Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 5 (2.2.1900)
- Date
- 1900-02-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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■ludiM'iiH.-i Voikshirttt 2. Februar 1900 Sf-iin f Wien. Fn-itai: Nr. 5 zum Vcriunbcn zu bringen. Was würde man übrigens dazu sagen, wenn ein Kaufmann, nachdem er sich in einer Reihe von Geschäften verspeenlicri hat, ftd) entschlösse, lieber zu hungern, als weiter Geschäfte zu machen. Für ein Volk, das gerade so lebt oder sterben kann, wie der Einzelne, heißt aber hungern: über seine eigensten Interessen mit verschränkten Armen direct seine Feinde entscheiden lassen. Dieser Ruf nach Enthaltung von den öffentlichen Angelegenheiten ist ein stöhnendes: „Lasst mich dann! in Ruh!" oder vielmehr ein herzerschütternder Verzweiflungsschrei eines desperaten Halbohnmächtigen, der nur doppelt so deutlich die Roth hinausschreit. Eine sociale G r tl p p e, und eine solche i st die I u d c n h e i t, h a t i h r e öffentlichen Fragen, die sie beantworten muss. Denn das sind ja gerade die öffentlichen Dinge, die nicht die Einzelnen, sondern die Gesaninrtheit betreffen. Und zu diesen Fragen tt'üssen wir Stellung nehmen. Nicht der Einzelne, die Gesammtheit. Aber wo ist diese? Hätten wir eine compact beieinander wohnende jüdische Volksmasse, dann könnten wir leicht unseren Willen äußern. So aber müssen wir uns erst zusammenthun, organisieren, wie es alle anderen, die es nicht so nöthig haben, schon längst gethan. Dann erst werden wir in der Lage sein, unsere Interessen richtig und erfolgreich zu vertreten. Wir wissen nicht, was uns die Zukunft in Oesterreich bringen kann. Einen deutlichen Wink mit d em Z aunpfähl hat uns das mährische Judenidyll gegeben, das sichplötzlich. wie auf den Wink des Regisseurs, in eine Excessarena verwandelthat.Will mansich vorderUeberschwemmung schützen, dann darf man den Damm nicht erst bauen, wenn die Gefahr droht. Dann lässt sich oft nur noch das nackte Leben oder auch das nicht retten. Der Kluge baut vor. Heute schon müssen wir zu bauen beginnen, weil uns eben die Gefahr für morgen nicht signalisiert ist. Wir brauchen jüdische Volsverbände, Landesorganisationen, eine jüdisch denkende Intelligenz, eine Volksmasse. die ihre Lage zu erkennen und sich darnach einzurichten in der Lage ist — Volksaufklärung. Wir müssen uns in der Reichscentrale eine Leitung schaffen, wo alle Fäden zusammenlaufen und zusammengehalten werden. Wir müssen die jüdischen Arbeiter gewerkschaftlich organisieren. Das wäre ein Verth e i d i g u n g s w al l für die jüdische Gesammtheit und für jeden Einzelnen. Ihre Bedeutung können wir heute nicht abmessen. Jedenfalls wird sie größer sein, als wir es uns vorstellen. Können wir doch heute an einem naheliegenden welthistorischen Beispiele die segnenden Wirkungen einheitlicher Organisation erkennen, an dem seit 1870 zu ungeahnter Blüte gestiegenen Deutschen Reiche im Gegensätze zu der politischen Bedeutungslosigkeit der zerklüfteten deutschen Kleinstaaten vor 1870. Und dieser Gedanke der Sammlung ist doch nicht einmal heute zum erstenmale ausgesprochen, er umschwämt uns schon durch Jahre, ohne dass wir gewagt hätten, ihn in Wirklichkeit umzusetzen. Fischhof hat daran gedacht. Baron Suttner hat ihn empfohlen. Die österreichisch-israelitische Union hat, wie schon der Name sagt, ihn durchzuführen versucht. Hundertmal wurde er in Versammlungen ausgesprochen. Das Wort war da. Der Wunsch lebt uns in der Seele. Zur That hat sich aber kein Mann gefunden. Doch wir müssen uns vertheidigen! Und da nicht einer sich allein aufrafft, wohlan denn alle, zusammen! Al. I). zum Mitgenießen anregen, wir hören mehr aus seinen Werken heraus, als wir in denselben sehen. Er ist als Jude der Künstler der abstracten „Idee" geblieben. Wenn er auch nicht immer der Devise folgt: „Flut ickea, psrsat forma“, wenn er auch oft den idealen Inhalt in eine realistisch wahre und schöne Form zu gießen weiß, so prävaliert doch in seinem Werke die Seele, bie Idee, die uns absorbiert, dass unser Kunstgenuss mehr dem Sinnen als dem Schauen und Mitschaffen entspringt. Wir verstehen jetzt, dass die griechischen Künstler nie sein Herz gewinnen können, „weil ihr einziges Kunstideal nur die Formenschönheit war, was eher der rein decorativen Kunst würdig ist". Wir verstehen jetzt, dass er die wahren Künstler in der Vorrenaissance unter den Malern der Heiligen und der Märtyrer, nur unter den Malern der „Seele" sinoet, und dass ihm erst der edle Inhalt die Kunst zur Sluiift macht. Er setzt an die Stelle des auf den Leuchtthürmen üblich angebrachten Kreuzes ein Bild, und zwar ein Bild Christi, der — nach eurer Stelle im Evangelium — die Hand erhebt und den Wellen und Stürnren Strllstand gebietet. Ex meißelt statt des als Grabdenkmal üblichen Kreuzes einen „Christus", auf erneut Stuhle sitzend und mitleidsvoll allen die Hände enlgegenstreckend, die vor ihm erscheinen wollen. Er will immer „etwas sagen", uns um einen Gedanken bereichern. Jede einzelne seiner ru> sichen Nationalgestalleu verkörpert eine Jbee. Seur „Peter der Große" verkörpert die Alleinherrschaft des Czaren nnd stellt das „Väterchen der russischen Familie" dar, sein „Iwan III" den Einiger Russlands; sein „Jaroslaw der Werse" den gerechten Gesetzgeber, den Sammler der,.Russkaja Prawda“; sein „Jermak" den Kosakenhelden und Eroberer Sibiriens; sein „Nestor" den ungebildeten, in seiirer Schlichtheit wahren Chronisten. Fast überall herrscht bei ihm das Bestreben war, in erster Reihe sozusagen die Beinamen darzustellen, die Seele in den Vordergrund zu rücken. Am Anfänge war die „Idee". — Die Maler, die Seelen und Jüeen darstelleir wollen, haben freilich ein leichteres Spiel, sie bedienen sich der Farbe. A n t or o l s k i aber muss in den todten Stern Leben und Bewegung bringen und insoferne ihm das nicht genügend gelingen will, bedient er sich eines erklärenden Milreus und der Gruppe, in der die einzelnen Theile eben durch das Zusanunenspiel etwas ausdrücken. Er meißelt „Dramen". So ist dre Skizze seines Puschkindenkmales entstanden, das den russischen Dichter auf dem Gipfel eines Hügels, in Nachfinnen vertieft, darstellt, während die Helden seiner Werke über den Pfad schreiten, der sich rings um den Hügel schlängelt, um ihrem Schöpfer zu huldigen. In Antokolski tritt der Jude ferner auch in einem anderen Zuge hervor, nämlich rm ethischen Geiste, den er dem Marmor durch seinen Meißel einhaucht. Wenn nach ihm alle wahre Kunst einen Geoankeninyalt, eine Idee haben nruss, so ist dann ihr letzter Zweck nicht die bloße Darstellung dieses Inhaltes, dieser Idee, sondern ihre veredelnde ethische Wirkung. „Die Menschen Die Cultusgemeinde und die jüdischen Unterlehrer. Die Leser unseres Blattes werden sich erinnern können, dass mir sofort in den ersten Nummern die unsäglich traurige Lage der j ü d i s ch e n Com m u n alle h r e r, insbesondere aber der provisorischen, die mit einem Monatsgehalte von 7,0 Gulden seit Jahren auf ihr Desillitivnm warten und von den christlich-socialen Tyrannen consequent bei jeder Besetzung übergangen werden, in mehreren Artikeln beleuchteten. Der „Jüdische V o l k s v e r e i n" nahm sich sofort nach dem Erscheinen der Artikel der Sache der Lehrer an, berief eine große Volksversammlung ein und unternahm auch alle möglichen Schritte bei den Behörden, um diesen Uebermaße an Brutalität und Unmenschlichkeit ein Ende zu bereiten. Leider waren diese Schritte bislang erfolglos. Allein nach einer Richtung hin schien das Eingreifen des „Jüdischen Volksvereines" doch ein Resultat gezeitigt zu haben. Die provisorischen Unterlehrer, als die schwerst Betroffensten, wurden bald tiad) der Versammlung privat verständigt, dass der W i e n e r C u l t u s v o r st a n d gesonnen sei, thcttkräftige Hilfe zu schaffen. Wie diese Hilfe beschaffen ist. sollen die nachfolgenden, dem amtlichenMaterialentnommenen Thatsachen der Oeffentlichkeit kundthun. Den jüdischen Unterlehrern wurde bedeutet: Da in Wien ein großer Mangel an jüdischen Religionslehrern sei, werde ein Religionslehrercurs an der israelitisch-theologischen Lehranstalt errichtet werden. Die Herren Lehrer mögen den Curs besuchen und sich zu Religionslehre ansbilden. Bis zur Anstellung aber würden sie als Ersah für etwaige entfallene Privat stunden Stipendien erhalten. Am 7. October v. I. begann der Curs, in den sich auch die provisorischen Unterlehrer, zwölf an der Zahl, einschreiben ließen. Der Curs dauert täglich von 6—8 Uhr abends, Sonntag von von 8—10 Uhr vormittags. Am 8. October wurden die Herren Unterlehrer zum zweiten Vicepräsidenten. Herrn Dr. K oh n bestellt und verständigt, dass sie ein monatliches Stipendium vo'n 20 — 25 Gulden, auszahlbar in vierteljährigen Raten, erhalten würden, und zwar als Ersatz für etwaige, durch Frequentierung des Curses refusiierte Privatstunden. Diese stricte Zusage wurde später des öfteren vom Rector der Lehranstalt Herrn Dr. Schwarz über Ermächtigung einiger Herren aus dem V o r st a n d e b e st ä t i g t. Es ist selbstverständlich, dass die Unterlehrer, wahrhaftig die Aermsten der Armen, sich nach dieser Zusage richteten und mit derselben als Deckung für den Wohnungszins rechneten. Gegen Ende December richteten die Lehrer eine Eingabe an die Gemeinde, in der dieselbe unter Angabe besonderer stichhältiger Gründe gebeten wurde, die erste, am 7. Jänner fällige Rate jetzt schon auszahlen zu wollen. Auf diese Eingabe erfolgte keine wie immer geartete Erledigung. Die Lehrer nahmen es nun als selbstverständlich an, dass sie am Fälligkeitstage das zugesagte Geld erhalten würden. Am 7. Jänner d. I. aber erhielten die Lehrer — nichts. Als Mandatare ihrer Collegen sprachen zwei der Lehrer, die Herren Aufwerber und Stern, tagtäglich bei der Cultusgemeinde vor, um die Gemeinde an ihre Zusage zu erinnern. Sie wurden von Tag zu Tag vertröstet, oh ne Entscheidung gelassen, bis vor wenigen unmiJBBmMmaamuatmimuvmium — schrieb er einmal in seiner poetisch angehauchten Autobiographie (im „Wjestnik Jewropy" 1883) — sind meine Harfe, ihre Nerven die Saiten und durch die Berührung meiner Finger will ich in ihnen Liebe und edle Gefühle erwecken." Es ist dies ein Punkt, in dem seine jüdische Seele mit der russischen so merkwürdig zusammentraf, welch letztere Tolstoj in seinem Werke über die Kunst vor einem Jahre so großartig verdolmetscht hat. Man sehe sich nur das rnonumentale Werk Antokolskis, feinen „Iwan den Grausamen" an, mit dein er das Ghetto verließ und das Gebiet russischer Nationalgeschichte glücklich betrat. Wie hat Antokolski diesen Tyrannen, diesen Richter und auch Hinrichler, der der Schrecken seiner Unlerthanen war und „ihr Blut loie ein trockener Schwamm unersättlich eingesogen", so wunderbar in einem Momente erfasst, in dem er uns fall rührt, unser Mitleid ganz erweckt I Wie stellt er doch diesen Marterer seiner Böller als den Märtyrer seines bösen Dämons so erschütternd dar! J>i eilten Mönchsmaritet (alte Czarentracht) gehüllr, um die Lenden gegürtet, sitzt der grausame Czar gejenften Hauptes, das eine Mönchskappe bedeckt, auf fernem Throne. Seine furchtbaren Augen, die von der großen Tragik seiner Seele erzählen, blicken über das Todtenverzeichnls hinweg, das er soeben gelesen, nach einem festen Punkte vergeblich suchend, auf dem |ie sozusagen ausruhen könnten. Großer Thaten ist seine große Seele fähig gewesen, allein der böse Dämon hat über sie gesiegt und sie ivird letzt voit marternder Reite und plageiiden Gewissensbissen durchwüylt. In unserem Abscheu vor diesem Tyrannen klingt ein sanfter Ton des Mitleids mit dein Mensche n hinein. Ein russischer Kunstkritiker hat einmal den gewaltigen Eindruck, den dieses Werk auf alle geübt, dadurch erklärt, dass Antokolski „in das Wesen des Czaren etwas Jüdisches gemischt." Gemeint ist aber damit der ethische Zug, der durch bie Kunst Aalokolskis geht, uns auch mlt den Tyrannen „vermenschlicht" und unser strenges Urtheil über ihn mildert. Bon Methaphysik und asketischer Verneinung der gesunden Natur und des sinnlichen Lebens bls zum melancholischen Pessimismus und der stillen Sehnsucht nach dem von den Leiden erlösenden Tode ist für den dutoenden Märtyrer nur ein Schritt. Diesen letzten Schritt hat auch das ganze Judenthum im Laufe der Jahrtausende gemacht. Die Leiden machten es bald seine lebenssroheii Jugenolieder und feinen Optimismus vergessen und insoferne jeii.e Melancholie und Todessehnsucht nicht durch das in seinemHerzen liefwurzelnde Gvttesverlrauen und den Gedanken au eine „Leldensmtsslvn" gemtlderr wurde, kam sie in selnen Dichtern und Künstlern zum reinen Ausdruck. Aus der Seele Antokolskis klingen uns in so ergreifendem Moll melancholische Töne heraus. „Ich freue mich — schreibt er — an der Menschen Freude, noch naher aber steht mir ihre Trauer." Sv mächtig suhlt er sich vom Tode angezogen und sein Auge weidet nnd ergötzt sich an dem Sterben, wie das Auge der Müden und Beladenen Tagen, knapp vor dem Z in s t ag e. Am 28. Jänner theilte der Rector Dr. Schwarz den Lehrern mit, erhübe gerüchtweise gehört, dass die Cultusgemeinde die verflossenen drei Monate - das erste Viertel — nicht zu zählen gedenke. Er selbst machte die Lehrer aufmerksam, sofort eine Eingabe an den Vo'ftand zu richten. Die Eingabe, überreicht am 28. Jänner, hat folgenden Wortlaut: Löbliche Israelitische C u l t ii s g e nt e i n d e Wien! Von Tag zu Tag Tjarttett die Unterfertigten auf die Flüssigmachung des ihnen zngesagten Stipendiums, und nachdem der Termin, an dem die erste Vierteljahrsrate fällig, längst überschritten ist, so gerietheit die Unterfertigten, da sie doch mit jedem Heller rechneil inüssen, in die denkbar tristeste Lage. — Zu ihrem Entsetzen erfuhren sie heute von Seite des Herrn Rectors, dass die löbliche Cultusgemeinde das Stipendium erst vom Beginne dieses Kalenderjahres bewilligte. Bei unserer'Besprechung mit dem Herrn Vicepräsidenten Dr. G. K o h n wurde den Unterfertigten zuaesichert, dass jeder Hörer Al—25 fl. als Handstipendium bekommen wird, mit dem nusdrücklichen Bemerken, d ss dies eine Entschädigung für die Auflassung von Privatstunden sei, die wir durch den Besuch des Seminars nicht zu ertheilen in der Lage sind. Würde dieses Gerücht sich bewahrheiten, so wären die Unterfertigten in eine geradezu j a m m erv o l l e L a g e g e r a t h e n, da sie dieses Geld ftir die Deckung ihres am 1. Februar fälligen WohnuugSzinseS bestimmt haben. Mit besonderer Rücksicht ans den letztangeführlen Umstand bitten die Unterfertigten um umgehende Erledigung dieser Eingabe, und geben dieselben der sicheren Eriv a r t tl n g A il s d r n ck, dass sie, bie j n wahrlich von der heutigen Zeit gen ugbedrücktw erden, nicht auch noch ntn diese Hoffnurtg gebracht iv e r d e n. (Folgen die Unterschriften.) Am folgenden Tage wurden fünf der Herren Lehrer zum Rector beschieden und denselben bedeutet, der Vorstand habe vom Prosessoren-Collegium der Lehranstalt eine Begutacht u n g über den Fleiß der Herren Lehrer (Warum nicht auch über: Sitten'? Anmerkung des Setzerlehrlings) verlangt. Das Profefforen-Collegium habe geantwortet, es möge jeder der Herren das zugesicherte Stipendium erhalten; wenn man mehr thun wolle, so möge dies den sieben namentlich angeführten Herren zugute kommen. Zwei Tage darauf, am 3L, erhielten die Lehrer folgende Erledigung ihrer Eingabe: Z. 1943 ex 1900. In Erledigung Ihrer Eingabe vom 28. d. Z. 1948, betreffend die Stipendien für die Höier des Religionslehrer-Curses, werden Sie auf die heute an das Curatorium (? Soll wohl heißen Rectorat) ergangene Erledigung verwiesen. Der erste Secretär: Der Vicepräsident: Dr. Lieben. Dr. G. K o h n. An die Herren Hörer des Religionslehrer-Curses au der israe.l.-theol. Lehranstalt Wien, zuhanden des Herrn Friedrich Aufwerber. Herr Aufwerber begab sich sofort ins Rectorat, wo ihm Folgendes eröffnet wurde: DieCultusgemeinde erklärte, dass sie die Herren für das verflossene erste Vierteljahr nicht entschädige, da diese Ausgabe im Budget des Jahres 1899 nicht vorgesehen sei, sondern nur für das Kalenderjahr, beginnend mit 1. Jänner 1 9 00. Auch für das Kalenderj a h r s e i d i e E n t s ch ä d i g u n g n u r f ü r die S ch u l m on ate in Aussicht genommen, nicht aber für die Ferialmonate. Die Entschädigung sei mit 15 fl. per Monat nach den Plagen des Tages an dem herrlichen Svnnenuntergange. Man sehe sich nur den „Bersöhnuugstag" von Moriz Gottlieb an und vergleiche damit, was Samuely in den „C ilturblldern" von diesem hoffnungsvollen Maler erzählt, dem plötzlich in seiner blühendsten Jugend eine Todesahnung leise durch den Kopf zieht und ihn soweit beherrscht, dass der Jüngling auf seine Erstlingswerke sich selbst schon ein Todesdenkmal setzt. Wer ivird es noch leugnen dürfen, dass es die Leiden und die Melancholie ihres Volkes sind, die sich in der Seele seiner .Künstler wie in einem Breilnpunkte vereinigen unv verdichten. Die jüdischen Künstler ivaren darin auch vom Leben „begünstigt", es hat nie ihrer Seele, ihrem Sinnen und Sehnen entgegengewirkt. Was sie von „Hause" aus initbrachten, haben die persönlichen Leiden sogar vermehrt, gesteigert. Den Unglücklichen gestattete das „Leben" noch zu erwerben, wns sie als Söhne ihres Volkes sich nur ererbt. Antokolski lebte Jahre hindurch in Leiden und in Noth. Er liebte sein Vaterland unv dessen Söhne, und doch musste er ve ka»>nt und verstoßen das Ausland aufsuchen. «Sein Herz hieng au „dem Bienenstock, dessen Honig im süß war, nur das' der Stachel der Bienen ihn verwundete." „Er glich damals Rigoletto" — so schrieb er einmal — „der jubelt und singt, während seine Seele weint." Uno fast unbewusst mischte er damals iu „das Jubeln und Singen" in seine Weite Klagen nnd Seufzer. Aus dieser Stiilliiiung erstanden fein „Letzter Frühling", sein „Grabdenkmal der Fürstin Maria Obolvnska", sein „Kranker Spinoza" und sein „Tvo des Sokrates". — Sein „Letzter Frühling" >>ellt uns emen Maler dar, der im Garten die Bäume desselben malt, die kaum zu grünen begonnen. Eine milde Resignation spricht aus jedem Zuge dieses Malers, der sich in das Schicksal schon ge,ügt, »velches die Frühlingsbäume und auch sein Leben bald ivelken machen ivird Es ist dies ein Grabdenkmal eines Br. G l n z b u r g. der als junger Künstler im Frühling seines Lebens verschieo Biel erschütternoer ist das Denkmal der russischen Fürstin Obolenska, welches aus dem Monte Teslaecio in Rom jeden» Borübergeheuoen von der großen Tragik des Tooes erzählt. Auf einer steinernen Bank sitzt die junge Fürstin mit zerflochtenem Haar. Ihre gefalteten Hüiide legt sie in den Sch ß, gebeugt sitzt sie da und blickt in Vas vor ihren Augen gebffueie kalte Grad, in das der grausame Tod aus dem herrlichen Palaste sie jetzt herzlos treibt. — Mit abgeklärt philosophlscher Ruhe, mit weicher Milde, die aus fast weiblichem Gesichte strahlt, blickt „Spinoza" über daS Buch hinweg, in welchem er soeben gelesen. Sein Körper ist krank, seme Füße sind in eine Decke gehüllt, allem lern mächtiger Geist hört nicht auf, die Gedanken des Verfasser - auf ihre Wahrheit zu prüfen und Menschen nitd Werke wie „Punkte, Linien und Körper" zu betrachten. Denn er ist von denen, die da sterben, wahrend sie denken. — Nun, sein „Tod des Sokrates", der uns den griechischen Weisen durch ben soeben weggeschleuderteu Schierlingsbecher vom Leben erlös t barste Ul, hat einen Fehler in der Conception. ES