Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1900-04-19 · 16 (19.4.1900) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
16 (19.4.1900)
Date
1900-04-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2432763-2432811-2432827--0504-2434147
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 10. April 1900 Nr. 16 Bauern billigen Credit zu verschaffen, alias tausenden jüdischer Familien den Erwerbszweig zu entziehen. Allem Anscheine nach hätten wir Juden gar keine Veranlassung, uns bei der eingangs erwähnten Thatsache auszuhalten oder ihr gar lebhafteres Interesse entgegenznbringen. Dennoch ist dem nicht so. Besitzen wir doch auch unsere Vertreter im Landtage, u. zw. in der beträchtlichen Anzahl von sage vier'. Sie werden gewiss die Interessen unseres Volkes stets im Auge behalten und jederzeit darüber wachen, dass ihm kein Unrecht geschehe. Aber betrachten wir diese unsere Repräsentanten etwas näher. Ein verzweifeltes Bild bietet sich uns auf einmal dar. Die vier jüdischen Abgeordneten gehören zwei grundverschiedenen Parteien an. Der eine, ein reicher Banquier, der wahrscheinlich ans Langweile oder nobler Passion sich um ein Mandat beworben hat, gehört der bekannten Partei der S t a n c z y k e n an. Wohl ein ungewöhnliches Schauspiel: Ter Träger eines Namens, der in der jüdischen Literatur einen besonderen Wohlklang hat, in treuer Waffenbrüderschaft mit den hochgeborenen Herren, die außer Bällen, Jagden und ähnlichen nützlichen Dingen in freien Stunden sich auch mit dem Veranstalten von Katholikentagen beschäftigen, auf denen unter der heuchlerischen Maske angeblicher Frömmigkeit der nackte R a s s e n - A n t i s e m i t i s m u s gepredigt ivird. Ja, die Geschichte wäre unendlich drollig, wenn sie nicht so entsetzlich tragisch wäre. Wir fragen: Was hat ein Pekenner der Religion der absoluten Gerechtigkeit und Gleichheit aller, w a s hat ein Sohn des am m e i st e n a u f E r d e n unterdrückten und verfolgten Volkes bei der erzreactionären, clerical - aristokratis ch e n Clique zu suchen, welche sich heute Repräsentanz des polnischen Volkes nennt und welche die ersten Wahlen, die den Ausdruck des wirklichen Volkswillens bilden möchten, vollends hinwegfegen würden? Wirklich nichts, wenn man bedenkt, dass diese Clique die Majorität des Landtages bildet und aus ihren Reihen alle durch ihr großes Wohlwollen gegen die Juden genug bekannten Regierungsmänner liefert, dass alle vom Judenhasse triefenden Verordnungen und Gesetze der letzten Jahre ihnen ihr Dasein verdanken. Die übrigen drei jüdischen Abgeordneten gehören der „liberalen Linken" des Landtages an. Ein flüchtiger Blick auf sie zeigt bald, was wir auch von ihnen zu erwarten haben. Der eine ist, obgleich bereits durch mehrere Jahre Abgeordneter, bisher eine unbekannte Größe und dürfte es voraussichtlich auch in Zukunft bleiben. Der zweite, ein langjähriges Mitglied des galizischen Landtages, leitet seine Verdienste von Thaten her, die er, Gott behüte, nicht im Interesse des Judenthums, sondern im Freiheitskampfe für Polen vollbracht hatte. Ohne Zweifel ist er der sympathischeste nnter allen, aber einerseits ist er zu sehr im A s s i m i l a t i o n s e i f e r verbohrt, andererseits auch allzu vorgeschritten an Jahren, um etwas Ersprießliches für die Juden Galiziens zustande bringen zu können. Der vierte ist noch beinahe ein Neuling. Von ihm ist nur soviel bekannt, dass er, wie man sagt, nur selten und recht ungern einen jüdischen Beamten in seine Advocaturs- Kanzlei aufnimmt und dass er ein Stipendium von 100 Gulden für einen Schüler des polnischen Gymnasiums zu Teschen gestiftet hat. So sehen die Vertreter der galizischen Judenheit im Landtage aus. Im Reichsrathe geht's noch besser: Hier haben wir sogar sechs Vertreter, die allgemein unter dem Namen „Hausjuden des Polenelubs" bekannt sind. Bei den meisten von ihnen ist es zum Glücke nicht nothwendig, sich lange aufzudazu — und obendrein an den Nachmittagen vom Unterrichte frei war, spielte ich mit meinen College» im Lehrhause, da trat auf mich der arme «achur hinzu und bat mich, mit chm einen Abschnitt in der Bibel durchzustudieren. Es that mir leid, mein Spiel zu verlassen, aber ich erinnerte mich an das Wort unserer Weisen: „Wer seinem ^Nächsten Unterricht in der heiligen Lehre vorentbält, der raubt chm sein väterliches Erbe." Außerdem schmeichelte es «ir, den Lehrer zu spielen, daher willfahrte ich der Bitte und wir giengen aus Werk. Zwei, drei Tage unterrichtete ich ihn fleißig und gewifsenhaft, doch bald überzeugte ich mich, dass es keine leichte Arbeit ist, ein Lehrer zu sein, und vollends, wenn man es mit einem solchen Schüler zu thun hatte. Zuweilen wiederholte ich mit ihm ein Capitel unzählig emale und am nächsten Tage niusste ich mit ihm dasselbe Capitel von neuem durchnehmen, als hätte er es niemals gesehen. Dabei hatte ich natürlich keine Ahnung davon, wie fleißig er inzwischen seine Lection wiederholt hatte, während ich vergnüglich schlief. Ich ahnte nicht, dass er unterdessen bereits alle Besucher des Bethamidrasch gequält hatte, ihm bei der Vorbereitung auf den morgigen Unterricht behilflich zu sein. Einmal ward ich ungehalten und rief: „Ich unterrichte Dich nicht länger." „Warum?" versetzte er schlicht. „Du bist träge, bereitest Dich nicht genügend vor," antwortete ich zornig und wandte ihm den Rücken. „Du sollst sehen, fortan werde ich stets gehörig vorbereitet sein," entschuldigte sich der Unglückliche, indem er mich angstvoll anblickte. „Du bist ein unwissender Mensch," donnerte ich, „würdest Du bei einem richtigen Lehrer lernen, der würde Dich auf die Bank Hinstrecken und Dir eine Tracht Prügel aufzählen, die Ruthen müsstest Du noch selber dazu bringen." „Wenn das Dein Ernst ist, so bin ich bereit, mich zu unterwerfen," sagte er mit großer Ruhe. „Du willst Dich also selber auf die Bank hiustrecken?" fragte ich lachend. „Wenn Du befiehlst. . halten. Zwei kommen überhaupt nicht in Betracht, sie sind politische Nullen. Zwei wiederum geben sich als Juden „nix zu verkennen". Sie haben noch nie in einer jüdischen Sache den Mund aufgethan. Man konnte in jüngster Zeit nicht aus dem Staunen herauskommen, als man ihre Interpellation im Falle Araten las. Der fünfte, der zugleich Landtags-Abgeordneter ist, wurde bereits oben gekennzeichnet. Und nun zum Sechsten. Eine Prachtfignr! Vor Jahren ein tapferer Streiter von dem Herrn für — das jüdische Dentschthum in Galizien, hat er sehr bald sein polnisches Herz entdeckt. Heute ist er bereits ein waschechter Pole, der gerade so wie alle echten Nachkommen von Piast und Jagiello polnisch „fühlt und spricht". Nebenbei bemerkt, darf auf die grammatikalischen Einzelheiten dieses Sprechens nicht eingegangen werden. Zum Unterschiede von den anderen, lässt sich dieser Herr von Zeit zu Zeit in jüdischen Fragen vernehmen. Aber da packt er die Sache so leise und so behutsam an, dass er wahrlich den Feinden unseres Volkes nicht allzu arges Leid zufügt. Wenn ihm aber manchmal doch ein schärferes Wort entschlüpft, da wird er von seinen „Volksgenossen" im Polenclub gezwungen, dies so schnell als möglich zu widerrufen, ünd getreu der „nationalen Solidarität" tritt er hin vor den Altar des Herrn, nein, auf die Tribüne das Parlamentes, und unter wahrhaft polnischen Thränen haucht er hervor: pater peccavi. Ist das nicht ein rührendes Bild jüdischer Standhaftigkeit, gepaart mit polnischer Ritterlichkeit? Und doch gibt es viele böswillige Spötter, die behaupten, dieser Herr sei ein würdiger Epigone jener bekannten mittelalterlichen Ghettofigur, die, an einen hervorragenden Posten in der Gemeinde gestellt, sich sehr stolz und hochfahrend gegen die jüdischen Brüder, aber kriecherisch und unterwürfig gegen jeden noch so unbedeutenden Nichtjuden benahm. Aber, Gott sei's gelobt, die galizische Judenheit in ihrer Mehrheit denkt nicht so, und deshalb hat sie diese Freude in Israel mit der höchsten Würde, die die Juden der Landeshauptstadt zu vergeben haben, bekleidet. In dieser seiner Eigenschaft hat er feierlich und öffentlich Zion und Palästina für bloße historische Symbole erklärt, die für die Gegenwart gar keine actnelle Bedeutung hätten. Und wohin das in weiterer Folge führt, hat die staunende Welt erst vor wenigen Tagen erfahren, als er Hand in Hand mit den clerical-antisenütischen Häuptlingen die Wahl eines Antisemiten empfahl. Wahrlich die drei Dutzend jüdischer Wähler, die am 8. März l. I. ihre Stimmen für den Minister P ientak abgaben, hatten vollkommen recht. Wer immer zum Abgeordneten gwählt werden mag, uns kann es nicht alterieren. Haben wir doch sowohl im Landtage, als auch im Reichsrathe unsere unübertrefflichen, ausgezeichneten Vertheidiger. Schlafe nt^ig, Israel, Deine Führer wachen! Vom Tage. Eine freundschaftliche Warnung ist wohl am Platze gegenüber den sichtbaren sanguinischen Hoffnungen, welche die Empfänge der verschiedenen Judendeputationen beim Minister von Koerber erweckt haben. Da hörten wir kürzlich in einem jüdischen Blatte geradezu rührende Töne anschlagen gegenüber der „Friedensbotschaft", welche Herr von Koerber angeblich den Juden übersandte, und indem man zugab, ob der Antwort des Ministers an die Deputation der Union einigermaßen verstimmt zu sein, hielt man es für nothwendig, den Minister der eifrigen Mithilfe der Juden in dem Bemühen, die Factoren im Staate zur Achtung vor dem Gesetze zu erziehen. Ja, fühlt denn ein Blatt, das solche Ansichten verbreitet, nicht, welch eine komische Rolle es die Juden Die Sache firng an, mich zu amüsieren. Ich, der kleine Lehrer, sollte diesen großen Jungen prügeln. Das war zu komisch. „Bringe die Ruthe!" befahl ich, mein Lachen unterdrückend und eine ernste Miene machend, wie es einem erwachsenen Lehrer geziemt, der seinen Schüler wegen Müßiggang bestraft. Er that, wie ihm befohlen ward, ohne eine Miene zu verziehen. „Leg' Dich hin," commandierte ich weiter. Ich erhob die Ruthe. Doch augenblicklich sank meine Hand wieder. Bisher hatte mich der Vorgang erheitert, plötzlich jedoch ward ich verwirrt. Ein neuer Gedanke huschte durch mein kleines Hirn. Die Ruthe entfiel meiner Hand, Thränen brachen mir aus den Augen, ich fieng an, kaut zu weinen. . . Er erschrak heftig, fuhr auf, nahm mich in seine Arme, streichelte und liebkoste mich, und fragte nach dem Grunde meiner Trauer. Er, der so tief Gekränkte, glaubte mich verletzt zu haben. Doch ich konnte ihm eine Zeitlang vor Aufregung nicht antworten. „Verzeih'... ich . . . ich habe Dich beleidigt," stammelte ich mühevoll. Ich fieng an zu ahnen, wenn auch ziemlich unklar, welch eine Seelengröße dazu gehört, um der heiligen Lehre willen keine persönliche Erniedrigung zu scheuen. Gegen anderthalb Jahre verweilte er in meinem Heimatrstädtchen, und während dieser Zeit hatte er vermocht, einen großen Theil der Bibel und die erste Ordnung des Talmud durchzuarbeiten, Hund alles, was er erlernt hatte, war wohlverwahrt in seinem Gedächtnisse. Hatte er ja sein Wiffen mit schwerer Mühe, mit außerordentlichem Fleiß und wahrer Aufopferung erworben. Es traf sich nicht selten, dass er den ganzen Tag fastete, weil er nichts zu essen hatte; gleichwohl lag er, wie immer, seinen Studien ob und gönnte sich keine Minute Ruhe. ch ch » Nach sieben Jahren trafen wir tut» wieder in der Jeschiba 7) zu W. spielen lässt. Hat Herr von Koerber die Juden schon zur Mithilfe aufgefordert? Will er sie dabei haben? Nein, er favorisiert im Gegentheile politischer Zwecke halber die Christlich- Socialen, ganz ungeachtet dessen, dass diese die ärgsten Gesetzesverüchter sind. Solch ein aufdringliches Angebot, über welches sich die christlich-socialen Blätter mit Recht lustig machen, kann nur schädlich wirken. Im Unglück zeigt sich die Größe eines Volkes; wir dürfen nicht betteln und bitten um das, was uns gebürt. Wir müssen vielmehr den Stolz bewahren, der unser Volk seit jeher im Unglücke ausgezeichnet hat, und wir können das umso eher, als ja das Betteln gar nichts nützt. Wenn die Regierung die Achtung vor dem Gesetze nicht selbst anznerziehen weiß, umso schlimmer. Den Schaden davon wird in erster Linie der Staat haben. Bei den Juden fängt man nur an, die Taktik der Negierung zu probieren; wo man anfhört, wird man schon sehen. Wie Wien anssehen würde, wenn die Juden bei d e n G e m e i n d e w a h l e n siegen würden, davon gibt der durch seinen Ueberlauf vom dentschnationalen „Figaro" zum christlich-socialen „Kikeriki" und durch seinen in diesen Blättern seit Jahren abgelagerten Blödsinn berühmt gewordene Herr T. F. M a s e y d e k ein haarsträubendes Bild: „Ein katholischer Priester dürfte es kaum mehr wagen, sich öffentlich auf der Gasse zu zeigen. Ja, wir müssten uns auch darauf gefasst machen, dass jeder Christ, der nur aus einer Kirche heraustritt, mit dem Rufe: „Sanchrist!" und „Pfaffeuknecht!" oder mindestens mit einem höhnischen,,Gegrüs;etseistes!" empfangen würde. Das Stadttheater würde sofort in einen jüdischen Schweinestall n la Josefstädter Theater verwandelt. In keinem Wiener- Theater dürfte mehr Shakespeares „Kaufmann von Venedig" gegeben werden. Dagegen müssten wir Christen uns von der Bühne herab alles Mögliche bieten lassen. Das Wiener Bürgerthunr würde in den jüdischen Possen und Schwänken noch mehr verhöhnt und verspottet werden, als dies heute schon geschieht, und der „dumme Kerl von Wien" würde „Bravo!" dazu sagen. Wenn es heute schon vorkommt, dass katholische Studenten, die sich zur Promotion begeben, in der Aula thätlich misshandelt werden, was würde erst dann geschehen, wenn Dr. Mittler auf dem Bürgermeisterstuhle säße? Da müsste sich der Rector Magnificus wohl darauf gefasst inachen, dass ein Theil der Schläge auf ihn abfiele. Ich null das hässliche Bild nicht weiter ausmalen. Es gehört die Phantasie eines Höllenbrenghels dazu, um die Zustände zu schildern, die wir unter der schrankenlosen Herrschaft Israels zu erwarten hätten." Hübsch, nicht wahr? Den Schlusssatz entstellt ein Druckfehler. Herr M a s e y d e k wollte wahrscheinlich sagen, dass ein Hölle nbengel dazu gehört, solch ein Bild anszumalen, denn nur ein arg verrohter und durch langjährige christlich-sociale Zeitmigsschreiberei ganz vertrottelter Kerl kann den Inden Missachtung einer Kirche und deren Priester zumnthen. Ob sich denn Dr. Lueger nicht schäm t, wenn er solchen Blödsinn im Organ seines Stadtrathes Dr. W ä h n e r liest.. .? Inland. Wien. (Aus der Plenarsitzung des C u l t u svorstandes vom 16. April 1900.) Eingelaufene Spende»: Anonym von CH. mit dem Bemerken: „Anlässlich des christlichen Osterfestes als Zeichen der Liebe im Geiste der Charfreitag-Gebete der Kirche eingedenk gemeinsamer Heiligthümer" für israelitische Arme K. 20-—. Bon Frau Eugenie G e rb.e l für den israelitischen Waisenverein K. 10-—. lieber Einschreiten des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde hat der niederösterreichische Landesschulrath mit Erlass vom 26. März 1900, Zahl 2861, die Mittelschuldireetionen Er zählte schon fünfundzwanzig Jahre und hatte bereits die schwierigsten Partien des Talmuds bewältigt. Einen großen Theil wusste er fast auswendig. Wir erneicerten unseren Freundschaftsbund und studierten zusammen. Anßerdeui hatte er noch seine besonderen Studiengegenstände. Sein Fleiß war unbeschreiblich. Offenbar verdankte er diesem Fleiß nicht nur eine Entwicklung seiner Fassungskraft, sondern auch seines Gedächtnisses. Seine Liebe zur Lehre war aufrichtig und tief. Er schien sich gar keine Rechenschaft darüber zu geben, warum und wozu er lernte. Er lernte buchstäblich nur um des Lernens willen. Die Kenntnis der Lehre war in seinen Angen das höchste und erhabenste Ziel. Der Rector achtete ihn ungemein. Er erhielt das größte Stipendium unter allen Schülern: Fünfundsiebzig Kopeken die Woche! Außerdem ertheilte er einem jüngeren Collegen Privatunterricht und erwarb damit einen — vollen Rubel monatlich. Davon lebte er und legte noch etwas beiseite, um sich Kleider anzuschaffen. Es war auffallend, dass er, trotzdem ec stets in äußerster Dürftigkeit lebte, viel auf Sauberkeit und anständige Kleidung gab. Es machte ihm nichts, Hunger zu leiden, aber seil» Rock musste stets ganz und sauber sein und auch gut liegen. Er gestand mir einmal, dass er seit zwei Wochen nichts Warnies gegessen hatte, da er jeden Pfennig aufsparte, um sich einen bessereil Oberrock zll kaufen. Nach einigen Tagen traf sich ihm eine günstige Gelegenheit, einen guten Nock zu billigem Preise zu erwerben. Einem jilngen Durchreiseilden war unterwegs das Geld ausgegangen, und er wollte feinen Oberrvck. veräußern, um die Fahrt mit der Bahn fortsetzen zu können. Man rieth ihm, in die Jeschiba zu gehen, wo sich leichter Käufer finden könnten. Mein Freund probierte dar Kleidungsstück an und war außer sich vor Freude. Es war wie ursprünglich für ihn genäht und dabei aus besserem Stoff. Der Frenlde forderte fünf Rubel, aber der Käufer versicherte, dass er nicht mehr als vier besaß. Der Fremde gieng auch auf diesen Preis ein. Jener beugte sich über seinen Koffer nieder, um das 0 Höhere Akademie für talmudische und rabbinische Studien.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.