Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 7 (16.2.1900)
- Date
- 1900-02-16
- Page
- Seite 7 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Wien, Freitag1 Jüdisches Volksblatt IG. Februar 1600 Seite 7 (Marpe larittefesch.) So lautet der passende und packende Name des Vereines, der seit seinem vierjährigen Bestände sich zur löblichen Aufgabe machte, die drei hervorragenden Pfeiler, auf denen der 'Bestand des Judenthums basiert ist, nämlich religöse Belehrung, Gotttesdienst und Wohlthätigkeit zu festigen und dadurch die Cultusgemeinde nach Thunlichkeit zu entlasten. Am Sonntag abends fand in Fischers „Cast; Adria" eine §utbesuchte Generalversammlung statt, bei der Herr Obmann lak. Stern alle Erschienenen, darunter den ehrw. Rabbiner Fried mann und den Delegirten der Cultusgemeinde Doctor Alfons Berger, freundlichst begrüßte. Nach Verlesung des Nechenschaftsbsberichtes pro 18!)!), in dem mit großer Befriedigung der fortschreitende Aufschwung der Vereinsthätigkeit constatiert wird, indem 1327 fl. an Wtm'e und Kranke vertheilt wurden, außerdem70'/, fl. an verschämte Kranke, denen kräftigende Weine ins Haus geschickt werden und 136 fl. zu Pessach, beantragt Herr Wilhelm Morgenstern eine Statutenänderung, um den conservativen Charakter des Vorstandes sichern, doch ließ Herr Dr. Berger die Abstimmung hierüber nicht zu, weil es nicht auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl eines zwölfgliedrigen Vorstandes erschienen als gewählt die Herren: Ferdinand K o h n, Leop. P i o w a t y, Wilhelm Morgenst e r n, Sal. Steiner, Jae. Stern, Ed. Her m a n n, I. L. Zo lisch an, Jrsef Steiner, Jak. Z'o lisch an, Sal. F r i s ch m a n n, Leop. Schiller, B. Groß, Ad. L e i t n e r, Jsak R o s n e r und Mayer K a tz b e r g. Herr P i o w a t y dürfte vermuthlich die Obmann-Stellvertnng annehmen. Es bleibt nur noch zu wünschen, dass der eminent wohlthätige Verein, der sein Vetlocal von der Taborstraße in die Glockengasse Nr. 0 verlegte, durch Zuwendung umfassender Sympathien, unbeirrt und ungestört von religiös sein sollenden Stänkereien zum Heile und Wohle der Armen' und Hilfsbedürftigen ersprießlich und segensreich wirken möchte. Gleichzeitig wurde auch in dem Dependance-Vereine des „Marpe lannefesch" — nämlich dein Witwen- und W a i s enfonds-Vereine — während des Scrutiniums des obgenannten Hauptvereines die Neuwahl eines ebenfalls zwölfgliedrigen Ausschusses vorgenommen und giengen aus der Urne hervor die Herren : Jul. L e i t n e r, Obmann; Jos. B l u m, Obmann-Stellvertreter; Jos. Steiner, Cassier; Jsak 9! o s ner, Cassier-Stellvertreter; Mark. K a tz b e r g, SchriftführerLeop. K o l l m a n n, Schriftführer - Stellvertreter; Nathan Hah n, Controlor; M. Sobl, Controlor-Stellvertreter; Herm. Beck, Sam. Braun, Hillel Schiffmann und David Topp. —n. anrnimapwg gvhfha ptn. Beda. Ihr Gedicht ist gut gemeint, nur hapert's noch hier und dort: Schloss Juda. Es ragt ein Schloss am Felsen Mit Wall und Thor und Thurm, Es trotzt dem Zahn der Zeiten, Es trotzt dem Feindessturm. sSehen Sie, dass unsere Zeiten einen Zahn haben, ist nicht gut möglich. Wegen eines Reimes darf man den einen Zahn, den die Zeit hat, nicht so vertheilen.s Es zogen viele tausend Der Jahre wild vorbei, sDass die Jahre so wild ziehen, davon ist uns auch nichts bekannt.! Das Schloss, es ragt noch immer Am Felsen stolz und frei. Es stürmten viele tausend Der Feinde mit Speer und Schwert; Die Feinde sanken und starben. Das Schloss blieb unversehrt. Doch einst wird nah'n die Stunde, Da öffnet sich das Thor, Zehntausend schimmernde Ritter, Sie reiten d'raus hervor. Es schwingt ein greiser Krieger Das Banner mit dem Stern, Ein Priester trägt daneben Die heil'ge Schrift des Herrn. Es tönen die Fanfaren, Die Trommel wirbelt d'rein. Dazwischen klingen Flöten Und schmeichelnde Schalmei'n. So zieh'n sie durch die Auen, Sie zieh'n zum Heil'gen Land. Es grüßen sie die Fürsten Und drücken ihre Hand. sHaben die Krieger und die Priester alle zusammen nur eine Hand?j Die Völkerscharen jubeln, Und jubelnd zieh'n sie nach; — Und also wird erfüllet, Was einst der Ewige sprach: „All' jene, die D i ch segnen, I ch segne sie dafür, Dass alle Erdenvölker Gesegnet sei'« in Dir!" Beda. Wie gesagt, gut gemeint, aber im übrigen werden Sie begreifen, wenn wir Gedichte nur in besonderen Ausnahmsfällen bringen. L., Prag. Gewiss sind uns solche Aufsätze willkommen. Nur können wir über die Aufnahme erst entscheiden, nachdem wir sie gelesen haben. Beste Grüße. C. H. Vergessen Sie nicht, dass es sehr schwer ist, ein jüdisches Blatt einzubürgern. Die Zahl derer, die ein solches Blatt nur aus „Rachmones" halten zu müssen glauben ist sehr groß; jeder Dununkopf glaubt, er sei darüber hinaus, jüdisch fühlen zu müssen. Darum ist es nothwendig, dass sich jeder Stammesgenosse der Verbreitung des Blattes annimmt. Nachdem das Unternehmen nicht auf Gewinn berechnet ist, kann er es umso ungescheuter thun. Freundliche Grüße! JÜDISCHER VOLKSVEREIN. Mittwoch den 21. Februar 1900, 8 Uhr abends, findet im Voreinslocale, II., Haasgasse 8 (Untere Augartenstr. 19), ein freier $Hscussions-Mßend statt. — Tagesordnung: ,,Die Juden und der Nationalitäten- Ausgleich in Oesterreich". — Referent Herr Dr. H. Kadisch. Mit anschliessender freier Discussion. Hiezu werden sämmtliche Mitglieder eingeladen. Gäste, auch Damen, willkommen. Die Vereinsleitung. Kaffeeu. 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