Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 9 (2.3.1900)
- Date
- 1900-03-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt Z. März 1900 Nr. 9 durch die ganze Welt gehen. Ein Ministerium, das nicht einmal die Herausgabe eines in einem Kloster widerrechtlich festgehaltenen Kindes erzwingen kann, das soll beileibe keine großen Thaten ankündigen. Bei einem solchen Ministerium hört die Staatsgewalt noch viel früher auf, als vor der Klostermauer. Berichtigungen sind da ganz überflüssig: jeder polnische Bauer muss wissen, was er davon zu halten hat * Eben langt aus Krakau folgende Nachricht ein: Im Aufträge des Justizministeriums hat die Staatsanwaltschaft vom Strafgerichte in Krakau die Vornahme einer Hausdurchsu ch u n g im Felicianerinnen-Kloster, aus welchem Michalina A r a t e n verschwunden sein soll, gefordert. Die Rathskammer des Strafgerichtes hat jedoch d i e s e m B e g e h r e u keine Folge gegeben, und das Krakauer Ober-Landesgericht, bei welchem die Staatsanwaltschaft die Beschwerde einbrachte, v e sl ä t i g t e die Entscheidung der Rathskamme r. Eine classische Illustration des vorstehenden Artikels! Die jüdische Nationalität. (Zur b e v o r st e h e n d e n Volkszählung in 53 e ft e rr e i ch.) I. Nicht über die Existenz der jüdischen Nationalität wollen wir hier sprechen, auch nicht den Beweis erbringen, dass wir eine solche bilden, denn das ist ja schon lange bewiesen, selbst unsere Feinde bestätigen es; wir wollen jetzt über die b ehördliche Sauction unserer Nationalität, über die o f f i c i e l l e Anerkennung derselben sprechen. Wir leben in Oesterreich, in dem Lande der vielen Nationen und Natiönchen. Alle diese sind in die ofsiciellen statistischen Tabellen ausgenommen, jede hat ihre Rubrik in den Listen, eine besondere Berechnung in der Zusammenzählung der Zahl der Völker, nur wir Juden fehlen dort, nur uns wird mau unter all den verschiedenen Nationen vergebens suchen; warum? Die statistischen Tabellen werden aus den „Bögen", die bei der Volkszählung, die alle zehn Jahre im Laude durchgeführt wird, ansgefüllt werden, zusammengestellt. lind gerade in diesen „Bögen" wird der Forscher in der Rubrik „Nationalität" alle möglichen Nationen finden, aber keine Spur von der jüdischen. Aber nicht an uns Juden liegt die Schuld, dass dem so ist — sie liegt an den Behörden, an der Regierung. Bei der Volkszählung im Jahre 1891 ist im Lande Galizien seitens der dort bestehenden jüdisch-nationalen Partei („Zionisten") eifrig Propaganda dafür gemacht worden, dass die Juden die Rubrik „Nationalität" mit dem Wörtchen „jüdisch" ausfüllen. Das einzige Bedenken hatten sie, dass die assimilatorischen Juden selbst ihnen bei ihren Bestrebungen hinderlich im Wege sein werden, und gegen diese hat daher die Agitation gekämpft und auch beinahe gesiegt. Aber die R e g i e r u n gs- Commissäre haben überall, wo sie in den „Bögen" das Wörtchen „jüdisch" fanden, dieses gestrichen, mit der Erklärung, dass in ihren von der Regierung vorgeschriebenen Jnstruetioneu alle diejenigen Nationalitäten, welche angeführt werden dürfen, erwähnt sind, die jüdische jedoch Zwischen diesen nicht vorkomme. Eigenmächtig schrieben nun die erwähnten Corsrmissäre eine willkürlich geivählte Nationalität des Landes an dessen Stelle. Ja, in einem Lande, in welchem außer Juden nur eine Nation lebt, ist es einfach: man zählt die Juden zur Landesuuterhielten sich weiter, so dass es mir leicht war, ihre Mundart zu belauschen. Diese klang so spitzig-fremd, dass man sofort erkennen konnte, es hier mit keiner europäischen Sprache zu thun zu haben. Es war allerdings ein Kauderwelsch der tartarischen Sprache, welche sie untereinander gebrauchen, wie wir Juden in Polen und Russland des jüdisch-deutschen Jargons uns bedienen. Ich gieng weiter vorüber an baufälligen, alten Karaitenhüusern, aus dereu Fenstern hie und da ein neugieriges Haupt sich zeigte und es begegneten mir auf der Gasse Menschen verschiedenen Alters, welche mein Begleiter als Karaiten mir bezcichnete. Ihr Aeußeres war auch verschieden. Die einen, hauptsächlich die älteren, mit grauen, brauen oder schwarzen Bärten und Schläfenlocken, ja sogar hie und da gekleidet in den langen Kaftan. Die anderen, jüngeren, mit kiirzgeschnittenen Bärten oder glattrasiert und in europäischer Tracht. Erstere sind dem Anscheine nach eouservativ, letztere nehmen neue Formen au. Manche waren schlank und festgebaut und manche gebeugt und krüppelig. Einigen ist die scharfgeschuitreue orientalische Physiognomie markant ausgeprägt. „Dzien dobry!" begrüßten manche meinen Begleiter, die ihn gut zu kennen schienen. Ich befragte ihn, ob diese Leute mit den Juden nur polnisch sprechen, wie dem Gruße zu entnehmen sei. „Nein," antwortete er. „nach außen bedienen sie sich der polnischen, ruthenischen Sprache und jüdischen Jargons. Manche sprechen mit den Juden im Jargon, manchen fällt es aber schwer." Der Zufall führte nur einen von früher mir bekannten Karaiten entgegen, dessen Aeußeres einem orthodox-polnischen Juden ähnelte, und welcher sowohl bei den Karaiten als auch bei den Juden als frommer Mann accreditiert ist. „Salom alechem!" streckte er seine Hand zum Gruße hin, und wir führten uriser Gespräch im jüdisch-deutschen Jargon. „Wieviel Mitglieder zählt Eure Gemeinde?" befragte ich. „In Halicz und Umgebung 53 Familien." „Wie, Ihr wohnt nicht alle hier?" „Ja, aber einige wohnen in den Nachbardörferu." »Woraus besteht denn Eure Beschäftigung im allgemeinen?" nation: was aber soll der Jude, respective der Beamte in einem Lande thun, in welchem zwei, drei oder mehrere Nationalitäten wohnen, wenn „jüdisch* durchaus nicht „einschreibfähig" ist? — Nehmen wir zum Beispiel Bukowina. DaS kleine Ländchen, welches 189°6 Qnadratmeilen mit einer Bevölkerung von 048..',91 Seelen zählt, hat fünf anerkannte (außer der nichtanerkannten jüdischen) Nationalitäten. Diese werden eingetheilt: in 42‘/a °/0 Rnthenen, 38% Rumänen, 16% Deutsche, 1 % % Magyaren und 2% Polen — officiell werden hierbei die Inden in der Statistik gar nicht erwähnt, und man könnte glauben, dass in ganz Bukowina kein einziger Jude ansässig sei. Wir blicken nun auf die Rubrik „Religionsbekenntnis" und finden: 74% griechisch, 11% römisch-katholisch, 3% griechisch-uniert, 2% protestantisch, %% armenisch und 9°/o mosaisch, also neuneinhalb P e r c e n t der Bevölkerung sind Inden. — Und zu welcher von all den fünf obengenannten Nationalitäten gehören sie? Wenn uns hierbei das Land maßgebend wäre, ans welchem die Juden nach Bukowina eingewandert sind, so wäre damit dieses Problem doch noch nicht gelöst. Wir können sie in dieser Beziehung in drei Gruppen theilen: Alte Familien, die im Lande zur Zeit der Occupation durch Oesterreich bereits ansässig waren, andere, die aus Russland eingewandert sind, und ein großer Theil, der ans Galizien kam. Diese alle zusammen aber sind als Inden und nur als Juden im Lande angelangt, Juden, die in nationaler Hinsicht allen anderen Völkern fern gestanden sind — und mm kommt der Beamte mit dem VolkSzählungsbogen in der Hand und sagt: „Von allen Früchten des Gartens darfst Du genießen. Du darfst Dich für welche Nationalität immer erklären, nur für die Deinige, für die jüdische nicht." Verlegen steht nun der Jude vor der schwierigen Wahl, eine von den fünf lügnerischen Angaben zu machen, denn welche immer er nennen wird, wird es eine Lüge sein, wahr ist, dass er der j ü d i s ch e n Nation angehört, ob dies nun zu schreiben gestattet ist oder nicht. Wir stehen wieder vor einer Volkszählung. Im Jahre 1901 werden wieder alle Völker Oesterreichs gezählt und notiert werden. Im Ministerium und in den Statthaltereien wird schon niahrscheinlich jetzt vorgearbeitet. die Bogen verfertigt und die Jnstructioueu festgestellt. Wie wir hören, sind bereits von verschiedenen Seiten diesbezüglich mannigfaltige Anträge gestellt worden. Die Czechen wünschen eine Rubrik „Muttersprache", die Christlich-Socialen eine Rubrik „Religionsbekenntnis" einzuführcn. Wäre es nun nicht an der Zeit und am Platze, dass auch wir Inden mit einem Anträge an die Regierung herantreten, und zwar, dass es uns gestattet werde, in die Rubrik „Nationalität" wahrheitsgemäß „jüdisch" zu schreiben. Wir wollen damit nicht gesagt haben, dass jeder Jude als Nationalität „jüdisch" angeben mü s s e; der als Angehöriger einer anderen Nation sich fühlt, oder derjenige, der heuchelnd sich „Pole", „Deutscher", „Czeche" nennen will — tit Gottes Namen! möge er nach seiner Fcwon selig werden; aber die Behörden sollen diese Heuchelei und diese Lüge bei denjenigen nicht zu erzwingen suchen, die ehrlich und muthig sich als Juden fühlen und sich an der jüdischen Nationalität festklammern. Es ist jetzt die Zeit, die jüdische Nationalität von der Regierung sanctiouieren zu lassen und es ist Pflicht und Schuldigkeit aller jüdischen Organisationen, Schritte zu machen, um bieje$ hohe Ziel zu erreichen. Es niöge einfür allemal all den lügnerischen Eintragungen und den heuchlerischen Meldungen ein Ende gemacht werden, im Interesse unserer Nation und im Interesse der Wahrheit. „Wir bearbeiten größtentheils unseren Boden, denn wir besitzen Felder und leben als Bauern. Viele aber sind flute Tischler, Zimuurleute, Baumeister und sonstige Holzarbeiter.1 Manche sind Kanflente, Handwerker und dergleichen." „Welches also ist spcciell Ihr persönlicher Erwerbszweig?" „Ich, nun ich habe auch Feld, bin aber ein schwacher Mensch, arbeite selbst nicht, dagegen betreibe ich Handel." „Sie sind doch Schochet, Ihre Anstellung sollte Ihnen Gelegenheit bieten, ruhig in Pension zu leben?" „Schochet bin ich, aber — wandte er ein — für religiöse Dienste darf ich kein Honorar beanspruchen. Sagen doch die Weisen in „Pirke aboth": „Al taase kardom lachpvr bvh". Ich lenkte das Gespräch auf ein anderes Thema. „Wie verhaltet Ihr Euch mit den hiesigen Inden?" „Gut, ja," antwortete der Schochet etwas gedehnt. Ich bemerkte dies, denn wie ich zuvor wahrnahm, leben diese beiden Gemeinden zwar friedlich, aber ganz locker in ihren Beziehungen zueinander. „Nun, unsere Ahnen, nicht wir tragen die Schitld an. der Zersplitterung der Talmud- und Bibeljuden," ergänzte er. „Glauben Sie, dass diese religiösen Meinungsdifferenzen jemals geschlichtet werden würden?" fragte ich ihn. "Ja, hoffentlich, in Messias' Zeiten", sagte er bestimmt. Bei meiner Rückkehr nachhause überdachte ich die Nichtigkeit der letzten Worte des Karaiten und folgerte daraus die logischen Consequenzen, dass die messiauische Zeit die Bereinigung Israels herbeiführen und die Conceutriernug des jüdischen Volkes, eben das niessiauische Zeitalter, bilden wird. II. Einen Spaziergang ins Alterthum zu machen, die natürliche Herrlichkeit der Welt zu sehen, das Universum in seiner echten, unverfälschten Glvrie zu schauen, den Menschen des frühesten Zeitalters zu erblicken, wo er noch originell, ungekünstelt war, das wäre der höchste ideelle Genuss jedes deukenden Menschen. Hier bot sich ein solcher Genuss. Diese Secte Juden, in den ersten Zeiten von den Juden verfolgt, zog sich späterhin vom Schauplatze zurück und lebte, wie es scheint, ganz in sich geschlossen. Daher kam sie nicht in Berührung mit anderen Nationen, spielte keine Nolle Vom Tage. Bergani als Jirseraterreerisor Nachdem der Großsiegelerbrecher von Mühldorf ein dreistöckiges Palais erg—öunert hat, geht er gegen arme Leute mit der höflichen Einladung los: „Geld oder Leben!" In der Sonntagsnummer rempelt er einen armen Musiklehrer an, weil dieser nicht im „Deutschen Bolksblatt" annoncierte. Der Professor, der zufällig ein guter C h r i st ist, wird als „Jude" gebrandmarkt und als ein Gauner erster Sorte hiugestellt, trotzdem der Aermste nichts anderes that, als auf ehrliche Weise Dilettanten seine musikalische Hilfe anbieten. Und der Kläger im Process Schönerer hat „Glück"; er wird nicht einmal geklagt. Natürlich hätte bei einer Klage Herr Bergani diese Revolvernotiz nicht gelesen; aber er wird nicht einmal geklagt, das ist das Merkwürdige! Nachdem dermaßen Herr Bergani für die Moral soviel gethan hat, darf er sich auch seinen Juseratentheil ansehen. Dvrt iuseriereu folgende Juden: K. k. priv. Oesterr. Länderbank, Niederösterr. Escompte-Gesellschaft, Anna Csillag, Josef Leopold Pick, Pester ungar. Coinmercialbank (ganze Seite). Das sind natürlich nur die wichtigsten, prägnantesten Inserenten; ttieviele jüdische Inserenten der dicke Hausbesitzer ans der JosefLgasse sonst noch verspeist, können wir ja aus der bloßen Ramensliste nicht heranslesen. Kennzeichnend aber für die Pressgauuerei dieses „Deutschen Volksblatt" ist die Thatsache, dass es selbst Geld von jüdischen Banken, jüdischen Geschäftsleuten nimmt — das Ehrenjonrual nähme es wohl auch von jüdischen Einbrechern, wenn sie welches brächten — anderen Christen aber selbst verbieten will, auf ehrliche Art ihre Kenntnisse zu verwerten. Als ob jedermann mit Mühldorfer Gemeindevermögen ein Geschäft gründen könnte! Unsere öffentliche Moral ist wahrhaftig ans eine hohe Stufe gekommen: Bergaui führt sie! Wenn in Hinkunft jemand Frau Moral für ein Ferkel ausieht, darf man sich nicht wundern. — Wie sagte doch Baron Benz im Process Schönerer? : „Nur dann, wenn Sie den .Kläger (Bergani) des Verbrechens der Vernntreuung für fähig halten, können Sie die Angeklagten freisprechen!" Und dann wurden sämmtliche Angeklagte freigesprochen! Herr Szajer, der polnische Bauer, der als „ächzender, kranker Manu" ins Parlament gewählt wurde mb sich seither als Fettwanst declariert hat, der in puncto Moral weit hinter die sogenannte „Tarnvpoler" Grenze kommt, benützte die donnerstägige Rede des Abgeordneten Wassilko über Bukowinaer Zustände, um mit antisemitischen Zwischenrufen die Juden für das geschilderte Elend verantwortlich zu machen. Run, der dicke Ehrenmann mag seinen angekündigten Besuch in der Bukowina nur recht bald ausführen; er wird, unter Führung des mit den Verhältnissen wohl vertrauten Herrn Wassilko — wenn dieser honorige Mann mit Leuten vom Schlage S z a j e r s geht — zu seinem Erstaunen herausfinden, dass in der Bukowina durchwegs gute Christen das Elend der ruthenischen Bauern verschuldet haben. Wie weit ist aber in Oesterreich das Rechtsbewnsstsein gesunken, wenn einSzajer sich erkühnen darf, über die Inden überhaupt ein Urtheil zu sprechen; dieser Herr S z a j e r, dem Dinge im Parlamente nachgesagt wurden, die ihn im preußischen Abgeordnetenhause z. B. zu einem Mandat gar nicht zulassen würden! Die Wiener Gemeindewahlen geben nunmehr Gelegenheit, die Waschcchtheit der sogenannten Fortschrittspartei zu erproben. Sie stehen jetzt, wie das bekannte Thier zwischen in irgendeinem Geschichtsabschnitte eines Volkes, stellte ihre Anhänger nicht der Menschheit zur Verfügung, weder auf künstlerischem und literarischem, noch auf politischem oder socialem Gebiete. — Sie lebten im allgemeinen in sich und auf sich angewiesen, isoliert, und waren nicht das Ziel fanatischer Verfolgungen, wie es den Juden geschah. Neberhaupt liier in Halicz im'Genüsse rechtlicher Privilegien und ruhigen Lebens seit längerer Zeit, dürfte mau wohl aunehmen, dass sich bei ihnen der semitische Typus, wenn schon nicht veredelt, so doch im großen und ganzen erhalten hat, was mein besonderes Interesse erweckte. Da gieng ich einmal vorüber an der Schuitthaudlung eines meiner neuen Bekauuteu und trat ein. Ich traf zwei Frauen, welche Schnittioareu kauften. Nach flüchtigem Gruße lehnte ich seine Einladung, zu sitzen, dankend ab mit der Bemerkung : er möge sich im Geschäfte nicht stören lassen. „Aber" — eutgeguete dieser hebräisch, damit die Frauen nicht verstehen — „das sind ja Karaitinnen, die kaufen nicht so schnell." Ich musterte diese neugierig. Mir schienen sie eher Frauen von armen Dorsbauern zu sein. Ihre Züge wiesen nicht die geringste Spur der jüdischen Physiognomie ans, die Gesichter waren nicht hässlich, aber sonnverbrannt. Sie handelten, gierigen weg und kamen rviederum, die eine sprach gemischt rnthenisch und Jargon, die zweite bediente sich des jüdischen Idioms. Dem Krämer riss die Geduld, er ward böse und beleidigte sie. Diese schienen es nicht zu empfiildeu. „Die kommen schon den dritten Tag zu mir, diese einige Meter Ware zu handeln, der Kopf ist mir schon voll" — erzählte mir der Kanfiuann — „die sind dadurch verfeindet bei allen Juden. Wenn sie auf den Markt eine Henne oder einen Pack Stroh znm Verkaufe bringen, da steh'n sie den ganzeir Tag über, tragen manchmal das Feilgebotene nachhause, kommen dairil nm zweiten Tage wieder, um einen Kreuzer mehr zu erzielen; weuil sie aber etwas kaufen geh'n, quälen sie den Verkäufer. Es ist zum Sprichwvrte geworden: Wenn ein Karaite den Anfang des Tageserlöses macht, dann geht'- den ganzen Tag bergab."