Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 7 (16.2.1900)
- Date
- 1900-02-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 7 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 16. Februar 1900 Seite 3 den guten Willen absprechen, dass sie Volksberather und -Führer werden wollen, ist ein Unrecht; Wege angeben, wie das Volk dazu beitragen kann, ans den Rabbinern das zu machen, was man an ihnen haben möchte, das ist das Richtige. Und weil der obencitierte Brief eine Anregung dazu ist, wollen wir ihn im Nachstehenden wiedergeben. Der Brief lautet: Dieses Thema, welches in der letzten Nummer Ihrer um das Judenthum hochverdienten Zeitschrift eine dankenswerte Beleuchtung gefunden hat, ist ein so wichtiges, dass es gewiss nicht ganz unpassend gefunden werden dürfte, wenn ich noch einmal darauf zurückkomme, um es von anderen Gesichtspunkten zu betrachten. Es ist kein Zweifel, dass unsere heutigen Prediger, und gerade die sogenannten Führer an der Spitze, sich in ihren religiösen Vorträgen den Stofs entgehen lassen, der den größten Theil des Auditoriums wohl am meisten anziehen dürfte, das ist die Behandlung der Fragen, welche sich mit Israel als Volk beschäftigen. Die Gründe dafür sind nicht weit zu suchen. Wenn der Prediger nur aus die sogenannten „oberen Zehntausend" Rücksicht nimmt, die sich scheuen, das Wort vom „Volke Israel" zu hören, wird er sicherlich ans jene Abwege gerathen, welche seinen Vortrag ungenießbar, ja langweilig machen. Da werden in unseren Predigten alle möglichen und unmöglichen Stoffe behandelt, man spricht von Politik, Philosophie und Nationalökonomie, nur nicht von religiösen und nationalen Fragen. Die Predigt erhält dadurch etwas Farbloses, Gekünsteltes. Die große Menge versteht nicht, was der Prediger will, und viele wieder sagen sich, das alles lesen wir in unserer „Neuen Freien Presse" besser, hier hören wir es nur verwässerter. — Gewiss, die Predigt soll, besonders in unseren Tagen, den wichtigsten Bestandtheil des arg vernachlässigten Gottesdienstes bilden, in welchem ja doch das Judenthnm in die Erscheinung tritt. Was sehen wir aber? Die Cantoren betrachten sich immer als Hohepriester, und unser Gottesdienst ist für viele ein Ers«tz für das Concert geworden, das sie ans Mangel an Mitteln nicht besuchen können. Wer aber trägt die Schuld an diesen betrübenden Erscheinungen? Nur unsere Rabbiner. Die meisten von ihnen haben eben jede Fühlung mit dem Volke verloren. Sie haben sich auch die Führung im Gotteshause entwinden lassen, theis aus Bequemlichkeit, theils aus einer gewissen unnahbaren Großmannssucht. Sie wissen nicht, was das Volk bewegt, sie kennen die Volksseele nicht, und meinen, es mit einigen abgestandenen Redensarten abspeisen zu können. Mau kommt in den Predigten mit Mittelalter und Alterthum allein nicht aus; es wird nothwendig sein, in jeder Predigt sich auf biblischen Boden zu stellen, dann wird man der Dankbarkeit der Zuhörerschaft sicher sein. Denn, täuschen wir uns nicht, der größte Theil der Zuhörer weiß gar nicht, was die Bibel lehrt, er versteht nicht, was aus der Thora vorgelesen wurde, er steht einem großen Unbekannten gegenüber, er lechzt nach dem Worte Gottes, er empfindet, um mit dem Propheten zu sprechen, Hunger uach ihm, und da „tritt nun der Prediger in einem glänzenden Ornate auf", und wenn er ein stattlicher Mann ist, glaubt er insbesondere, die Augen aller seien auf ihn gerichtet, aller Ohren lauschen ihm, wenn er Leitartikel und Feuilletons von sich gibt, welche Krethi und Plethi ja auch in seinem Leibblatte beim Frühstückskaffee liest. Da liegt der große Fehler; wir haben Prediger, die aber keine Bolksredner sind. Wie groß standen doch die Meister des Wortes, die Mannheimer und I e l l i n e k, über unseren Predigern von heute! Was den Predigern unserer Zeit noththut ist das Bestreben, in ihren Reden V e rg a n g e n h e i t und Gegenwart in Uebereinstinnnnng, in eine gewisse Beziehung zu bringen. Da wird auf unseren Kanzeln über alles Mögliche gefaselt, aber über die Bedeutung alter, jüdischer Gebote, Gesetze, Feste und Einrichtungen für die Gegenwart wird nicht ein volksthümliches Wort gesprochen. Man vermeidet eben, da man im Sumpfe des Assimilantenthums tief steckt, jedes Wort, jede Andeutung, welche die Zuhörer daran erinnern könnten, dass sie einem großen, weltgeschichtlichen Volke angehören, man meidet ängstlich alles, was an unsere große Vergangenheit erinnern könnte. Man will eben bei gewissen Mutigen nicht Anstoß erregen, mit denen man es sich vielleicht verderben konnte. Sollte man es z. B. für möglich halten, dass Prediger am Chanukafeste von den Makkabäern nichts sprechen? Sollte man eS glauben, dass am Peßach von allem gesprochen wird, nur nicht von der nationalen Geburt unseres Volkes? Wie oft mussten wir es hören, wie es von gewissen Herren in Fornr eines gelinden Tadels ansgesprochen wurde, der Redner habe zu wenig „allgemein m e n s ch l i ch", zu viel „j ü d i s ch" gesprochen, während die große Menge, und nicht am wenigsten die Frauen, auf welche in unserem Gottesdienste leider so wenig Rücksicht genommen wird, sagten, jetzt wüssten sie erst, warum sie ein Fest feiern. Der alte Darschatt wusste, er habe ein Publicum — einen „Olam" —■ vor sich, der seine Worte verstehe, der heutige Prediger sollte es nie vergessen, dass die meisten seiner Zuhörer von Bibel und Judenthum sehr wenig Kenntnis besitzen, und dass es nothwendig ist, ihnen zuerst mundgerecht zu machen, was Bibel und Judenthum lehren. Das wollen unsere Prediger nicht eiusehen. Deshalb veröden die Gotteshäuser, deshalb werden sie zu Tummelplätzen für mehr oder weniger stimmbegabte Sänger, und die Besucher stehen dem Judenthum wie einem fossilen Wesen gegenüber — sie verstehen es nicht, denn sie werden darüber nicht belehrt, es interessiert sie also nicht, es lässt sie ganz kalt. Jetzt rächt sich, tvas unsere Rabbiner zu erreichen unterlassen haben: sie sollten Lehrer u n b Führer des Volkes sein, und sie haben jede Berührung mit dem Volke vermieden und jede Fühlung mit ihm verloren. Was sie sprechen, glaubt ihnen das Volk nicht, geschweige denn, dass es sich dafür begeisterte. Die Rabbiner finb vielfach die Beschwichtiguugshofräthe geworden, nur Ruhe, nur sich nicht aufregen, nur jede Volksregung unterdrücken, nur sich nicht verfeinden, das ist ihre Parole geworden, sie finden dann natürlich auch nicht das richtige Wort, welches das Volk bewegen, begeistern, trösten, aufrichten könnte in dieser finsteren Zeit. Man gehe doch in irgendein Dorf und man wird sehen, wie der Pfarrer überall der eigentliche Berather und Bekehrer, der weltliche und geistliche Führer ist, wie er sich nicht darauf beschränkt, Messen zu lesen und Absolutionen zu ertheilen; wie er, der einfache Landpfarrer, das Wesen einer neuen Zeit so gut erkennt und diese Erkenntnis bei jeder Gelegenheit bethätigt — und vergleiche damit unsere Prediger, Rabbiner, oder wie man sie neunen will; sie haben sich aus der Bolkskette ausgeschaltet. — Freilich wird man mir erwidern: Unsere Prediger sind nicht so unabhängig, wie die kleinsten Landgeistlichen. Schlecht genug, wenn dem so ist. Dann müssen sie eben trachten, es zu werden. Wenn sie aber jedem Volksgedanken sich ängstlich entziehen, vor den Mächtigen nur sich beugen, wenn sie sich abschtießen und einschließen, dann werden sie auch nicht das richtige Wort finden in der richtigen Zeit. Unsere heilige Schrift und Ueberlieferung enthält soviel passenden Stoff für die Predigt, dass es dem kundigen Redner nicht bange zu sein braucht für die nöthige Abwechslung in seinen Reden. Nur muss er jenen Stoff richtig anzuwenden wissen, er darf nicht faseln, sondern muss die T h a t s a ch e n sprechen lassen. Wird der jüdische Prediger wieder ein Volksredner werden, wird er mit dem Volke fühlen, wird er dem Geiste des Volkes das erquickende Brot der Belehrung, des Trostes und der Ermuthigung reichen, dann wird man ihn gerne hören, man wird hängen an seinem Munde, andächtig wird das Volk ihm lauschen, und er wird das werden, was er sein soll, ein Lehrer und Führer des Volkes. Oheb-Emeth. Inland. Wien. (Trauerfeier nach Dr. Alexander Weiß.) Im Betlocale des Brigittenauer Tempelvereines in der Webergasse versammelten sich am Donnerstag abends die Angehörigen und Freunde des allzu früh den Seinen und der Gemeinde Entrissenen, um sein Andenken durch einen solennen Trauergottesdienst zu ehren. Es erschienen der Gesammtvorstand mit Herrn H. E l t b o g e n an der Spitze, ferner die Berufscollegen Bachrach, Kraus, Rose nthal, Schreiber, Schönfeld, Wein st ein und Herr jur. Dr. Weißenst e i n. Nachdem Cantor R o m a n n mit einem gutgeschulten Chore die Psalmen 49 und 16 ergreifend vorgetragen, widmete Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Templer dem Hingegangeneu eine besonders schwungvolle, seine vielfachen Verdienste und Vorzüge würdigende Gedenkrede und richtete an die Hinterbliebenen ermuthigende Trostworte. — Mit Absingung des „El male rachamim" vor offener Bundeslade endete die sicherlich allen Theilnehmenden unvergessliche Feier zu Ehren dieses seltenen Mannes. n. Prag. (Process Masaryk.) Die „Gerechtigkeit" hat in Oesterreich wieder einmal einen kräftigen Nachstoß erhalten; Professor Masaryk ist wegen Abfassung der bekannten Broschüre zu 6 Tagen Arrest verurtheilt worden. Man weiß jetzt wenigstens, was in Oesterreich die Wahrheit kostet! Die Verhandlung war ziemlich einförmig, da sich der Vorsitzende streng „an den Gegenstand" hielt, womit bekanntlich ein österreichischer Verhandlungsleiter so ziemlich alles Reden verbieten kann. Der Vorsitzende, Landesgerichtsrath Rotier, leitet das Verhör mit dem Angeklagten Professor Masaryk mit der Frage ein: Was hat Sie, Herr Professor, zur Abfassung Ihrer Broschüre: „Die Nothwendigkeit der Revision des Polnaer Processes" veranlasst? — Professor Masaryk: Ich verweise ans die ersten einleitenden Zeilen meiner Broschüre. Ich wollte dem schändlichen Treiben jener I o u r n a l i st i k entgegentreten, die sich in ihren Organen öffentlich rühmte, aus dem Polnaer Processe eine „Dr eyfusi ad e" gemacht zu haben. Eine Beeinflussung des Gerichtes lag mir gänzlich ferne, ich hätte sonst in meiner Arbeit nicht von einer Revision, sondern von einer Cassation des Verfahrens gesprochen. Vors. Herr Professor wollten also der Ansicht eutgegentreten, dass in dem Falle ein Ritualmord vorliege? — Prof. Masaryk: Ich habe de facto nur versucht, eine Discussion über den merkwürdigen Fall einzuleiten. Mich hat bei Confiscation meiner Broschüre nur überrascht, dass meine ganze Broschüre von A bis Z mit Beschlag belegt wurde, während andere Broschüren, die sich mit der gleichen Angelegenheit befassten. nur znm Theile oder gar nicht confisciert wurden. So z. B. die Broschüre des P. Wrb a. Sie enthält aus Seite 5 eine so crasse Lüge... Der Vorsitzende unterbricht hier den Angeklagten und fordert ihn auf, ausschließlich bei der Sache zu bleiben. Zwischen dem Vertheidiger Dr. Körner und dem Vorsitzenden entspinnt sich eine heftige Controverse. Dr. Körner vertritt den Standpunkt, dass es Herrn Professor Masaryk gestattet werden müsse, sein gesammtes Beweismaterial aufzurollen. Der Senat lehnt diesen Antrag des Vertheidigers im gegenwärtigen Stadium des Processes ab. Professor Masaryk erklärt in Fortsetzung seiner Verantwortung, dass er sein Bewersmaterial brauche und dasselbe entwickeln müsse, um seine bona Udos nachzuweisen zu können. Ich habe so viele crasse Sachen, die über diesen Process geschrieben und die nicht confisciert wurden, gelesen, dass ich wirklich nicht denken konnte, dass meine Broschüre confisciert werden würde. Da wird z. B. in der Broschüre von W r b a wieder, weit und breit, die Geschichte von der mysteriösen Parfumsenduttg aus Goltsch-Jenikau erzählt, zu einer Zeit, wo längst gerichtlich festgestellt war, dass an der ganzen Sache kein wahres Wort ist. Was wurde nicht alles über die Polnaer Mordaffaire, über den Process, die Sachverständigen geschrieben, ohne confisciert zu werden! Der Vorsitzende unterbricht den Angeklagten wieder und ermahnt, nicht fremde Angelegenheiten in den heutigen Process einzubeziehen. — Professor Masaryk: Ich führe diese Sachen nur an, weil ich glaube, dass durch diese crass entstellten Schriften die Oesfentlichkeit weit eher beeinflusst werden konnte, als durch meine Broschüre. — Vorsitzender: Ich bitte, nur strenge bei der Broschüre selbst zu bleiben. Professor Masaryk sucht nun durch eine längere Auseinandersetzung an der Hand seiner Broschüre darznlegen, dass ihm das von der Anklage zugemnthete Vergehen nicht zuzurechnen sei. Professor Masaryk versichert am Schlüsse seiner Ausführungen, dass es ihm völlig ferne lag, das Gericht beeinflussen zu wollen. Er als Laie konnte nie daran denken, einen Gerichtshof überzeugen zu wollen oder zu können. Er habe nur gegen die schamlose Art, wie diese Afsaire von einzelnen Blättern ausgebeutet wurde, und die ihn in der tiefsten Seele schmerzte, protestiert und sich für berufen gehalten, seine Anschauungen darüber zu veröffentlichen; insbesondere sei er dem furchtbaren Märchen vom Ritual morde entgegen getreten. Der Staatsanwalt sagt, dass Professor Masaryk sich eine nicht sehr noble Vertheidigungsart zurechtgelegt habe, welche beweise, dass er nicht den Math seiner Ueberzengung habe. Professor Masaryk replicierte auf das schärfste gegen den Vorwurf des Staatsanwaltes. „Dass ich den Muth meiner Ueberzengung habe, beweist am besten, dass ich ausgetreten bin und meiner Ueberzengung Airsdruck verlieh. Dagegen muss ich protestieren, dass der Staatsanwalt mir vor Gericht ein ignoblesVorgehen vorwerfen dürfe. Ich habe weder H ü l s n e r schützen noch das Gericht beeinflussen wollen. Ich habe den Muth der Ueberzengung gehabt, für sie einzutreten, und ich werde nicht ruhen, bis in die geheimnisvolle Affaire, welche vom tiefen Dunkel umhüllt ist, Licht und Aufklärung gebracht sind, bis jenes schändliche Märchen vom Ritualmorde zerstreut und vernichtet sein wird." Der Gerichtshof verurtheilte Professor Masaryk zu sechzig Kronen Geldstrafe und im Falle der Uneinbringlichkeit derselben zu 6 Tagen Arrests. — Der Vertheidiger Dr. Körner meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an. Am selben Tage wurden der Redacteur des „Czas", Dr. Herben, sowie die Nedacteure Molzer und Schubert vom „Prager Tagblatt" zu ähnlichen Strafen verurtheilt. Auch von diesen wurde die Nichtigkeitsbeschwerde angemeldet, so dass der Oberste Gerichtshof in die Lage kommen wird, zu untersuchen, ob sich Professor Masaryk in der That einer strafbaren Handlung schuldig machte, indem er für die Wahrheit das Wort ergriff. Kolm. (Jüdische Volksversammlung.) Der 5. Februar war für die hiesige jüdische Bevölkerung ein Tag, dessen sich jeder Theilnehmer nach Jahren noch mit Freude erinnern wird. Von Prag kam Dr. Leopold Kahn sammt Gemahlin und Herr Wertheimer als Redner zu der hierher einberufenen Versammlung. An 300 Personen drängten sich im Saale des Grand Hotel. Der Vorsitzende, Herr B o n d i, ertheilte zuerst dem czechischen Redner Herrn Wertheimer das Wort, welcher den Juden klar zu machen sich bestrebte, dass der Jude dem Judenthum gehöre, keinerlei anderen Parteien sich anzuschließen hat, umsomehr, als er von diesen nur ausgenützt wird, um dann von ihnen als minderwertig und fremd behandelt zu werden. National soll sich der Jude zuerst fühlen, um dann zionistisch werden zu können. Nachher ergriff Herr Dr. Kahn das Wort zu einer Rede, wie sie hier noch nicht gehört wurde. Um sie gehörig charakterisieren zu können, müsste der Raum viel größer sein, als er einer Notiz bemessen werden kann. Die Rede fand brausenden Beifall. Dann sprach Frau Dr. Kahn eine halbe Stunde mit Worten und Gefühlen, die kein Auge thränenfrei ließen; man sah gereifte Männer einer Bewegung, einem Zauber unterliegen, dessen Tiefe keinen Zweifel zuließ. Nachdem Frau Dr. Kahn geendet, durchbrauste den Saal ein Beifall, der einer Eruption glich. Diese Reden waren ein Erfolg, ein Weckruf für ganz Ostböhmen. Das Nationalgefühl der Juden in diesen Gegenden ist thatsächlich erwacht, das bewies der Widerspruch, den der nachfolgende Redner, Herr Mandel i k, fand, der noch reiten wollte, was zu retten ist. Ihm antwortete Herr cand. ing. Klein so treffend, dass alle Argumente, welche jener vorbrachte, über den Haufen geworfen wurden. Kurz, der Abend war nach allen. Richtungen ein vollkommen gelungener und der Tag hernach ein Feiertag im besten Sinne des Wortes. Es ist zu hoffen, dass dieser Abend gute Früchte tragen wird. Lemberg. (Die a n t i s e m i t i s ch e n Notariatskammer n.) Die galizischen und die Bukowinaer Notariatskammern beschlossen, eine gemeinsame Deputation zum Justizminister nach Wien zu entsenden, damit dieselbe gegen die beabsichtigte Reform des Notariats Vorstellungen erhebe. Die Deputation erhielt insbesondere den Auftrag, eine etwaige Vereinigung des Notariats mit der Advocatur als inopportun darzustellen, und zwar mit dem ausdrücklichen Hinweise darallf, dass das Notariat als „eine vorwiegend nationale und demokratische Institution", welche bisher der Invasion des Semitismus erfolgreich Widerstand geleistet hat, im Falle der Vereinigung mit der Advocatur den Inden ansgeliefert und in der allgemeinen Vertrauenswürdigkeit beeinträchtigt wäre. Angesichts der Veröffentlichung dieses Beschlusses erheben nun in den polnischen Blättern sämmtliche jüdischen Advocaten in Lemberg, mir dem Vicepräsidenten der hiesigen Advocatenkammer, dem Reichsraths-Abgeordneten Dr. B y k, an der Spitze, gegen das Vorgehen der bezeichneten Notariatskammern mit dem Ausdrucke tiefster Entrüstung entschieden Verwahrung, indem sie betonen, dass ans rein selbstsüchtigen Gründen für eine gewöhnliche Brot- und Existenzfrage des Notariats angebliche Interessen der Demokratie und NationMät als Deckmantel herangezogen werden.