Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 11 (16.3.1900)
- Date
- 1900-03-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volkstileti 16. Mftre 1900 Nr. 11 3'^ •ä,' •;., ISI, wegen gerichtlich verfolgte, wurden bekanntlich freigesprochen). Nun verwandelt sich Pater S t o j a l o w s k i in einen hartnäckigen Judenfresser, er bekommt ein Reichsrathsmandat, schließt die Waffenbrüderschaft mit der ruthenischrussophilen Clique, macht gemeinsame Sache mit seinem einstigen Todfeinde, dem russophilen Blatte „Haliczauin". Die aussterbende ruthenisch-rnssophile Clique regt sich nun, verwandelt sich in eine antisemitische Partei und hofft jetzt neue Hilfstruppen zu bekommen von Seite der Judenfeinde aller Schattierungen. Man agitiert nun in verschiedenen Richtungen mit verschiedenen möglichen und unmöglichen Mitteln. Das kommt der russophilen Partei sehr leicht, da sie eine sehr gut situierte, von der russischen Regierung erhaltene PressezurVerfügtlnghat. Die antisemitisch-russophile Partei hat auf die italienische Weise eine „Maffia" gegründet, die ein journalistisches Räubergewerbe betreibt. Vor allem denunciert man nach allen Seiten, bezeichnet alles als jüdische Jntriguen u. s. w. Wenn aber ein Gegner der russophilen Clique keineDenunciationenfürchtet, beranbtlnan ihn derEhre und guten Rufes. „Haliczauin" — dieses Sudelblat! par excelionee — veröffentlicht dann die niederträchtigsten Pasquilles und Insinuationen, um die Leser zu überzeugen, dass alles, was nicht antisemitisch ist, von den Juden bestochen sein muss. So weiß z. B. ein sehr würdiges Mitglied dieser journalistischen Räuberbande aus Wien — welcher seine Elucubrationen mit den Buchstaben „Dr. L." zeichnet — immer etwas Interessantes zu berichten. Unter anderem erzählt er, dass ein ruthenischer Journalist in Wien ein sehr gutes Stipendium von der „Alliance Israelile“ bekommen hat. Den Namen nennt er natürlich nicht. Sein Erzühlungstalent geht aber noch weiter. Er berichtet von einem Wiener ruthenischen Journalisten, der angeblich trotz seiner Meinung, Dreyfus sei ein Gauner, „das Schicksal der angeblich vor Hunger sterbenden jüdischen Wucherer in Galizien beweint und ein jüdischer Secretär (in Wien) ist, als wenn er das Andenken des verstorbenen Erzbischof- Cardinals noch mehr besudeln wollte". (Der Cardinal hießj Sembratowycz.) In diesem Falle meint er zweifellos mich,^ er nennt den Namen allerdings nicht, denn sonst könnte ich! ihn bloßstellen, da alles, was er sagt, eine Lüge ist. Ich! bin nicht der Meinung, Dreyfus sei ein Gauner, und habe! diese Meinung nirgends geäußert. Im Gegentheil — bis 1 I'ur Revision des Dreifus-Processes glaubte ich fest an die Inschuld des Verurtheilten und schrieb in diesem ^Sinne Manches. Die Revision brachte — nach meiner "Anschauung — keinen positiven Beweis der Unschuld, wohl aber auch keinen positiven Beweis der Schuld des Capitäns. Angesichts dessen ist die Verurtheilung allenfalls nicht legal, denn das Gesetz verlangt nur einen positiven Beweis der Schuld des Angeklagten. Diesen Gedanken habe ich unter anderem im Feuilleton des Tagblattes „Dilo" (Nr. 267 vom vorigen Jahre) sehr deutlich ausgesprochen. Wenn jemand aber wirklich von der Schuld des verurtheilten Capitäns fest überzeugt wäre, so ist noch kein Grund vorhanden, um Antisemit zu werden — ebensowenig kann man alle Arier für Schufte halten, deswegen, weil „Dr. L." ein ehrloser Pasquillant ist. Ich habe niemals „das Schicksal der angeblich vor Hunger sterbenden galizischen Wucherer beweint" — im Gegentheil, ich bekämpfe alle Wucherer, und meine ganze politische Bethätigung ist gegen die Tyrannei in jeder Art gerichtet. Ich bin nie in meinem Leben irgend ein Secretär gewesen, und da ich jetzt ständig in Galizien lebe, kann ich als solcher in Wien nicht angestellt sein. Das ist nur ein Beispiel für tausende. Auf diese Weise hat die russophile Clique unsere Gesellschaft derart terrorisiert, dass sich heute niemand traut, offen seine Meinung auszusprechen. Wer als Patriot betrachtet werden will, muss sich als Judenfresser benehmen. Leute, die nie im Leben Judenfeinde waren, werden zwangsweise in die Aufschrift „k'noged schem Hawaja", eine Formel, die von der kabbalistischen Lehre abstammen soll. — So sehen wir, dass diese angeblich reinen Bibeloerehrer einem Chaos von Gesetzen huldigen. Die Regel von Koscher und Treifa gilt auch in mancher Form bei ihnen. Das Fleisch eines „Ben-pkie" (das unreffe Kalb, das im Bauche des geschlachteten Thieres gefunden wird) ist ihnen als strengste Treifa zum Gewisse untersagt, hinweisend auf den Bibclausspruch „ihn (den Ochs) und seinen Sohn sollst Du an einem Tage nicht abschlachten". Da sie aber größlentheils Geflügel essen, das ihr eigener Schlächter schlachtet, und keinen Flerschhacker unter sich besitzen, sind sie angewiesen auf die jüdischen Fleischhacker; sie kaufen aber durchaus Koscherfleisch — mit der Mahnung, man möge ihnen kein Ben-pkie geben — obzwar dieses mehr kostet. Somit scheint unsere Treifa auch für sie verboten zu sein. — Vor einigen Jahren war es, dass ein jüdischer Fleischhacker einem Karailen, statt seinem Verlangen nach Koscherfleisch Folge zu leisten, ihm Treifa verkaufte. Als der Karaite das erfuhr, klagte er denselben vor deni Rabbiner der jüdischen Gemeinde. Dieser ließ den Fleischhacker zu sich rufen, worauf er sich rechtfertigte: da man die Karaiten als Nlchtjuden betrachte, glaubte er, es sei erlaubt, an sie Treifa- Fleisch zu veräußern. Der Rabbiner aber zürnte darob sehr, und verbot dies für weiter mit der Strafe — im UebertretungSfalle — den Fleischhacker seines Postens als Koscherfleisch- Verkänfer zu entheben. Die etwas gebildeteren Karaiten sind Verehrer deS jüdischen Religions-Philosophen M a i rn o n i d e s, dessen dreizehn Glaubensbekenntnisse ihnen hoch und heilig sind. Der tiefe Glaube frouuner Karaiten an eine Erlösung Israels, an eine Sendung Messias, der sie nach Palästina führen wird, hat in sich soviel Naives und Rührendes, dass man sofort auch darin jüdische Zähigkeit und jüdischen Erhaltungstrieb erblickt. Antisemitenherde getrieben. Ein classisches Beispiel bietet in dieser Beziehung der „Haliczauin" selbst. Ich habe im Jahre 1898 in einem deutschen Blatte einen Artikel veröffentlicht, in welchem ich gegen die Judenkrawalle in Galizien auftrat und dieselben als künstlich hervorgerufeu bezeichnete. „Haliczauin" brachte meinen Artikel in wörtlicher Uebersetzuug, fügte von sich eine Nnndbemerkuug hinzu, ivelche meinen Ausführungen den Beifall zollte. Woher kommt also diese plötzliche Wendung in der Taktik des russophilen Organes — warum betreibt andererseits Pater S t o j a l o w s k i (der einstige Russophob) heutzutage auch russophile Politik? Das ist eben eine große Frage! R. Sembratowycz. Protest-Versammlung. gegen die NiiSschließmtg der jüdischen Lehrkräfte vom Avancement. Die jüngsten Lchrererneniinngen haben den jüdischen j Unterlchiern und -Lehrerinnen die gewohnte schwere Enttünschung! gebracht. Cs ist wiedernm kein einziger jüdischer Lehrer avanciert. Umso schmerzlicher ist diesmal die Enttänschnng, als trotz der entgegenstehenden bekannten Erklärung des Bürgermeisters, keine Schönererianer oder Socialdemokraten anznstellen, dennoch einige ' Anhänger beider Parteien vorrückien; und das gew. Comito > der vom „Jüdischen Vvlksverein" vorigen Jahres eiiiberufenen 1 Bersaniinlnng sich nahezu ein volles Jahr hemühte, anch den jüdischen Lehrkräften ihr Recht zu verschaffen. Das gewählte Comito hat gethan, was es thnn konnte. Es hat Protest; erhoben und Recht gesucht bei allen competenten Factoren, j leider überall vergebens. Unter dem Eindrücke der letzten Er-! Nennungen hat das Comito verflossenen Dienstag eine freie jüdische Volksversammlung einbernfen, mii einerseits Bericht zu erstatten über seine Thätigkeit, andererseits aber neuerlich gegen ■ die brutale Vergewaltigung seitens der Christlich-Socialen! Stellung zir nehmen. Von allen Seiten kam der Gedanke zum Ausdrucke, bei den bevorstehenden Gemeinderathswahlen die schmähliche Roheit der Christlich-Socialen, die ihr Miithchen so an den Aermsten des Volkes kühlen, zur Sprache zu bringen und als wirksames Agitationsmiltel zu verwenden. Es tvird an der Judenschaft Wiens liegen, diesen Gedanken zur gelegenen Zeit praktisch zum Ausdrucke zu bringen. Der Vorsitzende Herr E l t b o g e n begrüßte die zahlreich Erschlenenen mit einigen kurzen und kräftigem Einleitungsworten und ertheilte Herrn Richard Rappaport das Wort zum Referate. Referent bedauert zunächst, dass alle von dem seinerzeit im „Hotel Continental" hierzu ernannten Comito veranlassten uub unternommenen Schritte behuss Abwendung des notorischen Unrechtes leider-ohne Erfolg blieben. Redner erwähnt die vielfachen Wege in dieser Richtung — so beim Söürgerincifter D r. Lueger, der den Stadtrath als einzig competente Behörde diesfalls vorschützte — ferner das Promemoria an den Statthalter, welcher lebhaft bedauerte, dass ihm die autonome Gewalt im Wege stehe; ebenso die Audienz beim U n t e r r i ch t s m i n i st e r, der seiriem Wohlwollen für die L-Hrerschaft Ausdruck gab, ohne irgendwelche positive Zusage machen zu können. Alle diese Wege waren somit ohne positives Resultat. Bei den letzten Lehrerernelinungen wurden zwar Schönerianer und Socialdemokraten ernannt und befördert, Inden aber in keinem Falle. Hierauf verliest Herr Rappaport eine Reihe statistischer Daten, die übersichtlich darlegeu, dass jüdische Lehrkräfte — von denen einzelne bereits seit 19 Jahren angestellt und in ihrer Amtslhätigkeit sogar belobt sind — dennoch ans ihrem niedrigen Gehaltsnivean belassen wurden. Redner schließt mit der zuversichtlichen Erwartung, dass bei der demnächst beginnenden Wahlcampagne durch persönliche Agitation und Versammlungen die allgemeine Aufmerksamkeit auf den so wichtigen Gegenstand gelenkt werden dürfte, um so die Möglichkeit eines besseren Erfolges zu erzielen; er appelliert endlich an alle Parteien und anständigen Leute, gegen dieses unerhörte Unrecht energisch zu protestieren, ebenso durch die Presse für die gute Sache einzustehen, unb beantragt einmnthige Annahme der vorgeschlagenen Resolution. Die Resolution lautet: „Die am 13. d. M. im Saale „Zum goldenen Widder" tagende Versammlung spricht ihre tiefste E ii t r ü st u n g über das brutale und gewissenlose Vorgehen des Wiener Stadtr a t h e s ans, der die j ü d i s ch e il U n t e r l e h r e r v o m Avancement a u s s ch l i e ß t; sie appelliert an das Gerechtigkeitsgefühl der großen O e f f c n t l i ch k e i t und beschließt, in W o r t u n d Schrift mit den s ch ä r f st e n M i t t e l n gegen dieses schreiende Unrecht a n z u k ä m p f e u." Dieselbe wurde vom Referenten verlesen, sofort zur Abstimmung gebracht und einstimmig angenommen. Lehrer A n f w e r b e r als Correferent vertritt den Standpunkt der Jungen und erklärt, dass von Seite der Lehrer selbst mit aller Kraft gegen das ihnen zugefügte Unrecht stets und immer wieder protestiert und angekämpft werden müsse, bis endlich dem provisorischen Unterlehrer Gerechtigkeit widerfahren werde, wie ja anch die socialdemokcatische Partei fast nur durch Selbsthilfe ihre sämmtlichen Errungenschaften erzielte. Insbesondere verweist Redner auf die vielen, an verschiedene Vereine um Hilfe in der Nvth gerichteten Gesuche, ans denen ihre Lage klar ersichtlich, der aber abzuhelfen fast nichts geschehen sei. Hofrath K a r e i s bespricht die Vorgänge im Streikgebiete iul Ostrau-Karwiner-Kvhlenrevier, sowie die Parlamentssitzung, welche sich mit diesen Vorgängen beschäftigte. Redner appelliert ebenfalls an die Versammlung, gelegentlich der bevorstehenden Gemeinderathswahlen energisch zu agitieren, um der jetzt herrschenden Partei zu zeigen, dass deren Macht thatsächlich nicht unbeschränkt sei. Redacteur Dr. Bloch erklärt, dass eine so flagrante^ fortgesetzte Rechtsverletzung einen Eidbrnch gegen die von de« Stadtgrößen beschworene Verfassung involviere und eventneA anch eine Anklage gegen die Barriörestöcke erhoben werde« könne. Es sei offenbare Lüge, wenn Lueger vorgebe, er habe keine Macht gegen dieselbe — er brauche vielmehr nur z« wollen. Es fehlt eben der gute Wille, das öffentliche Recht zur Geltung zu bringen und der Stimme der öffentlichen Meinung und des unbestochenen Gewissens Gehör zu geben. Dr. LandeSberger steht auf jüdisch - nationalem Boden. Er warnt die Juden vor jedem Anschlüsse an andere Parteien, insbesondere vor einem solchen an die Svcialdemokratie. Es sprachen nach die Herren Markus, P l a s ch k e s u. a. nt.,, die sogar die Gründung eines eigenen Vereines befürworten behufs Consvlidiernng des N'chtsstandpnnktes und Respectiernnz der Staatsgrmldgesetze durch Schaffung einer geeigneten Dienst- Pragmatik für Land und Reich. Nachdem Schluss der Debatte mit großer Majorität angenommen wurde, schließt Herr Ellbogen die Versammlung mit der nochmaligen Aufforderung, entschieden und entschlossen die gute Sache zu verfechten und zum endlichen Siege zu führen. Der Bersaminliing wohnten die Herren Hofrath K a r e i s und Dr. Bloch bei. Entschuldigt waren die Herren Abg. Wrabetz. Dr. Ofner und kais. Rath Pollak; der Cnltusvcn stand hatte es vvrgezogen, die Versummlnng zu ignorieren. Dass dieser Umstand unl-ebiames Aussehen erregte und zu offenem Tadel Anlass gab, ist begreiflich. Aus Croatierr. Von L. S. Fast in allen Ländern sehen wir den AntisenritisMils sich riesig anshreiten. Desto mehr muss man es hervvrheben, wenn sich eiii Volk findet, das naht den herostratlschen N hm des Antisemitismus erwerben will. Ein solches Volk ist das croacische, und es ist, als ob durch ein Wunder dem hässlichen Religions- und Rassenhasse ein Halt an unseren Landesgrenzen geboten würde. Anch bei uns fehlt es nicht an Elementen, die gerne nn Trüben flschen, die Juden mit ihrem glühenden Hasse verfolgen und sie aui liebsten vernichten möchten. Und wenn es nndj ewe Zeitlang schien, dass diese Elemente in der Opposition überhand nehmen werden, heute sind sie entschieden im Schwinden begriffen. Am Beginne der Landtagsjession widerrief Doctsr Potoonjak, frnh-r einer der extremsten Antisemiten, alle seine bisherigen Beschuldigungen gegen die Inden. Er habe sich getäuscht, die Inden sind auch gute Patrioten und oft bessere Menschen als die Christen. Pvtvonjak vertritt einen küstenlündlschen Bezirk, der ganz judenrein ist, also nicht Rücksichtnahme auf jüdische Stimmen ist es, sondern seine Überzeugung, wie er ausdrücklich versichert, habe ihn in einen Freund der Inden verwandelt. Nur einer ist im Landtage, der sich nach den Lorbeer« Luegers und Schneiders sehnt, der am liebsten die Inden ans Croatien bet treiben möchte; es ist der Sisseker Abgeordnete G r g a T u 8 k a n. Was sich gegen die Juden Vorbringen lässt, das timt er. Und wenn er anch Lügen gestraft tvird, tvenn ihn der einzige Jude im Landtage, Dr. Ljudevit Schwarz und Christen aller Parteien zurnckweisen, er hetzt weiter. „Hrvatsko pravo“, das Hanptorgan der r a d i c a l e n Opposition schrieb: „Hetzen gegen eine Eonstssivn als solche ist ein Beweis von Roheit und thierrschcm Haffe — und darin ist niemand größer als Tu 8 kan." Und was ihm dieser Tage vom Regiernngstische gesagt wurde, wird er sich hoffentlich merken. Tuskan griff den Sectionschef Vjeloslav Klein (mit dem Wirkungskreise eines Ministers) an, dass er mit einem Jude« namens Kalmar verkehre und sich von ihm beeinflussen lasse. Der Justizchef antwortete darauf nt nächster Sitzung:*) „Der Herr Sisseker Abgeordnete kann keine Gelegenheit unterlassen, ohne seiner Antipathie gegen die Juden Ansdruck zu geben. Er warf mir vor, dass ich mit einem hiesigen, sehr angesehenen und geehrten jüdischen Bürger verkehre. Derselbe war Jahre hindurch ntetn Hausherr und ist jetzt mei« guter Nachbar. Dass ich mit ihm reise, gereicht m i r z u r E h r e, nur was der Abgeordnete daraus folgert, dass dieser Herr im Amte auf mich Einfluss ausnbt, weise ich mit Indignation zurück. Mit wem ich aber verkehre, darin hat mich Herr T u 8 k a n nicht zu unterweisen, das ist meine Sache. Noch erivähne ich, dass ich mich r ü h m e, mit diesem Herrn zu verkehren, der, wie allgemein bekannt, viel Gutes gethan, ein Wohlthäter der armer» Schuljugend ist und bei allen Humanitären Zwecken in materiellen und persönliche« Opfern den anderen voranschreitet." Herr Edmund Kol m a r besitzt genügend Wurde», er ist einer der ersten Financiers des Lundes, Ritter des Franz-Jvsef-Ordens, Gemeinderath von Agram rc., so dass er zur Mehrung seines Ansehens solcher Worte nicht gebraucht. Doch uns allen Jrlden im Lande gereicht es zur Ehre, wen« einer der höchsten Beamten so von einem Glaubensgenosse» spricht, der unter den heimischeil Inden eine erste Stelle einlummt. Noch ein kleiner Vorfall, der die Stimmnng unserer Bevölkerung,der croatischenNation,I »den gegenüber charakterisiert. Bei den letzten Handelsknmmerwahlen waren von 16 Candidate« 8 Inden, die auch dnrchdrangen, so der Cultttsgemeiilde- Präsident Herr S i e b en s ch e i n, Herr Edmund K v l m a r rc. Das bedeutet nicht viel, denn viele Wähler sind Juden. Aber dass von allen Candidaten der OppositioneUett (fast lauter Christen) ani nieisten Stiunnen Herr Z v i j e z d i t, ein Jude, erhielt und als neunter Jude auch durchdrang, dass die christ- *) Aus dern arntlichen Stenograrnme, CXLV. Sitzung, 2. Seite, getreu übersetzt.