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Jüdisches Volksblatt · 1900-03-16 · 11 (16.3.1900) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
11 (16.3.1900)
Date
1900-03-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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16. Marz 1000 Seif? -1 Wie;;, Freitag Jüdische.» Volksblatt Nr. 11 ähnlichen Infamien, die unverschämtesten persönlichen Angriffe und Verunglimpfungen hinzu, so kann man sich eine Vorstellung machen von der Art deneuesten Blattede- »jüngsten Rumänien". Dabei glaubt noch dasselbe in vollem Ernste, dass in Rumänien der „Niederlassung der jüdischen Weltherrschaft" trotz Rechtlosigkeit, Ausnahmegesetzen, polizeilicher und administrativer Willkür, nicht genügend entgegengetreten wird. Zum Schlüsse sei noch beigefügt, dass die Herausgeber und meisten Redacteure des Blattes aus Ungarn geflüchtete Rumänen find, welche die Sympathie der gebildeten Welt für sich, „die unterdrückten und verfolgten Ovferlämmer der magyarischen Tyrannei", in Anspruch nehmen. Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, eines Falles Erwähnung zu thun, welchen das antisemitische Blatt selbst bekannt gibt. In einem der größten hiesigen Kaffeehäuser verlangte ein antisemitischer Besucher die „Romania Juna". Der bedienende Kellner erklärte, dass er dieses Organ nicht verabreiche, riis es in Stucke, und warf es vor den Augen des verblüfften Antisemiten ins Feuer, indem er sagte: „Man soll von keinem Juden ein Blatt verlangen, welches sich zur Aufgabe gesetzt hat, ihn und seine Stammesgenossen zu verfolgen und zu verleumden." Das antisemitische Organ ist natürlich ob dieser »jüdischen Frechheit" erbost, denn jüdisches Geld stinkt ja bekanntlich nicht, was auch zum Theile aus seinen Inseraten ersichtlich ist. New-Aork (lieber »Die Juden in der Theater wel t") bringt der »Jewish Exponent" einige bemerkenswerte, auf die Vereinigten Staaten bezügliche Notizen. Wir entnehmen dem Blatte das Folgende: Würden die amerikanischen Juden ihre Unterstützung den hiesigen Theatern entziehen, dann müssten mindestens fünfzig Percent ihre Thore schließen, und die großen Attractioncn würden ohne Unter-! nehmer dastehen. Von den renommierten Theatern, sowie von i den bedeutenderen Schaustellungen werden über achtig Percent von Juden geleitet, und 67 Percent der größeren und viele kleine Bühnen haben Juden zu Eigenthümern. Ein Kenner der Verhältniffe behauptete jüngst, dass in Chicago z. B. sechzig Percent des Theaterpublicums aus Juden bestehen, in New-Aork soll das Prrcentverhältnis ein noch größeres sein. Hingegen befinden sich unter den dramatischen Schriftstellerir Amerikas wenig Juden. Namentlich das Schauspiel weist wenig jüdische Autoren auf. Die jüdische ~ .. (Zur bevorstehenden Volkszählung in Oesterreich.) III. Die Durchführung der beiden vorgeschlagencn Anträge würde, wie wir bereits auseinandergesetzt, auf die Lage der Juden sowohl in moralisch-nationaler Hinsicht, als auch in social-ökonomischer Beziehung heilwirkend sein. Die Frage ist nur: Wer soll die besprochene Angelegenheit vor der Behörde vertreten und diese Anträge dem Ministerium beziehungsweise der Statthalterei vorstellen? Bekanntlich haben wir Juden in Oesterreich keine juridische Person, welche die Judeuschaft repräsentierte, eventuell officiell vertreten könnte, im nationalen Sinne schon gar nicht! Wir haben wohl Cultusgemeinden mit Vorstehern derselben. Ja, wir besitzen sogar seit den jüngsten Tagen einen »Jüdischen Gemeindebund", der die Jntereffen sämmtlicher jüdischen Gemeinden vertreten soll. Wir haben auch jüdisch-ökonomische und politische Vereine sowohl hier in der Residenzstadt, als auch in den größeren Provinzstädten. Aber wir zähle« die Häupter unserer Vertreter und finden unter all diesen keinen, der uns in dieser Beziehung vertreten kann und will. Unsere Cultusvorsteher selbst wollen ja nicht unsere nationale Selbständigkeit zugeben. Und diejenigen unter ihnen, die dies vielleicht ja thun möchten, sind zu schwach, um allein auftreten zu können. Oder haben wir vielleicht etwas zu erwarten von einem »Gemeindebund", an dessen Spitze ein Herr Dr. Stern steht, uub in welchem die Herren Abgeordneten Byk, Rappoport e tutti quanti das große Wort führen? Da thront die assimilatorische Heuchelei, da regieren die persönlichen, egoistischen Hintergedanken, da hält man sich an den Rockschößen der verschiedenen Nationen, da bückt man sich schweifwedelnd vor jedem nichtjüdischen Würdenträger und sucht auf Kosten der Juden einen Orden oder Titel zu erlangen. Von diesen haben wir nichts zu erwarten! Lassen wir nun unsere politischen Vereine Revue passieren, und ein trauriges Bild entfaltet sich vor unseren Augen. Galizien, ivo eigentlich der Schwerpunkt dieser Frage liegt, hat auch einen politischen Verein, der bereits über 20 Jahre existiert, den »Schäumer Israel". Aber der hat seit Jahren Herrn Dr. B y k zum Präsidenten und Herrn David M a s ch l e r znm Verwalter. Und die ganze Thütigkeit dieses politischen Vereines besteht darill, Herrn Dr. B Y k auf dem Präsidentenstuhl der Cnltnsgemeinde und Herrn M a s ch l e r als Rath derselben zu erhalten. Traurig, aber wahr. Der »Schäumer Israel" ist der erste und bisnun der einzige politisch-jüdische Verein in Galizien. Und welchen Wirkungskreis könnte er haben, wenn au seiner Spitze Männer stünden, die Herz und Sinn für Juden und Judenthum besitzen! Wieviel Nutzen und Heil könnte er den galizischen Juden bringen, wenn er wirklich seine Aufgabe ernst nähme und nicht bloß zu egoistischen, persönlichen Zwecken verwendet werden würde. Die Juden Galiziens brauchen einen politischen Verein, aber nur einen mit Männern an der Spitze, die Juden sind, Juden mit Kopf und Herz, Juden, die imstande sind, für ihr Volk auch Opfer zu bringen. Der »SchäumerIsrael" aber entspricht diesem nicht und auch von ihm haben wir nichts zu erwarten. Auch in Wien gibt eS jüdische Vereine, die, wenigstens wie ihre» Namen und ihrem Programme zu entnehmen ist, in unserem Sinne thätig sein könnten. Die »Israelitische Union" zum Beispiel — allem, schon die Benennung »israelitische" und nicht jüdische Union kennzeichnet die Tendenzen derselben zur Genüge. Es ist merkwürdig, dass die Assimilationsjuden nur „Israeliten" heißen wollen, als wenn Israelit nicht von wie Jnde von "^j-p abstammen würde. Es ist aber schon so, dass diejenigen, die ihre jüdische Nationalität verleugnen wollen, sich »Israeliten" nennen. Und von einer „Israelitischen Union" haben wir gleichfalls nichts zu erwarten! Vom »Politischen V o l k s v e r e i«", der selbst deS Namens „Israelit" sich zu schämen scheint — trotzdem er ausschließlich au# Inden besteht — haben wir in jüdischnationaler Beziehung wohl schon ganz und gar nichts zu hoffen! Jetzt bleibt nur noch die »Jüdische B o l k s p a r t e i" übrig. Diese hat die jüdische Nationalität ans ihre Fahne geschrieben. Sie interessiert sich für alle jüdisch-nationalen Angelegenheiten und wird daher aller Wahrscheinlichkeit nach auch zu dieser in R-de stehenden Frage Stellung nehmen. Allein sie ist noch zu jung, hat noch eine zu kleine Schar von Anhängern, als dass sie ihren U ternehmnngeu Macht verleihen könnte. Wenn die Jrlde» O sterreichs den löblichen Tendenzen dieser Partei Verständnis ent.,egenbri»gen und, wie sie es verdient, in Massen sich lim sie scharen würden, dann könnten wir wahrlich recht viel Ersprießliches von ihr erwarten. Sie ist fürwahr die einzige Partei der Juden Oesterreichs, die ganz jüdisch ist und welche alle jüdisch -nationalen Interessen int Auge hat. Aber wie gesagt, sie ist noch jung und die Zahl ihrer Anhänger klein. Jedoch gestützt auf den talmudischen Satz: „Dort, wo nicht die Berufenen auftreten, hat jeder die Pflicht, seinen Mann zn stellen," hoffen wir, dass die Jüdische Volkspartei unsere Anregung nicht unbeachtet laffen wird. Sie ist die einzige Partei, die diese Angelegenhett in die Hand nehmen kann und soll. L. (llliuitaifilräkr! KMsgksHs! Der Anfang des neuen Jahrhunderts sieht Oesterreich in einem beispiellosen Chaos von endlosen Wirrnissen verstrickt. Hefuqer denn je tobt der Kampf der Nationen und Parteien durch die Länder und entfesselt rücksichtslos die geheimsten, mildesten Jnstincte der Massen. Nur in einem Punkte sind alle Parteien und Nationen einig: Im brutalen Kampfe gegen die Jude n. Von allen Seiten verlassen, gesellschaftlich geächtet, wirtschastllch boycattiert. politisch rechtlos, bleibt uns Juden nur e i n Weg übrig : Der Weg der Selb st- Hilfe. Diese einzig mögliche Bahn hat der „Jüdische V o l k s v e r e i n" betreten. Der „Jüdische Volksverein" hat während der kurzen Zeit seines Bestandes durch seine erfolgreiche Thäligkeit bewiesen, dass seine auf jüdisch-volklicher Basis beruhenden Tendenzen die einzige Möulichkrut vielen, unsere Gegner mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Der »Jüdisch. Volksverein" erstrebt vor allem die Organisation der Juden Oesterreichs aus demokratischer, volklicher Basis nach dem Muster der anderen in Oesterreich lebenden und wirkenden Nationen und Parteien. Nur diese Organisation kann uns Juden in die Lage versetzen, uns einerseits nach außen hin politisch unserer Gegner kräftig zu erwehren, andererseits nach innen hin die wirtschaftlichen und culkurellen Schäden wettzumachen, die uns Assimilation und Antisemitismus zugefügt. Um dieses Ziel zu erreichen, fordert der Ausschuss des „JüdischenVolksvereins" alle Juden ohne Unterschied des Standes, die noch ein Herz für ihr Volk und ihre Religion haben, auf, dem Vereine beizutreten. Der »Jüdische Volksverein" soll die Central-Organisation der österreichischen Judenschaft werden, deren Vertretung dann gehört und auch beachtet werden wird. Der Ausschuss des „Jüdischen Volksverein". * * * Der Mitgliedsbeitrag für den „Jüdischen Volksverein" ist dem Willen und Können der Mitglieder anheimgestellt, beträgt jedoch mindestens 1 fl. — 2 Kr. jährlich. Anmeldungen nimmt das Secretariat des Vereines in Wien, II., Haasgasse 8, oder die Redaction entgegen. vnmt n ir TiwinTrTmnimnrrrrinmrT-nirmnrTOf-TTniTr'n —r"~—" ■rrrrrrriir»rrrr*,MM-irim ■■•■ni rftrmrr Aus den Organisationen. (Jüdischer Volksverein.) Mittwoch den 21. März l. I., 8 Uhr abends, findet in unserem Vereinslocale, 11., Haasgasse * (Untere Augartenstraße 1(J), ein freier Di-cussions-Abend statt, zu dem sämmtliche Mitglieder und auch Gaste eiugeladen werden. Tagesordnung: „Volksdegeneration und V olksrege neratio n." Referent Herr Dr. Signtund Kornfeld. Mit anschließender freier Discüssion. Die Mitglieder werden ersucht, sich an diesem Discussions-Abende recht zahlreich zu betheiligen und in ihren Bekanntenkreisetl fleißig zu agitieren. Die Vereiusleitung. Wien. Am Sonntag den 1«. d. M. wird der persische Arzt und Schristgelehrte Rabbi Elia Eohen aus Teheran im Betlocale des Vereines „Talmud-Thora" einen religiös-nationalen Erweckungsvortrag in reinem biblischen Hebräisch halten, wobei Prediger Grün als Dolmetscher fungiert behufs Uebersetzung der Rede ins Deutsche, die auch den Damen verständlich und interessant sein dürfte. Unser Wanderredner und Arzt, der dieser Tage in der Redaction vorsprach, spricht geläufig englisch, arabisch, türkisch, russisch — abgesehen von seiner Mutter- und Nationalsprache. In seiner orientalischen Tracht nimmt er sich stattlich aus, und seine markanten Züge werden noch mehr fixiert durch das Selbstbewusstsein eines von seiner hohen Mission für die Menschheit erfüllten Manneö. (Perez SmolenSky-Feier der „Kadtmah".) Die vorigen Mittwoch von der jüdisch-akademischen Verbindung im „Hotel Continental" veranstaltete Smolensky-Gedeitkfeier anlässlich der 15. Wi derkehr seines Todestages war durch die immense Zahl der Theilnehmenden, so dass viele keinen Einlass erhalten konnten, eine großartige nationale Kundgebung, die noch lange dem Gedächnissenicht entschwinden ivird.Vach bemofftcief(eu„Gaudenmug“ begrüßte Präses Feingold die Honoratioren und sonstigen Festgäste mit kurzer, feierlicher Ansprache und ertheilte dann dem Herrn Dr. Leon Kellner das Wort zur Festrede. Dieselbe bildete ein kleines Meisterstück in literarhistorischer Hinsicht und verdient sicherlich durch den Druck als dauerndes Denknral für den Gefeierten erhalten zu werden. Redner schildert in knappen, charakteristischen Zügen den romantischen Lebensgang des Verewigten, zugleich eine Parallele ziehend zur Lebensgeschichte Moses Mendelssohnsund die jüngsten Angriffe Rüben Brainins (in Berlin) zurückweisend. Es sprachen noch die Herren Doetor Herzl, Dr. Kahn (in hebräischer Sprache) und Dr. Wertter unter stürmischein Veifalle. Nach kurzer Pause folgten die gesanglichen Productwneu, von denen besonders hervorgehoben zu werden verdienen der von Professor Ignaz B r ü l l componierte „Psalm" Leo Rafaels und die Gesangs-Pic-cen von Professor Gärtner; nicht minder die brillanten Liedervortrüge des Fräulein R. Rottstein votl der Berliner König!. Hofoper. Zum Schlüsse wurden einzelne telegraphische Begrüßungen verlesen, deren eine enorme Zahl eingelaufen war, besonders aus der Heimat des Dichters und vom Oheim des Verewigten, Herrn Staalsrath M a r g o l i n. Die W i t >v e Smolenskys nebst ihren drei Kindern wurden von allen Seiten sreundlichst begrüßt, woran man die Popularität des Dichters erkennen konnte. (Allg. Oefterr. Fecmenvereiir.) Jin Einvernehmen mit der Ethischen Gesellschaft veranstaltet der Allg. Oefterr. Frauenverein S a nr s t a g d e n 17. M ä r z 1900 um halb 8 Uhr abends im großen Sitznngssaale des Gemeindehauses, IX., W ä h r i n g erst r a ß e-i:i, einen Vortragsabend, an welchem Frau Henriette Weiß über „Eine sociale Pflicht" (Gründung von Heilstätten) sprechen wird. In An b e t r a cht d e r B ed e utü n g und Wichtigkeit des Themas i st eine zahlreiche B e t h e i l i g u n g von Mitgliedern u tt b G ä st e n e rw ü n s ch t. (Purim-Feier.) Am 11. März fand im Saale der Ressource die Pnrim-Feier des Mädchenvereines „Moria" statt. Nebst der Einleitung, tvelche auf den Zweck des Abends hnuvies, gab es Theatervorstellung, Declamation und Gesang. Alle die Gaben wurden von den sehr zahlreichen Gästen mit großem Bestalle ausgenommen. Diese Purim-Feier gelang vollständig. Nach den Vorträgen wurde eifrig bis an den Hellen Morgen getanzr. (Coneert.) Vergangenen Samstag hatten wir Gelegenheit, den Obercantor PHUivp Klisger in einem Wohlthätigkeis- Concerte zn hören, welches vom Officierscasino im Jnvalidenhause im 0. Bezirke veranstaltet wurde. Herr Klisger sang „Die beiden Grenadier e" (S ch u m a n n), „D o m S e b a st i a n" (D o n i z e t t i) und die große Arie aus „Hans H e i l i n g". Speciell bei der letztgenannten Piece hatte Herr Klisger Gelegenheit, zu beweisen, da's er nicht nur ein ausgezeichneter Cantor, sondern auch ein trefflicher Concertsänger ist. Sein prachtvoller Baryton in Verbindung mit tiefer Empfindung kam da besonders wirkungsvoll zur Geltung. Wahre Beifallsstürme lo hüten seine künstlerischen Darbietungen. Wieo. (Grundsteinlegung.) Am 15. d. M. wurde in einer kleinen Feier die Grundsteinlegung für den neuen Tempel in der Brigittenau vorgeuommeu. Die Feier war ganz intern, da das Comilö von einer größeren Feierlichkeit abgesehen hatte. Auf dem Bauplatze wurde die Ceremonie der Grundsteinleguikg vorgenommen, w»rauf im Tempel ein solenner Gottesdienst abgehalten wurde. Herr Rabbiner Dr. Templer hielt die Festrede. Auf die kleine, aber bedeutsame Feier kommen wir vielleicht noch zurück. WittheUrmgen ans dem $ht!4fcum* (Wichtig für Invalide und Fußleidende!) Die allseits bestbekannte Firma L. Bau mann in Wien, VI., Millergasse 6, bringt eine Neuerung, welche für Fußleidende und Invalide von unschätzbarem Werte ist. Die bedauernswerten Menschen, welche entweder die Füße bei Unglückssällen im Kriege rc. verlöre» haben, oder solche, tvelche durch st'reut ft) eit nicht in der Lage sind, voit denselben Gebrauch machen zn können, werden durch einen Handbetriebsstuhl, welchen die vorgenannte Firma erzeugt, in die Lage versetzt, ohne fremde Beihilfe sich nicht tun: fortbewegen zu können, sondern ganz bedeutende Strecken zurückzutegen; so kann z. B. ein Invalide, der sonst gesmtde Hände hat, 20 Kilometer per Stunde, also nahezu soviel als ein Radfahrer zurücklegen. Derartige Stühle, die ohne besondere Anstrengung mit den Händen fortbewegt werden, sind bereits im Gebrauche und bewahren sich vorzüglich. Literatur. Josef Mareon-Karonch. Vott M a x I u tt g m a n tt. „D MeiischeiUicrz, was ist Dein Glück? Ein räthselyaft fK'oot’iu'r Und, kiium flcuritijt, bi’r(or’m:r, Untuicbucltolttr SliiflcitOlicr.'1 N>col. Lena«. Im Sotnmer des Jahres 1898 lernte ich Mareou-Baruch kennen, diesen intelligenten Zionskämpfer, der vor wenigen Monaten seinem jungen Leben ein so jähes Ende bereitete. Ich hielt mich damals in Londoit auf, als ec mich eines Tages besuchte. Sein Name war mir nicht fremd. In Italien, Bulgarien, Algier, in der Türkei und in der Schweiz hatte er Wunder der Agitation geleistet, obwohl er kaum 25 Jahre zählte. Auch vielen Verfolgungen war er bereits auSgesetzt worden; so mtlsste er z. B. infolge einer Denuncicuion der Juden von Algier plötzlich das Land verlassen. Nun kam er nach London, um die englischen Zionisten für eine nationale Zeitung zu begeistern, die er in französischer Sprache in Antwerpen herausgeben wollte; ferner brachte er den fertigen, allerdings etivas oberflächlichett Plan einer jüdischen Jnlerims- Eolonisatiou in Eyperu u. dgl. m. mit. Er fand allerdings wenig Beifall, und wenn jemand über seine Auseinandersetzungen die Achseln zuckte, so rief er entsetzt: „Sie sind eben eine Schlafmühe wie alle anderen. Ste müssen mehr radical werden. Ihnen fehlt der revolutionäre Geist." Und dann gtimmtc in seinen Angen ein Feuer auf, das mich zittern machte. Er trug eilten blonden Schnurr- und Spitzbart, eine recht schäbige Kleidung und einen alten, breitkrümpigen Filzhut. Wild sah er ans. Sein ganzes Aeußere stellte einen Spiegel der ungestümen Gedanken dar, die in seinem Gehirn wie ein freies Ross der Steppe zügellos einhersprangen. Mareou-Baronchs Gemüt offenbarte sich als ein Labyrinth von Tollkühttheit, Herzensgute und Leichtsinn. Wenige Minuten, nachdem wir uns kennen gelernt hatten, lud er mich zu einer Tasse Kaffee ein, und wir begaben uns in ein Restaurant. Tort machte er sich's bequem, uub ungeachtet der übrigen Gäste, begatt» er mit kräftiger, schöner Stimme einige 8599

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