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Jüdisches Volksblatt · 1900-03-30 · 13 (30.3.1900) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
13 (30.3.1900)
Date
1900-03-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 30. März 1900 Nr. 13 Boryslaw (M e r k w ü r d t g e s a It s B o r y s 1 a tu.) Geehrte Redaction! Ich bitte um gefällige Aufnahme folgender Zeilen: Wie trefflich Ihre Aufschrift auf dein Artikel in Ihrem geschätzten Blatte, betreffend die Boryslawer Arbeiter, ist. erhellt aus dem Nachstehenden, und zwar °. Der Gutsbesitzer- Herr I. L. Schreiber aus D r o h o b y c z hatte die Gelegenheit, mit eurem Kausmanne aus Oberschlesien über die Lage der Borhslawer Arbeiter zu sprechen. Auf Veranlassung des letzteren sind dem Herrn Schreiber 25 fl. mit dem Ersuchen zugekommen: er möge veraulasseu, dass aus Boryslaw v t e r Arbeiter nach Oberschlesien > Kattowitz) zur Probe geschickt trerden sollen. Herr Schreiber, der gerade zu jener Zeit uns seinem Gute in Mraznice weilte, bat mich zu sich eingeladen und betraute mich mit dieser Mission. Auf einen einzigen Ruf versammelten sich bei mir u n z ä h 1 i g e Arbeiter, und jeder von ihnen wollte einer von den vieren s-.in; nur stellten sie ein kleines Verlangen, und zwar, es möge ihnen (den vieren) ein Vorschuss zu je 10 fl. für ihre zurnckg'lassene Familie gewährt werden, damit diese inzwischen nickt verhungern. Ich habe dieses kleine Verlangen mitgetbeilt und erhielt bald darauf zur Antwort, die mir von Herrn I. L. S ck r e i b e r zugewiesenen 25 fl. z u retourniere n, lvas ich auch gerhan habe. Das ist wirklich das Bterkwürdige aus Boryslaw! Indem ich hoffe. Sie werden diesen Zeilen in Ihrem geehrten Blatte Raum geben, zeichne ick Hochachtend H. L n st m a n n, Rabbiner. Ausland. Berlin. (C o n f e rv a t i v - an t i fe m i t i f ch ö Zeit n n g ssorge n.) Wir lesen im „Vorwärts": Der conkervative „Reichsbote" macht seinen Lesern zur Quartalswende die erfreuliche Mittheilung, daß er genothigt fei, den Preis des Blattes zu erhöhen. Der Preis desselben soll von Mt. :'.50 aus 4 Mt. für das Vierteljahr steigen. Die Nothwendigkeit der Preiserhöhung weifst nicht gerade darauf hin, daß die Zahl der Leser, welche die salbungsvolle Leetüre des „Reichsboten" zu ertragen vermögen, im Wachsen ist. 'Noch schlimmer steht es um die antisemitische „Staatsbürger-Zeitung". Dies Blatt verfiel vor einigen Monaten in himmelstürmerische Raserei, eS kündete an, dass es aus der Dunkelheit, in der es so lange geschmachtet, heraustreten und bald eines der am meisten gelesenen Blätter Berlins sein werde. Eine große Straßenagitation wurde unternommen, der „Dresch-Graf" trat in passende Erscheinung und eine Preisherabsetzung sollte dem antisemitischen Blatte in jedem Hause Eingang verschaffen. Aber ach, die Leser wollten ganz und gar nichts wissen von der antisemitischen Volksbeglückung. Jetzt muß die Staatsbürgerin, wonn sie nicht elendiglich zugrunde gehen will, ihren Abonnementspreis wieder von 1 Mk. pro Monat auf 1.40 Mk. heraufsetzen. Pfui über das „verjudete Berlin"! London. (Für die jüdischen Ar m e n.) Der Board of Guardians, also die jüdische Armencommission in London hat im abgelaufenen Jahre 1,200.0«>0 Mk. für wohlthätige Zwecke ausgegeben. Petersburg. (I ü d i s ch e G u t s b e s i tz e r.) Im Königreich Polen gehören den Inden 455.700 Acres Land, und zwar im Gouvernement Kalisch 09.122, Warschau 61.225, Radom 28.341, Kjeletz 51.500, Petrikvw 38.832, Lomza 26.712, Sunaiu! 45.370, Siedletz 54.429, Lublin 33.335 und Plotzk 47.248. In Russland gibt es im ganzen 96.930 Inden, die Ackerbau trecken, und außerdem 10.274 Tabakpflanzer, Weinbauer und Obstzüchtcr. New-Uork. („H e b r e w t e ch u i c a 1 I n st i t u t e"), eine sehr segensreich wirkende jüdische Gewerbeschule, hat vor kurzem ihren Jahresbericht veröffentlicht. Demselben ist zu entnehmen, dass die Anstalt täglich von 175 Zöglingen besucht ist. New-Dork. sE in merk w ü r d i g e r W a h n s i n n.) Dem Bellevue-Hospital wurde am Samstag Frau Julia Lieb er mann als irrsinnig im .Hartem Gericht zur Beobachtung überwiesen. Ihr Mann hatte der Kinderschntzgesellschaft gemeldet, dass die Frau irrsinnig sei. Tie Frau hatte ihre zwei Kinder, Mädchen von 7 und 8 Jahren, angegriffen und widersetzte sich der Gefangennahme energisch. Sie ist Jüdin, bildet sich ein, eine E h r i st i n z n sei n, und verfolgt und nüsshandelt ihre eigenen Kinder. Sie ist 32 Jahre alt. Jüdische Frauen? In allen Wiener Blättern war in den letzten Tagen das Ereignis des großen „D a m e u - I o u r s" besprochen, welchen der Verein „Lucina" in den Sophiensälen abgehalten hat. Wochenlang vorher war die Reclame thätig gewesen, und spalteulange Artikel hatten den Erfolg des Festes gepriesen. Wir wollen den Erfolg des Festes nicht bezweifeln. Sind auch die von den Blättern angekündigten 12.000 fl. als Bruttoerträgnis nicht eben eine hohe Summe, war auch die Verlegenheit der Zeitungsberichte daran erkenntlich, dass man mit großem Applomb einen pensionierten Minister und einige Seclivnsräthe als die einzigen Honorationen, als die „Hvnoratiouen" feierte; tauchte auch verdächtig oft der Name der „unvergesslichen" Frau Löwy-Hartmanu aus der mageren Künstlerliste ans; den Erfolg des Festes lassen wir nnbezweiselt. Aber ein anderes gibt ztt denken. Ein antisemitisches Blatt, die „Ostdeutsche Rundschau", brachte einen Bericht über den Jour, der in der denkbar infamsten Weise die auf dem Feste thätig gewesenen Frauen beschimpft. Das Blatt lässt sich also hören: „Gestern nun konnte man im Sofiensaale dieses Wiener Salongetriebe kennen lernen. Wo mau hinblickte, Zion, Zion, nichts als Zion, und dazwischen die obligaten Thecttergrelhekn, die sterben^/ wenn ihr Name einen Tag nicht in der Zeitung steht. Und me paar neugierigen Ehristen, die sich gestern in den Sofieasaal verirrt hatten, blickten verschüchtert in die verschiedenen Salons, wie sich die Jndenschaft begrüßte und vorsiellte, und wie sie den five o’clock-tea, Champagner, Bier und sonstige Ersrischnngen zugunsten der „Lucina" gratis schlürfte. Wie vor den Praterbuden staute sich die gemischte, aber schon sehr gemischte Gesellschaft vor den Salons, die zwischen den Pfeilern des Sosiensaales aufgeschlagen worden waren. Dort spielte ein Herr Frühling auf dem Elavier, hier sang Fräulein Lola B e e t h; dort declamierte Herr Weiß, dort zwitscherte Frau Steffi Weinberger einige Lieder ihre Mannes u. s. w. Von den fünfzig „Wiener Hausfrauen", die gestern protzig „Jour" spielten, nennen mindestens 90 Percent eine wärmere Gegend als Wien ihre Urheimat. Ein einziges christliches Ghetto gab es gestern int Sosiensaale: das war aber kein Salon, sondern die 'Almhütte, in der Fräulein S ch ö n ch e n die „Stadtleut" willkomnren hieß." Das ist infam, nicht wahr? Infam gegen die Frauen, die, gleichviel aus welchen Motiven, sich in den Dienst der Wvhlthütigkeit gestellt haben; infam seitens des Berichterstatters, der inr „christlichen Ghetto" mitschuabuliert und dann nachhause geht und unflätige Berichte schreibt; infam gegen die wohlthätige Anstalt, welcher der ^Reinertrag znfällt, weil es die Leute, die sich um die Anstalt bemühen, abschrecken muss. Noch schlimmer aber ist, dass der Berichterstatter zum Theile recht h a k. In den Berichten der liberalen Blätter prangen fast durchwegs jüdische Namen: zumeist Namen von Frauen, deren Männer Journalisten und Journaliftenfrennde sind, welche die gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit ihrer Frauen durch solche gefällige Zeitungsartikel zu heben trachten. Es ist gewiss unsäglich ekelhaft, wenn Herr Necker von der „Neuen Freien Presse", dessen Frau selbst am Feste thätig war, mit seiner Chiffre gezeichnet, die Frau Steffi Weinberger und die Frau Löwy-Hart m a n n als Koryphäen des Wiener Saloulebens hervorhebt. Tie eine, die Frau eines bescheidenen Componisten, die andere, eine ehemalige mittelmäßige Operettensängerin und Frau des Correspondenten eines Berliner Börsenblattes, der selbst „an der Börse macht." Sind das aber unsere jüdischen Frauen? I st d a s Z i o n, tu i e der ebenso ignorante als arrogante Berichterstatter des A n t i s e m i t e nplattes schreibt? O nein! Das jüdiscke Weib hat sich seit jeher ausgezeichnet durch häusliche Tugenden, Familiensinn, treue Erfüllung der Mutterpflichten. Diese Steffi Weinbergers und Löwys, die ihre äußeren Reize und ihre kleinen Talente tief decolletieren und damit in Gesellschaften hernmlaufen, damit die Welt, die „vornehme Welt" von ihnen rede, sie nenne und bewnrrdere, die gehören weder zum I u d e n t h u m noch zu Zi o n. Das sind Leute, denen ihre Nase im Wege ist;die ihre Abstammung mit Taufwasser abgewaschert zu haben glauben oder doch wegwaschen möchten; die glücklich sind, wenn ein Monocle tragendes Gigerl der „reizenden Jüdin" den Hof macht; die ans übermüthiger Eeitelkeit heute als „Premiören- Publicnm", morgen als „Wvhlthütigkeitsfee" glänzen müssen, weil ihnen die Pflichten der jüdischen Hausfrau fremd sind. Das liebe Wien wimmelt allerdings von solchen Frauen; das gervisse „Knnstjobberthum", das nicht aus innerem Drang, sondern aus pfauenhafter Eitelkeit sich zu den Kunstdarbietungen drängt, hat sie gezüchtet. Sie tragen auch einen großen Thcil der Schuld an dem heutigen Antisemitismus. Jede von ihnen macht immer Lärm und Aufsehen für drei, so dass ein Nichtjude ihre Zahl stets verdoppelt, verdreifacht sehen muss. Sv kommt es dann zu dem Urtheile: „Juden, nichts als Juden", wie es der Berichterstatter der „Ostdeutschen Rundschau" füllt und die große Zahl der bescheidenen häuslichen und züchtigen Judensrauen wird nt i t b e s ch i m p f t. Das jüdische Weib — das mag die „Ostdeutsche Rundschau" zur Kenntnis nehmen, ist züchtig, häuslich, scheu in der Oeffentlichkeit: es ist die Grundlage der sittlichen Reinheit des jüdischen Hauses, das sich heute tvohlthuend durch Sittenstrenge selbst von vielen germanischen Häusern unterscheidet. Die Weiber, die ihre Tugenden und Reize zur Schau tragen, die mögen Jüdinnen sein durch Zufall der Geburt, jüdische Frauen sind cs nicht! Sie wollen es auch gar nicht sein.... Jüdische Frauen bethätigen ihre Wohlthätigkeit i m Stillen. Es waren germanische Fraiten, die diese Art Wohlthätigkeit, wie sie heute die „Ostdeutsche Rundschau" mit Recht verurtheilt, eingeführt haben. Germanische Feste waren es. ans denen die „Schnorrerei für den guten Zweck" m Schtvnng gebracht wurde; die jüdische Wohlthätigkeit ist immer im Stillen geübt worden. Das möge die „Ostdeutsche Rnndschan" in Betracht ziehen, meint sie wieder einmal das Bedürfnis fühlt, um einiger aufdringlicher Weiber das Judenthum, Zion und die jüdische Frau zu beschimpfen! (Indischer Volksverern.) 'Am Mittwoch den-'s. d. M. fand m unserem Vereinslocale ein Tiscnssions-Abeiid statt mit der Tagesordnung „Der Einfluss der 'Abänderung der §§ 59 und 00 der Gewerbe-Ordnung auf die 'Agenten und Hausierer". Nachdem Herr L ö w e n s o h n mit einigen Worten die Discnssion einleitete, stellte sich Herr Stern als 'Experte in der Handelskammer bei Durchberathung dieses Gesetzes vor und besprach dieses monströse Gesetz auf das gründlichste. Er zeigte uns an der Hand sehrdrastischer Beispiele, melch ungeheuren Schaden die Durchführung dieses Gesetzes einer großen Menge von 'Agenten zufügen würde, ernannte von Wien allein circa 20.000, ohne das Gewähr dafür vorhanden sei, dass damit den wirklichen kleinen Kauslenteii, denen man helfen wollte, auch geholfen wird. Redner kommt zum Schluss-, dass auch mit der Schaffung dieses Gesetzes nicht die Absicht verbunden ivar, dem Bolle zu Helsen, sondern bloß das alte Spiel sich hier wiederholt, eine Bolksschichte gegen die andere auszuspielen, um sich nur länger am Ruder zu erhalten. 'Nach diesem Redner sprach Herr Dr. L a n d e s de r g e r der das Gesetz als fpeeiell gegen Ratenhändler gerichtet betrachtet und den Jüdischen Volksverein auffordert, zu dieser Frage, die soviele Juden in ihrer Existenz bedroht, Stellung zu nehmen. Herr Dr. Liscsis ist der Meinung dass ein derartiges Gesetz gar nie erlassen werden kann, iveil es absolut unhaltbar ist, es zeige nur, dass es vom dümmsten .. . von Wien verfasst wurde und von keinem Juristen, sollte es jedoch trotzdem erlassen werden, so werden sich bei Durchführung desselben so viele Widersprüche ergeben, dass es daran von selber zitgrunde gehen muss. Z. B. zwischen Bedarfs- und Handelsartikeln wird die Entscheidung sehr oft unmöglich zu treffen sein; das Verhalten der Productiv- und Eonsum-Geiwsseiischaften zu den Privatkunden, wird schwer controlierbar sein; kurz, er hofft überhaupt, dass der Entwurf nicht Gesetz werden wird. Noch sprach Herr Strauß über den Geist und die Handhabung dieses Gesetzes, worauf Herr Pilpel namens des „Indischen Volksvereines" erklärt, dass der Verein es für seine Pflicht erachtet, überall, wo jüdisches Interesse bedroht oder geschädigt wird, mit der nothigen Energie einzntreten, und dass er gewiss auch in diesem Falle nach reiflicher Erwägung diejenigen Schritte Vorkehren wird, die unseren in ihrer Existenz bedrohten Volksgenossen von größtem Nutzen sein werden. Zum Schlüsse interpellierte Herr Skä l la die Vereinsleitnng, welche Schritte sie zu thnn gedenke, um die Folgen des geschlossenen Mazzes-Eartells für die armen Juden zu paralysiren. Auch hier, antwortete Herr Pilpel, werde der Verein in seiner nächsten Ausschusssitznng die Sache berathen und gewiss das Geeignete veranlassen. Hierauf wurde die Aersaniinliliig geschlossen. (Jüdischer Volksverciu.) Mittivoch den 4. April 1900, 8 Uhr abends, findet im Vereinslocale, 1l. Haasgasse 8 (Untere Augartenstrasre 19), ein freier Discussions-Abend statt. Tagesordnung : „D i e a l l g e m e i n e L a g e des Handwerkerst a n d e s". Referent Herr Dr. Paul W e i s e >1 g r ü n. Mit anschließender freier DiScnssion. Hierzu werden sämmtliche Mitglieder eingeladen. Gäste, auch Damen, willkommen. (Jüdische Vereinigung von Handelsangestellten „Jordania"). Daselbst besprach Herr Epstein, Obmann der Verbindung, am Samstag den 24. d. M. abends im Vereinslocale „Zion" des II. Bezirkes die kürzlich erschienene Broschüre des Rabbiners Dr. 5)1 0 f e n m a n n ans Floridsdorf, der selbst zugegen ivar. Referent stellt auch des Autors Motto von Goethe: „Warum sucht' ich den Weg so sehnsuchtsvoll, wenn ich ihn nicht den Brüdern zeigen soll?" an die Spitze seiner Auseinandersetzung und resumierl die Punkte, in denen er dem Verfasser der wichtigen Broschüre beipflichtet. Dagegen bezweifelt er, ob durch Entgegenkommen und Reserve auf unserer Seite in pimotci Religion und nationalen Fragen eiil Erfolg winke. Eine passive Abwehr der vielseitigen Angriffe wirke zu ivenig, vielmehr müsse eine offene und energische Vertretung der jüdischen Interessen aus dein .Kampffelde der' Politik allmählich zum erwünschten Ziele führen. Bei der hierauf folgenden lebhaften Discnssion hob Herr Lederer die Schwierigkeit hervor, im politisch-wirtschaftlichen Kampfe aus eigenen Füßen zu stehen. Selbst ist der Mann, und auch em ganzes Volk kann nur durch Selbsthilfe bestehen, sei es mit oder ohne Zionismus. Herr N e b e n zahl bespricht jene Partie der Monographie, welche auf den derzeitigen Religionsunterricht sich bezieht. Herr O p p e n h e i m stellt die These auf, dass Zionismus und jüdisch-ivirtschaftliche Volkspartei getrennt isiarschieren, vereint den Gegner schlagen müssen; besonders aber schädige das Zuströmen der rumänischen Inden nach Oesterreich die materielle Lage der einheimischen, und sei daher die Eolonisation als ableitendes Ventil für die Nebervölkernng zu begrüßen. Ferner wäre die nationale Solidarität, das jüdische Selbstbewusstsein zu fördern und besser zu pflegen durch gegenseitige Hilfeleistung und die Eroberung derCnltusgeineinden durch Männer unserer Richtung anzustreben. H. Grün lässt der Broschüre Gerechtigkeit widerfahren, bedauert jedoch, dass die Collegialität irnter den Rabbinern viel zu wünschen ließe. Rabbiner Dr. Rosen m ann repliciert in ruhig-sachlicher Weise auf sämmtliche Entgegnungen und hebt namentlich die geschichtliche Thatsache hervor, dass auch nach Abschluss des babylonischen Exils unter Esra und Nehemia viele im Exile zurückblieben, sich aber gleichwohl als gute zionistische Juden fühlten und an religiösem Sinne sich nichts vergaben; — ebenso involviere es keine nationale Zurücksetzung, wenn man sich eine gewisse Reserve aus politisch-praktischen Gründen nuflegt, oder gar Freundschaftsbündnisse schließt, wie es ja auch die Mächte und Mächtigen thnn. Genosse Weißberg er sprach noch in auft'lärender Weise zum Gegenstände, wie die jüdische Eigenart zu wahren und die gegnerische abzuwehren sei, und in sväter Stunde schloss Herr G r 0 st die gutbesuchte Versammlung mit dem Danke an Dr. Rosenmann. —n. Tempeleirrwiühmrg. Am 3. April d. I. wird um halb 10 Uhr vormittags die Einweihung des jüdischen Tempels in Hohenau vorgenvmmen. Das Festprogramm der vom Wiener Chewra-Kadischa-Verein veranstalteten Feier ist folgendes: 1. Ma tautuu. 2. Weihereden Sr. Ehwürden unseres Herrn Bezirksrabbiners Dr. S. G e l b h a u s und Seiner Ehrwürden Herrn Bezirksrabbiners Dr. M. 5)1 0 s e n m a n n ans Floridsdorf. 3. Anzünden des ewigen Lichtes. 4. Psalm 00. 5. Kaisergebet. (>. Volkshymne. Der Te mp elfeier geht voran die Ueberführung der heiligen Thorarotten in das Gotteshaus, wobei der Psalm XXIV. gesungen wird. Sämmtliche Gesänge werden vom Herrn I. Schleifer, O b e r c a n t 0 r in Floridsdorf, unter Begleitung eines Männerchores executiert. Abends 8 Uhr wird in Martin B a it n e r s Zaallocalitäten eilt Tanzkräiizchen abgehalten. (Mutinve.) DerVerein„Ferienheim" veranstaltet am 8. April im Theater an der Wien eine interessante Matinee. Es wird Nestroys „Lnmpacius Vagabundns" anfgeführt. Vormerkungen für Logen und Sitze nehmen die Präsidentin des Vereines, Frau Sophie G r ü n f e i d, l„ Schotcenring 4, und die Vicepräsidentin Frau Dr. Fialla, 1., Schottenring 24, entgegen. W. (Masken Redonte deö Humanitä en Vereines „Rndolfsbund.") Der „Rndolssbund", einer der größten Vereine zur Forderung humanitärer Zwecke (Bekleidung armer Schulkinder) steht im Renoniiin'', animierte Tanzfeste abznhalten. Samstag den 17. März fand im Hotel „Bayrischer Hof" eine Masken-5)ledoute dieses Vereines statt, deren Erfolg nichts zu wünschen übrig ließ. Eine reiche 'Anzahl eleganter und origineller Masken hatte sich eingefunden und der große, dichtgefüllte Saal bot ein farbenprächtiges Bild. Einen besonderen Reiz des Festes bildeten die Eonenrrenzpreise, zu ivelchem Zwecke drei wertvolle Gold- und Silberpreise für Damen, drei Flaschen Champagner für Herren gestiftet wurden. Den ersten Dameupreis erhielt Fräulein Emma E n g e l (Spanierin), den ziveiten Fräulein Mizzi Bubesd i n g e r (Znavin), den dritten Fräulein Gisela Weist (Griechin). Ansz'eichniliigsivürdige Masken ivaren unzählige in den prächtigsten Costümen, wir wollen nur einige hervorheben: Fräulein Rosa Seusky (Griechin), Josefine Pollak (Phantasie), Frieda Warkany (Schneeballen), Gisela Fried mann (Harlekin), Silta L i e b r e i ch (Dirndl), Caroline Neuron, Jenny P ö ck, Iva Sonnen feld (Spanierinnen), Frau Sonnenschein (Frau Doctor); ferner Dominos in den buntesten Farben und viele andere. — Die Herrenpreise erwarben die Herren Richard L i e b e s n y, artistischer Leiter des Vereines, der das Tanzarrangement besorgte, G l a n z und Riss e l. Die Musik der Tiroler Kaiser-Jäger spielte ihre flotten Weisen bis in die Morgenstunden, es herrschte das fröhlichste Treiben, nur ungern schied man vom „5llndolssbund". Das Fest hat dem Vereine einen ansehnlichen Reingeivinn für den Kinderbekleidungsfond zugeführt.

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