Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1900-03-16 · 11 (16.3.1900) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
11 (16.3.1900)
Date
1900-03-16
Page
Seite 7 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2432763-2432811-2432822--0470-2434100
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tfr. 11 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 16. Kürz 1900 Seite 7 dtter zionistischen Lieder zu sinken, deren Melodie er bekannten Nusikwerken entlehnte. Alle horchten, und obwohl nur wenige den renzösischen Text verstanden, sah man's doch, wie sie ergriffen varen von dieser überwälligenden Energie des Ausdruckes und ,<m lebhaften Temperament seiner funkensprühenden Augen. Dort in London schrieb er mir aus dem Gedächnisse eine Anzahl von Gedichten auf, die sicher zu den schönsten Schöpfungen üonistischer Poesie gehören. Es wäre ein Verbrechen gegen die Heiligkeit der Dichtkunst, wollte ich versuchen, eine Uebersetzung ur Lieder zu geben. Es sei daher gestattet, wenigstens einen, und vohl den chönsten der mir bekannten Gesänge Marcou-Barouchs, m Urtexte vorzuführen. Ec hat den Titel „Ghant national. ’,'Esp6raneew und lautet: I. Judee, ö noble terre. öte ton voile noir! Cesse enfin ton deuil! revets ta parure! Dejit disparalt t-mto dcohirure De ton eoeur menrtri par le desespoir, De ton coeio' meurtri par taut de souffratice. Jud6e, o reprends l’esperancc. ir. Zion, Git6 superbe! essuie enfin tes pleurs! Iso sois plus si triste, Amante fidelo! Des preniiers amottrs ton p< uple modele, Judah te revient e» t’ofrant des fleurs En signe d’amour et de recompense, 0 Zion, reprends l’esperatice! III. Hebreu! brise ta cbai e, aussi tes no*veaux dieux! . . Ta cbalne t’abat . . . l’Idole te trornpe! Pour qui ee linceul? ces funebres pompös? Quoi! te croit-on -lonc sans vie et Sans feux? Reprends ta vigueur, ton sabre, ta lance! Ab! leprends, reprends l’esperance! IV. Guerre! Guerra sans tröve, 6clate pour Zion! Macchabi, debout! Titus est au ternple! Voici Macchabi qui donne l’exemple! Ghaignez le courroux du fier Lion! Tremblez, ennemis, devant sa vegeance! Elie, ö sonne l’esperance! V. »Debout du Jong somrneil! eveillez-vous, 0 morfs! »Bendavid eslä! d6jä le cor sonne! »De tont coin du irtoude utie voix entmine: »Debor.t, fils, debout! allons vers nos fo<*A-! »Lä flotte un drapeau de p a i x et c lew enc e, »Doux prix d’une longue esperance!« Dieser Nus nach dem Schwerte, dieses Kriegsgeschrei ist bei iMarcou-Barouch durchaus nicht affectiert. Er sprach sogar im Ernste davon, dass Palästina mit Feuer und Schwert erobert I werden müsste. Und wenn er dessen gedachte, so erzählte er stets von seinen Erlebnissen und Gefahren aus dem griechisch-türkischen! Kriege. Unter der Führung des jungen Garibaldi zog er mit der I italienischen Freischar zu den Griechen „als Zionist". „Und jeder von unseren Leuten hätte gegen die Türken kämpfen müssen," sagte er. „denn Palästina wird erst auf den Trümmern des osmanischen Reiches entstehen." Dann sang er italienische und «griechische Freiheitslieder und phantasierte sich in eine Begeisterung Ihinein, aus der aber bald wieder der Zionist hervorlugte. In seinem seiner Gedichte beginnt er: „Oui, je pars pour la Gräce. et je ne suis pas Grec . . .“ „Ja, ich zieh' nach Griechenland und Ibin kein Grieche. . ." Um Judas willen kämpfe er für das Hellenenthum. Er hatte fast alle Länder Europas und eines Theiles von Men und Afrika >,esehen, aber keines liebte er mehr als Italien, dem er viele seiner Lieder widmete. In dem Gedichte „UnZioniste & la jeune ltalie“ preist er die Schönheit des Landes und das sGlück, dort leben zu dürfen; am Schlüsse aber heißt es: „Ach, wenn Dil wüsstest, welch ein Leid Einst Deine Väter geschaffen ... Dein Herz würd' sich mit Schmerzen füllen, Du Töchter des verruchten Titus." Eine ähnliche Stimmung, ein Duett von Liebe und Gram, klingt aus dem Llede hervor, das er „l,e Candelabre au Tibre fecrit au bord du Tibre)“ bezeichnet. Er fährt aus ben Wogen des römischen Stromes und gedenkt webmüthig des Tages, da auf diesem Flusse der heilige Leuchter nach Italien gebracht wttrde. Die Stnttde sei nicht mehr fern, meint er, wo die Reste des Tempels wieder auf dem Tiber schwimmen werden, um schließlich an den Ufern des Jordan zu landen. Von echt jüdischern Geiste erfüllt sind auch das „Gliant d’un Juif“ die wunderbar melodisch klingende „Vision (Solyrne)“ und ein tiefempfundenes Gericht, das beginnt: „Je l’ai vu, ce ciel bleu ..Von den übrigen Liedern, die mir zur Verfügung stehen, sei nur noch „Le Fanzionisme* erwähnt, das einen Gedanken verherrlicht, den der Verfasser auch in prosaischer Schrift Mid Rede häufig verfochten bat. Er war ein Zionist, man könnte wohl sagen: seinem Berufe nach. Denn besonders in den letzten Jahren hatte er keine andere Beschäftigung gekannt als die Agitation für sein Ideal. Um seinen Lebensunterhalt kümmerte er sich wenig, und er litt auch an chronischem Hunger lind an Entbehrungen aller Art. Nach diesem Leben voller Roth Uiid Pein unterlag er schließlich der höheren Natur, die ihn gar unbarmherzig hinstreckte. Während er noch aus dein zweiten 'Kongresse mit der ihm eigenthümlich gewesenen Begeisterung an allen Verhandlmwen lebhaft theilnahm, war er bereits auf dein dritten Kongresse geknickt und lebensmüde und äußerte keinerlei Interesse für die Sitzungen und für den Zionismus überhaupt. In achttägigeni Marsche war er zil Friß aus Mailand eingetroffen, ohne irgendwie Spuren körperlicher Ermüdung zu leigen. Aber sein Geist hatte schwer gelitten; er war tiefsiiinig geworden utld klagte mir in seinem Wahn, dass ihn die französische und italieiiische Negierung als Anarchisten verfolgten. — Kurz nach dem Congresse hörte man, der Unglückliche habe sich in Florenz auf öffentlicher Straße erschossen.! Das iiächstemal in Basel wird man offieiell noch einmal! sein gedenken, nitd dann getätigt er in das große Heer der Verl gessenen. Vielleicht werden sich noch an anderen Orten Manu-' eripte von ihm fiitden, deren Veröffentlichung ein schönes Werk wäre. Wer seine Gedichte liest, wird ihn stets in guter Erinnerung bewahren. Er hat's durch sie verdient, der Welt, vor allem dem Judenthum, mehr zu sein, als nur eilt tvahnsittniger Selbstmörder. JÜDISCHER VOLKSVEREIN. Mittwoch den 21. März 1900, 8 Uhr abends, findet im Vereinslocalo, TT., Haasgasse 8 (Untere Augartenstr. 19), ein freier ‘Discussions-Slßend statt. — Tagesordnung: „Volks- Degeneration und Volks- Regeneration*'. — Referent Herr Dr. Sigmund Kornfeld. Mit anschliessender freier Discussion. Hierzu werden sämmtliehe Mitglieder eingeladen. Gäste, auch Damen, willkommen. Die Vereinsleitung. Unverfälschte echte Lemberger Küche Wolf Breuers Restauration WIEN, II., Kleine Schiffnasse 22 u. I!., Herminengasse 8. Ausschank von besten Hier- und Weinsorten. — Hauptdepöt von echtem .Tanower Metli. Jeden Freitag* polnische Fische. 113 —-zzzz: Mässige Preise. -..— Zahntechnisches Atelier VITUS NUKI Atelier für die Mitglieder des Lehrerhausvereincs WIEN, Döbling, Hauptstrasse (Postgebäude). Halbe Stadtpreise. Sprechstunden 9—6. UUUIIS« *niawwfruvBaKtw«uof,» Krank enfahrstüble „. Handbetriebswagen für Fussleidende und Invalide bestes Fabrica', empfohlen durch ärztliche Gapacitsiten. Separ eite Abtheilung: Fahrsfuhl-Leihanstalt. Fabrik von L. BäUMDD, k«u-fcl>r vdegiums-ln aber Wien, VI., Millergasse 6 E. Illustrierte Kataloge franco. -- -. .».vu.4<u i itTViwyinrtmriiriBMUiiua »hih i imiii ■ n mfin i Die Triester Kaffee-Niederlage C. Jacober, Wien, IX., Älthanplatz I! versendet täglich frisch gebrannten Kaffee III anerkannt vorzüglichen QualiUter, zu den fabelhaft billigen Preisen, per Kilo ä fl. 1.30. 1.50, 1.70, 1.00, 2.10, ferner rohen Kaffee per Kilo;\ fl. 1 li), 1.30, 1.50, 1.70 1.00, in Postpaketen ä 5 Kilo francc jeder Poststation. — Sparkaffee per Kilo 80 kr. ltS Pi-ft.n! i i-J wi’ dar siUKonat ttüör. le. ERSTE PRAGER •"iW**** |,£ SELCHWÄREMFAB^K! mit Datsipfbetrieb Gegründet 1860 K I fei? P R A G Gegründet $• 1869 f WIEN | h d n r i c h s g a s s c J I., Franz Josephs-Quai 3 $ --— und Adlergasse u. ——....».■ .— fe n;u!c -...rlRii iHiionuamrteo, iiuei i..irtn' rs.-^tci, c ■ •» c-.n nsseta Prager orswitgiS. (Ho) la. Wastochsonzungen, Rauehflijisch, sowie alle Sorten feinster Aufschnitte. SpecialStät: „Italiener“ (Ligge-Würste). Kochkunstaiisstellung Wien I890 grosse Medaille mit der goldenen Palme. L.i.v7a*exK5S-:-j4i». scf. Lieferant des Vereines der k. k. Staatsi beamten Oesterreichs. , - - .- - \ Reichhaltiges Lager aller erdenklichen handgearbeiteten Schuhwaren zu concurrenzlosen, auf den Sohlen . ersichtlichen Preisen. s Hoi Bestellungen genügt die Messungabo lau1 oben im Cliehö ersieht- v lieber Nmninern oder dio gowöhnlic.ho .Si lniiuuunmer. 3 Provinzaufträge werden gegen Nachnahme effectuierl und Nichtconf venierendes bereitwdligsl uingehmselit.! Mitglieder obgenaiinten Vereines erhalten b% Rabatt.? SchuhwarcBi-Etablissement „FORTUNA“ | Wien, IX., Nussdorferstrasse 0. | Tio Restauration ISIÖOR HIRSCH i« Kaffeeu. Thee- Versandt-Haus KARL PERLES Wien, XVr., Gcnndileingnffe Uc. 61, offeriert: fl. fl- \ Kilo feinst Santos- Kaffee, roh 1.10, gebrannt 1.30 Nio-lave- „ „ 1.^5. „ 1.4H „ „ „ Jamaika- „ 1.50, 1.751 „ .. „ Perl .. 1.5*0, .. 1.53 „ „ Partorico- „ „ 1.00, „ 1.90 „ „ „ Liberia- „ „ 1.50, „ 1.73 (Hirfeubotinen) Zivei belle»ige non Meson ungohlkrren Sorten enpien Uch als Misdinng iinft geben oen sein,len, kräftigten, .iromnlifche» U.iffee. I Kilo garantiert echter Sttltan-Feigcukaffee . . 33 kr. „ Malzkaffee.. .... 30 Pr. Vieser Malrknffee Ist ans dein kräfiigüen viecbrauer'Malz hergeftelll und Ist für Kinder und Magenleidende bestens zu empfehlen. fl. '/* Kilo CCljec, feinst Sonchong.1 25 l/s „ „ „ Mandarin.1.80 ‘/i „ „ „ Ningschow Congo .... 2.— '/s „ Hochfein Kaiser-Melange.3. l/s „ „ „ Mandarin Gr.mg.'-G schm.) 53.25 l/2 „ „ „ Moskauer Mischung . . 4>— ’/j „ „ „ Kar<-vanen-Pecco-Bltitc . 3.— I Liter echter, alter Jamaika-Rum.2 50 W?- Provinz - Versandt per Nachnahme ab Wien, oder gegen Vorhereinsendung des Betrages. "NL .Emballage wird nicht berechnet. Loro Wien von 5 Kilo an franco ins Haas gestellt. Kaffee- und Fergenkaffee - Kästerei mit Dampf delrieb. 118 Üßj öbel Wer gute BEiUUÜI billig kaufen will, besuche die seil 20 Jahren bestehende lVö>>d-Niederlage des Julius PHILIPP Leon Kemach's Nachfolger WIEM II., Obere Donaustrasse Nr. 61. Grosse Auswahl in Speiseu. Schlafzimmer. Nur gute Qualität. (87) ■irumw i\biam „zum goldenen Widder“ II., Taborstrasse Nr. 36 vorzügliche Küche, Lager-Bier aus den renomiertesten Brauereien. Ausschank vou Original österr. und Ungar. Weinen. Prachtlocalitäten für Hochzeiten, Diners etc. Täglich Vorstellung der besten Kunstkräfte. —-- Nach dem Theater frische Küche. -- wom:f»J’iMifi7rPTrsr>rtr.»wj»c«MM»v?ai»Jr'»roiaaiOBaB«u Bj m 1 Clavierhandlung I. Saphir J 1 (SO) WIEN, II., Praterstrasse 23. | Cafe Sfosef Schuch II., Obere Donaustrasse 47 (vis-ü-vis der Augurtenhrücko). Vier neue Seifert-Billards mit Präcisionsmantinells. Täglich geöffnet bis 3 Uhr früh, -f- Separierte Spielzimmer. — Vorzügliche Erfrischungen. <fT ° \ Muster=Säcke Anhänge=ZetteI | I j | (51) liefert billigst 1!! A. FORSTNER --- WIEN, III., Hauptstr. 72. | “M0 3 Hotei und rtaS1» Restaurant Guth Wien, II., Stefaniestrasse Nr, 6 u, 8 für Diners, Hochzeit en und festliche Veranstaltungen. ItcHtrenommierte Küche, grosse Speise-Siile und elegante Pa.ssagierziuuner. Elektrisch beleuchtet. Grosse Auswahl bester Gattungen Oesterreich., Unyar. und Ausländer Weine, Schwechater und Pilsner Biere, (85) Trotz höchster Elegance decente Preise. Reservierte Locale für Vereine u. geschlossene Gesellschaften, Fachmännische Schneiderei für QpHNFR Ä MANN * englisdie Merren-Sarderoße. ^JP Willi Li II UJPlIlll Vorzüglicher Schnitt. Exacte Arbeit. Billigst festgesetzte Preise. R v,< mmmmmmmmm mmmmmmmmm-m MWP- WIEN, I., Freisingergasse 1, Mezzanin, Eingang Goldschmidgasse 10.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.