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Jüdisches Volksblatt · 1900-04-06 · 14 (6.4.1900) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
14 (6.4.1900)
Date
1900-04-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt (>. April 1900 Nr. 14 Juden bedeutet die allmähliche Verallgemeinerung der nationalautouomistischen Regierungsform. Tritt mau dieser Frage erst einmal näher, so wird und kann man die Inden und ihre Stellung im Staate nicht übersehen. Darum ist die Czechische Volkspartei und ihr Programm uns Inden sympathisch. Wir bauen keine großen Hoffniittgen auf beides, weil wir gewohnt sind, dass man uns Worte, aber keine Thaten widmet; aber ein Ansatz von Vernunft, das ist es ja, worauf wir warten müssen, und die zeigt das Programm der neuen Partei. Jinmerhin ist die programmatische Erklärung der Partei in Bezug auf die Juden ein Erfolg der nationalen Politik der Juden; der Umfang desselben wird sich erst nach Einsichtnahme in die Verhandlnngsprotokolle fixieren lassen. Die „Union" beim Ministerpräsidenten. Wie die Zeitungen berichten, hat eine Abordnung der „Union" beim Ministerpräsidenten vorgesprochen, um ein Memorandum zu überreichen. Nulla dies sine iinea — kein Tag ohne Judendeputatiouen; fast scheint es. als ob die Aeußerung des Ministers, ihm concrete Fälle zu melden, dazu führen sollle, jeden Tag — den Zeitungen einen Deputationsbericht zusenden zu können. Dagegen wird man sich doch ernstlich auflehnen müssen. Es ist ja ganz löblich, wenn die „Union" ihren jahrelangen Schlaf mit einer regeren Thätigkeit unterbrechen will: es wäre nur wünschenswert, dass die „Union" diese Thätigkeit etwas mehr nach innen und „unten" und weniger nach „oben" und außen erstreckt. Es sind in Sachen der Polnaer Afsaire Schritte erfolgt, die besser unterblieben wären, und diese ministerielle Inanspruchnahme ist ebenso — überflüssig, wie die Geheimnisthuerei, welche den Vorwurf der antisemitischen Presse auf die Juden lud, sie wollten Hül sner „befreien". Wenn sich die „Union" des Schutzjudenthums nicht entschlngen kann, möge sie wenigstens ihren Eifer zügeln; es ist durchaus unstatthaft, dem Neclamebedürfnis einiger Würdenträger die Würde unseres Volkes zu opfern. Möglich, dass sich die Herren A n n i n g e r, Meitner und Fleischer vor dem Herrn Schneider fürchten; das jüdische Volk fürchtet sich nicht und läuft deshalb auch nicht zum Minister! Wahlpräludien. Die kommenden Gemeindcwahlen werfen ihre Schatten voraus. Der Abgeordnete Schneider bringt eine Interpellation im Landtage ein, man möge die Juden überwachen, damit sie keine Ritualmorde begehen, in den antisemitischen Blättern gibt man sich krampfhafte Mühe, zu den Osterfeiertagen den üblichen Ritualmord zuwege zu bringen. Warum ist denn im Landtage keiner der jüdischen Abgeordneten auf die Idee gekommen, eien Antrag einzubringen, der Abg. Schneider und die Herausgeber der antisemitischen Blätter seien über die Osterfeiertage und über die Wahlcampagne unter Beobachtung zu stellen? Damit auch der Humor nicht fehle, schimpfen die antisemitischen Blätter aller Parteischattierungen auf die Juden. Die Christlich-Socialen schimpfen, dass die Deutschnationalen mit den Juden gehen, die Deutschnationalen schimpfen, dass die Christlich-Socialen die Juden zu gewinnen suchen. Die Schlauköpfe! Und beide Parteien wären doch so froh, wenn sie die jüdischen Stimmen nur kriegen könnten. Der Abg. Wolf ist sogar für „Compromisse". Wie edel! Für wie dumm muss dieses antisemitische Gelichter die Juden halten, wenn es also mit ihnen umspringt. Und wie dumm müssten die Juden sein, wenn sie auf dem Umwege über die Liberalen den Herren Wolf und Consorten ihreStimmenzuführteu! Diesmal werden sie hoffentlich klüger sein! ^Conferenz der in Palästina x thätigen Vereine. Frankfurt am M. 28. März. Auf Einladung des Central-Comites der Vereine zur Förderung der Colonisation Palästinas tagte gestern und vorgestern Hierselbst eine Conferenz der im Heiligen Lande thätigen Vereine und Institute. Es waren vertreten: das genannte Central>Comits durch die Herren Charles L. Hallgarte n-Frankfurt a. M., Bernard Lazar e-Paris, Dr. Hirsch H i l d e s h e i m e r-Berlin, Professor "Ddctor Leopold Landau-Berlin, Willy Bambus-Berlin, Moritz D o r n-Berlin; die „Pekidim und Amarkalim der israelitischen Gemeinden des Heiligen Landes" durch die Herren M. Rubens sen.-Amsterdam und D. Abraham s-Amfterdam; die Alliance israelite universelle durch Herrn Schulinspector S. B e n e d i c t-Paris; die Israelitische Allianz durch Herrn Dr. Arthur Kurand a-Wien; der „Verein zur Erziehung israelitischer Waisen in Palästina" durch die Herren Rabbiner Dr. H o r o v i tz-Frankfurt a. M., Professor Dr. Werne r-Frankfurt a. M., Consul Adolf B e e r- Goldschmidt -Frankfurt a. M., Eduard Cohen- Frankfurt a. M.; der Verein Lemaan Zion durch die Herren Hermann Crame r-Frankfurt a. M., Li ß m a n Fürth- Frankfurt a. M., Alfred Geige r-Frankfurt a. M., Eli M i ch a e l-Frankfurt a. M.; das Central-Lomite des russischen „Vereins zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer in Syrien und Palästina" durch Herrn Ingenieur M. U s s i s ch k i n-Jekaterinoslaw; das Central-Comite des „Esra" durch die Herren Rabbiner Dr. Werne r-München, Docent Dr. Braun- Breslau, Dr. Eduard Biberfeld - Berlin, Doctor E. Finke l-Straßbnrg i. E., Dr. E. Land« u-Berlin, I. T u r o f f-Berlin; die englische Chowewe Zion Society durch Herrn Dr. S. A. H i r s ch-London; der Verein «Jischoub Eroz Jisroel durch Herrn I. S p a n i e n-Paris; der dänische Colonisationsverein durch Herrn Joseph M. G o l d s ch m i d t- Kopenhagen, die schwedischen Vereine durch Herrn Albert K a tz-Berlin; der Verein Ahawath Zion durch den Vorsitzenden, Herrn Advocat Dr. A. S a l z-Tarnow, und die Herren Dr. A. N o s s i g-Berlin und den Admimstrator der Colonie „Machanajim", Herrn S. B r o m b e r g; der Frankfurter Zweigverein des „Esra" durch die Herren Joseph W i s l o ch, Stadtrath Dr. M. L e w i n und Rechtsanwalt Dr. Bla u. Als Gäste waren anwesend die Herren Rechtsaauwalt Julius P l o t k e-Frankfurt a. M. und Dr. Leo Kore f-Hanau. Herr Rechtsanwalt Dr. Bla u begrüßte die Erschienenen. Hierauf nahm Herr Joseph W i s l o ch das Wort zu einer vom lebhaftesten Beifalle begleiteten Ansprache, in welcher er den Anschluss der verschiedenen Colonisationsvereine befürwortete. Nach Eintritt in die Tagesordnung erstattet Herr W. Bambus das Referat über die industrielle C o l on i s a t i o u. Die Ausführungen, welche durch gedruckte Tabellen über Zahl und Vertheilung der jüdischen Bevölkerung des Heiligen Landes, über Ein- und Ausfuhr Palästinas (nach den englischen und deutschen Consulatsberichten) rc. erläutert wurden, gipfelten in folgenden Anträgen: I. Die am 26. März 19(K> in Frankfurt a. M. tagende Conferenz der in Palästina thätigen Vereine empfiehlt allen Colonisationsvereine« auch die Förderung der i n d u st r i e llen Colonisation Palästinas, soweit dieselbe Juden beschäftigt, in den Kreis ihrer Thätigkeit zu ziehen. II. Es wird eine Commission eingesetzt, welche die Errichtllng eines Bazars für den Fremdenverkehr in Jerusalem unter besonderer Berücksichtigung dev Olinvenholzindustrie in die Wege leiten soll. HI. Die Conferenz beschließt die Einsetzung einer Commission, welche die Errichtung einer Herrenkleide r- Fabrik in Jaffa in die Wege leiten soll. IV. Die Conferenz empfiehlt der Jewish G'olonization Association die Erricht u n g einer C o n s e r v e n f a b r i k in Erwägung zu ziehen, welche die bessere Verwertung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und die Besch äftigrmg jüdischer Arbeiter zum Zweck hat. V. Die Conferenz setzt eine Commission ein, welche die Frage der Errichtung einer Seifenfabrik studiert. Nach längerer Discussion, welche sich zu einer Att Generaldebatte über die Aufgaben ttttb Zwecke der Conferenz überhaupt gestaltete, wurden sämmtliche Anträge einstimmig angenommen mid eine alle Länder umfassende Commission von siebzehn Mitgliedern mit deren Durchführung beauftragt. In der Nachmittagssltzung verlas Herr Professor Doctor Landau ein vom Herrn Dr. Paul N a t h a n-Berlin, der durch Berufspflichteu am persönlichen Erscheinen verhindert war, übersandtes ExposeüberdieNothtvendigkeiteiner gründlichen Erforschung Palästinas, seiner, Hilfsquellen, seiner Bodenschätze, seiner ökonomischen Zustände und seiner handelsrechtlichen Verhältnisse. Herr Dr. Nathan beantragt, mit dieser Exploration eine Commission zu betrauen und derselben die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. In lebhaftem Gedankenaustausch, welcher sich auf alle Seiten dieser schwierigen Frage erstreckte, wurde der Antrag in folgender, von Herrn Bros. Landau amendierten Fassung einstimmig augenvmmen: „Die Eonferenz stimmt den Vorschlägen des Herrn Doctor N a t h a n principiell bei und beauftragt die Propaganda-Commission des Central-Conutes der Colonisations-Vereine, der nächsten Conferenz einen concreten Voranschlag über die Kosten einer solchen Erpedition zu unterbreiten. Zugleich wird die Propaganda-Commission beauftragt, die Vorstudien für diese Expedition zu machen und sich über die rechtlichen Verhältnisse in Hülüstina zu instruieren." .Antrag des Herrn Ussischkin, dass „diese Commission zur Erforschung Palästinas mit der auf dem dritten Baseler Ziouisten-Congress gewählten Colomsations-Commissiou in Verbindung treten möge", wird angesichts der ablehnenden Haltung der Versamnilung vom Antragsteller zurückgezogen. (Ist das die von Herrn W i s l o ch ■ befürwortete und „lebhaft acclamierte" Einiakei^A. d. N.) Nach Verlesung einer Reihe von telegraphischen und brieflichen Begrüßungen, unter denen namentlich ein überaus herzliches Schreiben des Herrn Grrand rabbin Zadoc Kah n-Paris lebhaften Beifall weckte, erstattete Herr Doctor Hirsch Hildesheimer das Referat über die landwirtschaftliche Colonisatiion, das zunächst die Veränderungen, welche der Uebergang der Besitzungen des Herrn Baron E d m o n d von Rothschild auf die Jewish Golonization Association zur Folge hat, hervorhob, die Verdienste des ersteren feierte, der letzteren für das Eingehen auf dessen Intentionen Dank aussprach, um dann über die gegenwärtige Situation der Colonien sich zu verbreiten und mit der Begründung des Antrages zu schließen: Die Conferenz empfiehlt den Vereinen, zunächst mit allen vereinten Kräften diejenigen Colonien zu unterstützen, die der Hilfe noch bedürfen, und zwar in erster Linie Machanajim, in zweiter Linie B'nei Jehuda. Sodann erstatteten Herr Dr. S. A. Hirsch über B'nei Jehuda, die Herren Dr. A. S a l z und S. B r o m b e r g über Machanajim ausführliche Special-Referate, welche den Rest der Nachmittagssitzuug ausfüllten. Unter begeisterter Zustimmung wurde die Absendung von Begrüßungstelegrammen an die Herren Baron Edmond von Rothschild und Grand rabbin Zadoc Kahn beschlossen und hierauf die Berathung, welche nahezu neun Stunden gedauert hatte, abgebrochen. Den zweiten Verhandlungstag (27. März) eröffnete die Discussion über das Colonisations-Referat, an welcher sich die Mehrzahl der Anwesenden betheiligten, mit besonderer Lebhaftigkeit Herr Ussischkin, der in dankenswerter Weise die Taglöhner-Frage in Palästina anregte. Nach mehrstündiger Debatte wurde der Antrag des Referenten und nachstehende, von den Herren Ussischkin und Bambus befürwortete Resolution einstimmig angenommen: Die Conferenz lenkt die Aufmerksamkeit der llewish Golonization Association auf Die ernste Frage der Versorgung der jüdischen Landarbeiterin Palästina und empfiehlt, diesen in der Landwirtschaft erprobten Arbeitern die Möglichkeit zu schaffen, in ihrer bisherigen Beschäftigung sich zu bethätigen. Ganz besonders interessant und bedeutsam gestalteten sich die Verhandlungen über den folgenden Punkt der Tagesordnung, über das Schulwesen in Palästina. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: I. Die jüdischen Schulen in Palästina sollen auf dem Boden des g e s e tze s t r e u e n historischen Judenthums stehen. II. Die jüdischen Schulen in Palästina sollen ihre Schüler zu tüchtigen, erwerbsfähigen Juden heranbilden. III. Die jüdischen Schulen in Palästina sollen neben der Landessprache in erster Reihe die hebräische Sprache pflegen. IV. Die Conferenz ernennt eine Commission, welche die Aufgabe hat, das Schulwesen in den von den Chowewe Zion (Colonisationsvereinen) subventionierten Colonien zu regeln und zu beaufsichtigen, In die Commission wurden gewählt die Herren Rabbiner Dr. H o r o v i tz und Prof. Werne r-Fraukfnrt a. M., Dr. B r a n n-Breslau. Prof. Dr. Martin P h i l i p p s o n- Berlin, Oberrabbiner Dr. S i m o n s e «-Kopenhagen, Rabbiner Dr. Werne r-München, D. Abraham s-Amsterd-am, S. Benedict und Bernard Lazar e-Paris, Dr. S. A. H i r s ch-London; ferner wurden dem russischeu Vereine drei Sitze Vorbehalten. Den letzten Berathrulgsgegenstaud bildete das Referat des Herrn Rabbiners Dr. Werne r-München über Propaganda. In der kurzen Discussion wurde die Propaganda-Commission aufgefordert, auf dem bisher eingeschlagenen Wege fortznfahren und mit den seitens der Vereine zur Verfügung gestellten Mitteln für die Ausbreitung und Steigerung des Interesses für die Colouisationsbestrebuugell thätig zu sein. \ Bon Herrn Bernard Lazare wurde folgender Antrag "Angebracht: „Die in Frankfurt a. M. versammelte Conferenz der Chowewe Zion ersucht das Central-Comite, das Project der Errichtung einer Bank zur Entwicklung der Colonisation und der Industrie in Palästina wieder aufzuuehmen. (Eine zweite Bank? Wozu? A.d.R.) Der vorgerückten Stunde wegen wird der Antrag ohne Debatte der Propaganda-Commission zum Studium der Angelegenheit überwiesen. Dann wurde die Sitzung geschloffen. Chronik des Judenthums. Inland. Wien. (Aus der Plenarsitzung des Cultussorstandes v o m 1. April I WO.) An Spenden sind einzelaufen: Von Herrn Leopold Sachs zum Andenken an seine eligeu Eltern Jacob und 2lmm Sachs für den Siechenhausbau Kr. 2000, von Herrn Bernhard H i r s ch für israelitische Waisenkinder Kr. 30, von Herrn Alois H o f f m a n n für eine israelitische Wohlthängkeitsanstält Kr. 00. ^Als Legat des Herrn Sigmund Kornfeld für eine Kaddisch-Stiftung Kr. 2000; für eine Grab- »rhaltungs-Stiftung Kr. 1000. Der Vorsitzende theilt mit, dass er rn den Präsidenten der Prager israelitischen CultuSgemeinde perai Dr. Rofenbacher anläßlich feines 00. Geburtsfestes iamens des Vorstandes einen telegraphischen Glückwunsch richtete. Zustimmung.) Herr Baurath Stiaßny referiert über die Verleihung von drei Stiftplätzen aus der Dr. Adolf Sack s'scheu Lechni'ker-Stiftung (1 Platz a Kr. OOO). Emgelaufeu sind 82 Ge- 'nche. Die Stiftplntze werden im Sinne des Referates verliehen, rußerdem werden an sechs besonders würdige und dürftige Bewerber Unterstützungen tfL Betrage von je Kr. 200 verliehen. Herr Vieepräsident Dr. S iGtzMApeferiert in Angelegenheit der M. L. B ie d erm an n'sMtt'^Maisen-Stiftung und beantragt, zögen den Erlass der Statthalterei, welche die vom Curatorium leschlossene und vom Vorstande genehmigte Art der Vertheilung )er Stiftungszinsen für das Jahr 1000 nicht zur genehmigeudeu Kenntnis nahm, Vorstellung zu erheben, mit dem Vorschläge einer wentuellen Stiftbriesänderung, welche jedoch nur aus eine voribergehende Geltung zu beschränken wäre. Der Antrag des lieserenten wird artgenommen. Herr Vieepräsident Dr. Gustav K o h n referiert namens der III. Section über an 243 Personen M gewährende periodische Unterstützungen im Gesammlbetrage ron Kr. 38.524 für das Jahr 1000. l Angenommen.) Nach Erledigung mehrerer Personalien in Friedhofsangelegenheiten vird die Sitzung geschloffen. Wien. (Hilfe für Galizien.) Von einen um das Zudenthum eifrigst besorgten Seite erhalten rvir mit Bezug auf ,en Artikel in der vorigen Nummer folgende Zuschrift: Der Trieb im jüdischen Volkscharakler, Naheliegendes u übersehen und sich über den eigenen Wirkungskreis hinaus aus remde, unbekannte Gebiete zu wagen — ein Trieb, der im Handelsleiste seinen 'Ausdruck findet — hat auch eine große Anzahl unserer Volksgenossen auf einen Weg zu Lustschlössern geführt, dte, usamtnenbrechend, sie auf der dürren Heide lassen werden, von rer sie ausgiengen. Es mag ja unserem Volke vielleicht gelingen, >en alten Traum zu verwirklichen — heute aber schreien zwei Millionen hungernder Juden, in Galizien nach 'Arbeit und Brot. - Haben sie erst das eiitmal, so wird Cultur und Bildung sich ,on selbst einstellen. Das glitzernde Gold des jüdischen Großmpitals blendet den Staat und täuscht ihn über die Leistuugsähigkeit der Juden, so dass er das Elend nicht sieht oder nicht ehen will. Die Haute Financo ist indifferent und so bleibt es rem Mittelstände überlassen, zum eigenen Schutze Mittel zu indem um der Gefahr vorzubeugen, vom Osten her von Arbeit rm jeden Preis suchendem Proletariat überschwemmt zu werden. 'Auch andere Staaten Europas bestehen nicht allein aus Ländern, m denen Milch und Homg fließt. Der Schwarzwald, ras Erzgebirge, der Thüringerwald, Spessart und Harz sind ,ar arme, sterile Gebiete. Doch hat eine weise Votkswtrlch a f t rechtzeitig dafür gesorgt, die Vernachlässigung von Seite rer Statur durch Einführung leichtfasslicher Industrien zu raralysieren. Da ist vor allem die „B ü r st e nu n d P i u s e l- ) n d u st r i e", welche große und arme Gebietstheile mit Erwerb ind Nahrung versorgt. Nicht weniger als 300 fabriksmüpige, zroße Betriebe — abgesehen von tausenden von Kleinbetrieben — veisen die genannten Gebietstheile in unserem Stachbarreiche auf, raruuter ein Dutzend prosperierende Actien-Gesellschaften, welche viele tausende fleißiger Hände beschäftigen. Oesterreich-Ungarn jählt k a u m e i n D n tz e n d Fabriksbetriebe ttnd davott in Ungarn rine einzige mit mehreren hundert'Arbeitern. Dagegen ist >s unser Vaterland, und besonders G a l i z ie n, das einen große» lheil des R o h p r o d u e t e s dieser Industrie liefert. G a t i z t s ch e Händler und Borstenzurichter siitd es, ivelche d i e B o r st e n m Salizien und selbst in Russland auskaufen, um selbe in Leipzig ruf den Markt zu bringen zur Bequemlichkeit der deutschem ranzösischen und englisch - amerikanischen Bürsteu-Judustrie. Galizien liefert aber auch die besten, und man kann ruhtg agen, einzig fähige nSlrbeitskräste für die Zurrichtung )er Borsten. Man thut dem armen jüdischen Volke ja in sv vielen Dingen unrecht; besonders unbegrüttdet ist der Vorwurf ver Faulheit. Ich kenne z. B. keinen fleißigerem zettügsamereit 'Arbeiter als dert polnisch-jüdischen Borstenzurichter ord bin fest überzeugt, dass bei rationeller 'Anleitung die 'Ausvehnung oer Borsteuzurichtung aus die Bürsten-Jttdustne zettügende und tvillige jüdische Llrbeitskräfte in Galizien vorlinden tvird. Der iliaum ist hier zu klein, um statistisches Ätaterial, velches die Prosperität dieser Industrie in den anderen Cultur-

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