Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1900-03-09 · 10 (9.3.1900) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1900)
Issue
10 (9.3.1900)
Date
1900-03-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2432763-2432811-2432821--0460-2434085
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

51 Jüdisches Volksblatt 9. März 1900 Lebensjahre hat jedermann.die freie Wahl des Religionsbekenntnisses ." Dieses Gesetz berechtigt den Vater, die Flüchtige, die derzeit im dreizehnten Lebensjahre steht, an dem Religivnswechsel vorläufig zn hindern. Aber die Nürnberger pflegen keinen zn hängen, den sie nicht vorerst haben. Und diesem Spruche Rechnung tragend, will der verzweifelte Vater sein Kind vorerst wieder finden. Doch trotz aller Dementis, trotz aller Gegenerklärungen: „An der Klvsterpforte Hort die Macht der Regierung ans." Sonst wäre es doch wohl möglich, den Irrfahrten des Mädchens ein Ende zn machen, um die gewissen fünf Minuten früher zu kommen? Wäre es nicht möglich, die Speculation zu Hintertreiben, die ziemlich klar zutage tritt? Ein Jahr ist rasch um. In einem Jahre wird Michalina A r a t e n 14 Jahre alt und dann hat auch die papierne Macht der Regierung ihr Ende erreicht. Das Mädchen wird überall, wo es gesucht werden wird, nicht zn finden sein, wird gerade fünf Minuten vorher verschwunden sein und wird unterdessen alt genug werden, um sich ungehindert taufen lassen 31t dürfen. Doch das sind alles bekannte Dinge. Tie hat man bereits 311 lesen bekommen. Was mich jedoch veranlasst, das alles zu erwähnen, hat seinen Grund in einer Interpellation, die Dienstag von Graf T a r n 0 w s k i, Dr. Zoll und Genossen im Herrenhause an die Regierung gerichtet wurde. In derselben wird ans den Fall A r a t e n Bezug geuvmmen und erzählt, wie der Pvlizei-Jnspector in Begleitung eines Gendarmen und des altenA rate n ins Kloster kam, daselbst trotz Widerspruches der Oberin die Hausdurchsuchung vorgenvmmen habe, und wie — Araten „s i ch d a b e i i n l a u t e B e r w ii n s ch u n g e n gegen d i e K l 0 st e r i n st i t u t i 0 n e n ausgelassen haben soll". Gleichzeitig wird in der Interpellation ein anderer, in Krakau vorgekommener Fall erzählt, der jedoch mit dem ersten in gar keiner Beziehung steht und auch in seinem Wesen von jenem vollkommen verschieden ist. Die Interpellation schließt mit den Fragen: „1. Sind die beiden oben geschilderten Vorfälle der Regierung bekannt, und find die nothwendigen Schritte eingeleitet worden, um alle Schuldigen einer strengen und gerechten Strafe zu unterziehen? 2. Was gedenket die Regierung zu thun, um für die Zukunft ä h it-- l i ch c 11 A u S s ch r e i t u n g e 11 f a n a t i s ch e r I s r a e l i t en gegenüber den Neophyten vorznbeugen?" Die Interpellation trägt 23 Unterschriften. Die nächsteFolge derJnterpellativn könnte nnnthatsächlich die Verfolgung des A raten nach 880 St.-G.-B.(Hausfriedensbruch) sein, die eine Strafe von ein- bis fünfjährigem schweren Kerker nach sich zieht. Nun heißt es aber im 8 83: „Wenn mit Umgehung der Obrigkeit.in das Haus eines anderen gedrungen wird." Nun ist aber derAraten nicht allein, sondern nur als Begleiter der Obrigkeit im Kloster erschienen. Folglich fehlt zum Thatbestand des Hausfriedensbruches ein wichtiger Punkt. Und nun möchte ich mir die Frage erlauben: „Ist ein Vater wirklich strafbar, wenn er mit allen gesetzlichen Mitteln versucht, sein Kind sich zu erhalten, das sich doch durch den Uebertritt in eine andere Religions-Genossenschaft unbedingt entfremdet? Muss sich da nicht jedes Gefühl an sich und das Rechtsgefühl eines jeden insbesondere dagegen anflehnen, dass man hier von einer Ausschreitung eines fanatischen Israeliten spricht? Doch, „der Jude wird verbrannt." Mag er noch jo. sehr im Rechte sein, mag ihm das Gesetz auch Hilfe leisten, der Jude wird verbrannt. Noch eine formelle Kleinigkeit wäre zu bemerken, die ein eigenes Licht auf unsere „j u d e n l i b e r a l e" I 0 u rn a l i st i k wirft. Wenn im Wiener Gemeinderathe irgend einer der Herren den Vorsitzenden anfrägt, ob die Kohle für die Gaswerke noch ausreiche, so erscheint diese Interpellation in den Journalen sah es und eilte auf seinen Stelzen rasch davon. Er war der Sohn wohlhabender Eltern, er hätte können Geld in Esthers Fenster werfen und der Armen wäre geholfen gewesen, aber das hätte ihm keine Freude gemacht, er war nur dann zufrieden, wenn er den Leuten irgend einen Schabernack anthun konnte °. und so war er auch jetzt entschlossen, hier den Armen einen liebenswürdigen und anderswo den Reichen einen ärgerlichen Possen zu spielen. Er gieng zuerst zu dem Hause des Holzhändlers Jainkef Jeiteles, lehnte sich an die Hofmauer und begann von 'dem jenseits hoch aufgeschichteten Holze ein Scheit nach dem anderen herüberzuziehen und dem unten stehenden Monderisch, seinem Freunde Teitel Silberbach, zuzuwerfen. Dann kehrten sie rasch zu dem Hause, wo Esther wohnte, zurück, Laktef stieg von seinen Stelzen herab und beide schlichen bis vor Fischthrans Thüre und schlichteten das Holz vor derselben auf. Als dies geglückt war, eilte Haman rasch durch die Straßen und blickte in alle Fenster, und richtig, bei Jonathan Schmeikes, dem Kaufmann, hatten sie auf das Küchenfenster zwei große Schüsseln mit dampfenden Kuchen gestellt, und die Köchin war eben beim Herde beschäftigt und kehrte den Rücken. Schnell hatte sich Haman der Kuchen bemächtigt und wie mit Siebenmeilenstiefeln gieng es wieder zu der kleinen Esther. Jetzt schlich Mouderisch mit seinem großen Turban hinauf, klopfte dreimal an die Thüre und entfloh. In dem Augenblick, da Esther anfstand und öffnete, zog Laktef Wilna schnell die Strümpfe heraus, warf die Kuchen durch das Loch in der Scheibe hinein, verstopfte dasselbe wieder und versteckte sich dann hinter der Dachrinne. Als Esterka die Thüre öffnete, rief sie: „Tate, wir haben Holz, wer hat uns das gebracht!'' „Holz?" sprach Tobia staunend, „wer sollte uns Holz bringen? „Es hat doch dreimal an unserer Thür geklopft," fuhr Esther fort, „und wie ich öffnete, liegt das Holz da und was für ein prächtiges Holz! Darf ich das nehmen?" „Frage nicht lange, mein Kind!" „Aber es ist wie ein Zauber." Sie schichtete das Holz hinter dem Ofen ans, zerhackte eines der großen Scheite, machte innerhalb des allgemeinen Berichtes über die betreffende Sitzung, wohin sie auch füglich gehört. Eine Interpellation jedoch, die die Nerven des einfachsten Menschen in Bewegung versetzt, die die natürlichsten Rechte, die Elternrechte angreift, erscheint innerhalb des Tagesberichtes, umrahmt von irgend einem Ballberichte und dem Berichte über den Tod eines Tonristen. Und man sollte wohl denken, dass die im Herrenhanse vorgebrachte Interpellation doch unbedingt in den Bericht über die betreffende Sitzung gehöre. Doch der Herr Redaetenr hat den Fehler gntgemacht. Er hat an die Interpellation die liebevolle Bemerkung geknüpft, dass es befremdend sei, dass die PairSkammer die so ziemlich klare Affaire A raten mit einer anderen zu verwirren suche. Ja, ja! Der Jude wird verbrannt! Vom Tage. Bolksblatt-Blödsinn. Dumm und schlecht ist bekanntlich das Leitmotiv des „D e u t s ch e n V v l k s b l a t t". Dass das Schmutzblatt noch schlechter und gemeiner wird als es ist, ist wohl nicht gut möglich, dass es dümmer wird, schien unmöglich. Aber das Unmögliche ist zur Wahrheit geworden. Das „Volksblatt" vertrottelt von Tag zn Tag mehr. Unter der Spitzmarke:DieJudenfra ge unddie nationalen Parteien i n B ö h m e n, brachte das Vergani-Organ gestern einen Artikel, in dem es die drei angeblichen Strömungen unter der böhmischen Judenschaft bespricht. Diese drei Strömungen sind : die national-jüdische, das heißt also czechisch-jüdische, die zionistische und die realistische. Ist schon die Jdentifieierung von Czechisch-jüdisch und Jüdisch-national königlich, so ist das, was das Blatt über den Zionismus schreibt, geradezu zum Schreien. Nach dem „Deutschen Volksblatt" bezweckt die zionistische Strömung in Böhmen, die .... Thatsache zu erschüttern, dass die Juden ein Volk sind. Wörtlich fährt das Blatt fährt: „Gelingt es, der vom Zionismus practicierteu Formel Eingang zu verschaffen, dass die Juden kein Volk mehr, sondern nur eine Religions-Genossenschaft darstellen, so findet der Jahrzehnte alte, hundertmal widerlegte Vorwurf vom consessionellen Antisemitismus einen fruchtbaren Boden." Was soll man dazu sagen? Dergleichen Blödsinn wagt ein Wiener Blatt dem Wiener Volke aufzutischen. Man kann wirklich nur sagen: Wenn das Wiener Volk sich solche thurmhohe Trotteleien bieten lässt, dann ist es kein Wunder, dass Wien jndaisiert oder slavisiert wird. Die Landtagswahl in Lemberg hat mit dem Siege des Ministers P i e n t a k geendet. Daszhnski ist mit 1928 Stimmen in der Minderheit geblieben. Da die kleinen Leute, Christen wie Juden, für die Wahl Daszynskis eintraten, haben wahrscheinlich die Juden des Polenclub-Anhanges den Ausschlag gegeben. Diese Herren sind eben in ihrer gesicherten Position blind und taub für das Schicksal, dem sie, trotz ihrer Handlangerdienste an die Schlachta, entgegengehen. Im Landgemeinden-Bezirke B 0 ch n i a hat IN S t 0 j a l 0 wski gesiegt; mit welchen Mitteln, das lehrt die Thatsache, dass eine ansehnliche Minorität der Wählerschaft in Bochnia die Juden ausmachen. Es müssen sonach alle Kräfte für den Mann anfgeboten worden sein, der im Parlamente eine so sonderbare Rolle spielt. Es scheint nicht gerade, als ob unter der Aera des Ministeriums der Wahrheit und Offenheit die „polnische Wirtschaft" reformiert werden sollte. Dort wird lustig darauflosgefälscht. Späne, und bald prasselte im Ofen ein prächtiges Feuer und die kleine Stube erwärmte sich behaglich. Esther trocknete die Thränen. „Und hier! Was soll das bedenten, Tate," schrie sie auf, „das ganze Fenster voll Kuchen!" „Kuchen!" wiederholte der Blinde ungläubig, vor Freude bebend. Esther reichte ihm einen und beide begannen zu essen. „Noch ganz warm," sprach sie, „aber das ist ja alles wie ein Wunder." „Siehst Du, Esterka, Gott hat uns nicht verlassen," sprach der Blinde, „das ist niemand als der Prophet Elias (dieser spielt bei den polnischen Inden eine gleiche Nolle wie der deutsche Rübezahl), der hat gesehen Deine Thränen und ist gekommen, uns zu beschenken zuni Schuschan-Pnrim." „Ja, Tate, niemand als der Prophet Elias." Beide begannen zu beten. „Wenn er aber da ist bei uns und sieht unsere Noth," begann Esther, „warum bringt er mir nicht auch warme Kleider und Schuhe, zu kleiden meinen blinden Vater?" „Was brauche ich warme Kleider," rief Tobia lächelnd, „Hab' ich doch jetzt ein warmes Stübchen, aber Du, mein Kind, Du thust laufen eppes zu die Leute durch Frost und Schnee in Deinen zerrissenen Schuhen und Deinem dünnen Kleidchen." „Verlange nicht zuviel, Tate," beschwichtigte ihn Esther. „Hab' ich doch auch ein warmes Tuch!" „Wenn der Prophet Elias will," entgegnete der Binde ärgerlich, „so kann er Dich kleiden wie eine Prinzessin, er kann Dich kleiden in einen Zobelpvlz, wenn er nur will." „Aber Tate —" „Und ja, wenn man bittet, soll man ordentlich bitten, so bitte ich ihn für einen Zobelpelz für Dich —" „Tate, er wird böse werden und es wird verschwinden das Holz!" „So soll es nicht Zobel sein, aber Du sollst haben ein Pelz —" „Wozu? Bedenke doch!" „Sv sott es nur eine Jacke sein, gefüttert mit Pelz, dass Du nicht mehr frierst." Nr. 10 „Mische Realpolitik". liebet das Thema, das jüngst in der Besprechung einer Broschüre hier wieder angeschlagen wurde, sprach Herr Richard Rappavvrt am Montag im Eiuzelverein „Mariahilf" des „Zion" in sehr lehrreicher und in ihrem geschlossenen Gedankengange ungemein klaren Form. Die Kritik nicht scheuend und au ihrer Hand die Vergangenheit, die Entwicklnng einer jüdischen Realpolitik deutlich und plastisch illustrierend, gab der Vortragende eine großangelegte Erläuterung des Begriffes und damit einen weiten Ausblick auf den Wert einer solchen Politik. Der Redner knüpfte in kurzem Hinweise an die Broschüre des Dr. Rosenmann an, die allerdings auf den Gedanken, den der ''Name „Indische Realpolitik" ansdrückt, zn wenig eingegangen ist. Realpolitik ist ein Wort, das unsere Cnlturwelt erobert hat; in ihr erwarten die Politiker aller Parteien etwas Besonderes. Seit der Abschüttelung der französischen Herrschaft im Deutschen Reiche tvar die Volkspolitik von ihrer einheitlichen, zielbewussten Richtung abgeschwenkt; erst die praktische Hand Bismarcks verstand es, dem Idealismus des ÄolkSthums eine reale VolkSpvlitik zur Führung znzugesellen. Schritt für Schritt baute er seine Politik aus, ohne sich, nach dem Recepte der doetrinären Jdealpolitiker, um das Endziel sonderlich zu kümmern. Er forderte von feinen Preußen, dass sie p r e n ß i s ch feien und darin liegt die Bedeutung seiner nationalen Politik. Nach diesem Principe, das sich ja in der Politik Bismarcks so glänzend bewährt hat, müssen auch die Juden ihre Politik auSbanen: sie müssen jüdisch sein! Hat die Socialdemvkratie mit der umwälzenden Arbeit ihrer Jdealpolitik die Erfolge einer Realpolitik angestrebt und zum Thcile erreicht; hat die größte Organisation aller Zeiten, die katholische Kirche, nach der idealen Politik eines Jenseitsprincips die Bahnen einer realen Vvlkspvlitik eingeschlagen; die Juden müssen ebenfalls mit der Realpolitik vom Principe zum Ideal zu kommen trachten. Das Princip des Judenthums muss das Judenthum sein; darüber darf es keinen Streit geben, weil es sonst, getreu nach dem lateinischen Satze: „Contra prineipiunt nopa 11I0111 non ost dispulandam“ überhaupt keine Verständigung geben könnte. Die Juden haben in den fünf Büchern Moses das P r i n c i p der Rasse und der wirtschaftlichen Volkspolitik in Händen; sie haben in dem Messiasgedanken das I deal für ihre volkliche Entwicklung; der praktische Boden des Volksgedankens, der Zionismus, hat die Unterlage zn bilden für die Entwicklung des Judenthums zur nationalen Einheit. Wenn der ältere Zionismus in dem Lande Palästina das Ideal für die Führung der Volksbewegung erblickte; wenn die neuere zionistische Idee in der Erwerbung des Landes ihr Ziel sucht — der nationale Gedanke erblickt in der praktischen Verwertung des Ideals eine Gefahr für dieses letztere. Sie stellt das Ideal höher, als das durch die Experimente, in den Besitz des Landes zukommen, geschieht; sie wird aber nicht ermangeln, den Männern, welche das Experiment in selbstloser Begeisterung unternommen haben, den b e st e n Erfolg zu wünschen. Vor allem fordert die reale Politik die gegenseitige N n t e r st ü tz u n g der einzelnen B 0 lkstheile, welcher Richtung sie auch angehören. In Oesterreich z. B. gibt es genug zu thun. Die G l e i ch b e r e ch t i g u n g der Juden, die Bekämpfung der Assimilation, die Erreichung einer nationalen Autonomie — und viele andere Dinge. Die Juden sind bisher in anderen politischen Parteien viel zu viel aufgegangen. Sie dürfen nie vergessen, dass sie höchstens als Verbündete, nie aber als Mitglieder der Programmparteien anftreten dürfen; dass sie als nationale Partei dasselbe für sich thun müssen, was andere nationale Parteien für sich thun. Laktef Wilna hörte alles und lachte heimlich in sein gutes, mitleidiges Herz hinein, und wieder eilten die Stelzen hin und her, und Hamans große Nase blickte in alle Fenster und sein Arm langte hinein, wo es nur angieng, und bemächtigte sich der Sachen, die der Prophet Elias nöthig hatte. Vordem Laden des Trödlers Winkelfeld hiengen ein paar rothe Hausstiefel, die er von einem Edelmanne erhandelt. Haman nahni sie, ohne viel zu fragen, mit. Bei dem reichen Sprintze Veigelstock entlehnte er einen schwarzen Atlaskaftan, bei den Töchtern des Freudenthal ein paar neue Schuhe und ein Kleid. Aber die Pelzjacke? Richtig, bei Frau Znckerspitz waren die maskierten jungen Leute eingedrungen, und sie tranken jetzt Tschaf und tanzten, und die schöne kokette Frau hatte ihre mit Zvbelpelz ansgeschlagene und gefütterte Kazabaika abgeworfen. und da das Fenster nur angelehnt war, öffnete es Laktef Wilna leise und nahm die Kazabaika vom Stuhl. Mehrere Minuten später klopfte es an Esthers Fenster. „Da ist er," flüsterte Tobia, „thu' ihm auf." Esther öffnete das Fenster und lief dann hinter den Ofen und schloss die Augen. Als sie dieselben wieder öffnete, lagen der Kaftan da und die Kazabaika, das Kleid und Schuhe und Stiefel. „Tate!" rief sie, „er hat uns gebracht alles, was wir haben erbeten." Sie schloss das Fenster und zog dem blinden Vater die Stiefel an und den seidenen Kaftan, und zog selbst die Schuhe an und das Kleid, und schlüpfte in die prächtige Kazabaika der Frau Zuckerspitz. „Was für ein Glück!" ries der Blinde. „Gewiss stehst Du jetzt da, Esterka, wie eine Prinzessin. Komm' doch zu mir." Und da er sie nicht sehen konnte, so strich er mit der zitternden Hand, sie zitterte jetzt vor Freude, über den Sammt der Kazabaika und das schwelleude Pelzwerk. „Das ist Zobel, mein Kind," sprach er fast erschreckt, „der gute Prophet Elias hat mich gehört und hat Dir gebracht zum Schuschan-Purim eine Jacke mit Zvbelpelz. Siehst Du, wie Gott uns liebt? Und da der Prophet Elias uns hat geschenkt so viel, soll er auch bringen meinem Kinde einen braven, schonen, jungen Mann." Esther hielt ihm den Mund zu. „Sei ruhig, Tate, sonst verschwindet noch alles, so wunderlich, wie es gekommen."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.