Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 4 (26.1.1900)
- Date
- 1900-01-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Freitag: Jüdisches Volksblatt 26. Jänner 1000 Nr. \ werden sicher wiederkommen! — Was sich der Provinzjnde unter „Israelitische Union" vorstellt, lässt sich mit einem Worte bezeichnen: „Regierungsjuden". Höchst angesehene Leute, deren Freundschaft einem über alles ehrt. Und nun will ich Ihnen erzählen, was ich sah und horte. Bor allem sah ich Männer von Angesicht zu Angesicht, deren Namen dem Munde eines jeden rechtgläubigen Israeliten geläufig, ich hätte bald gesagt, heilig, sind. Die alten, unentwegten Drachentödter: Ofner, Wrabetz, Nvske; ich sah Kareis und noch viele andere liberale Größen. Mir schwindelte! — Ich sah auch Lncian Brunner, der das Referat erstattete: Mittel und Wege, die Gemeinderaths-Majorität zum Teufel zu jagen. In der „Neuen Freien Presse" las der gläubige israelitische Staatsbürger von einer gntbesuchten Versammlung mit lebhafter Discussion. Die Wirklichkeit: Brunner spricht vor einem halbgefüllten Saale, zu einer unaufmerksamen, gelangweilten Zuhörerschaft, von eineni vitalen Interesse der Juden über die Frage des Wahlrechtes der Einkommensteuer-Zahler. Lange vor Discussionsschluss wird der halbgefüllte Saal noch um die Hälfte leerer, und bei der Abstimmung wird die Resolution Brunners von einer zwei Dutzend Männer starken Majorität abgelehnt. Offen gesagt, uns in der Provinz dürfte man mit einer solchen Kinderei wie diese Resolution, es möge eine Massenpetition an die Regierung gerichtet werden behufs Auflösung des Gemeinderathes wegen fortschreitend begangener Ungesetzlichkeiten, nicht kommen. Herr Wrabetz, der gegen diese Resolution sprach, war gescheiter. Erstens wollte er nicht noch mehr Polizei, und dann wusste er, dass „in einer so zugestntzten Wählerschaft (im 2. Wahlkörper) die Antisemiten ihre Majorität „jedenfalls" nicht mehr finden werden". Mir hat das zwar nicht eiugelenchtet, aber als Abgeordneter muss Herr Wrabetz jedenfalls wissen, ob der Antisemitismus schon todt ist. Und wenn er es sagt, muss es wahr sein. — lieber Lucian B rn iinec bildete ich mir eine bessere Meinung, als ich seinen Brief an den Cultusoorstand, der gedruckt auflag, las. Da glaubte ich etwas von einem warmen jüdischen Herzen zu spüren. Vorauseilend sah ich den Mann schon im jüdischen Lager. Der Brief gieng mir nicht aus dem Kopfe und spielte meiner Phantasie einen Streich, als ich auf dem Heinnvege im Tramwaywaggon eingenickt war. „Ich befand mich bei einer Discussion des Jüdischen Volksvereines. Da geht die Thür aus und herein tritt Lucian Brunner mit feierlichem ernsten Gesicht. Sensation! Nach beendigtem Referate, noch vor der Discussion, bittet er um das Wort. Alles horcht gespannt auf. Meine Herren! Volksgenossen! (Sensation.) Die geschlossene Phalanx unserer Gegner, das ungeheure Anwachsen des Antisemitismus, die elende Niedertracht, die an dem ältesten Culturvolke täglich neu geübt wird, haben in meinem Herzen Stimmen geweckt, die ich längst erstorben wähnte. Das Vordringen unserer Feinde einerseits, das allenthalben mit frischen Säften emporsprießende jüdische Volksbewusstsein andererseits haben mich zu der Erkenntnis gebracht, dass es für den jüdischen Mann nur e i n Ideal gibt: Die Arbeit für sein Volk! (Bewegung.) In Consequenz dieser Erkenntnis habe ich mein Mandat als Gemeinderath zurückgelegt, um alle Kräfte meinem Volke zu widmen. (Ungeheure Sensation.) Ich habe das Bewusstsein, damit das Interesse meines Volkes gewahrt zu haben. Denn nur wenn wir innerlich consolidiert sind, können wir es auch nach außen sein. Diese innerliche Consolidierung aber erfordert die ganzen Kräfte aller wahrhaft jüdisch fühlenden Männer, und zu diesen will ich vom heutigen Tage an auch gezählt werden. (Ungeheurer Beifall.) Nicht aus Feigheit entsage ich meiner bisherigen Thätigkeit. Ich scheue den Kampf nicht. Ich weiß, dass der Kampf, den ich Seite an Seite mit den Streitern für Juda innerhalb des jüdischen Volkes kämpfen will, die höchsten Anstrengungen erfordert. Aber es ist der einzige, der wirklich zum Siege führt. Alle Kämpfe, die wir Juden außerhalb des Judenthums führen, sind für unser Volk nutzlos. So wie unsere wahren Feinde nur unter uns sind: die Verräther am jüdischen Volke. Und zu diesen rechne ich alle diejenigen Juden, die, sei es in welcher Form, aus welchen Ursachen immer, sich von ihrem Volke gewendet haben, für fremde Völker kämpfen, arbeiten, dem Kummer und der Freude des eigenen Volkes aber fremd gegenüberstehen." Tosender, nicht endenwollender Beifall. Man umarmt und küsst Brunner. — Da plötzlich ein Ruck! Ich fahre aus meinem Traum auf. Der Tramwaywagen ist entgleist. Wenn ich das Facit des in Wien Gesehenen (nicht Geträumten) ziehen soll, muss ich sagen, dass ich eine solche politische Rückständigkeit, ja Unmündigkeit, wie sie unter der Majorität der Wiener Juden, deren hervorragendste Eigenschaft Jndifferentismus jeder Art zu sein scheint, nicht erwartet hätte. Es wurde mir zur Erklärung gesagt, dass es wahrscheinlich den Wiener Juden (die wirtschaftlich Schwachen, die ernstlich zu kämpfen haben, ausgenonimen) noch immer viel zu gut gehe. Das würde ja in das jüdische Bild hereinpassen. Denn, nach dem Aussprüche unseres großen Lehrers erinnert sich der Jude erst im Elende an den rettenden Fels, den er vergisst, wenn und so lange es ihm gut geht. Noch eines muss ich erwähnen. Junge Leute diirfen in Union-Versammlungen nicht hinein. Die bange Frage regt sich: Wer wird das Erbe der Alten antreten? Dann machte ich noch die sonderbare Beobachtung, dass nichts so sehr selbst ganz alte Union-Mitglieder in Zorn bringen kann, als bunte, von jungen Leuten schräg über die Brust getragene Bänder. Ich sah sehr achtbare weißbärtige Israeliten vor Zorn über solchen Unfug ordentlich jung werden. Später erfuhr ich noch, dass dieser Zorn nur durch „zionistische" Farben hervorgerufen wird, aber durchaus nicht durch „deutsch-liberale". Ich brachte aus Wien die beruhigende Ueberzengung mit, dass es zuhause, in der Provinz, doch besser sei. Da können sich unsere liberalen Großjudeu wenigstens nicht als Juden gerieren, denn sie gehören deutschen Casinos an. Und wo diese „Führer" die Wege des jüdischen Volkes kreuzen, ist ein verjudetes „deutsches Casino" leichter zu bekämpfen, als eine „israelitische Union". Und wenn wir schon, was leider bisher bitter wenig geschieht, jüdische Politik machen wollen, thun wir es einmüthig, mit dem einen Ziele vor Augen, jüdische Politik machen zu wollen. Ihr ergebener Jecheskel Scliochaur. Vom Tage. Sittenbilder aus dem jüdischen Groft-Wien. Der Fasching ist da und das Schnorren mit der Ballkarte ist im schönsten Gange. Das Eldorado unserer Wohlthätigkeitsvereine hat begonnen, mit allen Mitteln und Mittelchen wird man angezapft, und wohl dem, den ein gütiges Schicksal fern von der Großstadt weilen lässt. Aber das erbauliche Treiben der diversen Vereinsfexen und „Comiteter", die das ganze Jahr für ihr Judenvolk keine Zeit haben und jetzt in circa 300 jüdischen Wohlthätigkeitsvereinen unter jüdischer Flagge einen Raubzug unternehmen, das könnte'uns schier kalt lassen. Möge das jeder mit der holdselig lächelnden Bereinspräsidentin und notabene mit seiner Tasche abmachen. Und Gott sei Dank, sie haben's ja meistens. Aber eine merkwürdige Metamorphose vollzieht sich mit allen diesen Vereinen, ob sie nun Schulkinder bekleiden, Wöchnerinnen unterstützen oder Lehrlinge versorgen wollen. Sie, die statutengemäß nur ans jüdischen Mitgliedern bestehen und nur jüdische Personen zu unterstützen haben, ja, die in den: officiellen Titel das Wort „israelitisch" nach den Statuten führen müssen, nehmen jetzt ohne Bewilligung der hohen k. k. Statthalterei und ohne Generalversammlung eine Aenderung des Namens und Zweckes vor. Der israelitische Franen-Wohlthätigkeitsverein „Leopoldstadt" ist jetzt auf Ballkarten und Einladungen der „Franen- Woblthätigkeitsverein Leopoldstadt", ja. der löbliche Verein „Nachlath-Jeschurun" zur Unterstützung israelitischer Schulkinder ist plötzlich ein ganz anderer und benennt sich „Humanitäts- Verein für die westlichen Bezirke Wiens": der „Verein zur Hebung der Gewerbe unter den Israeliten" ist jetzt schlankweg der „Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien", und damit ihm ja nicht das Unglück passiert, für eine jüdische Corporation gehalten zu werden, verschreibt mau sich einen Paradechristen in der Person des allezeit hilfsbereiten Exner. Man unterstützt nicht mehr jüdische Schulkinder, wie im I a h r e s b e r i ch t e zn lesen ist, man unterstützt jetzt dürftige Schulkinder, wie in der B a l l e i n l a d u u g berichtet wird, man unterstützt nicht mehr die durch den Antisemitismus hart bedrängten jüdischen Gewerbetreibenden, nein, jetzt gilt es den „mittellosen Gewerbetreibenden", und so fort mit Grazie. So treiben sie es alle, alle ohne Unterschied, und was in Wien an Vereinen nicht jüdisch-national oder zionistisch ist, das „gibt sich einfach nicht zu erkennen". Manche zwar haben das Glück gehabt, nicht mit dem Geburtsfehler „Jsr." auf die Welt zu kommen. Da haben wir vor allem die berühmte „Humanitas" und die „Providentia", die vielleicht kaum einen Arier als Mitglied haben mögen, selbstverständlich dafür jüdische Kinder nur in verschwindendem Maße unterstützen. Und dabei kann man das schon verlautbaren lassen: „Verein ohne Unterschied der Confession und Nationalität". Das klingt so fein, nicht wahr, und vielleicht kommt dann doch der Herr Reichsraths-Abgeordnete Noske, und der Herr v. Guttmann braucht sich vor seinen christlichen Kindern nicht zu schämen, wenn er die Ballkarte honoriert. Wem noch glauben die Damen und Herren mit ihrer diplomatischen Statutenänderung zu imponieren? Gut, sie können vielleicht den Wirt darüber täuschen, dass er es mit einem jüdischen Vereine zu thun hat, sie mögen etwa dem einen oder anderen christlichen Geschäftsfreunde ohne Erröthen eine Ehrenkarte anhäugen; dem ehrlichen Juden imponieren sie mit diesem ekeligen „Sich-nicht-zu-erkennen-geben" blutwenig, und der einzige Vortheil bei dieser plumpen Maskerade erwächst nur der Tagespresse, die nicht mehr so ängstlich einen verborgenen Zeitnugswinkel aufsnchen muss, um die Ballanzeige zu veröffentlichen. Es könnte aber den neuerungssüchtigeu, klugen „Ballnrachern" auch Unangenehmes passieren. Vielleicht wird in Zukunft so manches jüdische Mädchen und junger Alaun es sich wohl überlegen, bei diesem Humbug als Comitemitglied mitznwirken, und vielleicht tritt auch die Fatalität ein, dass das sorglose Opfer, der jüdische Familienvater, sich die Ballkarte etwas besser ansieht und die schnorrenden „Comiteterer" an die Cassen jener Clique verweist, für die sie Schergeudienste thun, und das ist wahrhaftig nicht unser verleugnetes jüdisches Volk. Prinz Liechtenstein als — Jndenfreund. Prinz Liechtenstein hat einen merkwürdigen Beruf. Bei feierlichen Gelegenheiten der vereinigten Antisemiten von Wien und Umgebung stellt dieser Herr sich die seltsame Aufgabe, die Juden „wissenschaftlich" zu tödten. Aber des durchlauchtigsten Herrn Wissenschaft will nicht recht parieren. Sie zeigt von Zeit zu Zeit immer ein anderes Gesicht, wie ein launisch Weib, dem die harte Logik der Thatsacheu gar nicht recht ist. Nun ist diese eigenthümliche Dame gar schon so weit gekommen, sich mit Juden i d e u t i f i c i e r e n zu müssen. Man könnte fast iiu Jargon des „goldenen Wiener Herzens" sagen: Prinz Liechtensteins Wissenschaft ist auf den —■ Juden gekommen. Am Sonntag hielt der „schwarze Prinz" nämlich wieder eine seiner schon berühmt gewordenen „wissenschaftlichen" Reden. Diesmal über die deutsche Socialderuvkratie und deren jüdische Tendenzen. Der Prinz hat da ganz merkwürdige Dinge gesagt. Zuerst meinte er, dass Marx, Enge l(s) und L a s s a l l e Männer von glänze nd e ni, durchdringendem G e i st e, von u m f a s s e nder tiefer Gelehrsarnkeit waren, die nur deshalb über das „mobile Capital" nichts sagten, weil sie — Jude n waren. Nun kann man das, was der Prinz über diese drei Männer sagt, von ihm selbst gerade nicht behaupten, weder in puncto Eigenschaften und Gelehrsamkeit, noch in puncto Judentlmm. Aber in Anbetracht seiner ganz ungewohnten Objektivität mag ihm der Lapsus, Friedrich Engels als Juden zu bezeichnen, nachgeseheu werden. Aber es kommt noch besser. Der gelehrte Prinz meint: „Marx, dessen Kritik.. . . unserer Zeit unübertrefflich, unwiderleglich und von ergreifender Naturtreue ist, hatte den Entwicklungsgang der modernen Socialdemokratie so voransgesehen, wie er sich thatsächlich vor unseren Augen vollzieht... Ich mache Sie aufinerksam, meine Herren, dass wir christlichen Socialreformer b e z ü glich der Kritik der modernen Gesellschaft mit Marx übereinstimmen". Schau, schau! Wer hätte das gedacht! Der „Jude" Karl Marx mit feinem „zerissenen Iudengehir n" und der christlich-sociale Antisemit Prinz Liechtenstein int Herzensbunde. Wenn das Marx erlebt hätte — hätte er sich zwar ebenso höflich wie entschieden für eine Gemeinschaft mit dem „schwarzen Prinzen" bedankt, nachdem er aber todt ist, kann sich Prinz L i e ch t e n st e i n den Luxus schon erlauben. Was der Prinz sonst über B e r n st e i n, der natürlich im Aufträge des bekanilteil „Judenthums" sein Buch schrieb, sagte, war dem Niveau der Versammlung angepassl. Sie haben ein unverletzliches Recht auf Dummheit, und man thut am besten, es ihnen zn lassen. Inland. Wien. (T ra ue ran d acht nach Herrn B. Landau.) Zn Ehren des vorige Woche im Alter von 52 Jahren verstorbenen Vorstehers des Bethauses „Beth Israel", Herrn Baruch Lauda n, veranstaltete dieser Synagogenverein eine solenne Trauerfeier am Sonntag den 21. d. M., au der viele Verwandte und Freunde des Verblichenen sich betheiligten. — Außer den nächsten Angehörigen sahen wir Cultusvorstand Salo C o h n, Oberingenieur Arthur Edlen von M i e s e s, Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer, Bethausvorstand H. E l t b o g e n, die Herren I. I v k t, Bernhard K anitz von der „Israelitischen Union" u. v. a. Nach dem ergreifenden Vorträge der Tranerpsalmen durch Obercautor S ch o r r hielt Herr Rabbiner Ai a y e r s v h n eineu tiefempfundenen „Hegad" und schloss in sinniger Weise mit den Worten der heiligen Schrift: IJoruch atoli bewoecho!. . Dein Ausgang aus dieser und Eingang in jene Welt sei gesegnet! —n. Wien. (Aus der Plenarsitzung desCultusv o r st a n d e s vom 21. I ä n n e r 1900 unter bem V o rsitze des Präsidenten kaiserlicher Rath Heinrich K l i n g e r.) Im Einlaufe befinden sich Annahme-Erklärungen der Herren Marens Bondi, Dr. Leopold Kohn, Wilhelm K u f s n e r, Dr. Leopold Libitzky, Dr. Wilhelm Zucker, betreffend ihre neuerliche Ernennung als ständige Obmänner für die Schiedsgerichte der israelitischen Cultusgemeinde, ferner eine Annahme-Erklärung des Herrn Moriz K a r p e l e s, betreffend die Berufung in das Curatorium der Victor Ritter v. Boschanschen Stiftung für Kranke und Reconvaloscente und des Herrn Dr. Leopold Kohn, betreffend die Berufung in das Curatorium der Samuel Sü s s e rm an n'schen Stiftung zur Beförderung des Studiums der Bibel und des Talmuds. An Spenden sind eingelaufen : Von Herrn Gottlieb B e t t e l h e i m zur Ausspeisung von 10 armen jüdischen Schulkindern während der Wintermonate Kr. 300.—, von einem Anonymus I. H. Kr. 30.— zur Vertheilung an Arme in Beträgen von je 4 Kr., von Frau Fanny Brach für den israelitischen Waisenverein Kr. 10.— und für die Volksküche Kr. 10.—, von Herrn Dr. Max Scheyer, aus Anlass der Barnrizwahfeier seines Bruders Moriz, für den Waisenverein Kr. 20.—, von Herrn Heinrich Gutmann zur Vertheilung an Arme und Wohlthätigkeitsanstalten Kr. 34.—. Den Spendern wird der Dank votiert. Im Präsidialberichte gedenkt der Präsident anerkennend der vom „Indischen Museum" am 20. d. M. im Musikvereinssaale aus Anlass des zehnjährigen Todestages des Allmeisters auf dem Gebiete des liturgischen Gesanges Salomon Sulzers abgehaltenen Feierund bemerkt, dass solche Veranstaltungen geeignet seien, durch ihren erhebenden und künstlerischen Berlaus in der Jugend das Gefühl für das Judenthum zu stärken und zu kräftigen und in uns allen lebhafte Empfindungen aus vergangenen Zeiten wachzurufen. Diese Feier gereichte dem „Jüdischen Museum" zu hoher Ehre. — Ich glaube im Sinne der Versannnlung zu sprechen, fährt der Präsident unter beifälliger Zustimmung der anwesenden Herren fort, indem ich dem Präsidenten des „Jüdischen Museums" Herrn Baurath S t i a ft n y den wärmsten Dank des Vorstandes ausdrücke. Herr kaiserlicher Rath Hirsch referiert namens der IV. und VI. Section über die Vergebung der Blumenausschmückung von Grüften und der Instandhaltung der Friedhofsanlagen auf der israelitischen Abtheilung des Centralsriedhofes. Nach eingehender Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Stern, Salo Cohn, S t i a sr n y, v. Golds ch m i d t. Hoff m a n n und Dr. Stein betheiligten, wird im Sinne der Seetionsanträge beschlossen, ein diesbezügliches Abkommen mit einem Unternehmer für mehrere Jahre zu treffen. Herr Ober-Ingenieur v. Mieses erstattet einen ausführlichen Bericht über die von der I. Section unternommenen vorbereitenden Schritte, betreffend die Errichtung einer den rituellen und hygienischen Anforderungen entsprechenden eigenen Mikwah der Gemeinde. Der Bericht wird einhellig zur Kenntnis genommen. Die Sectionsreferenten Herr Architekt Fleischer und Herr Ober-Ingenieur v. Mises werden ersucht, den! Vorstande eoncrete Vorschläge vorzulegen. Die Finanzfrage!vird an die IV. Section geleitet. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um 1 Uhr nachmittags geschloffen. Wien. (Der Brigitte nauer Armenarzt g e st o r b e n.) Sonntag ist der in der Brigittenau äußerst bekannte und geachtete Arzt Dr. Alexander Weiß, welcher durch längere Zeit lungenleidend war, einem Herzschlage erlegen. Die Nachricht von dem Hinscheiden des Arztes hat in allen Kreisen lebhafte Theilnahme hervvrgerufen. Dr. Weiß