Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 11 (16.3.1900)
- Date
- 1900-03-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 11 Wien, Freilag Jüdisches Volksblatt 16. März 1900 Seite 3 tichen Handwerker außer der Candidatenliste den Vieepräsidenten Her Cultusgemeinde, Herrn Leo Königsberg wählten, für den nicht einmal agitiert wurde, das werden Sie in Wien kaum verstehen. Ja, wir sind eben in Croatien I Wien. (C e n t e n n a r f e i e r.) Der Vorstand der Cultusgemeinde veranstaltet anlässlich der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages des gewesenen Präsidenten der Gemeinde, Gründers der israclltischen Allianz rc. Joseph R. v. W e r thei mer kommenden Sonntag den 18. d. M. eine Gedenkfeier im kleinen Musikvereins-Saale, zu der besondere Eiuladungenr erlassen werden. Prostnitz. (Ans dem Ä e m e i n d e l e b e n.) De hierortige Zweigvereiu des Zionismus, dessen Vorstand aus folgenden Herren besteht: Fritz L ö w, Präses; Siegfr. P o l l a k, Stellvertreter; A. Wechsberg. Wilhelm L ö ) e g e l d, Leo B a l l e k, Salomon S t e ck l e r, Emannel Hirsch, Arnold P o 1 l a k, machte sich zur Aufgabe, den Verein nicht nur durch gemüthllche Unterhaltungen, sondern vielmehr durch wissenschaftliche Vorträge nach jeder Hinsicht zu kräftigen und die israelitische Bcvölkerung durch den Geist der jüdischen Literatur für ihren Glauben anzueifern und sie aus ihrer bisherigen Lethargie zu wecken. Daher bewogen einige hervorragende Mitglieder unseren Kanzelredner Herrn Dr. Leopold G v l df ch ni i e d, im L ufe des Winters allwöchentlich im Musikvereinssaale einen wissenschaftlichen Vortrag zu halten. Diese Vorträge sind von tiefer Gelehrsamkeit durchdrungen, reich an sinnigen Wortspielen und gewürzt mit humoristischen Nuancieruiigen. Die letzten Vorträge behandelten die Geschichte des Juvenlhunis sert der babylonischen Gefangenschaft bis zur Entstehung des Christenthums. Dabei führt er. geleitet von großen Geschichtsforschern und Manuscripten, eine sehr scharfe Kritik und tritt mit offenem Visier gegen Nationen und Coiifessioneit ganz uiiparteiiich auf. Der nächste Vortrag wird wahrscheinlich die Euti'tehung der Mischna und des Talmud behaudelu. Trosttzan. (Streiflichter zum Kohlenarbeiter- Strike.) Untere „Deutsche Wehr" kann noch immer nicht begreifen, dass die Inden an dem Strike der Kvblrnarbeiter unichttldig sind. Zwar ist sie schon so gescheit geworden, nicht direct zu sagen, dass die Juden an allem Schuld tragen; aber sie lässt es doch aus den Zeilen herausklingen. So heißt es in denl Leitartikel der letzten Nummer, der die oben angeführte SpitzmarkL trägt: „Die zum größten Theile jüdischen Händler haben ihre Lebensaufgabe in nichts anderem erkannt, als im Beschummeln der Arbeiter." Das ist so recht die Socialpolitik der deutichuativnalen Fabrikanten. Angesichts des in Oesterreich beispiellosen Kampfes dieser armen, degenerierten Menschen weiß das deutschnationale Intelligeuzblatt auf nichts anderes hiuzuweisen, als auf die „jüdische» Händler". Und angesichts der Noth vieler tausender elender Proletarier weiß sie keinen anderen Ausweg, als etwa ein Trunkenheitsgejetz. Ursache Nimmt sie für Wirkung und Wirkung für Ursache. Sie weiß mcht, dass nur die durch miserable Entlohnung verursachte niedere Lebenshaltung die Arbeiter dem Schnaps in die Arme wirft, und meint, dass an dem Schnapstrinken die Schnaps- Händler Schuld seien. Als ob die Händler vor der Thüre stünden und die Leute in die Buden mit Gewalt hineinzerrten. Und das macht Anspruch auf die Hegemonie unter den Völkern Oesterreichs! Leipa. (Z e r s e tz u n g.) Vor einiger Zeit spielte sich in unserer Stadt ein Vorfall ab, der deutlich zeigte, wie tief der durch die deutschnationale Agitation entfesselte Judenhass bereits in die Bevölkerung eingedrungen ist. Unser priviligiertes Schützencorps veranstaltete einen Unterhaltungs-Abend, verbunden mit Tanzkränzchen. Es ist dies fast die einzige Corporation der Stadt, die noch nicht „judenrein" ist. Demgemäß war auch der Unterhaltnugsabend von einer größeren Anzahl jüdischer Bürger mit deren Familien besucht. Nach den Vorträgen brachte ern jüdischer Bürger ein „Hoch" ans den Vereinsvbmann aus, das von den Anwesenden deutscher Abstammung ziemlich kühl ausgenommen wurde. Dies veranlasste eine anderes, Mitglied auf die Vereinsleitnng, sowie auf die Bestrebungen des Vereines ein „H e i l" ansznbringen. Dieses „Herl" wurde nun von den» deutschen Theile stürmisch ausgenommen. Diese gemeine Provvcation. die momentan eine Situation von nicht zu beschreiblicher Peinlichkeit schuf, winde vo>t den Juden leider nicht so beantlvortet, wie sie beantwortet hätte werden sollen. Es wäre einfach Pflicht gewesen, den Saal sofort zu verlassen. Leider thalen das wenige. Der größere Theil gab sich mit einer lahmen „Beilegung des peiiilichen Zwischenfalles" zufrieden und verblieb weiter auf dem Feste. Dass der Vorfall das Gandium unserer osfeneu und geheimen Antisemiten bildet, ist selbstverständlich. Und dass das deutschnationale Organ unserer Nachbarstadt, das „L e i t m e r i tz e r W v ch e u b l a t t" sich in Beschimpfungen, Verdrehungen und Flegeleien nicht genug thuu kann, ist ebenso selbstveritäiidlich. Das Blatt ist ja „deuftchnational". Kuttenplan. (E l u schöner Erfolg.) Was man durch Energie und Fllrchllvsigkeit erreichen kann, hat die Vertretung unserer jüdischen Gemeinde gezeigt. Die Judeu, die nur hier eine stattliche Mniorttät bilden, Hube», ihrer Anzahl entsprechend, eu> gesetzliches Recht ans eine Vertretung im Ortsschnlratoe. Als nun die jüdische Repräsentanz, gestützt auf ihr Recht, den Anspruch geltend machte, verweigerte die antisemitische Stadtvertretung die Anftiahme eines Inden in den Ortsschnlralh. Gegen diesen Beschluss murrtentr die Repräsentanz an alle zustänoigeir Behörden und gieng endlich, da sie überall abschlägig beschieden wurde, bis zum Verwallungs-Gerichtshvf. Vor kurzem uni« enl,chied derselbe, da,s den Juden ein Recht auf die Vertretung im Ortsschulrathe zustrhe und dass der Planer Ortsjchnlrath dazu zu verhalten sei, den von der Judenschaft bezeichueten Vertreter als vollgiltiges Mitglied aufznnehmen. — Es gibt also »och ein Nicht in Oesterreich, auch für uus Juden. Nur muss man es suchen. Znrawrro. (Todesfall.) Am 4. d. M. wurde der am 2. d. M. in Zurawuo plötzlich verstorbene Herr Jakob R o s e n m a n n zugrabe getragen. Der Verblichene. Vater des Rabbiners Herrn Dr. M. R o f e n m a u n in Floridsdorf, gehörte zur Zierde des Judenthnms. Der Mann war die buchstäblich identificierte Redlichkeit und Ehrenhaftigkeit. Sein Leben hat er nächst dem Erwerbe nur der Wohlthätigkeit gewidmet. Jahrelang bekleidete der Verblichene das Vertrauensamt eines Curators einer bedeutenden Stiftung. Er stand au der Spitze seiner jüdischen Cultusgemeiude als Vorsteher, war Gemeinderath und wurde vom Großgrundbesitze, welcher aus polnischer Aristokratie des Zydaczvwer Bezirkes besteht, in die Bezirks- Vertretung gewählt. Chawal al d'abdon. Ausland Berlin. (Abgeordnetenhaus.) Abg. Sänger fragt nach den Gründen, warum den jüdischen Lehrerseminarien nicht ebenso wie den christlichen die Berechtigung zur Ertbeilung des Zeugnisses für den einjährig-freiwilligen Dieilst zngestalideu worden sei. Die Bitten der Betheiligtrn sind bisher vom Cultttsmiliisterium ohne Angabe von Gründen zurückgewiesen worden. Redner vermag solche Gründe nicht zu finden. Sind die Anforderungen an die jüdischen Lehrer geringer als an die christlichen? Das ist nicht gut denkbar, zumal die Schulen unter staatlicher Aufsicht stehen. Sind die Anforderungen aber dieselben, so wirkt die Vorenthaltuug wie eine directe Zurücksetzung einer Religionsgemeinschaft gegenüber der christlichen, und das widerspricht der Verfassung. Redner kann auch nicht annehmen, dass im Cnltusministerium antisemitische Tendenzen gelten, denn in Rechtsstaaten wird nach Gesetz und Recht, aber nicht nach Sympathien und Antipathien entschieden. Will man die Juden ansschließen, so mag man auch de» Muth haben, entsprechende Gesetze zu machen. Ministerial-Directvr Kügler: Der Grund für die ungleiche Behandlung der jüdischen Lehrerseminare gegenüber den anderen liege darin, dass auf Grund des Gutachtens der Reichs-Schulcommission nur den staatlichen Schulen die Berechtigung gegeben worden sei, und das erklärt sich damit, dass die Zöglinge der staatlichen Seminare mit der Abgangsprüfnng zugleich die Verpflichtung übernehmen, jede Stellung im Staatsdienste, die ihnen Angewiesen werde, auch anznnehmen. Berlin. (Statistisches.) Dem neuen Bande des Statistischen Jahrbuches der Stadt Berlin entnehmen wir die folgenden Ziffern über die jüdischen Schüler und Schülerinnen in den Berliner Schulen im Jahre 1897 : Knaben: Es waren in den 1897 1896 1895 Gymnasien 1892 1894 1937 Realgymnasien 819 823 899 Realschulen 460 427 394 Vorschulen 930 933 901 Gemeindeschulen 1739 1702 1725 Sonstigen öffentlichen Schulen 9 10 10 Jüdische Knabenschule 612 613 608 Höheren Knabenprivatschnlen 281 330 418 Elementar-Knabenprivatschnlen 63 18 14 6805 6770 6839 Mädch en: Es waren in den 1897 1896 1895 Höheren Mädchenschulen 1704 1689 1755 Gemeindeschulen 1841 1803 1849 Sonstigen öffentlichen Schulen 2 5 5 Jüdischen Mädchenschulen 378 383 394 Höheren Privatcöchterschulen 1867 1729 1679 Elementar-Privatmädchenschnlen 144 227 214 5936 5836 5896 Hamburg. (Ein antisemitischer Ehrenm a it n.) Das hiesige Landgericht verurtheilte den antisemitischen Schriftsteller Redacteur Carl Alexander Wald, welcher am 30. Oktober des Vorjahres in Dresden, wo er sich verborgen hielt, verhaftet wurde, wegen Betruges, Urkundenfälschung und W ech s e l f ä l s chun g zu einem Jahre drei Monate n Gefängnisses und zweijährigem Ehrverlüste. Paris. (Die Juden in Persien.) In Persien hat sich allmählich ein Missbrauch verbreitet, der den zum Islam bekehrten Inden die ganze Erbichaft ihrer Eltern znweist, zum Schaden ihrer Miterben, die dem jüdischen Glauben treu geblieben sind. Bei verschiedenen Anlässen haben die Interessenten gegen diese praktische Ungesetzmäßlgk> it reclamiert. Opfer dieser Missbrauche richteten häufig diesbezügliche Bitten an den Jnstizmiuister. Es ist nun interessant, zu erfahren, dass die Regierung diese R clamativnen beachtet und im Namen des Schah die folgende Verordnung erlassen h.,t: „Eine Petition ist an Seine Majestät von der israelitischen Gemeinde eingereicht worden betreffs der zum Islam Be-, kehrten, die wl> errechtlich das ganze Äermögen des Erblassers an sich reißen; durch ähnliche Vorfälle kämen zeitweilig jüdische Familien ganz in Verwirrung. Da es nun der Wunsch Seiner Maftstät ist, dass alle Nationen im Reiche friedlich uuteiiiander leben, deshalb wird hiermit befohlen, dass in Zukunft, ivenn ein Israelit stirbt, es nicht den zum Islam Bekehrten gestaltet ist, die verwandten Israeliten zu benachiheiligen, indem sie sich für die einzigen Erben der Güter des Veistorbenen ei klären und diese zu ihrem Vvrtheile an sich ziehen. Sie müssen alles daran s'tzen, diese Ansschreitnngen gegen die israelitische Nation zu verhüten." Algier. (Ein Friedensbote.) Bei der Enthüllung der Statue des Erzblichvfs Lavigerie in Biskra in Algier jagte der Bischof G a z a e, o l von Constantine: „Kerne Trennung, kein Rasseukampf mehr! Lasset uns in Frieden leben, ohne Unterschied der Abstammung und des Glaubens. Lasset uns znsammxir arbeiten, um Frankreich groß, Algier wohlhabend zu machen. Die Wahrheit, die Civilisatio» das Recht und die Freiheit sollen siegen!" London. (Neuestes v o m K r i e g s s ch a u P l a tz e.) Die Verlustlisten der letzten Woche zeigen wieder eine große Anzahl von jüdischen Soldaten, die dem Moloch des südafrikanischen Krieges zum Opfer fielen. Der Gemeine O. Greenmann von den ersten Dragonern wird seit dem 12. Februar vermisst. Am 18. Februar wurden bei Paardesb e r g verwundet die Gemeinen F. Waarman und H. Heirgold vom West Riding Regiment, S. Barnard vom Essex Regiment, Goldmark vom Kitchener Regiment, I. Spiers von den Argyll and Svutherland Highlanders. Am 20. Februar wurde bei L a d y s m i t h der Gemeine 1. Aaron von den Royal Füsiliers verwundet und am 23. der Gemeine B. Bettlehim vo» den Buffs getödtct. Die Liste der jüdischen Soldaten, welche die englisch-jüdischen Zeitungen veröffentlichen, steigen fortwährend und weise» schon mehrere hundert Namen ans. — Der Lord al) or von Belfast Otto I a f f e hat von der Königin von England die R i t t e r w ü r d e erhalten in Anerkennung der großen Dienste, welche er und seine Frau bei dem patriotischen Werke der letzten Monate geleistet haben. Besonders die Geldsammkllngen sind vo-i dem Ehepaare nngemei» gefördert worden, allein für den südafrikanischen Flüchtlingsfonds wurden durch ihre Vermittlung mehr als 170.000 Mark zilsaminengebracht. Petersburg. (Jüdische Advocate ».) Die Vereinigung der Advocaten von St. Petersburg hat jungst einen Bericht über ein Gesetzesproject veröffentlicht, das die Ailsnb mg des Berufes eines Advocaten von Israeliten betrifft. Der Bericht, der über den Artikel 8 des Projects spricht und zu seinem Gegenstand hat, die Zahl der jüdischen Advocaten ans 10 Peicent der Gesammtzahl der Advocaten zu beschränken, erklärt, dass diese Maßregel kaum zu rechtfertigen wäre. Die relativ hohe Zahl der jüdischen Advocaten in gewissen Städten ist dadurch naturgemäß gegeben, dass die jüdische Bevölkerung in der Majorität ist. Was den Zuwachs der Inden unter den Advocaten in St. Petersburg angeht, so ist dieselbe eine Folge des Gesetzes, das den Juden die Zulassung in andere richterliche Aemter verbietet._ Bukarest. (A n t tj emilischer Aufzug.) Einem hiesigen anlisemilischen Blatte wird Folgendes aus Giurgevo gemeldet: „Die Nationalisten Jon F i l d e s ch, Alexandra C e t a t e a n u und Jon M o r o i u ahmten die Auswanderung der Inden nach Palästina nach, indem sie durch die Giurgewoer- Straßen zogen, in jüdischer Verkleidung und einen uni Gepäck beladenen Esel vor sich treibend. Ein großer Hansen Einwohner folgte ihnen gaffend nach. Da die Inden M>cn Kapon und Aroir Frauen eine größere Unruhe befürchteten, benachrichtigten sie die Staatsanwaltschaft, welche die manifestierenden Nationalisten verhaften liess. Unter der rumänischen Bevölkerung herrscht dieser Verhaftung wegen eine große Aufregung. Man befürchtet größere Aufstände. Die Staatsanwaltschaft hat alle Maßregeln für die Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen." Giurgewo ist eine Stadt an der Donau, welche eine ganz kleine Judengemeinde hat. Nach solchen Städten scheinen nun die Antisemiten ihre Thätigkeit verlegen zu wollen, da in den Städten nnt großen Jndengemeinden, wo der Antisemitismus noch einen Sinn halte, die jüdische Bevölkerung den nationalistischen Radaubrüdern mit „schlagenden" Argnmemen und ohne Hilfe des Staatsanwaltes die Lust zum Manifestieren vertrieben hat. —xy. Bukarest. (Ein antisemitisches Tagblatt.) Seit ungefähr zwei Monaten erscheint hier ein antisemitisches Tagblatt, „Romania Juna", d. h. das junge Rumänien, benam>et, welches, was Beschimpfung und Verhetzung anbelangt, dem „Deutsche» Volksblatt" noch vieles vorausgeben kann. Dieser Blatt hat sich zur Aufgabe gestellt, die rumänische Presse dem jüdischen Einflüsse zu entziehen, eine äußerst schwere Mission, wenn man bedenkt, dass in der gesamniteir Bukarester Presse noch nicht zehn Juden thätig find. Die Hauptaufgabe des Blattes ist aver die Verleumdung der Juden und der Kampf gegen die angebliche Uebermacht derselden. Schon sa wurde» stets die Inden für jedes Unglück verantwortlich gemacht. Die Mittel aber, mit welchen das neue Blatt arbeitet, übertreffen alles dagewesene. Ein Beispiel möge genügen: Die anttalkoholisrhe Liga Rumäniens erlä'st eine Denkschrift, in welcher behauptet wird, dass der Alkoholismus hauptsächlich zur stetigen Abnahme der ländlichen Bevölkerung beiträgt. Das neue antisemitlsche Tagblalt nützt schleunigst diese Behauptung für seine Zwecke aus, indem eS wörtlich schreibt: „Die Hanptursache des Rückganges der ländlichen Bevölkerung liegt hauptsächlich in dem Getränke, m>t dem sie systematisch von den Inden vergiftet wird..." Der antisemilische Schmock vergisst natüilich, oder thut nur so, dass in Rumänien seit mehr als fnii'zehn Jahren ein Gesetz besteht, welches seinerzeit tausende jüdischer Familien zugrunde gerichtet und zur Auswanderung gelrieben hat, und welches den Juden ausdrücklich verbietet, auf dem Lande das Schaiikivirt-Gewetbe zu betreiben. Seit mehr als fünfzehn Jahren ist also die Zaol der jüdischen Schankwirte ans dem Lande auf ein Mlnimniil rednciert, welches zur ungehenreii Zahl der christlichen, rumänischen Schankwirte in einem Verhältnisse wie zehn zri tauiend steht. Die Vergiftnng der Bauern mittelst Spiritus und Vitriol wird also von rechtgläubigen Christen betrieben, und zwar in viel intensiverer Weise, als es cmcp blich die Inden gethan haben, beim nach den spärlichen stalistischen Daten, die zur Verfügung stehen, hat in dem letzten Iaht zehnt die Bevölkernngsbewegiing ein stetiges Sinken aufzuwetsen m einer Proportion, der gegenüber die betreffenden Zablen vor Erlass des oberwähnten Ausnahmsgesetzes bedeuinngslos werden. Aber zur Vernetzung der royen, ungebildeten Bevölkerung sind solche Märchen wie Biuttnenvergifrung, Bianntweinvergiftnng u. s. w., deren die Inden beschuldigt weiden, gut genug, umsomehr, als man ja die christlichen, rumannchen Schankwirte. welche berufe» sind, das Gros der kräftigen anti,emltlschen Partei abzngeben, nicht vor den Kopf stoßen darf. Fügt man zu dte,er und