Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 6 (9.2.1900)
- Date
- 1900-02-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 9. Februar 1900 Nr. 6 Nach Galizien kamen die Inden unter der Herrschaft Kasimirs. Diesen König, der mit dem Spottnamen „Bauernköiiig" bezeichnet wurde, basste die Schlachta ob seiner Humanität und kann ihm bis heutzutage „die Verpestung des Vaterlandes mit der jüdischen Seuche" nicht vergessen. Uebrigens galt die Gunst des Königs Kasimir weniger den Juden als den schönen Töchtern Judas. Jeder Unbefangene wird zugeben müssen, dass die Juden in Polen eine wichtige Rolle spielten und viel zur Hebung der Industrie und des Handels beitrugen. Der polnische Adel hat trotzdem die Inden immer als etwas Minderwertiges behandelt, als ein Mittelding zwischen den Begriffen Mensch und Thier. Die Ermordung eines Inden wurde gewöhnlich als nicht strafbar angesehen. Diese Traditionen haben sich bis heute unter den Bauern erhalten. Es ist mir ein Fall bekannt, wo ein Bauer, den während einer Rauferei mit einem Juden ein ruthenischer Dorfpfarrer zu beruhigen suchte und ihn an den Strang erinnerte, den Priester verwundert fragte: „Wie... ist es denn möglich? Für Ermordung eines Inden? . . ." Trotzdem haben es die Schlachzizen verstanden, sich den Juden zu einem gefügigen Werkzeug zu machen, was ihnen gelingen musste, da der Jude rechtlos und die Schlachta allmächtig war. Um die Interessen der Juden mit denen der Schlachta zu verbinden, wurde der polnische Jude zu dem typischen Wirtshaus Pächter erzogen, während die Schlachta Inhaber der Schenken blieb. Der Wirtshauspächter war verpflichtet, über jede Bewegung, ja selbst über jedes Gespräch der Bauern die Herrschaft genau zu unterrichten. Er wurde überdies sehr oft zum Vollstrecker der Befehle seines Herrn gemacht. Deswegen kehrte sich der Unwille der bedrückten Bevölkerung immer vor allem gegen die Wirtshanspächter, also gegen die Juden. „Traue dem Juden nicht." Das wurde zum elften Gebote des Bauern. Von den Bauern gehasst, von der Schlachta verachtet und unterdrückt, musste der polnische Jude mit der Zeit jedes Gefühl der Selbständigkeit und der Menschenwürde verlieren. Er war angewiesen, sich an die Mächtigeren zu halten und um jeden Preis ihre Gunst zu erwerben — dadurch aber steigerte sich der Hass der Menge gegen ihn. Das wollte eben die polnische Schlachta, denn oft kehrten sich die gefährlichen Ausbrüche des Unwillens der Bauern nicht gegen die Schlachzizen, sondern gegen die Juden. Auf diese Weise hat die Schlachta unter der polnischen Bevölkerung planmäßig den Antisemitismus gezüchtet und das Judenthum sich zum historischen Sündenbock gemacht. Noch schlechter gieng es in den ruthenischen Ländern zu, die mit dem polnischen Königreiche verbunden waren (das heutige Ostgalizien, Wolhynien, Podolien, Ukraina). Die Ruthenen waren bekanntlich anderer Confession (griechisch-orthodox) wie die Polen. Die polnische Schlachta hat nun die Wirtshauspächter — ergo Juden — zu förmlichen Verwaltern der ruthenischen Kirchen gemacht. Der Wirtshanspächter sollte die Schlüssel von den ruthenischen Kirchen aufbewahren und die Kirche nur gegen Barzahlung einer beliebigen Summe öffnen. Natürlich kam es dabei sehr oft zu Missbräucheu — denn der Jude wollte sich die Gunst seines Herrn erwerben. Die Ruthenen haben nun sowohl die Juden wie auch die Polen als ihre Todfeinde betrachtet, und wenn es zn einem Aufstande der Ruthenen kam (wie z. B. unter Chmelnickyj), so geschah es immer unter der Parole: „Auf gegen die Polen und gegen die Juden" (byj Lacha i Zyda!). Auf diese Weise haben die Schlachzizen zwischen dem ruthenischen Volke und den Juden eine Kluft geschaffen, die zu ihren Zwecken unbedingt nothwendig ist. Der galizische Jude ist somit als ein Product der polnischen Wirtschaft zu betrachten, den die langjährige polnische Schule zu einem Typus eines „polnischen Juden" machte. Die Stellung eines „polnischen Juden" war immer und ist noch heutzutage sowohl für ihn selbst, wie auch für die breiten Volksschichten unerträglich. Der Schlachziz verachtet den Juden, unterdrückt ihn, lässt sich den Nonnen. Zuhause habe ich von einer jüdischen Religion nie sprechen gehört, viel weniger aber von einem Paradiese für die jüdischen Seelen..." Und als ich älter wurde, ward ich von der Freude am Dasein, von der Lebenslust ganz in Anspruch genommen. — Wer denkt an den Tod, an das Jenseits, wenn der Strom des Lebens einen hinreißt und die Jugend alle Fasern des Herzens durchquillt? Bälle, Theater, Concerte und das Tanzvergnügen nahmen von allen meinen Sinnen Besitz. Wir heirateten und das lustige Leben fand seine Fortsetzung. Auch von Dir hörte ich niemals ein Wort von einer jüdischen Religion, die die Seelen nach dem Tode selig macht... In den jüngeren Jahren denkt man nicht daran. . . Aber, man wird älter, die Unterhaltungen verlieren allmählich ihren Glanz und ihren Reiz. — Und da wohnte ich vor 3 Monaten dem Leichenbegängnisse einer meiner Jugendfreundinnen bei. Da sah ich die Geistlichkeit in ihren weihevollen Verrichtungen, sah ihre auf die Sinne mächtig wirkenden Ceremonien, hörte die Gebete in Begleitung der feierlichen Klänge der Orgel, und es überfiel mich plötzlich der schaurige Gedanke: „Meine Freundin kommt ins Paradies und ich?"... Und alle alten Geschichtchen, welche Amme, Bonne, Lehrer und Nonnen mir erzählten, fanden ihre Auferstehung. Sie erwachten in meiner Erinnerung und gaben mir keine Ruhe. Ich fieng an, besorgt zu sein meiner Seele halber, dieser sündigen Seele, die so tief gesunken, dass sie für die Hölle reif geworden ist. Schaudern überlief und durchbebte meinen ganzen Körper beim Gedanken meines Sterbetages. . . Und die Vorstellung desselben wollte von mir nicht weichen. Ich wurde beinahe verrückt. Endlich fasste ich einen Entschluss — und ließ mich taufen..." Ein Strom von Thränen begleitete diese Geständnisse. Aufmerksam hatte Silberzweig zugehört. Ein tiefer Seufzer entrang sich seiner Brust. Eine Weile schauten sie einander stillschweigend an. — „ Aber, weißt Du, was dieser Schritt für unser durch ihn in verschiedenen s ch m u tz i g e n Angelege n h eite n vertreten und anerkennt im Juden einen Menschen bloß dann, wenn er von ihm Geld braucht — was das historische Sprichwort der Schlachzizen trefflich definiert: „Jak bieda to do Zyda a jak po bzedzie-byway z drovv Zydzie“ (in der Roth zum Juden rc.) Der Bauer wiederum hasst den Inden als den Helfershelfer der Schlachta in verschiedenen Wahlgeschichten u. s. w. Es bedarf somit keiner großen Agitation, um Judeiikrawalle in Galizien herbeizuführen. Deswegen ist die Rolle der polnischen Schlachta in Galizien sehr leicht: wenn sie mit ihren Repressalien zn weit gedrungen ist, so dass sich eine Gährung unter der Bevölkerung bemerkbar macht, dann bestellt man antisemitische Unruhen, lässt anfangs die Juden ruhig prügeln, dann unterdrückt man die Bewegung, infolge dessen steigert sich der Hass der Bestraften gegen die Inden — der Schlachzize aber schmunzelt vergnügt, denn er konnte sich dem Inden gegenüber als Beschützer anfspielen und ihn so noch gefügiger machen. Hier spricht übrigens der Umstand für sich, dass Pater S t o j a l o w s k i, der früher kein Antisemit war, zum hartnäckigen Judenfresser geworden ist, nachdem er sich der Schlachta näherte, die ihm ein Reichsrathsmandat zuschanzte. Jetzt agitiert die Schlachta eifrig für den Ritualmord. Sie hat einen gewissen Herrn Dr. C z o l o w s k i mit dieser Mission betraut. Der Herr macht „Studien" in dieser Hinsicht, veröffentlicht Broschüren und beweist in allen Schlachzizenblätteru (vor allem in den o/ficielleu Organen des Polen-Club) die Existenz des Ritualmordes. Der Polen-Club hat zwar, in dieser Hinsicht eine Interpellation gezeichnet, die Herren eilten sich aber, ihren Schritt sofort in den Blättern mit der Ungezogenheit der polnischen Juden zn rechtfertigen, die sonst die Unterschriften unter den Deutschen gesammelt hätten. Die rulhenische Bevölkerung ist, wie gesagt, auch gar nicht philosemitisch — und dass hier die Agitation des Pater Stojalowski bis nun keinen günstigen Boden fand, ist auf den Unwillen der Ruthenen gegen den polnischen Clerus und gegen die Jesuiten zurückzuführen. Denn dieRuthenen betrachten das Judenthum als eine nicht unbedeutende Stütze des Polenthums — ohne welche die Polen in Galizien sich in der Minorität befinden müssten. (Galizien hat circa 800.000 jüdische Einwohner, die sich als Polen bezeichnen.) Deswegen wächst mit dem nationalen Bewusstsein auch der national-politische Antisemitismus der ruthenischen Bevölkerung. Zur Förderung der judenfeindlichen Bewegung in Ostgalizieu hat letzthin die Neuconstellation der ruthenischen Parteien viel beigetragen. Eben hat sich die Fusion der — in verschiedene Parteiungen zersplitterten — fortschrittlichen Elemente unter den Ruthenen vollzogen. Dazu wurden die Anführer der einzelnen Gruppen und die bedeutendsten ruthenischen Politiker — wie Dr. Franko, Prof. Romanc zu k, Budzyno wskyj.' Dr. Olesnickyi, Dr. E. L e w i c k y j — durch die bedauerliche Lage des ruthenischen Volkes einerseits und durch immer mehr fühlbaren Druck von Seite der sämmtlichen polnischen Parteien verursacht. Da nun die Vereinigten — die heute als bedeutendste und größte Partei in Ostgalizien zu betrachten sind — in ihrem Programme gegen den Antisemitismus auftreten, blasen die Schlachzizenblätter und der russophile „Haliczanin“ zum Sturme gegen die neue „judenfreundliche" Partei. Die ruthenisch-russophile Partei ist im Aussterben begriffen und hat gar keine Bedeutung mehr, sie will also aus der nunmehrigen Gährung für sich Capital schlagen — denn mit Antisemitismus macht man gute Geschäfte nicht nur in Wien, sondern auch in Galizien. Der verschlagene „klallezanin“ sucht nun um sich eine antisemitische Partei (aus verschiedenen Malcontenten) zu gruppieren. Er betreibt somit eine förmliche Erpressungspolitik — denunciert die ruhtenischen Geistlichen, die seinen Jntriguen nicht beistimmen, bezeichnet sie als Socialisten, stigmatisiert sie als Judophile rc. rc. HauS bedeutet? Weißt Du nicht, dass eine „Getaufte" der Schandfleck jeder jüdischen Familie ist? Selbst der fortgeschrittensten? Weißt Du es denn nicht, dass wir beide uns voneinander trennen müssen? Dass wir gesetzlich nicht zusammen wohnen dürfen? Dass Du von nun an einer scharfen Coutrole unterworfen sein wirst? Jeder Deiner Schritte wird beobachtet werden, und Geistlichkeit und Polizei werden offen und geheim beobachten, ob Du auch fromm genug bist, ob Du regelmäßig in die Kirche gehst und ob Du alles erfüllst, was die Kirche und der Beichtvater von Dir verlangt. — Adieu, Mathilde! Die letzten Stunden sind eS, die wir.. . zusammen zubringen..." 1 Und auch seinen Augen entstürzte ein Thränenguß. Schlaflos brachten sie die Nacht zu. Er konnte sich mit dem Gedanken, dass seine Frau „getauft" sei, nicht vertraut machen. Schrecklich stellte er sich die Folgen vor; die Schande, welche er und seine Kinder zu erdulden haben werden. Wie wird er mit seinen College« im Cultusvorstande verkehren könnnen? Und dann die Trennung! Getrennt von ihr leben! . .. Noch schrecklicher und schaudervoller waren ihre Gedanken, war ihre Aufregung. Wohl glaubt sie nur zur Hälfte ihrem Manne, was das jüdische Paradies betrifft, aber sie sieht ein, wie übereilt sie ihren Entschluss gefasst und darnach gehandelt hat, und die jammervolle Aussicht, fortab von ihrem Gemahl getrennt leben zu müssen, erschütterte ihr ganzes Inneres. „Warum habe ich ihm das nicht früher erzählt?" Aber er hätte mich an diesem Schritte gehindert, und ich weiß noch nicht, ob die Juden wirklich nach dem Tode selig werden. Selig macht Christus. Das ist sicher, das Paradies gehört den Christen. .. Aber ich lebe ja noch. — Werde ich wirklich von ihm scheiden müssen . . . allein leben ... und die Kinder und die Enkel ... die werden mich auch verachten, verwerfen .. ." „Nein!" schrie es aus ihr mit solchem wilden Tone heraus, dass ihr Gemahk erschreckt auffuhr, um sie zu beruhigen. * * * Bei dieser Gelegenheit mnss ich bemerken, dass„lla!iczanin" Hand in Hand mit seinem einst hartnäckigen Gegner Pater Stojalowski geht —> schöne Seelen finden sich! Zu gewärtigen ist es somit, dass es bald zur Bildung einer selbstständigen ruthenischen oder polnisch-rnthenischen antisemitischen Partei kommt, die zweifellos von der Schlachta begünstigt werden wird. Also gegen die Vereinigung der ruthenischen Volksparteien die Ralliierung der internationalen schwarzen Elemente! Es ist eine andere Frage, ob die vereinigten Stojalowskianer mit ihren Gegnern auf die Dauer concurrieren werden. Auf jeden Fall wird die ruthenische antisemitische Partei eine polnische Creatur sein, denn bis jetzt hat noch keine ruthenische Partei den antisemischen Charakter gehabt. Sei dem wie immer. Eines muss hervorgehoben werden: Der von allen Seiten bedrückte ruthenische Bauer hat keine Lust und keine Zeit, den possierlichen G r e g o r i g oder den Mechaniker Schneider nachzuahmen, aus lauter Vorliebe für die Possen und für den Mechanismus, wenn er aber hie und da den antisemitischen Agitationen beipflichtet, so thut er das bloß «ns politischen Beweggründen. Deswegen können wir als Thermometer des Antisemitismus in Galizien die jeweiligen Wahlen betrachten, nach welchen es am leichtesten ist, die Judeukrawalle hervorzurufen. Das beste Gegengift gegen den Antisemitismus in Galizien wäre somit, wenn sich die Inden entweder in Westgalizien der polnischen und in Ostgalizien der ruthenischen Bevölkerung anschließen oder sich ganz neutral verhalten würden — sei es als deutsche, sei es als speciell jüdische Nation. Ich bin davon fest überzeugt, dass von dem Momente an, wo die galizischen Juden der polnischen Schlachta ihre Dienste versagen, wo sie in Ostgalizien das — jure caduco — herrschende polnische Element nicht mehr unterstützen werden — dass von diesem Augenblicke an der Judenhass ans Galizien verbannt werden wird. Dass es dazu kommt, ist einmal sicher, ob bald, kann man heute noch nicht sagen. Je eher desto besser! Lemberg, Ende Jänner 1900. Roman Sembratowycz. Vom Tage. Minister Pientak und die Inden. Wie man aus Lemberg berichtet, bewirbt sich jetzt der galizische Landesminister Hofrath Dr. Pientak um das erledigte Landtagsmandat des verstorbenen Franz Smolka. Sein Gegencandldat ist der Socialdemokrat Daszynski. Das erinnert uns an den ersten Schritt des Ministers auf seiner politischen Laufbahn. Es war im Jahre 1897. In Lemberg war eine Ersatzwahl für den Reichsrath eben an Stelle Dr. S m o l k a s ausgeschrieben. Der, demokratische Schriftsteller und Redacteür des „Kurjer Lwowski", Henryk Newa ko witsch, hatte die besten Chancen gewühlt zu werden. Pientak saß vertieft in seine Nechtsstudien und träumte wohl kaum davon, sich an der hohen Politik zu betheiligen. Die Regierung suchte uach einem loyalen Candidaten und fand Pientak heraus. Er war dazu genug clerical, genug couservativ und genug polnisch-national. Graf Badeni war Statthalter und Herr Samuel Hyrowitz Präses der jüdischen Cultusgemeinde. Und trotzdem man in der ganzen Stadt von Pientak als von einem Antisemiten sprach, ist es den Machenschaften der Cllltusgemeinde gelungen, die Wahl P i e n t a k s durchzusetzen. Die j ü d i s ch en Stimmen machten den Herrn Hofrath zum Abgeordneten. Wie aber dankte der Hofrath Pientak den Juden für ihre Agitation und Stimmen? Darauf brauchten die Lemberger Juden nicht lange zu warten. Etwa ein halbes Jahr darauf kam im Gemeiuderath eine Petition der Lemberger jüdischen Kaufleute wegen Erleichterung Am darauffolgenden Tage veranstaltete Silberzweig einen Familieurath, dem er die ganze traurige Angelegenheit zur Beschlussfassung unterbreitete. Was Mathilde anaelangt, war sie derart in nervös gereizter Aufregung, dass der Arzt vorerst vollständige Ruhe für sie befahl; später wird eine Cur in einem ausländischen Cnrorte Vonnöthen sein. Der letztere Vorschlag fand auch bei dem Familieurathe allgemeine Zustimmung. „Nach dem Auslande! Sie fahren mit Ihrer Frau in einen ausländischen Curort und dort könnte sie eventuell zum Judenthum zurückkehren. .. Wenigstens wird der Scandal hier in Warschau verhindert werden... Hier wird es dann heißen: Mathilde ist krankheitshalber ins Bad gefahren . .." Infolge dieses Familienrathsbeschlusses traf Silberzweig in aller Schnelle die Vorbereitungen zur baldigen Abreise. Mathilden erklärte man, sie werde verfolgt und müsse ins Ausland flüchten. Das versetzte sie iu solche Aufregung, dass sie ernstlich erkrankte, so dass für ihre Rettung die Reise ins Ausland zur Nothwendigkeit geworden war. -i- * * Aber auch das Bad half nicht mehr. Ihre Krankheit steigerte sich, sie musste das Bert hüten und die Aerzte machten bedenkliche Mienen. Im Delirium phantasierte sie von Christus und vom Himmelreiche. Das Kreuz ließ sie nicht aus den Händen und in der Fieberhitze flehte um sie einen Geistlichen, den aber zu holen Silberzweig unter Ausreden hintanztlhalten wusste. Endlich verschlimmerte sich ihr Zustand derart, dass ihre Stunden gezählt waren. Silberzweig nahte sich der Sterbenden, nahm ihr das Kreuz aus deu Händen, ließ die „Chewra- Kadischa" holen, welche mit ihr „Widdu" (Süudenbekenntnis) sagten und vor ihrem Bette „Ma'awar-Jabvk (rituelle Todtengebete) lasen. Unter dem Rufe „Sch'mah Jisrvel" hauchte sie ihre Seele aus — und wurde am jüdischen Friedhöfe beerdigt. *