Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 7 (16.2.1900)
- Date
- 1900-02-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt IV Februar 1000 Nr. 7 Ausland Berlin (Flucht der Natten aus dem sinkenden deutschen A u t i s e m i t e n s ch i f f e.) L i e b e r m a n n von Sounenbcrg, der Vorsitzende der Partei des antisemitischen GemengselS, das sich Deutsch-Sociale Reformpartei nennt, hat sich nicht nur des Vorsitzes im Vereine entschlagen, sondern ist überhaupt ganz und gar ans der Parteileitung mit folgender geschraubter Erklärung zurückgetreten: „Ich habe den Vorsitz niedergelegt, weil die Wiederwahl der Herren Werner und B i n d w a l d zu Schriftführern und des Herrn Dr. Vielhaben zum Cassierer mich vor die sichere Aussicht stellte, dass iu den parteitaktischen Fragen bezüglich unseres Verhältnisses, in ersterLinie zum Bunde der Landwirte, in zweiter Lime zur conservativen Partei, stets die Ansicht des Geschäftsführers unserer Partei, des Herrn Doctor Giese, über meine Auffassung siegen würde. Ich wäre also nicht imstande gewesen, das Mandat zur Ausführung zu bringen, das ich nach meiner Auffassung auf dein Hamburger Parteitage erhalten habe, nämlich: unter voller Wahrheit der Selbständigkeit unserer Partei die Wiederherstellung eines friedlichen Verhältnisses zwischen uns und den verwandten Parteien und Richtungen anzubahnen." — Die erste — die Hauptratte — welche ttt der „Germania" sich mästete, flüchtet! Berlin. („Wer sehen und hören will.") Das königliche Statistische Bureau ist eine Fundgrube für den Berufsstatlstiker sowohl, als auch für jene, „die Augen haben, um zu sehen, und Ohren, um zu hören". In dein Eapirel, welches die Verwaltung der directen Steuern in Preußen behandelt, findet man Angaben über das Vermögen der reichsten Leute Preußens, ans welchem sich klar herausstellt, dass unter den elf reichsten Personen, welche über ein Vermögen von über 30 Millionen Mark verfügen, und zwar: deren 4 in Schlesien, 1 in Westfalen, je 2 in Berlin und je 2 in Hessen- Nassau und im Rheiulande leben, sich bloß 2 Juden befinden. Der wahre Wert des Geredes der Antisemiten über den Reichthum der Juden im allgemeinen und des „jüdischen" Großcapitals im besonderen liegt für jeden, der „sehen und hören" will, klar zutage. München. (S t r ö m u n g.) Bezeichnender für die Strömung, welche hier gegenwärtig herrscht — schreibt uns unser Correspoudent — dürfte folgende Begebenheit sein. Hier in München fand die Wahl von „Armenpflegschaftsräthen" statt. Dieses Amt, welches in gleicher Weise Herz, Gemüth und Klugheit verlangt, wurde unter anderem auch zwei vom Vertrauen des Volkes getragenen hochachtbaren Juden zutheil. — Was geschah? — Die gewählten christlichen Armenräthe ihres Bezirkes legten ihr Mandat mit der Begründung zurück, sie wollen überhaupt mit keinem Juden zusammen arbeiten, oder gar — horribile dictu! — der Gefahr ausgesetzt sein, einen solchen als Obmann anzuerkennen. Paris. (ReligionsgeschichtlicherCongress.) Im September des neuen Jahrhunderts wird bekanntlich anlässlich der Pariser Weltansstellung ein „Congres international d’histoire des Religions“ stattfinden, der zum Unterschiede von jenem, der seinerzeit gelegentlich der Weltausstellung in Chicago stattfand, und zum Zwecke der Erforschung der Gleichwertigkeit der positiven Religionen hinsichtlich des culturellen Fortschrittes der Menschheit und Mensch lichtest diente, ausschließlich historischer wissenschaftlicher Natur sein soll. Interessant für unsere Leser dürfte es sein, dass dem Congress, der sich in acht Sectionen theilen und alle Religionen umfassen wird, unter Punkt 4: „Die semitischen Religionen" dem! Judenthum ein großer Raum zugewiesen ist. Das ganze Programm des Congresses umfasst folgende acht Punkte: 1. Die uncutiviertlen Religionen und die amerikanischen Religionen vor Columbus. 2. Die Religionen Ostasiens. 3. Die ägyptischen Religionen. 4. Die semitischen Religionen. 5. Die Religionen Indiens und Irans. 0. Die Religionen Griechenlands und Roms. 7. Die Religionen der Germanen, Kelten und Slaven. 8. Die christlichen Religionen. Das Ministerium für Handel und Industrie in Paris, ivelches an der Spitze der Pariser Weltausstellung steht, erließ eine Einladung an die französischen Rabbiner, an dem Congresse sich betheiligen zu wollen. Paris. (Bezeichnendes.) Bei der vor kurzem stattgefundenen Wahl der Senatoren für die französische Herrenkammer, gieng im Rhone-Departement unser Glaubensgenosse Eduard M i l l a n d als Gewählter hervor. Mit verschwindenden Ausnahmen unterlagen die Antisemiten. Ihr Fiascv wirkt selbst auf sie so deprimierend, dass sie, die Oefsentlichkeit scheuend, nur wenig von sich hören lassen. Paris. (B a r o n A d v l p h e Rothschild.) Sämmtliche französischen Blätter widmen dem Andenken des dahingeschiedenen Baron Adolphe Roths ch i l d ehrende Nachrufe, in denen besonders des Humanitären Wirken des Barons rühmend gedacht wird. Er starb im Alter von 77 Jahren infolge einer Influenza. Wie bekannt, war er Chef des Neapeler Hauses Rothschild, das senie Thätigkeit mit dem Falle derBourbonen eingestellt hat. Das neapolitanische Königshaus bewahrte ihm stets aufrichtige Dankbarkeit und Zuneigung. Baron Adolphe Rothschild übersiedelte nach Paris und erbaute sich in der Rue de Monceau ein glänzendes Palais. Geradezu unerschöpflich war sein Wohlthätigkeitssinn, er fragte nicht nach Herkunft, nicht nach Religion, er gab, ohne dass die große Oeffentlichkeit je davon erfuhr. Zahlreiche Gemeinden Frankreichs danken ihm die Vollendung oder die Wiederherstellung ihrer Kirchen, und ein Monument hat sich der Verstorbene für alle Zeiten durch die Errichtung eines Spitales für Augenkranke in Genf gesetzt. Er war in Paris im Bois de Bvulogne eine sehr bekannte Figur. Täglich machte er dort seine Spaziergänge, oft in Begleitung der Königin von Neapel, bekanntlich einer Schwester unserer seligen Kaiserin. Sonntag früh wurde Baron. Adolphe Rothschild bestattet. Nur wenige Personen folgten dem Sarge, da der Verblichene die Versendung von Partezetteln in seinem Testamente untersagt und überdies verfügt hatte, das Leichenbegängnis solle um 6 Uhr morgens stattfiuden. Letzterer Disposition konnte freilich mit Rücksicht auf die bestehenden Vorschriften nicht entsprochen werden. Die Bestattung erfolgte um 10 Uhr auf dem Pere-Lachaise. Der Conduct, an welchem Baron Albert Rothschild aus Wien und Baron Leopold Rothschild aus London theilnahmen, wurde von Baron A l p b o n s geführt. Das Testament des verstorbenen Barons setzt als Haupterbin die Gemahlin des Barons Edmund Rothschild, eine Tochter des Frankfurter Rothschild, ein, mit einem ansehnlichen Legate wird Bnonin Alice Rothschild bedacht. Im Testamente sind zahlreiche wohllhätige Zuwendungen ungeordnet vorhanden, so sind 700.000 Francs für die Errichtung eines Blindeninstitutes ausgesetzt und es wird überdies für die Erhaltung diese- Institutes vorgesorgt. Einen großen Theil seiner Kunstsammlung vermachte der Baron dem Louvre-Museum, insbesondere alle kirchlichen Objecte, welche sich iu der Sammlung befinden, darunter sehr wertvolle Kunstschätze, Crucifixe von hohem Werte, goldene Tiaren, Monstranzen, alte Messgewänder, echten Kirchenschmuck, Einbände von Bibeln, Evangelien und Messbüchern; diese Buchdeckel sind aus Silber mit kunstvoller Ciselierarbeit und wurden znm großen Theilc in Italien angekauft. Die wertvollsten dieser Buchdeckel sind aber Erwerbungen, welche Baron Adolphe in den letzten Jahren in Belgien gemacht hatte. London. (Ein E h r e n d i p l o m.) Die hiesige Universität hat dem Rabbiner Dr. Gollancz den Titel „Doctor der Literatur" verliehen. Dieser Titel ist überhaupt der größte, den die Universität zu verleihen imstande ist. London. (Vom südafrikanischen Kriegsschauplätze.) Sämmtliche vom Kriegsschauplätze veröffeullichten Verlustlisten weisen jüdische Soldaten auf, die entweder den Heldentod auf dem Felde der Ehre fanden oder im männermordenden Kampfe verwundet worden sind. So sind bei Ladysmith vier, bei Mafeking drei Glanbensgenosfen gefallen und mehrere schwer blessiert worden. Auch unter den neumobilisierten Truppen und iu den Freiwilligen-Corps begegnet man zahlreichen jüdischen Namen. Der bekannte Afrikareisende Claude B e d d i n g t o n, der soeben von einer ersolgreicheu Expedition in das Hinterland von Britisch-Westafrika znrückkehrte, ist vom Todteubette seines Vaters unter die Fahnen geeilt und in die Yeomanry eingetrete». Dass unsere Glaubensgenossen bei den Sammlungen für die Verwundeten und Hinterbliebenen rc. an erster Stelle stehen, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Eiu Beispiel edelsten Patriotismus hat Herr Alfred M o s e l e y gegeben, welcher auf eigene Kosten ein Hospital in der Nähe des Kriegsschauplatzes errichtet. Jassy. (Die weitere Emigration.) Die Auswanderungsbewegung nimmt hier von Tag zu Tag an Intensität zu. Regelmäßig an jedem Sonntag, Dienstag und Donnerstag fahren von hier jüdische Familien nach Amerika ab. Während dieser Woche verließen 22 Familien ihre alte Heimat, um in der neuen Welt eine neue sich zu gründen. Beim Vereine „A s ch st o r u l", welcher zu dem Zwecke gegründet worden ist, um die Auswanderung den armen seiner Mitglieder zu ermöglichen, laufen täglich Beitrittserklärungen massenhaft ein. Die Abreise jener sechs Personen, welche so glücklich waren, bei der Verlosung mit Gewinstnummern bedacht zu werden, weshalb sie auf Vereinskosten die Auswanderung nach Amerika mit nächstem antreten werden, gedenkt der Verein — wohl zum Zwecke der Reclame für sein Streben — feierlich zu begehen, „damit sie sehen und hören sollen"! Ist das aber auch das Richtige? Rom. (Senator JsaccoArto m.) Im 71. Lebensjahre verschied hier vorige Woche der Senator I s a c c o A r t o m. Ende der Fünfzigerjahre gehörte A r t o m zu den Secretären C a v o u r s, welcher ihn mit dem Grafen A r e s e im Jahre 1861 nach Paris in diplomatischer Mission entsendete. Fünf Jahre später nahm er mit dein Grafen M a n a b r e a an den Friedensverbandlungen zu Wien theil. 1870 finden wir ihn abermals mehrere Monate hindurch in diplomatischer Sendung in Wien. Von dort wurde er vom Minister B i s c o n t i - V e u v st a als Generalsecretär ins Ministerium berufen, in welcher Stellung er bis 1876 verblieb. New Aork. (Emigrations-Bericht.) Der fo> eben ausgegebene Bericht des Einwanderungsamtes der Vereinigten Staaten bietet auch für uns viel Interessantes. Wir entnehmen darans folgende Ziffern: Es wanderten im letzten Jahre 37.415 Juden (21.153 männliche und 16.262 weibliche) ein, von denen 8988 unter 14 Jahren, 26.019 zwilchen 14 und 15 Jahre, 2409 über 45 Jahre alt waren. 127 jüdische Emivandcrer konnten nur lesen, aber Nicht schreiben, 5637 weder lesen noch schreiben. Es fehlen jedoch, um diese Zahlen richtig würdigen zu können, die Angaben, ob dabei die Kinder mitgezählt sind, und ob diejenigen, welche nur hebräisch lesen, resp. schreiben können, zu den Analphabeten gerechnet sind. Die Einwanderer kamen aus folgenden Ländern : Russland 24.275, Oesterreich-Ungarn 11.071, Rumänien 1343, Deutschland 405, England 147, Türkei 81, aus allen anderen Ländern nur 66. Sehr interessant ist nachstehende Zusammenstellung der Berufe dieser Juden. Freien Berufen gehörten an: Schauspieler 2, Jllgenienre 11, Advocat 1, Aerzte 13, Geistliche 5, Künstler 5. Lehrer 91, nicht fpecificiert 71, zusammen 197. Handwerker waren: Schneider 3664, Zimmerleute und Schreiner 1421, Schuhmacher 1111, Näherinnen und Pntzmacherinneu 974, Bäcker 578, Fleischer 458, Maler 458, Grobschmiede 393, Schreiber 388, Tabakarbetter 208, Zinngießer 183, Schlosser 170, Gerber 163, Barbiere 141, Uhrmacher 121, Weber und Spinner 93, Müller 65, Mechaniker 58, Maschinisten 50, Maurer 40, Drucker 39. Sattler 58, Seeleute 20, Bergleute 11, Brauer 11, Wagner 10, Pflasterer 8, Gärtner 6, Steinschneider, Graveure 3, Elseuarbeiter 3, nicht specificiert 1282, zusammen 12.276. Sonstige Berufe: Agenten 4, Kellner 17, Bauern 40, Laudarbeiter 273, Dlenstboteu 817, Kaufleute und Händler 1307, Arbeiter 2474, nicht specificiert 321, zusammen 5253. Ohne Beruf (Frauen und Kinder): 19.689. Diese Statistik ist nach jeder Richtung überaus wertvoll und verdient die Beachtung der Forscher auf dem einschlägigen Gebiete. Sie zeigt deutlich, wie gering bei den j ü d isch e n Massen in Wirklichkeit die Zahl der K a n f l e u t e und Hausierer i st und wie sehr die gelernten Handwerker und ungelernten Handarbeiter überwiegen. Wrilheilungen ans dem Prrblirrrm. (Oberndorfer Eisensäuerling.) Dieses vorzügliche Mineralwasser wurde von k. k. Hofrath Prof. Dr. Ernst Ludwig am chemisch-pathologischen Institute der Wiener Universität einer Analyse unterzogen und als schmackhaftes und gesündestes Tafelgeträuk bestens empfohlen. Aus den Organisationen. (Jüdischer Volk-Verein.) Mitlrv'ch den 14. d. hielt Herr Dr. Carl Lifezes in unserem Vereine einen Vortrag über : „Einiges aus dem Rechts- und Wirtschaftsleben der Inden im 1*. und 1!). Jahrhundert". Man kann mit Fug und Recht sagen, dass dieser Vortrag sowohl in der Form, als inhaltlich eine glänzende Leistung war, und hatten wir reichlich Ursache, sowohl die st'lpende Belesenheit, als auch die Vortragsweise des Sprechers zu bewundern. Redner verbreitete sich über die Geschichte der Emancipation der Juden in England und beleuchtete den Gegensatz dieser zur Emancipation der Juden in Mitteleuropa. Während in England diese Emancipation ein ureigenstes Werk der Juden war, während die Juden dort ausdrücklich nicht als Engländer, nicht als Schotten und nicht als Iren, sondern direct als Juden die Gleichberechtigung verlangten und auch erhielten, war dieselbe Gleichberechtigung in Oesterreich und Deutschland bloß ein Gnadengeschenk, welches die Juden damit zu quitlieren suchten, dass sie sich bestrebten, in den sie umgebenden Nationen durch vollständige Dissimilation aufzugcheu. Die Folge davon war ein scheues Zurückziehen der anderen Nationen, und die Emancipation blieb in Mttteleuropa bloß am Papier, während sie in England in Fleisch und Blut übergegangen ist. An der Hand mehrerer historischer Beispiele kommt Redner zur Conelusion, dass der Ausspruch der Assimilanten „Mit dem Fortschritte der Cultur werde der Antisemitismus aufhören" nicht richtig ist, denn man sieht es, jetzt im Beginne des 20. Jahrhunderts har die höchste Culturentwicklung einen Ritualmord-Process nicht verhindern können. Hilfe für uns kann nur aas uns selbst kommen. Hier citiert Redner die Aussprüche H u in b o l d t s und L a v a t e r s. Die Juden können sich nur durch eine eigene Organisation, in der sie sich gegenseitig halten und schützen, gedeihen, Redner schließt mit dem Ausrufe: „In der Organisation der Juden liegt auch das Heil der Juden." — Lange anhaltender, nicht endenwollender Beifall lohnte die glänzenden Ausführungen des Vortragenden, und die außerordentlich zahlreich besuchte Versammlung statlete dem Redner durch einmüthiges Erheben von den Sitzen den Dank für den I '/zstündigen Vortrag ab. — Mit einem Appell an die Anwesenden seitens des Vorsitzenden Herrn P lascht es, am nächsten Mittwoch wieder zu erscheinen, wurde die Versammlung geschlossen. (Jüdischer Volksverein.) Mittwoch den 21. Februar l. I., 8 Uhr abends, findet in unserem Vereinslocale, II., Haasgasse 8 (Untere Augartenstraße 19), ein freier Discussions-Abend statt, zu dem sämmtliche.Mllglieder und auch Gäste eingeladen werden. Tagesordnung: „Die Juden und der Ration ali t ä t en - A u s g l ei ch in O e st errei ch", Referent Herr Dr. H. Kadi sch; mit anschließender freier Discussion. Die Mitglieder werden ersucht, sich an diesem Diseusslons-Abende recht zahlreich zu betheiligen und in ihren Bekanntenkreisen fleißig zu agitieren. Die Vereinsleitung. (Im Leopoldstädter Verein,, Zion") hielt am Dienstag Herr Dr. Paul Weis engrün einen äußerst instructiven Vortrag über die socialethische, culturhislorische Seile des Zionismus vom Standpunkte nationaler Politik; ein größeres Auditorium wäre sicherlich auch auf seine Rechnung gekommen. Während im Zionismus die socialen Elasst-ngegensätze weniger hervortreten, muss nach dem Redner eure jüdisch-uatlonale Politik auf dieselben mehr Rücksicht netzmen und darnach handeln. In neuerer Zeit haben auch dle zionistischen Führer sich mindestens theilweise zur Beachtung der realen Factoren bekehrt, ohne die künftige „Welt" außeracht zu lassen. An der Discussion betheiligten sich Herr Groß von der „Jordania" und Herr Awinowitzky, der interessante Thatsachen aus Russland und Rumänien in der Debatte vorbrachte. Fortsetzung wäre erwünscht. (Die öfter .-israel. Union) veranstaltete am Montag in Guths Restaurant eine Versammlung behufs Besprechung der vom Vorstände der Cnltusgemeinde beabsichtigten Aenderung der Wahlordnung durch Schaffung einer eigenen Curie für die Höchstbesteuerten, was besonders vom Gemeinderalhe Lucian Brunner lebtzast bekämpft wurde, indem Herr Brunner diesen Schritt als einen reaetionären stigmatisierte. In gleichem Sinne sprachen Commercialrath N e u ft a d t l, Herr B i l l i tz e r und die kaiserlichen Räthe R u z i t s ch k a und Wilhelm P o l l a k von Fünfhaus. Letzterer plaidierte für B e z i r k s w a h l e n, welcher Modus eher eine nähere Kenntnis der Candidaten ermöglicht. Dr. Gustav K o h n vertrat selbstredend den Standpunkt und das Vorhaben seiner Mitvertreter, gestand aber selbst die bisherige Misswirtschaft zu, hervorgeruseu durch allzu große Gutnlüthigkelt, so dass höchst wohlhabende Mitglieder bloß 20 fl. jährlich beisteuerteil; so sei allerdings das Deficit förmlich gezüchtet worden. In ähnlichem Sinne sprachen auch Herr Schick, Dr. Zins re. Dr. I. Kohn trat iu besonders schneidiger Weise gegen die geplante Rechtsverkürzung auf, und in gleichem Sinne beabsichtigte wohl auch Herr Dr. Leopold Kahn zu sprechen. Derselbe wurde jedoch als Nichtmitglied zum Worte nicht zugelassen, uild als Herr Gemeinderath Brunner vorschlug, darüber abzustiminen, zog es Herr Dr. Kahn vor, sich zurückzuz ehe». So gierig man auseiriander, ohne über die bezügliche, vom Äemeuiderathe Brunner beantragte Resolution zu beschließen. Wien. (R e c i t a t i v n Grün.) Am Donnerstag den 22. d. äH. 77a Uhr abends findet im Saale Ehrbar eine Akademie statt, in der einige künstlerische Kräfte bereitivilligst uitlwlrkeu. Aus dem reichen Prvgraiume der vvrzutrageuden elassischen Dichtungen heben wir besonders hervor: „Belsazar" von Heme, „Judith Smion" von Jos. Kisch uub „Sulamith" von Schönaich - Carolath. Der Abend verspricht einen wahrhaft äsihetifcheu Genuss. Karten sind au der Casse zu haben. Prag. (Hebräischer S p r a ch c u r s.) Der „Jüd. Vvlksverein" hat ab 15. Februar einen hebräischen Sprache» rs erüsfuet, welcher jede»» Mittwoch und Samstag abends von 8—9 und jeden Sonntag von 2—4 abgehalten wird. Derselbe ist anßer Kindern jedermann zugänglich und wird im Vereinslvcale, Fi s ch m a r k t g a s s e, abgehalten. Das minimale Honorar von vierzig Heller monatlich beweist, dass inan auf die Theilnahme der Volksschichten rechnet.