Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 12 (23.3.1900)
- Date
- 1900-03-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 23. Mürz 1900 Nr. 12 Seite 3 Polnaer Mord erscheinen l«sien, welche die Resultate fort- Hksetzter Studien über diese Affaire enthält und von größter Bedeutung ist. In der Borrede des Werkes sagt der Verfasser: „Die Antisemiten sehen im Polnaer Verbrechen die stärkste Bestätigung des Ritual-Aberglaubens. Das hat mich bewogen, den Polnaer ProcesS nach allen Seiten genau zu überprüfen, und das Resultat der Prüfung lautet: das Polnaer Verbrechen ist kein Ritual-Verbrechen, im Gegentheil ist es ein schlagender Beweis dafür, dass der Ritual-Aberglaube in der That im vollsten Sinne des Wortes ein Aberglaube ist. Dieser Aberglaube ist eine Schmach der Zeiten, eine brennende Anklage des osficiellen Christenthums, die offene Thüre alles übrigen Aberglaubens, die hohe Schule nationaler und socialer Verblendung und Gewaltthätigkeit." Die einzelnen Capitel der Broschüre lauten: 1. Ein neues Gutachten der Polnaer G e r i ch t s ä r z t e. 2. Ein Beispiel anatomischer Philologie. 3. Die angebliche Ausblutnng der Leiche. 4. Zeit und Ort des Polnaer Verbrechens. 5. Zur psychologischen Motivation des Polnaer Verbrechens. 0. Die logische Constrnctiou der Schuld des Angeklagten. (Schlusswort.) Beilage: Der Text des gerichtsärzllichen Obductions-Protokolls und Gutachtens. Der „Kikeriki" als Schnellphotograph. Das Witzblatt, das vom Schöpfer des Charakterstückes: „Einer von Unsere Leut'" auf den Herrn Fritz Gabriel gekommen ist und in der Besudelung der Juden stets das Höchste leistet, hat einmal seinen Codak auf seine eigenen Leute gestellt. ES brachte kürzlich zwei Bilder: Das erste Bild ist Herrn Adam M ü l l e r - G u r t e u b r u n n, dem Director des Jubiläums-Stadttheaters, gewidmet. Es zeigt eine arg zerschundene, auf Krücken gehende Frauengestalt, die auf die Frage, wer sie so zugerichtet habe, erklärt, sie sei der „gute Geschmack" und komme vom Währinger Stadttheater. Im Hintergründe sieht man diesen antisemitischen Musentempel, auf dessen Balkon breitspurig „Kasperl", Aberglaube" und „Brutalität" thronen. — Das zweite Bild feiert den Abgeordneten Leopold Steiner als begeisterten Kämpfer für die armen Kohlenbarone. Der edle Ritter deckt im Vordergründe einen aus Goldstücken errichteten Popanz mit Schild und sehr schartigem Schwert, während im Hintergründe seine Parteigenossen einen armen jüdischen Hausierer beim Bart reißen, prügeln und — ausrauben. — Die Bilder sind zivar offenbar nur über Befehl der Herren G r e g o r i g und Schneider entstanden, die als „scharfe Tonart" dem Dr. Lueger Opposition mache, aber sie kennzeichnen doch so treffend die Qualität der Gemeinderathspolitik, dass man dem Herrn Gabriel dafür die Salvator-Medaille zuerkennen sollte. Als nächstes Bild könnte dann der dekorierte Herausgeber des „Kikeriki" in seiner Uniform, in der er stets auf der Gasse herumlänft, den Dr. Lueger anslachen, indem er dabei mit der linken Hand einen Inden erdrosselt, während die rechte bei einer Judenbank den Jnsertionsbetrag eincassiert. Chronik des Judenlhums. Inland. Wien. (Sitzung der C u l t n s g e m e i n d e.) Im Einlaufe befindet sich eine Note des Magistrates, mit welcher mitgetheilt wird, dass seitens des Ministeriums für Cultus und Unterricht dem Rabbiner Mayer Mayersohu der erforderliche Dispens ertheilt wurde und die Statthalterei gegen die beabsichtigte Bestellung des Genannten zum Rabbiner, resp. Nabbinats- Assessor nichts einzuwenden hat. — An Spenden sind eingelanfen: Von den Erben nach dem sel. Herrn Jgnace Ritter v. E p hr u s s i zur Fundierung der Jahresbeiträge desselben für die Armenanstalt 4000 Kr., für die Speiseanstalt 4000 Kr., für den Waisenverein 2000 Kr. Bon Herrn Julius Reitlinger für amte Schulkinder 100 Kr. Von Herrn Albert M a y e r als Gratiale für einen Snftungsbewerber 20 Kr. Durch das „Nene Wiener Tagblatt" für israelitische Waisen 20 Kr. Von Herrn Louis F i s ch l für das SiechenhauS 10 Kr. Die Dr. Adolf und Emanuel Ster n'sche Stiftung für Rigorosanten der Medicin (6 Plätze a 109 si.) wird über Referat des Herrn Docenteu Dr. G r ü n f e l d an 6 Hörer der Medicin verliehen. Zu Juroren für die Ignaz B l u m e n f e l d'sche Widmung für Bildhauer werden über Referat des Vertreters Herrn Dr. M. Steiner berufen die Herren: Professor von Z u m b u s ch, Professor Kund m a n n und Professor Hellmer. Sodaitn wird eine große Zahl von Personalien erledigt und hierauf die Sitzung geschlossen. Radttih. (Siebzig st er Geburtstag.) Den 15. d. feierte Herr S a l o m o n Treulich, Chef der Firma Brüder Treulich in Radnitz, in vollkommen körperlicher und geistiger Frische seinen siebzigsten Geburtstag. Herr Treulich war durch viele Jahre Vorsteher der hiesigen Cultusgemeinde, seit mehr als 30 Jahren Mitglied des Gemeinderathes und des Cnltusvvrstandes und ertvarb sich die Sympathien aller. Dies bezeugte seine Geburtstagsfeier, zu welcher sich außer seiner zahlreichen Familie eine große Schar Gratulanten theils persönlich, theils brieflich und telegraphisch einfandeu. Unter den persönlich Ecschieiieuell war auch der Rabbiner der hiesigeu Cttltusgemeinde Herr A. Stein u. v. a. Lemberg (M e r k w ü r d i g e s a u s B o r y s l a w.) Während der jüngsten Anwesenheit des Schreibers dieses in Kattowitz in O.-S. erzählte ihm ein dortiger hochachtbarer Kaufmann Folgendes: Im Sommer 1899 traten die Kaufleute L. Alt m an- Kattowitz, G o l d st e i n - Beuthen u. m. a. zu einem R e t t n n g s - C o m i t 6 für die unglücklichen Boryslatver jüdischen Arbeiter zusammen behufs Arbeitsschaffuug für dieselben im schlesischen Kohlenrevier. Die uneigennützigen j Männer, zu deren Herzen der Nvthschrei ihrer Brüder aus' der Ferne gedrungen war, erwirkten u. a. bei der „Ferdinands- Grube "-Kattowitz für eine größere Arbeitergruppe aus Boryslaw' dauernde Beschäftigung bei höchstmöglichsten Löhnen, ferner ein separat liegendes Wohnhaus für sie, ausdrücklich zugestandeiie Einwilligung auf Samstags- Heiligung bei Compensiernng durch Sonntagsarbeit, leicht zugängliche Beschaffung von Koscherfleisch und -Speisen tmd endlich Zustimmung der Grubenleitung zu den von beti übrigen nichtjüdischen Arbeitern getrennten Schichtarbeiten derart, dass die Bvryslawer mit den deutschen Arbeitern in gar keine Berührung zu kommen brauchten. Nach den mühevoll dnrchgeführten Maßnahmen, die nur dem eisernen Ernste jener Edlen zuzuschrciben sind, und nach Aufbringung eiites anselmlichen Geldbetrages für die Bestreitung der Reiselüsten unter den Comitemitglieder selbst (derselbe wurde über Vermittlung eines Wiener jüdischen Blattes dem Ortsrabbiner in Boryslaw überwiesen) vcranlassten die Herren einen dortigen Gruben-Jnjpector, einen gewissen G., »ach Boryslaw zwecks Ausmusterung des Arbeitc-materials zu gehen, der Empfehlungen seitens der Ritter v. Gnttmann schen Grnbendirection mitnahm. Allein Herr G. kam bald wieder iln verrichteter Dinge heim, schilderte btc Bvryslawer Arbeiter in einem nichts weniger als günstigen Lichte, ihnen jede Lust zur G r u b e n a r b c i t ü b erbau p t a b s p r e ch e u d. Ferner sollten sie seinem Dafürhalten gemäß derart rigorose Bedingungen und Anforderungen gestellt haben (u. a. dass die von G. als unfähig ausgemnsterten Leute nach Schlesien eventuell mitgehcn müssen), dass G. die ganze Lust vergieng. Endlich sollten sich mehrere zur Arbeit in Kattowitz bereits angetretene Bvryslawer Arbeiter nach einigen Tagen wieder ungesehen aus d e m S t a n b e gemacht haben! Soweit die autorisierte Schilderung meines Freundes. Ich vermochte angesichts dieser Thatsachcn gar nicht genug zu staunen; ja, die Geschichte beherrschte mich und ich gewann den Eindruck, eine Mar gehört zu haben, zumal hinlänglich bekannt rst, dass sich die Bvryslawer Arbeiter stets den schwierigsten Arbeiten und Gefahren gegen Minimallöhne aussetzten, bis ihnen die neuen galizischen Bergvvrschrifteil auch dieses harte Brot entzogen hatten. Es liegt daher die Vermuthnng auf der Hand, dass der Delegierte Herr G. von den Arbeitern feindlicher-, beziehungsweise concurrenzlicherseits tendenziös unterrichtet worden sei, oder er war mit den uninteressierten Fachleuten überhaupt nicht in Fühlung getreten, sonst müiste G. ein entschieden günstiges llrtheil gewonnen haben. Nun haben sich die Verhältnisse in der „Ferdinands-Grube" bislang nicht geändert, Arbeit und Beschäftigung ist nach wie vor da, Wohnhaus und Zngeständnisse stehen den Boryslamer Arbeitern wie zuvor zur Verfügung. Sogar das nötyige Reisegetd wird, da das früher aufgebrachte bereits von den Arbeitern verzehrt sein dürfte, von den edlen Männern wieder zusammengebracht werden, wenn sich die Drohobyczer uneigennützig führenden Herren für die Sache ihrer Brüder interessieren und mit den schlesischen Herren zur Wiederaufnahme der Action in Verbindung treten wollten.... Ausland. Berlin. (Die Aufnahme jüdischer Kinder i n h ö h e r e P r i v a t - M ä d ch e n s ch u l e n.) Das Provinzial-- Schulcollegium hat dem Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde ans dessen Beschwerde über die Schulvorsteherin Fräulein D ö r st l i n g, die Kinder jüdischer Ettern nur unter der Bedingung anfuehmen will, dass sie an dem christlichen Religionsunterrichte theilnehmen, mitgetheilt, eine Verordnung des Cnltusministers habe die betreffende Schulvorsteherin angewiesen, dass nichtchristliche Kinder in Zukunft weder an den religiösen Andachten, noch an dem evangelischen Religionsnuterrichte theilnehmen dürfen, falls dies von den Eltern nicht ausdrücklich verlangt wird. — Wir verzeichnen diese Thatsache mit Genugthuung, obwohl sie eigentlich in einem Rechtsstaate selbstverständlich sein sollte. In Preußen muss man sich jedoch heutzritage auch über Selbstverständlichkeit freuen. Berlin. („Abwehr.") Kürzlich fand im Saale des Architektenhauses die diesjährige General-Versammlung des Vereines zur Abwehr des A n t i s e m i t i sm u s statt, die sehr zahlreich besucht war. Den Vorsitz führte Herr Archivar Dr. Winter, unter den Erschienenen sahen wir unter anderen die Abgeordneten Barth, Rickert, Ernst, P e l t a s o h n, P a ch n i ck e, ferner Delegierte aus Frankfurt a. M., Hannover, H i l d e s h e i m und vielen anderen Städteri. Herr Rickert, sowie der Schatzmeister Herr Jordan, der den Geschäftsbericht erstattete, führten lebhafte Klage über die Lauheit der Mitglieder, von denen viele, besonders Inden, in den letzten zwei Jahren ausgetreten seien, weil sie ans dem Rückgänge des Radau- Antisemitismus auf einen allgemeine» Rückgang des Antisemitismus geschlossen hätten, was aber ein Jrrthum sei. Die gefährlichste Form des Antisemitismus, der die Juden noch immer von Osficiersstellen, von der Beamtenlaufbahn rc. ausschließe, der behördliche Antisemitismus, blühe nach wre vor, ttlld auch der gesellschaftliche Antisemitismus habe noch keinerlei Einbuße erlitten. Der jetzt der Gleichberechtigung der Juden gefährlichste Feind sei aber der Bund der Landwirte, der mit seinen ungeheuren Mitteln und mit seiner weitvrrzweigten Organisation viel stärker und viel eindringlicher agitiere, als dies die reinen Antisemiten in ihrer besten Zeit vermocht hätten. Auch die sogenannte Mittelftandsbewegung sei fast nur gegen die Juden gerichtet. Unter diesen Umständen könne der Verein seine Thätigkeit noch nicht eiustelleu, müsse dieselbe vielmehr mit allen Kräften, soweit dies die finanziellen Mittel gestatten, fortsetzeu. In der Dicussivn, die dieseii Ausführungen R i ck e r t s folgte, wurde allgemein die verdienstliche Thätigkeit des Vereines anerkannt, der durch die Neuherausgade des Antisemiteuspiegels und vor allem durch die „Mittheilnilgen" jederzeit das wirksame Material zur Bekämpfung der Antisemiten und ihrer verschiedenen Auswüchse liefert, durch seine Flugblätter und Schriften die Bekämpfung selbst mit Erfolg geführt hat und die wärmste Uluerstutznng verdient. Von jüdischer Seite wurde spectell betont, und zwar von sümmtlichen Rednern, sowohl aus Berlin, als aus den Provinzen, dass der „Cenlralvcreiu deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" nach keiner R i ch t u n g h i n den Verein zur Abwehr ersetzen könne, dass es vielmehr die Pflicht auch der Mitglieder des Centralvereines sei, de« „Verein zur Abwehr" beizutreten und denselben mit allen Mitteln zu fördern. London. (Die Juden im südafrikanisch e n Krieg) Die Verlustlisten der letzten Woche weisen wieeine große Anzahl von jüdischen Soldaten auf, die so d in Moloch des südafrikanischen Krieges znm Opfer fielen, '.l i-: Listen der jüdischen Soldaten, welche die englisch-jüdisc,<<>!, Zeitniigen verösfentlichen, steigen fortwährend und weisen sc: rn mehrere hundert Namen auf. Aber auch auf der Seite, ccr Boeren kämpfen viele jüdische Soldaten, und wenn die ermähnten Zeitniigeil auch hierüber nicht so genau unterrichtet sind, so haben sie doch in den letzten Wochen svcciell über die jüdischen Aerzie und Krankenpfleger bei den Boeren viel Interessantes gebracht. So ist der Director des Boeren!,vspitals bei Ladysmiüi ein Jude Dr. Albert Treu, und die „Jewish Helping Haml Society“ in Jvhannisbnrg hat eine ganze Mannschaft von ca. 30 Mann znm Krankenträgerdienst ausgebildet und an die Front gesandt. Amsterdam. (Der südafrikanische Krieg) zieht die hiesige jüdische Arbeiterbevölkerung sehr stark in Mitleidenschaft. Da die Dianiantenminen fast gar nicht arbeiten, so komnit wenig rohe Ware auf den Markt, und die zahlreichen D i a m a n t e n s ch l e i f e r e i e u sind gezwungen, Arbeiter zu entlassen, uub weil die meisten Juden sind, so trifft diese die Krisis am härtesten. Lord R o t h s ch i l d in London und Baron Alphons Rothschild in Paris habeii je 10.000 Francs zur Linderung der Noth hierher gesandt. Stuttgart. (Das Jubiläum Sontheims.) Tie Kuustkreise der Stadt Stuttgart treffen Beranlaffiing zu seltener Feier. Im Februar feierte der Nestor der Tenöre, der König des Gesanges, Herr Heinrich Sontheim, seinen achtzigsten Geburtstag und erschien ans diesem Anlasse noch einmal auf der dortigen Opernbühne. Gegeben wurde Raimunds „Verschwender" zugunsten der Bühnengenossenschaft. S o n th eim entstammt einer kleinen jüdischen Familie in Jrbenhansen. Er sang Zeit seines Lebens viel zu wohlthätigen Zwecken. W. Bukarest. (E urico F e r r i und die Judenfrage.) Das Organ der rumänischen Socialdemvkratie, die „Lumea Nona", veröffentlicht die Unterredung eines seiner Mitarbeiter mit dem bekannten italienischen Gelehrten Professor Enrico Ferri. Unter anderem fand der berühmte Mann Gelegenheit, sich über Antisemitismus, Judenfrage und Inden überhaupt, zu äußern. Die Unterredung nahm folgenden Verlauf: „Besteht in Italien eine antisemitische Partei?" „Glücklicherweise nein," sagte der Gelehrte, sichtlich erfreut, eine solche Antwort ertheilen zu können. „Was denken Sie über den Antisemitismus?" „Ich denke, dass er ein atavistischer Ausbruch ist. Der moderne Mensch fühlt noch in seiner Seele den alten Hass erwachen. Dies ist die Grundlage des Antisemitismus, welchem noch gewisse ökonomische und politische Interessen, sowie die Unwissenheit und Borurtheile eines großen Theiles der Menge behilflich sind." „Trotzdem wissen Sie, dass der gelehrte Belgier Herr Edmond Picard darin den natürlichen Kampf zwischen ganz verschiedenen Rassen sieht, wie er das näher ausführt in seinem Werke „Der Ariano — Semitismus?" „Der Rassenunterschied besteht wirklich. Niemand wird zum Beispiel die Italiener mit den Engländern veewechselu wollen. Was die Juden betrifft, so bleiben sie immer Juden, ob sie blond- oder schwarzhaarig sind. Dies berechtigt aber nicht ihre Verfolgung. Im Gegentheil, das Zusammenarbeiten der verschiedenen Raffen iist sehe gedeihlich, weil jede ihre specifischeu Fähigkeiten spielen lässt." „Aber Picard, dessen Talent und Wissen wir alle bewuuderu, behauptet, so unglaublich es scheinen mag, dass die Inden eine minderwertige Raffe sind, unfähig, selbst etwas in irgendeinem Fache zu erzellgen, und dazu bestimmt, ewig von der Ausbeutung anderer Völker zu leben." „Mein Freund Picard," meinte lächelnd Herr Ferri, „ist trotz seiner Gelahrtheit ein großer Phantast. Die Juden sollen nichts erzeugt haben? In den vergangenen Jahrhunderten haben sie sich mit Erfolg in allen Fächern hervorgethan, sovielemale ilmeu dies nicht durch Ausnahmegesetze und Verfolgungen völlig unmöglich gemacht wrrrde. In unserem Zeitalter aber haben sie so vieles und Mailnigfaches geleistet, dass, falls sich e t n neuer Nero fände, der alle jüdische n Jntellectuellen niedermetzeln ließe, dies für unsere Civilisat i o ll ein Schlag w ä r e, w e l ch e r sie um ein ganzes Stück zurückwerfen würde." „Also, verehrter Meister, Sie glauben, dass die anthropologischen Forschungen, auf denen Herr Picard seine Behauptungen stützt, keine den Juven ungünstigell Resultate ergeben?" „Elitschieden nein. Es sind Unterschiede festgestellt worden, aber dieselben berechtigen nicht dazu, dass man auf Ueberlegenhert oder Minderwertigkeit einer Rasse oder eines Volkes schließen soll."?. Crainic. Zur „Interessenvertretung". Aus unserem Leserkreise schreibt man uns: In der Wiener Cultusgemeinde wird zur Zeit um allgemeines Wahlrecht oder Interessenvertretung gekämpft. Nicht ans idealen, sondern aus finanziellen Gründen befasste sich der Cultusvorstand mit dem Gedanken, ditrch Herabsetzung des Steuereenfus „weitere Kreise zur Theilnahme an der Verwaltung heranzuziehen". Da es nun aber nicht im Bereiche