Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1900-04-19 · 16 (19.4.1900) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
16 (19.4.1900)
Date
1900-04-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2432763-2432811-2432827--0506-2434149
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1;>. April 190!> bunte I \V '!>. Kivltiu: ■uuli> Nr. I<> '•.l'üiimcv, dev t'aft ein IntU'e" ,\abv(mnbei:t hm. durch sein e gesegnete Wirksamkeit ungeschmälert dem Wollte der Jugend rvidmete. Seine Gelänge. seine lehren und sein Geist haben Generationen hindurch die Jugend mit sittlichem Adel geschmückt, er pflanzte den Kindern die Liebe zu allen Menschen ohne Unterschied des Standes und Bekenntnisses ein. Weitere "Ansprachen hielteir Louis Feist für Vorstand und Verwaltung der Synagogen-Gemeiude. Dr. Hirsch als Brnder, Rector Schnabel knr den Verein für Fcriencolonien, Manfred Goldschmidt für ben Schulrath der noin Verstorbenen geleiteten "Anstalt, Prozessor Tr. "A. Snlzlmch für das Lrhrercollegium, Ri ich. Narp und Lehrer Si öfter;ca für die israelitische Volksschule uitb Tr. Bondi als Freund und College. Frankfurt a. M. -F üd i s eh e L e h r er n nd L e h r e rinnen.' Wahrend es für jüdische Lehrer und Lehrerinnen immer schwieriger wird, an öffentlichen Schulen "Anstellung zu finden, befindet sich an der hiesigen sogenannten H i r s ch'schen Schule eine ganze Anzahl christlicher Lehrer. Man scheint wohl zu befürchten, dass jüdische Lehrer und Lehrerinnen die Schüler mit dem Gifte der Aufklärung und der verhassten „Reform" infieieren, denn es wurden - - wie aus dem Jahresberichte hervorgeht — im vergangenen Schuljahre wieder zivei jüdische Lehrerinnen durch christliche Lehrerinnen erseht, und das, trotzdem aus der eigenen Schule eine ganze "Anzahl geprüfter Lehrerinnen hervorgegangen ist, die ihr Leben mit Stundengeben :c. fristen müssen. Man war bisher gewohnt, die Schuld hierfür dem verstorbenen Direetor Dr. Hirsch zuzuschreiben. "Aber was soll man dazu sagen, dass als Vertreter des kürzlich verstorbenen Direetors nicht der dienstalteste, auch in nichtorthodoxen Kreisen als Schriftsteller geschätzte Oberlehrer (Professor Dr. Sulz b ach), sondern ein k a t h o l i s ch e r Oberlehrer ernannt worden ist. Rinn denke, die H i r s ch'sche Realschule, geleitet von einem katholischen Lehrer! Ob da die „Kreuz-Zeitung" und Genossen mit ihrem Kampfe gegen die jüdischen Lehrerinnen nicht recht hatten!! München. (B e l e i d i g u n g s p r o e e s s B a ch r u eh gegen W e n g g.) Ende Juli v. I. brannte bekanntlich die Parketbodenfabrik Bieberstein, Herrn Ignaz Bachruch gehörig, fast total ab. Damals erschienen im „Baur. Vaterland" und im „Deutschen Volksblatt" verschiedene Artikel, worin dem Besitzer Bachruch direct und indircct der Vorwurf der Brandstiftung gemacht wurde. Zwischen Bachruch und dem Redacteur Schoy vom „Bayr. Vaterland" kam schon früher ein Vergleich zustande, während Bachruch gegen Wengg die Beleidigungsklage durchführte. Der Beklagte erklärte, er habe damals den "Artikel zugesandt bekommen. Er habe dem Kläger nie vorgeworfen, dass er der Brandstifter sei. Er sehe in dem Artikel nur den Vorwurf, dass besonders seitens jüdischer Geschäftsinhaber in der letzten Zeit leichtsinnig mit dem Feuer umgegangen werde itnb dadurch auffällig viele Brände entstanden seien. Das Gericht verurtheilte Wengg zu 100 Mk. Geldbuße, eventuell zehn Tagen Gefängnis und zur Publieation des Urtheils im „Deutschen Volksblatt", sowie zu sämmtlichen Kosten. Das Gericht kam zu der Anschauung, dass zweifellos dem Privatkläger in dem fraglichen Artikel der Vorwurf gemacht wurde, er sei zu dem fraglichen Brande in gewisser Beziehung gestanden. Stuttgart. (Nach Palästina!- Hier besteht unter dem Vorsitze des Fürsten Karl von Urach ein Ausschuss zur Förderung deutscher Ansiedlungen in Palästina. Derselbe sammelt jetzt einen Fonds zum Erwerb eines Grundstückes zwischen Medschdel und Gaza, um dort 50 deutsche Familien, theils schon in Palästina Ansässige, theils neu Einwandernde deutschen Ursprunges aus Südrussland, anzusiedeln. Das Grundstück soll hierzu besonders geeignet sein, einmal wegen seiner Bodenbeschaffenheit, dann wegen der Nähe der großen Stadt Gaza, endlich wegen der billigen Arbeitskräfte, die in dem arabischen Dorfe Medschdel für ", Franc per Tag reichlich zu haben sind. Zum Ankäufe sind 100.000 Mark erforderlich, wozu jetzt der deutsche Kaiser 10.000 Mark, der König von Württemberg und die Königin je den gleichen Betrag gezeichnet haben. Stockholm. (L e i ch e n v e r b r e n n u n g.) Vor mehreren Jahren bildeten sich hier und in Gothenburg Leichenverbrennungs-Vereine. Der bisherige Bericht der Vereine theilt mit, dass bis zum 25. Februar d. I. in Schweden 675 Leichen verbrannt wurden, darunter 29 jüdische und 2 katholische Leichen. Paris. (Von der Ausstellung.) Bei der Pariser Weltausstellung wird die wohlbekannte „August Abrahamson- Stiftung" in Nääs (Schweden) durch vielfache Gewerbserzeugnisse in größeren Photographien vertreten sein. Sie werden in der schwedischen Abtheilung für „Erziehung und Unterricht" ausgestellt werden. Eine französische Broschüre ist zu diesein Zwecke erschienen, welche zugleich die genannte Stiftung historisch behandeln wird. Paris. (Die Juden in Persien.) Das Ecntraleomitä der Allianee erhält von seinem Correspondenten aus Teheran neue Hiobsposten über die Lage der Juden in Persien. Sie lauten: „Die Nachrichten, die mir aus der Provinz zukommen, sind sehr betrübend; allenthalben ist die Lage dieselbe, wenn nicht schlechter als die in Teheran, die Lebensmittel sehr theuer, die Kälte riesig groß. Der Schnee hat alle Wege verschüttet. Die Gemeinden von Hamadan, Jspahan, Shiraz sind in Noth und Elend. Diese Lage ist nicht nur bei den Juden so; die Muselmanen ertragen sie ebenso, und das vermehrt noch ihren Fanatismus und die Misshandlungen, die die Juden zu ertragen haben. — Vor ungefähr 6 Wochen wurde ein Jude, Namens Sinter Nehorai Cohen von den Muselmanen in einem Dorfe bei Lulternahad (Irak) angefallen, beraubt und ermordet. Das Opfer stand zwar unter englischem Schutze, allein da der englische Gesandte auf Reisen war, so konnte ich ihm erst nach seiner Rückkehr von den Vorfällen Bericht geben. Er versprach mir, die Sache untersuchen zu lassen, wenn es sich wirklich um einen englischen Schützling handle. Die dortigen Israeliten lassen sich kaum beruhigen. In der That, sie wissen nicht, dass nach persischem Gesetze der Mörder eines Juden sich durch Zahlung von 150 Frcs. befreien kann!" Pctersbu g. (Die Inden in Sibirien.' Die Eommission, die damit beauftragt war, das Aufenthaltsrecht der Inden in Sibirien zu prüfen, hat folgende Resolntioii gefasst: 1. Der Aufenthalt in dem Grenzgebiete von China ist den Inden a b s o l u t unters a g t. Nur die vor 1890 dort schon wohnhaften Inden sind von diesem Verbote ausgenommen. 2. In den anderen Gegenden Sibiriens können die Inden frei wohnen bleiben, wenn sie in die Register der Bourgeoisie ein-! getragen sind, oder wenn sie einer Hnndwerksgesellschaft angehören. Die nach Sibirien verwiesenen Juden und ihre Abkömmlinge können ihren Aufenthaltsort nur verändern mit der i Erlaubnis des Gouverneurs der Provinz, wenn es sich um! Aenderung innerhalb der Provinz handelt, durch den General- Gouverneur selbst, wenn es sieh um Ntederlassnng außerhalb der Provinz hnndelt. Die Erlaubnis kann in keinem Falle sich über mehr als ein halbes Jahr erstrecken. Es steht zu erwarten, dass diese Bestimlnnng wegen ihrer Benaehtheilignngen bald vorn Senate geändert werden ivird. In der That stehen die Gesetze, die den Altfenihalt der Inden in Sibirien sestsetzen. mit diesen Bestiinmungen im Widersprttche. Der Artikel 107 sagt unter anderem, dass die Kinder. die ihren Eltern nach Sibirien gefolgt sind, oder die dort geboren sind, das Recht haben, an evmmereiellen Unternehmungen oder anderen theilzunehmen. Das Gesetz von 1 sno endlich, das den Juden den "Anfenthalt im Grenzgebiete niitersagt, bezieht sich nur ans die relegierten.. Es folgt daraus, dass die Juden, die frei im Lande wohnen, das Reeht haben, in allen Städten Sibiriens sich anfzuhalren. Tie unheilvollen Wirkungen dieser neuen Maßregeln haben fiel' bald bemerkbar gemacht. Hunderte von Familien sind bereits gezwungen worden, ans Befehl des Gouverneurs ein Land zu verlassen, wo sie nach laugen Anstrengungen ihren Lebensunterhalt sich zu eriverben vermochten. Diejenigen unter den Israeliten, die weiter in Sibirien wohnen, werden Gegenstand endloser Misshandlungen sein, wenn nicht Aeudernngen erfolgen. Ncw-Iork. (Eine b e m erke n swerte ch i u e si) eh e Proclamntio n-. Infolge der treulichen "Angriffe zu K i entring-so o ans die Missionäre hat der Kaiser von Ehiua eine bemerkensiverte Proclamatiou erlassen, von ivelcher, wie die „Central Neivs" melden, die Missionsgesellschaft soeben eine Uebersetzung erhalten hat. Mit Bezug aus die "Aussehreitnngen besagt die Proclamatiou: „Vagabunden reizten die stupiden Dorflente durch falsche Gerüchte, was irrige Verdächtigungen verursachte. Nach Verein-! barung mit dem Eonsul Ihrer Majestät wurden die j und zu Beginn des XIX. die ganze europäische Welten Auf- Rädelsführer bestraft, Entschädigungen gewährt und eine alte j regung brachte, schilderte Redner die Bedeutung der Revolution Warnungstafel, mit welcher die Einsührunq des Ehristentbums! wurden zwar von Napoleon emancipiert, , , J ' .. . ‘ . „ o . „' wussten aber nicht dte Emanelpatwn zu verwerten und zu ihrem verboten worden, entfernt und verntchtet worden. - bn der - Bortheile zu verwenden. Auch das sogenanntejüdische „Ministerium", Proclamation heißt es weiter: „Es war ein sehr glücklicher Um-' das auf Verlangen "Napoleons von den Juden gewählt wurde, stand für Euch Leute von Kien-ning, dass Eure Beamten wussten, > machte sich lächerlich und that für die Juden nichts. Auf Deutsch- <^6? fpiph mnvnifpnh lind ftunih. mth dass K-br nicht zwischen Gut I übergehend, skizzierte Redner das Verhältnis der Preußen zu den Juden m den Jahren 1812—JS20. Die Preußen gewährten ihnen die Emaneipation, solange sie ihrer Hilfe bedurften, kaum Dürfen w i r ti u s aber d e s h a l b a n s d i e S e i t unseres ärgsten Feindes st e l l e n, ohne zu wisse' weshalb tutr es thun. Nein! Wenn es der Vortheil gebietet dem Gegner der christlich-socialen Partei die jüdischen Stimme: zn geben, dann m n j s der Mann die Ge w ä b dafür bieten, dass er d i e I n d e n nicht nach t r ä g l i ch beschimpf t, dann muss es vor allem v f f e i und öffentlich geschehen! Wir haben ans die Zweckmäßigkeit einer Aufstellung voi Z ä h l c n n d i d a t e n hingewiescn. Auch wenn die Hofsumv. nicht vorhanden wäre, dass in ei n z e l n e » Bezirke: jüdische C a n d i d a t e n d n r ch z u b r i n g e it s i n d müssen Zählcandidaten aiifgestellt werden. Schon deshalb, uu unsere Kraft endlich abschätzcn zn fcntcit, schon darum, tun eventuell bei Stichwahlen unsere Stimmemnacht in den Dienst n n s e r e r Sache zn stellen. Und deshalb betrachten wir solche Streitigkeiten, wie in dein oberwähliten Wählervereine, einfach für schlechte Scherze, die allerdings zn schlecht sind, um wiederholt zn werdet!. Ist es schon gefährlich, wenn maik, tvie dies kürzlich in einem jüdischen Blatte geschah, an die farblose Autlvvrt des Ministerprnftbenteu allzu sanguinische Hoffnungen knüpft, so ist es geradezu s e l b st m v r d e r i s cd, wegen" dieser farblosen Antwort einem Feinde zn nützen, der das Jndenthum wie einen räudigen Hund abthnt. Wolf pacticrt mit Inden nicht, die Inden aber auch nicht mit einem Wolf; das ist Ehrens a ch e. Es dürfte ztveifellos seitens der maßgebenden Factoren zu den Wahlen alsbald feste Stellung genommen werden. Es ist diesmal nvthwendig, dass die Inden deutlich docnmentieren, dass sie für den G i m p e l s a n g, wie man ihn sonst gewohnt ist, nicht z n haben sind. Wo es gilt, den Feind in der christlich-socialen Partei zn bekämpfen, da müsseil sie am Platze sein; beileibe aber nicht für den Erfolg der teutscherl Wotan- Jünger, sondern für sich werden und müssen sie eintreten. Wie das geschehen kann, das ist nicht schwer zu errathcn; die Leiter der Wahlbewegnng werden zur richtigen Zeit die richtigen Maßregeln geben. lieber alles aber geht auch dem jüdischen Volke die Ehre. Die Zeiten, wo der Jude den Anwurs abwischte mit der Ausrede, es regne, sind vorüber! &JBUWUXC**» Kmi»s- und Ntt-ilMllllUWbmchtk. Czernowih. (B o r t r a g s c y k l n s.) Der hiesige jüdischnationale akadentische Verein „Zephira" veranstaltet im Monat April einen Eyelus von Vorträgen „lieber die Judenfrnge". Den Anfang machte stud. jur. Max D i a m a n t, der am Sonntag den 15. d. M. im Vereinsloeale des Vereines „Zion" über „die Juden im XlX. Jahrhundert" sprach. Ausgehend von der französischen Revolution, die zu Ende des XV'ill. Jahrhunderts Jhr seied unwissend und stupid, und dass Ihr nicht zwischen Gut und Böse zu unterscheiden wusstet. Sie (die Beamten) haben die Unannehmlichkeiten beigelegt, indem sie diesen Umstand sich vor Augen hielten. Wenn Ihr nur im geringsten Grade Herzen und Gefühle von Menschen besitzet, so sollet Ihr Euch aufrichtig schämen." Auf diese Weise wahrt der unwissende, heidnische Chinese die Toleranz, während man bei uns Anträge aus polizeiliche Ueberwachung der Juden in gesetzgebenden Körpern zu stellen sich nicht entblödet. aber glaubten sie ein wenig stark zn sein, da entzogen sie ihnen alle Vortheile, die sie ihnen bisnun, natürlich auch mit Widerwillen, hatten zntheit werden lassen. Dasselbe Verhältnis war auch in Polen. Die Polen wiesen das Anerbieten der Juden, in ihr Heer eintreten zu dürfen, um mit ihnen gemeinsam für ihr Vaterland zu tampfeu (die Juden sind eben immer bereit, fürandere die Kastanien aus dein Feuer zu holen, für ihr eigenes Bolksthum haben sie keinen Sinn), schnöde zurück. Ja, als die Noth am größten war und sie die jüdische Hilfe nöthig hatten, da durfte sich jüdisches Blut mit polnischem nicht mischen, die Juden mussten separat kämpfen. Erst als im Jahre 1882 die große Judenplünderung in Russland ausbrach, bei deren bloßer Erinnerung sich die Haare zu Berge stellen, da erwachte in vielen jüdischen Herzen die jüdisch-nationale Idee; man begann Vereine zu gründen, die den Zweck haben, das jüdische Volksbewusstsein zu heben. Und diese Idee, fuhr Redner fort, beherrscht heute Der Wahlkampf ist angekündigt: die Truppen vollziehen e‘”e beträchtliche Anzahl unter den Juden. Mit den berelts den ^.ufmarsch. Dte Ehrlstlich-Soclaleu haben ewe . „Hcffck>atu bnei chorin", scl)loss Redner seinen mit großem andere Taktik eingesührt; sie arbeiten auf die Schwächung des, Beisalle aufgenommeuen Vortrag. iwri. Gegners hin. Mit allen Mitteln und Mittelchen wird die f Fälschung der öffentlichen Meinung betrieben; unter den Zu den Wiener Gemeinde- Wahlen. raauBtsawnMfei.r/.'k An gen der „Regierung für Wahrheit und Gerechtigkeit" werden! Wähler genracht und annillliert. Ein tüchtiger russischer Revisor! (Für diese Rubrik übernimmt die Redaetion keine Verantwortung könnte eine Unmasse jener „tobten SeAen" auffinden, die! als jene gegenüber dem Gesetze.) Nicolaus Gogol so drastisch aus rnssischen Dörfern ausgegraben! H e r r 3t e d a c t e n r! bat; wer weiß, wer alles bei den künftigen Wahlen „an die | Wenn der Privatmann die jüdischen Feiertage nach feinem llrtie" treten wird. -* {Belieben hält, so kann man dagegen füglich nicht auftreten. Wie immer sind die I u d e n die „Geduldeten". Die-Wenn aber ein jüdisches 3kestaurant, eine jüdische Speisen- Chrlstlich-Socialeii beschimpfen sie zwar, am Wahltage aber! Handlung, die ja von der Strengglänbigkeit ihrer Kundschaft dürfte Dr. Lueger höchst eigerrfüßig unter sie treten mrd ihnen lächelnd empfehlen: nur zu wühlen. Die „Deutschnationalen" wollen sogar mit den „Liberalen" ein Cvmpromiss schließen. Die Juden, die unter diesen Liberalen sind, sieht Nutzen ziehen, die Feiertage nach ihrem Belieben einrichteu, dann wird das bedenklich. Die Wnrsthandlnng D. L ö w y am Schottenring, die seit einiger Zeit ein Herr P i o w a t i aus B r ü n n über- Herr Wolf nicht, denn mit Juden pactiert er nicht. Aber er! nommen hat, war a m E r e f P e ß a ch nach z e h n U h r lässt sich sie stillschweigend gefallen. Mit den Stimmen ist's, f r ü h n v ch g a u z u it d g a r f ü r C h v m e z e i n g e r i ch t e t. wie mit dem Golde, das Kaiser Bespasian aus der ominösen Die Gäste saßen noch, Brot und Wurst schmausend, an Tischen, Steuer schlug: Non ölet! und von Eres Peßach war noch keine Spur. Und die Juden? Dunim, wie sie in der Masse ilumer waren, sind sie auch jetzt wieder bereit, dem Herrn Wolf den Steigbügel zu halten, von dem aus er, wen» er feststeyt, ihnen den Fußtritt verabreicht. Man sollte es nicht glauben, aber da hat kürzlich sogar in einem jüdischen Wählervereine im zweiten Bezirke ein Streit darüber stattgefnuden, ob man das Compromiss der Deutschnationalen nnt den Liberalen nicht unterstützen solle. Natürlich stillschweigend, durch Stimmabgabe. Darf es darüber einen Streit geben? Kann ein Jude, der sein Gesicht noch unverhüllt auf der Straße zeigen will, jenen Leuten seine Stinlnre geben, die mit der u n s ä gl i ch st e n Verachtung d e u Juden behandeln, beschimpfen, besudeln? Wohl ist es richtig, dass die Juderr ihr Interesse daran haben, der niederträchtigen Wirtschaft der Christlich-Soclalen zuleibe zn gehen, wenn es möglich ist. Welche Schlüsse kann man daraus ziehen für die rituelle Strenge, die in solchen Speisehüllsern beobachtet wird? Ohne gerade orthodox zu sein, kann man doch von einem Speisehanse, dass sich nennt, verlangen, dass es die rituellen Gesetze beobachtet. Zur selbell Zeit hatte T h e u m a n n, wohin ich sofort gieng, schon alles für Peßach bereit. Das ist nur Pflicht und Schuldigkeit. Denn wenn man schon mit dem Jndenthum anderer Geschäfte macht, — zu belüge n braucht man sie darum doch nicht! Wer bürgt denn dafür, dass die bei L ö tu t) anfgespeicherten Wurstvorräthe nicht als Peßachkost verkauft wurden? Indent ich Ihnen für die Aufnahme dieser Zeilen bestens danke, begrüße ich Sie Hochachtungsvoll Wien, 18. April 1900. Moses Chierer.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.