüdische Bevölkerung und sind von großen Waldungscomplexen umgeben. Solche zwei Fabriken könnten die jüdische Bevölkerung dieser Städte von der Nothlage erretten und dem Unternehmer Nutzen und humanitäre Genugthuung einbringen." Die Mittheilung könnte in Interessentenkreisen Anregung zur Geld hervorzuziehen, und eine Weile sann er nach. Dann trat er auf den Fremden hinzu. „Mein Herr, Sie wollen Ihren Rock verkaufen, da Ihnen dos Reisegeld fehlt. Hier sind die vier Rubel, aber Ihr Kleidungsstück kann ich nicht nehmen." „Aber ich bin ja kein armer Mann/ antwortete dieser erstaunt. „In diesem Augettblick sind Sie arm. Uebrigens gebe ich Ihnen kein Almosen, Gott behüte,! sondern nur ein Darlehen, wetm Sie nachhause kommen,1 können Sie es mir ja zurücksenden." Der Fremde war verwirrt und weigerte sich noch immer, das Geld auzunehmen. „Genieren Sie sich nicht, das Sprichwort sagt, zwei Berge kommen nicht zusammen, wohl aber zwei Menschen. Besonders wir Inden; heute sind wir hier und morgen verschleudert uns ein Wind auf die andere Seite des Oceans." Diese schlichten Worte bewogen den Fremden endlich, das Geld anznnehme». Als einige Monate vergiengen und der Manu noch immer nichts von sich hören ließ, lachten die College» über die Leichtgläubigkeit nteittes armen Freundes, der sich von einem Windbeutel hatte verführen lassen (wir Hattert nämlich inzwischen erfahren, dass unser Fremder ein leichtsinniger Patron war) und ihm seine sauer verdienten Ersparnisse dort mehreren Mottaten aufhalste. „Mich dauert das gar nicht/ antwortete er unerschütterlich. „Ich bin sicher, dass ich zu »keinem Gelde komme." „Wieso wirst Du zu Deinem Gelde kommen? Glaubst Du, Gott wird Dir für diesen Lumpen bezahlen?* rief einer spöttisch. „Ich bin überzeugt," antwortete jener, ohne sich an den Spott zu kehren, „dass, wenn mir, Gott behüte, ein Unglück zustößt und ich auf die Hilfe anderer angewiesen sein werde, so werde ich gute Menschen finden, die mir beistehen. Richtiger gesagt, habe ich nur »»eine Schuld abgetragen, denn ich war seit meiner Jugend auf die Hilfe anderer attgewiesen." * * * positiven Arbeit geben. Ist unter den unternehmungslustigen Juden keiner, der sich zu dem Thema äußert? Holleschau i. M (Jüdische Gesinnungsschwäche.) In welch crasser Weise der Jude oft die Pflichten gegen sein Volk verletzt, das beweist ein Fall, der sich vor einigen Tagen abspielte. Am Sonntag den 14. April starb hier der angesehene Fabriksbesitzer Lazar Gr ätz er, und der Partezettel trug als Druckfirma den Namen L. Klabusay. Desselben Klabusay, der die unheilvollen Unruhen der Holleschauer auf dem Gewiffen hat, dessen Photographie von Herrn Brzeznowsky im Abgeordnetenhanse vertheilt wurde. Wäre es der Familie nicht möglich gewesen, einen anderen Drucker ausfindig zu machen? Solche Fälle von Gesinnung-schwäche zeigen deutlich, dass alles Ungemach der Zeit noch nicht genügt hat, den Inden das nöthige Maß Selbstachtung beizubringen. Wenn Juden zu einem Klabusay gehen — tiefer geht's wohl schon nicht mehr! Falkenau a. d. Eger, Böhmen. (Für jüdische Erwerbsfreudige.) Hier in Falkenau könnte eine israelitische, alleinstehende Frau oder Witwe sich eine Existenz gründen, wenn sie ein Privat- Kosthaus errichten würde; hier selbst ist keine geeignete Person, trotzdem sehr viel jüdisches Personal in Falkenau ist, welches mit Freude eine bürgerliche jüdische Kost dem christlichen Gasthausleben vorziehen würde. Von meinem Personale würden gewiss schon zwölf Leute dort Kost und eventuell Logis nehmen, und dürfte das Personal der anderen hiesigen Kaufleute denselben Standpunkt einnehmen. Ich denke mir nun, dass irgendeiner armen Witwe durch die Bekanntgabe dieser Mittheilung ein großer Dienst erwiesen würde. Auch wäre hier für einen jüdischen Korbflechter, der etwas ordentliches erzeugen kann, reichlich Gelegenheit, eine s i ch e r e E x i st e n z z u gr ü n d e n. Der hiesige Korbflechter ist extrem national, es müssen aber die Israeliten von hier und der Umgebung bei ihm kaufen, weil er gegenwärtig das Privilegium besitzt, in dieser Branche allein zu sein; es würde hier noch sehr gut ein zweiter Korbflechter b est e h e n k ö n n e n. Vielleicht folgen solche ähnliche Mittheilungen aus anderen Städten, und durch derartiges Zusammenhalten könnte vielen unserer Glaubensgenossen geholfen werden. (Wäre sehr erwünscht. A. d. R.) Ein Mord für Herrn Schneider. Man schreibt uns aus Tyczyn, 16. April: „Am ersten Tage des Peßach-Festes, d. i. am 14. d. M., vormittags zwischen 10—11 Uhr, wurden in einem circa 2 72 Kilometer von Tyczyn entfernten Wirtshause zwei Personen, und zwar eine alte Jüdin von über 60 Jahren und ihre Tochter, ein schon älteres Fräulein, in grauetthafter, haarsträubender Art ermordet und beraubt. Beide sind einfach durch den, resp. die Mörder zerstückelt worden, und zwar war der Kopf der alten Jüdin in zwei Theile gespalten, während der Kopf und die Schulter des Mädchens ganz durchgeschnitten gefunden wurden; an beiden sittd ferners Hände und Finger abgehackt. Weitere zehn Jahre waren vergangen. Ich gedachte oft meines Freundes und Schülers während all der Zeit. Mit Vergnügen erinnerte ich mich seiner eigenartigen Melodie, die er beim Studium der Gemara anwendete, der Freude, die aus seinen Augen strahlte, wenn es ihm gelang, ein schwieriges Problem zu bewältigen oder einem Schüler, der ihn um die Erklärung bat, mit engelhafter Geduld und Gelassenheit eine befriedigende Antwort zu geben. „Ich würde um keinen Preis einem so stumpfsinnigen Kerl tausendmal eine und dieselbe Sache eintrichtern," sagte ihm einer unserer College«. „Wenn alle Menschen so strenge wären wie Du, dann bliebe freilich nicht viel zu thun übrig," versetzte er lachend. Es kam mir wiederholt der Gedanke, dass er, wie kein zweiter, geeignet war, als Lehrer an einer großen Jeschiba zu wirken. Doch war es anders gekommen. Mein Freund wurde zum Rabbiner einer nahegelegenen Stadt erwählt. Inzwischen beschlossen die Einwohner unserer Stadt, zu dem alten Bethamidrasch eine richtige, größere Jeschiba zu gründen. Es fanden sich einige, die das nöthige Geld hergaben, man schaffte Utensilien und Bücher für die ärmeren Schüler an, auch für den Gehalt des Rectors sollte gesorgt werden. Nun hieß es, einen passenden Rector ausfindig zu machen. Ich erinnerte mich meines Freunde-, der jetzt Rabbiner war, und brachte ihn scherzweise in Vorschlag, obgleich ich wusste, dass dies nicht gut angienge. „Das wäre ja eine Degradation und kein Avancement für ihn," wandte der Vorsteher ein. „Doch wäre e» ja sehr hübsch für ihn, wenn er als Rector in demselben Lehrhause fungieren würde, in welchem er zu lernen angefangen hatte." „Wollen wir unser Glück versuchen," sagte der.Vorsteher. „Vielleicht gelingt's. Schön wäre es ja." Ich schrieb an »keinen Freund und war glücklich, nach einiger Zeit eine eiuwilligende Antwort zu erhalten. Er gieng mit Freuden ans meinen Vorschlag ein und war dankbar, dass wir ihnt eine Stellung einräumten, welche ihm ermöglichte, dem Der Mörder hat circa 40 Gulden — dies war das ganze Vermögen der armen Leute — geraubt, und es ist trotz des Eifers des hiesigen Gendarmerie-Commandos bis zur Stunde nicht gelungen, auf die Spur dieses Gauners zu kommen. Wir Juden können aber dieses Unglück noch als Glück betrachten, denn wenn der verruchte Mörder eine Christin zufällig erschlagen hätte, wäre da sicher von den Antisemiten, an denen es auch hier leider nicht fehlt, wieder eine Ritualmordhetze entwickelt und Hab und Gut der Juden in Tyczyn im höchsten Grade gefährdet/ Herr Schneider sollte dem Mord am Ostertage nachforschen. Wer weiß ob die Jüdin nicht eine Christin und der Mörder ein Jude ist. Man bedenke: Ein Mord zu Ostern! Das dürfen sich doch die Nitualmordforscher Schneider und Vergani nicht entgehen lassen. . . . Ansland. Berlin. (Die B ü r g e r m e i st e r w a h l.) Zunt zweiten Bürgermeister von Berlin ist der bisherige zweite Bürgernteister von Königsberg, Brinkmann, mit 69 von 186 überhaupt abgegebenen Stimmen gewählt worden, während der Berliner Stadt- Syndicus Meubrink 66 Stimmen erhielt; außerdem wurde ein weißer Zettel abgegeben. Die Wahl Brinkmanns tvird nun von der „Staatsbürger-Zeitung" und gesinnungsverwandten Blättern unter obligaten Schimpfereien als ein Sieg des Judenthums bezeichnet. Herr Brinkmann hat allerdings gelegentlich der Einweihung der Königsberger Synagoge im Jahre 1806 eine Rede gehalten, die den Antisemiten nicht gefallen konnte. Aber auch sein Gegencandidat Herr M e u b r i n k ist nichts weniger als antisemitisch gesinnt. Hierzu kommt, dass an der Spitze der „Partei" Meubrink zwei jüdische Stadtverordnete (Cassel und Jacoby) standen, die aufr eifrigste für die Candidatur agitierten. Aber was verschlägt alles das bei den Antisemiten, die nun einmal sich ein Gewerbe daraus machen, bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten auf die Juden loszuschlagen. Berlin. (C r i m i n a l i t ä t der Juden) Die Zeitschrift des königlich preußischen Statistischen Bureaus bringt eine Studie über die rückfälligen Verbrecher in den Zuchthäusern. Diese Studie umfasst im ganzen 15.539 Männer und 2510 Weiber. Von diesen waren 115 Männer und 5 Weiber jüdischer Religion. Diese Ziffer ist bemerkenswert niedrig, denn nach dem Verhältnisse in der Bevölkerung hätten es 187 Männer und 31 Weiber sein müssen. Diese Ziffern sind eine neue Bestätigung dafür, dass die Kriminalität der Juden viel günstiger steht als bei der übrigen Bevölkerung. Frankfurt a. M (N e k r o l o g.) Nach kurzen: Krankenlager verschied Hierselbst Herr Director Dr. Mendel Hirsch. Der Dahingefchiedene war ein würdiger Sohn und Geisteserbe seines großen Vaters Samson Raphael H irsch und wie dieser ein durch Geist, Gelehrsamkeit, Ueberzeugungstreue und unermüdliches Wirken hervorragender Vertreter des gesetzestreuen Judenthums. Der Verblichene ist im Jahre 1833 in Emden geboren. Im October 1855 kam er als Lehrer an die Realschule der Israelitischen Religionsgemeinschaft und wurde, nachdem sein Vater das Directorat im October 1877 niedergelegt hatte, zum Director gewählt. Dieses verantwortliche Amt hatte er bis zu seinem Hinscheiden inne. Er hat vieles Gute zur Verbesserung in der Organisation der Schule geschaffen, außerdem machte er sich durch mehrere Einzelschriften pädagogischen Inhalts in weiteren Kreisen bekannt. Hirsch war Ritter des Rothen Adlerordens vierter Klaffe. Die Beerdigung fand am vorigen Freitag unter zahlreicher Betheiligung statt. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Breuer. Er betonte den herben Verlust, den die Gemeinde durch den Heimgang des hochverdienten Lehrers erlitten habe, eines Studium obzuliegen, während das Amt einer Rabbiners ihm alle Zeit raubte. -p * Nach zwei Wochen trug *er in unserem alten Lehrhanse seine erste Praelection vor, zu der sich ein großes Publicum eingefunden hatte. Mir gegenüber, ans der anderen Bank, saß ein alter Mann und fieng jedes Wort des Vortragenden auf, während reichliche Thränen aus seinen Augen flössen. An seinen schwieligen und abgearbeiteten Händen konnte man erkennen, dass er dem Arbeiterstande angehörte, aber seine Züge verriethen, dass er nicht zu den Gelehrten zählte, ich zweifelte keinen Augenblick, das der alte Mann kein Wort von de« Vortrage verstand, der sich in den höheren Regionen talmudischer Gelehrsamkeit bewegte. Es war mir ein Räthsel, warum er weinte, da der Inhalt des Vortrages keineswegs darnach war, Rührung zu erwecken. Später erfuhr ich, dass dies der Vater meines Freundes war; er war ein schlichter Zimmermann, der sein ganzes Leben mit Beil und Balken zu thun hatte. Jetzt lebt er bei seinem Sohne. Ich betrachtete den Alten, der noch immer weinte, und bemerkte allsvgleich, dass es Thränen der Freude waren. Der Greis war beglückt, seinen Sohn als Meister so vieler Jünger zu sehen, die seinen Worten lauschten. * * Kaum zwanzig Jahre sind seit der Zeit vorüber, und es ist, als trennten uns mehrere Geschlechter von jenett Menschen. Mein Freund ist längst tobt, die Jeschiba ist aufgehobett, das Lehrhaus ist in einen Trümmerhaufen verwandelt. In einer anderen Straße erhebt sich ein schönes, funkelnagelneues Bethamidrasch mit funkelnagelneuen Stnccatnren und anderen Berschönerungen, daher sind die Preise der Plätze dort theuer, und der einen vollen Geldbeutel hat, der sitzt obenan. Der Vorsteher achtet strenge darauf, dar alles so neu bleibe, wie es ist, daher wird dort keinem armen Schüler gestattet, sich auch nur zu erwärmen. Rach dem Abendgebete brummt einer ein paar Abschnitte Mischnajoth her, und nur zwei, drei Greise I hören ihn an und schlummern dabei. Sonst ist alles ganz modern.

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